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Oie Sparkassen als Glieder der deutschen Wirtschaft.

Fünfzig Lahre Deutscher Sparkassen- und Giroverband.

Berlin. 28. Sept. (WTB.) Die zu der 50- jährigen IubiläumStagung des Deutschen Spar­kassen- und Giroverbandes zahlreich Erschienenen begrüßte der Präsident des Verbandes, Gehei­mer Regierungsrat Dr. Kleiner und gab der Versicherung Ausdruck, daß die Sparkassen auch weiterhin die Politik der Wiederherstellung des Vertrauens in das politische und wirtschaftliche Deutschland mit allen Kräften unterstützen wür­den. Die Sparkassen seien die natürlichen De­positenbanken für Deutschland und gewährlei­steten durch die staatliche Aufsicht und durch die kommunale Haftung ein Höchstmaß an Sicherheit. Die öffentlichen Sparkassen seien durchaus ge­sund. Das Reich sollte seinen Einfluß mit allem Rachdruck dahin geltend machen, daß die verant­wortlichen Leiter der privaten und öffent­lichen Bankgruppen sich zu regelmäßigen Besprechungen zusammensinden. Völlig un­diskutabel und restlos abzulehnen seien alle Pläne einer generellen Schuldenabwertung sowie alle Projekte, die direkt oder indirekt, beabsich­tigt oder unbeabsichtigt, auf eine Geldentwer­tungspropaganda hinauslaufen.

Reichskanzler Or. Brüning erklärte dann u. a.: Die Weltkrise hat Formen angenommen., von denen die breite Oef,entlich- keit überrascht und auf das höchste beunruhigt worden ist. Wenn eineStandardwährung der Welt ins Wanken gerät, sind die Folgen nicht abzusehen. Die Regierungen stehen vor schwerwiegenden Entscheidungen, die möglicher­weise dür Wirtschaftsentwicklung auf Jahre hin­aus festlegen können. Da gilt es, eine klare Linie zu verfolgen und voreilige Beschlüsse zu vermeiden. Denn nichts stört das öffentliche Leben mehr als eine Zickzacklinie der Politik. Die Währung muh in Deutschland unversehrt er­halten bleiben. Die Regierung wird darum im Verein mit der Reichsbank alles tun, um die Wäh­rung in ihrem Bestände au schützen. Jeder, der sparen kann und will, soll gegen Entwer­tung seinesVermögens gesichert wer­den. Es ist die größte Aufgabe des Sparkassen­wesens, den S p a r s i n n anzuregen und die Spar­gelder zu verwalten. Man wird prüfen müssen, ob die Sparkassen gegenüber ihren Ga­rantieverbänden selbständiger au machen sind als bisher und ob ihre Liquidi­tät verbessert werden kann. Der rein pri- yatwirtschaftliche Standpunkt wird nicht mehr alleinbestimmend sein dürfen für die Richtung, in die der Kapitalstrom fließen muß. Diese Rich­tung darf nicht allein abhängen von der Rente, sondern auch von den Erfordernissen größter volkswirtschaftlicher Ergiebigkeit. Rach wie vor werden die Sparkassen den K l e i n k r e d i t kurz­fristiger und langfristiger Art besonders pflegen müssen. Dringend notwendig ist die A b k e h r von den gesteigerten Zinssätzen bei allen Geldinstituten. Die Tatsache, daß die Spar­einlagen in den letzten Jahren trotz zunehmen­der Wirtschaftsnot eine sehr beachtliche Hohe er­reichen konnten, ist ein Beweis eines starten Ver­trauens der breiten Schichten des Volkes und des gefunden Kerns des Wirtschaftslebens. Sie ist aber auch Ausdruck eines entschlossenen Selbst- h i l f e w i l l e n s. Es ist zu hoffen, daß die deutsche Sparkassenorganifation dazu beitragen wird, dieses nächstliegende Ziel zu erreichen.

