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Aus der provknzialhaupiffadi.

Siehrn, den 2. Sunt 1932.

Schuh den Vögeln!

lieber den Wert der Feldbereinigunaen soll hier nicht gesprochen werden. Eins aber ist sicher, daß in vielen Gegenden einzelstehenbc Sträucher und Hecken, die an Rainen mitten im falbe wuchsen, verschwunden sind Auch die Caubgebolzc an den in vielen Windungen laufenden kleinen Wiesenbächen sind nicht mehr. Da ist es fein Wunder, wenn bie Singvogel, besonders die Höhlenbrüter, abnehmen. Und wie lehr haben wir sie notig im Kampfe gegen die Schädlinge in der Landwirtschaft und im Obst- bau. ,

($» ist deshalb zu begrüßen, daß in der letztgen Zeit der Rotstandsarbeiten viele Gemeinden ihr Augenmerk auch auf die Reupslanzungen von Hecken richten. Die Kreisoerwaltung ging ja vor etwa 25 Jahren mit gutem Beispiel voran, indem sie an den Kreisstraßen künstliche Hecken und damit Risdgelegenheiten für die Vögel schuf.

Bei der Anlage der vielen Sportplätze, die zur Zeit überall erstehen, kann man sehr gut auch an die Heckenpslanzungen denken. Ob man sic als_ Um­zäunung wählt, oder als Abschluß der beiden Stirn, feiten i|t ziemlich gleichgültig. Die Hauptsache ist, daß überhaupt Hecken angepflan-zt werden.

Cs sind schon Befürchtungen laut geworden, daß durch den Lärm, der ja oft auf Sportplätzen und in deren näheren Umgeltung herrscht, die Bogel dort vertrieben würden. Da» gilt wohl für einige Vogel- arten. Im allgemeinen gewöhnen sich aber die klei­nen Sänger lehr rasch auch an Lärm und Geräusche. Sie finden bald von selbst heraus, daß ihnen das nichts tut. Da außerdem bei der Herrichtung von Sportplätzen, die ja meistens dort angelegt werden, wo sich minderwertiges Land, ober gar Deblanb be­höbet, bas des öfteren schon von Unterholz usw. überwuchert ist, manches Strauchwerk umgehauen wirb, ergibt sich ganz von selbst die Rotwenbigkeit, daß wir an Neuanpflanzungen benfen. Auch bei ber Anlage von Friebhöfen erinnern wir uns ber Vö­gel. J)ier finden sie einen ^Ort. an dem sie ungestört brüten und ihre Jungen aufziehen können. Es sollte feinen Friedhof geben, der nicht mit einer Hecke umgeben, ober sonstwie mit zahlreichen Sträuchern bepflanzt ist.

In Zukunft müssen diese Ristgelegenheiten natür­lich unter den besonderen Schutz der Bevölkerung gestellt werden. Schule und Elternhaus haben hier eine wichtige Ausgabe, bie Jugend darauf ausmerk- tarn zu machen, wie wertvoll Hecken für unsere einheimischen Bügel sind. Es darf nicht Vorkommen, daß sich die Knaben an freien Nachmittagen dort ihre Stecken abschneiden und bie jungen Pflänzchen ausreiben. Alle Felbschützen sollten hier scharf acht- geben.

Gewiß geschieht schon in vielen Hausgärten man­cherlei, um die Vögel anzulocken, unb wenn sie da sind, sie auch zu schützen und ihnen den Aufenthalt lieb und vertraut zu machen. Das Aushängen von Nistkasten soll hier erwähnt werden. Wie oft finben. roir auch m unfern Himbeeren, oder andern Sträu-' chern Nester von Singvögeln. Wenn wir den Kom­posthaufen mit einer Hecke umpflanzen, wenn wir viel Platz haben und statt der langweiligen Latten- ober Draht)äunc eine lebendige Hecke wählen, helfen wir noch mehr, als wenn wir Nistkasten aufhangen. Die Vogel ziehen immer noch natürliche Brutge- legenljeiten den künstlichen vor.

