Nr. l Zweiter Blatt
Samstag, 2. Zanuar 1952
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhetzen
Bauer in Not. — Volk in Not.
Eine agrarpolitische Betrachtung zum Jahreswechsel.
Don Dl George Geffous, o. ö. Professor der Landwirtschaft an der Universität Gießen.
Die ungeheure Notlage unseres Volkes hat auch das Fundament der gesamten Wirtschaft, die Landwirtschaft, ergriffen. Ihre Produktionskraft ist erschüttert. Sie hat in letzter Zeit fast ausnahmslos ihre Erzeugnisse unter den Gestehungskosten abgeben müssen, also von der Substanz gelebt, nun droht sie zusammenzubrechen. Alle maßgebenden Kreise sind sich darüber einig, daß der Landwirtschaft als dem Rückgrat der gesamten Volkswirtschaft geholfen und daß andererseits aus dem deutschen Voden in den nächsten Jahren herausgeholt werden muh, was herauszuholen ist; mit anderen Worten: wir müssen versuchen, nach Möglichkeit Nahrungs- f r e i h e i t zu erringen — uns möglichst unabhängig von ausländischen Nahrungsmitteln zu machen. Welche Vorschläge zur Wiederherstellung der Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe ins Auge gefaßt worden sind, soll hier iw einzelnen nicht erörtert werden. Die dahingehenden Bemühungen zeigen, daß die Erkenntnis, die Notlage der Landwirtschaft fei eine schwere nationale Sorge, in Kreise eingedrungen ist, welche sich früher jeder auch noch so berechtigten Forderung der Landwirtschaft ablehnend verhielten. Reichlich spät erkannte man den Nachteil der Abhängigkeit von der Einfuhr nicht aus deutscher Erde erzeugter Nahrungsmittel und die sich daraus ergebenden handelspolitischen Nachteile, welche in dem Ausspruch gipfeln:Wer das Brot des anderen verzehrt, wird sein Knecht.
Bei allen Bestrebungen, der Landwirtschaft zu helfen, drohen ihr von anderer Seite jedoch neue Gefahren, auf die hinzuweisen Zweck dieser Ausführungen ist. Die Forschung auf dem Gebiete der Landwirtschaft läuft Gefahr, angesichts der trostlosen sinanziellen Verhältnisse ebenfalls, wie auf anderen Gebieten der Wissenschaft, rücksichtslosen Einsparungen unterworfen zu werden. Sind wir nicht verpflichtet, bei Anwendung dieser Sparmaßnahmen da, wo es sich ums tägliche Brot handelt, einen anderen Maßstab anzulegen? Müssen wir nicht Forschungsrichtungen bevorzugen und sie nach wie vor mit ausreichenden Mitteln versehen, die sich mit Förderung von Arbeiten befassen zur Erzielung wirtschaftlicher Erfolge? 3ft es nicht sinnlos. Einsparungen an Einrichtungen ohne Ansehung ihrer augenblicklichen Bedeutung vorzunehmen? Cs geht ums Ganze, um Sein oder Nichtsein unseres Volkes! Die Landwirtschaft braucht heute mehr denn je die Hilfe wissenschaftlicher Forsch u n g und das gesamte Volkmehr denn je- malseineleistungssähigeLandwirt- schäft.
Bevor ich mit einigen Zahlen diese Tatsache belege, eine Antwort aus die oft aufgeworfene Frage, inwieweit die deutsche Landwirtschaft jemals imstande ist, das deutsche Volk aus eigener Ernte zu ernähren. Dazu müssen wir zunächst die Höhe des erforderlichen Mehrbedarfs feststellen. Bringt man den Einfuhrüberschuß an Getreide und Hülsensrüchten, sowie tierischen bzw. pflanzlichen Fetten und an lebendem Vieh auf einen Generalnenner und rechnet ihn auf Getreide um, so müßten je Hektar 5 dz Mehrleistung erzielt werden, um den heutigen Einfuhrüberschuß zu beseitigen. Für Molkereierzeugnisse bedeutet dies eine Mehrleistung je Kuh und Jahr von 300 Liter Milch, ihn gleich zu zeigen, daß diese Forderung durchaus im Bereich der Möglichkeit liegt, sei darauf hingewiesen, daß mit Hille der Erfahrung welche uns die moderne Fütterungslehre. sowie die Lehre zeitgemäßer Bewirtschaftung von Wiefen
und Weiden gebracht haben, die Milchleistung zahlreicher Betriebe weit über das Durchschnitts- mah im Reich gesteigert worden ist. Die mittlere Leistung einer Kuh beträgt heute im Jahre 1800 Liter. Wir brauchten also 2100 Liter, während Durchschnitte je Kopf und Jahr von 3000 Liter keine Seltenheiten mehr sind. Den Bedarf an Schweine- und Schaffleisch zu decken, dürste keiner Schwierigkeit begegnen.
