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Scharfe Kampfansage des Mchslandbundes.

Oer Präsident Graf Kalkreuth gegen das Kabinett Brüning-Schiele.

Berlin. 1. Febr. (CAD.) . Der Reichs, landbund veranstaltete eine Kundgebung, an der mehrere hundert Vertreter der Landbünde aller deutschen Länder und preußischen Provin- zen teilnahmen. 3n seinem Hauptreferat führte der geschüstssührende Präsident Graf von Kalckreuth u. a. aus: Der Verlauf des Iah- res 1931 hat erneut bestätigt, daß die Regierung Brüning nicht den Willen und die Kraft hat, sich von den Anhänglichkeiten und schädlichen Einflüssen frei zu machen, unter de- nen schon im Iahre 1930 ihre Aktivität gelitten hat. Zu grohzügigen vorbeugenden Maßnahmen hat man sich nicht entschließen können. So ist ge­genwärtig die Lage Deutschlands noch verzwei­felter als zu Beginn des Ihres 1931. Auch heute noch kann trotz der ungeheuren Verschärfung der Lage die wirtschaftliche Lebensmöglichkcit und die politische Freiheit des deutschen Volkes gerettet werden, wenn die Zügel der Regierung in die Hände von Männern gelegt werden, die neben wichtiger Erkenntnis den Willen zu entschlossener Tat auf­bringen. Auch wenn es gelingt, weitere Tribut. Zahlungen dem deutschen Volk fernzuhalten, so bleibt die Lage noch immer hoffnungs. los, wenn nicht mit starker Hand die Grund, übel, an denen heute sich die deutsche Wirt, schäft verblutet, beseitigt werden. Die beiden Grundübel sind die zunehmende Arbeits. l o s i g k e i t und die schrumpfende Kauf, und Erzeugungskraft der Landwirt- schäft. Beide hängen eng miteinander zusam­men und haben ihre gemeinsame Quelle in der verfehlten Aus fuhr Politik Deutsch­lands. Die Bekämpfung der Agrarnot und der Arbeitslosigkeit ist nur durch bewußte Abkehr von der bisherigen verfehlten Ausfuhrpolitik und durch ebenso bewußte Stärkung desDin. nen Marktes mit allen Mitteln möglich. Rur die deutsche Erde kann heute dem Volk noch Brot und Arbeit sichern. Aber die Produktivkraft des deutschen Ackers ist am Erliegen. Allein durch die Verbilligung der Ausgabenseite des Land-

Ra n k i n g , 1. Febr. (1BI23.) Der japanische Generalkonsul sprach heute beim chinesischen Außenminister vor und beschuldigte die chi­nesischen Truppen, daß sie als erste in Tschapei das Feuer eröffnet hätten. Der Außenminister entgegnete, die Japaner seien an erster Stelle dafür verantwortlich, well sie in chi­nesisches Gebiet eingedrungen seien. Der Generalkonsul forderte dann, daß der Status quo aufrechterhalten werde aber der Außenminister erklärte, daß zunächst die nor­malen Bedingungen wieder herge- skelll werden müßten.

Um 23 Uhr begannen japanische Kriegs­schiffe Nanking mit Geschühfeuer zu belegen. Japanische Marinesoldaten wurden i m Schuhe h e f t i g st e n Sperrfeuers an Land gebracht. Erbitterte Kämpfe sind im Gange, vor Nanking liegen vier japanische Kreu­zer und drei Zerstörer, während die Chinesen dort drei Kanonenboote, die vereinigten Staaten und Großbritannien je ein Kanonenboot dort haben. Gleich nach Beginn der Beschießung begannen d i e ausländischen Konsulate in größter Eile Maßnahmen zum Abtransport ihrer Staatsangehörigen zu treffen: ein Abreise­befehl wurde indes noch nicht erteilt.

