Ausgabe 
30.9.1931
 
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Nr. 228 Zweites Blatt

Tießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 50. September (931

Sie deutsche Landwirtschaft in der Krisis. Ersah ausländischer Nahrungsmittel durch Produktionssteigerung in der Landwirtschaft.

Don Dr. h. c. Martin Schiele, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft.

Da« Ziel deutscher Agrarpolitik muh eS fein, die Dolksernährung aus die nationalwirt­schaftlichen Grundlagen der heimat­lichen Ackererde zu stellen und die Land- wirtfchaft als den Hauptträger deS Binnenmarktes zum Motor für den organischen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaftskraft zu machen. Die Sreig- niffc seit dem 13. Juli hoben die unerbittliche wirt­schaftliche Zwangsläufigkeit einer sürforglichen Ernährungspolitik erneut mit aller Klarheit bar­getan. Ich selbst habe seit Iahren daraus hinge- wicsen, daß beim Versiegen des ausländischen KredilstromeS daS deutsche Volk aus die Kraft feiner eigenen Srnährungs- bafiS zurückgeworsen und das Wohl und Wehe der gesamten Nation gerade auch im Hin­blick aus unsere außenpolitische Handlungsfreiheit von der Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirt­schaft abhängen würde. Jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen. _

Die Beziehungen Deutschlands zur Weltwirt- schast sind charakterisiert durch die Abhän­gigkeit unserer Industrie von der Rohstosszusuhr in Höhe von etwa fünf bis sechs Milliarden Mark, die eine ruhige Wirt- schaftsentwicklung gesährdende kurzfristige Aus­landverschuldung von etwa acht Milliarden, die kommerzielle Zinsenlast von mindestens 1,5 Mil­liarden Mark und die politisch« Tributlast, von der wir heute noch nicht wissen, wie weit es gelingen wird, uns von ihr zu befreien.

Wollen wir unsere Zahlungsbilanz zum Aus­gleich bringen, so bleibt unS nur der Weg der Export st eigerung und der Einfuhr- e r s p a r n i f s e. Aber auch hier stoßen sich die Dinge hart im Raume. Der Export unserer In­dustrie ist bei der Ungleichheit der politischen Machtverhältnisse mehr als vor dem Kriege ab­hängig von der Ausnahmewilligkeit des Aus­landes. Unter dem Zwange der stagnierenden Ar­beitslosigkeit von etwa 22 Millionen Menschen in der ganzen Welt wird daS Ausland sich aus Selbsterhaltungsgründen gegen die deutsche Einfuhr Aur Wehr fetzen. Deutliche An­zeichen hierfür find fchon wahrnehmbar. F r a n l - reich hat vor mehreren Tagen ohne Rücksicht aus den deutschen Handelsvertrag die Holz- und Weineinsuhr verboten. Die Schweiz hat aus der letzten Genfer Tagung einen Vorstoß gegen den deutschen Export und damit gegen die deutsche Handelspolitik unternommen, dem grundsätzliche, für die gesamte europäische Handelsvertrags­politik symptomatische Bedeutung zukommt. Wei­teste Teile der Welt, die gesamten kolonialen und halbentwictelten Erdteile mit Einschluß des öst­lichen und südöstlichen Europas sind infolge der Krise auf den Agrar- und Rohstofsmärkten und infolge innerpolitischer Erschütterungen im steigen­den Maße kausunsähig sür den deutschen Industrie­export geworden. In diesem Iahre wird das Weltbandeisvolumen, wenn die bisherige Entwick­lung andauert, um etwa 100 Milliarden hinter den Ergebnissen von 1929 zurückstehen. Der deutsche Industrieexport ist gegenüber 1929 um etwa vier Milliarden zurückgeworsen worden. Wir werden daher notwendigerweise noch stärker als bisher zu dem Rotbehcls weitergehender Einsuhrerspar­nisse greifen müssen.

