Ausgabe 
30.3.1931
 
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Nr. 75 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 5). März 1931

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Die Genkung der Realsteuern nach der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930.

Von Bürgermeister Or..sing, Alsfeld.

3u ix-.n bedeutungsvollsten, aber auch ein­schneidendsten Maßnahmen für die Verwaltung der deutschen Länder und Gemeinden gehören die zur Steuererleichterung der Wirtschaft im vierten Teile der Verordnung getroffenen Maßnahmen zur Senkung der Real steuern. Zwecks Sicherstellung dieser Senkungsmahnahmen wurde angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. April 1931 ab den Realsteuern (Grund- und Gewerbesteuern) keine höheren Steuersätze zugrunde gelegt werden dürfen, als die bis zum 31. Dezember 1930 rechts- wirksam beschlossenen, oder durch die Aufsichts­behörde kraft Landesrecht festgesetzten Steuersätze unter Abzug der Senkungssähe. Diese betragen 10 Prozent bei der Grundsteuer und 20 Prozent bei der Gewerbesteuer. Rach den Durchführungs­bestimmungen zur Realsteuersenkung im Rj. 1931 (§ 5) gelten Steuersätze nur dann bis zunt 31. De­zember 1930 alsrechtswirksam beschlossen", wenn die Genehmigung bis zu diesem Zeitpunkt end­gültig erteilt wurde, die nach hessischem Landes­recht bekanntlich erforderlich ist. Ist bis zum 31. Dezember 1930 eine rechtswirksame Beschluß­fassung oder Festsetzung nicht erfolgt, so gelten als Ausgangssähe für die Steuersenkung am 1. April 1931 die für das Rechnungsjahr 1930 erstmalig beschlossenen, oder durch die Aufsichtsbehörde fest­gesetzten Steuersätze, auch wenn sie erst nach dem 31. Dezember 1930 rechtswirksam geworden sind.

Die Steuersenkung wird in der Weise durchgeführt, daß die Länder und Gemeinden die Grund» und Gewerbesteuer mit den vorbezeich­neten Ausgangssähen abzüglich der Senkungssähe 10 Prozent bei der Grundsteuer und 20 Prozent bei der Gewerbesteuer erheben. Erweiterungen der Steuerpflicht und des Kreises der steuer­pflichtigen Personen sind nicht statthaft. Auch die Gebäudeentschuldungsstcuer, in Hessen die Son­dergebäudesteuer, darf nicht über den Satz vom 31. Dezember 1930 erhöht werden. Zur Deckung des durch die Steuersenkung entstehenden Aus­falles haben die Länder für sich und ihre Ge­meinden von der nach dem 31. März 1931 auf­kommenden Gebäudeentschuldungssteuer (Sonder­gebäudesteuer) einen Betrag in Höhe der Hälfte des Wohnungsbauanteils vom Rechnungsjahr 1930 zu verwenden. Dies bedeutet eine Ein­schränkung der Wohnungsbautätig­keit. Für Länder mit besonders großem Woh- nungsbedars kann der Reichsminister der Finanzen im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsminister aus Antrag zulassen, daß ein geringerer Betrag als die Hälfte, jedoch mindestens ein Drittel des Wohnungsbauanteils der Gebäudeentschuldungs­steuer im Rechnungsjahre 1930 zur Deckung des durch die Senkung entstehenden Ausfalls ver­wendet wird. In diesem Falle sind die Landes­regierungen ermächtigt, die vorgeschriebene Sen­kung der Reolsteuern auf diejenigen Gemeinden zu beschränken, deren Steuersätze bei der Grund­steuer. oder der Gewerbesteuer über den Landes­durchschnitt vom 31. Dezember 1930 hinausgehen. Eine Senkung unter den Landesdurchschnitt findet nicht statt. Die Gemeiirdcn erhalten für das Rech­nungsjahr 1931 zur Deckung des durch die Sen­kung entstehenden Ausfalles von dem Lande den Betrag, der dem Steuerausfall entspricht, den die Gemeinden in diesem Rechnungsjahre durch die Steuersenkung erleiden.