Chinesische Augenzeugen der Kämpfe berichten, daß japanische Matrosen auf eine chinesische Pa­trouille gefeuert hätten und gleich danach japanische Kriegsschiffe die Forts auf dem Löwen­hügel nahe dem Ufer mit Granaten belegten. Offiziell wird erklärt, daß die Forts das Feuer nicht erwidert hätten und die in der Stadt befindlichen Truppen Befehl erhallen haben, nicht zurückzuschießen. Insgesamt seien 20 Granaten von den japanischen Kriegsschif­fen abgefeuert worden. Auf Anordnung der Behör­den ist nach Geschäftsschluß die ganze Stadt in Dunkel gehüllt. Die Beschießung dauerte etwa dreieinhalb bis vier Stunden. Auch drei chine­sische Kanonenboote wurden von den japanischen Schiffen unter Feuer genommen. Cin Kanonenboot wurde stark beschädigt. In Nanking wurden olle Läden geschlossen. Der englische und ameri­kanische Generalkonsul rieten Ihren Staatsangehö­rigen, Nanking schleunigst zu verlassen. Der Bürger­meister von Nanking bat den japanischen General­konsul für Einstellung der Beschießung zu sorgen. Der Generalkonsul wies demgegenüber darauf hin, daß das japanische Geschwader nicht Ihm u n - ter stellt und er daher der Bitte des Bürger­meisters nicht entsprechen könne.

In der Stadt des Schreckens.

Schanghai in Erwartung neuer Kampfe

Schanghai, 1. Febr. (CRD.) Kein Mensch weih, was die Rächt bringen wird. Die wildesten Gerüchte laufen um. Am Abend hieß es, der Waffenstillstand sei zu Ende, und die japanischen Truppen würden in der Rächt gegen die Stellungen der Chinesen bei Kiang- it a n Vorgehen, wo das chinesische Arsenal liegt. Schon jetzt, bei Einbruch der Dunkelheit, ist es alles eher als gemütlich. Während des Tages sind in größter Eile im Osten der inter- nationalenRiederlassung, wo die Ja­paner die Kontrolle haben, Drahtverhaue und Sandsackbarrikaden errichtet worden, dahinter hat man Maschinengewehre in Stellung gebracht. Die Strahenlampen wurden zerschossen ein einfaches Verfahren, um den ganzen Stadtteil in Dunkel zu tau­chen. Unaufhörlich pfeifen Kugeln durch die Stra­ßen, in kurzen Abständen übertönt sie das Knat­tern der Maschinengewehre.

Wenn trotzdem unter den Einwohnern der in­ternationalen Riederlassung keine Panik aus- gebrvchen ist, so wohl deshalb, weil die Rach- richt. daß weitere britische, amerila*

Wirtes kann die Unrentabilität nicht erfolgreich .bekämpft werden. Die Einnahmenseite muß auch dann gesteigert werden, wenn cs nicht in den theo­retischen Rahmen der allgemeinen Preissenkung hineinpaßt. Der Versuch, die Einnahmenseite der Landwirtschaft durch Erhöhung desDut- t e r z o l l s zu steigern, k o m m t z u s p ä t und ist zudem unzureichend. Der Druck, den der Er­nährungsminister auf die Roggenpreise ausübt, wird sich im kommenden Herbst schwer rächen.

Die Schuldenlast der deutschen Wirtschaft ist nur dann tragbar, wenn durch weitere wirkungs­vollere Eingriffe in die Z i n s g e st a l- t u n g die Belastung auf ein erträgliches Maß ab­gesenkt wird. Eine Schuldenregelung kann natürlich auch an den Auslandschulden nicht vor­übergehen, wie es jetzt bei der Zinssenkung wegen Mangels an Mut zur Wahrheit geschehen ist. Sicherung der Staatskassen um jeden Preis ohne Rücksicht auf Rentabilität der Wirtschaft muß zwangsläufig zu einer Vernich­tung der Wirtschaft führen.

Ausschlaggebend für die Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit ist die Beseitigung unseres starren Lohntarifsystems. Ich halte die schematische Lohnsenkung für einen wirtschaftlichen Fehler, geschaffen aber werden muß eine größere Freiheit der Arbeitnehmer, Arbeit zu suchen und anzunehmen, wo sie sich bietet. Auch eine Neuregelung der Arbeitslosen- Versicherung ist notwendig. Einer der wirk­samsten Wege zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist die Wiederher st ellung der Wehrhoheit des deutschen Volkes. Statt Abrüstung der anderen sollten wir nach dem GrundsätzeGleiches Recht für Alle!" die Wiederherstellung der Wehrhoheit Deutschlands fordern. Der Landbund hat es für seine Pflicht gehalten, seine Kampfkraft einzusetzen für die Erreichung einer Regierung, die den Willen besitzt, die deutschen Kraftquellen in schwerster Schick­salsstunde auszuschöpfen und die letzten Reserven einzusetzen im Kampfe für Freiheit und Leben des deutschen Volkes.