Die innere Wirtschaftslage Deutschlands steht unter dem Zeichen einer scheinbar unaufhalt­samen Wirtschaftsschrumpfung. Die innere und äußere Schuldenlast Deutschlands, der bet rückgängiger Wirtschaft immer untragbarer werdende Steuerdruck, die soziale Last der Mil- lionenarbeitSlosigkeit sie drohen, die noch lebensfähigen Kräfte der deutschen Wirtschaft zu erdrosseln. Gegenüber einer solchen Lage können wir nur zur Wiedergesundung gelangen durch

Kirchweih am Tegernsee.

Don Anny Schaefer.

Der Wind pfeift über die noch lebenswarmen Felder, er rüttelt an den Aesten der Buchen, bas herbstlich gelbe Laub raschelt zur Erde, wirbelt über spätgrünen Wiesen. Die Erntearbeit ist ge- lan, nun wartet noch das Laubrechen und Mist­breiten. ehe der erste Schnee die Fluren deckt, und die Sommer- und Herbstarbeit ist beendet.

Lind so ist der Kirta die Kirchweih für den Bauern zugleich ein Erntefest, auf das sich alt und jung das Iahr über freut. Es beginnt der große Hausputz, jeder Winkel wird gefegt, es wird geräumt, die Betten in der .guten Kammer" werden gelüftet, die Wände in Küche und Stall frisch geweiht, die Stubenböden ge­scheuert, die Vorhänge an den blanken Fenstern leuchten einem blühweih entgegen. Um das Haus herum wird Ordnung geschafft, es gilt dem .Kirta", dem Tag der Freude. Am Rachmittag vom Kirta-Samstag ist die Hauptarbeit beendet, die Bäuerin walkt mit frohen Augen dieKirta- nudeln" aus weißem Mehl mit Wcinberln und läßt sie im siedenden Schmalz hoch steigen, wäh­rend die Kirchenglocken feierlich das Fest ein­läuten, die weih-gelbe Fahne aus dem Turme flattert. Die Gräber um die Kirche herum werden mit den letzten Herbstblumen geschmückt, der Bauer holt mit feinem .Bräuneri" Bier im Faß aus dem Dors, er kaust den .Kirta-Draten". Was sonst noch im Hause fehlt, das besorgen dieWeiber- leut", die auch frisches Weihwasser aus der Kirche nach Hause tragen. Zur Vorfeier gibt es am Abend Brotsuppe mit Blut- und Leberwürsten.

Festlich angetan kommt am Kirtasonntag die Gemeinde über Feld und Hügel. Zum Hochamt läßt das Alter der Iugend den Vorrang, besucht bescheiden die Frühmesse. Den langen, weiten Rock über den Arm geschlagen, gehen die Frauenleut, einzeln ober gepaart auch mit .Männerleut", zur Kirche. Aus dem seidenen Schalk mit Eilber- I geschnür steigt schmuck ein Sträußchen von frischen Geranienblüten und Myrthen, das gleiche schmückt den kleinen feschen Filzhut mit goldenen Schnüren und Quasten. Ost ist eS kein Zufall, daß die Blü­ten mit denen auf dem Hut eines Burschen über­einstimmen, denn auch der Bauer hat seine Poesie, sein Zeichen der Liebe.

Die Bäuerin auf dem Hof richtet indeh in der Stube vor dem Herrgottswinkel denKirtatisch":

drakonische Sparsamkeit und eine inner- 1 ich aufbauende Wirtschaftspolitik. Die Hoffnung auf eine schnelle Wirkung von Sparmaßnahmen dürfen wir nicht zu hoch span­nen. Lins sind namentlich durch die alles um­spannende soziale Rot die Grenzen eng ge­zogen. wenngleich auch grundlegende Resormen deshalb nicht aufgeschoben werden sollten. Ent­scheidend bleibt letzten Endes doch immer der Kurs der Wirtschaftspolitik. DaS erste Ziel muß fein, der Wirtschaftsschrumpfung Einhalt zu gebieten. DaS ist auf die Dauer nur möglich durch echte, organische Arbeitsschaf­fung. Llnterstüht durch eine entsprechende Steuerpolitik kann dann auch wieder Ka­pitalbildung aus eigener Krast er­folgen. Damit ist zugleich der Anfang für Schul­dentilgung und in Verbindung mit einer scho­nenden Behandlung auch der Anfang zu einer vernünftigen ZinSgestaltung geschaffen.

