Ausgabe 
2.7.1932 Erstes Blatt
 
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Aus aller Welt

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lich gröher a!

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eine grunblegendc Aenberung herbeigeführt toer- den müsse. Von den 45 Polizeipräsidenten in Preußen bliebe, wenn ein Nationalsozialist In­nenminister wird, keiner im Amt. Sodann wandte er sich gegen die Unterrichtung der deut­schen Hochschuljugend durch fremdrassige Profes­soren. Die Wissenschaft sei das heiligste Gut der

Nation und dürfe nicht Fremdrassigen ausge- licfert werden. Die Unabhängigkeit der Wissen­schaft habe da ihr Ende, wo die nationalen Interessen der Nation anfangen. Scharf wandte sich Kube dann gegen die Systemjustiz und schloß mit der Aussorderung zum rücksichtslosen Kampf um die Macht in Deutschland.

beten einige schwer. Der Abgeordnete Lazitsch kam in die Berge.

Ein einträgliches Verlagsgeschäft.

striekonzernen. Dabei soll er wiederholt der­artige Veröffentlichungen unterlassen haben, nachdem er von den betreffenden Persönlichkeiten hohe Bestechungssummen erhalten habe, so im Falle des Direktors Ieppel aus dem De- v a h e i m p r o z e ß. Auch in mehreren anderen Fällen soll Ehrlich auf diese Art gegen Persönlich­keiten, über die er irgendetwas erfahren hatte, vor­gegangen sein. Es sollen ihm auf diese Weise m e h- rere hunderttausend Mark Bestech - ungsgelder zugeflosfen sein.

Elli Beinhorn aus der Rückfahrt nach Deutschland.

Elli Beinhorn ist mit dem DampferC a p N o r t e" aus Buenos Aires nach Europa abgereift. Die Fliegerin gedenkt in Lissabon von Bord zu gehen und von dort nachBerlin zu fliegen.

Beim Anhängen an einen Lastkraftwagen zu Tode gekommen.

Der Kaminkehrermeister Franz, der in Weilbach gearbeitet hatte und sich auf den Heimweg begeben wollte, hatte sich auf der Straße zwischen Weil­bach und Amorbach an einen Lastkraftwagen angehängt. Er kam dabei zu Fall und der Anhänger des Lastkraftwagens ging über den Unglücklichen hinweg. Mit schweren Verletzungen wurde Franz in das Krankenhaus Amorbach' gebracht, wo er gestorben ist.

Brautleute als Brandstifter.

Ein Mädchen im Alter von 20 Jahren und^tn Bursche von 24 Jahren aus Strümp bei Is­feld steckten am 11. April und am 30. Mai d. I. das Zweifamilienhaus in Brand, in dem d i e E l - tern des Mädchens mit fünf Kindern und eine zweite Familie mit fünf Personen wohn­ten. Während das erstemal der Brand gelöscht werden konnte, brannte das Haus beim zweiten­mal bis auf die Llmfassungsmauern

Burgfrieden an der Berliner Universität.

Dem Rektor der Universität liegen die schriftlichen Erklärungen der studen­tischen Vertreter aller politischen Richtungen vor, daß die einzelnen Gruppen gewillt sind, den Burgfrieden an dec Uni­versität zu halten, damit der geregelteLehr- betrieb aufrechterhalten werden kann, und daß sie die feste Absicht haben, sich aller Provoka­tionen -u enthalten.

Grundsteinlegung

zu einer deutschen Schule In Belgrad.

Fm Beisein des Vertreters des Unterrichtsmini- fters, des deutschen Gesandten von Hassell, des österreichischen Gesandten und unter zahlreicher An­teilnahme der hiesigen deutschen Kolonie fand die feierliche Grundsteinlegung zur deutschen Schule statt, die von der evangelischen Kirchen» gemeinde zusammen mit dem deutschen Schuloerein Belgrad anstelle der bisherigen deutschen Schule errichtet wird.

Die Sihverlegung der Barmer Lrsahkasse.

