Hr. 100 Zweites Blatt
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 30. April 1931
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Hinterbliebenen evangelischer Geistlicher nach dem ren chinesischen Missionars 2auf, Frankfurt Ausland. Dieses Kirchengesetz war bereits von der | über „Das Ringen um die chinesische Kirche".
Die Lkploslon in der MOebmaer Sacharinsabrik
mit Quellenangabe, verbotenI) Bagdad, April 1931.
die Sonne mit bereits sommer- die goldenen Kuppeln der
Kirche und Schule.
Arbeitstagung des Oberhessischen Missionsvereins für Basel.
)( Hungen, 29. April. Am Montag sand im „Solmser Hof" unter dem Vorsitz von Dekan G u h m a n n, Kirchberg, eine Arbeitstagung der Vertreter des Oberhessischen Missionsvereins für Basel statt. 3m Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein Referat des frühe-
Die Aufräumungsarbeiten an der llnglücksstätte. Die furchtbare Explosion in der Magdeburger Sacharinfabrik Fahlberg, List & Co. hat zehn Todesopfer gefordert.
verborgen geblieben, und sie werden ihre Lage ausnuhen, so gut sie können.
So gut sie können. — Aber sie können eben nicht gut. Denn wenn im Jahre 1932 das 3raf- mandat erlischt, besteht für weitere 25 3ahre ein Bündnisvertrag zwischen London und Bagdad, Freiheit des englischen Weges nach 3ndien, Awrechterhaltung englischer Garnisonen, namentlich einer in Mossul, Verpflichtung des Zusammengehens im Kriegsialle. Was bedeutet es demgegenüber, bah das britische Oberkommissariat in eine Botschaft verwandelt und statt der indischen Rupie mit dem Bilde König Georgs der Dinar mit dem Bilde Feisals eingesührt wird!?
Das bedeutet praktisch gar nichts, und deshalb ist das, was jetzt in Bagdad verhandelt wird, eigentlich nicht viel mehr als eine Geste, allerdings eine bedeutsame und warnende Geste, mit der man Europa sagen will, dah es eine panarabische Bewegung gibt, dah Staaten, die.man mit Lineal und Bleistift auf grünen Tischen geschaffen hat, nicht für die Ewigkeit bestimmt sind ...
panarabische Zukunftsträume
Oie Konferenz von Mekka. — Vor dem Ende des Zrakmandais.
Don unserem A. ^-Sonderberichterstatter.
heißen Strahlen
Schiitenmoschee glänzen und gleißen läßt, bald wieder die Märzstürme mit unvorstellbaren Sand- mengen das Trümmerfeld am rechten Tigrisufer und die gigantischen Torbogenreste von Ktesiphon zudecken und die Wüste sowohl wie die zu kurzer Blüte erwachte Steppe mit seltsam gelblichem
Lichte erfüllen, ruht die Politik in der früheren Hauptstadt der Kalifen.
3m Parlament, in dem die Alhd, die „Schwurparte i“, mit 79 Abgeordneten geaen 9 Opositionelle das erdrückende Liebergewicht hat, erklärte in diesen Tagen der Sprecher der Regierung, man müsse mit allen Antworten warten, bis der Ministerpräsident Huri Pascha von seiner Reise wieder zurückgekehrt fei. Die Ahd ist die Regierungspartei, und deshalb entstand ob der erwähnten Erklärung nicht allzuviel Lärm. Unb tatsächlich richtet sich im Augenblick das 3nteresse aller aus das Ergebnis der Unterredungen, die zwischen Ruri Pascha und den Vertretern des Königs 3bn Saud in Mekka gesührt werden. Vor kurzem ist erst der Vertrag zwischen dem 3rak und dem Fürsten Abdallah von Transjordanien zustandege- kommen. 3eht soll ein ähnliches Abkommen mit 3bn Saud abgeschlossen werden, und dann dürste sich eine Kommission aus Bagdad nach dem fernen begeben, wo 3mam Vachia noch immer halsstarrig abseits steht.