Von diesem Programm werden in der Rot­verordnung Ausnahmen zugelassen. Wenn nämlich in einem Lande der vorgesehene Deckungsbetrag aus der Gebäudeentschul­dungssteuer nicht a u s r e i ch t, um die Steuer­senkung in dem in der Rotverordnung vorge­sehenen Umfang vorzunehmen, so sind die Real­steuern nur um den zur Verfügung stehenden Betrag zu senken, notwen­digenfalls sind zu diesem Zwecke die vorgesehenen Senkungssähe (10 bzw. 20 Prozent) im gleichen Verhältnis zu kürzen. Für Hessen sind die Senkungssähe iowischen auf 6 v. H. für die Grundsteuer und auf 12 v. H. für die

Gewerbesteuer gekürzt worden. Eine weitere Ausnahme ist für den Fall vorgesehen, daß die Realsteuerbelastung eines Landes sich seit Be­ginn des Rechnungsjahres 1926 im Durchschnitt nicht wesentlich erhöht hat. In diesem Falle braucht ein Teil des Wohnungsbauantcils nicht zur Steuersenkung, sondern kann zur Deckung schwebender Schulden verwendet werden, ein Fall, der praktisch allerdings kaum vorkommen dürfte. Uebersteigt dagegen der einem Lande für sich und seine Gemeinden nach den Bestimmungen der Rotverordnung aus der Sondergebäudesteuer zufließende Deckungsbetrag den durch die Steuer- fenkung entstehenden Steuerausfall, so ist der übersteigende Betrag einem Ausgleichs­fonds zuzuführen. Dieser Ausglcichssonds ist zur Unterstützung solcher Gemeinden zu verwen» den, die durch Wohlfahrtslasten in außerordent­lichem Umfange belastet sind, oder unabhängig von der Realsteuersenkung durch einen Rückgang des Aufkommens ihrer Realsteuern im Rech­nungsjahre 1931 besonders starke Einnahmeaus- sälle erleiden. In Ländern, in denen an Stelle oder neben den Gemeinden die Wohlfahrts­lasten in erheblichem Umfang von den Gemeinde- Verbänden getragen werden, kann der Ausgleichs­fonds auch zur Unterstützung solcher Gemeinde­verbände verwendet werden, die durch Wohl­fahrtslasten in außerordentlichem Umfang be­lastet sind. Indessen stehen die Hoffnungen der Gemeinden und Gemeindeverbände auf diesen Ausgleichsfonds auf ziemlich schwachen Füßen, denn die Rotverordnung ermächtigt die Landes­regierungen, den übersteigenden Betrag, statt ihn dem Ausgleichsfonds zu überweisen, weiter zur Förderung der Bautätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungswesens zu ver­wenden. Die Rotverordnung schreibt weiter vor. daß zur Förderung der Bautätigkeit von den Ländern im Rechnungsjahr 1931 der gleiche Be­trag zu verwenden ist, der den Ländern für sich und ihre Gemeinden zur Deckung des durch die Steuersenkung entstehenden Ausfalls zur Ver­fügung gestellt wird. evtl, ist der fehlende Betrag aus dem Aufkommen an Wohnungsbauanteil des folgenden Rechnungsjahres vorweg zu entnehmen.

Während die vorstehend erläuterten Senkungs- maßnahmen nur für das Rj. 1931 gelten, wer­den für die Zeit vom 1. April 1932 ab Grund­sätze über die Bemessung der Realsteuern durch besonderes Reichsgesetz ausgestellt.

