Ausgabe 
31.1.1931
 
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Städtchen und Dörfern waren bi Menge er­schienen, hielten sich aber wohlweislich im Hinter­gründe, um keine unliebsame Bekanntschaft mit den Schrvtkörncrn zu machen. Erst alsdas Ganze Halt" geblasen wurde, näherten auch sie sich, wenn auch zaghaft, der vorher festgelegten Stelle, wo die Strecke des Tages in Augenschein genommen werden sollte, und wo die Herr­schaften nach und nach, von Vergnügen gerötet und lustig plaudernd, mit ihrer gefiederten Beute eintrafen.

Die geschossenen Enten wurden fein säuberlich nebeneinander auf die Grde gelegt und gezählt. Einhundertundsiebenundvicrzig Stück hatten an diesem Tage daran glauben müssen. Als man gerade, wie das so üblich ist. den Iagdherrn zu dieser glänzenden Ergiebigkeit seines Reviers beglückwünschte, löste sich aus dec Gruppe der neugierigen ein älterer dicker Herr im Loden­anzug und trat, ein Schreiben in der Hand, auf den freudestrahlenden Earl zu.

Er sprach nur wenige Worte zu ihm. aber die Plinstehenden beobachteten, wie das Gesicht deS hohen Herrn immer länger wurde. Sie konnten gleich darauf noch Interessanteres und piebcrrafchendereS beobachten, denn aus den Wink des unbekannten dicken Herrn traten aus einem nahen Duschwinkel zwei Männer mit einer Hand­karre und luden mit aller Seelenruhe die 147 Enten auf und entfernten sich dgmit, während der Earl seine Gäste etwas beiseite genommen hatte und ihnen mit allen Anzeichen hoch­gradiger Aufregung irgendwelche Aufklärungen gab.

Diese Aufklärung war ganz einfach die, daß der so plötzlich erschienene dicke Herr niemand anders war alS der Gerichtsexekuwr der Graf- schaftsstadt, der mit dem Auftrage gekommen war, für rückständige Liegenschaftssteuern die Deute des Iagdtages zu pfänden.

Die Jagden für die darausfolgende Woche soll der Earl in letzter Minute abgesagt haben.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Spog. 1900 (Ciga) Spo. wallau (Liga).

Der Dezirkssachbearbeitrr für Fußball in Kassel hat anscheinend wenig Derständnis für die finan­zielle Aot der Dereine, sonst hätte er nicht in der jetzigen Zeit zwei Ligaverbandsspiele für den Sonntag angeseht. Die Spielvereinigung 1900 muh das fällige Meisterschaftsrückspiel gegen den Fußballverein 1913 Wallau bereits um 10,30 Uhr austragen. Wallau bestreitet damit sein letztes Spiel in dieser Derbandsrunde und ist bis heute ungeschlagen. Die sechs Derlustpunkte rühren aus sechs unentschiedenen Treffen her. Ob die Gäste auch in ihrem letzten Spiel in Gießen siegreich bleiben, erscheint zweifelhaft, denn die Gie­ßener Elf befindet sich zur Seit in bester Form, bic einen, wenn auch knappen, Sieg erhoffen läßt. Leicht werden es die Dlauweihen dabei bestimmt nicht haben, denn die Gäste spielen ein schnelles, raumgreifendes Spiel, bei dem sie sich besonders auf ihre guten Flügelstürmer verlassen können. Im Gesamts Pielauf bau gibt man den Einheimischen aber doch ein Plus. Die 1900er dürsen den Gegner keinesfalls unterschätzen, son­dern sollten mit unbeugsamem Siegeswillen an die Aufgabe gehen. Als Spielleiter fungiert Otto Grünewald (Alsfeld).

Einige Olufmerffamfeit dürfte auch die Begeg­nung 1900 lLigareserve) gegen Großen-Buseck (Liga) um 14 Uhr für sich in Anspruch nehmen. Die derzeitige Spielstärke der Dusecker ist zur Genüge betaimt (das Vorspiel endete 6:1 für Großen-Buseck). Es ist nicht zuviel gesaat, wenn man die Gästeelf zur Seit zu den spielstärksten Mannschaften der zweiten Dezirksklasse rechnet. Aber auch 1900s Reserve zeigte in den letzten Spielen beachtenswerte Leistungen. Man rechnet dieses Mal noch mit besseren Leistungen, beson­ders im Angriff, da die Elf wesentlich verstärkt wurde. Der Ausgang ist völlig offen.

