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Nr. 254 Zweites Blatt
Tietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zreitag, 30. Oktober 19$
Landnöten.
Die Oefsentlichkeit beschäftigt seit einigen Tagen der „Fall Schultheiß-Patzenho- f e r“, der sich ebenbürtig an die Affären Frankfurter Allgemeine, Karstadt, Rordwolle, Linoleum u. a. anreiht. Das Typische an diesen Fällen ist, daß der Zusammenbruch oder ungeheure Vermögensverluste nicht der Wirtschaftskrise zuzuschreiben sind, daß es vielmehr fast ausschlieh- lich Sondergeschäfte vereinzelter Derwaltungsmitglieder waren, wodurch angesehene Unternehmungen ruiniert und damit das Ansehen der deutschen Wirtschaft überhaupt im In- und Auslande schwer geschädigt wurde. Auch in dem neuen „Fall Schultheiß", dem größten Dierkonzern der Welt, sind die riesigen Verluste keineswegs auf den Geschäftsgang zurückzuführen. Lediglich Aktientransaktionen, die auf Veranlassung des Generaldirektors Kahenellenbo- gen und ganz weniger Mitwisser getätigt wurden, während die übrigen Aufsichtsorgane von dem Tun und Treiben der „Machthaber" keine Ahnung hatten, haben ben Konzern in diese schwierige Lage gebracht. Aach der Derwaltungs- erllärung beträgt der Bruttogewinn im soeben abgelaufenen Geschäftsjahr rund 16 Millionen Mark, unter Berücksichtigung der Wirtschaftskrise und der steuerlichen Belastung des Braugewerbes ein immerhin noch recht anständiges Sümmchen. Es müssen aber andererseits rund 32 Millionen Mark Sonderabschreibungen vorgenommen werden, wobei die Verluste aus den Aufkäufen von eigenen Aktien noch nicht einmal eingerechnet sind. Wenn auch der Konzern über große Reserven verfügt, so muß doch damit gerechnet werden, daß bei Erfolglosigkeit der Regretzansprüche an die verantwortlichen Personen letzten Endes der Aktionär, der im guten Glauben an die Kreditwürdigkeit dieses Konzerns Aktien gekauft hat, die Zeche bezahlen muh. 3m Interesse der Aktionäre und des Ansehens der deutschen Wirtschaft überhaupt muh gefordert werden, datz schnellstens eine gründliche Untersuchung durchgeführt und die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. Der ehrliche Kaufmann und das deutsche Volk, die unter dem zunehmenden Druck der Krise in immer größere Rot geraten, müssen sehen, daß mit derartigen Schädlingen endlich einmal aufgeräumt wird.
Mit leisem Schauer verfolgt man die Berichte der großen Prozesse des Tages, Ueberall Verzweiflung, tragischer Irrtum, aber auch Verlust der Begriffe von Ehre und Ehrlichkeit, wie sich dies gerade im Sklarek-Prozeß mit erschreckender Deutlichkeit zeigt. Hier ist es das bewußte Abgehen von dem geraden Wege des ehrbaren Kaufmanns, man verfällt auf Methoden und erfindet Wege, die mit der Arbeit und dem Streben des „Kaufherrn" von einst auch nicht das Geringste zu tun haben dürften. 3eder Tag bringt neue Mengen von Schmutz und Dreck an die Oberfläche, und es bleibt ein dauerndes Denkmal menschlicher Schwäche und Charakterlosigkeit, ein Hohn auf das Symbol, wenn zur Besiegelung all der auf „unverbrüchlicher Freundschaft" gegründeten dunkeln Geschäfte aus dem „geweihten" Pokal getrunken wurde. Die unsauberen Methoden, wie sie bei den Sklareks und ihren Helfeshelfern gang und gäbe waren, lassen diese charakterlose Skrupellosigkeit erkennen: Das Ziel gibt den Ausschlag, der 'Weg aber, der zum Ziele führen soll, bleibt Aebensache. Unb „Geld machen" war das Prinzip der Firma Sklarek, wenn überhaupt von einem Prinzip gesprochen werden darf. So verfiel man auf die Konstruktion einer „Goldmühle", die in möglichst müheloser Arbeit jederzeit den Mammon zu liefern hatte. „Goldesel streck' dich — Tischlein deck' dich!", das mag das Morgengebet dieser Herren gewesen sein, und damit war auch ihr schweres Tagewerk erfüllt.