Das Landgericht Wuppertal hat den Beschluß der vorjährigen Hauptversammlung der Barmer Ersatzkasse, den Sitz des Unternehmens nach Berlin zu verlegen, in llebercinftimmung mit dem Reichsaussichtsamt für ungültig erklärt, weil die Hauptversammlung nicht ordnungs­mäßig einberusen war. Die Barmer Er­satzkasse hat bereits die Hauptverwaltung nach Berlin verlegt und den juristischen Sitz in Wupper­tal gelassen.

Baugeldzuteilung beiWüstenrot".

Der Aufsichtsrat der Bausparkasse Gemein­schaft der Freunde Wüstenrot, Gemein­nützige G. m. b. H. in Ludwigsburg hat beschlossen, für eine in diesem Monat erfolgende Baugeld­zuteilung den Betrag von 5 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Im Herbst des ver­gangenen Jahres wurden 3,6 Millionen Mark, im Dezember 3,8 Millionen Mark zugeteilt; bei der Frühjahrszuteilung 1932 steigerte sich der Betrag auf 4,6 Millionen Mark, um schließlich bei der in diesen Tagen vorgenommenen Sommer­zuteilung eine Rekordleistung zu erreichen.

Acht Jahre Zuchthaus wegen versuchten Verrats militärischer Geheimniste.

Der erste Strafsenat am Kammergericht hat den ehemaligen Lehrer Günther Lucht aus Ziskau wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Lucht hatte Jahre hin­durch in ständiger Verbindung mit polnischen Agenten gestanden und mehr­fach versucht, ihnen in wirtschaftlicher Not be­findliche Deutsche zu Spionagezwecken zuzu­führen.

Schiffszusammenstotz an der irischen Küste.

Der finnische Viermaster .Melbourne" ist auf der Höhe des Leuchtturmes Fastnet an der Küste der irischen Grafschaft Cork mit d e m Pe - troleumtankschiffSeminole" zu- sammenge stoßen und gesunken. 11 Mann der Besatzung, darunter der Kapitän, der erste und der dritte Offizier ertranken, 15 Mann wurden gerettet. Das Petroleumschiff©e- minole" ist fast ganz unbeschädigt geblieben. Die Melbourne" gehörte zu einer Flotte von Segel­schiffen, die Jahr um Jahr mit einer Ge­treideladung von Australien nach Fal­mouth oder Queenstown fahren. Diese alljähr­

lichen Reisen hatten sich mit der Zeit zu einer Art von Schnelligkeitswettbewerben zwischen etwa 20 Schiffen entwickelt.

vom Goldbergbau im Edertal.

Bei einem Schachtbau des Allenborfer Golbberg- roerks mußten dieser Tage b Fe Arbeiten ein« ge ft eilt werben, weil man unverhofft auf eine Quecksilberspalte stieß und sich die Arbeiter nicht mehr unter Tage aufhalten konnten. Bei einem Arbeiter trat,sogar plötzliche Bewußtlosigkeit ein. Um Weiterarbeiten zu können, müssen erst Schutzapparate beschafft werben.

Bauernunruhen auf Jahrmärkten in Sübflaroien.

In Uba in Mittelserbien kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen ber Bevölkerung unb der Gendarmerie. Da Jahrmarkt abgehalten würbe, wollte der ehemalige Abg. Lazitsch die Gelegen­heit benutzen, um auf dem Jahrmarkt e i n e V o l k s. versamlung abzuhaltcn. Die Gendarmen schrit­ten dagegen ein, wurden aber von der Menge mit einem Steinhagel verjagt. Vier Gendarmen unb zwei Polizeibeamte mürben schwer verletzt. Plötzlich fiel aus ber Menge ein Schuß, ber einen öenbarmen schwer verletzte. Die Gen­darmen machten nunmehr von der Waffe Gebrauch, tötet en zweiDemonstranten und verwun-

nieder. Damit das Feuer nicht gelöscht werden konnte, hatten die beiden Brandstifter sogar das Schlüsselloch zum Spritzenhaus v e r st o p f t und d i e Pumpe im Nachbarhaus unbrauchbar gemacht. Antrieb zur Tat war hauptsächlich die Eifersucht des Dur- sch^n Außerdem handelt es sich um Betrug, da die Brautleute kurz vorher ihre Ausstat­tungsstücke hochversichert und sie in dem niedergebrannten Hause untergestellt hatten. Das Krefelder Schwurgericht verurteilte die geständi­gen Brautleute zu Zuchthausstrafen, und zwar das Mädchen zu einem Jahr sechs Monaten, und den Burschen zu zwei Jahren drei Monaten.