Wie es mit der Steigerungsmöglichkeit der Ackererträge aussieht, mögen die nachstehenden Angaben beweisen:
Der Einfluß des Besuchs landwirtschaftlicher Schulen auf die Ernteerträge bäuerlicher Betriebe (11—40 ha) an den Hauptfrüchten
(Nach Dr. R u o ß. Uslar in Hannover.
Angaben in dz/J4ha.)
i > Durchfchnittsertrag in Preußen
Ertrag in der Wirtfchoft vor Befuch der landwirtschaftlichen Schule
llllllllllll Notwendiger Ertrag für die Selbsternährung Ertrag nach Besuch der landw. Schule
Weizen l 4,75 dz
4,99 dz
llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 5,88 dz
7,05 dz
Roggen i > 3,4 dz
4,5 dz
lllllllllllllllllllllllllll 4,75 dz
■MMHI 6,3 dz
Hafer i H 4,13 dz
4,88 dz
lllllllllllllllllllllllllllllllll 5,25 dz
7 dz
Gerste i i 5,3 dz
4,68 dz
lllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 6,43 dz
6.6 dz
Kartoffeln i I 35 dz
40 dz
lillllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 55 dz
59,5 dz
Es handelt sich um einwandfreie Feststellungen* von Durchschnittsernteerträgen bäuerlicher Betriebe der Provinz Hannover, und zwar keineswegs um Betriebe, in denen besonders günstige klimatische oder Bodenverhältnisse vorliegen. Neben den durchschnittlichen Erträgen in Preußen erscheinen in der Zusammenstellung 1. die Ernten, wie sic der Vater machte, der noch keine landwirtschaftliche Schule besucht hat, 2. die zur Sclbsternährung erforderliche Mehrleistung, und 3. die durch den Sohn erzielten Mehrleistungen aus Grund seiner im landwirtschaftlichen Unterricht gesammelten Kenntnisse. Aehnliche, zum Teil noch schlagendere Beweise sind auch von großen Gütern leicht zu erbringen, wobei es sich um Auswirkung des auf den Hochschulen erworbenen Wissens ihrer Leiter handelt.
Wenn also eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung im Nahmen der Wirtschaftlichkeit, d. h. mit gleichem oder womöglich vermindertem Aufwand
* Siehe Tabelle.
als bisher mehr zu erzeugen, erreichbar ist, dann liegt die Frage nahe, aus welchem Grunde die Erfahrungen der Landwirlschaftswissenschaft noch nicht allgemein Einzug in die landwirtschaftlichen Betriebe gehalten haben. Die Antwort dürfte darin zu suchen fein, daß man der Landwirtschaft nicht im entfern- testen und nicht rechtzeitig die notwendige Förderung hat angedeihen lassen, die ihr hätte zukommen sollen. Auch dafür einige Zahlen; sic besagen mehr als langatmige Ausführungen und zeigen, wie stiefmütterlich die Landwirtschaft trotz ihrer Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft gegenüber anderen Erwerbsslanden behandelt worden ist. Wem dürfte bekannt sein, daß, um nur eines herauszugreifen, der Wert der jährlich erzeugten Milch mit 3,1 Milliarden Reichsmark (1 Liter Milch = 17 Pf.) fast den Wert der gesamten Kohlenförderung - 2 Milliartzpn Reichsmark plus dem Wert aller geförderten Erze = 1,25 Milliarden Reichsmark erreicht? Hinsichtlich der Gefamterzeugung betrugen die Werte
für die Industrie
im Jahre 1924: 13,2 Milliarden Mark
„ „ 1925: 13,3
für die Landwirtschaft
im Jahre 1924: 12,4 Milliarden Mark
„ „ 1925: 13,8
Zur Beleuchtung der Frage, ob sich die Landwirtschaft einer Fürsorge seitens des Staates erfreut, welche auch nur annähernd der von ihr erzeugten Werte entspricht, stehen zwar nur Angaben aus Preußen und nicht für das ganze Reid) zur Verfügung. Sie dürften als vom größten Freistaat stammend, zur Genüge den Beweis liefern, daß dem nicht so ist.
