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Nr. 50) Erstes Blaff M. Jahrgang Donnerstag, 51. Dezember (93t
Gretzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Parole 1932:
— Gammeln zum Aufbau!
politische Umfrage zur Jahreswende.
Deutsche Wissenschaft im Wettkampf der Rationen.
DasIahr 1931.
Von Professor D. Dr. Martin Schian, Generalsuperintendenten von Schlesien.
Meine Silvester-Erwägungen waren in den letzten (Zahlen niemals sehr fröhlicher Art. Möglich, daß mancher mich laut oder leise einen Pessimisten genannt hat. Aber auch der schwärzeste Pessimismus hat sich angesichts der Tatsachen. die dos 3ahr 1931 gebracht hat, noch als viel zu freundlich erwiesen. Sagen wir es ganz unverblümt: 1931 hat uns an den Rand des Abgrunds gestellt. Wir haben uns an diesem Rande mühsam festgehalten, haben uns an allerhand Strauchwerk und Buschwerk gehalten, das dort wuchs, und w ssen jetzt, am 3ah.esschluß, noch n.cht, ob dies Buschwerk, unser Halt, sich als genügend wurzelfest erweisen wird, um uns auch weiter daran klammern zu können.
Der Anfang des Iahres verlief noch verhältnismäßig günstig. Die steigende Zahl der Arbeitslosen machte ernste Sorgen rege; neue Steuern in Gestalt einer Reichshilfe wurden verhängt. Der innenpolitische Kampf tobte weiter, wobei es wie immer für viele so aussah, als könne die innerpolitische Entscheidung auch die Gefamtlage grundlegend ändern; dann kam der große Zusammenbruch und mit ihm die furchtbare Erkenntnis, daß wir verloren waren, wenn uns nicht andere halsen. Andere. Das heißt in diesem Falle: Völker, mit denen wir den Weltkrieg geführt hatten. Wir sind seit 1918 gewöhnt, Demütigungen hinzunehmen; aber diese Erkenntnis wurde uns trotzdem sauer. Was für Lieberwindung mag Hindenburg sein (jetzt erst veröffentlichter) Brief an Hoover gekostet haben! Er hat sich für Deutschland demütigen müssen! Der Retter fand sich: Wilsons Rachfolger! Aber die Rettung war sehr unvollständig; Frankreich suchte sie zu sabotieren; immerhin gewährte sie Zeit. Lind nun stehen wir in kürzester Frist wieder vor der gleichen Rot. Wir sind in der Rolle des Schuldners, der Wechsel unterschrieben hat. Verlangt der Gläubiger pünktliche Einlösung, so müssen wir Konkurs erklären. Was dann?
3n dieser Zeit, in diesem Halbjahr bitterer Sorgen, hat sich Frankreich wieder als unser une.bittlicher, unversöhnlicher Gegner bewährt. Daß französische Staatsmänner 1931 zum ersten- mal zu einer Staatsvisite nach Berlin kamen, ist natürlich kein Gegenbeweis, sondern nur eine Geste gesellschaftlicher Höflichkeit. Daß sich in Deutschland immer wieder Menschen finden, die Frankreich (ich meine das offizielle Frankreich, wie die Mehrheit des vom Volk gewählten Parlaments es darstellt) als freundwillig und Der- ständigungsbeteit ansehen, beweist lediglich, daß unter uns die Illusionen nicht alle werden. Frankreichs Linie ist klar erkennbar: Deutschland mit finanziellem Druck niederhalten, unfrei erhalten und es, wenn möglich, zum Zerfall treiben. Wenn Deutschland wirtschaftlich vollends zusammenbricht, so wird Frankreich aus der Konkursmasse so viel als möglich, so billig als möglich an sich bringen; seine Trabanten Polen und die Tschechoslowakei werden, von Frankreich unterstützt, das gleiche tun.
