Aus der provinziakbauvtffadt
Drehen, den l.Wärz 1932.
Eine unhaltbare Entscheidung des Preisdiktators.
Der Beauftragte bc* Reich-kommissar- für Preisüberwachung für Hessen und Hessen^Nassau in Frankfurt am Main hat durch Verfügung t»om 27. Februar für den Freistaat Hessen den Prei» pro Liter offene Vollmilch frei HauS des Konsumenten (HauS- preis) auf 26 Pfennig festgesetzt. Weiterhin hat er neue Bestimmungen hinsichtlich der Der- dicnstspanne deS Kleinhändler- getrosten, die auf 7 Pfennig pro Liter festgesetzt wird. Das Preis- diktat, bas am 2. W ä r a in Kraft treten soll, findet kein« Anwenduna m den Kreisen Al-seld, Büdingen, Schotten unb Lauterbach, ebenso gilt eS nicht für die Stadt Offenbach.
Soweit Stadt und Kreis Sieben in Betracht kommen, muh man leider feststellen. daß der Preisdiktator mit feiner MilchpreiSfeftsehung aus 26 Ps. Danebengehauen hat. Er hat den Milchpreis senken wollen, wie auS seiner Verfügung hervoraeht, ihn für Dieben aber um 2 P f. erhöht, da man hier schon feil längerer Zeit die Milch für 2 4 P f. pro Liter frei HauS bezieht. G4 ist bedauerlich, das) der Preisdiktator, ebenlo wie im Falle der Gastwirte, auch hier wieder eine diktatorische Bestimmung getroffen hat, die sachlich anfechtbar ist und seinem Aufgabenzweck völlig zu- w i d e r l ä u f t. Man muh erwarten, daß dieses Diktat schleunigst korrigiert wird und vor künftigen Entscheidungen erst ausreichende und einwandfreie sachliche Unterlagen beschafft werden, ehe man durch verfehlte Bestimmungen wie im vorliegenden Falle, die Oeffentlichkeit beunruhigt.
Wählerliste einsehen!
Don Donnerstag, 3. März, bis einschließlich Sonntag, 6. Mörz, liegt im Stadthaus, Bergstraße 20 — Zimmer Nr. 13 — die Wählerliste für die Wahl de» Reichspräsidenten zur Einsichtnahme offen. Personen, die bis zum 13. März 1932 das Wohlalter von 20 Zähren erreichen, Stimmberechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewechselt haben, bzw. erst zugezogen sind, oder durch Verheiratung einen anderen Namen führen usw. mögen nicht versäumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Ein- sichtnohme zu überzeugen. Das Wahlrecht können nur diejenigen ausüben, deren Namen richtig in der Wählerliste verzeichnet find. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Stadtverwaltung.
Oie Vereinheitlichung der Grund» und Gewerbesteuern.
Der Reichsminister der Finanzen hat dem Antrag verschiedener Länder, darunter auch Hessen und Preußen, auf Hinausschiebung de« 3n- krasttretenS der Grund- und De werbe st euer - Rahmenvorschristen stottgegeben. Dementsprechend finden in Hessen, Preußen, sowie in verschiedenen anderen Ländern die Vorschriften der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 über die Vereinheitlichung der Grundsteuern, sowie der Gewerbesteuern für daS Rechnungsjahr 1932 noch keine Anwendung, sondern die Veranlagung und Erhebung der Grund- und Gewerbesteuern erfolgt nach den alten landesrechtlichen Vorschriften.
Nationalsozialistische Kundgebung.