Wie läßt sich die organische, echte Arbeits- schassung erreichen? Rur dadurch, daß wir die­jenigen Produktionsmöglichteiten im eigenen Lande restlos ausschöpfen, für die der Absatz innerhalb unserer Volkswirtschaft gesichert werden kann. In erster Linie denke ich dabei an den Ersatz aus­ländischer RahrungS- und Genuß- mittel durch volle Ausnutzung der noch brach­liegenden landwirtschaftlichen Produktionsreser­ven. Eine landwirtschaftliche Produktionssteige­rung um 2 bis 2.5 Milliarden Reichsmark bedeu­tet Mehrarbeit in der Landwirtschaft für 500 000 Menschen, deren Bedarf an Produktionsmitteln, Verbrauchsgütern und Ver­kehrsleistungen weiteren 750 000 Menschen Arbeit geben und als Motor für das Wiedererwachen der deutschen Wirtschaft aus dem gegenwärtigen Zustande der Lethargie wirken wird. Hierin liegt die staatspolitische ratio der Agrarpolitik, weil die Agrarpolitik für Rettung des gesamten Vol­kes und zum Wiederaufbau unserer Wirtschaft unerläßlich ist.

Woraus es jetzt für die Landwirtschaft an­kommt, ist die Schließung der Preis­schere durch Senken der Produktions­mittelpreise. Dieses Ziel wird ohne Locke- rung der Kartell- und Lohnbindun­gen nicht zu erreichen sein. Bevorstehende Ent­wicklungen und Entscheidungen im Ruhrgebiet werden nur Dorseldkämpse sein. Ihnen werden bald grundlegende gesetzliche Regelungen folgen müssen. Der Weg zur Rettung in Deutschland liegt auf dem Wege einer wirklichen, in Ruhe und Zielsicherheit durchgeführten Deflation. Es scheint mir unbedingt notwendig, die gesamten Produktionskosten in Deutschland so weit zu sen­ken, daß eine Rentabilität der Betriebe aller Art wieder möglich wird. Es wird darauf an­kommen, mit den geringen uns zur Verfügung stehenden Kapitalmengen größte Effekte zu er­zielen.

Die Landwirtschaft hat die deflationistische Ent­wicklung mit ihrem Agrarindex 101 bereits vor­weggenommen und wartet nunmehr gegenüber den Entwicklungen aus dem Gebiete des gesamten Le­benshaushaltes, der Industriefertigsabrikate (Kar­telle). dem Gebiete des Verkehrs, der Lohnpoli­tik. der Realsteuern und der Schul» und Wege­lasten auf gerechten Ausgleich. Insbesondere darf man naturgemäß auch nicht vor dem Zins- Problem halt machen. Hier gibt es nur ein Entweder-Oder, sonst würde die Schuldenlast der Wirtschaft mit fortschreitendem Preisabbau immer schwerer und könnte schließlich sogar zur Erdrosselung der Wirtschaft führen. Hand in Hand damit muß die saure Kleinarbeit, die Or­ganisation und Finanzierung des Absatzes, die Verminderung der Preisspannung, die weitere