Daß der Völkerbund dabei zu unserer Rettung mitarbeiten könnte, — wer diese Hoffnung noch gehegt hat, dem ist sie, falls er irgendwelchen Wirtlichkeitssinn besitzt, im vergangenen Iahre endgültig zuschanden geworden. Das 3ahr 1931 bedeutet das mühsam und nur ganz obenhin verschleierte Fiasko des Völkerbunds. Daß fein treues Mitglied 3apan, unbekümmert um alle VöUerbundösahungen und Kriegsächtungspakte, inzwischen einen kleinen Krieg führt, bedeutet ja nur einen, wenn auch krassen, Fortschritt auf dem längst beschrittenen Wege des Völkerbunds. Er läßt die Mächtigen machen, was sie wollen, und zwingt die Ohnmächtigen, zu tun, was die Mächtigen wollen. Er ist ein Instrument der Mach tpolitik Frankreichs. Daß dieselben Menschen, die eine offene, ehrliche Machlpolitik sittlich verwerflich finden, ditse heuchlerisch verbrämte Machtpolitik sittlich richtig finden, das gehört zu den großen Llnvollkommen- heiten menschlichen Llrteils, die sich unter uns so reichlich finden.
Der Völkerbund wird uns nicht helfen. Der Völkerbund wird auch keine Abrüstung beschließen. Denn Frankreich will nicht. Lind wenn Frankreich gesprochen hat, ist die Sache erledigt. Daß dabei Deutschlands im „heiligen" Vertrag von Versailles verbrieftes Recht zum Teufel geht, ist ja dem Völkerbund gleichgültig.
Aber eine Chance hat sich allerdings 1931 für uns irtu ergeben. Andere Völker haben erkannt, daß es mit dem System der wirtschaftlichen Aussaugung Deutschlands nicht so weiter geht. Die Weltwirtschaftskrise hat ungeahnte Ausmaße angenommen; ein Land wie England leidet schon unter ihr und spürt, daß es, wenn Deutschland in Konkurs kommt, noch mehr leiden wird. Freilich: während diese Wandlung auf der einen Seite für uns eine Hilfe bedeuten kann, bedeutet sie auf der anderen Seite zugleich für uns schweren Schaden; unsere Ausfuhr leidet unter der Aufgabe der Goldwährung in anderen Rationen. Wenn nun auch noch unser Absatz im Ausland abnimmt, so muß unsere Wirtschaft vollends zugrunde gehen.
Diese Verflochtenheit unserer wirtschaftlichen Lage in das Weltgeschehen wirkte natürlich auch auf die innenpolitische Lage. 3a, sie bildete das charakteristisch neue Moment in deren
Eine
„Weckt die besten Kräfte der Ration!"
Von Walter von Molo.
Sammeln zum Aufbau! Riemals ist, auf dem Gebiete des Geistes, ein solcher Mahnruf dringender gewesen, als in dieser Zeit. Beinahe alles ist auseinandergefallen, die besten, die aktivsten geistigen Kräfte sind im Erlahmen!
Aufbau! Kann er vonstatten gehen, ohne innerlich und äußerlich unabhängige g e i st i g e Führer des Volkes?
Wenn wir uns fragen, welches die letzten, innerlichen Gründe dieser Depression sind, deren Starre nicht weichen will, so ergibt sich als eine der wesentlichsten Llrsachen folgende: Wir leiden heute unsäglich darunter, daß die aktive schöpferische Persönlichkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens, in der Politik wie in der Literatur, in der Wirtschaft wie in der Kunst von der Führung shstematischausgeschal- t e t wird. Das System ist begründet durch eine völlig negative Einstellung der öffentlichen Meinung gegenüber dem unabhängigen freien Geist. Qln Stelle der Persönlichkeit ist die Organisation getreten!
Diese Mißachtung, um nicht zu sagen, Verachtung gegenüber dem freien Geist drückt sich, äußerlich gesehen, in einer entsetzlichen, in ihrem Ausmaße kaum bekannten materiellen Rot der deutschen Geisteswelt aus. Weit größer und verhängnisvoller aber noch ist die innere Ql o t dieser Menschen, die man wohl zu den besten Kräften der Ration rechnen darf.
Sammeln zum Aufbau! Roch sind alle diese Kräfte des geistigen Deutschlands vorhanden, — mit letzten verzweifelten Anstrengungen ringen sie um ihr Dasein: Erweckt diese Kräfte, sammelt sie und führt sie in die Mitte des großen Geschehens und Werdens! Das ist die Voraussetzung zum Ausbau.
Wenn die unabhängigen Geister, seien sie Dichter oder Menschen der praktischen Tat, wieder den Platz gesunden haben, der ihnen um des Volkes willen gebürt, dann dürfen wir wieder von einem „Aufwärts" sprechen!
Die freien Geistesmenschen stehen bereit!