Nische und französische Truppen hier­her entsandt worden sind, viel Beruhigung gebracht hat. Die Zeitungen wissen zu melden, daß sich die hier lebenden japanischen Frauen und Kinder - insgesamt dürften es etwa 18 000 sein bereitmachen, d i e Stadt zu verlassen. Andererseits kehren aber viele Tausende chinesischer Flücht­linge aus Schanghai, die in Nanking einen Zufluchtsort gefunden zu haben glaubten, w i e - derhierherzurück, well im Augenblick Ranking noch unsicherer sein dürfte als Schanghai. Unabsehbare Massen von Zivilperso­nen strömen dort aus den Vororten in die be­festigte Zone, andere haben Hals über Kopf Ranking verlassen unb fliehen auf dem Seewege. Rings um die Stadt brandet die Welle der Flüchtenden.

In Schanghai rechnet man mit einem bal­digen Wiederbeginn d e r Feindselig- k e i t e n. Der japanische Oberbefehlshaber erklärte dem Konsularkorps, die Chinesen hätten die Waffenruhe gebrochen: er werde ge­lungen fein, Maßnahmen zum Schutze seiner See- leute zu ergreifen. Die Ankündigung des Admirals hat die Nervosität noch gesteigert Ein endloser Strom von Flüchtlingen bewegt sich nach der britischen und amerikanischen Verteidigungs- zone. Chinesische Blätter behaupten, daß etwa 150 gefangene Chinesen von den Iapa- n e r n erschossen worden seien. Bei den meisten der Hingerichteten soll es sich um Freischärler han­deln Weiterhin berichten die Blätter, daß ganze Wagenladungen toter Chinesen heute morgen von japanischen Landungstruppen beiseitegeschafft wor­ben seien.

Oie Völ erbundSlommission reist über Aeuyork nach China.

Genf, 1. Febr (WTB.) Vorn Generalsekretär des Völkerbundes wird mitgeteilt, daß der Ver­kehr a u f d e r O st ch i n e s i s ch e n Ba h n n ö r d- ltch von Chardin unterbrachen ist, so daß die vom Volkerbundsrat im Dezember vorigen Iah- res eingesetzte internationale Unter­such u n g s k o m m i s s i o n für die Vorgänge im Fernen Osten einem Beschluß des Vorsitzenden die­ser Komm.ssion, Lord Lytton (England), folgend, am 3. Februar nach Neuyork reifen wird, um s'ch von dort auf dem kürzesten Wege nach China zu begeben.

Frankreich und der Krieg in China.

Starke Sympathie für die japanischen Sanktionen'

Paris, 31.Jan. (TU.) Die Pariser Presse stellt sich immer deutlicher zugunsten Japans ein. Besonders die Rechtsblätter lassen es an höhnischen Bemerkungen an die Adresse des Völkerbundsrats nicht fehlen und stellen fest, daß die Anwendung der Artikel 15 und 16 des Völkerbundspaktes d c n Untergang der Genfer Institution be­deuten wurden. Die Hauptargumente, denen man in der Pariser Oesfentlichkeit begegnet, lassen sich in Drei Punkten zusammenfasjen: 1. C h i n a ist k e i n souveräner Staat, sondern nur ein aeo- graphischer Begriff 2. China hat die Vertrage verletzt und damit gerechtfertigte Sanktio­nen von feiten Japans herausgefordert. 3. China ift ein Unruheherd, der die Zivilisation be­droht.

Aus dieser klaren Haltung scheint deutlich her­vorzugehen, daß sich Paris die Lage im Fernen Osten auf zwei Wegen zunutze machen will, indem cs Japan durch Anerkennung seinesRechtes aus Sanktionen" zum Bundesgenossen ausderGenferAbrüstungskonferenz gewinnt und indem es die Unfähigkeit des Völkerbundes sowie die Notwen. digkeitinternattonalerSicherheits- 9°antien aus den Vorgängen abzuleiten Kl*' Angesichts dieser Bestrebungen ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß der japanisch­

chinesische Konflikt auf der Abrüstungskonferenz eine bedeutende Rolle spielen wird.

