Rr. 253 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Donnerstag, 29. Oktober (93|
Wirtschaftskrise — Kapitalbildung.
Gedanken zum Weltspartag 1931.
Der Weltspartag am 30. Oktober, mit dem sich alljährlich die Sparkassen an die Sparer wenden, fällt diesmal in eine besonders schwere Zeit. Ein aufregender Sommer liegt hinter uns, ein schwerer Winter steht bevor. Wirtschaftliche Not, Einkommensminderung und Arbeitslosigkeit bedrücken nach wie vor das deutsche Volk. Das Verkehrteste, was ein Volk in solcher Lage tun könnte, wäre, das Selbstvertrauen zu verlieren und sich statt von ruhiger Ueberlegung und vernünftiger Einsicht von Angst und Panik leiten zu lassen.
Der deutschen Volkswirtschaft fehlt genügend eigenes Kapital. Zwar haben allein die breiten Schichten der Sparer bei den Sparkassen in den Jahren seit der Stabilisierung über 11 Milliarden Reichsmark Kapital zusammengetragen. Aber die einheimische Kapitalbildung reicht nicht aus zur Deckung des großen Kapitalbedarfs, der sich durch Krieg, Frie- densvertragsverluste, Reparationen, Inflation, technische Fortschritte und wirtschaftliche Veränderungen angehäuft hat. In erheblichem Umfange hat die deutsche Wirtschaft daher in den vergangenen Jahren ausländisches Kapital heranziehen müssen. Die vor allem mit kurzfristigem Auslandgeld verbundenen Gefahren, die in der Zahlungskrise im Sommer schließlich einen schlimmen Ausbruch hatten, haben deutlich erkennen lassen, wie wichtig gerade die Bildung von einheimischem Kapital ist.
18 Millionen Deutsche haben heute ein Sparbuch, sind Sparer bei den deutschen Sparkassen. Diese Zahl ist nicht nur ein großartiger Vertrauensbeweis für die deutschen Sparkassen, sie zeigt auch einen der wichtigsten und besten Aktivposten an den die deutsche Volkswirtschaft heute hat. Diese Sparer sind, so drückte es kürzlich Reichsbankpräsident Dr. L u t h e r
treffend aus, die moralisch und wirtschaftlich wertvollsten Schichten des deutschen Volkes, sie sind ideale Träger der Kapitalbildung auf breitester Grundlage.
Die Ersparnisse werden von den Sparkassen sicher und zinsbringend angelegt, so daß die gesamtwirtschaftliche Entwicklung davon gefördert wird. Das Kapital, das der deutschen Wirtschaft in so starkem Maße fehlt, kann nur auf zweierlei Weise beschafft werden, durch Borgen vom Ausland oder durch Sparen im Inland. Auslandskapital ist teuer, oft unsicher und gegenwärtig nicht, oder nur wenig zu bekommen. Es bleibt also nur der eine Weg: das Sparen. Jede Mark, die im Inlands gespart wird, ersetzt ausländisches Geld und gibt ein neues Hilfsmittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsschrumpfung. Natürlich hilft sie dann nicht, wenn sie gehamstert wird, wenn sie zu Hause im Schrank oder „im Strumpf" aufgehoben wird, denn da kann das Geld nicht wirtschaftlich fruchtbar gemacht werden. Im Gegenteil, jede gehamsterte Mark stört den Zahlungsverkehr, schwächt den Kreislauf des Geldes und schädigt so die Wirtschaft.
Alle diese Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit, Einkommensrückgang, Kapitalmangel, Zahlungsverkehr und Spartätigkeit sind allen deutlicher denn jemals durch die rasch aufeinander folgenden Ereignisse der letzten Monate erläutert worden. Es ist die große Aufgabe des diesjährigen Weltspartages am 30. Oktober, die einzig richtige und mögliche Folgerung aus all den Erkenntnissen und Erlebnissen der letzten Zeit dem deutschen Volk vor Augen zu halten: Den Kreislauf des Geldes aufrechtzuerhalten.
Wirtschaft.
*" Vernehmungen in der Schultheis- Patzenhofer-Angelegenheit. Wie die Justizpressestelle in Berlin mitteilt, haben die Vernehmungen in Sachen Katzenellenbogen (Schultheis) seitens der Staatsanwaltschaft bereits begonnen. Bis. her liegen zwei Anzeigen von Aktionären wegen Betrugs und Untreue vor.
