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Nr. 76 Zweites Blatt

MetzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberhefftn)

Zreitag, V April |952

9Ji.~:fport

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 1. Jugend Union Niederrod 1. Jugend 3:0.

In einem äußerst schnellen und interessanten Spiel fiel der Gast besonders durch sein schönes und ideen­reiches Kombinationsspiel aus. Die Blauweißen lieferten ein gutes Stellungsspiel und zeigten lobens­werten Eifer. Die Gäste kamen allerdings durch ihr genaueres Zuspiel immer öfter vor das Tor des Gegners. Die 1900er Angriffsreihe spielte zuerst un­genau und war im Torschuß nicht entschlossen genug. Erst allmählich kam System in das Spiel. Die An­griffe der 1900er wurden nun immer etwas gefähr­licher. Der Gästetorwart war aber sehr aus dein Posten. Einen prächtigen Torschuß des Rechtsaußen vermochte er jedoch nicht zu halten. Nach feiner Kom­bination schloß bald darauf der Mittelstürmer der Platzbesitzer mit einem unhaltbaren Torschuß einen flotten Angriff ab. Nun legten sich die Gäste mächtig ins Zeug, sic sahen aber die Verteidigung der Ein­heimischen sehr auf der Hut. Uebertombination ver hinderte ihnen außerdem jeden Torerfolg. Der Tor­mann der 1900er war in der Abwehr hervorragend. Zum Schluß machte 1900 sich wieder frei und wurde mit plötzlichen Durchbrüchen sehr gefährlich. Ein gut getretener Strafstoß schuf das dritte Tor. Die 1900er haben in diesem Spiel erneut ihre gute Form be wiesen.

Die 1. Jugend machte «m zweiten Feiertag einen Ausflug nach Braunfels und erledigte dort ein fäl liges Rückspiel. Die 1900er spürten noch das Spiel des Bortages und bekamen von den wuchtigen Gast gebern hart zugesetzt. Zur Pause stand das Spiel 3:1 für Braunfels. Die Blauweißen ließen nach der Pause ihr technisches Können spielen, und bald lautete das Torverhältnis 4:3 für Gießen, die Braunfelser erzielten aber dann den Ausgleich, und erst ein überraschender Generalangriff der 1900er, mit zehn Mann durchgeführt, brachte ihnen den Siegestreffer.

Die Schüler spielten an beiden Ostertagen in Nassau, verloren gegen eine kombinierte Jugend- und Schülerelf mit 8:1, hielten aber im Rückspiel ein ehrenvolles Unentschieden von 2:2.

Sportverein Heuchelheim 1920.

Heuchelheim Dutenhofen 2:3.

Die Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim empfing zum Freundschaftsspiel die Mannschaft des To. Dutenhofen. Die Gäste stellten eine körperlich sehr starke Elf ins Feld, die Heuchelheimer traten in der Aufstellung des Vorsonntags an, die sich gut bewährte. Dutenhofen ging bald nach dem Anpfiff in Führung. Beide Mannschaften vergaben im Verlaus der ersten Halbzeit sehr viele Torchancen, so daß mit 1:0 die Seiten gewechselt wurden. Nach der Pause gingen die Einheimischen mächtig aus sich heraus, spielten überlegen, es mangelte eher am entscheiden­den Torschuß. Eine harte Elfmeterentscheidung brachte den Gästen den zweiten Treffer. Die Heu­chelheimer gaben das Spiel aber noch nicht ver­loren. Durch einen Weitschuß konnte schließlich das Ergebnis auf 2:1 verkürzt werden. Der linke Ver­teidiger von Heuchelheim verschuldete dann ein Selbsttor, während Heuchelheim durch den Halb- rechten ein zweites Mal erfolgreich mar. Mit 3:2 endete das Treffen für Dutenhofen

Sportabteilung des Turnvereins Lollar

Die 1. Fußballmannschaft der Sportabteilung hatte sich die Pokalelf von Rot-Weiß Frankfurt ver­pflichtet. Lollar war in großer Fahrt und gab einen guten Gegner ab. Die Gäste gingen gleich am An­fang in Führung, aber Lollar glich nach wenigen Minuten aus. Lollar war in der Folge immer etwas überlegen und ging bis Halbzeit mit 2:1 in Führung. Nach dem Wechsel verschärfte Lollar das Tempo und erzielte ein drittes Tor. Rot-Weiß legte nun mächtig los und erzielte kurz hintereinander zwei Tore. Gegen Ende des Kampfes spielten beide Mannschaf­ten auf Sieg. Frankfurt lag 20 Minuten vor Schluß

mit 4:3 in Führung. Lollar wurde aber noch einmal lebendig und erzielte mit einen Prachtschuß den Aus. gleich. Mit 4:4 endete das spannende Treffen.