Um den entgegengesetzten Standpunkt der fran­zösischen Linksopposition zu bekunden, hat der sozialistische Kammerabgeordnete M o u t e t eine Anfrage eingebracht, die sich auf die Hal­tung der Regierung als Signatarmacht des Kelloggpaktes gegenüber den blutigen Ereignissen in China bezieht. Der in Paris tagende französische Sozialistenkongreß hat eine scharfe Entschließung gegen den Krieg im Fernen Osten sowie gegen die Haltung Japans an­genommen. Die Arbeiter aller Länder werden aufgefordert, bei ihren Regierungen für die An­wendung von Zwangsmaßnahmen zu wirken-

Oie amtliche Haltung bleibt korrekt.

Washington, 1. Febr. (Reuter.) Die fran­zösische Regierung hat den Vereinigten Staaten offiziell mitgeteilt, daß Frankreich sich an dem Vorgehen der anderen Mächte in der Schanghai-Frage beteiligen werde. Allerdings ließ Frankreich wissen, daß man sich nur zu solchen militärischen Maßnahmen entschließen könnte, die sich auf die Verteidigung der französischen Konzessionszone beschränken würden. An­gesichts der Verschärfung der Lage im Fernen Osten ist ein Bataillon Infanterie aus Ton- king nach Schanghai abkommandiert wor­den. Der französische Botschafter in Tokio hat ebenso wie die Botschafter der Vereinigten Staa­ten und England heute die japanische Regie­rung auf die Rotwendigkeit aufmerksam ge­macht, die internationale Konzession zu respektieren.

Japan Wert den Völkerbund.

Dir Vorfälle

in Schanghai werden bagatellisiert

Tokio, 1. Ian. (WTB.) Die Presse kritisiert den Beschluß des Dölkerbundsrats, Artikel 15 anzuwenden, sehr scharf als sachlich unbe­rechtigt und politisch höchst bedenk- li ch. Die japanischen Seesoldaten hätten aus­schließlich chinesische Angriffe ob« gewehrt, als sie auf Anordnung des inter­nationalen Stadtcats die von Tausenden von Ausländern bewohnte Zone von Schanghai be­setzten. Der Zwischenfall lasse sich mit den Vor­gängen in der Mandschurei nicht vergleichen. Die Schanghaifrage sei lediglich von augenblick- licher und lokaler Bedeutung, werde vom Völker­bundsrat aber offenbar ungeheuer über­schätzt. Es bestehe keine Gefahr eines Kriegsausbruches zwischen Iapan und China, der allein die Voraussetzung für die Anwendung des Artikels 15 und der daraus resultierenden Sanktionen bilden sollte. Der Be­schluß des Völkerbundsrats lasse vollkommen die.Tatsache außer acht, daß der Völkerbund bei dem a n g l o - a m e r i k a n i sch e n Bombar­dement Nankings im Iahre 1927, das einen viel schlimmeren Gewaltakt dargestellt habe, nicht eingeschritten sei. Der übereilte Beschluß der Völkerbundsrats sei für Iapan unbegreiflich, dessen Beziehungen zum Völkerbund dadurch schwer gefährdet seien.

Oie Japaner Tor Charbin.

London, 2. Febr. (WTB. Funkspruch.)Ti­mes" meldet aus Tokio: Die japanischen Streit­kräfte in der Mandschurei stehen noch immer in einiger Entfernung von Charbin, da sie durch eine zusammengebrochene Drücke in ihrem Vormarsch aufgehalten sind und Ver­stärkungen erwarten. Der stellvertretende Sow­jetkommissar K a r a ch a n hat dem japanischen Botschafter in Moskau mitgeteilt, daß die Sow- ietregietung möglicherweise genötigt sein wird, Protest zu erheben, falls die Japaner in Charbin einrücken. Man glaube aber in Tokio, daß die russische Beschwerde nur technische Fragen betreffe, da die Sowjetuniyn sich be­reit erklärt habe, die Beförderung japa­nischer Truppen auf dem südlichen Ab­schnitt der ostchinesischen Eisenbahn zu gestatten.