sie zieht stolz über die blank gescheuerte Platte das schneeige Tischtuch aus hausgesponnenem, oft mit bunten Dortchen durchzogenem Leinen. Den schönsten Maßkrug holt sie aus dem Kasten in derguten Kammer". Schaumiges Bier gießt sie hinein, stellt daneben die Schüssel mit goldgelben Kirta-Rudeln. Wer auch immer an diesen Tagen die Stube betritt, unterschiedslos wird ihm ein Trunk, eine Gabe aus der Schüssel angeboten', es wäre eine große Verachtung, keinen Gebrauch davon zu machen. Rach dem Festgottesdienst gibt es beim Wirt Weißwürste zum Bier. Burschen und Mädchen gehen bis zur Mittagszeit zum Tanz. Die Bäuerin schaut, daß die Knödl in der Fleisch­suppe nicht versieben, zu denen es heute Salat mit Ranen (rote Rüben) gibt. Der Dierkrug macht ha­bet die Runde, man greift tapfer zu und freut sich auf den Abend, den eigent.ichen 'Festschmaus. Der jungeH aterbua schleicht sich nach der Stall- zeit um den Herd herum und labt sich einstweilen an dem köstlichen Geruch von Schweins- und Kalbsbraten, der in der Pfanne schmort. Heute hätte er Llrlaubstag fürs Elternhaus, aberdös (an arme Leut", erzählt er,da gibts koan Brat n und koa Bier da is nct lufchti", meint er. Der erste Kirtatag gehört der Familie. Rach dem Rachmittagskaf ec mit K.rtanudeln ergötzt sich die Iugend mit der Ziehha.monika ober bemPsotzen- fcobel (Munbharmonika) unb tonzl bazu. Am Abenb versammelt man sich um ben Tisch. Ha. ist bas eine Lust! Der knusprige Dtaten bampst unb finbet begehrliche Abnehmer.

Der Kirta-Montag gehört dem Wirt, es wird getanzt bis in die Rächt hinein. Am Abend geben die Dorf-Honoratioren dem Kirta für einige Stun­den die Ehre. Auf den Hosen aber besuchen sich gegenseitig Freunde und Bekannte. Bei Licht kommt die Rachbarschaft. Die Männer rufen vor­erst:Habtsnen Schnaps?" und legen habet hie Hände auf den armen, malträtierten Kirta-Magen. Gegessen wird wenig, dagegen mehr dem Kaffee zugesprochen. Man frotzelt (neckt) sich gegenseitig, erzählt sich luftige Erlebnisse, bringt in herKirta- ftimmung kleine Bosheiten an, hie man sich sonst nicht zu sagen traut Alles geht unter in einem fröhlichen Lachem

Die Lichter finb erloschen. Im nächtlichen Dunkel ziehen fingenb unb musizieren!) Heimkchrende vor­bei. Buam unb Dtambln lachen luftig in bie Welt: Iuchu, Kirta ts! Sanma jung sSterb n fimmt zieht! Iuchu!"

Anpassung der Erzeugung an den Verbrauch usw. gehen.

Zwischen der Grünen Front und mir be­steht über da-, waS sachlich erforderlich ist, völ­lige Einigkeit. Diese Einigkeit ist auch notwen­diger denn je. Die Landwirtschaft darf nicht in unfruchtbarer Kritik dem eigentlichen Kampfplatz fernbleiben, sondern sie muß durch begön­ne n e Mitarbeit an der Politik, die sich um bie ilcberttunbung der allgemeinen Krise bemüht. Dcrbinhern, baß in Ötunben höchster Gefahren unb wichtigster Entscheidungen ihre Stimme überhört wird.

Hessens erste Segelflugpilotin.

WSR. WormS. 29 Sept Am Sonntag legte die Sportlehrerin Fräulein Kraft aus WormS in Grünstadt (Pfalz) ihre ä-Prüfung im 6 e g c l f I u g ab. Sri. Kraft ist bie erste Segelflugpilotin Hessens Sie errang den Flugschein mit 31 Sekunhen (vorgeschrieben sind für hie Prüfung 30 Sekunhen).

Vertagung des Favag-prozesseS.

WSR. Frankfurt a. M., 29. Sept Der für ben 2 Oktober vorgesehene Termin für ben Be­ginn her Hauptverhanblung im Favag-Pro- zeh ist auf Antrag her Staatsanwaltschaft we­gen Erkrankung bes Angeklagten Aholf M ä d j c auf ben 15. Oktober verlegt worben. Mähje ist seit Witte September an einem Rieren- unb. Herzleihen erkrankt.

OdcrHeffen.

