Ausgabe 
2.9.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

^oihm.

>ds htungen.

'ldert Verstand. ItoenbtflleiteiL

derFinancial erredung mit dem bchverin von -r Minister lveist einer Herab« die Ausland« hlands hin. Sr mimenschiuh bet m Dege über die :e 2JZ. und be« i nur aus dem nvernehmens ' die Dauer sei es he Zahlungen vom ; den Fall der ing erheblich der« die Preise wieder großer Teil der ) von selbst regeln, len, daß eine An« chlands Gläubiger ließen würden, m ben 2Jottoutf S geborgt habe. : eine Konverlie« englischem Dvr- chi in Frage, da zerstört würde, bauen versuche.

eine Herab« Frage, so sehr die l Hinsichtlich des der Deichsfinanz« Ausgabe von e von der deutschen jlt werden könnten, in vorhanden seien, darauf zurück, W Daren zahlen

W Sil,*" en, dak?Erun. Mi!""

'm®»»

«Ltz fr Wrt

^chlcherappa. ln jur Leichiauna '.n,0«n fönnen. d» Staates an.

4« $U kürzet

ringend notwendig rnt sind, nur nutz« Botschaften m Dv rbindung mit dem stung aus^ordett jnnte. Dcht alle vrselben lDellen* L ihren E unächst Acht, eraiewohlausg^ , rasch und snher Stz LA ad von 4 w as auch em fr f£) tut mag er erbrechen u

auch em«

aDl9<SiS oder nA Derk- ^Äerheit^

'* ,Ä In# %

SKZ MS sM et ßiegt fr

Dienst w-'f #*,»*

. Aus der provinzialhaupistadi.

Dietzen, den 2. September 1932. Am Fürstenbrünnchen*).

XSon Georg Todt.

Im schönsten Wiesengrunde Da rieselt klar und hell Noch bis zur heut'gen Stunde Ein frischer, kühler Quell.

Und in der Bäume Schatten Sucht' einst ein hoher Gast 2m Anblick grüner Matten Am Brünnchen Ruh' und Rast. Trank er aus aüldnem Becher, Ob aus der hohlen Hand, Oder im Kreis der Zecher; Davon ist nichts bekannt.

Trug hin die schönen Frauen Zur Zeit auf edlem Roß? Ob tarn aus fremden Gauen Der Ritter Kriegertroh?

Führt er die Chattensöhne Vorbei zum blut'gen Streit? Entlockt der Harsi er Töne Hier in der Einsamkeit?

Frisch auf, zum frohen Jagen, Blies Halali das Horn Aus längst vergangnen Tagen Zu sammeln hier am Born?

Auf Hirsche, Reh und Sauen Und anderes Getier, Heisa, durch Wald und Auen, Das war wohl sein Pläsier. Noch täglich sah ich wandern, Früh und im Abendschein, Er glich wohl nicht dem andern, Trug am Gurt zwei Krüg' aus Stein. Trank nicht aus güldnem Becher, Doch wohl aus hohler Hand, Wie einst der alte Zecher, So war er uns bekannt.

Stets trug er die zwei Krüge, Die er gefüllt am Born, Damit sie nicht zerschlügen. Hinten am Hals und vorn.

Er war ein sehr Gelahrter, Ein Mann mit frommem Sinn Und schon als Hochbejahrter Schritt er noch stolz dahin.

Es trank der Wanderbursche, Die Schnitter aus dem Grund, Der ßanbmann und die Lurche Noch bis zur heut'gen Stund. So geht von Mund zu Munde Noch heut die alle Mär. Wer gibt uns davon Kunde? Wer weiß, wo kommt sie her?

Dr. Köllner, Professor der Theologie, wohnte bis zu seinem Tode im Hause Südanlage 9. Er ging täglich zum Fürstenbrunnen und holte sich dort zwei Steinkrüge Quellwasse'r, die er an einem Gurt um den Hals zu tragen pflegte. Diese Verse sollen den Zweck haben, den Verkehrsverein und andere Vereinigungen für diesen schönen Punkt in interessieren. Er liegt hinter der Gärtnerei st o s e r, am Rande des Wiesengrundes.