So wird das Gold geschützt.
Von Or. Hellmut Thomasiuö.
Wer in Gold schwimmt, muß dafür sorgen, datz ihm das Gold nicht davonschwimmt. Amerika ist wieder einmal Goldland geworden. Allerdings in anderem Sinne als früher. Der Goldgräber ist verschwunden. Es wird nicht mehr nach dem edlen Metall abschürft. Dieses floh von selbst aus Europa und anderen Weltteilen nach den Vereinigten Staaten. Dort häufte es sich zu Bergen. Damit entstand die Sorge, wie man diese Unmengen lauteren Goldes aufbewahren könne. Sie muhten gegen jede Art des Einbruchs und Diebstahls gesichert werden. Angesichts der ungeheueren Schätze, die hier aufgespeichert sind und die es in gleicher Menge seit Bestehen der Welt noch nirgends gab, erwiesen sich besondere Vorsichtsmaßregeln als nötig. Die amerikanischen Banken lind bereits in vorzüglicher Weise gesichert. Aber man mutzte damit rechnen, datz der Lohn, der hier winkte, die Verbrecher besonders kühn und unternehmend machen würde. Also stellte man die Technik vor die zwar ehrenvolle, zugleich aber schwierige Aufgabe, zu den bereits vorhandenen noch weitere Sicherungen hinzuzufügen. 3n der Federal Reserve Bank zu Reuyork befindet sich ein eigener Raum, in dem unermeßliche Schätze an gemünztem und ungemünztem Gold aufbewahrt werden. Hier sind Berge von Goldbarren auf- gestapelt. Dieser Raum ist mit allen nur denkbaren, auch schon früher angewendeten Sicherungen umgeben. Also mit dicken, von eisernen Schienen durchzogenen Mauern, mit' ebensolchen Fußböden und Decken. Ein Wehrgang aus Panzerplatten zieht sich herum in denen Schießscharten angebracht sind. Hier stehen ständig Wächter mit Maschinengewehren. Elektrische Alarmeinrichtun- <en der mannigfachsten Art sind angebracht. Der Äaum selbst ist in einer Anzahl kleinerer Räume aintergeteilt, die wiederum gepanzert und mit kunstvoll gebauten Türen verschlossen sind, so iaß sich dem Eindringling Berge von Hinderrissen entgegenstellen. Aber zu allem diesen ge- Irllte man noch weiteres hinzu. Vor dem Haupt- cingang der Federal Reserve Bank befinden sich rechts und links von der zur Eingangstür empor- Keigenden Treppe zwei große steinerne Sockel. Auf ihnen erheben sich sinnbildliche Frauenge- stalten in griechischen Gewändern und von beträchtlicher Höhe. Sie stellen den Handel oder den Aeichtum oder so etwas Aehnliches dar. Dieser scheinbare Schmuck ist in Wirklichkeit eine Verteidigungsmaßnahme gegen Dandenüberfälle.Will eine Derbrecherbande in die Bank eindringen und
Wie macht man das? Ganz einfach, sagen Sklareks. Man läßt sich durch seine „Freunde" im Magistrat von der BAG., der Berliner Anschaf, fungsgesellschaft, seine Aufträge erteilen. Cs wird ein Lieferungs vertrag aufgesetzt, und dann geht man mit der von der DAG. beglaubigten und anerkannten Forderung zur B e r - linerStadtbank und zediertdieseFor- d e r u n g. Diese Forderungen wurden von der Stadtbank auch prompt eingelöst, und die Herren der Firma Sklarek bekamen bares Geld. Rachdem