* Städtische Werke AG., Kassel. Der Aufsichtsrat der Städtischen Werke AG., Kassel, be- faßte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Abschluß für das Rechnungsjahr 1930/31 und beschloß, der Generalversammlung die Verteilung von wieder 11 v. H. Dividende vorzuschlagett.
Berliner Börse und englische Wahlen.
Berlin, 29. Okt. (WTB. Funkspruch.) In den heutigen Vormittaasstunden lagen neben dem Ergebnis der britischen Wahle n nunmehr auch in größerem Umfange die internationalen Pressestimmen vor. Nach diesen beurteilt man den Sieg der Konservativen im allgemeinen geteilt. Wirtschaftspolitisch stören die Exportländer natürlich die zu erwartenden Schutzzölle, die eine E r - schwerung des internationalen Handels bedeuten. Aus amerikanischen Exportkreisen liegt allerdings eine Meldung vor, nach der man zunächst wenig geneigt ist, die Befürchtungen zu teilen, daß durch evtl, englische Zölle der amerikanische Handel beeinträchtigt würde. Von etwa 500 Artikeln, die von Amerika nach England exportiert werden, sieht man keinen als so bedeutend an, daß für ihn Spezialzölle erhoben werden müßten. Man glaubt ferner, daß in England selb st Inter-
Werm Menschen arrseinarrderrgehn
(Roman von I. Schneider-Foerstl.
llrheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Stundenlang konnte er vor dem Bild sitzen, len Kopf weit hintenüber geneigt, die geliebten Züge betrachtend. Wenn er abends die Augen Ichlotz, verfolgten sie ihn noch in seine Träume (hinüber, die wirr und abgerissen die endlos Ian» -gen Nächte durchirrten. Ihre Stimme schmeichelte sich i-n sein Ohr, ihr Mund an seine Lippen. .z'Bela — wie kann man so über die Matzen glücklich sein!"
Dann stöhnte er auf: „Und so über die Matzen unglücklich, Rosmarie!"
Török kam immer seltener. Die beiden Männer Duhten sich nichts mehr zu sagen, nicht das ge» mngste. Sie trugen ein und dasselbe Leid und toagten kaum den Finger daran zu legen, damit 2ie Wunde nicht wieder bluten sollte, die Wunde, 2*te doch niemals vernarben konnte.
An Horvath dachte Szengeryi nur selten und lann ganz flüchtig, als ob er nicht in dessen «öchuld stünde, da er doch Rosmaries Leben Hatte retten wollen. Für das alles gab er nichts. •Gie war tot. Datz der Freund gegangen war, schmerzte ihn kaum. Das Leid um die geliebte ■firau verschlang jedes andere Gefühl.
Er mutzte sich erst entsinnen, als ihm eines Wintertages eine Dame gemeldet wurde, auf Heren Karte er
„Naja Dosanhi" las. Naja Bosanhi? Er ging ihr die Hälfte des Zimmers entgegen, sah u ter schwarzen Schleiern ein schmales, durchgeistigtes Gesicht, das in dem feinen suchte, als ob es ein ganz anderes fei, als das, das in ihrer Erinnerung lebte.
„Komme ich dir ungelegen, Dela? 3d) ertrug es nicht mehr."
Sie taumelte in den Stuhl, den er ihr zuschob uad faltete die Hände im Schotz. „Mater Dolo- ci>fa!“ so durchfuhr es ihn. Irgendwo hatte er einmal dieses Bild gesehen. Genau so, wie dieses junge Weib hier vor ihm satz, haftete es in feinem Gedächtnis.
„Kann ich dir irgendwie behilflich fein, Naja?" fiagtc er. „Du siehst, ich bin nur noch ein halber Mensch, aber ich habe Verbindungen."
Dr hielt inne und sah auf den gesenkten Kopf, u.-in den die Lichter des Abends spielten. „Vielleicht hast du Vertrauen zu mir.“
Sie suchte nach Atem. „3ch komme nicht darüber hinweg.