Der preußische Innenminister t Geverinq

^.führte sodann aus: Der Deutsche Sparkassenverband ' tft heute zu einer Organisation erwachsen, die in ranz Deutschland 3000 öffentliche Sparkassen um­aßt. Das Sparkassengeschäft ist ein Mittel­tan ds g e sch ä f t, ein Geschäft des kleinen Man­nes. Die zwölf Milliarden Mark Spareinlagen bei den Sparkassen in Deutschland sind von 18 Mil­lionen Sparern nach der Inflation gespart worden. Sie haben den Verhältnissen in Politik und Wirt­schaft Vertrauen entgegengebracht. Wer dieses Vertrauen untergräbt, schlägt der Wirtschaft neue Wunden und vermehrt das Elend der Arbeits­losigkeit. Das Geld im Strumpf ist Aderlaß an der deutschen Wirtschaft. Die Sparkassen sind eine kommunale Einrichtung. Dem Sparein­leger haftet nicht nur die Sparkasse mit ihrem Ver­mögen, sondern daneben der kommunale Ge­währsverband mit seinem eigenen Vermögen, auch mit seiner Steuerkraft. Durch die schwere Wirt­schafts- und Finanzkrise sind auch die Sparkassen schwer betroffen worden. Wie werden den Spar- kästen da, wo dies noch nicht der Fall ist, eigene Rechtspersönlichkeit geben müssen, um das Sparkassenoermögen von dem sonstigen Vermögen der Gemeinden zu trennen. Wir werden vor allem die Liquiditätsreserven der Sparkassen und Girozentralen stärken und sichern müssen. In

den letzten Jahren ist das Realkreditge- schäft überspannt worden. Auch dem K o m- m u n a l k r e d i t werden engere Grenzen ge­zogen werden müssen. Die Geschäftsführung über­sichtlicher zu gestalten, eine wirksame Kontrolle zu ermöglichen, jedem unnötigen Krästeverbrauch ent­gegenzutreten, darin werden alle einig sein. Das

alles aber darf nicht zur Beseitigung der Selb st Verwaltung und der Selbstver- antwortung der Sparkassenorganisa- Honen führen. Darum werde ich allen Angriffen entgegentreten, die auf eine Entkommunilisierung der Sparkassen und auf eine Zertrümmerung der zentralen Organisation abzielen.

Oer ReichsbankprasidenL gegen jede Znflationspoliiik.

ReichsbankpräOent Dr. Luther machte dann einige grundsätzliche Bemerkungen über die deutsche Währungspolitik angesichts der Ent­wertung des Pfundes. Lr wandte sich scharf gegen die Jnflationsideen. Reue Aufträge für die Industrie, Exportprämie im Preise usw., dieses Wohlbefinden sei nur im ersten Stadium der Inflation vorhanden, was Deutschland am eigenen Leibe erlebt habe. Sehr bald würden Soften und Preise steigen. Für Deutschland scheide der Ge­danke, es könnte eine dosierte, eine kontrol­lierte Inflation geben, aus. Dr. Luther be­tonte, daß er es weit von sich weife, durch Inflation den deutschen Sparer um sein Kapital zu bringen. Für Deutschland gebe es noch ein besonderes Hin­dernis, die Goldparität schwinden zu lassen, nämlich die v a l u t a s ch u l d e n, da es an das Ausland vorwiegend in Gold, Dollar oder in anderen gold- beftändigen Währungen verschuldet sei. Infolgedessen

würde uns in unserer Lage eine Abwertung der Reichsmark keineLrleichlerungenim Schul­denstand bringen, zumal unsere Auslandverschuldung in der Gesamlverschuldung die entscheidende Rolle spiele.

Die für die Schaffung neuer Währun­gen gemachten Vorschläge (Roggenmark, Renten­mark, Steuermark, Arbeitsmark usw.) bezeichnete Dr. Luther als reine Inflationen. Alle diese Projekte gingen darauf hinaus, neueZahlungs- mittel zu schaffen, ohne sich an den alten wäh- rungsgrundsah zu halten, daß der Zahlungsmittel­umlauf nicht über die Grenze hinausgehen dürfe, die sich aus dem Warenumlauf ergebe. Die Bin­dung an das Gold gewährleiste objektiv die Ein­haltung dieser Grenze, deren Ueberschreitung In­flation bedeute. Das Festhalten an der Goldwäh­rung bewahre Deutschland vor unübersehbaren Schwierigkeiten und werde schließlich auch Deutsch­lands Kredit stärken.

Oie Bürgerschafiswahlen in Hamburg.

Schwierigkeiten einer Mehrheitsbildung. Bleibt der alte Senat am Ruder?

Die Meinung der presse.