Die 1. Handballmannschaft spielte gegen Atzdach (Gauklasse) und siegte mit 9:0.

Die 2. Fußballmannschaft weilte am 1. Dfterfeicrtag in Lich und verlor 4.2. Die 3. Els spielte gegen Ober- Walgern und behielt mit 5:1 die Oberhand. Die Lehr- mannschafl spielte gegen Butzbach kombiniert und blieb mit 7:2 ebenfalls Sieger.

Sportverein 1928 Garbenteich.

Garbenleich I Steinbach I 1:1; im Rückspiel 6:3.

Am l.Osterfeiertag weilte die 1. Mannschaft des Sportvereins Garbenteich bei der 1. des Spo. Stein­bach zu Gast. Es entwickelte sich ein flottes Spiel. Die Mannschaften lieferten sich eine gleichwertige Partie, die in dem Halbzeitergebnis von 1:1 gerechten Ausdruck fand. In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Gäste überlegen und erzielten mit zwei weiteren Toren den Sieg. Am zweiten Feiertag traten beide Mannschaften sofort zum Rückspiel an, das auf dem Platz in Garbenteich mit einer Niederlage der Steinbacher von 6:3 Toren endete. Vor diesem Spiel trafen sich die Iugendmannschasten von Garbenteich und Sportverein Wetzlar. Die Wetzlarer mußten eine Niederlage von 2:1 Toren hinnehmen. Die Schüler der beiden Vereine trennten sich mit einem Unent- schieden.

Zwei sportliche Groh-Ereignisse in Gießen

Heinrich Vierkötter und Vabe Ruth in unserer Stabt. Ein Rugby Lokalderby 1900 VfB. ...

Aus Anlaß des vorübergehenden Aufenthaltes des bekannten amerikanischen Baseballspielers Babe Ruth, der heute zu Besuch bei einem Studien­freund in Gießen weilt, sind die beiden hiesigen Sportvereine, Verein für Bewegungsspiele (VfB.) und Spielvereinigung 1900, übereingekommen, dem Gießener Sportpubiikum ein sportliches Ereignis ganz besonderer Art zu vermitteln. Die Sensation des Tages wird ein Rugby-Kampf sein, der, wie uns erst heute morgen bekannt wurde, heute abend auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe zum Austrag gelangen wird. Das Spiel, zu dem von feiten der beiden Lokalrivalen je 15 Mann antreten werden, wird nicht etwa von den Fußballspielern bestritten, vielmehr haben sich diesmal die Leicht­athleten in die vorderste Linie gestellt und sie wer­den den Kampf nach Maßgabe ihres Könnens und ihrer sicherlich etwas mangelhaften Kenntnis der Spielregeln bestreiten. Babe Ruth wird dabei die eine Halbzeit aus der Seite der VsBer, während der zweiten Halbzeit auf der Seite der Spielvereini­gung 1900 kämpfen. Als Schiedsrichter wurde der bekannte Kanalschwimmer Dierkötter gewon­nen, der gemeinsam mit dem Amerikaner seiner deutschen Heimat einen Besuch abftattet und eben­falls zur Zeit in Gießen weilt.

und ein sensationeller Schwimmwettkampf.

Wie wir weiter hören, ist auch vorgesehen, daß D i e r f ö 11 e r gegen einige der besten Schwimmer des Gießener Schwimvercins im Volksbad einen Z w e i k a m p f im Crawl-Schwimmen über eine Stunde b e ft reiten wird, zu dem die 5 Gießener Schwimmer, die ihm als Geg­ner genannt sind, sich beliebig ab wechseln können.