essenkonflikte entstehen können, die das Zustandekommen eines allgemeinen Hochschutzzolles wenig begünstigen. In Berliner Handelskreisen hielt man diese Hochschutzzölle für das kleinere Hebel und glaubt, daß stabile Währungsverhältnis s e in England immer noch besser seien, als eine Inflation, die jede Konkurrenz unmöglich machen würde. Das Abschließen der einzelnen Länder durch Zollmauern hat man ja auch schon früher gehabt. Daß jetzt die Schweiz auch noch in den Kreis dieser Länder eintreten will, wurde allerdings ! nicht gerade freudig begrüßt. Im heutigen Freiverkehr herrschte daher Zurückhaltung, doch war die Tendenz trotz des schwachen Neuyorks von gestern kursmäßig etwa behauptet. Schultheisaktien waren sogar etwas gesucht, auch für Siemens bestand einiges Interesse. Pfandbriefe lagen wenig verändert. Obwohl der Umsatz als solcher etwas lebhafter ist, als an den Vorlagen, hört man doch allgemein Klagen über die geringe Verdienstmöglichkeit, da es sich bei dem größeren Kreis der Telephonmaller mehr um Zusallsgeschafte handelt und auch die Telephonspesen einen großen Teil der Einnahmen verschlingen. Der einzige Vorteil dieser größeren Basis ist, daß jetzt schon alle Börsenpapiere theoretisch handelbar sind. Das Interesse der Spekulation beschrankt sich natürlich weiter auf die Hauptpapiere. In Kreisen der Privatbankiers soll sich übrigens erneut ein gewisser Widerstand gegen die Verpflichtungen, Effekten für Ausländer nicht zu verkaufen, geltend machen. Es wird behauptet, daß man diese Verpflichtungen nur bis Ultimo dieses Monats eingegangen sei, und es
Szengeryi mutzte sich erst besinnen, was sie meinte. Er wuhte, datz sie Horvath geliebt hatte. Trotzdem fand er kein Wort des Trostes. Er war ganz ausgesogen vom eigenen. Leid.
„Vom Gericht wurde mir sein Testament zu- geschickt", erzählte sie tonlos. „Das Kind ist Erbe."
„Das Kind? Ich Weitz nicht welches Kind du meinst?"
„Das feine."
Er schüttelte den Kopf. „Ich wutzte gar nicht, datz er geheiratet hat. Es mutz während meiner Abwesenheit geschehen sein. Wer ist seine Witwe?"
„Ich."
Szengeryi griff sich an die Schläfen.
„Wer hat euch getraut?“
„Niemand, Vela." Das Mädchen klammerte die Hände ineinander und sah in die Ferne. „Vater verwehrte mir seinen Segen, und fliehen wollte ich nicht! Heute würde ich es tun — alles würde ich tun, was er von mir verlangt. Aber die Toten haben keine Wünsche mehr."
Szengerhis Gesicht war bleich. „Wenn es dich tröstet, Naja, datz ich dieselbe Qual erleide wie du —"
Ihre Nechte hob sich abwehrend. „Ich will keinen Trost, wie ich auch kein Vergessen möchte. Das Erinnern ist das einzige, das mir keiner nehmen kann. Ich möchte dich nur um die Adresse eines Anwalts bitten, um Guidos letzten Willen auszuführen. Er hat bestimmt, datz der Knabe seinen Namen trägt. Von den Zinsen des Geldes soll sein Unterhalt bestritten werden und später seine Erziehung. Vis zum zwölften Lebensjahre darf er bei mir bleiben."
„Lind dein Vater?" Szengeryi hielt den Kopf zurückgelehnt und horchte auf das Knistern der Scheite, die im Kamin verkohlten.
„Er weih jetzt alles. Vis heute hat er die Nuhe des Toten mit keinem hätzlichen Wort gestört."
„Wir bereuen immer erst, wenn es zu spät ist."
Naja unterdrückte mit Gewalt das Weinen, das ihr in der Kehle satz. Er bat sie, sein Gast zu sein, solange sie in Wien zu weilen gedenke, klingelte nach Aga, die Török ihm überlassen hatte, damit er doch wenigstens einen mitfühlenden Menschen um sich wutzte und drückte die Hände vor das Gesicht, als die Türe hinter Aga ins Schlotz gefallen war.
„Heute nacht, lieber Schatz, wenn die Sterne am Himmel steh'n, dann muh ich fort ..."
Die Fenster muhten für einen Spalt offen gestanden haben, denn das Lied klang eben von der Strahe herauf, wo eine Iugendgruppe vorüberzog.
Szengeryi sprang hinzu und stieh in die Riegel, datz die Scheiben klirrten.
wird daher für die nächsten Tage eine diesbezügliche Verordnung zur Neuregelung erwartet.
Frankfurter Schlachtvichmarkt.
