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Sie Regierungsbildung in Frankreich.

Keine Beteiligung der Sozialisten. - Herriot spricht mit Botschafter v. Hoesch.

Paris, I. Juni. (TU.) Die neue franzö­sische Kammer trat Mittwochnachmittag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Eine Reihe von Ministern hatte nur auf ihren Abgeordneten­sitzen Platz genommen. Der Alterspräsident wid­mete dem ermordeten Staatspräsidenten Sou- in c r einen Rachruf und hielt dann die übliche Einführungsrede. Darauf wurde die Sitzung aus Freitag vertagt.

Da überlieferungsgemäß der Staatspräsident zu Beginn der Regicrungsbildungsverhandlungen zunächst die Präsidenten des Senats und der Kam­mer empfängt, letzterer aber erst frühestens Frei- tagvormittag gewählt wird, können die Regie- rungsbildungsbcsprechungen nicht vor Freitag­nachmittag eröffnet werden. In gut unterrichteten Kreisen glaubt man, daß Herriot neben dem Ministerpräsidium auch das Außen- Ministerium übernehmen wird. Ein Gerücht, wonach Herriot sich mit dem Außenministerium allein begnügen und die Leitung des Kabinetts dem Senator Steeg überlassen soll, ist kaum glaubhaft.

Dem Sozialistischen Parteitag berich­tete ß6on Blum über die Unterredung mit Her­riot, in der dieser darauf hingewiesen habe, daß die Umstände nicht mehr die gleichen seien wie 1924, als die Unterstützung durch die Sozialisten für die übrigen Linksparteien erforderlich war. Leon Blum erklärte, wenn auch eine Verständigung über einige wenige Punkte des sozialistischen Programms mög­lich scheine, mache sich doch hinsichtlich der meisten anderen, namentlich wegen der Herab­

setzung der Militärkredite, eine tief­gehende Meinungsverschiedenheit gel­tend. Der Kongreß nahm einstimmig eine Entschlie­ßung an, in der festgestellt wird, daß mit der gestri­gen Entschließung der Radikalen die Bespre­chungen über die Regierungsbeteili­gung der Sozialisten beendet sind. Der Parteitag habe feststellen müssen, daß die Antwort der Radikalen Partei die Einigung über die unver­züglichen Erfordernisse einer gemeinsamen Regie­rungsaktion unmöglich mache.

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Der künftige Ministerpräsident Herriot hatte gestern eine Unterredung mit dem Botschafter do n Hoesch.Petit Parisien" ist der Ansicht, die Demarche habe zweifellos einen doppelten Zweck ge­habt. Einmal sollte der künftige französische Minister- Präsident und Außenminister von der Bildung des Kabinetts von Papen offiziell in Kenntnis gesetzt werden, und dann galt es, zu versuchen, in einem gewissen Maße die Be­unruhigung zu zerstreuen, die die neuen Kombinationen, ihr Charakter und ihre st a r k e Rechtsorientierung besonders in links ge­richteten Kreisen Frankreichs hervorgerufen hätte. In der Besprechung seien die Fragen der Lausanner Konferenz und die Haltung, die der Vertreter der. neuen deutschen Regierung dort einnehmen könnte, gleichfalls, angeschnitten worden. Von beiden Seiten sei jedenfalls größte Diskretion an den Tag gelegt worden, so daß man sich in allen diesen Fragen auf Mutmaßungen beschränken müsse, die jedoch, wie das Blatt hinzusügt, der Wirklichkeit entsprechen dürften.

Aufmarsch zur Landlagswahl in Hessen.

Oie nationale Einheitsliste.