Am Sonntagavend sand im EasS Leib eine stark besuchte Kundgebung der NSDAP, in Gießen zur Neichspräsidenlenwayl statt. Der erste Redner rr. Wagnc r - Boxheim erklärte u. n., bei der Reichspräsidentenwohl gebe es darum, mit dem System i>on 1918 endlich Schluß zu machen. Bei dieser Wahl stünden neben einem bedeutungslosen Kandidaten noch drei andere: 1. Thälmann, 2. Hindenburg, 3. Hitler. Die Kandidaturen Thälmann und Hindenburg lehnte der Redner entschieden ab, wobei er seiner Hochachtung vor dem Generalseldrnar- 'chall Ausdruck gab, aber betonte, daß di« Wiederwahl Hindenburgs nur dein gegenwärtigen System zugute komme. Die Nationalsozialisten seien dagegen überzeugt, daß am Abend des 13. März oder des 10. Avril die Meldung durch die Welt gehen werde, daß Adolf Hitler zum Reichspräsidenten gewählt ict. Hitler sei der einzige Mann in Deutschland, der die Fähigkeit und den Willen habe, das deutsche Lolk au» seinem Unglück herauszuführen, weil er eben ein Führer sei, der diese Eigenschaft im bisherigen Verlaufe seines Lebens bewiesen habe. Der Redner kam dann auf die wirtschaftliche Not unserer Zeit zu sprechen und betonte dabei u. a., auf der einen Seite stunden als Ergebnis der bisherigen Politik 6 Millionen Arbeitslose, auf der anderen Seite eine Verbraucherschaft ohne Kaufkraft. Er forderte zur Bekämpfung des wirtschaftlichen Not- itande» den Aufbau einer Deutfdjcn Binnenwirt- chatt und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch die Einführung der Arbeitsdienstpflicht für alle jungen Leute zwischen 18 und 22 Jahren. Wenn die NSDAP, zur Macht komm«, werde sie alsbald zwei Millionen dieser jungen Leute ohne Unterschied von •Rang und Stand der Familienväter zur Slrbeits- dienstpslicht heranziehen und zur Kultivierung von DeManb einsetzen. Die Mehrerzeugung auf den kul- livierten Flachen werde dazu dienen, die Lebens- mitteleinsuhr aus dem Auslande immer mehr ab- judrosseln, damit hierdurch der Binnenmarkt gestärkt werde. Am Schlüsse seiner Ansprache forderte der Nedner noch einmal zur Wahl Adolf Hitlers auf.
Nachdem ein junger Nationalsozialist in einer kurzen Ansprache besonder- an die Jugend Vie Aufforderung gerichtet hatte, in die Reihen der NSDAP, einzutreten. beschäftigte sich der zweite Redner Dr. K u l z in etwa zweistündigen, zum großen Teil geschichtlich rückblickenden Ausführungen mit dem Werden und den Ausgaben des deutschen Volkes nach der Einstellung der NSDAP. Der Redner formulierte das politische Dcschehen in der Vergangenheit und in der Gegenwart nach den drei 'Begriffen: Berlin. Rom, Moskau. Er kam dabei zu dem Ergebnis, daß die Politik Berlins nur ein Anhängsel von Pari- •mb Rom fei, Rom aber auch über Pares dominiere und die letzten Entscheidungen über da- po- itisch« Geschehen beim Kardinalstaatssekretär lä- jen. Nachdem er den Marxismus und Leninismus Moskaus als Todesgefahr für Deutschland bezeichnet hatte, polemisierte er weiter u. a. gc- jen die politische Betätigung RomS und feiner kirchlichen Diener, ferner wandte er sich bei einer Betrachtung der deutschen Innenpolitik gegen den Xurs des Kabinetts Brüning und gegen die *5PD. Zum Schlüsse erklärte er. bei der Reichs
präsidentenwahl gehe es um die Frage Brüning oder Hitler, also Rom oder Hitler. Hitler fet nicht Rom-Hörig, sondern nur Deutsch-Hörig. Des- halb müsse Hitler als .Feldmarschall der deutschen Zukunft" gewählt toerben.
Zehn Jahre Mädchen-Berufsschule.