Betrachtet man die Maßnahmen der Reichs­regierung zur Senkung der Realsteuern, so muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß diese Senkungsaltion aller Voraussicht nach nicht die erwartete Wirkung nach der Richtung haben wird, daß eine fühlbare Erleichterung f ür d ie allgemeine Wirtschaft eintre­ten wird, denn man darf sich nicht der Tatsache verschließen, daß gerade das Jahr 1930 mit seiner ungeheuer gestiegenen Zahl von Arbeitslosen und ausgesteuerten Arbeitslosen ein derartiges Anschwellen der sozialen Lasten für die meisten deutschen Gemeinden gebracht hat. daß infolge der Sperre der Umlagenerhöhung die Deckung dieser Lasten im Voranschlag 1931 fast durchweg, herab bis zu den kleinsten Landgemeinden, nur durch die Einführung der zugelassenen neuen Steuern, der Diersteuer und der Bür­ger st euer, möglich sein wird, wobei die Bier- Steuer für die kleinen Gemeinden ihres geringen Ertrages wegen von vornherein kaum in Be­tracht kommt. Unter Umständen werden die durch soziale Fürsorge besonders stark belasteten Ge­meinden geradezu gezwungen sein, zur Aus­gleichung des neuen Voranschlags 1931 von der in der Rotverordnung zugelassenen Möglichkeit, besondere Zuschläge zur Bürger­st e u e r zu erheben. Gebrauch zu machen, oder die Tarife ihrer Gas-, Wasser- und Elektri­zitätswerke zu erhöhen. Es muß als ausgeschlos­sen gelten, derartige große Mehrlasten, wie sie im Rj. 1931 für die meisten Gemeinden erwach­sen, durch Senkung der Ausgaben, die zum

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Oberhessischer Kunstverein.

Frühjahrs-Ausstellung.

Die am Sonntagvormittag eröffnete Früh- jahrsausstellung des Oberhessische nKunst- Vereins im Turmhaus umfaßt Gemälde von Erna Krüger, Osterode am Harz: Radierungen von Harald Pickert, Kufstein in Tirol: und Oelgemälde von Max Bombe, Endbach bei Gladenbach.

Der junge Graphiker Harald Pickert bevor­zugt, in der hier vorgeführten Folge von Ra­dierungen. Freilichtstudien und Landschaftsmotive, vorwiegend südlichen Charakters: daneben findet man einige Architekturstücke und Porträts, eine Kreuzigung und endlich etliche Phantasiekomposi­tionen wie die BlätterFür einen Buchhändler" unbBlind": die ästhetischen Werte dieser über­wiegend auf ein kleines Format begrenzten Graphiken beruhen auf der sympathischen Zart­heit der Strichführung, auf der klaren und liebe­voll eingehenden Durchbildung auch geringer Mo­tive und Bildeinzelheiten, sowie auf der mit viel Sinn für malerische Wirkungen geschaffenen Ver­teilung von Licht und Schatten. Schwarz und Weitz Hell und Dunkel: wir empfehlen besonderer Beachtung die BlätterVorfrühling",Alte Gärtnerei",Kufstein von der Klemm",Alte Ziegelei",Antibes" undRuhe aus der Flucht", ein Blatt, das wie etliche andere in dieser Folge ein wenig an den graphischen Stil von Ferdinand Staeger erinnert.

Den größten Raum der neuen Ausstellung be­ansprucht eine umfängliche Gemälde-Kollektion von Erna Krüger. Ihr Spezialgebiet sind Por­träts .figürliche Gruppen und Landschaften. In den Bildnissen erweisen sich Malweise und Gesamtstil als so verschiedenartig, daß sich zwischen den einzelnen Arbeiten zum Teil recht erhebliche Ausdrucksfpannungen ergeben; so etwa zwischen rein dekorativ wirkenden Stücken wie dem Links- rechtsprvfil ernes Mädchens vor grünem Hinter­grund und einer sehr vornehm gemaltenCello- spielerin" (Rückwand) einer der für unser Ge­fühl reifsten Arbeiten der ganzen Ausstellung,

bestechend vor allem durch den ruhigen unb noblen Museumslon feines Kolorits; in ähnlichem Sinne wäre auch dieSpreewälderin" zu beurteilen; daneben, weniger der malerischen Eigenwerte als des sympathischen Vorwurfs und des Stimmungs­gehalts wegen, die beiden KompositionenMut­ter und Kind". Hingegen scheint uns ein Herren­porträt (mit Buch) durch den unruhigen Hinter­grund ebenso beeinträchtigt wie das Blumenstück (rechts), das an einer koloristischen Ueberfüllung leidet. Schließlich sind noch zwei große Figuren­gruppen zu 'erwähnen die Zimmerleute auf der Walze und die Steinhauer; im einzelnen gut gesehen und gemalt, im Gesamtbild jedoch, infolge der Gleichförmigkeit im Körperrhythmus ein wenig starr und unlebendig, was besonders bei der Steinhauergruppe kaum zu übersetzen ist.

