Ausgabe 
30.5.1931
 
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80 Lahre Gießener Germania.

Das neugestaltete Haus.

Das achtzigste Stiftungsfest der Gie­ßener BurschenschaftGermania" wurde gestern nachmittag in Gegenwart vieler Bundesmitglieder mit ihren Damen eingeleitet mit der

Llebernahme des umgebautes Hauses. Architekt Ernst Schmidt- Gießen als Bauleiter gab zunächst einen kurzen lieberblick über die Ab­wickelung des Baues und dankte allen Mitarbeitern, besonders aber den Herren des Bauausschusses und hier namentlich Herrn Dr. Löhr als ortsansässiges Mitglied der Baukommission für die unermüdliche Unterstützung bei der Durchführung des Um- und Erweiterungsbaues. Er wünschte der Burschenschaft Germania", daß sie sich in den neugestalteten Räu­men stets wohlfühlen möge. Der Vorsitzende der Alte-Herren-Vereinigung, Oberlandesgerichtsrat Dr. Schneider- Darmstadt, sprach zunächst herzliche Dankesworte an Architekt Schmidt für die schöne und verständnisvolle Neugestaltung des Hauses, weiter dankte er allen Mitgliedern des Bundes für ihre Opferbereitschaft für dieses Werk; insbesondere sagte er Dank den Herren Geheimrat Haupt für die Herausgabe der Festschrift, Ober-Regierungsrat Bühner (Darmstadt), der als Schatzmeister in vortrefflicher Weise die Finanzierung des Baues durchführte, und dem Chemiker Dr. Löhr, der als ortsansässiges Mitglied der Baukommission sich in aufopferungsvoller Weise um die gute Erlediaung der Bauaufgabe bemühte. Der Redner wünschte, daß auch das neugestaltete Haus nicht nur ein Hort des. echt burschenschaftlichen alten Germanengeistes sein möchte, sondern auch eine Stätte des Frohsinns für die Jugend des Bundes. Mit dem Wunsche, daß in dem Hause die alte Germanentradition weiter gepflegt werde, übergab er es der Aktivitas. Der Erste Chargierte sagte den Alten Herren herzlichen Dank der Aktivitas für das schöne Heim, dessen sich die Aktivitas stets würdig erweisen würden.

Im Anschluß an die Hausübernahme versammelte sich die große Festgemeinde in der Diele und in dem daneben liegenden Saale zu einer

Gefallenen-Gedenkfeier.

Nach musikalischer Einleitung hielt Alter Herr Pfarrer Linden st ruth, Butzbach, die Ge­denkrede, in der er zunächst betonte, daß auch in den frohen Stunden des Wiedersehens die Toten des Bundes nicht vergessen würden, mit denen die Germanen allezeit verbunden seien. In dieser feierlichen Stunde gedenken wir mit unauslöschlicher Dankbarkeit der teuren Brüder, die einst ihr Leben Hingaben für Volk und Hei­mat. für des Vaterlandes Freiheit und Ehre. Wir haben ihre Namen vor zehn Jahren auf unsere Ehrentafel geschrieben, zugleich,aber ihnen ein Denkmal gesetzt, das dauernder ist als Erz und Stein,, ein Denkmal in Germanenherzen. Linser ehrfürchtiger Dank gilt auch den Angehörigen unserer gefallenen Dundesbrüder; wir sind mit ihnen verbunden durch die Erinnerung an unsere teuren Toten. Im Gedenken an die lieben Ge­fährten froher Jugendtage voll Durschenlust und Durschenhcrrlichkeit, in der Erinnerung an die guten, trauen Kameraden auf blutiger Wahlstatt, die treu waren bis in den Tod, werden wir stille, und in die feierliche Stille, die wir ihnen weihen, lassen wir die Empfindungen hinein­strömen, die ihr Andenken in uns weckt ... Aus heiliger (Stille steigt empor starke Kraft. Ihr Opfer lehrte uns, den tiefen Sinn des Burschen­schafterlebens, des Germanenlebens ernennen. Auch wir müssen bereit sein zum Opfer, wenn

es des Baterlandes Glück und Wohlfahrt, Frei­heit und Ehre es gebeut. Der Glaube, daß das Opfer unserer Brüder nicht vergebens war, son­dern im Walten einer göttlichen Vorsehung Sinn und Zweck hat, Saat bedeutet für eine lichtere, höhere Zukunft unseres Volkes, und der uner­schütterliche Wille, in Einigkeit und Treue Leben und Streben dem Vaterland zu weihen, mache uns unserer unvergeßlichen Toten würdig." Mit einer musikalischen Darbietung fand die Feier­stunde ihren Abschluß.