Was bei diesen Verträgen abgemacht wurde, beziehungsweise noch abgemacht werden soll, das ist bis zum Augenblick noch unbekannt. Aber man hat nicht umsonst Mekka, die Stadt des Propheten, zum Konferenzort gewähtt. Sowohl in den größeren Städten als auch in den Dörfern, wo die Störche es sich bereits auf den Dächern der wie verfallene Ritterburgen aussehenden Häuser im Rest bequem gemacht haben, spricht man von der bevorstehenden Einigung von 40 Millionen Arabern, vom Zusammenschluß aller Reiche arabischer Sprache, die nach dem Kriege aus dem todwunden Körper des Qsmanenreiches geschnitten worden sind.
Es ist aber Wohl noch nicht ganz soweit, denn schließlich hat weder Feisal noch Abdallah, noch 3bn Saud oder 3mam Vachia das letzte Wort. Der 3rak ist noch immer britisches Mandatsgebiet, und zu den 40 Millionen Arabern gehören auch noch das von den Engländern beherrschte Palästina und Fran- z o s is ch - Sh r i e n, in dem immer neue französische Garnisonen und Zitadellen errichtet werden. Aber man kann sich zum Beispiel vorstellen, daß es bereits in Mekka zu einer vorläufigen Einigung auf zollpolitischer Basis kommt. Das wäre dann auch für Deutschland und Oesterreich nicht ohne 3ntereffe. Denn würde man dem Gedankengang der hohen Diplomatie der Alliierten folgen, dann dürfte der 3vak auch im 3af>re 1932, da das britische Manaac erlischt, nicht in den Völkerbund ausgenommen werden, da es ja dann „seine Selbständigkeit durch die Zollunion eingebüht" hätte, wie man dies im entsprechenden Falle bei Oesterreich behauptet Hal.
Der nicht unbedeutende Erfolg, den die 3rak- regierung durch die Unterzeichnung des Vertrages mit der 3rak°Petroleum-Ge- s e l l s ch a f t soeben erzielt hat, dürfte in Mekka zu allerlei anderen Dingen ermutigen. Durch die endlosen Verhandlungen mit den Vertretern des Petroleumkapitals der Welt haben die Araber ferner gemerkt, daß sie doch die stärkeren Rerven haben und sie wollen diesen Vorteil wahrnehmen, daran ist nicht mehr zu zweifeln. Auch der Widerstreit der innerhalb der einzelnen internationalen Wirtschaftsgruppen, ja sogar innerhalb der Regierungsvertreter der einzelnen Staaten Europas besteht, ist den 3rafleutim nicht
Hessischer Evangelischer Landest,rchentag.
Darmstadt, 29.April. (WSN.) Nach Einzel- bisprechunaen der Gruppen am Mittwochvormittag eröffnete Präsident D. Herrmann die Sitzung. Es wurde zunächst in der Beratung der Tagesordnungspunkte fortgefahren. Eine wesentliche Aussprache ergab sich nicht.
Kirchenregierung unter dem 13. Februar 1930 vor- läufig erlassen worden. Die Vorlage betr. Kinderzuschlag für Kinder vom 16. bis 21. Lebensjahr wurde ebenfalls genehmigt. Der Vertreter der Kirchenregierung erklärte, eine Einstufung der Geistlichen analog den Bezügen der Staatsbeamten werde ausgearbeitet. Annahme fanden weiter die Vorlage betr. die Bildung einer Krankenkassenge- m e inschaft für die evangelischen Geistlichen, sowie eine Vorlage betr. Kürzung der Bezüge der Geistlichen, der geistlichen Beamten der Kirchenregierung usw.