Am DamStagvormittag sanden sich in der Mädchen-Berufsschule an der Kirchstrahe die Lehrkräfte der Schule, sowie alS Gäste Damen der (Siebener Frauenvereinigungen ein, um eine Ausstellung yi besichtigen, die von der Schule auS Anlaß ihre- zehnjährigen Bestehens veranstaltet und von Frau Rektorin Weitzel eröffnet wurde. Die Leiterin der Schule schilderte nach kurzen Worten der Degrübung die mannig- sachen Schwierigkeiten, gegen welche die Berufsschule zu kämpfen hatte, bis es möglich war. im Zähre 1930 in dem neuen DerufSschulgebäude Einzug zu halten. Die Rednerin sprach besonders von den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergaben, daß der Unterricht der einzelnen Abteilungen an drei verschiedenen Stellen, im Norden, im Zentrum und im Süden bet Stadt abgehalten worden mußte und dadurch außerordentlich erschwert war. Sodann umriß sie die Ausgaben, die sich die Mädchenberufsschule gestellt hat und deren Erfüllung mit allen Kräften angestrebt wird. 3n erster Linie gelte eS. die Mädchen auf den eigentlich weiblichen Berus, den der Haus- srau und Mutter, vorzubereiten und außerdem die im Berufsleben stehenden Mädchen in ihrer Ausbildung zu ergänzen. In der Berufsschule seien besondere erwerb-berufliche Klassen (für Schneiderinnen. Putzmacherinnen, Friseusen), sowie Kurse für Buchführung, Deutsch, Bürger-- künde vorhanden, und schließlich füllen den Lehrplan nicht zum unwesentlichsten Teil die Hauswirtschaft lichen Arbeiten, die Gesundheit-- und Säuglingspflege und naturgemäß das Kochen auS. Dadurch sei das Arbeitsgebiet der Berufsschule sehr groß, und den Schülerinnen fet viel Gelegenheit geboten, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu erweitern.
Die Ausstellung, die am Sarn-tagvormittag jum Besuch frei gegeben wurde, war ein Spiegel der vielseitigen Beschäftigung der Mädchen in der Berufsschule. Die Unter-, Mittel- und Oberstufe hatten ihre Näharbeiten ausgestellt. Den Haustöchtern wie den Hausangestellten ist die Möglichkeit gegeben, sich Kenntnisse im Schneidern anzueignen, den berufstätigen Mädchen in Schneiderinnen-. Putzmacherinnen-, wie auch im Frifeurgewerbe wirb umfassenber, sorgsälttg aufbauender Unterricht zuteil, in dem. wie die Ausstellung bewies, ansprechende Arbeit geleistet wurde. Auch die Schülerinnen ber anderen Klassen, die nicht so intensiv an die Arbeit des NähenS und Schneiderns herangeführt werden können, haben unter denkbar geringstem Aufwand an Material recht brauchbare Kleidungsstücke geschaffen. Daß man dabei stets bestrebt ist. auf die geschmackliche Bildung bewußt einzuwirken, wie auch das schöpferische Element in den Mädchen lebendig werden zu lassen, sei besonder- bemerkt.
Die weitere Ausstellung in der geräumigen Küche der Derufschule verdiente ebenfalls mit Aufmerksamkeit betrachtet zu werden. Mit viel Sorgfalt und Geschicklichkeit waren die verschiedensten Speisen. hauptsächlich Gerichte für den Abendbrottisch zubereitet und in einer Form auf den Tisch gebracht, die eine angenehme Lleberraschung darstellt und rückhaltlose Anerkennung verdiente.
Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit lieh erkennen. daß den Mädchen neben den theoretischen Fächern hauptsächlich umfangreiche praktische Kenntnisse mit auf den Weg gegeben werden, die es ihnen später wesentlich leichter machen - sollten, ihren Berus als Hausfrau und Mutter auSzufüllen. als wenn sie ohne diese Vorbereitung ihren verantwortungsvollen Aufgaben gerecht werden müßten.
Taten für Dicnstaa, 1. März.
Sonnenaufgang 7.12 Uhr, Sonnenuntergang 18.04 Uhr. — Mondaufgang 4.38 Uhr, Monduntergang 10.52 Uhr.
1268: Markgraf Dietrich von Landsberg beurkundet die Leipziger Messe: — 1837: der Schriftsteller Georg Ebers in Berlin geboren; — 1871: Einzug der Deutschen in Paris, — 1929: der Kunsthistoriker Wilhelm d. Bode in Berlin gestorben.
Gießener Wochenmarktpreise.