Starke Steigerung der Lahnschiffahrt.

Der Fulda - Lahnkanalverein, Sitz Limburg, teilt jetzt die Desamtziffern der Ver­frachtungen auf der kanalisierten Lahn (Mündung bis Steeden bei Limburg) im Jahre 1931 mit. Es wurden verfrachtet: Auf per Bergfahrt 8141 Tonnen, auf der Talfahrt 97 341 Tonnen, zusammen also 1 05 482 Ton­nen, gegen 74 374 Tonnen im Jahre 1930. Es ist also Im Jahre 1931 eine Vermehrung der verfrachteten Tonnenzahl um rund 3 1 0002 o. oder 42 Prozent zu verzeichnen. Der Fulda- Lahnkanalverein betont, daß dieses Ergebnis ein Erfolg sei, mit dem man angesichts der immer weiter verschlechterten Wirtschaftslage zufrieden sein könne. Es wird weiter mitgeteilt, daß die Hrnfchlagstellen an der Lahn im Dau sind und namentlich der Hasen Dehrn wohl irn Oktober d. 3. dem Verkehr übergeben und eine weitere Be­lebung der Schiffahrt bringen wird.

e

* Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Reubefestigung wird die Gbel- st r a h e zwischen Wilhelmstraße und Leihgester- ner Weg von Montag, 5. September, ab bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art polizeilich ge­sperrt. Die ausgestellten Sperrschilder sind za be­achten.

Der erhöhte D ü n s b e r g t u r m. 2m Schaukasten desGießener Anzeigers" ist ein Bild zu sehen, das den um etwa vier Meter erhöhten Dünsoergturm zeigt.

"Sturz mit dem Motorrad. Gestern abend kam der 40 Jahre alte Landwirt Fritz Lenz aus Allendors (Lahn) mit seinem Motor­rad auf der Landstraße AllendorsKlein-Linden »um Sturz. Ter bedauernswerte Mann trug dabei stark blutende Kopfverletzungen davon und mußte von der herbeigerufenen Gießener FreiwiUigen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Ehirur- gischen Klinik zugeführt werden.

100 000-Mark-Gewinn im Kreise Friedberg.

MSN. Friedberg, l.Sept. Der 100000« Reichsmark-Gewinn der Preußisch« Süddeutschen Klassenlotterie, der ae« (fern nach Hessen fiel, kommt im Kreis Fried« berg zur Austeilung. An dem Gewinn sind durch­weg kleine Leute beteiligt, die ihn sehr gut ge­brauten können.

Gasthausbau auf dem Johannisberg.

WSA. Dad-Aauheim, l.Sept. Zum Be­such des Finanzausschusses des Hessischen Land­tages und des Landtagspräsidiums in Bad-Rau- hinm erfahren wir noch, daß der Aeubau des Restaurants auf dem Johannisberg bereits von der Regierung genehmigt worden ist. 3m Erdgeschoß des Gebäudes ist ein Kaffee­restaurationssaal mit großen Schiebefenstern für 120 Personen, ein kleiner Saal für etwa 60 Per­sonen und eine neuzeitliche Küchenanlage vor­gesehen. Das Obergeschoß enthält die Wohnung des Pächters, und vor dem Gebäude wird eine abgestufte offene Terrasse für etwa 500 Personen errichtet. Die Arbeiten sind bereits ausgeschrie­ben worden.

Wenn die Wohlfahrtskugel rollt...

Das Hilfswerk für die Hessische Winternoihilfe 1932/33.