Ausoau heißt VMgememschast!
Von Dr. Heinz Oähnhardt,
Vorstandsmitglied des Veichsausschusseö der Deutschen Iugendverbände.
In der jungen Generation unserer Zeit ist ein neuer Sinn für Gemeinschaft erwacht. Das individualistische Streben nach persönlichem Erfolg und Ansehen tritt hinter der Bereitschaft zurück, Dienst an der Gemeinschaft zu leisten. Dieser Wille zu gemeinschaftlichem Handeln gibt der jungen Generation ihre Stoßkraft und ihre Bedeutung. On den Bünden der Jugendbewegung und der Wehrbewegung hat sich die junge Generation aus diesem Gemeinschaftsgeist und dem Gedanken des Dienstes heraus Lebensformen bereits geschaffen, die ihrer Art gemäß sind.
Das oolitische Wollen der jungen Generation hat sich nach dem Kriege an dem Gedanken der Volksgemeinschaft entzündet, der in der Frontkameradschaft des Schützengrabens Erlebnis geworden war. Die junge Generation kämpft auch heute für die Volksgemeinschaft! Jnnerpolitisch gesehen bedeutet das die Kampfansage gegen alle klassen- kämpferischen Tendenzen und das Bekenntnis zu einem organisch und ständisch gegliederten Ausbau der Volks- und Staatsordnung.
Entwicklung. Die Parteien stellten sich noch stärker als schon früher darauf ein, einander vorzuhalten, welche Partei an der Llnglücksentwicklung der letzten 3ahre die Schuld trag«, und zugleich mit Prophezeiungen in die Zukunft hinein zu arbeiten: welche Partei vermag Deutschland aus dem Sumpf herauszuführen? Da die wirtschaftliche Rot in weiten Schichten aufs Höchste gestiegen ist, so stieg auch die Rervosität; es stieg die Hitze des Parteikampfes bis zum Siedepunkt. Die Erbitterung kann kaum noch Überboten werden. Selbstverständliche Folge ist, daß — da die gegenwärtige Regierung eine Besserung der Lage nicht herbeiführen konnte, die Opposition rapide wuchs. Das trat namentlich in den hessischen Landtagswahlen ganz scharf in die Erscheinung. Die Regierung griff angesichts der krassen Gegensätze zu Zwangsmitteln wie Verbot des Tragens von Uniform und von Parteiabzeichen; — Maßnahmen, die wohl eine gute Seite haben mögen, aber außerordentlich verärgernd wirken und sehr schwer durchführbar sind. Wir stehen — darüber müssen wir uns klar sein — bereits jetzt in einem Ausnahmezustand, dem zum regulär verhängten Ausnahmezustand nicht mehr viel fehlt. Und nun geht die wirtschaftliche Rot weiter; und die Parteierbitterung wächst weiter; und — neue Rot steht vor der Tür!
Das Ende des Unheilsjahrs 1931 sieht das deutsche Volk vor Aufgaben von gigantischer Größe gestellt. Es soll inmitten einer wirtschaftlich völlig in Unordnung geratenen Welt sein Dasein zu retten suchen. Es ist dabei zu einem
Die junge Generation sucht einen Staat, der zum Träger ihres eigenen Willens und ihres eigenen Glaubens wird, einen Staat, der in feinen Worten und Symbolen die Sehnsucht und Hoffnung der jungen Generation verkörpert und ausspricht. Sie will nicht den Staat, wie er durch das Diktat von Versailles in allen feinen Lebensäußerungen geknebelt ist, verewigt wissen. Aus der tausendjährigen Geschichte des deutschen Reichsgedankens entnimmt sie für sich die eigene Sendung, aus der Enge heutigen staatlichen Daseins wieder herauszustreben zur Weite des Reiches.
Immer größere Teile der jungen Generation sehen sich von den Regelfällen beruflichen Aufstiegs und einer Ausformung des persönlichen Lebens aus- gesperrt. Die junge Generation verlangt in keiner Weise, daß sie es etwa „ebenso gut" haben möchte, wie es Eltern und Großeltern einst hatten. Aber sie verlangt und fordert, daß anstelle der alten verlorengegangenen neue Zielsetzungen im staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau sichtbar werden. Diese Zielsetzungen gewinnen ihr inneres Leben aus dem Gemeinschaftsgeist und der Einsatzbereitschaft, die in der jungen Generation lebendig sind. Aus diesen Gründen beschäftigen Fragen, wie die des Arbeitsdienstes, der Stadtrandsiedlung und der ländlichen Siedlung den jungen Menschen heute ebenso stark, wie die Fragen der Berufswahl, der Berufsausbildung und des beruflichen Fortkommens.