Landkreis Gießen.

ch Cid), 29 Sept. Der Jahrgang 1881 be­ging am Samstagabend im Parkyotel eine Wie - oersehenSfeier, zu der sich etwa 80 Kame­raden eingesunden batten Kamerad Robert Iensch hieß bie Fünfziger willkommen, wäh- renb für bie im Iahre 1895 in Lich konfirmier­ten ehemaligen Frankfurter Waisenkinder Ka­merad Leonhard Richter sprach. In einer längeren Anlprache verglich Oberzolllvmmiftar Georg K o ck die Sorgenfreien Iugendjahre mit der ernsten Gegenwart Der Abend wurde ver­schönt durch die Dorträge eines GesangguartettS. Die Kapelle Schmidt halte ben musikalischen und humoristischen Teil übernommen. Die Vor­führungen fanden ungeteilten Beifall. Am Sonn­tagvormittag fand gemeinsamer Kirchgang statt. Anschließend begaben sich bie Teilnehmer auf ben Friebhof zu einer Feier mit Kranznieder­legung für die Gefallenen und Verstorbenen deS IahrgangeS. StiftSdechant Kahn hielt bie An­sprache. Am Sonntagnachmittag traf man sich noch einmal bei Kamerab Heinrich Schmidt X.

U Rodheim a. d. H.. 29. Sept. Unter ben Kindern unsere- Orte- herrscht schon seit Wochen der Keuchhusten. Besonder- hart wurden die kleineren Kinder befallen, aber auch größere Kin­der und erwachsene Personen blieben nicht ixr- schont. Durch bie Herbstferien konnte von einem außerplanmäßigen Schluß be- Llnterricht- Ab- ftanb genommen werben.

Wustrie- und Handelslammer Gießen.

Lieber die Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, AlSfeld und Lauterbach, die am 24. Sep­tember in Gießen stattfand, wird uns berichtet:

Der Herr Vorsitzende gedenkt vor Eintritt in die Tagesordnung in einer herzlichen Ansprache des 25jährigen Dienstjubiläums deS Syndikus und überreicht ihm eine Ehrengabe ben Kammer. Herr Dr. Zeidler dankt in be­wegten Worten für die ihm gewordene Ehrung.

Der Herr Vorsitzende widmet sodann dem Heim­gegangenen Mitgliede, Dergwerksdirek.or Robert Liste, einen warm empfundenen Rachruf; zu seinem Gedächtnis erheben sich bie Anwesenben von ihren Plätzen.

Ferner gibt her Herr Vorsitzende ein Schreiben des Herrn Kommerzienrats Adolf K l i n g s p o r bekannt, in welchem er mitteilt, daß er sich wegen seines Gehörleibens genötigt sehe, aus her Kammer auszuscheiden. Die Dersamm ung ermäch­tigt ben Herrn Vorsihenben. Herrn Kommerzien­rat K l i n g s p o r ben Dank der Kammer für bie währenb einer 26jährigen Mitgliebs- unb Vize- präsibentschaft ge eistete Mitarbeit auszusprechen.

Für bie ausgeschiebenen Herren Kommerzienrat Adolf K l i n g s p o r unb Brauereibesiher H inrich Ihring, sowie für ben verstorbenen Dergwe.ks- bircltor Robert Liste haben Ersatzwahlen stattzusinben. In Vorbereitung bieser Wahlen wirb Termin auf ben 26. Rovember b. I. bestimmt.

Zur Frage ber Hauszins st euer beschließt bie Kammer bie folgenbc Erklärung:Die Rot- wenbigkeit ber Erhaltung bes Hausbesitzes unb bes gewerblichen Grundbesitzes durch bie als­baldige gänzliche Aushebung ber Hauszins steuer wirb als bringlich aner­kannt, weil bavon bie Wieherbelebung her Volks­wirtschaft, in Sonderheit aber eine Erstarkung bei Daumarktes unb eine Wiebereinschaltung von Ar­beitslosen in ben Probuktionsprozeh erwartet werben bars. Dieses mit ber Aushebung der Haus­zinssteuer angestrebte Ziel bars aber niemals burch eine Verschiebung ber Steuerlast von ber einen auf bie anbere Schulter erreicht werben, weshalb auch der Gebanle einer Wohnraumsteuer, wie überhaupt jebe anbere steuerliche ober hypo­

thekarische Belastung bes HauSbesiheS mit aller Entschiebenheit abgelehnt werden muß."