Vom städtischenWohlfahrtsamt wird »nS geschrieben:

3n der Erkenntnis, daß zur Steuer der Rot, insbesondere in den kommenden Wintermonaten, nicht genug Mittel ausgebracht werden können, hat der Landesausschuß der Arbeitsgemeinschaft i>er freien Wohlfahrtspflege für die Winterhilfe in Hessen 1932/33, Sih Darmstadt, mit Genehmi­gung des Ministers des Innern die Einführung einer

Mohlsahrtslotlerlc

teschlossen, die gewissermaßen den A u f t a 11 f ü t die Winterhilfe 1 932/33 bilden soll. Während in einigen Städten Hessens die Lotterie tereiis flott im Gange ist, wird sie nun auch in Gießen ihre Tätigkeit beginnen. Helfer in be­sonderer Kleidung werden den Verkauf der Wohlfahrtskugeln in unserer Stadt vor­nehmen. Es winken Geldgewinne von 50 Pf. bis 500 Mk. Dabei ist der Preis für eine Kugel (0,50 Mark- so niedrig bemessen, daß es nicht schwer fallen dürfte, eine große Anzahl abzusetzen. 3e mehr abgenommen werden, um so höher ist der Ertrag, an dem auch die an der Winterhilfe der Stadt Gießen beteiligten Wohlsahrtsorganisatio- nen teilnehmen, mit dem geholfen werden farm. Die Losung in den nächsten Wochen muß daher sein:

Sauft wohlsahrlskugeln ju Gunsten der hessischen winlernolhilfe 1932/33.

Jeder muß helfen!

Heber den bisherigen Erfolg der Lot­terie ist zu berichten:

Als der Landesausschuß Hessen der freien Wohlfahrtspflege in Hebereinstimmung mit dem Hessischen Ministerium des Innern den Beschluß faßte, für das ganze Land eine Wohl­fahrtslotterie durchzuführen, war man sich von vornherein darüber im klaren, daß diese Lot­terie, bedingt durch ihre Eigenart und ihre günstige Dewinnchance, einen Erfolg garantieren würde, der die Fortführung der in ihrem Bestand ernst­lich bedrohten Einrichtungen und Anstalten der reien Wohlfahrt durchaus ermöglichte. Diesen Erwartungen hat das bisherige Ergebnis das !ann erfreut festgestellt werden in vollstem Umfange entsprochen. Ganz Helsen hat sich, un­beschadet seiner verschiedenartigen Devölkerungs- 'chichten, diesem großzügigen Hilfswerk für die freie Wohlfahrt nicht verschlossen, eingedenk des Umstandes, daß

wirksame Hilfe heute mehr denn je not tut.

In den 6 Wochen, in denen nunmehr die weiß­roten Kugelmänner im Osten und Süden, im Norden und Westen des Landes immer wieder baS Strahenbild der Städte beleben, Eiicheimische und Fremde um sich sammeln, war es möglich, nahezu 170 000 hessische WohlfahrtS-

kugeln unterzubringen. Das ist ein Erfolg, auf den Hessen stolz sein kann, ein Erfolg zugleich aber auch, der Veranlassung geben sollte, auf diesem Wege weiter fortzuschreiten, da der Er­trag einer Wohlfahrtslotterie selbstverständlich nie groß genug sein kann.

Wenn die Hessische Wohlfahrtslotterie bisher erst in den Städten bis herab zu 10 000 Ein­wohnern und nicht auch zugleich in den kleineren Orten durchgeführt worden ist, so geschah dies unter 'Berücksichtigung der Tatsache, daß das breite Land erfahrungsgemäß schwierig zu er­fassen ist und erst einer Ausstrahlung von den Bevölkerungs-Mittelpunkten der verschiedenen Kreise und Gebiete aus bedarf. Rachdem sich in­zwischen aber die Organisation der Hessischen Wohlfahrtskugel über die Städte Mainz, Darm­stadt, Worms, Offenbach, Dad-Rauheim, Fried­berg, Dingen, Gießen erstreckt, werden in den kommenden Wochen

weitere Orte in den Wirkungskreis mit einbezogen

werden. Wie lebendig das Interesse an der Wohlfahrtskugel selbst in kleinsten Orten ist, beweist zur Genüge die Tatsache, daß immer wieder Anfragen nach ihrem Verbleib laut wer­den, ja daß sogar schriftliche Bestellungen bei der Hauptleitung in Mainz eingehen.

