Ausgabe 
31.7.1931
 
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Lhefredakteur-.

Dr. Fnedr. Wich. Lange. BerantwoNlich für voltttü Dr Fr. Wich. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen.

General-Anzeiger für Oberheffen

Drnd ind Verlag: vrühl'lche Uitoedität$«BBd^ nnö Stetidmderd H. taugt tn Sietzen. §chnftlettA«g und Seschäftrstelle: Zchulfttatze 7.

Nr 177 Erster 181. Jahrgang Zrettag, 31. Juli 1931

Gietzener Anzeiger

Oie Jteife nach ORom.

Aus der Rot der deutschen und der europäischen Krise ist in den letzten Wochen ein umfang­reiches Reiseprogro mm entstanden, das erst zum Teil abgewickelt ist. Es steht noch der fran­zösische Gegenbesuch in Berlin aus, und es wird möglichst noch vor den Tagungen des Dol- kcrbundes die italienische Einladung vom Reichskanzler und dem Außenminister zu absolvieren sein Wir sind der Meinung, daß der Romreise Dr. Brünings hiervon im Augenblick die größere Be­deutung beizumessen ist, auch wenn sich in den Be­sprechungen der letzten Woche tie Staatsmänner so ungefähr der gesamten zivilisierten Welt auf den Standpunkt stellten, daß die schlechten politischen Be- Ziehungen zwischen Deutschland und Frankreich den Kern des Krisenübels bildeten und infolgedessen die Reichsregierung mit zahlreichen Empfehlungen aus­statteten, datz sic das Ihre zur Besserung des deutsch französischen Verhältnisses tun solle.

Das ober ist bereits mit dem Besuch der deut­schen Staatsmänner in Paris geschehen, der zusmn- incn mit der Londoner Konferenz ausgiebig Ge­legenheit bot, in enge persönliche Fühlung mit den französischen Staatsmännern zu treten. Mag sein, daß diese große Geste der Reichsregierung nach der menschlichen Seite hin gut und wertvoll war. ixur die politische Praxis der nächsten Wochen und Mo­nate hat sie keine greifbaren Ergebnisfe gebracht. Im Gegenteil, Brüning und Laval mußten bei der Feststellung der Gegensätzlichkeiten zwischen der deut­schen und der französischen Auffassung Halt machen, und die Starrheit der politischen Prinzipien, die Frankreich sowohl bei den finanziellen Besprechun­gen mit Deutschland wie jetzt auch mit den Eng­ländern an den Tag legte, läßt nicht erhoffen, daß sich in Paris ein Gesinnungswandel anbahnt, der für neue deutsch-französische Besprechungen bessere Erfolgsaussichten böte. Wer das Ziel eines trag- sohigen Ausgleichs Zwischen Berlin und Paris auf der Basis voller Gleichberechtigung erstrebt, der muß heute wünschen, daß Laval und Briand ihren an- gekündigten Gegenbesuch in Deutschland einstweilen ausschleoen. Es wäre immerhin möglich, daß die Zeit eine gewisse Entspannung der politischen Ge­müter bringt und daß Frankreich nach Ablauf einer angemessenen Frist anders mit sich reden läßt, als das Laval heute, zweifellos nicht zuletzt aus inner- politischen Gründen, tun kann und tun will.

Dieser Aufschub braucht und darf aber kein Anlaß sein, nun auch den deutschen Be­such in Italien auf unbestimmte Zeit zu ver- tagen. Wir {inb vielmehr der Meinung, daß angesichts der bevorstehenden DöllerbundSarbeiten eine unmittelbare deutsch-italienische Aussprache auch dann von größtem Ruhen sein könnte, wenn sic nicht unmittelbar greifbare Ergebnisse bringt. Daß sich gegenwärtig etwaS Aehnliches schaffen ließe wie der Dreibung der Vorkriegszeit. halten wir nun freilich für gänzlich ausgeschlossen. Ge­rade die Politiker, die zum Teil auS inner­politischen Gründen seit Iahren eine deutsch­italienische BündniSpolitik empfehlen, sollten sich sorgfältig hüten, ihre Erwartungen in dieser Hinsicht allzu hoch zu spannen. AuS dieser Per­spektive übersieht man nämlich allzu leicht die mancherlei Verstrickungen und Bindungen, denen die italienische Politik unterliegt. Man ist ge­neigt. die italienisch - französischen Degens ätze, deren Existenz nicht zu leugnen ist. zu über- ' schätzen, und man vergißt darüber völlig, daß unS zur Bündnispolitik im DorkriegSsinne daS wichtigste Element, nämlich die reale Macht, fehlt. Selbst wenn also die deutsche Politik bereit wäre. Italien in einem derartigen Bünd­nissystem den Borrang zu überlassen, den Deutschland bis 1914 besah, dann wäre eS immer noch mehr als fraglich, ob dieser Anreiz für die sehr kühl abwägende italienische Außenpolitik genügen würde, um die außerordentliche Gefahr einer Zuspitzung der italienisch-französischen Be­ziehungen in Kauf zu nehmen.