In Mcbereinftimmung mit ben übrigen hessi­schen Kammern wirb bie grundsätzliche Zu­stimmung zu dem Entwurse einer Verordnung über Öen Lleberlandverkehr mit Kraft­fahrzeugen erklärt, obwohl Bedenken darüber nicht verhehlt werden können, daß im Güter­verkehr das freie Spiel der Kräfte durch wesent­liche Einschränkungen des freien Kraftverkehr- ausgeschaltet werden soll.

Die hessischen Kammern sind erneut bei dem Minister des Innern dahin vorstellig geworden, daß durch eine Abänderung der Mustersahungen den Gemeinden die Erhebung ber Bier st euer unmittelbar bei ben Gastwirten zur Pflicht gemacht wirb-

Die hessischen Kammern hoben den Minister des Innern um eine Unterredung gebeten, in welcher ihm bie Wünsche zur Gemeinbe- OeiDcrbefteuer für bas Rechnungsjahr 1931, sowie zum Reichsrahinengesey für die Gewerbesteuer vorgetragen werden sollen.

Gemeinsam haben sich die hessischen Kammern für die Aufhebung der Verordnung über Verzugszuschläge bei Steuerzahlun­gen eingesetzt.

Die Kammer erklärte ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit bei der geplanten Winternothilfe 1 93 1/32.

Die von der Kammer mit dem Hauptzollamt gepflogenen Verhandlungen wegen Schaffung von Erleichterungen bei der Entrichtung von 3ollgefällcn für bei bet damaligen Zollabfertigungsstelle am Güterbahnhof Gießen zur Abfertigung gelangten Zollgüter haben zur Einrichtung einer Zahlstelle bei bem Zollamt Bahnhof Gießen geführt. Den Zahlungspflichti­gen ist hierburch nunmehr bie Gelegenheit ge­geben, bie Zölle für bie bei bem Zollamt Bahn­hof Gießen abgefertigten Zollgüter sofort an Ort unb Stelle sowohl in bar als auch bargelb* los burch Scheck- zu entrichten. Auch würbe bet Zahlstelle bie Ermächtigung erteilt, von Firmen, bie bei dem Hauptzollamt Gießen Zahlungsauf­schub genießen, an Zahlungsstatt vorschriftsmäßig aubgefertigte Aufschubanerkenntnisse anzunehmen.

(Sin Brief Wedekinds an einen unbekannten Empfänger.

Der folgende, aus Kutschers Wedekind-Bio- graphie (Georg Müller, München) abgedruckte Brief mag zeigen, wie schwer der Dichter Frank Wedekind noch mit dem Leben zu kämpfen hatte, als fein Name durch feine Stücke schon weithin bekannt geworden war: an wen dieser verzweifelte Hilfeschrei gerichtet war, weiß man nicht.

Geehrter Herr!

Ich habe, nachdem ich die Schule verlassen, Ar­tikel in Zeitungen geschrieben. Eine kleine Erbschaft erlaubte es mir dann, mich ganz der freien literarischen Arbeit hinzugeben. Damit habe ich mir einen in den literarischen Kreisen Deutschlands ge­schätzten Namen gemacht. Meine Mittel sind zu Ende, ohne daß ich noch von ihrem Ertrag leben kann. Ich habe seit drei Monaten wieder ange­fangen, für Zeitungen zu schreiben (Frankfurter Zeitung, Berliner Tageblatt, Tägliche Rundschau), aber die Redaktionen haben meine Artikel als un­verwendbar, zu subjektiv, zurückgewiesen. Was ich seinerzeit ohne Mühe tat, muß ich erst wieder lernen. Und es wird mir gelingen, wenn ich noch einen Monat Zeit habe, meine Anstrengungen fort­zusetzen. Ich habe versucht, was in meiner Lage möglich war. Ich bewarb m ch um eine Stelle als Korrespondent, aber die Stellen sind besetzt. Ich bot mich den großen Blättern Berlins als Korrefpon- bent für Korea an. Man hält die Situation für die Ausgabe nicht für wichtig genug. Ich war in sämt­lichen Uebersktzungsbureaus von Paris. Infolge der Ferien hat man keine Arbeit zu vergeben. Ich sehe vor mir die Unmöglichkeit zu arbeiten, bie Kri­sis. die sich in meinem Leben eingestellt, zu über­leben. Ich fürchte in einen Abgrund zu fallen, aus dem es mir nicht mehr möglich fein wird, mich em- porzuarbeiten. Eine Summe von 200 Francs würde mir erlauben, meine Schulden, die mich hin­dern, zuhause zu fein, zu bezahlen, und meinen Weg als anständiger Mensch fortzufetzen. Ich huldige keinen Utopien. Ich habe kein anderes Ziel, als mir eine geachtete Position in der Gesellschaft zu errin­gen. Es wird mir nicht leicht. Sie um diese Hilfe zu bitten, indem ich mir sage, daß ich Unglückliche- ren, Aermeren, als ich bin, die Früchte Ihrer Groh- mut raube. Aber ich besitze schließlich auch nichts auf dieser Welt als mein Leben, meine Begabung und meinen besten Willen. Erlauben Sie mir eine