Aus aller Igelt

Entgleisung des Schnellzugs ParisMailand.

Der Schnellzug Paris-Mailand, der um 8 Uhr Paris verläßt, ist bei M o n t e r e a u e n t g I e i ft Der Lokomotivführer wurde getötet und b r et Beamte verletzt. Von den Reifenden sollen nur einige wenige geringfügige Quetschungen da- oongetragen haben. Es scheint, daß der Schnellzug eine auf dem Nebengleis fahrende Rangier- maschine gestreift hat

Notlandung In der afrikanischen Wüste.

Die Funkstation von Bordeaux hat Montag- nachmittag 808-Rufe des Flugzeuges des fran­zösischen Fliegers Regensi, der mit zwei Beglei­tern in Marseille zu einem Rekordflug nach Madagaskar aufgestiegen war, auf­gefangen. Die Flieger teilen mit, daß sie in­folge Brenn st offmanaels in der Wüste landen mühten. Sie versuchten, sich einer Oase zu nähern, nach der Landung würden sie schnellstens den Standort angeben. Sie glaub­ten, in der Gegend von Hadid zu sein. Hadid liegt im Norden der Libyschen Wüste.

Eine Engländerin wegen Pfundschmuggels festgenommen.

Lei einer Zollkontrolle des BerlinPariser O-Zuges wurde in Aachen eine Engländerin fest­genommen, die im Begriff stand, 100 englische Pfund über die Grenze zu schaffen. Die Pfundnoten wurden beschlagnahmt.

Schließung des Münchener Prinzregententheaters.

Die bayerische Slaaksregierung hat sich unter dem Druck der Finanzlage entschlossen, vom 1. September 1932 an den regelmäßigen Schau­spielbetrieb im Prinzregententheater einzustellen und dieses Theater künftig nur anläßlich der herkömmlichen Fest spiele im Sommer zu benutzen, die im bisherigen Um­fange fortgeführt werden, außerdem auch zu Sonderveranstaltungen. Vom 1. September an wird also der gegenwärtige Drei-Theater-Betrieb der bayerischen Staatstheater auf den Zwei- Theater-Betrieb, wie er vor dem Kriege be­standen hat, eingeschränkt.

Drei Todesopfer eines kaffeehausbrandes im Haag.

Einem Grobfeuer, das in einem Haager Cafö ausbrach, fielen drei Menschen, darunter ein deutsches Dienstmädchen, die 18jährige Helene Kottmann, zum Opfer. Das Feuer hatte sich so schnell ausgedehnt, daß die Ehefrau des Kasfeehausbesitzers, der Hausdiener und das Dienstmädchen, die im oberen

Japanische Kriegsschiffe beschießen Nanking.

Nächtliches Bombardement der chinesischen Hauptstadt.

Stockwerk schliefen, von den Flammen im Bett überrascht wurden. Als es der Feuerwehr endlich gelang, in das oberste Stockwerk einzu­dringen, fand sie nur noch die verkohlten Leichen auf. Die Ursache des Brandes ist bis­her unbekannt.

Die schöne Helena" in London.

Die Londoner Erstaufführung von Offenbach- OperetteDie schöne Helena" unter der Regie von Max Reinhardt gestaltete sich zu einem großen Erfolge. Alles, was im Lon­doner gesellschaftlichen und künstlerischen Leben eine Rolle spielt, war zugegen, und der Beifall war außerordentlich lebhaft. Die Blätter glau­ben, daß die Operette, die bereits mehrere Wochen lang in Manchester gegeben worden war, bevor sie nach London gebracht wurde, sich v i e l e M o - nate auf dem Spielplgn halten wird.

Das Ende der Zareftfamilie.