Den beiden sportlichen Großereignissen sollte in Anbetracht der Seltenheit (Rugby wird das erste Mal in Gießen gezeigt) viel Interesse entgegen­gebracht werden. Der Rugbykampf beginnt gegen 17.30 Uhr, die Schwimmer werden um 20 Uhr an­treten. Leider war es nicht möglich, das Gießener Sportpublikum früher auf diese beiden Wettkämpfe aufmerksam zu machen, da die beiden berühmten Gäste erst im Laufe des gestrigen Abends hier ein­trafen. Auch werden sie noch gegen Mitternacht unsere Stadt verlassen.

Gießener Gtadttheaier.

Hans MüOer und Ralph §cu< tzky: Morgen gehts uns gut V*

Dieses hübsche und unterhaltsame Stück mit der verheißungsvoll - unzeitgemäß - optimistischen Tleberschrift ist eine Schlageroperette mit Revue- Anklängen (noch einer alten Wiener Posse) von Hans Müller, Musik von Ralph Benatzkys os war ein ausgesprochener Serien-Erfolg der von mancherlei Krisen bedrohten Berliner Theaters »ison.

Das Libretto schildert/sehr launig den Werde­gang der kleinen Fran?/ Poschacher, die den be­kannten unwiderstehl^en Drang zum Theater in sich fühlt und mit Hilfe ihres Bruders, welcher ein ebenso fescher wie gemütvoller Briefträger ist zum Erfolg auFben weltbedeutenden Brettern und zum Happyend der obligaten Verlobung gelmrgt Das geht mit mancherlei Hindernissen, Zwischen­fällen und Überraschungen in sechs Stationen tzvnstatten.

Am Postschalter unter den amtlich finsteren SchildernAuskünfte" undVollmachten ertönt sozusagen der Startschuß. Dann kommt Bild 2 : Die Probe der immer wieder reizvolle und seine Wirkung aufs Publikum nieverfehlende Blick hinter die Kulissen, wo sich das Theater (aus dem Theater) demaskiert ... mit allem traditionellen Krach und Hallo einer fast verunglückten General­probe.

Rümmer drei: Morgenstunde hat Gold im Munde. Die Zeitung. Ein Vormittag tn der Re­daktion, auch immer gern gesehen. Das vierte Bild zeigt das Geschwisterpaar daheim knapp vor der Premiere, gleich geht es los, aus in den Kamps, Torero. Das fünfte BilD. die Premiere. Llnd zwar auf der Vuhne, im Parkett, im Orchester, auf den Rängen unter stürmischer Mitwirkung des teils echten, teils un­echten Publikums. Rümmer sechs und Schluß: auf den Trümmern von Karthago. Oder: am an­heim Morgen. Oder: das Ständchen und die bei­den glücklichen Paare. Die Einzelheiten und aus­schmückenden Details dieses in groben Umrissen angedeuteten Ganges der Handlung mag leder persönlich an Ort und Stelle auf sich wirken lassen.

Die Musit klingt sehr wienerisch, manchmal furchtbar bekannt (wo hab' ich das bloß schon

gehört?) sie ist ausgesprochen melodiös und ganz typisch für D e n a h l y , der sich ja mit dem LustspielMeine Schwester und ich" seinerzeit so erfolgreich bei uns eingeführt hat. Er trifft auch hier Ton und Stimmung des Textes mit einer be­stechenden Instrumentierung und hat eine Anzahl Schlager in der Partitur, die sofort Anklang fan­den und bestimmt ihren Weg machen werden.

Die Aufführung zeigte eine höchst vielseitige und liebevoN ausgetüftelte Regieleistung von Heinrich Hub, der überhaupt gestern entschieden seinen großen Tag hatte und den Löwenanteil an den Lorbeeren des Abends redlich verdiente. Die Vor­stellung hatte Schmiß und Tempo, Stimmung und Witz, sie war gespickt mit hübschen Einfällen und allerlei Ueberraschungen. Man bekam von der Bühne her gleich Kontakt mit dem Publikum, das, erfreulich zahlreich erschienen, angeregt und erheitert mitging.