Es ist nicht uninteressant zu wissen, daß im Betrieb der Hessischen Wohlfahrtslotterie grund­sätzlich nur Wohlfahrtserwerbslose be- f«Sättigt werden. Auch das bedeutet eine schnelle und praktische Hilfe, die von nicht zu unter­schätzender Bedeutung ist, wenn man bedenkt, daß in ganz Hessen immerhin rund 150 Wvhl- fahrtserwerbslose auf einige Monate, sei es beim Verkauf, oder in der Fabrikation, die natürlich auch in Hessen in der Stadt Mainz durchgeführt wird, sich einen Zuschuß zu ihrer Unterstützung verdienen.

So vollendet sich das Bild von der Hessischen Wohlfahrtskugel und ihrer Bedeutung für das ganze Land: so wird sie zu einem Saflor, der im wirtschaftlichen Gefüge Hessens schon An- spruch auf eine gewisse Bedeutung erheben darf. Da weiterhin täglich und zwangsläufig der Reinertrag jeder einzelnen verkauften Kugel auf das Sperrkonto des Landesausschusses Hessen der Deutschen Rothilse bei der Commerz- und Privat-Dank Filiale Mainz überwiesen wird, steht dem Landesausschuh bereits heute ein aanz bedeutender Betrag zur Verfügung, an dem, wie schon oben erwähnt, auch die Gießener Winternothilfe teilnimmt. Es muh daher immer wieder betont werden, daß jede Mark dazu bei­trägt den Hilfsfonds der Hessischen Rothilse und damit auch den der Stadt Gießen zu erhöhen. Jeder helfe durch den Kauf von Losen, beim die Rot ist groß und jeder Tag laßt die Sorge für die kommenden Monate dringender erscheinen.

Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Aus­zahlung der Gewinne sofort erfolgt 3m übrigen werden auch

schon jetzt Spenden speziell für die Gießener winternoihilfe 1932/33

(auch etwaige gespendete Gewinne) von der Be­zirkssparkasse Gießen (Konto 3372), der Winter- nothilfe Giehen-Stadt und den übrigen Banken gerne entgegengenommen.

Buntes Allerlei.

Die Stierkampf-Arena brennt

Em wilder Aufruhr ereignete sich bei einem Stierkampf, der in der spanischen Stadt Almagro abgehalten werden sollte. 3n Verbindung mit dem großen 3abrmarft war em Stiergefecht angekün­digt, bei dem zwei der bekanntesten Toreadors auftreten sollten. Die Bevölkerung der ganzen Umgegend war zu diesem Schauspiel zusammen­geströmt. Kurz vor dem Beginn machte jedoch der eine der Stierkämpfer, Domingo Ortega, die pein­liche Entdeckung, daß der Veranstalter nicht genug Geld hatte, um jhm fein Honorar zu zahlen. Gr weigerte sich daher, zu kämpfen. Sobald die Menge davon hörte, geriet sie in wilde Wut und steckte die Arena in Brand. Einige machten sich zur Verfolgung der Toreadors auf, die in ihren Kraftwagen im vollen Stierkämpferstaat davon­rasten und im Dahinjagen ihre Kleider wechselten. Eine furchtbare Katastrophe schien zu drohen, da sich eine große Menge in dem brennenden Gebäude befand und sechs wilde Stiere frcigelaffen waren. Glücklicherweise rannten aber die Tiere aufs freie Land hinaus und nicht in die Straßen, die dicht mit Menschen bedeckt waren. Die berittenen Po­lizisten jagten ihnen nach und erschossen sie nach aufregender Verfolgung. Es gelang, das Feuer zu löschen und eine Panik zu verhindern. So tour- Den nur drei Personen verletzt, aber ein Schaden von etwa 50 000 Mark angerichtet.

Das Bier der alten Germanen.

Professor Johannes Grüß hat, wie er in der ZeitschriftForschungen und Fortschritte" mitteil-, zwei altgermanische Trinkhörner, die vor einigen Jahrzehnten im Kreis Hadersleben gesunden wur­den. mit allen Hilfsmitteln der modernen Wissen­schaft auf ihren einstigen Inhalt bin untersucht. Aus Grund dieser Arbeiten liehen sich sehr interessante Erkenntnisse über bas Bier gewinnen, das vor Jahr­tausenden aus triefen Hörnern getrunken wurde und dessen Ueberrefte noch heute in den Trinkgefähen festgestellt werden konnten.