Gießen, 1. März. Auf dem heutigen Wochen- marlt kosteten: Kochbutter 90; Süßrahmbutter 130; Landbutter 110, Watte 25 bis 30; Käse (da- Stück) 5 bis 10; Wirsing 10 bis 20; Weißkraut 10 bi- 12; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 25 bi- 30; Unter-Kohlrabi 6 bis 8; Grünkohl 15 bis 20; Rosenkohl 25 bis 30; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 60 bis 70; Zwiebeln 18 bis 20; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 25 bis 35; Kartoffeln 4; Aepfel 8 bis 15; Birnen 10 bis 12; Dörrobst 25 bis 30; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 100; Suppenhühner 80 bis 90; Nüsse 35 biS 40 Ps. daS Pfund; Eier 8; Blumenkohl 30 bi- 70; Salat 25 bi- 30; Endivien 15 bis 30; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 biS 15; Sellerie 10 bis 40; Tauben 60 bis 80 Pfennig daS Stück; Kartoffeln 3 bis 3,50; Weißkraut 6 biS 6,50; Wirsing 10 biS 15; Rotkraut 8 biS 10 Mark der Zentner.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, „Erna Sarafin", 20 bis 22.15 ilbr. — Handels- u. Dcwerbebank e. G. m. b. Sy, 20 Uhr, .Lindenburg". 73. ordentliche Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der weihe Rausch".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute. 20 ilbr, zum le- tcnmal als 20. Vorstellung im Dienstagabonnement: .Erna Earasin". Schauspiel von A. H. Zeiz. Leben und Schicksal einer kleinen Angestellten. ein aktuelles Thema. Die Rolle der Mutter Sarafin spielt für die erkrankte Agathe Walther-Lederer Frau Auguste Prasch-Grevenberg. Ende 22.30 Dhr. Morgen, Mittwoch, 2. März, 19.30 Uhr. als 21. Vorstellung im Mittwochabonnement .Die tolle Lola". Operette von Ka- delburg und Redner mit der Musik von Hugo Hirsch. Spielleitung Hrch. Hub. der zugleich die Hauptrolle spielt und singt Am Pult Walther Moehl, der die musikalische Bearbeitung vor- nahm. Tänzerische Gesamtleitung Ewald Bäulke. Girls: Tanzgruppe Ewald Bäulke. Ende 22Dhr. Gewöhnliche Operettenpreise.
— „Sexuelle Not und ihre Heilung." 21m morgigen Mittwoch, 2. Mär;, 20.15 Uhr, spricht im Hörsaal 41 der Universität Dr. Hermann H e i s ; ler - München über das Thema „Sexuelle Not und
ihre Heilung". Der Bortragende wird u. a. auch vom religiösem Gesichtspunkt aus zu den einzelnen Fra- flen Stellung nehmen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
•• Das Wohltätigkeits-Konzert »um Besten der Gießener Winternot- hilse. da- am nächsten Donnerstagabend in der Aula der Hninerfität in Form eines Shinpho - niekonzert - von unterer Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e veranstaltet wird, sei erneut der Aufmerksamkeit der Bürgerschaft empfohlen. Die Solistin Frau Gretel 5) a u 6 c r aus Ludwigsburg-Stuttgart ist eine Künstlerin von hohem Rang, die ausgezeichnete Kritiken über ihr bisheriges Auftreten besitzt. Die DortragSfolge verspricht einen erlesenen musikalischen Genuß. Kartenvorverkauf bei Ehallier und im Bureau deS Derkehrsvereins. Die Preise sind sehr niedrig bemessen, damit jedermann der 'Besuch möglich ist.
** 40 Jahre Restauration Grünewald. Am heutigen Tage kann Frau L. Grünewald Wwe, die Inhaberin der Restauration Grünewald in der Mühlstraße 33, auf das 40jährige Bestehen der Gastwirtschaft zurückblickcn. Die betagte Inhaberin steht noch heute dem Betrieb in aller Rüstig- teil vor und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit.