Darmstadt, 1. Juni. Bei einem Presseemp­fang, den die in der Rationalen Einheitsliste ge­sammelten bürgerlichen Parteien heute abend veranstaltet hatten, sprachen Bürgermeister a. D. Du x b a u m und Generalsekretär We11 ow. Das Ergebnis der Ausführungen der beiden Redner wurde u. a. wie folgt zusammengefaßt: Die bür­gerliche Einigung in Hessen ging nicht nur von den Parteien aus, sondern wurde mit besonderem Rachdruck von den Wirtschaftsverbän­den, also Handwerk, Kaufmannschaft, Industrie, Hausbesitz usw. betrieben. Wir sind uns bewußt, daß die Einheitsliste, an der jetzt Deutsche Dolks- partei, Landvolkpartei, Christlich-Sozialer Volks- dienst, Staatspartei, Wirtschaftspartei und Volks- rechtpartei beteiligt sind wir hoffen auch auf die Unterstützung der Volkskonservativen, nur einen Anfang darstellt. Aber es ist immerhin ein bedeutsamer Schritt nach vorn ge­macht und wir möchten wünschen, daß die Oeffent- lichkeit ihn als etwas neues begrüßt.

Die Einigung geschah auf einem Programm, das den Kampf gegen den Sozialismus jeder Prägung fordert. Das bedeutet d i e Front gegen die Sozialdemokratie, ein Kampf, bei dem keiner der Partner durch Rücksichten auf die Vergangenheit gehemmt ist. Das bedeutet natürlich auch den Kampf gegen d i e R a t i on a l so z i a l i st e n, die sich ja im Hessischen Landtag als ganz eindeutige Verfechter sozialistischer Auffassungen gezeigt haben. Es sei an die bolschewistischen Winter- beihilfeanträge erinnert, an den Antrag auf Ver­staatlichung der Danken, an einen Antrag, der eine Höchstgrenze für die Gehälter festsehen wollte u. a m. Aus dem Kampf gegen den Sozialismus ergibt sich der Kampf für Eigentum und freie Wirtschaft, für bürgerliche Ehre und bürgerliche Rotwendigkeit, und damit auch der Kampf für die Stärkung bürgerlicher Anschauun­gen schlechthin. Wir haben dabei das reale Ziel, die Fraktion der Rationalen Einheitsliste in

Hessen so stark zu machen, daß sie und nicht andere künftig die Schlüsselstellung inne hat.

Die Kandidaten der Rationalen Einheits­liste werden morgen dem Landeswahlleiter nomi­niert. Die Liste umfaßt 50 Rainen: sie wird ge­führt von: Bürgermeister Dr. Riepoth, Schlitz: Landwirt Glaser, Rordheim: Lehrer G r e b, Weisenau: Obcrstudiendirektor Weiner, Offen­bach: Schmiedemeister Rothnagel, Griesheim: Professor Dr. Ludwig Axt, Darmstadt: Fräulein Dirn bäum, Gießen: Schriftleiter Süh, Darm­stadt: Bauunternehmer Gemünden, Ober- Ingelheim: Landwirt Siegerll.. Gronau: Bür­germeister a. D. B u x b a u m, Darmstadt, und Bankbeamter Lorenz, Gießen.

Oie Oeuischnaiionalen.

Frankfurt a. M., 1. Juni. In einer Der- treterversammlung der Deutschnationalcn Volks- Partei des Landesverbandes Hessen-Darmstadt führte der Listenführer, Amtsgerichtsrat Böhm (Bad-Rauheim) etwa folgendes aus . Weite Kreise des Hessenvolkes in Stadt und Land wissen den Deutschnationalen Dank für ihre eindeutige, klare Linie und sehen ihre Hoffnung auf sie als auf das alleinige Bollwerk des privatwirtschaftlich, denkenden Bürger- und Bauerntums. Als eine der erfreulichsten Tatsachen aber, deren Bedeu­tung für die Zukunft noch nicht abzuschätzen ist, muß verzeichnet werden, daß verdiente und an- gesehene Landwirtschaftsvertreter und Landvolk­führer, wie die Abgeordneten Fenchel. Arras, Wolf und das Kreistagsmitglied Lutz (Kleinfelda), gleich zu Beginn des Wahlkampfes zu den Deutsch­nationalen gestoßen sind. Damit ist der Grund gelegt zu einer starken, einflußreichen Rechtspar­tei der Zukunft! Die Deutschnationalen bieten dem bodenständigen hessischen Bürger- und Bauern­tum eine letzte Chance, wieder den Einfluß auf seine Geschicke zu gewinnen, der ihm gebührt. Das ist die Bedeutung dieser Hessenwahl! Wenn jeder das Gebot der Stunde begreift und seine Pflicht tut, dann muß es schon diesmal gelingen, den Deutschnationalen im Hessischen Landtag zur Irak- tionsstärke zu verhelfen!