Leider vertreiben in vielen Gärten bie Sperlinge unsere Singvögel, indem sic Besitz von den Brut­stätten nehmen Wir müssen deshalb gerade den Sperlingen den Kamps ansagen, auch schon deshalb, weil sie im Garten beträchtlichen Schaden anrichten können.

Ein gefährlicher Feind unserer Singvögel ist auch die Katze. Zur Brut- und Auszuchtzeit müssen wir auf sic besonders achtgcben. Cine Katze gehört ins Haus, in die Scheune oder in den Keller, nicht aber in den (Barten. Wenn Nester auf Obstbäumen sind, werden die Stämme mit einem Dlechgürtcl, aus dein fingerlange Eisenspitzen hervorragen, umgeben. Das schützt schon gut. Aber es gibt auch brauchbare Katzenfallen. Zum Gewehr braucht man nicht immer zu greifen.

Bei den ersten Flugversuchen kommt es häufig vor, daß die jungen Vögelchen aus dem Neste oder vom Baume fallen. Man soll diese Tierchen nicht ins Zimmer nehmen und aufziehen wollen. Das be­sorgen die alten Bügel viel besser Wir setzen sie des- halb, damit sie nicht von Raubtieren geholt werden, bchutsaoi aus einen Strauch ober einen Baum. Die Eltern kommen bann schon herbei und sorgen für das weitere Fortkommen.

Wenn wir nicht müde werben, unsere Kinder immer und immer wieder auf den ungeheuren Nutzen der Singvögel hinzuweisen, wenn wir sie mitnehmen und lauschen lasten, wie schön die Tier­chen an den frühen Sommermorgen fingen, bann werden wir auch hier Erfolge sehen. B.

KurzschulungStagung des D(5 in Gießen.

Tom Gesamtausschuß der Gießener Studenten- schast wird uns mitgctcilt:

Der Gießener LVE. hatte seine Angehörigen zu einer Kurzschulungstagung zusammenberufen, zu der eine Reihe bekannter hochschulpolitischer Kräfte aus dem TT. ihre Mitwirkung zugesagt hatte. Die Tagung wurde durch einen Vortrag von TerbindungSbrndcr Dr. Jüngst (Gießen) über .Mooller van den Bruck" eröffnet, dessen Werke die geistige Grundlage für die gesamte nationa­listische Bewegung in Deutschland bilden. An Hand von Proben auS seinem Werk, dem.Drit­ten Reich", zeigte Dr. Jüngst die Zusammenhänge, die noch heute seine Gedankengänge lcbenswarm erscheinen lassen.

Verb-Bruder Moritz (Daroma-Marburg), sprach über die Entwicklung und die Aufgaben einer Deutschen Studentenschaft. Er führte aus. daß aus dem Fronterlebnis von 1918 heraus die Deutsche Studentenschaft gegründet wurde. Ob­wohl diese von Anfang an auf einem großdcut- schen Gedanken aufgebaut war, war sie doch nicht politisch aktiv wie heute. Erst der Terrat an den Freikorps und der Kamps des Kultusministers Becker gegen den grobdeutschen Ausbau hätten in die Deutsche Stadentenschast eine kämpferische politische Haltung hineingetragen. Wenn auch lei­der nach diesen Auseinandersetzungen mehr die gewerkschaftlich" eingestellten Elemente in der Deutschen Studentenschaft zur Führung gekommen seien, so könne doch heute mit Befriedigung festgestellt werden, daß die politischen Kräfte stch wieder durchgesetzt haben. Der DE. habe sich zur Mitarbeit an dieser politischen Deutschen Studen­tenschaft durch älebernahme deS zweiten Vor- sitzes bereiterklärt, nachdem die liberalen Kräfte aus der Führung ausgeschieden seien Die Zu­sammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Stu-

Wie werde ich Roikreuzmann?