*• Die Sektion „uberbeffen“ deS Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins veranstaltete am Freitag im Singsaale des Realgymnasium- einen Vortragsabend. Es sprach General von Lerch au-Wien über .Hochalpine Leistungen der Verteidiger Tirol- im Weltkriege". Bei der Kriegserklärung Italien- an Oesterreich galt eS, eine ausgedehnte HochgebirgSsront von der Schweizer Grenze an der Hilssee-Iochstrahe biS nach Kärnten äu schützen. Hierzu standen zunächst nur Stanö- schützen — Landsturm-Kompanien — zur Verfügung, zu denen dann Kaiserjägerregimenter und daS Deutsche Alpenkorps traten. Der Redner führte die Hörer zunächst in die Ortlergruppe, er schilderte mit vortresslichen, packenden Worten die ungeheuren Anstrengungen der Truppen in GiS und Schnee in Höhen biS säst 4000 Meter bei beständigen Kämpsen. Sv wurde an der .Hohen Schneide" (3261 Meter hoch) in monatelanger Arbeit ein mehrere Hundert Meter langer EiSstollen bi8 zur Spitze gegraben und in wechselvollen Kämpfen um den Gipfel gestritten. Fast jeder dieser Eisriesen, wie besonder- Königsspitze. Eeredale, hat seine Kriegsgeschichte. Der Ortler selbst war dauernd ohne Rücksicht auf Schneestürme und Lawinengefahr, bei einer Kälte bis zu 45 Grad beseht. Reben diesem Gebiet waren besonders die Adamellogruppe und die Dolomiten Brennpuntte des Kampfes, in letzteren vor allem die Königin der Dolomiten, die herrliche .Marmolada". Hm den Col di Lana — den Berg in Flammen — Monte Pian und unzählige andere wurde jahrelang auf8 schwerste gerungen. Bei der heldenhaften Verteidigung konnten Die Italiener keine nennenswerten Erfolge erzielen. insbesondere gelang es ihnen nicht, über Cortina nach Toblach und Inichen vorzustoßen und damit das für die österreichische Kriegsführung so wichtige Pustertal abzuschneiden. Schöne, von dem Redner selbst aufgenommene Bilder unterstützten den Vortrag, der in einem Appell für die Deutschen in Südtirol ausklang. Die zahlreichen Zuhörer dankten dem Redner für die vortrefflichen, höchst anregenden Schilderungen mit starkem, herzlichen Beifall.
" DHC. Gießen. Man berichtet un8: Dor einer dankbaren Zuhörergemeinde hielt am Freitagabend Amtsgerichtsrat Gros im VHC. Gießen einen Leseabend. Der Vortragende, selbst VHE.-Bruder, ein ausgezeichneter Kenner ober- hessischen Lebens und Treibens, schilderte aus den zahlreichen Kindern seiner eigenen Muse EelbsterlebteS und Erlauschte-, Wahrheit und Dichtung auf das glücklichste vereinigt. Sämtliche Erzählungen sind aus dem tiefen Born der Heimat geschöpft und atmen vor allem einen köstlichen Humor, der in der heutigen schweren Zeit so bitter not tut. Heitere Szenen aus dem oberhessischen Landleben, die auch mitunter einer gewissen Tragikomik nicht entbehrten, wurden von dem Vortragenden in unermüdlicher Weise zu Gehör gebracht und ernteten wahre Lachstürme. An den lebhaften Beifall der Anwesenden knüpfte am Schlüsse der Vorsitzende herzliche Dankesworte an den geschätzten Heimatschriftsteller, dessen Werke es wirklich verdienen, mehr als bisher der breiten Oeffentlichkeit bekannt zu werden.
Strafkammer Gießen.
• Gießen. 26. Febr. Auf dem Bahnhofsplah wurden zwei junge Leute, die der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehören und an jenem Mittag Zeitungen verkauften, von polittschen Gegnern angerempelt. Während es dem einen gelang, an Den Kolonnaden in ein Geschäft zu flüchten, wurde der andere ZeitungS- verkäufer von drei Gegnern körperlich mißhandelt, indem ihm der eine mehrere Kratzwunden am Halse beibrachte, und die anderen ihm wiederholt ins Gesicht schlugen. Einer bedrohte dann noch den Mißhandelten, er wolle ihm Den HalS abschneiden, wenn er Anzeige erstatte. Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung wurden Die drei Angeklagten durch das Amtsgericht Gießen zu je zweiWochen Gefäng- n i s verurteilt, außerdem der eine von ihnen wegen Bedrohung noch zu einer Geldstrafe. Während Der eine Angeklagte das Urteil anerkannte, verfolgten die beiden anderen zum Zwecke ihrer Freisprechung Berufung. Da in der heutigen Verhandlung mehrere Zeugen sich unmittelbar widersprechende Aussagen machten, muhte die Sache zwecks weiterer Aufklärung ausgesetzt werden.