Das Wort „Abba u" ist uns heute geläufiger als das optimistische „A u f b a u". So verstrickt ist heute jeder in seinen Sorgen und Aengsten, daß er nichts anderes mehr sehen kann als die schrecklichen und beklemmenden Folgen unaufhörlichen Abbaus auf allen Gebieten. Aber ewig in Sorgen leben, kann fein Mensch, — irgendeine Hoffnung, eine Aussicht muß ihn aufrecht erhalten. Und wirklich sehen wir, wie alle Menschen mit Zukunfts- plänen auf den ständigen Abbau reagieren, aber sie reagieren ganz verschieden nach ihrem Temperament — und es scheint mir, auch nach ihrem Geschlecht. Ein Teil der Menschen sieht nur noch die Möglichkeit einer Aenderung durch gewaltsamen U m st u r z. Eine Revolution des gesamten staatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens soll Vorbedingung für jeglichen Aufbau sein. Wohl würden Menschen dabei zugrunde gehen, aber alles Bestehende sei erst einmal wert, — zugrunde zu gehen! Das ist die Einstellung von Männern, scheint mir, die nur in großen Dimensionen sehen können, alles „kleine" Leid, alles menschliche Einzelschicksal kümmert sie nicht.
Die andere Gruppe von Menschen will Aufbau, sie will nicht das Chaos des augenblicklichen Lebens noch vergrößern. Sie will nicht die Menschen einer Idee opfern. Sie glaubt, daß jedes einzelne Menschenleid Recht hat, gehört zu werden. Aus dem gegenwärtigen Leben gilt es alles zu hegen und zu pflegen, was noch lebenswert ist. Sie glaubt nicht an die völlige Verderbtheit der augenblicklichen Zustände: Dem Abbau stellt sie nicht den Umsturz entgegen, — sondern den Ausbau! Sie ruft alle positiven und guten Kräfte auf in dem Bewußtsein, daß der wirklich wollende Mensch, der Mensch, der von der Notwendigkeit einer Besserung überzeugt ist, auch bessern und ändern kann.
ganz großen Teil auf das Eingreifen anderer angewiesen. Seine eigene Kraft ist in diesen Dingen sehr gering. Große Massen des Volkes aber verstehen das nicht. Sie leiden schwer und fordern einfach, daß ihr Leiden aufhöre. Sie fordern vom Staat, was der Staat nicht leisten kann, ob er so oder so regiert werde. Andere Massen wollen auf alle Fälle diese Regierung, begreifen aber wiederum nicht, daß alle ohne Llnterschied jetzt schwere Opfer bringen müssen. Alle. Sie möchten gern leben, als sei die deutsche Wirtschaft stark, während sie doch schwer krank ist.
Das Fazit Les 3ahres 1931 ist sehr unerfreulich. Viel unerfreulicher als das eines der letzten 3ahre. Aufgabe einer Rückschau ist glücklicherweise nicht die, zu prophezeien. Mir graut vor jeder Prophezeiung für 1932. Wir können nur eins tun — wir, die wir nicht regieren: uns klarmachen, daß zwar lange nicht alles von uns selbst abhängt; denn wir sind in den Händen anderer Völker; daß es aber von uns abhängt, ob wir unsere Lage durch völligen inneren Zersall noch schlimmer gestalten wollen, als sie ohnehin ist. Kämpfe müssen fein! Aber wir wollen in dem Bewußtsein kämpfen, daß wir alle Glieder eines Volkes sind.
Vielleicht daß wir dann das kommende 3ahr bestehen, ohne daß Volk und Staat auseinanderbrechen.
Von Staatsminister Or.Or.h.c.^ Gchmidt-Ott, Präsidenten der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft.
Wie die forscherische Tat das Werk des genialen Menschen ist, so ist der wissenschaftliche Stand eines Volkes nur in der Gesamtheit der Einzelleistungen zu erfassen. Dabei entspricht es der natürlichen Entwicklung, daß nach Schillers Worten die Beschäftigung zum Bau der Ewigkeiten zwar Sandkorn nur auf Sandkorn häuft, jede neue Leistung aber auf der gleichartigen anderen fußt, darüber hinausgeht und sich in das Gesamtgebäude einfügt.