Die dritte Mannschaft trägt in Leihgestern das Rückspiel aus und steht dabei vor einer sehr schweren Aufgabe. Der Sieger aus diesem Kampfe dürfte als Gruppenmeister anzusprechen sein. Die vierte Mannschaft spielt geschwächt gegen die dritte Mannschaft des hiesigen VfB. Das Vor­spiel endete Unentschieden (2:2).

Jugend.

Der morgige Sonntag ist wieder für Wan­derungen vorgesehen. Sämtliche Iugendmann- schaften des Vereins müssen nach außerhalb, so die 1. Jugend nach Großen-Buseck. um dort der 1. Jugend von Großen-Buseck in einem Freund­schaftsspiel gegenüberzutreten. Unter normalen Verhältnissen dürften die 1900er den Sieg mit nach Hause bringen. Die 2. und 3. Jugend be­geben sich nach Rieder-'Deisel, um dort gegen­seitig die Kräfte zu messen. Die Schüler müssen nach Hermannstein, wo die Schüler von Wetzlar als Gegner auf sie warten. Dis jetzt konnten sie sich nie durchsetzen und mußten, mit einer Aus­nahme, immer dem Gegner den Sieg überlassen. Wenn sie Sonntag vollzählig die Reise machen

und den nötigen Siegeswillen mitnehmen, kann es auch einmal anders werden.

VsÄ.-Gießen.

Spielverein Kassel (Ciga) DfB. Gießen (Ciga).

In wenigen Wochen wird die Verbands­spielserie 1930 31 beendet. Am Sonntag steht die Ligamannschaft des VfB. zum zweitletzten Male in dieser Saison auf eigenem Platz im Kampf um die Punkte. Der Gegner ist derSpielverein" Kassel. Die Gäste machten vor Beginn der Ver- bandsspiele durch glänzende Resultate gegen gute Gegner viel von sich reden und wurden allgemein als der voraussichtliche Vleister bezeichnet, schnit­ten aber dann in der Vorrunde wider Erwarten schlecht ab. In der Rachrunde vermochten sie sich besser durchzusehen. Der Tabellenerste, VfB. Kur­hessen Marburg holte sich bei ihnen eine sen­sationelle 3:8-, und Ockershausen eine 0:5-Rie- derlage. Auch der VfB. mußte int Vorspiel mit 3:7 als zweiter Sieger das Feld verlassen. Man darf mit Recht sagen, daß die Mannschaft deS Spielvereins zur Seit über eine ausgeprägte Spielkultur verfügt. Die VfD.er haben bis jetzt auf eigenem Platz stets gute Spiele geliefert, so daß man auch diesmal eine entsprechende Leistung erwarten dürste.

Während die Ligareserve pausiert, hat die dritte Mannschaft auf eigenem Platz die vierte der Spielvereinigung im Derbandsspiel zum Gegner. Nachdem sie vor einigen Sonntagen die dritte des Lokalgegners zu schlagen vormochte, sollte man annehmen können, daß sie sich auch in diesem Treffen den Sieg nicht nehmen lassen wird.

E Teutonia Steinberg.

Rlorgen, Sonntag, empfängt die erste Mann­schaft derTeutonia" die gleiche Mannschaft de« FE. Daubringen zu einem Freundschaftsspiel. Beide Mannschaften haben sich bisher immer hart­näckige Kämpfe geliefert Die Teutonen treten mit Ersah füp den verletzten rechten Läufer, sonst aber in die Leistungen der vergangenen Sonntage, so ist der alten Besetzung an. (Zeigen die Einheimischen die Leistungen der vergangenen Sonntag, so ist mit einem knappen Sieg zu rechnen. Die zweite Mannschaft ist bei der vierten Mannschaft des VfB. Gießen zu Gast.

Sprunglauf auf dem Hoherodslopf.

Im Rahmen der studentischen Wettkämpfe der Universitäten Gießen, Marburg, Frankfurt und Darmstadt, die am Sonntag auf dem choherodskoof stattfinden, gelangt auch der Sprunglauf zur Durch­führung. Im Laufe des heutigen Tages wurde die Schaoze dazu vorbereitet. Etwa 50 Studenten aus Gießen, Frankfurt und Darmstadt haben zu diesem Sprunglauf gemeldet, so daß spannende sportliche Wettkämpfe zu erwarten sind.