Die Ziele also, die man sich mit einer deutsch- italienischen AuSsvrache vernünftigerweise stecken kann, sind ganz anderer Hatur. Wir glauben, daß eS zwischen Berlin und Rom m a n ch e r l e i zu bereinigen gibt, waS bei gegenseitigem ?Uten Willen verhältnismäßig leicht geschehen ann. Die Ronrreile deS Reichskanzlers und deS Außenministers soll keine Pilgerfahrt, soll kein Eanossa-Dang sein. Wollte Italien sie so sehen, waS nicht der Fall ist. dann müßten selbstver­ständlich die deutschen Staatsmänner zu Hauke bleiben. ES ist doch aber unleugbar, daß eS zwi­schen der Politik beider Länder zahlreiche Be­rührungspunkte gibt, und daß nicht einmal die so leidige Frage der deutschen Zollunion mit Oesterreich, über die sich der italienische Rechtsvertreter S c t a l o j a soeben im Haag in einer stark befremdenden Weise ausgesprochen hat. ein Hindernis für die Schaffung wahrhaft herzlicher Beziehungen fein muh. Im Gegenteil, tu t lind sogar der lleberzeugung. daß die schon jetzt sehr vielgestaltigen wirtschaftlichen und kul- turcllcn Verflechtungen zwischen Deutschland und Italien mit der Schaffung einer solchen Zoll­union noch eine wesentliche Vertiefung erfahren würden. Auch die südosteurvpäischen 'Probleme sollten sich durch eine direkte Aus­sprache zwischen Brüning und Mussolini durch­aus im Geiste voller Interessengemeinschaft lösen lassen. Aus diesem und mancherlei anderen Grün­den würden wir es für erwünscht halten, daß bald eine Vereinbarung zwischen Berlin und Rom mit einem recht nahen Besuchstermin getrof­fen würde, zumal man in Italien durchaus daS Bewußtsein haben darf, daß auch Deutschland zu i:d)i unwichtigen politischen Leistungen für die italienische Stellung in Europa in der Lage ist.

Oie Slillhalleaklion tritt in Kraft.

Erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen. - 51/2 Milliarden kurzfristige Kredite verbleiben weitere sechs Monate in Deutschland. - Oas (Sachverständigenkomitee der BFZ gebildet.

Paris, 31. 3ulL (ÖIB. Funkfpruch.) Die Ber­liner Bankenoerhandlungen über die Durchführung der Stillhalteaktion sollen, wie die Pariser Presse übereinstimmend berichtet, erfolgreich abge­schlossen sein. Rur zwei größere amerikanische Banken hätten sich bisher dem Abkommen noch nicht angeschlossen, das die in Deutschland noch vorhandenen kurzfristigen Kredite von Insgesamt 5,5 Milliarden Mark auf 6 Monate verlängere. Die Golddiskont- banf übernehme für diese eine Zusahgaranlle In höhe von 10 v. h. des Gesamtbetra­ges. Für die Verlängerung der Bankkredile sollen 10 v. für die der kommunalen Kredile und der Industrieanleihen sollen 5 v. h. zu zahlen sein.

Das Sachoer st ändigenkomllee der B 3 3 bas erstens die Durchsührung der Stillhalte­aktion kontrolliere, zweitens eine eingehende Unler- uchung über die Wirtschaftslage Deutschlands unter­nehmen und drittens die Umwandlung der kurzfristi­gen deutschen Verbindlichkeiten in tangfkistigeAnleihen vorbereiten soll, ist wie folgt zusammengesetzt: Mel­chior (Deutschland), Moreau (Frankreich), B e - neduce (Italien), F r a n c q u I (Belgien), Bind- scheedler (Schweiz), Tanka n (Japan), Ryd - beck (Schweden), van Meulen (Holland), Sir Walter Laylon (England). Der amerikanische Delegierte ist noch nicht endgültig bestimmt. Der Vorsitzende der Chase Rational Bank Albert w I g - gI n soll sich bereit erklärt haben, als amerikanische» Mitglied an den Arbeiten des BJZ.-Komitee» «eil­zunehmen.