Gelegentlich des Frühjahrsmarktes in Butzbach wurden im vergangenen Jahr verschiedene Ta- schendieb stähle begangen. Als sich wieder einmal zahlreiche Zuschauer vor einem Stand zu- lammenorängtcn, sah zufällig eine Frau, wie ein fremder Mann einer anderen Frau Den Geldbeutel aus deren Handtasche zog unD in feiner Manteltasche verschwinden lieh. Zwar konnte bei seiner Festnahme Der Geldbeutel nicht bei ihm gesunden werden, doch wurde ein Zeuge ermittelt, Der beobachtet hatte, wie Der fremde Mann im Augenblick Der Fest nähme Den Geldbeutel fallen lieh. Als der Taschendieb wurde ein wegen Diebstahls wiederholt vorbestrafter Arbeiter aus Frankfurt a. M. ermittelt. Der hartnäckig leugnete. Wegen Rückfalldiebstahls verurteilte ihn das Amtsgericht Butzbach zu einem Jahr Gefängnis. In der heutigen Verhandlung legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Seine zwecks Herabsetzung Der Strafe eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg. In Anbetracht Der Gemeingefährlichkeit seines Tuns wurde das erstinstanzliche Urteil bestätigt. 1
Oberbeff en.
Landkreis Gießen.
• Alten-Duseck, 1. Wär». Gestern abenb sollte in unserem Orte eine Versammlung der RSDA P ftattfinDen, in der ein Redner auS Eberstadt bei 'Darmstadt sprechen sollte. Die Versammlung wegen nicht rechtzeitiger An- melDung vom Kreisamt nicht zugelassen war. wurde von Der Polizei Darauf aufmerksam gemacht, daß die Dersammlungsleitung gegen Die Notverordnung deS Reichspräsidenten verstoße, wenn Die Versammlung abgehalten werde. Da dieser Hinweis ohne Erfolg blieb, wobei man erklärte, e- handle sich um eine Mitgliederversammlung mit Gästen, wurde Di« Versammlung polizeilich aufgelöst. Als die Anordnung der Polizeibehörde nicht befolgt wurde, wurde da- Ilebersallkom- mando auS Gießen berbeigerufen, daS gemeinsam mit der anwesenden Gendarmerie das DersammlungSlokal und die angrenzenden OrtS- strahen säuberte.
Z Lollar, 29. Febr. In der hiesigen Volk»« Hochschule hielt Rektor Keller einen lehrreichen Vortrag mit Lichtbildern über „Die Ausgrabungen in Ur in Chaldäa", der starkem Interesse begegnete und fehr gut besucht war.
• Lang-Göns, 29 Febr. Der hiesige Gewerbeverein hielt dieser Tage seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Schuhmacher- meister Wilh. K. W en ze l gab den Geschäftsbericht bekannt. Er wies besonder- auf die heutige Wirtschaftskrise und Die Not deS Handwerk- und Gewerbe- hin. Sodann gab er einen Bericht über Die Tagung DeS Handwerk-- und Gewerbeverbandes am 27. und 28. September 1931 in DenSheim. Anschließend wurden die Ginkommen- unD Llmsatzsteuererklärungen eingehend besprochen. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt und durch zwei-weitere Mitglieder ergänzt. Der vom Rechner erstattete Kassenbericht wurde in Ordnung befunden und die Entlastung erteilt. Die Mitgliedeyahl hat sich wesentlich erhöht. 3um Schluß gab Der Schriftführer Zimmermeister Wilh. Euler einige wichtige Hinweise über die Abgabe von ©teuererflärungen.