Ueberfall auf ein Klubhaus bei Wien.

3n der Nacht zum Freitag wurde das Haus des International Contry Club, eines Wie­ner Golfklubs, der feine Anlage im Linzer Tier­garten schon außerhalb ber Stabtgrenze hat, von Nationalsozialisten überfallen. Die Gruppe, die etwa 50 Mann stark gewesen sein dürfte, griff die Mitglieder des Klubs, die eine Feier abhielten, mit Stöcken an unb verletzte vier Personen so ernstlich, daß sie die Hilfe der Rettungsgesellschaften in An­spruch nehmen mußten. Drei weitere Besucher wur­den leicht verletzt. Es wurden auch Flaschen und Teller zertrümmert. Unter den Leichtverletzten be­findet sich der rumänische Gesandte Brdi- ccanu, der von der Terrasse heruntergestoßen wurde und sich dabei leicht an der Hand verletzte. Auch seine Nichte, Baronin Hauenschild, erhielt einen Hieb mit einem Knüppel. In der Gesellschaft befanden sich noch andere Diplomaten, so der italienische M i I i t ä r a 11 a d) 6 und ber ßübslavische Gesandte.

Die Landespresse stelle ber NSDAP, in Oesterreich teilt mit, daß der Ueberfall offenbar von marxistischerSeite inszeniert wor­den fei, um die NSDAP, bei den ausländischen Diplomaten in Wien zu diskreditieren. Keiner Dienststelle innerhalb der NSDAP. Wiens sei irgend­etwas von diesem Ueberfall vor ber Veröffentlichung durch bie Presse bekannt gewesen. Die Unter­suchungen über ben Vorfall würben von ber NSDAP, fortgesetzt.

Dreister Raubüberfall in Hamburg.

Gin überaus frecher Raubüberfall wurde in ber Oevelgönnerstraße verübt. Dor etwa 14 Tagen war bei einem alten Ehepaar ein Mann erschie­nen, der sich für eine leerstehende Woh­nung interessierte und entsprechende Auskünfte cinholte. Freitagvormittag kam er wieder, unter­hielt sich mit den Eheleuten über eine zu ver­mietende Wohnung und entfernte sich wieder. Gegen Nachmittag kehrte der Miete" in Beglei­tung von zwei Männern in die Wohnung ber Eheleute zurück. Außer bem alten Ehepaar be- fanb sich eine 20jährige Verwandte sowie ein Kind in der Wohnung, welches Miete abgeliefert hatte. Die drei Männer erzwangen unter Bedrohung mit einem Revolver bie Herausgabe einer Summe von etwa 3000 Mark. Auf Bitten der alten Eheleute, daß man sie doch nicht unglück­lich machen solle, da ihnen das Gelb boch nicht ge­höre, wurden ihnen 100 Mark zurückgegeben.

Wettervoraussage.

Don ben Ausläufern des Atlantiktiefs hat sich ein Kern abgezweigt, der sich bereits über Ost­deutschland und die Ostsee bewegt. Das Nieder­schlagsfeld der Störung hat in den gestrigen Nach­mittagsstunden unb Abendstunden unseren Bezirk überquert unb schreitet ostwärts weiter über Deutsch­land vor. Gleichzeitig folgt ber Warmluft ozeanische Luft nach, welche roieber Abkühlung verursachen wird. Die Wolkendecke geht zurück und wird wechsel­haft, so daß zwischendurch Aufheiterung eintritt. Vereinzelte, zum Teil gewitterartige Schauer sind vorerst nicht ausgeschlossen.

Vorhersage fürSonntag: Etwas kühler, wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, Möglichkeit zu einzelnen gewitterartigen Schauern.

Lufttemperaturen: Am 1. Juli: mittags 26,5 Grad, abends 18,7 Grad; am 2. Juli: morgens 17,2 Grad, Maximum 27,3 Grad, .Ninimum 15,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Juli: abends 23,2 Grad; am 2. Juli: morgens 18,8 Grad. Niederschläge 6,5 mm. Sonnenscheindauer IVt Stunden.

mit Marmelade und Schinken'aus den Vorräten Seiner Britischen Majestät.