Hamburg, 28. Sept. (TU.) Die Hamburger Blätter nehmen bereits ausführlich Stellung zum Ausgang der Bürgerschaftswahlen. DieHam­burger Rachrichten" (deutschnatl.) schreiben u. a.: Auch der Ausgang der Hamburger Bürger­schaftswahlen hat erwiesen, daß der R a t i o n a l- sozialismus im Wachstum fortschreitet. Ein zweites Merkzeichen ist das Anwachsen des Kommunismus auf Kosten der Sozial­demokratie, die einen ganz erheblichen Rückgang au verzeichnen hat. Ob die Hamburger Sozial­demokratie Lust verspürt, sich mit den Kommu­nisten in eine Mehrheitsbildung zu begeben, in der doch zweifellos die Kommunisten Ton und Tempo angeben würden, ist abzuwarten. Rach den schweren Einbußen der Deutfchnationalen und der Deutschen Volkspartei, kann auch die bürger­liche Rechte keine Mehrheit stellen. Der alte Senat wird, selbst wenn er nach einem Miß­trauensvotum zurücktreten mühte, die Geschäfte solange weiterführen, bis ein neuer Senat gewählt ist. DasHamburger Frem­denblatt" (demokrat.) schreibt: Die Wähler haben ihrer Stimmung der Enttäuschung, der Ratlosigkeit und der Verzweiflung Ausdruck ge­geben. Die Bildung eines Roten-Ar- beiter-Senats aus Sozialdemokraten und Kommunisten halten wir für ein, vom Kredit und vom Ansehen der internationalen Wirt­schaft so abhängiges Staatswesen, wie Hamburg, für völlig untragbar. Wenn das Volk selbst keinen Rat weih, wächst die Ver­antwortung der Führer ins Ungeheure. Die Stunde scheint gekommen, in der unter Ausschluß der Radikalen, alle, die es mit Hamburgs Wirt­schaft ernst meinen, sich in irgendeiner Form zu- sammenschliehen.

Die Berliner Presse nimmt nur kurz zu dem Ergebnis der Wahl Stellung. DerVor­wärts betont: Die Hamburger Wahlen haben die Erwartungen des demokratischen und freiheitlichen Deutschland nicht erfüllt. Die Verzweiflungsstim- mung, die die Volksmassen angesichts der drohenden Winternot packte, haben die Stimme der Vernunft unterdrückt. DasBerliner Tageblatt" be­tont, daß die Gewinne der Nationalsozialisten das Maß des Erwarteten überstiegen habe. Die Bürgerschaftswahl ist ein deutliches Symptom für die wachsende Not im Volke. DieGer­mania" weist darauf hin, daß Kommunisten und Nationalsozialisten als die billigen Sieger einer leicht mit Hoffnungslosigkeit und Mißtrauen zu er- füllenden Wählerschaft hervorgingen. Ihre Erfolge seien in der Hauptsache auf die Jung- und Neu­

wähler zurückzuführen. Die Nationalsozialisten hät­ten einigen Grund, ihren Sieg über die liberalbürgerliche Mitte zu feiern. Ihren Hauptgegner, den Marxismus, hätten sie jedoch nicht geschlagen. DieDeutsche A l l g. $ t g." meint, daß die Hamburger Wahlen eine bitterernste Mahnung an das Kabinett Brüning sei. Die Deutsche Tageszeitung" betont, daß die radikale Welle eine verstärkte Gewalt gezeigt habe. Sie übe ihre Haupt st aßkrast auf den rechten Flügel aus, während die Sozialdemo­kratie in allen Fugen krache. Die Deutschnationalen begännen ihre Verluste wieder auszugleichen. Der Berliner Lokal-Anzeiger" weist darauf hin, daß das deutsche Volk in immer größerer Mehr­heit die Politik der Brüningparteien ablehne. Die nationale Opposition habe mehr gewonnen, als die Sozialdemokraten verloren hätten.

Die Parteien zum Wahlergebnis.