man nun auf diese Weise ins Geschäft gekommen war, begann die Verbesserung der Konstruktion der Goldmühle. Jetzt wurden nicht mehr Licfe- rungsverträge zwischen der DAG. und den Sklareks abgeschlossen, sondern nur „Auftrags- anerkenntnisse". Die Lieferung wurde noch der Form halber auf einige Monate befristet, um die Lieferung selbst kümmerten sich dann aber weder der Auftraggeber noch die Lieferungsfirma. Das geriet dann so langsam in Vergessenheit. Aber zur Stadtbank ging man gleich hin, das wurde nicht vergessen, wies diese Auftragsanerkenntnis vor und zedierte die „Forderung", und dann nahm man gleich die Tausender gebündelt mit. Kam die Stadtbank einmal auf die Idee, von der DAG. auf Grund der Zessionen Geld zu verlangen, dann mutzte dem Mechanismus der Goldmühle ein wenig nachgeholfen, es mutzte geschmiert werden. Wie macht man das? O, sagen die Sklareks, dann riefen die Herren der DAG. bei uns an, wir waren ja die „befreundete" Firma, und wir borgten der BAG. den angeforderten Betrag. Wenige Tage später bekamen wir dann wieder die Auftragsanerkenntnisse von der DAG., die dann in der bewährten Weise von der Stadtbank bei Vorlage honoriert wurden. „Mühle auf, Mühle zu!" — das ging einfach großartig. Man war hinter das Geheimnis des perpetuum mobile gekommen, man hätte sich diese Erfindung patentieren lassen müssen. Aber irgend etwas hat wohl doch nicht so ganz gestimmt. Eines Tages machte ein Kurzschluß in dem Mechanismus kurzen Schluß, die Mühle schloß sich ein letztes Mal, und o Schreck, die Maschine klemmte bei dieser ihrer letzten Tätigkeit ihren Erfindern die Hände. Die Goldmühle wurde plötzlich zur Zwickmühle, und so endet die Geschichte von der „Goldmühle, System Sklarek, D. R. P.".
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Vor einer Woche wurde in Konstantinopel die Panbalkankonferenz eröffnet, deren Ziel es ist, eine Union der Balkanstaaten vorzubereiten, die als sich selbst genügende Gemeinschaft stark genug sein müßte, um sich dem Interessenspiel der Großmächte zu entziehen und die es ermöglichen würde, einen politischen und wirtschaftlichen Block ins Leben zu rufen, der selbst über sein Schicksal entscheiden könnte. Obgleich die politischen Differenzen zwischen allen Balkanstaaten fast unüberwindlich sind, so findet doch die Idee einer Union bei den Teilnehmern der Konferenz grundsätzliche Zustimmung, weil schließlich alle Balkanvölker es überdrüssig geworden sind, sich als Bauern auf dem Schachbrett der Großmächte verschieben zu lassen. Italien protegiert Bulgarien, um Jugoslawien in Schach S.u halten, Frankreich stützt Jugoslawien, um sich gegen Italien zu entlasten, England steht auf der Seite Griechenlands, es will Bulgarien und Jugoslawien nicht an die Aegäis lassen, es will einem serbisch-bulgarischen Vorposten, im Falle des Wiedererwachens der panslawisti- sck)en Idee und einer Reuorientierung des russischen Kolosses, keinen direkten Zugang zum Mittelmeer gestatten.