... Merkwürdige Frage! Den könnte sie inler- elfteren in einer Zeit, öa lebet Einzelne reichlich mit sich allein zu tun hat, unb sei es gezwungener- maßen durch Arbeitslosigkeit.

Gerade deshalb'. Denn dem Einen zeigt die Be­antwortung biejer Frage den ibeulen Ausweg ous ben Gefahren beruflicher Einseitigkeit unb rein ma­terieller Lebensauffassung, dem Anbcren kann sie eine Befreiung vom ewigen Grübeln üver unver­schuldete Ausschaltung aus dem Erwerbsleben sein.

In der Rotkreuzarbeit am bekanntesten unb volks­tümlichsten ist bie Tätigkeit ber Sanitätsko- tonnen vom Roten Kreuz, deren schlichte graue Diensttracht aus unserem Volksleben gar nicht mehr wegzubenken ist. Besonbers in mittleren unb Heine­ren Orten spielen sie eine überaus wichtige Rolle in berErsten Hilfe" bei Unfällen im Verkehr, in Betrieben, im Hause, in ber Abwehr von Seuchen, bei Gasgefahr unb in taufenb anderen Fällen, in benen ber hilfsbedürftige Mensch auf ben Beistand des geschulten Helfers angetu ist. Wie we­nigen ist bekannt, daß diese graue Ijerschar, die uns in allen Tellen des Reick^s begegnet, die bei Katastrophen durch Feuer, Master, Schlagwetter, Schnee unb Eis, auf Eisenbahn unb Wasserstraßen immer zur Stelle ist, mehr als 120 000 Kopfe zählt? Eine ungeheure Jofiale unb volkswirtschaftliche De- bcutung wohnt ihrem Wirken inne, das jährlich hunberttaujenbe Unfallverletzter vor Krankheit, Ar­beitsunfähigkeit unb Verkrüppelung bewahrt. Sie alle verrichten ihren Dienst ehrenamllick; als eine Verpflichtung am Icibenbcn Nächsten.

Wie w^rde ich Rolkreuzmann? In der Satzung der Sanfiatstolonncn heißt es:Ordentliche Mit­glieder können nur Männer werden, die deutscher Staatsangehörigkeit find, das 18. Lebensjahr voll- endet haben, im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte, unbescholten, frei von übertragbaren Krankheiten, auch nach ihren körperlichen, geistigen und sittlichen Eigenschaften für den Dienst in ber freiwilligen

Krankenpflege durchaus geeignet stnb und bie er­forderliche Ausbildung nachgewiejen haben.

Die Mitglieder werben kostenfrei ausgebildet, und zwar unter ärztlicher Aufsicht nach ben von dem Lanbesoerein erlassenen Borschriften, die eine ein­heitliche Ausbildung erstreben. Die theoretische Aus­bildung umfaßt mindestens 12 Doppelstunden. Der Unterrichtsplan ioll u.a. enthalten: Die Entwick­lung und Organisation des Roten Kreuzes, die Lehre vom gefunden unb kranken Menschen, die CFrfte flitfe bei Unfällen, die Krankenbeförberung, Seuchen- befämpfung. Krankenpflege unb bergt '

Alle fönst wistenswerten Einzelheiten werden jedem Interessenten gern von dem Borstande ber nächsten örtlichen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz bekanntgegeben. Deren Geschäftsstelle ist zumeist durch bie Polizeireviere, Aerzte unb Bahnhossvor- stände zu erfahren, falls nicht Abreh- ober Fern- Iprechbucher, Hinweisschilder usw. ben nötigen Auf­schluß geben. (Die Gießener Freiwillige sanitats- folonnc vom Roten Kreuz steht unter ber Leitung bcs Kolonnenführers Kratz)

Das Werk bes Roten Kreuzes stellt in unserer aufgeregten Zeit eine juflucht bar. Dem Rotkreuz- mann gilt nichts als helfen: er fragt weder seinen Kameraden noch den von ihm betreuten Hilfs- bebürfiigen nach Stand, Partei unb Bekenntnis. Er hilft unb leistet damit nach seinen Kräften den besten Dienst am Volke.