Der preußische Landtag vertagt sich bis Ende Juni.

Eine ruhige Sitzung unter starken Sicherungsmaßnahmen.

Berlin, 1. Juni. (VDZ.) Der Preußische Landtag, der.heute nachmittag wieder zu einer Plenarsitzung zusammentrat, ist auf Grund der Anordnungen des Präsidenten Kerrl außer­ordentlich stark gesichert worden durch Doppelposten von Beamten des Hauses an jeder Eingangspforte. Der Präsident hat angeordnet, daß die Tribünenbesucher auf Waffen durchsucht werden, um auch dadurch etwaige Störungsversuche, wie sie sich in der letzten Ple­narsitzung ereigneten, von vornherein zu unter­binden. Für die nächsten Tage dürfen ferner Ab­geordnete keineBesucher einführen. Mit Genehmigung des Präsidenten hält sich im Land­tag auch die sog. Hauswache auf, die aus Kriminalpolizeibeamten besteht. Ein größeres Kontingent von Schutzpolizei ist in einem Hof in der Rähe des Landtagsgebäudes bereitgestellt.

Abg Kasper (Komm.) wendet sich gegen die Absperrungsmaßnahmen des Präsidenten. Was die Waffenkontrolle bei ben Besuchern angehe, so habe nur noch gefehlt, daß das Publikum in Zukunft in der Badehose erscheinen müsse. Der Redner beantragt sofortige Entfernung der Polizei aus dem Hause.

Präsident Kerrl erwidert, der kommuni- richte sich gegen Maßnahmen des Präsidenten, über die das Haus nicht ab- st ' rnm en könne. (Unruhe bei den Kommunisten.)

Abg. K u b e (Rats.) nimmt Bezug auf Zusam­menstöße beim Aufzug der Marinewache in Ber­sin und beantragt:Der Landtag wolle beschlie­ßen: 1. Der schuldige Berliner Polizeipräsident Grzesinski wird sofort entlassen. 2. Der ver­antwortliche Polizeikommandeur Heimanns- £ er 9 wird sofort vor ein Disziplinargericht ge­stellt. 3. Sie schuldigen Offiziere und Mann­schaf ten werden sofort des Dienstes enthoben und vor einen preußischen Richter ge­führt. Der Antrag wird mit der politischen Aussprache verbunden. Auf Antrag der Rational- soLialisten werden zwei Untersuch ungsaus- s ch ü s f e mit je 29 Mitgliedern eingesetzt, die Be -

schwer den über die preußische Poli- zei und Rechtspflege nachprüfen sollen.

Zur Beratung stehen dann k o m in u n i st i s ch e Anträge auf Aufhebung der Kürzun­gen der Wohlfahrts- und s o n st i g e n Unter ft Übungen, sokvie auf Durchführung oon Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung. Abg. Schwenk (Komm.) begründet die Anträge. Üeberall im Lande herrsche die Empörung der.Massen gegen die Not und Unterdrückung. Die Hungerrevolten seien ein neues Flammenzeichen dafür, daß die Erwerbslosen gegen die herrschende Gesellschaftsordnung aufstehen, die ihnen das Lebensrecht abspreche.

Abg. Frau Hanna (Soz.) tritt für Arbeitszeit­kürzung ein und betont, daß man mit dem Geschrei von einer bevorstehenden Inflation nicht einfach olle Geldbeschaffungspläne abtun könne, die wie die Idee einer Prämienanleihe der Bekämpfung der Arbeits­losigkeit gelten.