Sonneverbrannt, halb verhungert, aber pünkt­lich kamen die Seefahrerinün an dem verab­redeten Tage zu dem Stelldchein mit der briti­schen Flotte. Als sie in den pofen von Argostoli auf Kephaloüia einfuhren, lahmen sie ein leb­haftes Flaggensignalement pahr; es aalt ihrer Ankunft. In aller Eile verauschten sie ihre arg mitgenommenen Schiffsanzige mit Gesellschafts­kleidern und Stöckelschuhen; denn waren sie auch au Halbwilden geworden, so waren sie niepf** ü, destoweniger Damen geblieien. Sie wurden aus das Admiralschiff gebracht und hier entwickelte sich eine so angeregte Ülnte.haltung, daß der -21D* miral fünf Minuten vor IQ Llhr öaran erinnert werden muhte, daß um 10, älhr alle Lichter ge­löscht sein und die ManSver beginnen sollten. In aller Eile wurden die Damen auf ihr Dooc gebracht, wo sie eine unliebsame Ueberraschung erwartete: ihr Anker war schlecht befestigt ge­wesen und ihr Fahrzeug trieb ab- Ohne Zögern in voller Abendtoilette muhten sie das Schiss segelfertig machen und einen sicheren Anker- grund suchen. Dame und Matrose ihre Am- phibiennatur forderte diese Wandlung innerhalb eines Abends von ihnen.

Km die Zukunst von Bayreuth.

Von Or. Wilhelm Furtwängler, General«

Musikdirektor der berliner Philharmonie.

Wenn ich mich noch einmal zur Bayreuther Frage äußere, so geschieht cs nicht meinetwegen, son­dern wegen ber Zukunft Bayreuths. Bayreuth be­findet sich heute an einem Scheidewege; gerade des­wegen aber ist Klarheit unb rückhaltlose Offenheit gerade auch in Bayreuths eigenem Interesse vonnöten.

Zunächst etwas Persönliches: Der Fall los- canini hat mit meinem Einschluß, von Bayreuth zurückzutreten, nicht das Geringste zu tun. Ich erwähne dies nur deshalb, weil es immer noch Leute gibt, bie aus einer angeblichen Rivalität zwischen Toscanini unb mir Kapital zu schlagen versuchen. Eine solche Rivalität gibt es nicht, hat es nie ge­geben. Das persönliche Verhältnis zwischen uns war stets das allerbeste. Von einer Beeinträchtigung ber künstlerischen Bewegungsfreiheit Toscaninis, etwa anläßlich des Gedächtnis-Konzertes im Sommer 1931, kann gar feine Rede fein. Alle derartige Ge­rüchte weise ich auf das entschiedenste zurück. Pro­gramm, Anzahl und Zeiten der Proben usw. mür­ben im Einverständnis mit Toscanini unb nach [einem Wunsch festaesetzt. Mir allein war es zu ver­danken, baß es nach dem unglückseligen Zwischenfall bei ber Generalprobe biefes Konzertes bekanntlich verließ Toscanini damals demonstrativ bas Podium und lehnte jebes Söeiterbirigeren ab nicht zu einem unüberbrückbaren Zerwürfnis zwischen Tos­canini und bem Orchester kam. Das Zerwürfnis zwischen Toscanini unb Bayreuth freilich konnte ich damals trotz mehrfacher Versuche hierzu nicht he fettigen; ich war stets ber Ansicht, daß Toscanini Bayreuth erhalten bleiben müsse.

Was nun bie Sache selbst, meinen Kampe- Lenz-Konflikt mit Frau Winnifreb Wagner betrifft, möchte ich zunächst bemerken, daß ich niemals etwas anderes verlangt habe, als was ursprünglich zwischen uns vereinbart war. Die ganze Sache bars nicht baburch verwirrt werben, daß man bas selbstverständliche unb nie in Zweifel gezogene Recht ber Erbin unb Besitzerin, bei et» maigen Hypothetischen Streitfragen etwa zwischen Tietjen unb mir als letzte Instanz zu fungieren, mit heranzieht Nicht darum handelt es sich, son- JnL^au Wagners, auch in h ? £ Gingen s i ch jederzeit

Entscheidung allein n o r i u .