Das Haus

ist durch den Um - und Erweiterungsbau nicht nur zu einer Zierde des Wetzlarer Wegs, son­dern auch zu einem besonderen Stück in der Reihe unserer Studentenhäuser geworden. Nach den Ent­würfen und unter der Bauleitung des Architekten Ernst Schmidt von Gießen hat das Haus in allen Teilen eine glückliche Gestaltung erfahren.

Bon der Straße her führt eine bequeme Treppe nach dem Portal des Hauses hinauf, durch das man in einem Vorraum mit Windschutz und von da aus in die geräumige Garderobe gelangt. Der Vorraum sowohl, wie die Garderobe sind durch lichte Farben­gebung hell und freundlich gestaltet worden. Von der Garderobe im Parterregeschoß betritt man nach Westen zu die geschmackvoll eingerichtete Diele, die, erst durch den Umbau geschaffen, zu einem prächtigen Schmuckkästchen des Hauses ge­worden ist. In diesem Raume hat auch die Ehren­tafel mit den Namen der Gefallenen des Bundes ihre würdige Stätte gefunden. Der südliche Teil des Parterregeschosses enthält den charakteristisch gestalte­

ten Kneipraum, der durch Hinzunahme der früheren Veranda an der Straßenfront und durch Anbau an der Rückfront zu einem Saale umgewandelt wurde, in dem sich auch größere gesellschaftliche Veransta.l- tungen des Bundes ermöglichen lassen; eine Schiebe­tür zwischen dem Hauptsaale und dem kleineren, nach der Straße zu liegenden Saalteile gestattet die Trennung beider Raume. Durch zweckmäßige Ausnutzung von Nischen an der inneren Längsseite des Saales fanden die Büfetträume einen raum- technisch günstigen Platz.

Im ersten Obergeschoß befindet sich an der nördlichen Seite ein neuzeitlich eingerichtetes Damen- zimmer mit Nebenräumen. Weiter ist hier ein be-

haglich ausgestattetes Zimmer für die Alten Herren, davor gelagert ein breiter Balkon. Den Hauptteil an der Straße nimmt ein großes Zimmer ein, das zum geselligen Aufenthalt der Aktivitas bestimmt ist und mit seiner gediegenen Ausstattung einen sehr vorteil­haften Eindruck macht. Anschließend nach rückwärts folgt der Speisesaal für die Aktivitas, der hübsche geschnitzte Möbel aufweist und ein Durchreichefenster von der Küche her hat. An der Rückfront des Hau­ses ist die Bibliothek mit dem Lese- und Schreib­zimmer in zweckentsprechender Ausstattung angefügt. Daneben befindet sich die modern ausgestattete Küche, deren Kochbetrieb auf Gasheizung eingestellt ist, mit blitzsauberen Geschirrschränken, Warmeoorrichtungen, Kühlschränken, Geschirr-Reinigungsanlagen usw.

Das zweite Obergeschoß enthält die Woh­nung für die Familie des Dieners und Hauswarts der Burschenschaft, ferner Schriftwartzimmer und Nebenräumen. Darüber im Turm befindet sich ein Gastraum.

Im Kellergeschoß ist durch den Erweite­rungsbau an der rückwärtigen Hausseite die Fecht- schcuer sehr wesentlich vergrößert worden, ferner ist der Gesichtspunkt maßgebend gewesen, viel Licht und Luft dem Raume zuzuführen. Neben der Fecht­scheuer wesentlich vergrößert worden. Daneben hat man, um den Forderungen der Hygiene in vollem Maße gerecht zu werden, einen Raum mit Duschen und Waschbecken und den übrigen sanitären Anlagen geschaffen. Neben der Zenttalheizung ist noch eine Gasheizanlage vorhanden, die in den Ueberaangs- wochen die ausreichende Erwärmung des Hauies ermöglichen, in den strengen Winterwochen die Kessel-Zentralheizung ergänzen soll; im gleichen Raume ist auch eine Warmwasserbereitungsanlage mit Gasheizung eingerichtet.