Schwarzwald-Skimeisterschasten.

Su den am Samstag und Sonntag auf dem Feldberg stattfindenden Schwarzwaldmeisterschaf­ten sind im Langlauf 103, im Dr.-Tauerngedächt-

niilauf 89 und Sprunglauf 80 Teilnehmer ge­meldet. Don den Schwarzwäldern sind der Titel­verteidiger Ernst Dietsche, Hör-Todtnau, Höff- lin-'Freiburg, Adolf Steiert-Lenzkirch, Morath- Schluchsee, Menzer-St. Blasien usw gemeldet. Die Schwaben entsenden u. a. Fritz Gaiser-Baiers- bronn und den Rorweaer Dlankvand-braaten (Heilbronn). Der diesjährige Kampf um die Schwarzwaldmeisterschaft ist der 30. Verbands­wettlauf. Gleichzeitig feiert der Ski-Club Schwarz sein 35jähriges Bestehen als ältester und Grün­dungsverband des Deutschen Skiverbandes.

Skispringen in St vlasten.

Im Anschluß an die Schwarzwaldmeisterschaft auf dem Feldberg kommt am Montag (2. Februar) auf der Ernst-D<lader-Echanze das Skisprin - gen um den Wanderpreis der Stadt St. Blasien zum AuStrag. Verteidiger des Preises ist Rosi- St. Blasien. Der Schanzenrekord beträgt 43,5 Meter, doch die im Sommer bedeutend verbesserte Schanze läßt Weiten bis 55 Meter zu.

Sauerland-Meisterschaften.

Günstige Schneelage vorausgesetzt, will der Ski- Club Sauerland am Sonntag in Winterberg seinen Verbands st affellauf durchsiihren. Die Derbandswettläuse sind vorläufig auf den 14. und 15. Februar angesetzt. Der Ge lände- tauf soll nach dem Sprunglauf ausgetragen werden. Bei neuem Ausfall ist eine Verlegung auf den 21. und 22. Februar vorgesehen.

Erich Recknagel springt 71 Meter.

Der deutsche Skimeister Erich Recknagel konnte am Freitag auf der neuen Marktkegel-Schanze bei

Lauscha eine ausgezeichnete Sprung-Leistung voll­bringen. Er stand 71 Meter in guter Haltung und bewies damit, daß er für die kommenden Ski- ereignisse in Oberhof gut gerüstet ist.

Internationales Berliner Reit-Turnier

Am Freitag wurde das Internationale Berliner Reitturnier bei recht schwachem Besuch mit verschie­denen Materialprüfungen fortgesetzt. Im P r e i« vom Grünewald, der in drei Abteilungen zur Abwicklung (am, blieben Feuerhorn (Sri. Mar­wede), Olympiade (Hauptmann Baumann) und Friederike (A. Staeck) erfolgreich. Den größten Er­folg hatte die SchaunummerKavallerie von einst und jetzt" zu verzeichnen, deren Vorführung sich über eine Stunde erstreckte, so daß die anderen vor­gesehenen Schaunummern, eine Traber- und Ian- demquadrille sowie die Polizeivorführungen aus­fallen mußten.

Sechstagerennen in Frankfurt a. M.

Frankfurt a. M hat jetzt wieder einmal ein« Sechstagc-Sensation. In der Festhalle auf dem Messegelände wurde am Freitagabend bei dicht besetztem Hause zum erstenmal seit zwei Jahren wieder ein Sechstagerennen gestartet. Die starke Susammensehung des Lechstage-FeldeS, das auS sechs Rationen nach Frankfurt gekommen ist und säst ausschließlich aus Sechstage-Siegern besteht, übte nicht zuletzt auf die Sportwelt einen außer­ordentlichen Einfluß aus. So war denn auch die riesige Festhalle am Freitagabend dicht besetzt, als Kammersänger John Gläser den Startschuß abgab, um die 26 optimistischen Fahrer auf 145- ftünbige Fahrt zu schicken.

Rundsunkprogramm.

Sonntag, 1. Februar.