Ein erster panbalkanischer Kongreß fand im Oktober 1930 in Athen unter Teilnahme der Delegierten Griechenlands, Jugoslawiens, Vul° gariens, Rumäniens, Albaniens und der Türkei statt. Die Verhandlungen erstreckten sich auf die Schaffung einer gemeinsamen Postverwaltung, einer gemeinsamen Flagge und eines gemein
samen Münzwesens. Das Hauptergebnis der Konferenz war die Einsetzung eines Rates, dessen Aufgabe es sein sollte, den Gedanken einer Dalkankonföderation weiter auszuarbeiten und praktische Vorschläge vorzubereiten. Im Januar dieses Jahres trat der „Balkanrat" in Sa» l o n i k i zusammen, und richtete an den türkischen Außenminister das Ersuchen, eine Konferenz der Außenminister aller Dalkanstaaten einzuberufen, auf der alle Differenzen bereinigt und die Union proklamiert werden sollte. Diesem Verlangen konnte bisher nicht stattgegeben werden, weil sich die Gegensätze zwischen den Einzelstaaten immer schärfer zuspihten. Das Schicksal der Balkanunion ist mit der Revision der ungerechten Friedensverträge verbunden, außer Bulgarien will aber kein einziger Dalkanstaat von einer Aenderung des jetzigen status quo etwas wissen. Die Hoffnungen Jugoslawiens und Griechenlands, Bulgarien werde von seinen mazedonischen Forderungen abrücken, konnten sich nicht erfüllen. Auch die jetzige bulgarische Regierung hat sich energisch für die Rechte der mazedonischen Brüder jenseits der Grenzen eingesetzt. Der bulgarische Delegierte
hat an den Vorsitzenden der Konferenz, Hassaq Bey, eine Denkschrift übersandt, in der die Re» gelang der Minderheitsfrage (Maze» donien), mit anderen Worten, eine Revision de« Verträge gefordert wird, ferner verlangt Bul» garien den Schuh der auf griechischem und jugo» slawischem Boden befindlichen Kriegergräber. — Die in Konstantinopel unter türkischem Vorsitz tagende Konferenz hat sechs Kommissionen eingesetzt, die sich mit der Minderheitsfrage, mit einem Wirtschaftspakt zwischen den Balkanstaaten« mit Transport-, Zoll- und Tariffragen, mit einer Angleichung der Gesetze usw. befassen. Infolge der katastrophalen Wirtschaftslage kann bereits jetzt angenommen werden, daß es gelingen wird, einen recht weitreichenden den ganzen Balkan umfassenden Wirtschaftsbund zustande zu bringen. Das allein aber würde ein Ereignis von weitreichender politischer Bedeutung sein, denn auf der Grundlage einer Wirtschaftsbasis ließen sich vielleicht die politischen Gegensätze in absehbarer Zukunft leichter als bisher ausgleichen. Voraussetzung dafür bleibt aber im Südosten wie in Mitteleuropa immer eine Revision der ungerechten Friedensverträge.
Revolte in Stau.
Gegen die britische Herrschaft auf Zypern.
Von unserem —
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Larnaka, Ende Oktober 1931.
Dieses ist hier der Platz, wo der Pfeffer wächst. Denn überall auf dieser weiten Insel, findet man diese charakteristische Anpflanzung von Pfefferbäumen, gemischt mit Lorbeer, Zitronen und anderen südlichen Pflanzenarten. Aber es läßt sich hier nicht so schlecht leben, wie es nach dem alten Spruch angenommen werden sollte, wenn auch die rund 1 9 0 0 E n g l ä n d e r, die hier sind, den Aufenthalt unzweifelhaft als eine Verbannung empfinden. Man kann sich nichts Stilleres, geruhsam im Blau des Meeres und im Gold der strahlenden Sonne Träumendes, denken als etwa diese Hafenstadt von Zypern, Larnaka, die, ganz im Gegensatz zu den volklich doch überaus verwandten mit Geschrei und Lärm erfüllten Häfen der kleinasiatischen Küste, nicht einmal dann aufzuwachen scheint, wenn auf der Reede eins der wenigen Schiffe erscheint, die die Post bringen, die Einfuhr und die Ausfuhr zu bewältigen haben. Immer ist man versucht, sicy die Erinnerung an eine Geographiestunde der Jugendzeit zurückzurufen, wo man aus dem Studium des Atlas' unter dem Begriff Insel nichts als die Vorstellung eines grün-braunen Fleckes auf sonst blaugetönter Landkarte verstand. Diese Insel Zypern ist in der Tat ein grün-brauner Fleck im weiten Blau des Mittelmeeres, und man tönnte sie, so wie sie ist, sich ebenso gut im Stillen Ozean oder auch in der Atlantik, vielleicht Afrika, vielleicht Südamerika vorgelagert, gelegen denken. Erschienen plötzlich farbige Eingeborene auf der Marina, dem Quai, so würde man sich gar nicht wundern ...