Die Wahl Moreaus, des ehemaligen Gou- oerneur» der Bank von Frankreich und jetzigen Präsidenten der Bank de Paris et de» pay» Bae, zum französischen Mitglied de» Ausschusses Der B3Z wird in der presse sehr begrüßt. Man erinnert an die Rolle, die Moreau während der französischen Inflation gespielt Hal und die außergewöhntiche Energie und die Umsicht, die er an den lag legte, um gemeinsam mit polncatö die Stabilisierung des Franken durchzuführen.

Oeuisch-französische Zusammenarbeit.

Zusammenschluß französischer Wirtschafiskreise.

Paris. 30. Iuli. (WTB.) Sine Anzahl fran- zöfischer Parlamentarier. Finanzleute und Industrieller hat sich vereinigt, um ein Komitee für internationale Verständigung zu bil­den, deren Grundlage nach ihrer Ansicht die deutsch-französische Zusammenarbeit ist. Der Ge­danke geht von dem bekannten Lyoner Industriel­len und Abgeordneten Etienne Dougöre aus. Dem Komitee gehören u. a. an: die Senatoren de Iouvenel (Außenpolitiker deSQTtatin), 2c Tr ocquer (ehern. Arbeitsminister im Ka­binett Poincare), und Francois Marsal (ehern. Finanzminister im Kabinett Poincare), und die Abgeordneten Pierre Lot. Iulien D u r a n t, Laurent Lynac (Luftfahrtminister in den Kabi­netten Poincars, Tardieu und EhautempS). und Queuille. Don Industriellen und Finanzleu­ten sind zu nennen: Theodor Laurent Peye - r i m h o s f Führend. Kohlenindustrieller) und Do­ch e m i n. Da in diesem Komitee, namentlich waS die Industriellen anbetrifft, sämtliche we - sentlichen Zweige der französischen Wirtschaft vertreten sind, werden an die Grün­

dung in allen beteiligten Kreisen Hoffnungen auf praktische Ergebnisse geknüpft.

Auch ein Vorschlag.

Paris, 31. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Agentur Haoas verössentlicht folgende Mitteilung: Gegenwärtig Ist ein Konsortium der haupt­sächlichsten Gemälde-'und Antiquitä­tenhändler von Parias in Bildung begrif­fen, das Deutschland eine 'S u num e von einer Milliorde Franks (- 165 Millionen AM.) zu

London. 30. Iuli. (WTB ) Der konservative Führer Reville Thamberlain drückte heute im Unterhaus die Hoffnung auS. daß der Premierminister jetzt nach feiner Rückkehr doch eine Gelegenheit finden werde, dem Haufe einige Informationen über die Besprechungen zu geben, die stattgefunden haben, und über die Aus­sichten für eine glückliche Regelung der Probleme, an denen England so stark interessiert sei. Chamberlain betonte, daß die finanzielle Seite des Budgets sehr ernster Kri­tik ausgefetzt werden könne. Die Ausgaben, so führte er aus, wachsen weiterhin an. Die Voranschläge sind von einem unberechtigten Opti­mismus getragen. England hat während der letzten Iahre über seine Mittel gelebt. Auch das englische Volk wird bereit fein zu tun, waS das deutsche und das australische Volk tun wollen, wenn eS von der Rotwendigkeit über­zeugt ist. D«n englischen Volk muß die Wahr- h e i t g e f a g t werden. DaS Vertrauen deS Auslandes in den Kredit Englands ist erschüttert, weil das Ausland sah, daß die Ausgaben Englands über seine Einnahmen HInauSgingen. Die Wieder­herstellung deS Vertrauens kann nur erreicht werden, wenn man im Auslande erkennt, daß das englische Doll die Lage erkannt hat und be­müht ist. die erforderlichen Schritte zu tun, Chamberlain ersuchte den Schatzkanzler, dem Unterhaus eine Zusicherung zu geben, daß er selbst den Ernst der Lage und die Dring­lichkeit einer Verminderung der staatlichen Ausgaben erkenne.