Dann trat man in die Beratung des gestern bereits in der Generaldebatte behandelten Entwurfs zu einem neuen Kirchengesetz ein, das zur Erhol- tung^der kirchlichen Ordnung und Sitte erlassen werden soll. Der §3 dieses Gesetzes steht vor, daß die kirchlich-evangelische Trauung von dem Geistlichen versagt werden muß 1. bei Personen, die beide der evangelischen Kirche nicht angehören, und 2. bei Ehen zwischen Angehörigen der evangelischen Kirche und andern christlichen Religionsgemeinschaften, wenn vorher der evangelische Teil zuaestanden hat, daß sämtliche Kinder nicht evangelisch getauft und erzogen werden sollen. Diese beiden Positionen wurden debattelos angenommen, während über die Position III des §3, die die kirchliche Trauung bei Mischehen (mit Nichtchristen und Heiden) regelt, eine längere Aussprache einsetzte, die aber zu keinem Ergebnis führte, da sich die Gruppen über diese Frage noch nicht einigen konnten. Die Sitzung wurde daher auf morgen 9 Uhr vertagt Die Gruppen verhandelten heute nachmittag nochmals über diese Frage, um eine Basis zu finden, auf der eine Einigung erzielt werden kann.
Eine Anzahl Vorlagen der Kirchenregierung wurde einstimmig genehmigt; zunächst eine Vorlage betr. Kirchengesetz über die Auszahlung von Ruheaehalten evange- lst.cher Geistlicher und von Versorgungsbezügen der
Die einzelnen entscheidenden geschichtlichen Ab- schnitte auf dem Weg zu der christlichen chinesischen Kirche und die Stellung der Basler Mission dazu, wurden in klaren Ausführungen aufgezeigt und gaben die Grundlage zu einer eingehenden Aussprache. Hierbei konnte der Redner auf eine Anfrage nach der Richtigkeit von Pressemeldungen der letzten Zeit über Gandhis angeblich feindliche Stellung zum Christentum auf Grund tatsächlichen Materials eine Aeußerung Gandhis mitteilen. die seine Stellung in wesentlich anderem Licht zeigt. Als Gandhi kürzlich gefragt morden sei, welches das beste Programm für eine tatendurstige 3ugend sei und wie dieses Ziel erreicht werden könne, habe er geantwortet: „das beste Programm ist die „Bergpredigt" und werdet 3ünger 3esu". Den übrigen Teil der Tagung füllten geschäftliche Dinge aus. Als Vertreter des Vereins auf dem 3ahrcsfest in Basel wurden außer dem Vorsitzenden die Pfarrer Luft, Meiches, und Knodt, Bad-Rauheim, bestimmt. Auf dem 3ahresfest in Basel sollen 500 Mk. für die Aufnahme der Missionsarbeit im Hinterland von Togo überreicht werden. Das 3ahressest des Vereins soll bei Einwilligung des Kirchen- vorstandes im September in Langsdorf gefeiert werden.
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X Eine Dekanatskonferenz der evangelischen Geistlichen des Dekanats Gießen wurde im Markussaal zu Gießen von Pfarrer Mahr mit Gebet und Schriftlesung eröffnet. Dekan Guhmann begrüßt« die Versammelten und gedachte des 85. Geburtstages des Kirchenrats M i ck e l, früher Pfarrer zu Allendorf a. d. Lumda, zu Gießen. Rach einer Reihe amtlicher Mitteilungen wurde, eingeleitet von Pfarrer Mahr, Gießen, die Frage der „D o r f k i r ch e" behandelt.
Oer erste hessische Katholikentag.
WER. Marburg, 29. April. 3n diesem 2lahre findet zum ersten Male ein hessischer (ober- und niederhessischer) Katholikentag in Marburg anläßlich des Elisabeth-3ubiläums am Sonntag, 14.3uni, statt. Um 9.30 Uhr hält der Bischof von Fulda, 3oseph Damian Schmitt, ein feierliches Pontifikalamt. Festprediger ist der Kölner Domprediger P. Dionysius Ortsief er. Rachmittags findet ein großer Festakt in den Stadtsälen statt. Die Festrede hält der hessische Gesandte Ruß aus Berlin.
Erweitertes VezirkSschöffengerichl Gießen.