. Der Rotkreuztag, der am Sonntag, 12 Juni, in allen Teilen des Reiches unb auch in Gie­ßen veranstaltet wird, bietet Gelegenheit, sich über bie Tätigkeit unb den Dienst ber Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes«zu unterrichten. Wer nicht prak- tifch babei mitarbeiten kann, ber trage zur Aufrecht­erhaltung der Einrichtungen dieses uneigennützigen unb optervollen Dienstes wenigstens burch eine Spenbe für bie Sammlung -am Rotkreuztage bei.

dentenbund würde den BC. nicht hindern, sich mit ihm auf einer geistig-politischen Ebene aus- einanderzusetzen. Es komme dem BE. nicht nur auf Mitarbeit, sondern auf den Reubau der Deut­schen Studentenschaft unter Wahrung des groß- deutschen Gedankens an. Dieser Rcubau föim» nur organisch gestaltet werden, er müsse aus- gehcn von den an der Hochschule gewachsenen, politischen Männerbünden.

Anschließend sprach Derbindungsbruder GI o m - bowski (Hohenzollcrn-Berlin), über die »Er­neuerung der studentischen Korporation": Die akademische Jugend wolle in neuen Lebensformen in Verbindung mit der geschichtlichen äleberliefe- rung neu aufbauen. Das könne nur auf die Po­litisierung des studentischen Berbindungslebens gerichtet fein. Sie stelle damit lediglich die ge­schichtliche Entwicklung her, die um die Zeit der Reichsgründung abgebrochen sei. Aus den alten nationcs führe über die Arburschenschaften der Weg zu einem neuen Lebensstil soldatischer Prä­gung. Der freie Bursch, die auf deutscher Dolks- tumsgrundlage aufgebaute Ehrauffassung, die Jahnschen Gedankengänge von der deutschen Tur- nerei leiten hier den DE. in seiner Erziehungs­arbeit. Alle Institute des Berbindungslebens mühten wieder ihren Sinn erhalten. Dann werde die studentische Verbindung ihre politische Auf­gabe als Männerbund gegenüber der Ration ge­recht werden.' Der Abend führte die Turner- schäften zu einer Kundgebung zusammen, auf der Verbindungsbruder Glombowski über die Ost­frage sprach. Da Polen den kulturellen Wert des Deutschtums anzuerkennen gezwungen ist und der SlawismuS auch nicht annähernd einen Ersatz da­für bieten könne, würde mit den schwersten Ge- waltmahnahmen versucht, das Deutschtum aus- zurotten Es gelte jetzt mehr denn je die Augen offen zu halten, denn der deutsche Osten sei die Schicksalsfrage der deutschen Ration geworden.

Zum Schluß faßte der Leiter der Schulungs­tagung, Verbindungsbruder Hanns Wehr- f r i tz (Ghibellinia-München), noch einmal Sinn und Zweck der Vorträge zusammen, die gesamte Arbeit des VT. sei Dienst am Daterlande. Mit dem Deutschlandliede sand die Tagung ihr Ende.

Vermehrter Tier- und Pflanzenschutz in Hessen.