Abg. Lohse (Rats.) erklärt, daß die National- sozialisten die Anträge zur Erwerbslosenfrage in Verbindung mit der Kritik an der bisherigen Re- gierung im Rahmen der politischen Aussprache erörtern wollten.

Abg. Hebborn (Z.) bedauert die Kürzung der Unterstützungssätze. Die Mittel für die Aermsten der 'Armen mußten auch ig dieser Zeit unter allen Umstanden beschafft werden. Die Gemeindefinanzen sind durch die Wohlfahrtsausgaben völlig ruiniert worden. Die wichtige Frage der Schaffung von Ar- beitsgelegenheit wollen wir mit allein Ernst auf­nehmen. Wir müssen uns aber klar sein, daß Not- standsarbeiten sehr viel teurer kommen als die Unterstützung der Erwerbslosen. Dor allem sollten bei der Arbeitsbeschaffung solche Arbeiten bevorzugt werden, bei denen möglichst viel Handarbeiter beschäftigt werden können, wie beim Wohnungsbau, Landgewinnung, Kanal­bauten usw. Wenn Privatunternehmer solche Bauten ausführen, müssen ihnen Kredit­erleichterungen gewährt werden, besonders den Klein- und Mittelbetrieben. Es hat sich heraus- QcfteUt, daß Klein, und Mittelbetriebe gegenüber den Krisenstandserscheinungen widerstandsfähiger

Schanghai von den Japanern geräumt.

Schanghai, l.Iuni. Am Dienstag wurde der Rest der in Schanghai verbliebenen japanischen Streitkräfte, die bei dem Kampf gegen die Chinesen eingesetzt worden waren, in d r e i T ransport- Kämpfern nach Japan eingeschifft. Da­mit ist die Räumung Schanghais von japanischen Truppen vollzogen. In Schanghai verbleiben nun­mehr lediglich 100 Polizisten und 2500 Seesoldaten. Ein Teil der japanischen Truppen geht nach der Mandschurei, um an der von General Honjo durchgefiihrten Strafexpedition gegen d i e chinesischen Freischärler teilzunehmen. Die geräumten Gebiete in der Umgebung Schanghais werden nunmehr von chinesischen Polizei- kräften aus Peking und Nanking kontrolliert.

Jlcue Unruhen in Hamborn.

Im Stadtteil Marxloh machten größere Ansamm­lungen ein Einschreiten der Polizei erforderlich Uni das Vordringen der Beamten zu verhindern, hatten die Demonstranten mehrere große' Mülltonnen auf die Straße g e'ft ellt Mit Steinwürfen undNieder!"-Rufen wurden die Beamten empfangen. In den späten Abendstunden 1

Gorguloff für den Präsidentenmord verantwortlich.

Paris, l.Iuni. Die drei Aerzte, die den Auf­trag erhalten hatten, den Mörder des fran­zösischen Staatspräsidenten auf seinen Geisteszustand zu untersuchen, haben einstimmig er­klärt, daß Gorguloff für seine Tat voll ver­antwortlich gemacht werden müsse. Das Ver­brechen, das er begangen habe, sei nicht unter dem Einfluß einer geiftigen Störung, so wie sie das Gesetz vorsehe, geschehen. Gorguloff weise keinerlei Merkmale auf, die seine Verantwort­lichkeit abschwächten. Er' müsse vielmehr als voll verantwortlich angesehen werden.

Aeue Steuern und Sparmaßnahmen in Amerika.

Washington, l.Iuni. (WTB.) Im Senat wurde das neue Steuerprogramm mit 72 gegen 11 Stimmen angenommen, das einen Betrag von 1 0 0 0 Millionen Dollar bringen soll. Außerdem hat der Senat eine Resolution gefaßt, die gemäß einer von einer Unterkommission aus- gearbeiteten Vorlage eine Herabsetzung aller Beamten gehälter um 10 Prozent vor­sieht und zwar ohne Ausnahme. Damit ist der Hauptschritt zur Ausführung des Sparprogramms geschehen, dem eine Reduktion d e r Regie­rung s a u 5 g a b e n um 2 3 8 Millionen Dollars folgen soll, d. h. um denselben Betrag, den die verschiedenen Kriegsschuldenzahlungen aus- machen würden. Die in das Programm einbezogene Umsatzsteuer ist eine Steuer von 5 Cents auf Einhundertdollarumsätze im Terminverkehr an den Warenbörsen.