Durch diesen Um- und Erweiterungsbau den der Alte-Herren-Verband der Burschenschaft dank der vortrefflichen, feit Jahren vorsorgenden Arbeit des Schatzmeisters so durchgeführt hat, daß er be­

reits in allen Teilen bezahlt ist hat unser heimi­sches Handwerk und Gewerbe während der ganzen Bauzeit vom September v. I. bis jetzt eine Quelle lohnender Beschäftigung gehabt. Mit diesem Bau­unternehmen hat die BurschenschaftGermania" nicht nur ihren eigenen Zwecken Genüge getan, son- dern auch ein bedeutsames und anerkennenswertes Stück Wirtschaftsbelebung in unserer Stadt geleistet, das gerade in diesen Zeiten der Handwerks- und Gewerbenot besonders hoch veranschlagt werden muß. Die Genugtuung der Alten Herren und der Aktivitas derGermania" über den in allen Teilen wohlgelungenen und schönen Hausumbau kann von der Bürgerschaft im Hinblick auf die wirtschafts-

Vom 1. Juni an

erfcheint in täglichen Fortfetzungen im Gießener Anzeiger

Brandung des J£c6cns

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fördernde Kraft, die von diesem Werke ausging, nicht nur verstanden, sondern auch in berechtigter Weise mitempfunden werden.

Zur Geschichte der Germania.

Aus Anlaß ihres Sttftungsfestes gibt die Germania eine Festgabe für ihre Mitglieder heraus:Beiträge zur Geschichte der Gießener Llrburschenschast".

Im ersten Teil bietet Geheimrat Prof. Dr. Hermann Haupt eine Darstellung des Lebens und Wirkens von Karl Christian Sartorius 18141824 nach seinen eigenen Aufzeichnungen. Im ersten Abschnitt gibt Haupt, der 1907 mit seinem Buch über Karl Folien, den geistigen Führer derGießener Schwarzen", zum erstenmal die urburschenschaftlichen Verhältnisse an unserer Ludoviciana dargestellt und damit der Forschung neue Wege gewiesen hatte, eine gedrängte Schil­derung des Lebensganges von Karl Christian Sartorius, über den er in denHessischen Bio­graphien" Bd. 3 und an anderen Orten bereits gehandelt hat. Dann folgen Abschnitte aus Sar­torius' Lebenserinnerungen über seine Gießener Tlniversitätszeit 18141818, über seine Lehr­tätigkeit und die Demagogen-Llntersuchung in Wetzlar 18191824. Daran schließen sich die ausführlichen Anmerkungen Haupts an:

Den zweiten Teil hat Oberlandesgerichtsrat Dr. Hans Schneider, der in der Festschrift zum 50. Stiftungsfest 1901 die Geschichte derGer­mania" geschrieben hat, der Allgemeinen Gießener Burschenschaft Germania 1818 1819 gewidmet. Der erste Abschnitt be­handelt die Entwicklungsgeschichte der Gießener Llrburschenschaft und die Geschichte der allgemei­nen Gießener Burschenschaft Germania in den Jahren 1818 und 1819. Die Gründung der Teutschen Lesegesellschaft" vorn November 1814 war der Ausgangspunkt der burschenschaftlichen Bewegung an unserer Ludoviciana. Nach kurzer Einigtest standen die burschenschaftlich Gesinnten den Korps, damals Landsmannschaften genannt, wieder feindlich gegenüber. Auch die Versöhnung beider Parteien auf dem Wartburgfest 1817 war nicht von langer Dauer. Bei der Gründung der allgemeinen Gießener Burschenschaft Germania 1818, der auch die Korps Hassia und Konstantia beitraten, blieben dieSchwarzen" grollend bei­seite stehen, weil sie jedem Zugeständnis an die Korps abhold waren; ja, ihr Führer Karl Folien veröffentlichte gerade damals seinenEhren­spiegel". Erst als der unversöhnliche Folien 1819 nach Jena übergesiedelt war, gelang es, eine Einigung herbeizuführen. 3m zweiten Abschnitt bringt Schneider das Mitgliederverzeichnis der alten Germania nach ihrem Stammbuch vom 13. August 1818 bis zum 23. August 1819; es enthält 134 Namen.

Den Schluß der Festschrift bildet Verfassung und Brauch der allgemeinen Gießener Burschen­schaft Germania von 1818, deren Original sich zufolge einer Schenkung im Archiv be$ Korps Hassia befindet.