Der Zeitungsverleger Dr. Ehrlich und sein __ zius, der Journalist Dr. Spieker, wurden heute verhaftet. Ehrlich betrieb einen Verlag, in dem der 3 n b u ft r i e f u r i e r" erscheint. In biefem Blatt pflegte Ehrlich Artikel zu veröffentlichen über Persönlichkeiten aus großen Indu -

von Boot gar nicht wahrgerDftinstn zu haben, und so wiederholten sic ihre ph/rage bei der Marlborough".Kommt, trenn ihr verheiratet seid!" lautete die Antwort- WÄijstens behauptet Ella Maillart, die Signale so ehtiffert zu haben, wobei eine Täuschung auf dem! glitzernden Meer nicht ausgeschlossen ist. Sicher i:, daß die eng­lischen Offiziere sich leicht über ds Geschlecht der Bootsbesatzung getäuscht haben önnen, da zwei derMannschaften" blaue Hose: trugen und die Entfernung beträchtlich war. 0» kam es, daß die Engländer bei der Antritt ihrer Gäste nicht wenig erstaunt waren und ije vorsichtiger Weise an der Bootstreppe vom Schiffsgeist- lichen in Empfang nehmen ließn- Doch wurden sie mit vollendeter Gastfreundschift und Ritterlich­keit ausgenommen. Als sie ar die Frage nach ihrem Reiseziel Griechenland ngaben, löste die Vorstellung, daß diese Muschlschale von Boot so weit schwimmen wollte, grHe Heiterkeit aus, und es wurde, halb spöttisch ein Rendezvous bei Kephalonia verabredet, whin sich das bri­tische Geschwader zu Hebung n begeben wollte« Sodann überließen die Offiziee ihren Besuchern, denen es so ziemlich an jede? seemäßigen Aus­rüstung mangelte, Seekarten uyb versahen sie am nächsten Morgen durch eine Harke, die beträcht-

bie mir über mein persönliches Interesse hinaus von Bedeutung zu sein scheint.

Die Vereinbarungen zwischen Frau Wagner, Tietjen unb mir basierten auf gemeinsamer Zu­sammenarbeit unb setzten damit auch in gewissem Sinne Gemeinsamkeit ber Verantwortung voraus. Eine solche Verantwortung als Musiker mit zu übernehmen, ist mir aber nicht möglich, wenn sie durch einseitigen Machtspruch einer Persönlichkeit, bie in musikalischen Dingen kein Fachmann ist, jeher- zeit illusorisch gemacht werden kann, und wie Die plötzliche unb unmotivierte Aufrollung ber Kompetenzfrage burch Frau Wagner beweist offenbar auch illusorisch gemacht werben sollte. Frau Wagner denkt bei ihrer Forderung anscheinend viel­leicht an bie Art, wie seinerzeit Cosima Wag­ner Bayreuth geführt hat. Was wäre im vor- liegenben Falle aber bie unausbleibliche Folge? Da Frau Winnifreb nun einmal nicht musikalisch- fachmännisch burchgedilbet ist, so ist sie auf Rat­geber angewiesen. Es wären bemnach biese Rat­geber, die ihrerseits im Hintergrunb unb unver­antwortlich Bayreuth durch Frau Wagnerre­gierten. Das war früher anders; denn Cosima und später Siegfried waren ihre eigenen Ratgeber, sie durften selber in künstlerischen Fragen als Autoritäten zu gelten beanspruchen.

Es wird Frau Winnifred gewiß kein Mensch übel nehmen, daß sie so ist, wie sie ist, unb niemanb kann etwas anderes mit Recht von ihr verlangen. Ader ausgesprochen muß es doch werden: sie ist nicht gut beraten, wenn sie glaubt, auf Grund der Auslegung eines Testaments Eigenschaften beanspru­chen zu müssen, die sie nun einmal nicht hat. Ich sage .Auslegung'; denn bei Abschluß ber ersten Ver­einbarung mit Tietjen und mir existierte dieses Testament ja auch schon. Das oberste Prinzip; daß nur der mitzuentscheiden hat, der dafür verantwort­lich gemacht werden kann, gilt auch für Bayreuth, lieber kurz oder lang wird es Frau Winnifreb nicht erspart bleiben, anstatt unverantwortliche Ratgeber sich verantwortliche Mitarbeiter wählen zu müssen.