Französische Sabotage in Gens. Der deutsche Vertreter stellt die Mitarbeit im Lustfahrtunterausschntz ein.

Genf, l.Iuni. (WTD.) Der Unteraus­schuß des Luftfahrtsau'sschusses trat heute nachmittag zur Beratung eines franzö­sischen Entschließungsentwurfes, in dem der An­griffscharakter der Flugzeuge auf Grund ihrer Wirksamkeit gegen die nationalen Festungen beurteilt werden soll, zusammen. Rach diesem Kriterium würden fast sämtliche Militär­flugzeuge überhaupt keinen Offensiv- ch a r a k t e r haben. Da der französische Ver­treter es mehrfach ablehnte, in seinen Ent- schließungsentwurf die Vorbehalte der deutschen Delegation aufzunehmen, die vom Standpunkt der abgerüsteten Länder ge­stellt werden, verzichtete der deutsche Dele­gierte an der weiteren Mitarbeit in diesem Tlnterausschuß und behielt sich einen G e- neralvorbehalt zu der französischen Reso­lution vor.

Aussichten für Freitag: Vielfach auf­heiternd, warm und trocken.

Lufttemperaturen am l.Iuni: mittags 16,1 Grad Celsius, abends 12,1 Grad: am 2. Juni: morgens 11,7 Grad. Maximum 17 Grad, Minimum 6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am l.Iuni: abends 16,4 Grad: am 2. Juni: morgens 12,4 Grad Celsius. Niederschläge 0,3 mm. Sonnenschein­dauer 2% Stunden.

Aus aller Welt

Trauerfeier am deutschen Kriegergrab in Sfagen.

Eine aus vier Booten bestehende deutsche Tor­pedobootsflottille lief im Hafen von Sfagen ein. Um 11 Uhr marschierten Matrosen und Offiziere nach dem Kirchhof von Skagen, wo Kapitän Met­ren eine Ansprache hielt, und einen Kranz am deut­schen Kriegergrab niederlegte.

Hitler Ehrenbürger in zwölf waldeckfchen Gemeinden.

Wie die Gau-Pressestelle der NSDAP, mitteilt, haben die Gemeinderäte folgender waldeckscher Ge­meinden beschlossen, Hitler das Ehrenbürger- recht zu verleihen: Villingen, Schwalefeld, (Sieb- ringhausen, Nieder-Werbe und Ober-Werbe, Sachsen­hausen, Mainringhausen, Freienhagen, Dehring. Hausen, Armsfeld, Königshagen und Alraft.

Mieder kommunistische Ausschreitungen in Wuppertal.

In den späten Abendstunden kam es wiederum zu Ausschreitungen. Eine von den Rationalsozia­listen cinberufene Versammlung gab Anlaß zu Gcgenkundgebungen linksradika­ler Kreise. Eine große Menschenmenge be­lagerte das Versammlungslokal und machte An­stalten, in die Räumlichkeiten einzudringen. Als die Polizei die Menge zerstreuen wollte, wurde sie beschossen. Die Beamten erwiderten das Feuer, wodurch eine Person durch einen Ober­schenkelschuh schwer verletzt wurde. 96 Personen wurden zwangsgestellt. Von bisher noch unbekannten Tätern wurden im Stadtteil Bar­men 15 Straßenlaternen zertrümmert.

Wettervoraussage.