Glücklich das Volk, dem wirtschaftliche Lage und Forschungsmittel gestatten, ungehemmt am wissenschaftlichen Fortschritt zu arbeiten! Aber in Zeiten finanzieller Bedrängnis gilt es auch für die Wissenschaft, Maß zu halten, die wichtigsten Aufgaben und die besten Forscher, vor allem auch im Rachwuchs, auszuwählen und mit geringstmöglichen Mitteln im Wettkampf der Rationen den Platz zu behaupten. Das heißt Sammeln zum Aufbau auf geistigem Gebiete!
Wem lägen solche Gedanken näher als den Frauen? Den Frauen, die von je dazu ausersehen sind, zu helfen, zu schützen und zu stützen, zu trösten und Mut zu machen, immer und immer wieder neu aufzubauen, täglich einen frischen Kleinkrieg gegen Unordnung, Zerstörung zu führen? Der Frau stehen die Menschen immer näher als die Dinge: sie kann nicht um noch so wichtiger Dinge willen die Menschen opfern, und sie ist des festen Glaubens, daß sie damit den Sinn der menschlichen Ordnung besser erfüllt.
Darum glaube ich an die Mission der Frau im großen Gebäude des staatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Die Frau soll den allzu stürmischen, umstürzlerischen Kräften des Mannes, der immer nur „Ganzes" schaffen will und darüber alles zu opfern bereit ist, die aufbauenden Kräfte an die Seite stellen. Ihre Aufgabe ist es, immer wieder der Menschheit mahnend entgegen zu rufen: Zerfleischt euch nicht in eurem Bemühen um Besserung! Nutzt eure Kräfte lieber zu positivem Tun! Verachtet nicht das schrittweise Vorgehen, ver- geht die Menschen nicht! Wir Frauen wollen auch Besserung und Aenderung, aber wir glauben nicht an die aufbauende Kraft des Hasses, — wir glauben nur an die aufbauende Kraft der Liebe!
Darum auf, ihr Frauen, sammelt euch zu einem geduldigen, demütigen Kreuzzuge schrittweisen Aufbaues aller guten Kräfte! Glaubt an die Macht eures täglichen Handelns!
Auf euch kommt es an, — auf jede einzelne, ob die Welt in Tränen und Blut erstickt oder ob sie unter euren pflegenden, behütenden Händen wieder genesen kann aus der Krankheit des Pessimismus und des Abbaus!
Zum neuen Jahre.
Von Dr. h. c. Wilhelm Groener, Reichs- webrminister, zugleich beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichs-
Ministers des 3nnern.
Das Schicksal Deutschlands liegt in unserer Hand. Die Wendung, die wir erhoffen, wird nicht durch irgendwelche Wunder herbeigeführt werden. Rur dem Menschen, der in wachem Glauben gestaltend an seinem Leben arbeitet, geschieht das Wunder der Erneuerung seiner inneren Lebenskraft. Rur dem Volke, das im Glauben an die eigene Kraft bereit ist. in stetiger, verantwortungsbewußter Arbeit um Ehre, Freiheit und das Wohl aller seiner Glieder zu ringen, geschieht im Wechsel der Generationen das Wunder der stetigen Erneuerung seines Lebenswillens. Für die Anwendung der uns gegebenen Kräfte tragen wir allein die Verantwortung.
Rn der Schwelle des neuen 3ahres sei sich jeder der besonderen Bedeutung dieser Verantwortung bewußt. Denn die großen Entscheidungen, die in diesem 3ahre über Deutschlands Zukunft fallen werden, hängen in höchstem Maße davon ab. ob sich das deutsche Volk Illusionen hingibt, oder den nüchternen Sinn für das Rotwendige und Erreichbare behält. Vor zwei 3llusionen möchte ich vor allem warnen: Es gibt keine Patentlösung, die uns von der Rot der Gegenwart befreien könnte. Keine Regienmg, von
'XV
ir Frauen glauben an die aufbauende Krast der Liebe!
Von Anna von Giercke, Vorsitzende des Verbandes deutscher Kinderhorte und Vorstandsmitglied des Verbandes deutscher Hausfrauenvereine.