Bühnenbildner Löffler hatte für die sechs Szenen aparte und lustige Dekorationen geschaf- fen. Kapellmeister Walter Moehl brachte mit exakter und lebendiger Stabführung die Partitur zu unmittelbar zündender Wirkung. Herr B a u l ke führte die Tanzregie, stellte acht Girls aus seiner Schule und tanzte selber mit Anni Däulke zwei elegante Einlagen - Sport Step und Valse mondaine die sehr lebhaften Anllang fanden. Die Herren Huber (Kostüme) und Keim (Be­leuchtung) hatten ebenfalls mit tüchtigen Leistun- gen am Erfolg der Inszenierung teil.

Im fünften Bild gab es als Ueberraschung und besonderen Anziehungspunkt für die Damen eine Frühjahrsmodenschau, in der eine Anzahl hiesiger Firmen ihre neuesten Modelle ge- schmackvoll und sehenswert - präsentierten. Herr Hub arrangierte das in gefälliger Form und machte periönlich den Ansager.

Hub war auch darstellerisch (in der Rolle des Franz Poschacher) in großer Form und von erstaunlicher Vielseitigkeit und Beweglichkeit: Hub als Briefträger, als Liebhaber als Pappi als Dirigent, als Dame (!), im Schlafrocks auf der Bühne und im Parkett, im obersten Rang auf dem Souffleurkasten und am Beleuchtungskörper gen Himmel schwebend. (Er muh todmüde ge­wesen sein hinterher.) Er sang auch vorzüglich mit ganzem Einsatz seiner großen und liebens­würdigen Stimmbegabung: ./Bin cm <£ea Morgen gehts uns gut",Mach öu brau» , und als Kabinettstück tm dritten DlldEs gibt

Unser Bild zeigt ein schwergepanzertes Motorrad, das nach der Entführung des Lindberghbabys eigens für die kleine Pepita Moneymaker, die einzige Toch­ter des Chikagoer Stiefelabsatzkönigs, konstruiert wurde, um die Kleine gegen die Uebersälle der ge­werbsmäßigen Kindesräuber zu schützen. Das Mo­torrad, das die Heine Moneymaker alltäglich in die Schule bringt, wird von einem Kindermädchen ge­

steuert, das erst vor wenigen Wochen die amerika- nische Fraucnmcisterfchaft sowohl im Motorradfahren wie im Jiu-Jitsu gewann. Vor dem Sitz der neun­jährigen Pepita ist ein Maschinengewehr neuesten Modells mit Zielfernrohr angebracht. Im Fall der Gefahr können durch einen elektrischen Kontakt die schweren Panzerplatten vor den beiden Sitzen hoch­gekloppt werden.

Handball im Gau Hessen (O.T )

GrohenLinden I

schlägt Iv. Frankfurt a. M.-Schwanheim I 16:10.

"Nach einem fairen Spiele siegten die Großen-Lin- dener mit 16:10 Toren. Zuerst sah es keinesfalls nach einem Siege der Einheimischen aus, denn schon nach wenigen Minuten führten die Gäste 4:1. Großen-Linden erzielte aber bis zur Pause noch den Ausgleich. Nach der Halbzeit blieb der Kampf zu­nächst offen, und erst in der letzten Viertelstunde konnten die Gastgeber den Sieg sicherstellen.

Tv. Garbenteich JS23. Jrantfurt (Liga) 8:8 (7:3).

Am 1. Feiertage weilte die Handball-Liga-Mann- schast des Fußballsportvereins Frankfurt auf einer Oslerreise in Garbenteich. Der Gast war wohl die stärkste Mannschaft, die bisher den hiesigen Turnern gegenüberstand. In der ersten Halbzeit führte der Gastgeber ein Spiel vor, in dem die früheren Lei­stungen bei weitem übertroffen wurden. Die Mann­schaft wuchs mit der Stärke des Gegners. Nach der Pause (Garbenteich sichtlich etwas abgekämpft) ließen die Frankfurter alle Register ihres Könnens spielen und konnten bis zum Schlußpfiff in einem pracht- vollen Endspurt das verdiente Unentschieden Her­stellen. Das Spiel war äußerst schnell, und auf bei­den Seiten sehr reich an technischen Feinheiten. Der Kampf stand in jeder Hinsicht im Zeichen eines Freundschaftsspieles.