Nach den Angaben von Profesior Grüß kannten die alten Germanen zwei Arten von Bier. Das eine pior oder bior genannt war ein säuerliches, unserem Weißbier ähnliches Getönt, das andere mir Namen alo muß dem englischen Ale entsprochen haben, wie schon bas Wort zeigt. Die Bierbereitung ging in der Weise vor sich, baß man Emmerkorn von den Spelzen befreite, anfeuchtete und zum Keimen ansetzte. Durch Zerstamp^n und Kneten mit Wasser entstand eine Maische, die schwach erwärmt wurde. Nach der Gärung wurde das Bier unmittelbar in die Trinkhörner eingefüllt, ohne daß eine vorherige Klärung der Flüssigkeit er- folgte. Es ist fraglich, ob bas Bier unserer Vor­väter heute noch viele Liebhaber finden würde.

Merkwürdiger Kund.

Das Skelett eines Schakals, daS in dem Skelett eines Pferdes eingeschlossen war, wurde von einem Manne in der Rähe von Dulawajo gefunden. Pferd und Schakal waren wohl schon seit einigen Wochen tot, und so läßt sich die Aufklärung diese« seltsamen Fundes nicht mit Sicherheit geben. Man nimmt an, daß der Schakal, der die Pferdeleiche in der Wildnis sand, versuchte, sich in den Kör­per hineinzufressen und daß er bei feinem Be­mühen, sich durch die Deute hindurchzubohren, von dem Zusammenbruch deS Kadavers überrascht wurde und dann nicht mehr imstande war, sich herauszuarbeiten, so daß das gefräßige Tier in seinem selbstgeschaffenen Gefängnis zugrunde ging.

Alle Bahnhofskellner erzählen...

Aus den Kindertagen des Eisenbahnverkehrs. Berühmte und berüchtigte Gäste. Gutes Gedächtnis ist auch was wert.

Don Dr. S. Lambers.

3m Alter von fast 93 3ahren starb vor kurzem in einem rheinischen Städtchen derer st eBay n- hof skellner, den man in Deutschland bei seiner Arbeit sehen konnte. Ratürlich nur dann, wenn man im Jahre 1849 auf dem Umsteigebahn- hof Rord der alten MagdeburgBerliner Güter­und Pcrsonenbahn Gelegenheit hatte, stundenlang auf eine Anschlußverbindung zu warten. Michael R o t h e r, so hieß dieser merkwürdige Mann, war eigentlich sogar der Vater der 3oee, mit den Wartehallen der im Entstehen begriffenen großen Fernverbindungen der damals jungen Eisenbahn Restaurationen zu verbinden. So entstanden die Bahnhofswirtschaften zuerst in Mitteldeutschland säst 15 Jahre nach der Eröffnung der ersten Bahn­linie überhaupt: bis dahin hatte man sich mit der Konzessionserteilung auf den fiskalischen Be­fänden in der Rähe der Eisenbahnen selbst be­gnügt Der alte Rother erzählte davon, wie die ersten Gäste selbst um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch zögernd die Restaurations­räume betreten haben, wie sie noch immer von der Furcht besessen gewesen waren, daß du r ch den Funkenflug der Lokomotiven Feuersgefahr in diesen Räumen bestände, daß sogar Speisen und Getränke verschlechtert würden durch die Rähe der rußenden und qual­menden Lokomotiven. Hnb wenn in unseren Ta­gen in den Bahnhofswirtschaften die Gäste des Rachts oft erst mit vielen Mühen hinauskompli­mentiert werden müssen, so war das damals ganz anders, denn die guten Leutchen fürchteten sich des Rachts in der Rähe der vorbeifauchen­den und für ihre Begrifferasenden" Hngeheuer derart, daß kein einziger Gast nach8 oder 9 Hhr mehr Dort anzutreffen war. Schließlich siegte aber die Vernunft, und ein Kol­lege jenes Rother erzählt aus dem bayerischen Gebirgslande, daß dort schon um 1850 d i e er­sten Stammtische in den Bahnhof srestau- rationen entstanden. Denn man verspürte als­bald in der Rähe der Eisenbahn jenen Hauch einer kommenden großen Derkehrsperiode, die ge­rade für das Dahernland durch das Herbeiströmen der Scharen von Fremden so wichtig geworden ist. Freilich wollten sich die Wirte in den Städten und größeren Dörfern die Einrichtung solcher Bahnhofswirtschaften nicht gefallen lassen, und ein badischer Hotelier, Kunz Blank, hat denn auch von 1855 bis 1869 einen fast fünfzehn­jährigen Prozeß mit der badischen Landes­bahn-Gesellschaft geführt, den er dann mit Pau­ken und Trompeten verlor.