7 (von Hamburg): Hafenkonzert. 8.15 (Kloster Frauenberg, Fulda): Katholische Morgenfeier. 9.15 (KassÄ): Stunde des Chorgesangs. 10.30: 25 Jahre Arbeit mit der Dühncnjuaend", Vor­trag von Alfred Auerbach. 11: Stunde der Kammermusik. 11.30: Erlebte Geschichten von Glse Laslcr-Schüler. 12: Mittagskonzert. 14: Stunde des Landes: Ein Rundgang durch den Hof des, Versuchsgutes des Landwirtschaftlichen Instituts. Leitung: Dr. Fabian, Gießen. 15: Stunde dcy Jugend. 16 bis 18 (aus dem Reichstag Berlin): Konzert zugunsten eines Stresemann-ChrenmalS in Mainz. 18:Die Insel Ostpreußen", Vortrag von Dr. v? Popenl Dresden. 18.30 (von Köln): Eine Stunde Kurzweil. 19.45: Kleine Stücke für Violoncello. 20.15: Don Tempelhof bis Holly­wood. Ein Filmabend. 21.15: Populäres Kon­zert des Philharmonischen Orchesters, Stuttgart. 22.40: Tanzmusik.

Montag, 2. Februar.

7.15 bis 8.15: Frühkonzert. 12: Schallplatten­konzert. 15.20 bis 15.50:Dei Frau Rat Goethe" (zur Wiederkehr ihres 200. Geburtstages), Vor­trag von Charlotte Rau. 16.30 (Freiburg): Rach­mittagskonzert des Freiburger Konzertorchesters. 18.15:Die Rentabilität der deutschen Landwirt­schaft als volkswirtschaftliche Aufgabe", Vortrag von Professor Deckmann, Donn. 18.45:Opern­film und Filmoper", Vortrag von Dr. Karl Holl. 19.15: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Aus Carl Hauptmanns Driesen und Tage­büchern. 20.05 (aus dem großen Saal des Saal- baue-, Frankfurt a. M.): Konzert. 22: Seit- beriebt. Der Oustric-Skandal. 23.10: Tanzmusik.

Dienstag, 3. Februar.

7.15: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 13.05 (von Köln): Mittagskonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. 15.20: Hausfrauen- Rachmittag. 16.30: Rachmittagskonzcrt. 18.15: Das Ende des Liberalismus Sehnsucht nach politischer Bindung", Vortrag von Karl Anton Prinz Rohan, Wien. 18.45:Wirtschaftliche Ver­bindungen mit den Deutschen in aller Welt", Vortrag von G. Moshack. 19.15:Dokument oder Dichtung?", Vortrag von Heinz Dietrich Kenter, Berlin. 19.45: Sitherkonzert. 20.30: Wilhelm Dusch. Heitere Rezitationen von Ernst Kreuz- träger. 21: Hans Sachs. Komische Oper von Albert Lortzing. 22.15: Tanzmusik-

Mittwoch, 4. Februar.

7.15: Frühkonzert. 1020:Deutsche Kinder in der Tschechoslowakei". Vortrag von Dr. OSkar! Schürer. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30 (Dremerhaven): Dordkonzerb. 17: Reue Tanzmusik. 18.15:Im Reiche Data». dcS tschechischen Schuh-Fords". Vortrag von Dr. Oskar Schürer. 18.45:Mannheim, der südwcst- deutsche Getreidehandelsplah", Vortrag von Dr. Duß. 19.15:Im Kampf um die höchsten Gip'el der Erde", Vortrag von Prof. Dr. G. O. Dyhren- furth. 19.45:In einem oberhessischen Dauerns Haus". Funkbericht von Anton Dehner und Paul Laven. 20.15:Halali". Ein bunter Jagd-Abend. 21.15: Orchesterkonzert deS Philharmonischen Op* chesters, Stuttgart.

DonncrSatag, 5. Februar.

7.15: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 13.05 (von Köln): Mittagskonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. 14.20: Holhschlag bei Lauterbach in Oberhessen. 15.20: Stunde der Jugend. 1630: Wiener Mcisterschrammeln. 17: Operettenlieder und ChansonS. 17.15 (Freiburg): Altitalienische Musik. 18.15:5>ie Anpassung der deutschen Landwirtschaft an die Zeitverhältnisse". Vortrag von Dr. Pfisterer. 18.45:Driand". Vortrag von Annette Kolb. 19.15: Französischer Sprachunterricht. 19.45: Pinterhaltungskonzert. 20.30: Menschen im Dorf. Hörspiel. 21.15: Die vertauschten Manuskripte. Ein musikalische- Hör­spiel. 22.45: Schluß des Sechstagerennens. 23 bi« 24: Pinterhaltungskonzert.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

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