Aber dieser erste Eindruck einer ausgesprochenen Kolonialinsel täuscht. Zypern, heute in der Tat englische Kronkolonie, hat ein sehr bewußtes Eigenleben, das sich auf uralte Tradition und auf ein überaus enges Verbundenheit sg e f ü h l z u m „Mutterland Hellas" und zu den anderen Jnselgriechen des Archipels aufbaut. Als im Jahre 1878 die Engländer die Verwaltung der Insel von den Türken übernahmen, wurden sie als Befreier vom mohammedanischen Joch begrüßt; als ein Jahr vor dem Weltkrieg die Türkei endgültig die Souveränität abgab, wiegte sich das seiner Gesck)ichte bewußte Volk in ausschweifenden Hoffnungen, bei denen damals noch weniger der Anschluß an Griechen.
s-Berichterstatter.
land, sondern eher die völlige Selb st än» bigfeit der Insel im Vordergrund stand. Die Engländer haben außerordentlich viel für das er- worbene Gebiet getan, wenn es ihnen auch durchaus nicht gelang, es völlig aus dem Dornröschenschlaf, in dem die Insel auch heute noch befangen ist, auf« zuwecken. Hier ist die Zeit stillgestanden und genau so, wie der Landmann seine Wicken, Weizen oder Gerstefelder heute noch sozusagen mit einem Home« rischen Pflug bearbeitet, genau so scheinen die geistigen und die politischen Probleme, um die man ringt, noch einem romantischeren Zeitalter zu entstammen. Man darf nicht vergessen^ daß die oberste geistliche Spitze der Insel, der greife Erzbischof von Nikosia, K i t i o u, einer vollkommen selbständigen Kirche, wenn auch griechisch-orthodoxen Bekenntnisses, oorsteht. Er ist in der Tat der Patriarch der Insel und der anerkannte Führer der grie» chischen Bevölkerung, die, wie in den kirchlichsten Zeiten des Mittelalters, der Geistlichkeit aufs Wort folgt. Hier spielen sich unter der Decke immer noch religiöse Kämpfe ab. Und wenn man weiß, daß die Erinnerung an das von den Türken den kleinasiatischen Griechen bereitete Blutbad von Smyrna bei der griechischen Dreiviertelmehrheit Zyperns heute noch so lebendig ist wie am ersten Tage, dann wird man dem Argument der Engländer, daß ihre Aufgabe der Schutz der Mohammedaner sei, eine tiefe innere Berechtigung nicht absprechen können.
Aber gerade das bringt die Engländer in die überaus schwierige Lage, in der sie sich heute befinden. Sie erschienen als die Befreier vom Joch der Muselmanen, und sind nun doch gezwungen, den mohammedanischen Bevölkerungsteil besonders zu umsorgen und ihn, sogar manchmal auf Kosten der Griechen, besonders zu bevorrechtigen. Der hellenisch- nationalen Agitation, die seit Jahren hier offen und von den Engländern mit einer unvergleichlichen Langmut geduldet, betrieben wird, vermählt sich so die religiöse Predigtz die bis ins entlegenste Haus bringt unb überall Fanatiker züchtet. Nur so ist es zu verstehen, daß der Kampf innerhalb' des gesetz- gebenden Ausschusses in das Land und auf die Straße hinausgetragen wurde, daß gegenüber einer solchen Weltmacht wie England das kleine Zypern, dessen Bewohner trotz der Beteiligung am Weltkrieg im Verband der griechischen Armee sich heute noch kaum auf Schußwaffen verstehen, aufzubegehren wagte, und es in Nikosia und, wenn die hier vor»
die Beamten in bekannter und beliebter Weise mit vorgehaltenem Revolver zwingen, die Schlüssel zum Goldraum auszuliefern, so genügt ein Druck auf einen Knopf. Die beiden Statuen rollen zurück. Aus dem Innern der Sockel steigen Maschinengewehre empor und Bedienungsmannschaften dazu. Der Eingang ist flankiert. Die beiden wie Bastionen in die Straße vorspringenden Sockel beherrschen diese vollständig. — Aber selbst wenn es gelingen würde, dieses Hindernis zu überwinden, so würden die Einbred)er vor schweren eisernen Panzertüren stehen, deren eine ganze Anzahl bewältigt werden müßte, ehe sie in den Goldraum hineinkämen. Derartige Türen mit ihren dicken Schliehbolzen und ihren kunstvollen Schlössern sind