Preußen verausgabte 1913: 1927:
für Mark Mark
a) gewerblichen Unterricht 12 460 838 17 436 739 b) technische Hochschulen 5 511075 10 746 900
Summe 17 971 913 28 183 639
Mark Mark
a) landw. Unterrichtswesen 4 403 485 8 935 167
b) forstliche Lehr und Der
suchsanstalten 295 000 749 (W
c) tierärztliche Hochschulen 669 525 1 513 825 d) landw. Universitätsinstitute
(geschätzt) 660 000 1 000 000
Summe 6 028 010 12 197 992
„Im Haushaltsplan des preußischen Staates rourbe vor dem Kriege für das gesamte landwirtschaftliche Unterrichtswefen, die forstlichen und tierärztlicher, sowie landwirtschaftlichen Hochschulen und Uniuerfi- tatsinstitute genau soviel aufgewandt, wie für der, gewerblichen Unterricht, ohne die technischen Hochschulen. Außerdem muß man bei den, Vergleich dieser 12 Millionen die Geldentwertung berücksichtigen, welche inzwischen eingetreten ist. Diese Aufwendungen sind gegenüber den Gefamtaufwendun« gen des Staates doch nur eine lächerliche Bagatelle.* Der Verfasser eines Aufsatzes, dem id) die vorstehenden Angaben entnahm, bemerkt hierzu, „daß das Groteske dieser Angelegenheit wohl tuird) nichts besser beleuchtet wird als dadurch, daß der Preußische Staat im Fahre 1927 für die gesamte Schul, und Fachausbildung seiner landwirtschaftlichen Bevölkerung weniger ausgegeben hat, als für den Umbau des Berliner Opernhause s"*'.
Rach allem ist die Einführung moderner Wirt- fchaftsmethoden in die große Zahl noch rückständiger Betriebe als ein Mittel zur Wiederherstellung der Rentabilität sowie die Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle eine Bi l - dungsfrage. „Nicht nur aus dem Boden, auch aus dem Kopf muß das deutsche Brot genommen
** Die in dem Aufsatz verwandten Berechnungen und Hinweise entstammen zwei Artikeln der Mitteilungen akad. geb. Landwirte von 1928 Nr. 5 und 1929 Nr. 15.
Oie Halloren bei Hindenburg.
OMA
LU 'S M
Die Abordnung der Halloren am Neujahrsmorgen vor dem Palais des Reichspräsidenten.
Gießener Stadttheaier.
Johann Ncstroy: „Lumpacivagabundus".
Zum heiteren Ausklang eines ernsten und sorgenvollen Jahres gab es im Stadttheater als Silvester-Vorfeier die dreiaktige Zauberposse mit Gesang „Der böse Geist Lumpacivagabundus oder das liederliche Kleeblatt" des Oesterreichcrs Johann Nestroy: ein unverwüstliches Stück, das immer wieder, und mit Vorliebe zu Silvester oder zu Fastnacht, hervorgeholt wird und auch heute noch ein dankbares Publikum findet.
*
Das liegt vor allem an den theatralischen Möglichkeiten der drei Akte, die dem Regisseur und den Darstellern stets einen gewissen Spielraum und Bewegungsfreiheit etwa im Sinne der alten commedia dell’ arte, des improvisatorischen Stegreifspieles geben und Gelegenheit bieten für allerlei zeitgemäße Zutaten, Anspielungen und Ausschmückungen, wovon denn auch reichlich Gebrauch gemacht wurde — zum Ergötzen des erfreulich zahlreichen Publikums.
*
Ueberdics hat der Stofs der Posse, die als Gattung und zumal in ihrer typisch österreichischen Spielart heute nahezu vollkommen ausgestorben ist, seine Anziehungskraft noch immer nicht verloren. Das große und alte Faustmotiv des Kampfes guter und böser Mächte um die Seele des Menschen ist hier in eine parodistische Miniatur überseht. Der böse Geist Lumpacivagabundus ist ein wienerischer Fallot, der als Mephisto in der Westentasche voll unbekümmerter Frechheit seinen Pakt schließt mit den guten Geistern des Feenreiche»; dies bildet den Rahmen für die eigentliche Handlung, die Erlebnisse des liederlichen Kleeblatts der vagierenden Handwerksgesellen Leim, Zwirn und Knieriem; Mittelpunkt dieser Handlung ist der dreifache Traum vom Lotterielos mit der beziehungsreichen Nummer 1932.