Die Luftdruckoerteilung ist über Europa zur Zeit ziemlich ausgeglichen. Das Tief über Frankreich be- fitjt feine große Energie und wird mehr südlich ab- gedrängt, lieber Deutschland hat sich durch geringen irometeranftieg eine schmale Hochdruckbrücke ge­bildet, die das Jslandhoch mit dem südöstlichen Hoch verbindet. In ihrem Bereich ist infolge absinkender Luftmassen sehr schnell Besserung und Aufheiterung eingetreten. Da in Mittel- und Westdeutschland meistens nordöstliche Winde wehen, wird das schone Wetter zunächst erhalten bleiben. Die starke Son­nenstrahlung bewirkt dabei tagsüber eine rasche Temperaturzunahme.

wurden mehrere Schaufensterscheiben eines Lebensmittelgeschäftes eingeworfen. Die Menge plünderte die Warenbestände. Als die Polizei einschrsit, wurde sie mit Steinen beworfen und auch beschossen, worauf die Beamten das Feuer er­widerten.

Plünderungen in Essen.

Etwa 20 Männer drangen in die Konsum- Anstalt Wohlfahrt in der Zechenstrahe in® ff en- Schonnebeck ein und entwendeten Fleisch, Speck, Schinken und Wurst. Kurz darauf zog ein Trupp junger Burschen durch die Langenhorster Straße in Essen-Altenessen und plünderte dort nacheinander die Konsumanstalt der Köln- Reuessener Bergwerksgesellschaft, die Konsum­anstalt Eintracht und das Derkaufslokal der Firma Kemmler. Zehn Plünderer wurden f e ft- genommen.

Königs, und Vismarckhülle können die Löhne nicht auszahlen.

Die Verwaltung der Königshütte in Kattowitz hat den Beamten und Arbeitern mitgeteilt, daß die Gehälter und Löhne für den Monat Mai nicht mehr zur Auszahlung gelangen können. Einer Abordnung der Arbeiterschaft wurde von der Direktion mitgeteilt, dah.die Aus­zahlung erst dann erfolgen kann, wenn die Hütte Bargeld erhält. Auch die Bismarckshütte ist mit der Zahlung der Gehälter noch rückstän- d i g. Bisher find nur 30 v. H. der Bezüge für den Monat April ausgezahlt worden. Die Direk­tion erklärte, daß sie für 300000 Pfund Sowjetwechsel besitze, die sie aber nicht realisieren könne.

Die Amtsenthebung

des braunschweigischen Hochschulrektors.

Die Einleitung des förmlichen Dienststrafverfah­rens mit dem Ziel der Dienstentlassung gegen den Rektor der Technischen Hochschule Braunschweig, Professor Dr.-Ing. Schmitz, dürfte im Zusammen- hang stehen mit der Tätigkeit des Professors Schmitz als Gutachter für Konstruktionen für eine auswärtige Macht, die sich die Dienste des Mathematikers und Ballistikers Professor Schmitz gesichert haben soll. Professor Schmitz hat seinerzeit seine Berufung nach Rußland ab- gelehnt, soll aber Konstruktionen angefertigt haben, und zwar in den Arbeitsstätten der Hochschule. Aus dieser Tätigkeit sollen sich Differenzen mit dem Reichsarbeitsministerium ergeben haben.

Zwei Tote infolge Brandstiftung.

Wie die Gendarmerie feftgefteUt hat, brach zwei- fellos infolge Brandstiftung im Anwesen des Tisch­lerehepaares Kießling in Lösten (Oberfranken) vermutlich zuerst in der Scheune Feuer aus. Mit großer Schnelligkeit griff der Brand auf das mit Stroh bedeckte W o h n Haus Tiber. Während die Frau und der 17jährige Sohn durch einen Sprung aus bem Fenster s i ch retteten, versuchten der Tischler und der 14jährige Sohn einen auf dem Boden stehenden Wäschekoffer in Sicherheit zu bringen. Dabei dürften beide i qi Rauch e r ft i cf t fein. Ihre Leichen wurden voll­ständig verkohlt aufgefunden. Der 17jährige Sohn erlitt schwere Brandwunden und mußte ins Kran­kenhaus geschafft werden.