* G i e ß e n, 29. April. Zu verantworten hatten sich heute drei verhältnismäßig junge Leute von Gießen wegen einer Reihe von schweren Diebstählen. Zwei von ihnen waren unbestraft, die Vorstrafe des Dritten ist wenig bedeutend und liegt 3ahre zurück. Die Triebfeder war wirtschaftliche Rotlage; sie sind aber bei ver Ausführung der Taten sehr viel weiter gegangen, als die Rot es erklärlich, wenn auch nicht entschuldbar hätte machen können. Der schwerst2 Fall war ein gemeinsamer Einbruch in ein hiesiges Kleidergeschäft, wo Anzüge und Wäsche von bedeutendem Wert gestohlen wurden. U a. wurde auch der Rudergesellschaft ein nächtlicher Besuch abgestattet, und es wurde dort Wein und Sekt gestohlen. Mehrere der Diebstähle hat der Haupttäter allein ausgeführt. Die Angeklagten, waren geständig, so dah keine umfangreiche Beweisaufnahme erforderlich war. Die Strafen lauteten auf zwei 3ahre undzwei Monate, ein 3 a h r und sechs Monate und acht Monate Gefängnis, unter Anrechnung, eines Teils der Untersuchungshaft.
Ein Pferdehändler aus Ober-Mockstadt Hotts für eine Pferdehandlung in Fulda den kommis- sionsweifen Verkauf von Pferden übernommen. Die einkassierten Gelder hat er in erheblichem Umfang veruntreut. Seine Behauptung, er Habs mit einer Gegenforderung für ausgelegtes Fuller- geld aufgerechnet, erwies sich als eine Ausrede, denn es wurde festgestellt, daß er das Futtergeld nach ausdrücklicher Vereinbarung selbst zu tragen hatte. Er erhielt eine Gesängnis- strafevon siebenMonaten.
Ein Brief Dom neuen Robinson.
3um 200. Todestage Daniel Defoes, des Dichtens des unsterblichen „Robinson", wird ein Brief von Dr. Ritter, dem neuen Robinson, der auf der Galapagos- 3nsel lebt, inicteffieren. Mit Erlaubnis des Verlegers M. Willahn in Berlin geben wir aus dem Buche „Der moderne Robinson" einen Abschnitt wieder:
3sla Floreana, 28. Oft 1929.
Ein englisches Kriegsschiff „Diomede" ankert augenblicklich in unserem Hafen und will Briefe besorgen. 3ch hatte noch keine Muße, die Erleb- Nisse hier zu beschreiben, und auch jetzt drängt di€ oeit (zwei Stunden), so daß ich hier nur andeuten kann.
Wir haben hier ein in mancher Hinsicht ideales Plätzchen gefunden mit schönem Klima (mittags 30 Grab Celsius, nachts 10 Grad), stets fliehender Quelle mit kleinem Bächlein, und von einem früheren „Unternehmer" schon mit Stacheldraht ein gezäunt. Aber wir haben fast unüberwindliche Arveit mit dem Ausrotten der dornigen zähen krummen und harten Akazien. Alles sollte gleichzeitig getan werden: Gepäcktransport (20 bis 40 Zentner) drei Stunden weit auf einem Wege, welchen 3hr stellenweise überhaupt für unpassierbar erklären würdet (er gleicht da einem der felsigen ausgetrockneten Betten eines Schwarz- wcnbbaches), dazu haben wir nur ein Pferd Zur Verfügung, die beiden andern sind schwer oder nicht zu fangen und das eine zudem hochtragend, das andere noch jung und nicht eingewöhnt. Ein Transport von zwei Zentnern raubt uns immer zwei Tage. Roch bringender svllte allerhand gepflanzt und dafür der erste Baum geschaffen werden. Llnseve 30 Dananen- pflonzen wiegen allein 10 Zentner, aber sie sind bereits angewachsen, und die größte ist schon 1 Meter hoch. 3n einem ,3ahr hoffen wir reichlich Früchte zu ernten. Radieschen konnten wir bereits nach drei Wochen essen. (Natürlich haben wir nut wenig gepflanzt.) Alle unsere dortigen Genüsse könnten w.r hier anbauen, ohne sie fo- gar m bet trockenen Zeit zu begießen, infolge des Bachtins, das in der Llfernähe den Boden