Die Gesamtkollektion wird ergänzt durch zwei Oelgemälde von Max Bombe, einem jungen Mitgliede des Oberhessischen Kunstvereins. Man sieht eine weiträumig angelegte Frühlingsland­schaft, deren ziemlich hartes Kolorit sich erst bei einem erheblichen Abstand dcs Beschauers ein wenig lockert und zusammenschlietzt; daneben ein auf dekorative Wirkung hin komponiertes Stil­leben mit Früchten, Blumen und figürlicher Staf­fage.

Es dürfte sich übrigens empfehlen, zur leich­teren Orientierung rind zur Vermeidung von Miß- verständnissen. jedes Bild der Ausstellung ein­zeln zu beschriften, wie das bisher üblich war; die Aushändigung eines Gesamtverzeichnisses (mit Preisen) an jeden Besucher würde, unabhängig davon, aus propagandistischen Gründen zu be­grüßen sein. y

Tanz im schwimmenden Dorf.

Die Eingeborenen des südöstlichen Neu-Guinea unterbrechen zur Zeit des Südostmonsuns gern die Eintönigkeit ihres alltäglichen Daseins, um auf ihren eigenartigen Fahrzeugen, den sog. Lakatois, weite Fahrten zu unternehmen, um die von ihnen an= gefertigten Tonwaren gegen Sago umzutauschen, den sie von den Bewohnern des nördlichen Teils des Papua-Golfes erhalten. Eintritt dcs Nord­

größten Teil zwangsläufig sind, auch nur an­nähernd auszugleichen. Es ist weiter zu berück­sichtigen. daß im Rj. 1931 infolge der lchweren Wirtschaftskrise mit ganz erheblichen Steuerausfällen an Gewerbesteuer und an Reichssteuerüberweisungen zu rechnen ist. für die ebenfalls Deckung gesucht werden muh. Unter solchen Umständen darf man sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß die angeordnete Steuer­senkung leider die erhoffte Wirkung nicht haben wird, was auf das tiefste zu bedauern ist. Es muh davor gewarnt werden, große Hoffnungen auf den vorgesehenen Ausglcichssonds zu setzen, da dessen Eristenz auf sehr unsicheren Grundlagen steht und es fraglich ist, ob er überhaupt in Er­scheinung treten wird.

Schuld an diesem Ergebnis ist nicht die Finanz­politik der deutschen Gemeinden, fonbern daS Sanierungsprogramm der Reichsregierung. Mit Recht hak kürzlich der Hessische Städtetag in einer Entschließung darauf hingewiesen, daß d i e Rotverordnung den finanziellen Belangen der Gemeinden nicht aus­reichend Rechnung trägt. Es werden Maßnahmen vermißt zur Sicherstellung der kom­munallen Finanzwirtschaft, die durch die nach wie vor steigenden Ausgaben für die Wohl- fahrtserwerbÄosen und die Krisenunterstühung auf das schwerste gefährdet wird.

Es gehört nicht zu den Aufgaben unb Mög­lichkeiten der kommunalen Selbstverwaltung, einen derartigen Massennot st and, wie ihn die un­

geheuere Arbeitslosigkeit mit ihren Auswirkungen für die WohlsahrtserwerbSlosenfürsorge mit sich bringt, aus eigenen Mitteln zu beseitigen. Dies ist vielmehr ausschließlich Sache des Reiches. Daher muß die Forderung erhoben toerben, auS Mitteln des allein hierfür verantwortlichen und zuständigen Reiches den belasteten Gemeinden und G e m e in de v e r bän d en zu helfen. Weirn dies geschieht, bann werben auch bic Ge­meinden in der Lage sein, die vorgeschriebene: Senkung der Realsteuern durchzuführen, ohne wie­der zu neuen Steuern greifen zu müssen. Ein Sa­nierungsprogramm aber, das seine Rettung darin sucht, Lasten, die an und für sich gerechterweis« dem Reiche obliegen wie die Fürsorge für die ausgesteuerten Erwerbslosen auf die Gemein­den abzuwälzen, bringt keine Sanierung, sondern bedeutet in Wirllichkeit nur eine zwecklose Lastenverschiebung. Dies muh mit aller Deutlichkeit festgestellt werden.