Frankfurt a. M., 29. Okt. Auftrieb: 135 Rinder, 1053 Kälber, 515 Schafe, 656 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 40 bis 44 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 35 bis 39, geringe Kälber 30 bis 34; S ch a f e: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast)
27 bis 30, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 22 bis 26, fleischiges Schafvieh 17 bis 21, S ch w e i n e : vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 47 bis 50, von etwa 200 bis 240 Pfund 46 bis 49, von etwa 160 bis 200 Pfund 45 bis 49, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 42 bis 47 Mark. — Marktverkauf: Kälber sehr schleppend, geräumt; Schafe ruhig, geräumt; Schweine ruhig, ausverkauft.
Auslandbörsen und englische Wahlen.
Die Londoner Börse war gestern auf Gewinnmitnahmen leicht abgeschwächt, die britischen Staatspapiere konnten aber ihre Anfangsgewinne voll behaupten.
Die Pariser Börse war nach freundlicher Eröffnung später uneinheitlich, bei äußerst geringem Geschäft schloß sie in schwacher Haltung.
Die WienerBörse war bei geringem Geschäft nicht einheitlich, doch ergaben sich auf vielen Marktgebieten Kursbesserungen.
Die Amsterdamer Börse war nach freundlicher Eröffnung später schwächer. Man sah den englischen Wahlsieg eher als u n g ü n st i - gen Faktor an, da man bezüglich der Zollpolitik Befürchtungen hegt. Die Börse schloß meist zu den niedrigsten Tageskursen.
Aus denselben Erwägungen wie Amsterdam hinsichtlich der Folgen des Wahlsieges der nationalen Regierung in England war die Neuyorker Börse uneinheitlich.
Oie (Reichsmark überall weiter fest.
An den internationalen Devisenmärkten hat sich das Pfund von seiner vorgestrigen Abschwächung nicht nur erholen, sondern es hat sich kräftig befestigen können, da man an den Auslandsplätzen von dem Wahlerfolg der Regieruna überrascht wurde. Gegen den Dollar konnte sich das Pfund von 3,8875 vor gestern auf 3.92 befestigen; in Amsterdam zog es auf 9.65 an, in Zürich auf 20,0750 und in Paris auf 99,75. Die Reichsmark liegt international weiter fest, wobei die feste Haltung des Pfundes nicht ohne Einfluß blieb. In London war sie unverändert mit 16,57, d. h. die Pfundbefestigung kam ihr ebenfalls voll Augute; in Amsterdam zog sie auf 58,10, in Zürich auf 120,25 und in Paris auf 591 an. Der Dollar machte die Aufwärtsbewegung des Pfundes in gewissem Umfange mit, so daß er sich in Paris auf 25,30, in Amsterdam auf 246,85 und in Zürich auf 510,65 stellte. Der französische Frank lag an den verschiedenen Devisenplätzen nicht einheitlich. Die Norddevisen waren ziemlich gut gehalten und die südamerikanischen Devisen lagen fester. Madrid unverändert.
Am Nachmittag war das englische Pfund heftigen Schwankungen ausgesetzt und schwächte sich ab. In Neuyork und Amsterdam ging es sogar auf seinen vorgestrigen Schlußstand wieder zurück, nur in Paris konnte es seinen Tagesgewinn fast ganz behaupten. Gegen den Dollar schwächte es sich also auf 3,9025 wieder ab, gegen den Gulden auf 9,6350, gegen Zürich auf 19,9250, gegen Madrid auf 43,90. Gegen Paris stellte es sich auf 99,69, dagegen lag der Frank in London mit 99,06 bedeutend fester. Die Reichsmark hat ihre Aufwärtsbewegung fortgesetzt und liegt an allen internationalen Devisenplätzen ro e i - ter f e ft. In Neuyork zog sie auf 23,70 an, in Amsterdam auf 58,2750, in Zürich auf 121, in London stellte sie sich auf 16,5550, d. h. genau wie vorgestern, wobei aber die Befestigung des Pfundes zu berücksichtigen ist. Der Dollar hat sich am Nachmittab an allen Plätzen wieder befestigt, so zog er in Amsterdam auf 246,7050 an, in Zürich
auf 511 und in Paris auf 25,3975. Die Devise Madrid hat sich ebenfalls befestigen können, dagegen neigen die Norddevisen, vor allem Stockholm, zur Schwäche.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2U.
Banknoten.