3n den benachbarten Ländern ging man als­bald nach der Einrichtung größerer Bahnhofs­wirtschaften sogar dazu über, richtige Bahnhofs­hotels unmittelbar an den großen Eisenbahn­strecken einzurichten. 3n Schweden und Rorwe- gen haben diese Eisenbahnhotels noch heute oder gerade erst jetzt eine hohe Bedeutung und ersetzen gewissermaßen unser mitteleuropäisches Samilien» und Reifendenhotel. Ein Patriarch des Eifenbahn- hotelwesens, der Schwede Per Gabe, hatte im Jahre 1878 in mehreren Ostfeebädern die Erlaub­nis erwirkt, Eifenbahnhotels einzurichten. Er mußte aber, wie er selbst erzählt, diese Eisenbahn- Hotels deswegen einstellen, weil noch zu jener Zeit die meisten Gäste Angst batten, durch die Er­schütterungen der Vorbeifahrt würde das Hotelgebäude eines Tages einfach zufammen- stürzen. Man hat also nahezu 50 Jahre in den Dahnhofsrestaurationen und den bei uns niemals wirtlich ins Leben getretenen Dahnhosshotels die Kinderkrankheiten des Eisenbahn­verkehrs in ihren Wirkungen auf die Reisen­den noch deutlich spüren können. Denn man muß an dieser Stelle darauf Hinweisen, daß diejenigen Bezeichnungen alsBahnhokshotel",Hotel zur Eisenbahn" oderDahnhvssheim". die bei uns zu Lairde bestehen, mit dem eigentlichen Begriff der Eisenbahnhotels deswegen nichts zu tun haben, weil diele in den Baulichkeiten der Eifenbahnan- lagen untergebrachte Hotels und Gasthäuser sind, genau wie sich die Dahnhossrestaurants in diesen Anlagen der Eifenbahngebäude befinden.

Eines der historischen EisenbahnrestaurantS ist der Wartesaal I. Klasse in Bad Ems geworden, in dem sich der alte Kaiser Wilhelm bei seiner Ankunft oder Llbfahrt ständig aufzu­halten und zu erfrischen pflegte. DerFürsten- Raum" ist erst später erbaut worden: Wilhelm I.

i hat sich unter der Betreuung des alten Weiß

stets wohlgefühlt, den er durch fast 22 3ahre dort regelmäßig wiedersah. Wichtige Konferenzen wurden am runden Tisch im WarteraumErster" erledigt, der Kaiser leistete dort Hnterschriften und benahm sich überhaupt, wie der alte Weih sagt, ganz wie ein anderer Reisender im Wartesaal dritter oder vierter Düte, der eben arg beschäl tigt ist.