feucht hält. Ebenso drängend ist ferner ein Haus- ober Hüttenbau, benn bie Regenzeit steht vor der Tür unb ein Dach ist für den Hausrat fast noch nötiger, als für uns. Dabei sind unsere Arbeitskräfte leider allzu beschränkt, was zur Genüge unsere Knappheit entschuldigt. Wir bedauern fast täglich, baß nicht alle unsere Familienangehörigen hier finb, vor allem muh ich an A. benten, für welchen biefe 3nsel ein reines Parabies wäre. Es gibt reichlich zu jagen: oer- wilberte Rinber, Schweine, Ziegen, Hühner, Hunbe, Esel unb viele, viele Enten. Alle biefe Tiere finb für uns so harmlos unb scheu wie unsere Rehe. Unser 3nbianer will immer jagen unb Toros schießen, um ein frisches Beefsteak zu haben. Da wirb denn so ein prachtvoller Stier getötet unb enttäuscht bie größten Fleisch- stücke herausgeschnitten unb alles aobere den Hunben unb Schmeißfliegen üb er. affen. Wenn bie Hunbe bamit gefüttert werben, vermehren sie sich um so mehr unb fallen bann rubeltoeife noch mehr als jetzt bie Kühe unb Kälber an. Es gibt schon jetzt viel mehr Stiere als Kühe. Zur Verwertung bes Fleisches fehlt eine Konservenfabrik. Alle, welche bie Einsamkeit lieben, fin- ben hier etwas Passendes.
Die 3nsel kurz zu beschreiben, ist schwer. Dor allem sind Boden, Landschaft und Klima ganz eigenartig. Für ganz großzügige Pflanzungen eignet sich bie 3nsel nicht. Die guten unb tiefgründigen Boden flächen sind schwer zugänglich und zu beschränkt, es sind auch alle Versuche zur Kolonisation bis jetzt gescheitert, trotzdem halte ich Floreana (S. Maria Charles) für die schönste der Galapagos°3nseln unb gebenke biefe u'-cht mehr zu verlassen, obwohl bie Kultivierung unseres Gartens mir oft fast unüberwindlich scheint. Mit etwas Kapital unb einigen 3nbios cmJ Arbeitern würbe sich aus unserer Riebet- lassung (Frido) schon ein Garten Eben machen lassen, aber allein bleibt es eben eine Einsiedelei, unö das ist es ja auch. Klima und Pflanzenwuchs sind von der Höhenlage ungemein abhängig. 100 Dieter Höhenunterschied bedingen einen Klimawechsel wie im Schwarzwald 1000 Meter. Der höchste Berg, an dessen Fuße im Süden unsere Quelle und unser Garten liegen, ist 500 Meter hvch und oben auch in der Trockenheit mit grünem Gras bewachsen, er sieht etwa aus
wie der Belchen ober Selb berg, nur steiler (nach Rorben ist er ein aufgesp-altenet Krater), zwei Drittel der Zeit ist seine Kuppe in Rebel gehüllt, unb wir spüren bann manchmal oft in 50 Meter Höhe einen allerfeinsten Sprühregen unb Rieseln. 3m Gegensatz bazu ist bie Küste vollstänbig trocken, aber unter ber Sonne hatten wir bis jetzt noch nicht zu leiben, selbst bann nicht, wenn wir brei Stunk)en bei senkrechtem Stanb bergauf gingen mit schweren Rucksäcken. Auch ber Hintergrunb ist oft bewölkt. 3n etwa 200 Meter riefelt es in ber Trockenheit fast täglich. Hier gibt es viele Zitronensträucher unb Bäume mit stetigen Früchten. Diese Pflanzen empfindet man ihrer stahlharten Dornen wegen — alle Dornen hier (ihrer selbst gibt es sehr Viole) gleichen Grammophonnadeln — bald als Unkraut. Auch Orangenbäume finb keine Seltenheit, unb bis vor kurzem hatten wir so viele Orangen wie wir wollten, babei blühten sie bereits toieber, so baß uns in ein paar Monaten eine neue Ernte bevorsteht. Die Orangen finb hier baS belieb teste Schweinefutter (wenn man abends irgenbwo einige hinlegt, finb sie morgens auf- gefressen). Diese Bäume stammen Wohl von früheren Siedlungen. 