Die Leistungen ber Familie Wagner haben Bay­reuth groß gemacht. Unter ber Führung Cosimas, später Siegfriebs, unter Assistenz großer Künstler ich nenne nur Karl Muck hat Bayreuth seine Weltgeltung errungen. Dies aber nur, weil die Familie bas Erbe nicht in erster Linie alsFa­milienbesitz" betrachtet hat, sondern als Ver­pflichtung gegenüber der Allgemein­heit, weil nicht der private Machtanspruch Einze^, ner, sondern stets das Werk im Vordergrund stand. Das muß so bleiben, soll nicht Bayreuth ernsthrft in Gefahr geraten."

Vier Krauen in einem Boot.

Wir durften bloß nicht falsch manöverieren, dann ging es schon!", erwidert ruhig und im selbstverständlichsten Ton von der Welt Ella Maillart auf die Frage, ob sie und ihre drei Gefährtinnen denn eine genügende Besatzung ge­wesen wären, um ihr kleines, kaum 16 Meter langes Segelschiff durch die Gefahren des Mittel­ländischen Meeres zu steuern. Ein Bild ge­sammelter Energie und Festigkeit, so steht die junge blonde Genferin vor Henry Didou, dem Mitarbeiter desTemps", und erzählt ihm man­ches amüsante Abenteuer, das sie und ihre Freun­dinnen auf ihrer Fahrt in dieser Nußschale von der provencalischen Küste nach Griechenland be­standen haben. In der Straße von Boniface zwischen Sardinien und Korsika geschah es, daß ihr weißes Boot mit der Ruhe der Unschuld mitten in die militärisch gesperrte Zone bei der Insel La Maddalena hineinfuhr. Kanonen­schüsse ertönten, aufgeregte Signale wurden ge­sandt die Lenkerinnen des Segelschiffes aber buchstabierten mit dem Code auf den Knien die ihnen rätselhaften Signalzeichen.'Sofort halt!" Wem mochten sie wohl gelten? Sie sollten darüber nicht lange in Zweifel bleiben: schon näherte sich ihnen eine Barke und ein wütender italienischer Offizier schrie sie an: Herab mit dem Segel!" Man nahm sie ins Schlepptau und führte sie gerade an all jenen Defestigungswerken vorüber, die zu sehen ver­boten ist. Sie legten an, aber während ihnen die Marinebehörden befahlen, zu ihrer Recht­fertigung ans Land zu kommen, verbot ihnen der Kapitän, das Schiff zu verlassen. In dieser schwierigen Lage suchten sie ihre grimmen Feinde durch die Macht der Töne zu besänftigen und ließen die lustigen Weisen eines Grammophons ertönen. Das aber wurde ihnen als ein verab­redetes Signal für einen geheimen Posten ge­deutet, und die Gesichter ringsum sie wurden immer finsterer. Nur dem ülmstand, daß zwei der Teilnehmerinnen dieser tollen Fahrt einer der angesehendsten Familien Genfs entstammten, verdankten sie schließlich nach einer telegraphi­schen Anfrage der Militärbehörden in Rom ihre Freilassung.

Erfreulicher gestaltete sich die zweimalige Be­gegnung der vier Abenteurerinnen mit der eng­lischen Kriegsmarine. Sie gerieten eines schönen Tages mitten in das Manövrierfeld derQueen Elizabeth" und desMarlborough" und richteten zunächst an daS erstere Schiff mit Flaggenzeichen die Frage:Dürfen wir Euer Schiff besuchen?" Doch das große Schiff schien die kleine Mücke

Aus der Pronin; ifbaupi'ffabt

Gieß den 2. Juli 1932.

Sommeraend.