Kreis Büdingen
og. Ortenberg, 29. Febr. Seit gestern wird die Kraftpostlinie Ortenberg — Hirzenhain, Die bisher bis Gelnhaar verkehrte, bi- WeningS Durchgeführt. Zwischen Orten berg und WeningS werden täglich folgende Fahrten ausgeführt: Ab Wenings 6.58 Urjr über Gelnhaar, Usenborn und Bergheim nach Ortenberg, an 7.39; ab Ortenberg 19.23 ilbr, an WeningS 20.10 ilbr. Außerdem verkehren werktäglich zwischen Ortenberg unh Usenborn die Wagen ab Ortenberg 10.02, an illenbom 10.35 und ab ilsen- bvrn 12.00, an Ortenberg 12.22 ilbr.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
> W i h m a r, 29. Febr. AuS bet Gemeindevertretung ist zu berichten: Auf Vorschlag ber Rechnungsprüfungskommission wurde Die Rechtmäßigkeit der Ausgabe- und Sin- nahmeanweisungen deS Gemeindevorsteher- für das Rechnungsjahr 1930 beschlossen und die Einnahmen mit 194 122,69 Mk., die Ausgaben mit 179 927,04 Mk. festgestellt. Von dem verbleibenden Bestand mit 14 195,29 Mk. sind 13 981,32 Mk. erbebbare Reste. Ferner wurde beschlossen, dah die Hvlzkäufe, für die keine zahlungsfähigen Bürger gestellt werden können, oder die nicht bi- 8um 15. Mai 1932 bezahlt sind, wieder gut Verfügung der Gemeinde stehen.
J Odenhausen (Lahn), 29. Febr. In Der Generalversammlung des hiesigen Gesangvereins ,Liederkranz' erstattete zunächst der erste Vorsitzende, Landwirt Gottfried Fritz, Bericht über das abgelaufene DereinSjahr. Cs sind 40 Singstunden abgehalten worden, die gut besucht waren. Leider hatte sich Die finanzielle Lage des Vereins im letzten Jahre infolge Arbeitslosigkeit vieler Mitglieder Derart verschlechtert, daß Die Abhaltung weiterer Singstunden in Frage gestellt war. Mit Dem Dirigenten wurden deshalb Verhandlungen gepflogen, Die von Erfolg gekrönt waren, so daß nunmehr toieDcr regelmäßige Gesangstunden gehalten werden können. Dem Rechner Heinrich K a r b e r wurde nach Der Rechnung-ablage Entlastung erteilt. Bei der Dor- standswahl wurde Der alte Vorstand wieder- gewählt. Er seht sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender ist Gottfried Fritz, 2. Vorsitzender; Gottfried Speyer, Schriftführer: Wilh. Ott. Rechner: Heinrich Kar der, Beisitzer: Karl Schwarz, Heinrich Wagner, Friede. Fischer, Zeugwart; Ludwig RöhrSheim, Fahnenträger: Christian Speyer, VereinS- diener: Ernst Schneider.
Kreis Biedenkopf.
T Waldgirmes, 29. Febr. Die !R e g ul l c <■ rungsarbeiten am Schwalbenbach wurden vorn Kulturamt Dillenburg dem Tiefbauunternehmer Wagner aus Krofdorf für 6600 Mark übertragen. Es sollen dabei besonders einheimische Arbeitslose beschäftigt werden.
Briefkasten ver Redaktion.
lRechlsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
S. in JL Die Erhcbuna Der Krisensteuer der Veranlagten stützt tidf auf die zweite Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 5. Juni 1931 (Reichs- gesetzblatt I. S. 279, insbef. 6. 298). Die Krisensteuer beträgt, wenn da- Einkommen 3600 Mk nicht übersteigt, 0,75 vom Hundert des Einkommens Die Errechnung erfolgt nach Abzug des steuerfreien Teils, aber vor Abzug Der Fainillen- ermäßigung. Beim Vorliegen besonDerer wirtschaftlicher Verhältnisse, Die eine wesentliche Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit Des Steuerpflichtigen begründen, kann nach § 56 DeS Einkommensteuergesetzes ein Erlaß oder Ermäßigung Durch das Finanzamt bewilligt werden. Ob die Voraussetzungen hierfür in Ihrem Falle gegeben sind, kann von hier aus nicht beurteilt werden.
Kirchliche Nachrichten.
Mittwoch, Den 2. März.
IohanaeSkirche. 18 Llhr, 4. PassionSandscht. Pfarrer A u s s e l d-
Alle Brudhleidende werden auf das heutige Inserat des Spezial-Ban dagisten K. Rufflng aufmerksam gemacht “"B