Zum Schlüsse fei noch auf zwei wichtigeNeue­rungen der künftigen Regelung der Realsteuern hingewiesen, indem die Rotverordnung die freien Berufe, einschlicß.ich der Ro'.are, zur Gewerbesteuer hcranzieht. und bei der Ge­werbesteuer als Besteuerungsgrundlage nur noch der Gewerbeertrag gilt. Das Gewerbe- kapital ist Bemessungsgruirdlage nur bann, tx>cnn der Ertrag geringer ist als 6 Prozent des Kapi­tals. Damit wird die Gewerbesteuer zu einer rei­nen Ertragssteuer.

SJlxfpott

Heffenkampf im Kunstturnen.

(Bau Rheinhessen siegt vor den (Bauen Hessen und Rhein-Main.

Bor mehr als 4000 Zuschauern fand gestern in der Mainzer Stadthalle der Kunstturnwettkampf der hessischen DT., (Bau Hessen, Rheinhessen und Rhein- Main die erste Wiederholung. Sieger in dem span­nenden Wettbewerb blieb diesmal (Bau Rheinhessen mit 881 Punkten. Unser Heimatgau Hessen, der als vorjähriger Sieger den Wanderpreis dcs hessischen Staatspräsidenten zu verteidigen hatte, erreichte diesmal nur 829 Punkte, eine immer noch beacht­liche Leistung, wenn man in Betracht zieht, daß er sehr gute Kräfte des Vorjahres nicht mehr in der Mannschaft hatte und mit zum Teil ganz neuen Kräften angetreten war. Gau Rhein-Main wurde mit 8054 Punkten 3. Sieger. Es wurde jetzt schon bestimmt, daß der dritte Hessenturnkampf bereits an­fangs Oktober dieses Jahres in Gießen stattfindet. (Ausführlicher Sonderbericht folgt!)

Fußball der Gießener Mannschaften.

Sladtmannschaft B

gegen DfR. Duhbach-FL. Grohen-Vuseck 2:1.

Das Werbespiel, das gestern nachmittag aus An­laß desIugendheim-Werbetages imWSV. auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe stattfand, entsprach nicht völlig den Anforderungen, die man gemein­hin an ein wahres -Werbespicl stellt. Die Stadt- mannschast B, die sich unter schwierigen Voraus­setzungen bildete, trat gegen eine Mannschaft von Grotzen-Duseck und VfR. Butzbach an. Leider be­gann das kombinierte Werbespiel erst mit einer Verspätung von 20 Minuten, ein Umstand, der bei einem Werbespiel möglichst nicht in Erschei­nung treten sollte.

Das Spiel selbst erfüllte leider auch nicht die damit verknüpften Erwartungen, denn es wurde wenig besonderes gezeigt. Die Mannschaft der Gießener fand sich sehr schlecht zusammen; man spielte reichlich viel und etwas unbekümmert an­einander vorbei, eine geschlossene Aktion kam kaum zustande, die Erfolge blieben aus unb die Chancen, bic sich boten, wurden nach bewährtem Muster nicht ausgenüht. Die Gegenseite erwies sich nicht als besser, spielte lediglich etwas un­komplizierter, aber nicht weniger planlos. 3n der 15. Minute der ersten Halbzeit fiel der erste Treffer für Butzbach. Mit 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Während der zweiten Spielhälfte kamen die Gießener etwas auf und vermochten

durch ihre immerhin etwas reifete Technik zwei Erfolge zu erzielen unb damit einen knappen, aber wenig eindrucksvollen Sieg sicherzustellen.