Bitte beizufügen. Ich. wäre glücklich, irgendeine Ar­beit zu finden, die mir zweihundert Francs per Monat einbrächte. Was man mehr braucht, würde ich mir nebenbei verdienen können. Id) würde mit jeder Arbeit vorlieb nehmen. Ich spreche drei Sora- chen und es wäre nicht das erste Mal, daß ich in einem Büro arbeite. Es geschieht nur, um meine Idealität zu beweisen, wenn ich mir erlaube, meiner Bitte eines meiner Bücher beizufügen, ... Ich bitte Sie nur um das eine, mich nicht warten zu lassen, denn Ihre Entscheidung ist entscheidend."

Zeitschriften.

Im Septemberhesk desKunstworts" (Herausgeber: Hermann Rinn. Verlag G. D. W. Eallwey, München) findet man u. a. eine ein­gehende Würdigung zum 100. Geburtstage Raa­bes von Hans Böhm, der vor allem gewissen Form- und Stilproblemen nachgeht unb den Dichter als Präzeptor und Kritiker der Deut­schen schildert: sehr lesenswert ist ferner bie im vorliegenden Heft erscheinende Fortsetzung von Böhms kritischer Analyse der neuen Lyrik, wo­bei eine Reihe interessanter Ergebnisse formuliert wird. Den Aussatz über Schinkel von Walther Linus begleiten Bilder von Bauwerken und Land- schastsmalereien des berühmten Architekten. Fer­ner: eine ErzählungMenschenäugen", von I. Anker Larsen: ein AuNatz überEntproletari- fierung von Paul Iosto k: Worte ber Trauer um Friedrich Gunbol' von Oscar Iancke: Krimi­nalfilm-Bericht: Zeitglossen: zwei Reprobuktio- nen nach ©emälben von Ioses Achmann.

Paneuropa, bie Ibee, bie alle Völker Eu­ropas vereinigen will, ist nicht bie einzige, bie umwälzenb in bie Weltgeschichte eingreift. Es ent­stauben, wie Prof. K. Haushofer in einem in­teressanten ArtikelGeopolitik ber Pan-Ibeen" in ber Hummer 4515 der Illustrierten Zeitung (Verlag I. 3. Weber, Leipzig) bar* legt, bie verschiebensteu raumgcftaltenben An* triebe: bie panasiatische, panamerikanische, pan* pazifische Bewegung usw.: eine beigegebene Welt­karte zeigt bie verschiedenen Pan-Strömungen mit ihren Schneidungs- unb Reibungszonen. Der Kraftomnibus als neues Fernverkehrsmittel tritt uns in einem bebilderten Artikel von Dr. G. F. Dierfeld entgegen. In fremde Erdteile führen der AufsatzIm Kampf gegen die Heuschrecken in Ostafrika" von Missionar Wilhelm Guth sowie das farbig reproduzierte Gemälde,Das tanzfreu­dige Dali", von Prof. Franz Kienmayer.