an und für sich nichts neues. Hier hat man aber noch eine besondere Vorrichtung angebracht, die ein Oesfnen selbst dann unmöglich macht, wenn man mit den Schlössern fertig werden würde. Der Fußboden der an die Türen anschließenden Räume besteht gleichfalls aus Panzerplatten und stellt eine Plattform dar, die gehoben und gesenkt werden kann. Es bedarf nur der Betätigung einer einfachen Vorrichtung und der ganze Fußboden steigt um zwanzig Zentimeter empor. Er legt sich vor die Tür, verrammelt sie, macht es unmöglich, sie zu drehen. Wenn die Arbeit ruht, ist der Fußboden gehoben. Keine Tür kann sich bewegen. Durch zahlreiche gut verwahrte Türen muß man hindurch, bis man ins Innere des Goldraumes kommt. Eine ganze Anzahl von Gängen muß durchschritten werden. Das Ganze mutet wie eine Art von Labyrinth an. Aber schließlich, ehe man ins Innere gelangt, ist noch eine Tür von besonderer Art zu durchschreiten. Sie gleicht einem runden drehbaren Panzerturm. Ständig stehen hier vier Beamte. Die Tür aber öffnet sich nur zu ganz bestimmten Zeiten. Zu jeder andern Zeit ist sie selbsttätig verriegelt. Das Drehwerk ist ausgeschaltet. Wer ins Innere des Goldraumes will, wird durch eine kleine Tür in den Panzerturm eingelassen. Die Tür schließt sich hinter ihm. Er ist also zwischen dicken runden Mauern,
in einem Käfig gefangen. Die vier Beamten müssen an Zeit- und sonstigen Schaltern zusammenarbeiten, um die Drehung des schweren, dick gepanzerten Zylinders mit seinen allen Angriffen widerstehenden Füllungen zwischen den Panzerwänden herbeizuführen. Hat sich das Ganze um 180 Grad gedreht, so wird die nunmehr nach innen stehende Tür des runden Turmes geöffnet. Der darin befindliche Gefangene kann heraus- spazieren. Durch diese Tür müssen auf fahrbaren Karren auch alle Goldbarren hindurch, die in den Goldraum geschafft oder aus ihm hinaus
gebracht werden. — Die Verbrecher werden wohl kaum Lust haben, den Kampf mit derarttgen Sicherungen aufzunehmen.
Aber auch sonst ist die Technik nicht müßig gewesen, ihnen das Handwerk zu erschweren. Sie bemüht sich bereits, gewisse Sicherungen ganz unauffällig anzubringen und sie noch mit besonderen Geheimnissen zu umgeben. Eine derartige neue Sicherung besteht aus einem Knopf oder einem Stäbchen, das irgendwo angebracht ist, wo es weiter- auffällt. Wer die Tür eines Kassenschrankes oder einer Stahlkammer offnen will, dem wird dies nicht gelingen, wenn er nicht vorher mit dem Finger auf diesen Knopf oder auf dieses Stäbchen tippt. Er mutz dabei ein ganz bestimmtes Signal abgeben, das streng geheimgehalten wird. Gibt er das Signal nicht oder gibt er es falsch ab, so ist es unmöglich, die Tür zu offnen. Rur bei richtiger Abgabe lätzt sie sich aufschließen. Die Einrichtung kann auch so getroffen werden, datz sie dann von selbst aufschwingt. Diese Vorrichtung beruht auf der Verwendung besonders wirkungsvoller Verstärkerröhren, also jener Art von Röhren, die auch beim drahtlosen Verkehr Verwendung finden. Sie sind aber für den erwähnten Zweck besonders durchgebildet worden. Hinter öem Knopf oder Stäbchen liegt in der Wand oder sonstwie verborgen eine Metallplatte, die eine ganz genau bemessene elektrische Ladung trägt. Auch der menschliche Körper ist mehr oder minder elektrisch geladen. Solange die Ladung der elektrischen Platte nicht geändert wird, bleibt alles unverändert. Sobald man mit dem Finger auf den Knopf tipvt, strömt eine Spur elektrischer Ladung aus dem Kör- per auf die Platte über. Das bisherige Gleichgewicht ist gestört. Dadurch werden die Derstärker- röhren in Tätigkeit gesetzt, die einen Motor und den hydraulischen Türöffner einschalten. Besondere Einrichtungen sorgen dafür, datz bloßes Berühren des Knopfes nicht genügt, sondern datz das Ganze nur nach Angabe eines ganz bestimmten Signals wirkt, auf das es eingestellt ist.