Der Minister des Innern hat Bestimmungen er­lassen, bie eine Reihe von seltenen, ober schonungs- bedürftigen Tier- unb Pflanzenarten im gesamten Volksstaat Hessen für bas ganze Jahr dem Schutz unterstellt. U. a. fallen unter die Schutzbestimmun- gen sämlliche Schlangenarten, die große grüne Ei­dechse, der Hirschkäfer, der schwarze Apollo, alle in Europa einheimischen wildlebenden Vogelarten, mit Ausnahme der jagdbaren Vogelckrten und der Was­serhühner, Taucher, Säger, Rabenkrähen, Saat- krähen, Nebelkrähen, Elstern, Eichelhähern, Haus- unb Feldsperlinge. Verboten ist die Verwendung von Fanggeräten, die auf Pfählen, Bäumen oder andern ausragenden Gegenständen, ober aus Boden­erhebungen angebracht sind, die Aufstellung von Habichtskorben, das Anbieten von Vogelleim ober von Dogelfanggeräten, der Schrotschuß unb das Auslegen von Giftmitteln außerhalb von Gebäuden, ober außerhalb des sonstigen umfriedigten Besitz­tums. Weiter ist das Ausgraben, Ausreißen usw. der folgenden Pflanzen verboten: Bergwohlverleih, Küchenschelle, Frühlingsadonis und Trollblume. Das von Präparatoren, Ausstopfern, Naturalien- Händlern und Inhabern zoologischer Handlungen zu führende Verzeichnis muß Namen, Wohnort unb Wohnung des Einlieferers und Empfängers und den Tag des Zu- und Abgangs usw. enthalten. Die Polizeiverordnungen zum Schutze der im Gebiet des Lampertheimer Altrheins wachsenden Wasierpflan- zen, der Wasserpflanzen im Stockstadt Erselber Alt­rhein, her Mainzer Sandflora unb der Pflanzen im sog. Hengster werden inforoeit von den neuen Bestimmungen nicht berührt, als sie weitergehende Verbote und Anordnungen enthalten.

Gictzcncr Wochcnmcrrktpreisc.

* Gießen. 2. Juni. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130. Landbutter 120 bis 130, matte 25 bis 30. Wirsing, neue 18 bis 23. rote Rüben 10 bis 12. Spinat 10 bi« 12. Römftchkohl 10 bis 12. Bohnen 50 bis 55. Spargel 30 6'8 55. Erbsen AO biS 35. Mischgemüse 10 bis 12. To­maten 60 biS 70. Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 60, Rhabarber 8 bis 10. Kartoffeln 4.5, Aepfel 10 bis 20. Dörrobst 25 bis 30. Kirschen 60 bis 70, Erdbeeren 103 bis 160. Honig 40 bis 45. junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80; da» Sjück Tauben 50 bis 70. Eier 7 (10 Stück 65), Blumenkohl 30 bis 70. Salat 8 bis 10, Salat­gurken 40 bis 60, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch

5 bi» 10, Rettich 15 bi« 20. Sellerie 10 bi« 30. Käse 5 bis 10; da« Bund: gelbe Rüben 18 bi« 20, Radieschen 10 bi« 15 Pfennig; der Zentner. Kartoffeln 3,80 bi« 4 Mark.

Bornotizen.

TageSkalender fürDonnerStap: Gießener GaS-Dereinigung. 20 Uhr, Eafe 2ctb, HauSfrauen-Abend. Bund der Lahnfreunde. Hotel Hopfeld, Monats-Versammlung. Licht­spielhaus. Bahnhofstraße: »Di« letzte Galavorstel­lung im ZirkuS Busch". 1

Bcnefizoorstellung der Mitglie­der bcs Gießener Stadttheaters. Man schreibt uns: Um die beim Gießener Publikum be­stehenden Zweifel zu beheben, wird mitgeteilt, daß das Ensemble anläßlich seiner Benefizoorftellung mit ber einmaligen Posse Niebergalls:Der Dattc- rich" keine erhöhten Preise, sondern gewöhnliche Schauspielpreilc festgesetzt hat. Durch diese Maß- nähme soll allen Theaterfreunden Gelegenheit zuiü Besuch geboten werden. Beginn ber Vorstellung 20.15 Uhr.

Lichtbilder-Dortrag über Ruß­land. Die Ortsgruppe Gießen des GDA. veran­staltet am Samstagabend imAquarium" einen Ltchtbilder-Dvrtrag über Rußland. (Siehe heutige Anzeige.)

Allgemeine Ortskrankenkasse Dießen-Stadt. Am Freitag, 10. 3uni. findet im Gewerkschaftshaus eine ordentliche Ausschuß­sitzung statt. Räheres ist au« der heutigen Anzeige ersichtlich.