Tv (Brüningen I Tv. Albach (ADT.) 1 und 11 fomb. 0:2 (0:1).

Am 2. Feiertage weilte eine kombinierte Handball- mannschast der 1. und 2. des Tv. Albach als Gast bei der 1. Handballelf des Tv. Grüningcn zu einem Freundschaftsspiel. Der größeren Spielerfahrung des Gruppenmeisters im Lohn-Dünsberg-Gau hatten die Grüninger zum Ausgleich ein schnelleres Tempo ent- gegenzusetzen. So kamen die Albacher auch nur durch zwei Strafstöße zu ihren beiden Erfolgen.

Krofdorf I Lich I 12:0.

Am ersten Dfterfeicrtag hotte die 1. Mannschaft des Tv. Krofdorf die 1. Mannschaft des Tv. Lich zu Gast. Schon zu Beginn des Spieles zeigten sich die Gastgeber sichtlich überlegen, und bei Halbzeit stand dos Tressen bereits 4:0 für Krofdorf. Nach der Paine setzte Krofdorf den Torreigen fort, wahrend den Lichern jeder Erfolg versagt blieb. Die Aussichten für Lich fielen bedenklich, als noch zwei Spieler des Feldes verwiesen werden mußten. Mit einem hohen Sieg der Gastgeber endete das Treffen.

Tv. Lang-Göns I Tv. Avendorf (Lohn) I 6:8 (2:5).

Die Gäste stellten eine technisch vorbildlich ar­beitende Mannschaft ins Feld. Sofort nach Be­ginn formten sie mit 2:0 in Führung gehen und das Spiel stand bereits bei Halbzeit 5:2. In der 2. Halbzeit konnten die Einheimischen daS Spiel ausgeglichener gestalten und bis gegen Ende der Spielzeit ausgleichen. Allendorf gelang es jedoch kurz vor Schluß noch zweimal einzusenden.

Vorher: Tv. Lang-Göns 11. Tv. Allendorf (Lahn) II. 5:1 (4:0).

Handball im Lahn - Oünsbera - Gau.

Dihmar I Bad Homburg I 2:6 (1:3).

Wißmar hatte am zweiten Dfterfeicrtag die Hand­ball-Liga Bad Homburg zu Gast. Trotz körperlicher Ueberlegenheit der Gäste gestaltete sich das Spiel bis über die Halbzeit hinaus vollständig offen. In der 16. Minute konnte Wißmar mit einem sicheren Treffer in Führung gehen. Die Gäste schafften jedoch den Aus- gleich und setzten bis zur Halbzeit den Einheimischen noch zwei unhaltbare Bälle in die Maschen. Gleich nach dem Wechsel erzielten die Wißmarer ihren zweiten Treffer und spielten nun auch etwas über­legen. Noch eine Viertelstunde vor Schluß war der Sieg der Gäste noch nicht sichergestellt. Sie mußten vielmehr alles aufbieten, um wengstens noch einen kleinen Torunterschied für sich zu buchen. Besondere

da so Sachen", ein brillant an den Mann ge­brachtes, wirklich witziges Couplet.

Seine Partnerin, die Franzi, der das ganze Abenteuer passiert, wurde von Fräulein Eva Herms gegeben. Eine neue Erscheinung, jung, schlank, blond, anfangs ein bißchen unfrei, aber couragiert auf die große und dankbare Partie losgehend, bald sichtlich angesteckt und mitgerissen von Tempo und Laune ihres Partners: sie ging darstellerisch zusehends aus sich heraus, war in der drollig gegebenen Schwips-Szene des vierten Bildes schon in voller Fahrt und hatte gesanglich mit dem melodiösen SchlagerWenn du gehst, dann muß ich immer weinen" eine große, geschickt ausgenutzte Chance.

Auch sonst eine recht ausgeglichene Besetzung: Albert 2 a n s ch e ck , angenehm diskret als Wal­demar: Frl. Wiel ander, sehr lustig als bräutliche Postbeamtin; Karl Heyser, wiene­risch vertrottelter Baron, von einer ganz neuen Seite: Frl. Berger in kurzen, aber stürmi­schen Auftritten als entfesselte Diva Erna Rena: V o l ck und Kühne machten mit ergötzlicher Echt­heit und tiefem Verständnis den Theaterdirektor und den Regisseur. In kleineren Partien rundeten Bruck (Rowotny). Paetsch (Friedmann), Olleren (Grimm), Geiger (Kadermann). Agathe Walther-Lederer (Dame: Pi- roska) und Paula Löwendahl (Frau Lüdecke) das Ensemble erfreulich ab.