UeberaU von Duft ist die g>nze Atmosphäre. Fast wie etwas Greifbares liegt lese süße Schwüle in der Luft, ein wonniges Durchinanber von Jasmin, Akazien, Hollunder unb oiellicht auch Rosen, bie irgendwo in stillen, grünen (arten duften. Wohin der Blick wandert, wird er aigefangen von dichten Laubkronen unb üppigen Büßen. Es ist, als gäbe es keine Ferne, alles ist ne), alles ist hier, ist gegenwärtig. Wir sollen nich hingusträumen wie in ben zarten Frühlingstagen wenn bas Blattwerk der Bäume noch karg ist, wem wir noch alle Um­riffe wahrnehmen und zwifchn Aeften und Stäm­men ins Weite hinausblicken.'önnen. Im Sommer dagegen schließt sich unsere Wit ab. Wir sollen uns bewußt werden, daß wir jßt in einem grünen Hosen angelangt find, an eimn Zielpunkt. Schöner kann es nun nicht mehr meben. Deshalb dürfen unsere Blicke auch nicht forbanbern, sondern wir sollen uns mit all unfern Geänken auf den seligen Augenblick richten unb uns es Glückes der Reife bewußt werden.

So still ist alles ringsum, ein Gewölk trübt den zartblauen Sommerhimmel, >nr dem ein fast voller Mond in blassem Silberlicht <cht, das in der hellen Abenddämmerung noch nicht zur Geltung kommt. Der Lärm des Tages ist oeklungen, alles Hasten und Hetzen kommt zur Rule. Geht man abends burch die Straßen, so könnteman fast bie Wirrnis und Not der Gegenwart vergssen, so ähnlich ist das Bild einer früheren, behäbigu und glücklichen Zeit. Vor den Haustüren stehen junge Mädchen und Burschen und lachen und plauern, aus den Fenstern sehen Vater und Mutter, rufn den Nachbarn einen Gruß zu, tauschen bisweilen elber ein paar Worte. Vater raucht die Zigarre ode eine Pfeife, von der ein fein gekräuselter Rauch -läulich auffteigt. Ein paar Kinder spielen noch auf der Straße, aber auch die letzten werden jetzt hereiiqerufen. Es ist Schla­fenszeit für das Jungvolk. 2ber von den Großen mag keiner an Schlafengehe denken. Schön mutz das sein, die Nacht über daußen bleiben, seuf­zen manche, und hier mb da wagt ein kühner, sein Nachtlager aif einem blicksicheren Balkon aufzuschlagen. Wenn mir die Mücken nicht so impertinent stechen wollten! Gerade an so einem windstillen Sommerabend firn sie unerträglich. Nur auf den freieren Höhen ist nan vor ihnen etwas sicher. UeberaU wo sumpfiges, buschiges Gelände ist, brodelt so etwas wie eine Aiückenhvlle. Dafür sind dort aber die Glühwürmchen in Scharm zu finken. Blausilbern leuchten ihre Licktpunkte, wenn sie im Gezweig umherschwirren, ober auf Gräsern unb Blumen sitzen, lebendig gewordenen Tartropsen ver­gleichbar. Fängt man sie em, so erlisch! ihr Catern* chen, und man hat ein unsch.'inbares Zäserchen in der Hand. Es möchte nicht zu nahe besitzen werden, auch die Glühwürmchen gehören zu jmen schönen Dingen, deren wir uns aus der Ferne reuen sollen.

Viel Verliebtheit ist überall zu sehn. Pärchen gehen Arm in Arm in den Anlagen, finden neue Worte für das alte Gefühl, tauchen die Blicke inein­ander, erhoffen sich Freude und Glück. An solchem Sommerabend ist es nicht schwer, gtätlich zu sein und in dem Gefährten das Ideal zu sehen. Mag- auch manches Mal mit dem Fallen de' Blätter die Liebe verwelken, scheint sie zunächst !vch tief unb ewig, gleich dem Sommer selber, an dessen Ende man auch nicht glauben kann.

Preisträger btx Linw^ität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Im Anschluß an die Fe krebe beim ? :jhresfest der Universität <ab Se. Mo nifizenz der Rektor die Ergebniss der Bearbeitung der Preisaufgaben bekannt. Preisträger wurden:

1. stuck, theol. Walter Dietsch mit einer Arbeit über das ThemaDer Begriff Sänie" im grie­chischen Alten Testament? (Sine Untersuchung zur Entfaltung von Frömmigkeit unb Sittlichkeit tm Hellenistischen Judentum). 2. stuck, thpol. Siegfried Jacob mit einer Arbeit überDss heue Verständ­nis von Mission in ber evang^irhkl Missionslite-

n. Hier liegt ber