Gastspiel der Alhambra-Revue in Gießen. Man schreibt uns: Ab morgen, Freitag, wird dieses Unternehmen unter Leitung der bekannten Direktion L. K n i e ein mehrtägiges Gastspiel hier geben. Dem Fortschritt und moder­nem Geschmack entsprechend, hat Direktor Knie seinen ZirkuS zu einem Revue-Theater umgestellt. Auf einer Verwandlungsbühne wird eine Prunk- schau gezeigt. Reu und konkurrenzlos in feiner Art findet das »Revue-Unternehmen auf Rä­dern" überall Anklang und Bewunderung. Zuletzt gastierte das Unternehmen volle vier Wochen vor täglich ausverkauftem Hause in Mainz, mit gleich großem Erfolg 14 Tage in Kaiserslautern, drei Wochen in Pirmasens, Heidelberg, Ludwigshafen, Franvurt. Das Zelt yat etwa 1000 Sitzplätze. Die Eröffnungsvorstellung in Gießen aus dem OswaldSgarten findet morgen, Freitag, 3.3uni, statt. (Siehe Anzeige.)

* * Die 21 m t s t a g e beim ftreisamt Gie­ßen. In einer Bekanntmachung des Kreisamts Gießen wird erneut darauf hingewiesen, daß Amts- tage bei dem Kreisamt nur Dienstags unb Freitags vormittags jeder Woche find. Während ber übrigen Zeit finb die Dienstzimmer des Kreis- amts für bas Publikum geschlossen, so daß soweit es sich nicht um Fälle allerdringendster Art handelt Personen, die außerhalb der Arntstagc beim Kreis- amt vorsprechen, auf Abfertigung nicht rechnen können.

"Kein Heu undGetreideamBabn- körper lagern! Um die Gefahr einer Ent­zündung durch Funkenauswurf der Lokomotiven oder durch Fahrlässigkeit der Reisenden zu ver­hüten, ist die Lagerung von Heu und Grummet, sowie die Ausstellung von Getreide in der Rahe von Batmkörpem nach Möglichkeit einzuschränken und unter keinen Umständen länger auszudehnen, als unbedingt erforderlich ist.

" Auskünfte beim $ oft amt. Dom Post­amt Gießen wird uns mitgeteilt: In Post sochen wird Auskunft hauptsächlich am Fernfprcch Anschluß 2614 erteilt; gewisse Einzelheiten des Postdienstes sind bei den unter eich« poft imAmtlichen Fernsprechbuch" aufgeführten Stellen zu erfragen. Für den Fernsprech dienst sind Auskunftstellen die in diesem Buche an ber angegebenen Stelle unb in den Vorbemerkungen unter Gießen er­wähnten Anschlüsse.

Geschäftsjubiläum. Heute sind es 30 Jahre, baß die vormals Wilhelm Kellersche Druckerei zu Gießen durch Kauf in den Besitz bes jetzigen Inhabers Albin Klein überging. 1902 war der Betrieb noch fehr bescheiden. Heute werden die Einrichtungen der 1783 gegründeten Druckerei als muftergülhg bezeichnet. Die Firma hat sich in ben letzten 10 Jahren gut entwickelt.

* Straßensperre, mitgeteilt vom Oberhessi- schen Automobilklub E. D. (2L o. D.): Anläßlich bes diesjährigen MotorradrennensRund um Schotten" wird die Ortsdurchfahrt Bad Salzhausen int Interesse eines ungestörten Kurbetriebs vom 3. Juni, 12 Uhr, bis Dienstag, 7. Juni, R Uhr, für Motor- raber unb Lastkraftwagen im Durchgangsverkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Borsdorf.