3n unserem Garten gibt es leider keine (aber sog. „Cerillas", bie wir noch nicht kennen, ba sie erst vor ber Reife stehen). Sn 200 bis 300 Meter Hohe zu wohnen, wo e£ reKfricberen Humus unb größere Flächen gäbe, gefällt uns wegen ber borkigen „ewigen Rässe unb Kälte"_ nicht. Es gibt ba oben zwei alte Sceräuberhöhlen, welche jetzt gelegentlich von jagenden Norwegern unb andern besucht werden und in welchen wir auch einige Tage hausten, öa wir uns erst da oben ansiedeln wollten, aber bas feuchte, neblig kalte (b. h. nachts 10 Grad Golsius) Klima hat uns bann doch 'in bie son- nigere Tiefe getrieben und hier ist bas Klima bis jetzt fast ibeaL Die Temperatur ist stets angenehm. Morgens gleicht sie einem schönen frischen Maimorgen bei uns, mittags einem Hochsommertag, abends unb nachts einem Lauen Herbst (unsere Quelle hat 22 Grad Celsius), so baß sie morgens lau unb mittags noch gerade kühl erscheint.
Am meisten haben wir — nicht wie wir dachten: unter den größten — sondern unter den kleinsten Tieren ber 3nssl zu leiben: den Sand-
floben, welche so winzig und zudringlich sind, daß sie sich, wenn man nicht stets energisch Fußpflege treibt, unter die Haut am Raqel und andre Hornhautfalten einbohren, dort ihre Eier ablegen, welche sich bann zu einem steck- nabelkopfgvoßen, verkapselten Knötchen entwickeln, ben Gefäßschnitt als Placenta benutzend. Die Schmerzen veranlassen einen bald, dasselbe het- auszuschneiden. Wir hoffen durch Fernhalten von Schweinen unb Hunden bas Ungeziefer mit ber Zeit aus unferm Garten „Frido" auszurotten, „Schnaken" gibt es hier, wie bei uns im Herbst — natürlich machen sie keine Malaria — die 3nsel ist ja unbewohnt! Die vielen Fliegen find nur lästig, wenn sie Fleisch oder Kot riechen. Von sonstigem Ungeziefer haben wir bis jetzt nichts bemerkt. Wir haben den größten Wunsch, uns bald aus unserem Garten ernähren zu können und keinen 3nbio mehr zu brauchen, welcher jeden Tag einen Stier ober ein Schwein schieß en will.
Aber freilich einige Monate wirb es noch gehen unb w.r haben uns nicht reichlich genug mit Hülsen-Mehlsr ächten unb Fett versehen, so baß w:r hauptsächlich über bas Fett her erlegten Tiere froh finb. Das Kriegsschiff hat uns mit einigen Nahrungsmitteln beschenkt, unb wir er- toar.en außerbem täglich ben Kapitän. Hunger können w.r hier nie leiben, falls wir eben Fleisch essen würben. Meer unb Lanb Liefern überreichliches Material für 3äger unb Fischer. 3ch muß immer an Mutter benken, wenn so einige Zentner Stierfleisch zum Verfaulen liegen bleiben müssen. Was bas Pferb tragen kann, versuchen wir wegzubringen unb an ber Sonne zu trocknen, bas geht unten sehr gut, in einem Tag ist es bürr unb hart, wenn es in bünner Schicht aufgeschnitten wirb. Aber beswegen sind wir nicht hier, und sowohl bas Liegenlassen wie bas Essen und Verwerten des Fleisches bedeutet eine große Qual für mich. 3ch weih noch nicht, wozu das Schicksal mich in diesen Fleisch- Wust geworfen hat, der mich zu erdrücken droht. Wir sehnen uns nach einem Qbstparabies und finden ein 3agdparabies. Ein kleines Wildwest, in welchem wir uns unsere vegetarische 3nfel erst erschaffen müssen, „Hüter ber Schwelle", anders weiß ich es bis jetzt nicht zu beuten ...