Im ganzen darf über diese Festschrift gesagt werden, daß sie eine wichtige und wertvolle Be­reicherung der Kenntnis des Studententums an unserer Universität darstellt, daß sie auf der­selben Linie wie Hermann HauptsKarl Folien" die Geschichte der Anfänge des burschen­schaftlichen Lebens in Gießen rn glücklicher Weise fortführt.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bi* 12.33 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

.?ür unverlangt eingesandte Manuskripte i ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr I übernommen.

Das Schicksal das letzt«

Roman von J.Schneider-Foerstl.

Llrheber-Nechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

(Schluß.)

Ab und zu sichteten wir einen Dampfer oder einen großen Segler, aber sie kreuzten alle so weit am Horizont, daß unser Rufen, Wracken und was wir sonst noch ausklügelten, um uns bemerkbar zu machen, erfolglos blieb.

Infolge des überstandenen Schreckens machte sich in den ersten Tagen eigentlich kein Hunger­gefühl geltend. Aber dann wurde es fürchter­lich. Auf der Insel gab es nichts als eine Algen­art. Seetang und Steine. Wir schrien vor Freude, als ein paarmal Fische von der Strömung so weit hinausgetrieben wurden, daß wir sie Steinen ertoerfen konnten. Wir aßen sie roh. Cs war immerhin besser als nichts. Von Satt- werden natürlich keine Rede.

Cs war schrecklich, wie die einzelnen von uns immer schwächer und apathischer wurden. Lind eines Tages es war knapp vor Sonnenunter­gang sah ich meinen getreuen Thomson plötz­lich davonrennen und in die Strömung springen. Ich wollte ihm nach, aber Graf Lippstädt hielt mich zurück. Thomson muhte den Verstand ver­loren haben. Wir brauchten Stunden, um das Entsetzen abzuschütteln. Aber schon einige Tage später beneideten wir ihn. Er hatte es über­standen und wir das Fürchterliche noch vor uns.

Das Meer war immer wieder barmherzig, indem es uns Krabben, Muscheln, tote Fische und anderes anschwemmte. Es genügte gerade, um nicht zu verhungern. Immer war Lippstädt derjenige, der auf den Großteil seiner Ration verzichtete, um ihn mir zuzustecken. Ich glaube, ich wäre sonst wahnsinnig geworden.

Lind dann, als wir uns schon so halb und halb darauf gefaßt gemacht hatten, daß es keine Rettung mehr für uns gab, kam der Flieger. Zuerst war es lähmendes Entsetzen, als er, ohne uns irgendwie bemerkt zu haben, wieder abzog. Aber Lippstädt schwor darauf, daß er uns trotzdem gesichtet haben muhte, und er behielt recht."

Nehmen Sie einen Schluck Wein!" ermunterte Hetterfield, der sah, wie Thoms Augen merk­würdig verschwammen. Man muhte dem jungen Mann nun Ruhe gönnen.

Hetterfield erbot sich, das Notige zu veran­lassen, um Thoms Angehörige zu verständigen. Lind meiner Schwester, bitte", sagte dieser dring­lich,depeschieren Sie, dah Viktor lebt."

Es wird alles zu Ihrer Zufriedenheit er­ledigt", versprach der alte Herr.

Nach dieser großen Anstrengung des Erzählens schlief Thom vierunzwanzig Stunden lang, ohn« auch nur ein einziges Mal die Augen zu öffnen.

Alice Hetterfield hatte von der Post einen eingeschriebenen Brief erhalten und sich mit dem­selben auf ihr Zimmer zurückgezogen, um ihn mit Muhe lesen zu können. Sie hatte ihrem Groh- Vater mitgeteilt, welch lächerliche Winkelzüge das Schicksal zuweilen liebe, und dah sie nun die Braut von Lutz Setterholm geworden sei, dem Manne, der sowohl Viktor als dem Vater bis jetzt feindselig gegenübergestanden hatte. Lind dieser Brief hier, den sie nun mit etwas Herz­klopfen aufschlihte, würde die Antwort aus ihre Mitteilung sein.

Der alte Lippstädt, der eine Promenade durch den Park machte, glaubte einen Hellen Schrei aus einem der Fenster des ersten Stockes gehört zu haben. Er wollte schon nach dem Hause springen, als der Kopf der geliebten Tochter sich über das Sims neigte und ihre Helle Stimme ihm zurief:Grohpapa läßt vielmals grüßen. Gr hat solche Sehnsucht nach mip, dah er, wenn erst die gröhte Sommerhitze vorüber ist, herüber­kommen will, um dich und mich in die Arme zu schließen."