Der gewöhnliche Banküberfall vollzieht sich in der Weise, datz einige Verbrecher in die Bank stürmen, den Beamten Revolver vor die Rase halten, „Hände hoch!" schreien, die Kasse ausrauben und verschwinden. Dagegen hat man nunmehr eine eigenartige Vorrichtung erdacht. Wir kennen alle die Einrichtung des Periskops der Unterseeboote und des im Kriege benutzten Schützengrabenspiegels. In einem gebogenen Rohr sind Spiegel unter einem Winkel von 45 Grad derart gegeneinandergestellt, daß einer immer dem andern das Bild zuwirft. Man kann also unter dem Meere oder unten im Schützengraben die Umgebung überblicken. Bei der in neuartiger
Weise geschützten Dank sind in die Trennungswand zwischen dem Kassenraum und dem Raum für das Publikum Fenster eingelassen. Durch sie hindurch findet der Verkehr statt. Diese Fenster erhalten aber keine Glasscheiben. In sie sind vielmehr Panzerplatten eingesetzt, die in einem Winkel von 45 Grad zum Rahmen stehen. Die Platten sind auf Hochglanz poliert, wirken also als Spiegel. Die schmalen Streifen des Panzerstahls sitzen in ähnlicher Weise im Rahmen wie die kleinen Glasplatten eines Lüftungsfensters. Sie lassen also Zwischenräume zwischen sich frei, durch die hindurch man sprechen und Papiere hindurchreichen kann. Infolge der Spiegelung können die davor und dahinter Vefindlichen einander sehen
■L a&er„unn™gn$, hindurch zu schießen oder mit der Waffe die Beamten in Schach zu halten.
Das Gemälde in der Garage.
Die Pariser Zeitschrift „Comoedia" weiß von dem Austauchen eines verschollenen Gemälbes bet großen venezianischen Malers Tintoretto zu berichten, bas jahrelang in einer Garage in Lyon unbeachtet gestanden hat. Zu einem Lyoner Kunsthändler kam vor einigen Monaten ein Mann, der 'hm eine sehr umfangreiche Leinwand verkaufen wollte, auf der die Grablegung Christi dargestellt war. Nach der ganzen Malart und dem Stil handelte es sich offenbar um ein italienisches Werk des 16. Jahrhunderts. Der Händler zögerte wegen des gewalligen Umfanges des Bildes und sagte: „Ein so großes Gemälde ist schwer zu verkaufen. Ich kann Ihnen nicht viel dafür geben." „Macht nichts'", fagle per andere. „Ich will den Schinken unter allen Um- tanben loswerden. Zu Hause habe ich dafür keinen Platz, und meine Garage, in der er nur hinderlich i(t, will ich vermieten. Geben Sie mir, was Sie wollen." Unter diesen Bedingungen wurde der Handel rasch abgeschlossen unb eine lächerlich kleine Summe bezahlt. Vor einigen Tagen sand nun der Händler in einem Werk über Tintoretto eine Abbildung, auf der feine Grablegung ganz genau roiebergegeben war, und in dem Text wurde aus- geführt, daß Tintoretto für die venezianische Kirche ?an rt?n^e5C0 della Vigna unb zwar für die dor« tige Bassi-KapeUe eine Grablegung geschaffen habe, die verschollen ist. Man kennt das Werk nur au* einem Kupferstich, den der Deutsche Lukas Kilian im 17. Jahrhundert von dem Bilde anfertigte. Daraufhin brachte der Händler das Bild nach Paris wo es von Sachverständigen geprüft wird. Der ursprüngliche Besitzer, der den Schatz so billig fortgab erklärt, daß er das Bild durch Erbschaft von einem Urgroßonkel bekam, der ein italienischer Geistlicher