28 Df ober
29 Oktober
Amtliche Notierung
Amtliche
Notierung
meld
3 rief
Geld
3riel
Helsingsor» .
8,59
8,61
8,54
8,56
Wien. . .
58,94
59,06
58,94
59,06
Prag . . .
12,47
12,49
12,47
12.49
Budapest . .
73,28
73,42
73,28
73.42
Sofia . . .
3,072
3,078
3,072
3,078
Holland . .
170,73
171,07
170,68
171.02
Ü3lo . . . .
92,31
92,49
91.41
91,59
Kopenhagen.
92,91
93,09
92,01
92,19
Stockholm
95,65
95,85
93,91
94,09
London. . .
16,44
16,48
16,29
16,33
Buenos Aires
0,983
0,987
0,978
0,982
Neupori . .
4,209
4.217
4,209
4.217
Brüssel. . .
58,84
58,96
58,74
58.86
Italien. . .
21,78
21,82
21,73
21,77
Paris . . .
16,59
16,63
16,59
16,63
Schweiz . .
82,50
32,56
82,32
82,48
Spanien . .
37,36
37,44
37,36
37,44
Danzig. . .
83,27
83,43
82,77
82.93
Japan . . .
2,058
2,062
2,058
2,062
Rio de Ian..
0,259
0,261
0,259
0,261
Iugoflawien.
7,473
7,487
7,473
7,487
Lissabon . .
14,99
15,01
14.94
14,96
Reichsbankdiskonk 8 v. h.
Berlin, 28 . Df ober
Geld
Bries
Amerikanische Noten.......
4,20
4,22
Belgische Noten . ........
58,68
58,92
Dänische Noten . ........
92,71
93,09
Englische Noten . ........
16,40
16,46
Französische Noten........
16,58
16,64
Holländische Noten........
170,36
171,04
Italienische Noten........
21,81
21,89
Norwegische Noten........
92,11
92,49
Deutsch. Oesterreich, * 100 Schilling
58,68
58,92
Rumänische Noten........
2,52
2,54
Schwedische Noten........
95,46
95,84
Schweizer Noten. ........
82,32
82,64
Spanische Noten. ........
37,22
37,38
Ungarische Noten ........
72,75
73,15
Lombardzinsfuß 10 v. h.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 29. Oft. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 100 Pfennig das Pfund an, Butter 120 bis 130, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 7. Rotkraut 8 bis 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römifchkohl 8 bis 10, Llnter-Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 35 bis 40, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 3,5 bis 4, Repfel 8 bis 10, Dirnen 8 bis 10, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 80 bis 100, Gänse 80 bis 90, Nüsse 25 bis 30; Tauben (Stück) 50 bis 60, Eier 12 bis 13 Pf. das Stück, Blumenkohl 20 bis 60, Salat 10 bis 15, Salatgurken 20 bis 25, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40; Kartoffeln 2,50 bis 2,80 der Zentner, Aepfel 4 bis 6, Weißkraut 2 bis 2,50, Wirsing 4 bis 5, Rotkraut 4 bis 5 Mark.
„Morgen früh, lieber Schah..."
Aga sand, als sie eine Viertelstunde später wieder eintrat, ihren jungen Professor im Sessel zusammengesunken.
„Warum schreit man nach einem Menschen erst, wenn er nicht mehr erreichbar war? Don den Toten kommt keiner wieder."
Lord Calderon kniff die Visitenkarte, die ihm der Diener reichte, an den entgegengesetzten Ecken ein und hob die verkrümmte Schulter. „Kenne ich nicht!"
Das glattrasierte Gesicht neigte sich tiefer zu ihm herab. „Eure Lordschaft sollten sich den Mann ansehen und die Geige auch!"
„Du meinst also, datz es sich lohnt?"
„Ohne allen Zweifel, Mylord!"
„Dann bring mich also hinüber!"
Der Diener trat hinter den Fahrstuhl und schob ihn mit behutsamer Sorgfalt in das Empfangszimmer nebenan. Schweres Getäfel gab der Decke und Wänden eine ernste Linie.
„Mister Horvath, Mylord!"
Das Dienergesicht verschwand.
Irgendwo krachte ein Stück der schweren Möbel. Der Schritt, der von der Türe her über den kostbaren Perser kam, ritz keinen Laut in die Stille.
„Guido Horvath, Lord."
In dem farblosen Gesicht erwachten zwei Augen von graublauem Ton und falkenartiger Schärfe. Gibt es nicht einen Geiger gleichen Namens?"