Aber auch ganz kleine Dahnhofsrestauratronen haben ihre Merkwürdigkeiten und Erinnerungen, und die kleine Szene, die uns der Oberkellner Pietsch eines mecklenburgischen Kleinstadt- Dahnhofsrestaurants aus dem 3ahre 1908 erzählt, hat dazu noch den Anspruch, ganz wahr zu sein. 3m August dieses Jahres saßen Dort im Restau- rationssaal zwei Herren, die dem Kellner Pietsch zwar bekannt bormmen, von denen er aber nicht recht wußte,wo er sie hintun sollte", wie bet Dolksmund dort so schön sagt. Die Zeit des Zug­abganges rückt immer näher, der Stationsvor­steher ruft noch einmal in den RestaurationSraum Zeit und Ziel des abgehenden Zuges: die beiden Herren winken fo ganz nebenbei mit ihren Fahr­karten, stehen aber nicht auf. Daraufhin, weil auf der kleinen Station die beiden Herren eben fein anderes Ziel haben können als daS, daS sie mit dem eben bereit stehen den Zuge erreichen können, geht der Beamte auf den Tisch zu und meint höflich, daß die Abfahrtzeit bereits um eine Mi­nute überschritten sei. Das macht keinen Eindruck auf die beiden Herren, worauf der Beamte eb* was erregt ausruft:Run steigen Sie aber eiiL meine Herren, sonst geht er ab!" Drob erbost sich der 3üngere der beiden Herren, steht auf und sagt schnarrend zu dem Vorsteher:3a, erlauben Sie mal, was fällt 3hnen ein? Wissen Die nicht, wer ich bin? Ich bin der Groß Herzog Friedrich Franz der Viertel"So", sagt der Vorsteher,dann werde ich 3hnen mal zeigen, wer ich bin!" Geht hinaus, pfeift den Zug ab und geht gemütlich lächelnd in seinen Dienstraum. Hnb es war wirklich der Grohherzog gewesen. Der gute Pietsch sank entsetzt in einer Ecke auf einen Stuhl, aber der Grohherzog machte gute Miene zum bösen Spiel und versetzte den Beamten in eine höhere Stelle in die Landeshauptstadt, wo et ihn noch oft gesprochen hat.

Ein GeniederErinnerungistaus einem der großen Berliner BahnhofsrestaurantS xu finden. Dieser Kellner, der dort seit mehr al« 15 3ahren tätig ist, hat sich in den letzten Jahren mehr als 500 Reifende genau gemerkt und weih, wie oft diese in Berlin ankommen, wegfahren, was sie an Kleidung und Koffern besitzen, welche Speisen und Getränke sie bevorzugen. Als jüngst ein Herr aus Köln sich darüber wunderte, daß der Kellner ihm sofort seine Lieblingsspeisen an- bot und sein Münchener Bier vor ihn hinsetzte, antwortete der Gedächtniskünstler, daß er doch in diesem Jahre schon dreimal in diesem Restaurant gegessen habe und -zwar stets dieselben Speisen. In der Tat war dieser Reisende dreimal im 3ahre in Berlin gewesen und hatte jedesmal vor der Ab­fahrt hier gespeist. Dor diesem Mairn müssen sich durchreisende Liebespaare besonders bann in acht nehmen, wenn sie des öfteren den Partner wechseln.

Sehr wertvolle Dienste leisten die Kellner bet Bahnhofswirtschaften häufig der Polizei bei der Ermittlung von Flüchtlingen. Besonders ist eS die Kategorie der Hochstabler, die, an ein gutes Leben gewöhnt, zu den besten Gästen der Dahn­hofsrestaurationen zu gehören pflegen, wo sie gleich auf dem Sprunge sind, wenn Gefahr droht. So sind die befarmten HochstablerBaron" Davidoff, der Berliner Hagemann und der südamerikanische Millionär-Schwindler Earl Harriman durch Bahnhofskellner unschädlich gemacht toorben, wobei sich bei Harriman herauS- stellte, baß et zunächst den englischen Earl-Titel mit Recht führte und barm feine Laufbahn nach bet Verstoßung aus bem Elternhaufe selbst a 18 Bahnhofskellner in London begonnen hatte. Auch die internationalen Spionage- agenten pflegen sich unter der Maske harmwfet Geschäftsreisender oft ein Stelldichein im Warie- faal zu geben. Sie rechnen allerdings selten mit der Aufmerksamkeit und dem guten Gedächtnis bet Kellner. Auch hierverdanken" eine Reihe pro­minenter internationaler Spione ihre Festnahme den Dahnhosskellnern.