*
Die Traumszene und das Kneipennachtlager der drei Gesellen ergeben ebenso vielfältige Möglichkeiten theatralischer Ausgestaltung wie die Schilderung der wechselnden Schicksale des Kleeblattes — bald in märchenhaftem Reichtum, bald im alten Luderleben; zuletzt aber endet der Erdenwandel im beschaulichen Idyll häuslicher Zufriedenheit; und die hilfreichen guten Geister des Glücks und der wahren Liebe triumphieren über die finsteren Mächte der Unterwelt und des leichtsinnigen, liederlichen, verschwenderischen und oerfoffenen Lebenswandels.
Die Ausführung unter der verständnisvollen und humorbegabten Spielleitung von Karl Hey- s e r traf den eigentümlich improvisatorischen Stil der wienerischen Zauberposse in ihrer charakteristischen Eigenart und schöpfte die mannigfachen Möglichkeiten des anspruchslos-dankbaren Textes gründlich aus; auch hatte die Regie, des besonderen Anlasses und der bedeutungsvollen Stunde eingedenk, allerlei Verzierungen und Einlagen angebracht und sich die unterschiedlichsten, vom Publikum mit Vergnügen und Verständnis auf- genommenen Silvesterscherze ausgedacht.
Bühnenbildner Löffler hat die Szenerie lustig ausgepinselt und praktikabel und zweistöckig auf die Drehbühne gestellt, so daß überwiegend bei offenem Vorhang verwandelt werden konnte Auch die Herren Keim und Huber, als Beleuchter und Garderobier, wirkten jeder an feinem Platz verdienstlich an der hübschen Gesamtausstattung mit. Die traditionell zum Stück gehörige Begleitmusik wurde von Kapellmeister Fritz Cuje stimmungsvoll interpretiert, während Herr D ä u l k e für etliche geschmackvolle Tanzeinlagen gesorgt hatte, so den originellen Pflasterertanz (Anni und Ewald B ä u l k e) im ersten und einen ungarischen Tanz im zweiten Alt Eine auf dem Theater nicht alltägliche Nummer war die von den beiden Herren Jörg vorgeführte Parterreakrobatik: eine schöne und korrekte artistische Leistung.
3m Mittelpunkt des sehr umfänglichen Ensembles stand natürlich das liederliche Handwerksburschenterzett; die komische Paraderolle des Schusters Knieriem wurde von Hub gegeben, der sich mit Wonne in die hemmungslose Saufseligkeit dieses heillosen Vaganten vertieft hatte, sich feinen Kalauer entgehen ließ und mit einer Reihe saftiger Schnaderhüpfl stürmische Heiterkeit erregte. — Bruck war der Schneider Zwirn: wienerisch beweglich und wandelbar, auf der Höhe seiner pointierten Darstellung im zweiten Akt mit dem aktuell aufgemachten Couplet „So gleicht sich alles wieder aus". — Hauer brachte die seriös-melancholische Note im Terzett, er machte den schwerverliebten Tischler Leim, der am ehesten und dauerhaftesten in die solide Bürgerlichkeit eines gutfundierten Hausstandes eingeht.
Den Lumpaci spielte keck und selbstsicher in dreifacher Verwandlung Herr Kühne; in die „Stimmen von oben" teilten sich in ausgeglichener Abstufung Peter Fasfott (Stellaris), Maria Koch (Fortuna). Gertrud D p » a u (Brilliaatine).
Beatrice Doering (Amorosa), Paul Schubert (Mystifax) und Raimund S ch e l ch e r (Hi- laris).
Edith Berger und Maria Sachse vereinigten sich mit Bruck zu einer fidelen Opernparodie — es wurde überhaupt viel, schön und vor allem laut gelungen an diesem Abend —, während Karl Volck und Elisabeth Wielander mit Nachdruck das bürgerlich-gediegene Prinzip verfochten. — 3n kleineren Aufgaben machten sich Agathe Walther-Lederer, Walter Michel, Gert Geiger und Hans P a e t s ch um die Vorstellung verdient
Das Haus war, soweit wir sehen konnten, ausverkauft; man dankte angeregt und erheitert mit freundlichem Beifall. hth.
Tonfilm: „Kadetten".