Ein dreifacher Meuchelmord vor Gericht.

Vor der Strafkammer Ro e r m o n d (Holland) be- aann das gerichtliche Nachspiel zu dem dreifachen Meuchelmord von Putbroek. Die beiden Angeklagten Förster van der Elz en aus Posterholt und sein Sohn, die im Verdacht stehen, vor einem halben Jahr in den Annöndaelschen Waldungen an der deut- schen Grenze drei junge Leute aus dem Hinterhalt niedergeschossen zu hoben, leugnen alles ab, so daß der von dem chemi- schen Sachverständigen erstattete Be- richt als die einzig wirklich greifbare Handhabe gilt. Der Sachverständige hat verschiedene, dem An- geklagten gehörende Gegenstände genau untersucht. Dabei hat er auf mehreren Kleidungs- ftüden Bluts pur en gefunden, die vergebens unter roten Tintenflecken zu verbergen versucht waren. Weiter wurde in den Leichnamen der Er­mordeten eine bestimmte Patronensorte gefunden, die nur von dem Förster van der Elzen benutzt wurde.

Das 50jährige Bestehen des Gotthard-Tunnels.

Das Jubiläum des 50jährigen Bestehens des Gotthard-Tunnels wurde mit einem offiziellen Fest­akt in Luzern begangen. Die Festansprache hielt der Vorsteher des eidgenössischen Bahn- und Post- bepartements, Bundesrat Pilet, der auf die euro­päische Bedeutung des Gotthard-Tunnels hinwies und sein Glas auf das Wohl des Reichspräsidenten von Hindenburg und des Königs von Italien leerte. Ministerialrat Knaus, der 'Chef des technischen Dienstes im Reichsverkehrsministerium in Berlin, überbrachte die Grüße der Reichsregierung und der Deutschen Reichsbahn. Namens der italienischen Regierung sprach der Unterstaatssekretär im 23er- fehrsministerium, Benovaria.

Das Schicksal eines Fremdenlegionärs.

Bor fünf Jahren trat ein 20jähriger Mann au8 Thiergarten bei Hermeskeil im Hunsrück in die Fremdenlegion ein. Alle Bemühungen der Eltern, ihren Sohn wieder frei zu bekommen, schlugen fehl. Im März dieses Jahres sollte er nach Ablauf seiner Dienstzeit wieder nach Hause zurückkehren. Die Eltern warteten aber ver­gebens auf die Rückkehr des Sohnes. Jetzt haben sie von der französischen Behörde die Rach- richt erhalten,.daß ihr Sohn bereits im Januar in einem Gefecht gefallen ist.

Schließung der Zigarrenfabrik Henry Elay?

Wie Havas aus Havanna meldet, soll die be­kannte Zigarrenfabrik Henry Clay die Schlie­ßung ihrer Fabrik planen. Dadurch würden 20 000 Arbeiter brotlos werden.

sind als Großbetriebe. An der Frage der Ver­kürzung der Arbeitszeit werden wir nicht vorbeikommen. Durch Ausdehnung des freiwilligen Arbeitsdienstes ist es sehr wohl möglich, diese Leute in produktive Arbeit zu bringen.

Abg. Rässer (Sn.) spricht von der Schuld des Nooembersystems an der Erwerbslosigkeit und am finanziellen und politischen Zusammenbruch. Bei den Maßnahmen gegen die Erwerbslosigkeit müsse man vor allem gegen den Versailler Vertrag vorgehen. Unsere finanzielle Auspressung müsse ein Ende haben. Sodann müsse die Landwirtschaft wieder rentabel gemacht werden.

Die kommunistischen Anträge, die der Debatte zu­grunde lagen, gehen an den Hauptausschuß. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag. Nach dem Be- ratungsplan wird die politische Aussprache voraus- sichtlich durch die Abstimmungen am Freitagnach- mittag ihr Ergebnis finden. Der Landtag wird sich dann bis Dienstag, 21. Juni, vertagen.