* Sonntagsrückfahrkarten zum M v< torrabrennenRund um Schotten". Äxi Sonntag, 5. Juni, werden aus Anlaß bes Motor­radrennens In Schotten von allen Balmhöfen bei Reichsbabndirekl.onsbezirks Frankfurt a. M. im Umkreis von 100 Kilometer um Schotten Sonntags- rückfahkkarten nach Schotten ausgegsden.

Eine Siebzigjährige Frau Marie Hofmann. Grabenstraße 4 wohnhaft, kann mor­gen, 3. Juni, in körperlicher unb geistiger Frisch« ihren 70. Geburtstag begehen.

,e Handwerkskammer-Ehrenurkun- benfür treue Mitarbeiter. 3n Anerken­nung treuer Arbeit in Diensten de« Maler- und Weihbindermeister» Emst Petri in Gießen wurden deute im Auftrage der Handwerkskammer Darmstadt durch bie Handwerkskammer-Reben» stelle Gießen dem Weißbinder Eduard Dietrich au» Hattenrod für 30jährige, dem Maler und Lackierer Leonhard Schneider au« Gießen für 40jährige. sowie dem in Diensten der Seifen­fabrik R Sternberg in Gießen beschäftigten Seifenliedermeister 3obannc« Rill in Gießen für 30jährige ununterbrochene Tätigkeit Ehren­urkunden überreicht. Ein Ereignis selten treue« Pflichterfüllung unb 21rbeit»bicn(tlciftung fand damit gebührende Anerkennung.

Sterbefälle in Gießen. CVn der Zeit M»m 16. bi« 31. Mui verstorben in G'eßen: 17.: Anna Landau, ohne Beruf. 73 Sah«. Liebig- straße 24; Karol ine 3eguft. geb. Lenke, 71 Jahre, Wilbelinftraße 53; 19 Theodor Hahn. Bureau- gehilfe. 30 Jahre, Schühenslraße 7. Georg Han» Fink, Schüler. 9 Jahre, Asterweg 72; 22.: Hein­rich Geiß. Reich-bahnwerkmeister i. R., 54 Zähre, Hillebrmidstrahe 14: Elsa Johanna Katharine Wagner, ohne Berus, 36 Zähre, Wolkengasse 22; 23.: Johann Wilhelm Schäfer, Kanzlei-Inspektor. 60 Jahre, Großer Steinweg 4; 24 Heinrich Frei­tag. Bergverwalter i. R., 68 Jahre, Schubert- straße 8; 25.: Peter Walter. Jnstallationsmeister, 78 Jahre. KaplanSgasse 25; 29 Marie Ein- häuser, geb Lipp. 64 Jahre. Ebelstraße 26; 30.: Jakob Rküller. ohne Beruf. 69 Jahre. Wolken- ?asse 17; 31 : Philipp Wehrum. Kaufmann,

4 Jahre. Seltersweg 61

" Guttempler-Lage .Hasst a i n G Lehen. Man berichtet un« In der hiesigen Guttempler-Loge .Hassia" hielt Herr Privatier Welker von hier vor einer zahlreichen Zu­hörerschaft einen Lichtbilder-Vvrtrag über seine Orient- und Palästina-Reise, die er kurz vor Ausbruch des Krieges auSgelührt hatte. An Hand der Lichtbilder führte der Redner seine Zuhörer nach Konstantinopel, ins Heilige Land, nach den Trümmern Messinas unb in« Innere der Mo­scheen unb Kirchen des Morgenlande-. Er ver­stand e» vorzüglich, seine Reiseeindrücke in leb­haften Farben zu schildern, und er unterließ e« nicht, das Kultur- und Sittenleben jener Welt vor Augen zu führen. Herr Welker hatte sich in dankenswerter Weise kostenfrei $ur Verfügung gestellt und erntete reichen Beifall für seine öfters mit Humor gewürzten Ausführungen

Di e Maul- und Klauenseuche in Oberhessen. Reuerdings ist die Maul- und Klauenseuche in Steinbach (KreiS Gießen», sowie in Bönstadt iKreis Friedberg) amtlich foftgeflellt worden. Die erforderlichen Sperrmaß- nahmen sind verhängt. In Rendel kKrei» Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche er­loschen, die Sperrmahnahmen sind ausgehoben worden.