„Ich bin es selbst."
„And der andere, der in Sorrent den Tod fand?"
„Ist einer Person mit mir.“
Calderon schüttelte den Kopf und zeigte nach einem Stuhl. „Cs spricht sich besser", beharrte er, als Horvath nur die linke Hand auf den Wulst der Lehne stützte. „Ich habe kein Recht zu fragen. weshalb Sie für die Mitwelt tot zu sein wünschen. Ich achte jeden Willen. Kann ich die Geige sehen, die Sie mir zum Kaufe anboten?"
Horvath ging zu einem Tisch, der in der Nähe der Türe stand, nahm dort einen polierten Kasten auf und trug ihn zu dem Greis herüber.
Der Deckel glitt zurück.
„2lh! John hat nicht zu viel gesagt. Man mutz sie gesehen haben!" Die Finger strichen über das dunkelgeflmnmte Holz und liehen die Saiten leise anschlagen. In den graublauen Augen erwachte das Degehren.
Lord Calderon war ein Junggeselle und ein Sonderling, und zwar einer von jenen, die mit zäher Verbissenheit Stücke bestimmter Gattungen von Dingen erwarben, ohne nach der Höhe des Preises zu fragen und sie dann in einen Hei- ligenschrein verschlossen, um anbetend davor zu
stehen und immer wieder neue Gesellschaft der bereits vorhandenen zuzuführen.
Mit jedem Gegenstand, den er erwarb, wuchs fein Verlangen nach mehr. Es gab auf Schlotz Port-Rush Zimmer, in deren Vitrinen chinesische Tassen, Vasen, Teller, Statuen. Schüsseln und Schalen sich häuften. Andere Räume wiederum waren mit alten Möbeln gefüllt, so datz man. wenn man von einem Zimmer ins andere trat, gewissermatzen den Fuß von einem Jahrhundert in ein anderes setzte.
Calderons größte Sammlerleidenschaft aber waren die Geigen, sowohl solche, die Altertumswert besaßen, als auch jene, die nur deshalb eine Kostbarkeit darstellten, weck die Hände eines Künstlers von Ruf sie zum Tönen gebracht hatten.
Die Geige, die er jetzt behutsam aus dem blauen Samt des Kastens nahm und mit den Rügen streichelte, wies beide Vorzüge zugleich auf: Ein Altertumsstück und dem Geiger Horvath gehörend, dessen Ruhm die ganze Welt erfüllte.
„Ich kaufe sie!" Lord Calderon sah nur noch das Instrument, und so entging ihm das Aufatmen des Künstlers. „Was verlangen Sie dafür, Mister Horvath?"
„Um Geldeswert ist sie mir nicht feil."
„Wie dann?" Calderons Gesicht ritz sich von dem geflammten Holz los und- hob sich zu dem schönen Männerantlitz mit einem mädchenhaft weichen Mund empor. Seine Finger pretzten sich fest um den Hals der Geige, als könnte deren Desiher sie ihm unversehens aus den Händen winden und das Weite suchen. „Wie öann?“ fragte er ein zweitesmal.
„Sie sollen mich adoptieren, Lord Calderon."
„Ich habe nicht verstanden!"
„Cure Lordschaft sollen mich an Sohnesstatt annehmen — ohne jede Verpflichtung persönlicher oder finanzieller Natur, aiur Ihren Namen mutz ich tragen dürfen, weiter will ich nichts. Dafür sollen Sie die Geige haben."
Calderon lief) keinen Blick mehr von Horvath. „Hören Sie, Mister Horvath: Entweder find Sie verrückt — oder bin ich es. Einer von uns beiden ist es ganz sicher."
„Mylord irren. Ich habe Gründe, tot für die Witwelt zu sein, wie Sie ganz richtig bemerkten."
„Sie sehen nicht aus, als ob Sie irgendein Verbrechen begangen hätten, um dessentwillen Sie sich verstecken müßten“, unterbrach ihn Calderon.
„Verbrechen?" Horvaths Gesicht war leicht gefärbt. „Nein! Ich würde sonst nicht vor Ihnen stehen und um Ihren Namen bitten. Aber es widerstrebt mir, als Romanheld angesehen zu werden, der in Sorrent starb, um nach Jahresfrist wieder aus der Versenkung zu tauchen."
(Fortsetzung folgt.) ' ■>. /