Schahkanzler Snowden

entsprach dieser Bitte auch sofort und erklärte/ daß die Aussichten für das Budget deS nächsten Iahres. auch wenn sehr beträchtliche Ersparnisse erzielt werden können, sehr ernst seien. Die Budgetlage Englands sei jedoch befriedigender als die irgendeines der anderen großen Länder. Er werde jeden möglichen Schritt tun, um daS nächstjährige Budget zu balancieren, wie unan­genehm dieS auch sein möge. Snowden betonte, daß d ie Kriegsschulden die größte Last für die Staatsfinanzen seien. Er teilte mit, daß er seinen Plan für eine Riesen» konvertierung der Kriegsanleihen vorbereitet habe, durch den eine sehr große ErtparnisanZinsen erzielt werden würde. Wenn die letzte finanzielle Entwicklung nicht ein­getreten wäre, so würde diese Konvertierungs­aktion schon durchgeführt sein. Er sei sehr be­strebt. daß sich der Londoner Geldmarkt erhole und bei der ersten Gelegenheit würde diese Kon­vertierungsoperation in die Wege geleitet toer-

Icihen bereit sein wird, wenn dafür alte Mei» sterwerke, die sich in deutschen Museen befinden, als Pfand nach Frankreich übergeführt und dort dis zur völligen Rück­zahlung verbleiben würden. Die Gemälde sollen i n Paris a u s g e st e 111 werden und könnten gegen Entrichtung eines Eintrittspreises vom Publikum besichtigt werden. Die Anleihe von 1 Milliards Franks selbst soll zu votteilhaften Bedingungen an- geboten werden.

den. Wenn sie sich a!S ein Ersolg erweisen sollte, so würde sie eine Herabsetzung in den Ausgaben hcrbeiführen, die in ziemlich wei­tem Maße zu Entlastungen deS nächstjährigen Budgets beitragen würde. DS gebe nur zwei Wege zur Behandlung der Budgetlage: Erstens erhöhte Steuern, zweitens vermine 6er t e Ausgaben. Die Regierung zieht den Bericht der Dparkommissivn in ernste Erwägung. Zum Schluß betonte Snowden die Gesundheit der englischen Finanzlage und drückte den Wunsch aus, daß die auswärtigen Rationen sie zur Kenntnis nehmen. Die Lage deS Londoner Geld­marktes sei fundamental gesund. London sei wei­terhin der beste Markt in der Welt für auswärtige Kapitalanlagen, und er und die Regierung würden jeden Schritt unter­nehmen. um sicherzustellen, daß di« seste Position deS britischen Kredits in keiner Weise beeinträch- tigt werde.

Ler englische Kredit in Parts.

London wehrt sich. Tie neue Diskont­erhöhung.

Paris, 30. Iuli. (TU.) Die Unterbre­chung der französisch englischen Finanzverhand­lungen hat in Paris eine reichlich nervöse, um nicht zu sagen verärgorteStirnrnung geschaffen. In Pariser Bankkreisen glaubt man, daß Mon­tagne Rorrnan nur Zeit zu gewinnen ver­suche und daraus spekuliere, daß der französisch« Markt wegen seiner umfangreichen englischen In­teressen auch ohne einÄ bkommen alleS tun werde, um das Pfund zu stützen, wie eS tat­sächlich in den letzten Tagen geschehen sei. Ie mehr nun Paris auf dem englischen Markt interveniere, um so stärker werde natürlich auch das französische Interesse in London und die Rotwendigkeit. eS zu schützen. Die Franzosen sind darüber empört und Wersen den Engländern vor. ihre traditionelle Finanzpolitik zugunsten einer Spekulation von einem Tag zum andern preiSAugeben. Im übri­gen haben die Engländer anscheinend als Gegen­maßnahme gegen die sranzöfische Finanzsperre den französischen Rohstofshändlern die Kredite aus dem Londoner Markt entzogen. Diese beklagen sich lebhaft darüber, daß seit einem Iahrhundert bei der Kreditierung von Ankäufen britischer Waren niemals Schwierigkeiten vvrge- kommen sind. Sie drohen damit, sich vom Londoner Geldmarkt abzuwenden, und sich andere, sicherere Kreditunterlagen zu suchen. Auch die erneute Diskonterhöhung der Bank von England von 3,5 auf 4,5 Prozent wird in Paris mit Recht als eine Abwehrmaßnahme gegen die französische Finanzpolitik gedeutet.

Ernste Finanzlage Englands.

Scharfe Kritik der Konservativen an der Finanzpolitik des Labourkabinetts. Snowden will sparen. Oie Kriegsschulden drücken auf den Staatshaushalt.

Sine erstaunliche Entgleisung.

Politischer Truck aus den Haager Gerichtshof.