Verabschiedung des Biedenkopfer Kreisetats.

WSR. Biedenkopf, 1. Juni. Rachdem die auf den 23. Mai einberufene Sitzung de» Kreis­tages von Biedenkopf wegen Beschluß­unfähigkeit nicht stattfinden konnte, trat der Kreistag gestern erneut zusammen. Zu Beginn der Sitzung erklärte der nationalsozialistische Ab­geordnete Klein, daß er zu den Sitzungen nicht erscheine, um mitzuarbeiten, er ver­lange vielmehr im Austrag von 20 000 Wählern den Rücktritt deS Landrats. Mit der Erklärung, daß er auch in der jetzigen Sitzung die Mitarbeit ablehne, verließ Klein dann den Saal. Abg. Roßbach gab na men« der Bürger­lichen Arbeitsgemeinschaft eine- Erklärung ab. die sich gegen den Landrat richtete. In der Besprechung des Haushaltsplan- stellte Land- rat Eohmann fest, daß da- Vorjahr bei 93 000 Wart Zuschüssen des Reiches und 20 000 Mk. au« eigenen Reserven ohne Fehlbetrag abgeschlossen habe. Der Etat wurde nach einer Reihe gering­fügiger Aenderungen mit 55 v. H Krei»steuern angenommen.

Annahme des Marburger Etats.

WSR. Marburg, l.Juni. Der gestrigen Stadtverordnetensihung lag der städtifche Etat, der mit einer Einnahme von 3 557 364 Mk. und einer Ausgabe von 3 884 434 Mk, also mit einem Defizit von 326703 M k. abschließt, zur Genehmigung vor. Rach vierstündiger Be­ratung wurde der Etat mit einigen kleinen Aen­derungen angenommen. Ein Antrag, von den für die Theatervorstellungen im Winter vorgesehenen 15 000 Mk. 5000 Mk. zu streichen, wurde ab ge­lehnt, weil ein Fallenlassen dieser Summe gleichbedeutend mit der Einstellung de- Theater- gewesen wäre, das bekanntlich vom Stadt- theater Gießen aus bespielt wird. Don dem Verein Automobilstraße Hamburg- FrankfurtBasel lHasraba) will sich die Stadt aus Ersparnisgründen abmelben.

Znnungskrankenkaffen-Tagung.

Marburg, 1. Juni. (WSN.) Am Sonntag hielten bie Jnnungskrankenkossen von Hessen- Nassau unb dem Dolksstaat Hessen hier ihre biesjöhrige Hauptversamm­lung ab, zu ber zahlreiche Vertreter erschienen waren. Obermeister Raabe von ber Bäckerinnung begrüßte bie Erschienenen mit herzlichen Worten unb wünschte babei ber Versammlung einen guten unb erfolgreichen Verlauf. Nach ben Dankesworten bes Dorsiizenben bes Prooinzialoerbanbes Burk« Hardt- Wiesbaben ergriff ber Derbanbsgeschäfts- führet Dr. Estenfeld- Mainz das Wort. Er jchilberte in längerer Rebe bie Belange ber In­nungkrankenkassen unb ging dann zu ben Berufs« genössenschaften über, wobei er betonte, baß dies« eine schwere Belastung für bie Arbeitgeber bar­stellten, zumal noch Direktorengehälter von 40 000 Mark im Jahre an ber Tagesordnung seien. Hier sei eine Reform bringend, notöenbig. Der Rebner führte weiter aus, baß man zu dem Jahre 1913 zurückkehren müsse, bevor eine Besserung in bet ganzen Sozialversicherung eintreten könne. Trotz be< ungünstigen Wirtschaftslage seien Me Jnnungs« krankenkalsen gut funbiert und wohl in ber Lage, allen Anforderungen gerecht zu werden.