Erfreulicher war das Ergebnis, das die Stadt- mannschaft A nach Hause brachte. Konnte eS auch kein Sieg fein, so war es doch ein sehr ehren* Molles Ergebnis, das unter Umständen sehr gut auch ein Sieg heißen konnte, denn die Gießener waren in der zweiten Hälfte dcs Spieles ein sehr gefährlicher Gegner und nur der hervorragende Torwart der Platzbesiher rettete feiner Mann­schaft diesen Ausgang des Treffens. Eine weniger angenehme Kunde traf aus Lollar ein: die Gießener Vertretung kehrte aus dem Kampfe gegen Daubringen-Lollar mit einer 5:2-Rieder- lagc zurück.

Westdeutsche Fußball-Endspiele.

Fortuna Düsfeldorf und VfL. Dielefeld Gruppenficger.

Wegen des westdeutschen IugendopfertageS wurden die Endspiele um die WSV.-Fußball­meisterschaft diesmal schon am Samstagnachmit­tag bzw. Sonntagvormittag ausgetragen. Die Kämpfe brachten bereits wertvolle Entscheidungen. Fortuna Düsseldorf wurde durch einen 4; 2-(4:1-) Sieg über FW Reuendorf Sieger der Gruppe B, während sich in der Gruppe A der VfB. Bielefeld durch einen 4; l-(3:0-)Erfolg. über Union Gelsen­kirchen den Gruppensieg sicherstellte. Diese beiden Mannschaften bestreiten zusammen mit den Grup» penzweiten die eigentliche DSV.-Endrunde. AIS erster Gruppenzweiter wurde Alemannia Aachen nach seinem 5:1-(1: l-)6ieg über SC. 03 Kassel ermittelt. Der Zweite der Gruppe A wird in dem noch ausstehenden Spiel zwischen Union Gel­senkirchen und Meidericher Spielverein ermittelt.

Oie süddeutschen Endspiele.

Allmählich hat sich die Situation in den süd­deutschen Endspielen soweit geklärt, daß sich der Endkampf zwischen SpDg. Fürth, Eintracht Frank­furt und vielleicht noch Bayern München abspielen wird. Daß sich am letzten Sonntag SpVg. Fürth und Eintracht Frankfurt im Frankfurter Stadion vor 35 000 Zuschauer (!) einen torlosen Kamps lieferten und daß zu gleicher Zeit die Münchener Bayern sich in Pirmasens vom FK. Pirmasens mit 3:1 (1:0) schlagen ließen, ist dabei von besonderer Bedeutung. Ueberraschend gut hielt sich wieder ein­mal Wormatia Worms, die aus dem Spiel in Karlsruhe gegen den KFV. ein 2:2 (0:2) mit nach Haufe brachte.

Westwindes kehren sie dann wieder heim. Das eigen­artige Leben und Treiben auf einer solchen Fahrt schildert der bekannte Forschungsreisende Dr. Paul Wirz in der Leipziger3 11 u ft r i r t c n Zei - t u n g". Eine solche Lakatoi besteht aus 16 großen Einbäumen, die durch mehrere quer darüber gelegte Baumstämme zusammengehalten und fest miteinan­der verschnürt sind. Dieses annähernd quadratische Floß bildet ein schwimmendes Dorf. Ringsum sind 1X> Meter hohe, mit Sagolaub verkleidete Wände errichtet, die einen großen viereckigen Raum um­schließen, auf dem die Frauen und Kinder, die Hunde, Ferkel und der gesamte Hausrat kunterbunt durcheinander verstaut sind. Bevor die Reise ange­treten wird, treten die Aeltesten des Dorfes zusam­men, um die wichtige Angelegenheit zu beraten. Einer der Erfahrensten wird Kapitän und erhält die Leitung des Fahrzeuges. Wer sich an der Fahrt beteiligen will, muß ein Kanu zur Verfügung stellen und nimmt alles mit, was er fein Eigen nennt. So lebt man auf der Reise nicht viel anders als zu Hause. Jeder hat seinen besonderen Platz mit seiner Familie, seinem Vieh und seinen sieben Sachen, jeder hat seine bestimmte Arbeit. Die Män­ner haben die beiden Steuerruder unb die seltsam geformten, in zwei mächtige geschweifte Hörner auslaufenden Segel zu bedienen. Sie müssen auch darauf achten, daß alle Bindungen der Stämme fest bleiben und schauen ab und zu nach dem aus* geworfenen Angelhaken, um die Beute einzubringen, die dann die Frauen und Mädchen zubereiten. Eine solche Reise dauert mit dem Aufenthalt und Besuch der verschiedenen befreundeten Stämme drei dis fünf Monate und bildet eine besondere Lustbarkeit. Die Abende werden in dem schwimmenden Dors mit Tanz und Gesang verkürzt.Als wir an Bord kamen", so erzählte der Verfasser,war man grabe mit ber Toilette beschäftigt, lauste sich gegenseitig unb bemalte sich Gesicht unb Körper, wie es sich zu einem Fest gehört. Die jungen Leute prangten in ihren umfangreichen, sorgfältig zurcchtgezupften unb reichlich mit Febern besetzten Frisuren unb ihren neuen, gelb unb rot bemalten Lendengürteln, und einer suchte den andern mit feinem grotesk bemalten Antlitz in den Schatten zu stellen. Die Papua-Back- sifchchen aber kokettierten mit ihren schwarzbebän- berten Fransenschürzchen, bie beim Gehen fröhlich auf und nieder wippten unb die kunstvoll tätowier­