Berlin. 30. Juli. (TU.) Bei den Berhandlungen des Internationalen Gerichtshofes im Haag über die deutsch-österreichische Zollunion machte der Vertreter Italiens, der bekannte Senator S c i a . I o j a Ausführungen, die man in Berliner amtlichen Kreisen im Interesse der guten Beziehungen zu Italien außerordentlich bedauert. Scialoja hatte am Schluß seiner Rede darauf hingewiesen, der Haager Gerichtshof solle bedenken, daß. obwohl die bevor- stehende Entscheidung unter juri st ifchen Ge- sichtspunklcn abgegeben werden solle, sie po­litische Folgen haben könnte. Die Abände­rung der politischen Lage unter den gegenwärtigen Umständen könnte eines Tages den Krieg ober den Frieden bedeuten. Wenn der Völker­bundsrat erkläre, daß er in der Sache nichts mehr zu tun habe, dann würde diese Erklärung morgen eine Kriegserklärung sein können. In Ber­lin erklärt man, es handle sich bei den Ausführungen um eine politische Entgleisung, vor allem dadurch, daß Scialoja versucht habe, den Gerichtshof, eine internationale Institution, unter Druck z u fer zen. -Der italienische Rechtsvertreter sei sich wohl nicht bewußt gewesen, vor welchem Tribunal er feine Ausführungen gemacht habe. Die guten politischen Beziehungen Deutschlands zu Italien wür­den selbstverständlich durch diesen Zwischenfall nicht berührt.

Wann fährt Brüning?

Erst Klärung der innerpolitifchcn Lage.

Berlin, 30. Iuli. (111.) Zu Pressemeldungen über den Termin der Romreise de» Reichskanzler» und de» Außenminister» wird von zuständiger Stelle scstgestelll, daß der Besuch der deutschen Staats­männer in Italien bestimmt in kürze z n erwarten sei. Dr. Brüning und Dr. Lurtiuv wür­den die Reife antreten, wenn s I ch die Lage in Deutschland geklärt habe, jedoch voraus- sichtlich nicht vor der zweiten hälfte des A u g ust. 3m übrigen sei anzunehmen, daß der Rom. besuch vor dem Gegenbesuch de» französischen Mi­nisterpräsidenten und Außenminister» in Berlin stattfinden werde.

Das Echicksalsjahr 1932.

Mussolini über die entscheidende Bedeutung der Abrüstungskonferenz

Paris, 31. Iuli. (WTB. Funk'vruch.) .DaS Iahr 1932 wird unter Schicksal entscheiden. im Guten ober im Bösen", schreibt heute Mussolini u. a. in der Wochenschrift .Annales": »Wir stehen vor einem furchtbarenDilernrna : ent­weder Erneuerung oder Vernichtung unserer Zivilisation." Die bisherigen I Bemühungen zur Herstellung der internationalen Solidarität seien vergeblich gewesen. Alle Pro- I jette und Friedens Projekte haben sich gegenteilig

aufgehoben und es blieb nur noch daS leere Richts übrig. Wir haben höchst greifbare Tat­sachen, daß Europa im Begriff ist, zusammenzubre­chen. Das Hell kann nach Mussolinis Ansicht nicht durch eine neue Konferenz kommen.Der Hoover- plan hat den Weg gezeigt. Der zweite Schritt, bet jetzt notwendig »ft, ift politischer Ratur. Man muß der Welt eine Zeit des Frie­dens von zehn Iahren minbeftenß sichern. Deshalb ist die für den 2. Februar einberufene Abrüstungskonferenz des Völkerbun­des von höchster Bedeutung. Richt nur die Exi­stenz des Dölker-Bundes steht auf dem Spiel, son­dern das Schicksal der Menschhe L D.ese Konferenz darf kein Mißerfolg fein, denn wäre sie es, könnte man sie nur als Prolog für die endgül­tige Katastrophe ansehen."

Schlaft der Völkerbund?

Pariser Kritik an der Untätigkeit der Genfer Institutionen.

Paris, 30. Juli. (WTB.) Die radikale Zeitung La R6 p u b l i q u e" bellagt die Untätigkeit des Völkerbundes und des Europa- Studienausschusses angesichts der gegen­wärtigen Wirtschaftsdepression. Das Blatt schreibt! Als es sich vor einigen Jahren darum handelte, Oesterreich und Ungarn vor einer Finanz- katastrophe zu retten, habe man an den Dölkerbuno appelliert, und die von diesem angegebenen Lösungen seien auch wirksam gewesen. Heute, wo es sich darum handle, unter den gleichen Umständen Deutsch-