Wir haben im Buchrcferat seinerzeit Peter M u r r 5 Roman „Hinter den roten Mauern von Lichterfelde" angezeigt, der die Grundlage für das Manuskript van Dr. Alfred Schirokauer bildete. Aber der Roman liegt auf einer ganz anderen Linie als der Film, und die Motive des Films sind in der epischen Vorlage nur andeutungsweise und im Keim enthalteif. Was übernommen wurde, ist die Atmosphäre und die Umwelt der ehemaligen preußischen Kadettenanstalt in Großlichtcrselde, wo vor dem Kriege zu einem erheblichen Teil der Offi- ziersnachwuchs der alten Armee ausgebildet worden ist Die Konflikte, die im Roman auf breiterer Basis und ohne zur Entscheidung drängende Zuspitzung angebahnt wurden, sind filmisch innerhalb eines kleinen, in der Grundhaltung zwar typischen, im Einzelnen aber sorgfältig charakterisierten Personenkreises energisch und spannend ausgetragen. Aus allgemeiner Milieuschilderung entwickelt sich eine interessant und mit gutem Instinkt gesteigerte Kriminalhandlung, welche dem Stück bis zuletzt Konzentration und Anteilnahme des Zuschauers bewahrt. Georg Jacobys Regie läßt Szenen und Bilder effektvoll ineinandergreifen, ist, stellenweise nicht ohne Humor, auf saubere und tendenziöse Wirklichkeitsschilderung bedacht, kommt um die drohenden Klippen aufskeigender Sentimentalität mit guter Manier herum und verfügt — dies muß mit besonderer Anerkennung betont werden — über eine bis in die kleinen Chargen hinein sehr pointierte Besetzung, aus der einige brillante Leistungen großer Könner imponierend hervorstechen. Da ist vor allem Bassermann —: wie lange hat man ihn nicht mehr im Film gesehen; und es ist wieder ein vollendeter Genuß, diesen Grandseigneur unter den deutjchetz «chaujpcelLcn in dec Rolle eines preußi
schen Generals zu bewundern. Dann K a y ß l e r, in einer kleinen Rolle, als Vorsitzender des Schwurgerichts: großartig gespielt. Trude van Molo, dis Tochter des Dichters: aparte und elegante Erschein nung; gepflegte und sympathische Darstellung. Franz Fiedler als Kadett Seddin und eigentliche Hauptperson der Handlung, hält sich sehr wacker neben der schauspielerischen Prominenz Johannes Riemann, Paul Otto, Reinhold B e r n t, Karl Balhaus, Else Bassermann, Beierls und Henckels sind mit tüchtigen Leistungen zu nennen. Der Film (Beriech: Heros) läuft seit Silvester im Lichtspielhaus: man sollte ihn, schon um Bassermanns willen, gesehen haben. —y—
Ein Gemälde für fünf Dauerwellen.
Die „Tausch-Ausstellung", die Pariser Maler und Bildhauer organisiert haben, um ihre Erzeugnisse gegen Natural- und andere Leistungen hinzugeben, ist ein voller Erfolg geworden, wenn man nach den in den ersten Tagen getätigten Tauschgeschäften schließen darf. Fleischer kaufen Bilder und Statuen, indem sie dafür den Künstlern Anweisungen auf bestimmte Mengen ihre« Ware gaben. Ein Schneider konnte ein Gemälde erstehen durch die Verpflichtung, dem Schöpfer zwei Anzüge zu machen. Besonders eigenartig ist: das Tauschgeschäst, das ein Friseur mit einer Malerin abschloß, er bezahlte nämlich eins ihrer Werke mit einer Karte für fünf Dauerwellen. Ein Klempner sicherte sich ein Kunstwerk gegen die Erklärung, das Badezimmer des Künstlers in Ordnung zu bringen. Ein Käufer gab für eine Statue ein paar Flaschen Champagner; ein anderer bezahlte ein Stilleben mit einer Tonne Kohlen, ein dritter ein Aquarell mit drei Damenhüten. Es wird sogar erzählt, dah ein Rechtsanwalt eine Statue von einem Bildhauer erhielt für die schriftlich niedergelegte Versicherung, ihn unentgeltlich vor Gericht zu verteidigen, wenn sich die nächste Gelegenheit dazu bieten sollte. Ein Arzt wurde glücklicher Besitzer eines Gemäldes für das Versprechen. an dem Maler oder irgendeinem Mitglied seiner Familie eine chirurgische Operation zu vollziehen, sobald sich die Notwendigkeit dazu Herausstellen sollte.
Sochschulnachnchten.
Professor Dr. med. vet. h. c. Wolfgang Heub « ne r in Heidelberg hat den an ihn vo« einiger Zeit ergangenen Rus auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Universität Berlin als Nachfolger von Professor P. Trendelenburg angenommen.