Der Russe Axgabekoff, der jetzt in Brüssel lebt und früher in den Diensten der Sowjets stand, hat demParis Midi" Mitteilungen über das Ende der letzten Zarenfamilie gemacht. Er war nach seinen Angaben in Jekaterin­burg, als der Zar, seine Frau, sein Sohn, feine vier Töchter und die Mitglieder seines Gefolges dorthin tarnen und getötet wurden. Auf die Frage nach dem Grunde dieses Mordes erklärte Axgabe- toff, er sei aus Angst begangen worden, denn cs sei damals die Nachricht eingetroffen, daß die weiß-russische Armee unter Koltschak nicht weit von Jekaterinburg stehe. Die Sowjets in Ieka- terinburg hätten versucht, sich mit den Zentral­sowjets telephonisch in Verbindung zu setzen, um Aus. flärung zu erhalten, aber die telephonische unk» die telegraphische Verbindung sei unterbrochen und die Stadt völlig abgeschnitten gewesen. Deshalb sei in aller Stille ein Rat zusammenberu­fen worden, der beschlossen habe, die kaiserliche Familie zu töten. Auf die Frage, ob die Großfür- stin Anastasia ebenfalls getötet worden sei und sich also nicht in Deutschland aufhalten könne, ant­wortete Axgabekoff nach einigem Stillschweigen, er gebe sein Ehrenwort, daß auch die Großfürstin getötet worben fei. Sie hätte gar nicht entrinnen können, ba bas Haus von Solbaten besetzt war. Die kaiserliche Familie sei in ein Zimmer gebracht und dort mit Revolvern erschossen worden. Die Leichen feien nicht, wie man sage, verbrannt, son­dern in die Schächte eines seit 20 0Iab- ren nicht mehr bewirtschafteten Bergwerks geworfen worden.

Kunst und Wissenschaft.

Neue Mitglieder

der Preußischen Dichte, akademie

Die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste in Berlin hat in ihrer letz­ten Sitzung sechs neue Mitglieder gewählt und dadurch die Mitgliederzahl auf insgesamt 31 er­höht. Die neuen Akademiker sind: Gottfried Benn, Rudolf G. Dinding, Max Mell, Rudolf P a n n w i h, Alfons P a q u e t und Ina Seidel. Reben Ricarda Huch ist Ina Seidel, die zweite Frau, die der Akademie angehört. Es ist zu vermuten, daß man durch die jetzt vorgenom­mene Ergänzung der Mitgliederzahl der inneren Krise zu begegnen versucht, welche in der Dichter- Akademie seinerzeit durch den Austritt von Wil­helm Schäfer und anderen sehr namhaften Mit­gliedern entstanden war. Unsere Bilder zeigen: oben von links nach rechts: Lllfons Paquet, Ina Seidel, Rudolf P a n n w i h: unten von links nach rechts: Rudolf G. Dinding und Gottfried Benn.

Sn der Abteilung für die bildenden Künste wurde der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright als außerordentliches Mitglied ge­wählt, in die Abteilung für Musik tritt als or- Antliches Mitglied der Komponist Wilhelm K e m p f f in Potsdam ein.

Wettervoraussage.

Die Störung Im Nordosten bewegt sich nach Ruß­land weiter. Ihr Kaltlufteinbruch unb die Bewöl­kungsabnahme brachten östlich der Elbe Tempera- turrüefgang bis etwas unter Null. Stellenweise ist es außerdem zu leichteren Niederschlägen gekommen, die auf den Bergen zu Schnee führten. Da wir im­mer nod) im Grenzbereich zwischen dem über den britischen Inseln festliegenden Hochdruckgebiet und der aus nördlicheren Breiten zufließenden Luft liegen, hält die gegenwärtige Witterung an. Weiter­hin ift mit dem Auftreten einzelner Niederschläge zu rechnen, sonst wechsell die Bewölkung und es sctzt zeitweise auch Aufheiterung ein. Die Tempera- turen werden auch bei uns noch weiter zurückgehen und namentlich nachts etwas unter Null zu liegen kommen.

Aussichten für Mittwoch: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, stellenweise dunstig ver­einzelt geringe Niederschläge, nachts Abkühlung bis zu leichtem Nachtfrost.

Aussichten für Donnerstag: Wenig Aenderung der Wetterlage. y

Cufttemperaturen am 1. Februar: mittags 3 7 ®rab Celsius abends 3,1 Grad: am 2. Februar: morgens 2,3 Grad. Maximum 3,8 Grad, Minimum 1,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1 5ebAa£ °benbs 0,0 Grad: am 2. Februar: mos. fleuß 0,2 Grad Celsius.