ten Oberschenkel durchblicken ließen. Ueberall roch» es nach Del unb würzigem Betel, ber jetzt von alt un jung auf Leben unb Tob getaut würbe unb zur Erhöhung ber festlichen Stimmung beitrug. Es be­gann zu bunteln. Die Feuer würben angefacht, unb ber Widerschein der Flammen spielte auf den braunen, rotbemalten, öltriefenden Körpern. Plötz­lich ertönte ein dumpfes Tuten. Schaurig klang es durch die sternenklare Nacht. Einer der Burschen war auf den Mast geklettert und blies das Muschel­horn, bas Zeichen zum Beginn bes Festes gebenb. Wie auf ein Kommanbo griffen jetzt alle zu ben Trommeln, bie im Takt bearbeitet würben. Auch einige Mädchen waren auf die Masten unb bas Dach geklettert unb warfen wie in ekstatischer Ver­zückung ihren Körper hin unb her, so baß bie Feder- schürzchen auf unb ab flogen. Alles schien plötzlich wie von einem Taumel ergriffen zu fein, unb gleichmäßig wogte ber ganze bunte unb schweiß­überströmte Menschenknäuel auf unb nieder. Dumpf Hangen bie abgefetzten Trommelfchläge unb die hellen Stimmen in bie lauwarme Tropennackst hinaus..

Zeitschriften.

Westermanns Monatshefte bringen in bem Aprilheft eine AbhanblungDilettantismus unb Planmäßigkeit im mobernen Haushalt", in ber die Verfasserin, Vera Bern, eine Lanze für bie Mobernisierung unb Rationalisierung bes Haus­haltes unb feiner Gebrauchsgeräte bricht. Sie gibt einen Uebcrblick über bie neuesten Apparate für bie Küche unb ben übrigen Haushalt unb wertvolle Hin­weise für bie Vereinfachung ber Arbeit. Auch ber Artikel über Garten unb Blumen steht in engem Zu­sammenhang mit ber Frau, unb sicher hat bie Ver­fasserin Hertha Fricke mit ihrem AufsatzGarten unb Parkkunst unserer Zeit" ein Thema angeschnitten, bas mit befonberem Interesse gelesen werben wirb. Die farbigen Kunstwiedergaben ergänzen ben Bericht vorteilhaft; zeitgemäß ist auchNeuzeitliches Bauen unb Wohnen". Nach dem Vorbild der neuen Sied­lungen und Gruppenbauten in Frankfurt a. M. wer­den Wesen und Stil neuer Bauten von Dr. W. Schür- meyer erörtert. Ein brennendes Problem rollt Pros. Dr. Max Wolff mit ber AbhandlungPreis und Lohn" auf.