Lim Lippstädts Mund spielte ein Lächeln. Reichlich spät fiel es dem Alten ein, sich nach dem Schwiegersohn umzusehen. Aber er wollte Alice nicht kränken und ihr in nichts die Freude ver­derben. Man würde Wohl zusammen auskommen die kurze Zeit, die Hetterfield hier blieb.

Am Nachmittag hatte Alice in der Stadt zu tun. Sie benützte es wenigstens als Vorwand, in Wirklichkeit steuerte sie ihren Wagen vor Lutz' Wohnung und ließ ihn zu sich herabbitten.Wo kann man mit dir reden?" empfing sie ihn. Wichtiges, Lutz! AllerwichtigstesI"

Nanu, mein Mädchen?" Es war ärgerlich, daß man hier auf offener Straße nur einen Handkuß geben durfte.Wollen wir zu Mama? In ein Cafe? Sag, Liebes?"

In den Prater! Geht das nicht, Lutz?" Auch!" stimmte er zu.Nimmst du mich gleich mit?"

Wie er war, ohne Hut und Mantel setzte er sich neben sie ans Steuer.Laß mich fahren und du sprichst", bat er.

Sie schüttelte nur den Kopf und drückte den Fuß auf den Hebel.

Sprich!" drängte er, als der Wagen eine wenig belebte Straße durchfuhr.

Du mußt dich gedulden!"

Er wand sich in Llngeduld:Etwas Erfreu­liches, Alice?"

Sie bogen in den Prater ein und während er den Schlag öffnete, verlangsamte sich auch die Llmdrehung der Räder. Er stand als erster vor der Terrasse eines kleinen ®af<Ed, dessen Stühle bis an den Gehsteig geschoben waren. Seine Hände streckten sich ihr entgegen. Blick tauchte in Blick.Viktor lebt! sagte sie und starrte angestrengt in sein Gesicht, um feine Nuance seines Mienenspiels zu verlieren.

Eine jähe Rote schoß seine Wange hinaus. Dann ging ein Lächeln um seinen Mund.Ich freue mich, Kind! Ich freue mich herzlich! Für t dich und für deinen Vater! Lind.

Lind Lutz ...?"

Am meisten für Evelin.

Gr war ein klein wenig verlegen, da sie jetzt so vor aller Oesfentlichkeit ihre Hände um feine Wangen legte, und ihn zweimal auf den Mustd küßte.Ich konnte mir das nicht mehr sparen", lachte sie in seine ernsten Augen.Eigentlich hast du ein Dutzend Küsse verdient. Aber komm jetzt! Ich sehne mich nach einer Tasse Kaffee und du darfst inzwischen den Bries von Großpapa lesen. Es steht auch für dich etwas darin."

Als sie dann, Stuhl dicht aln Stuhl gerückt, in der kleinen Nische hinter dem Efeu sahen, nahm sie Hetterfields Zeilen aus ihrer Leder­tasche. Sie goß Kaffee in die Tassen, während er las und plötzlich machte sie lachend einen Ruck nach hinten. Er war weih im Gesicht. Lieber sie geneigt, verströmte er seine Küsse über sie. Meine Mutter!" Seine Stimme hörte sich voll­kommen heiser an.Sie wird Thom wieder sehen. Du kannst verlangen, Alice, was du willst. Ich werde für nichts ein Nein haben."

Wirklich?"

Auf Ehrenwort!" Seine Händen hielten ihr Gelenk umspannt.Nütze die Minute, Kind! Noch nie war ich so zu geben bereit wie jetzt."

Gut denn! Ich werbe, bauend auf dein Wort, für meinen Vater um die Hand deiner Mutter!"

Für Sekunden war es totenstill zwischen ihnen. Alices Gesicht glühte. Lutz war fahl bis in die Winkel des Mundes.Verlange ich zuviel?" hörte er die Stimme der Braut an feinem Ohr. Sag, Liebster? Gebe ich mich nicht dir? Lind will sich nicht mein Bruder deiner Schwester geben? Was sollen wir Lippstädts noch tun, dah du die Schuld, die du so unverlöschbar in dein Gedächtnis eingegraben hast, als getilgt betrachtest?"

Hab' Erbarmen, Alice!"

Quäle ich dich, Lutz? Dann vergib. Ich werde meine Werbung nicht wiederholen. Mein Vater wird sich bescheiden. Er har so viel getragen. Er wird sich auch in das noch fügen. Lind er bleibt ja nicht allein. Er hat ja mich!"