Es war mit Blumen, Applaus und Wieder­holungen ein großer Erfolg, der sich herum- sprechen und von einiger Dauer fein dürfte hth.

Oie Windmühlenkiefer.

Eine epochemachende Erfindung ist dem Kaifer- Wilhelm-Institut für Pflanzenzüchtungssorschung nach langjährigen Bemühungen gelungen aus der gewöhnlichen Kiefer hat sie allmählich die Wind­mühlenkiefer entwickelt. Das ist eine Kiefer, bei der je ein starker Ast von der Spitze aus nach links auf­wärts. rechts aufwärts, links abwärts und rechts abwärts wächst, eben so, wie die Flügel einer Windmühle stehen. Die stark benabelten Seiten­äste dieser vier Hauptäste bilden je eine schräge Fläche, genau entsprechend den Flächen der Windmühlenslügel. so daß sich die vier Hauvt- äste im Winde als Ganzes genau ebenso drehen wie Windmühlenflügel.

Ratürlich arbeiten diese Flügel nicht ganz so wirtschaftlich wie die künstlich hergestellter Wind­mühlen. Darauf kommt es aber auch gar mcyt an, beim man kann ja ganze Wälder aus solchen Bäumen zufammenstellen und gewinnt so kosten­los aus dem Winde, den man ja umsonst be­kommt, geradezu ungeahnte Energiemengen, ilebcl ist es natürlich nur wie bei allen Windkraftwerken, daß der Wind nicht immer geht: diesen Rachteil will man dadurch ausgleichen, daß man die ver­schiedenen Windkraftwälder durch Leitungen ver­bindet und so den Strom immer daher bezieht, wo es gerade windig ist: irgendwo weht ja immer Wind. Da die neue Kiefer sehr anspruchslos ist, läßt sie sich in allen Gegenden der Erde anbauen, insbesondere auch auf minderwertigen Sand­böden, die jetzt keinen Ertrag bringen.

Durch dieses neue Forschungsergebnis wird nicht nur die Energiewirtschaft iij ganz neue Bah­nen gelenkt, es wird vielmehr auch cm Weg ge­zeigt, wie man viele Dinge des täglichen Bedarfs, statt sie mühevoll in Fabriken zu erzeugen, künftig einfach wachsen lassen wird. Wie wir hören, soll insbesondere die Züchtung von Bäumen in die Wege geleitet sein, bei denen die Aeste die Form von Tischen und Stühlen haben, so daß diese Einrichtungsstücke nach ihrer Entrindung fertig zur Verfügung stehen. Ihre Haltbarkeit soll, da sie aus einem Stück bestehen, nahezu unbegrenzt sein.

Zeitschriften.

- Im Aprilheft derZeitwende" (C. H. Decksche Verlagsbuchhandlung. München) bietet der bekannte Leiter des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Stockholmer Weltkonfe- renz, D. Adolf Keller, ein klares Bild der kon­fessionellen Lage Amerikas, besonders nach der soziologischen Seite hin. Einen anderen Aufsatz bietet Thomas Breit: Die Flucht in die Span- nungslosigkeit. Daß Spannung das Wesen des Lebens, der Seele, des Geistes ausmacht, Flucht in die Spannungslosigkeit aber Tod, feiges Aus­weichen vor der Wirklichkeit bedeutet, an dieser tiefen und lebendigen Erkenntnis werden die wich- tigften Fragen der Gegenwart im geistigen, sitt­lichen. kirchlichen und religiösen Leben gemessen. Auf den übrigen Inhalt des Aprilheftes sei noch kurz hingewiesen: Arthur Reuburg: Das Weltbild ber Raturwissenschaft. Alfred Bü­scher Fahrt ins Dalttkum. Heinrich Sprenger: Wilhelm Busch zu feinem 100. Geburtstage.