Alice!" Setterholms Rechte griff mit brutaler Kraft nach ihrem Arm.Was soll das heihen?"

Das soll heihen, ßuß, dah wir unsere Hoch­zeit eben um einige Zeit verschoben. Duktor kommt, macht deine Schwester zu seiner Frau und bezieht mit ihr Langenbach. Die Lippstädts haben immer auf Langenbach gesessen. Vater und ich gehen nach Java. Der alte Herr drüben wird sich mahlos freuen. Jemand muh er doch haben, an den er sein Geld und sein» Liebe verschwenden kann."

Lind ich?" fiel er ihr in di» Rede.

Du wirst warten, Lutz, bis ich zurückkomme! Oder nicht? Sind ein paar Jahre der Trennung ein zu großer Prüfstein für deine Treue?"

Seine Augen waren rot umrandet, und er mußte sich erst fassen, bevor er die Frage an sie stellte:Lind wenn ich deine Werbung um meine Mutter annehme?"

01 Dann braucht mein Vater mich ja nicht

mehr. Zum Glücklichsein genügen zwei. Du kannst dann mit mir machen was du willst."

Genügt dir die Villa meiner Mutter, wenn sie leer wird?"

Muh es gerade die Villa deiner Mutter sein, Lutz? Hast du in deiner jetzigen Wohnung in der Fabrik keinen Platz für mich?"

Er war entwaffnet. Das verwöhnte Kind be­gnügte sich mit den bescheidenen Räumen, die er bislang für sich gut genug gefunden hatte. Statt einer Antwort neigte er sich über ihre Hand, die auf der rosengemusterten Decke lag und preßte seine Lippen darauf. Als er das Gesicht hob, lächelte sie ihn an. Ihrs Finger strichen gedanken­verloren über die feinen.

Ist das nicht komisch, Lutz? Du und ich, mein Bruder und deine Schwester und nun auch deine Mutter noch und mein armer Vater, zu­sammengefügt vom Schicksal."

Von der Liebe", korrigierte er.

Ist nicht Liebe Schicksal, mein Lutz? Sag! Lind als er nichts erwiderte, lehnte sie ihren Kops gegen seine Schulter und bot ihm die Lippen zum Kuh. Der Efeu deckte sie mit gütigem Armen.

Erst gegen Abend fuhren sie zurück und hielten vor der Villa Bloem. Alice hatte es über­nommen, die kleine Evelin zu unterrichten unbi Lutz wollte dasselbe bei seiner Mutter tun. Die Mutter weinte vor Freude. Evelin abeS fand weder ein Lächeln noch eine Träne. Es war zu unvermutet gekommen. Als aber die Kommerzienrättn dann hereingelaufen kam und erst die Tochter, dann Alice in die Arme schloß, löste sich auch Evelins stumm getragene Qual in einem heiseren Schluchzen auf.

Eine Stunde später brachte Lutz seinen Schwie­gervater selbst nach der Villa Bloem. Frau Hedwig empfing ihn in ihren eigenen Räumen. Es dauerte lange, bis sich die beiden ihren Kindern Zeigten. Ihre Gesichter waren ernst, als sie endlich in das große Speisezimmer traten.

Lippstädt ging Lutz Setterholm einige Schritte entgegen und streckte die Rechte nach ihm auß, Mein Kind wird gut machen, was ich einmal schlecht gemacht habe. Deine Mutter aber will ich so glücklich machen, als ein Mann nur immer eine Frau glücklich zu machen vermag. Bist du bann zufrieden, mein Sohn?"

Ich danke dir, Vater." Der Kuh, den ßutj dem alten Grafen gab, war der Ausdruck ehr­lichster Versöhnung.

Lippstädt aber streichelte versonnen über den Arm der geliebten Frau, den er in den seinen genommen hatte und sah von einem feiner Kinder zu dem anderen.Da sorgt man nun und weint und lacht und grübelt! Lind wie man's drehen will und wenden so ist es nichts. Warten muh man und sich bescheiden, bis für einen die Stunde kommt, ob sie nun so ausfällt oder ganz, ganz anders. Zu ändern ist nichts daran. Nicht wir sind's. die das letzte Wort zu sprechen haben, sondern das Schicksal spricht das letzte Wort. Lind mit uns hat das Schicksal es gottlob gut gemeint

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