Hamburg, 28. Sept. (TA.) Zu dem Aus­fall der Hamburger Dürgerschaftswahlen erklärte Bürgermeister Dr. Petersen, der Spitzenkan­didat der Deutschen Staatspartei: Man dürfe nicht den Mut verlieren. An der Wasserkante wisse man, daß der Sturm viel aufwühlen und zer­stören könne, daß aber schließlich wieder Ruhe eintrete und daß dann wieder gearbeitet werde. Das Wahlergebnis zeige, daß ohne die Sozial­demokratie eine Mehrheit nicht gebildet werden könne. Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Max Stavenhagen, stellt fest, daß die Wahl einen starken Auftrieb der Partei seit den letzten Reichstagswahlen gezeigt habe. Der Zuwachs der Stimmen, der etwa 30 v. H. betrage, entspreche demjenigen der Rationalso­zialisten. Lieber die Möglichkeiten einer Rückwir­kung zu sprechen, sei noch verfrüht. Der Vor­sitzende der Deutschen Volkspartei, Dr. B a g g e, weist darauf hin, daß die bürgerlichen Parteien gegenüber den Bestrebungen weiter Kreise, die Dinge zu einer radikalen Entscheidung zu brin­gen, in doppeltem Maße die Ruhe bewahren müßten.

Die Reichsleitung der RSDAP. schreibt zu dem Ergebnis u. a.:Das Volk hat der national­sozialistischen Bewegung in überwältigender Weise sein Vertrauen ausgesprochen. Gegenüber bisher drei, zieht die Partei mit 43 Mandaten in das Hamburger Parlament ein, während fast alle anderen Parteien schwer geschlagen aus dem Wahlkampf zurückkehren. Die Große Koalition ist von uns Rationalsozialisten in Hamburg zer­schlagen worden. Die Reichsregierung wird darin eine neue Bestätigung der Tatsache sehen müssen, daß sie nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit des deutschen Volkes besitzt."

Kleine politische Nachrichten.

Nach dem amtlichen Ausweis für die Einnah­men und Ausgaben Hessens betrugen per Ende August die Gesamteinnahmen im ordentlichen Haushalt 29,695 Millionen Mark, denen Gesamt­ausgaben von 36,686 Millionen Mark gegenüber» stehen. Im außerordentlichen Haushalt sind per Ende August 0,271 Millionen Mark Einnahmen und 0,611 Millionen Mark Ausgaben verzeichnet.

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Die Reichsbahn hat im Einvernehmen mit der Reichsregierung den drei vertragschließenden Organisationen die §§ 4 und 5 des Lohntarif­vertrages zum 31.Oktober gekündigt, um die in der Rotverordnung vorgesehene Lohnsen­kung auch bei der Reichsbahn durchzuführen.

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Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist von seiner zweiten Südamerikafahrt nach 79 Fahrstunden wieder auf heimatlichem Boden gelandet. Obwohl die Rückkehr erst eine Stunde vorher bekannt wurde, war das Werftgelände von zahlreichen Zuschauern bevölkert.

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Reichsminister des Innern Dr. Wirch hat den badischen Staatspräsidenten telephonisch gebeten, da- Verbot derReuen Badischen Lan­deszeitung" mit sofortiger Wirkung aufgu - heben. Das Verbot war ausgesprochen, weil das Blatt Indiskretionen zur neuen Rotverord­nung Über eine geplante Herabsetzung der Be­amtengehälter veröffentlicht hatte, die angeblich geeignet waren, Beunruhigung unter der Be­

amtenschaft hervorzurufen. Das Verbot ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden.

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Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat die in Köln erscheinende nationalsozialistische Tages­zeitungWestdeutscher Beobachter" einschließlich ihrer Kopfblätter auf die Dauer von zwei Wochen verboten.

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Das Amtsgericht Halle verurteilte den Merse­burger Regierungspräsidenten Ernst von H a r - nack, einen Sohr, des kürzlich verstorbenen be­rühmten Theologen^ zu 100 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung des Dundesführers des Stahlhelms a. D. Düsterberg. v. Harnack hatte bei einer Versammlung in Halle zur Bekämpfung des Volksbegehrens Düsterberg als rauhbeinigen Stahlhelmfeldwebel bezeichnet und ihn mit einem kleinen Pintscher" verglichen, der dem Montblanc (Severing) gegenüberstehe.

Vor dem Hamburger Schwurgericht hat sich heute der 28jährige ehemalige Polizeioberwacht­meister Pohl wegen des von ihm am 13.März dieses Jahres auf den Regierungsrat Saffallt) verübten R e v o l v e r a n s ch l a g s, bei dem Lassally erheblich verletzt wurde, zu verantwor­ten. Der Angeklagte gibt zu, die Absicht ge­habt zu haben, den Regierungsrat, der ihn in einem Disziplinarverfahren wegen angeblicher Betätigung für die RSDAP. zu vernehmen hatte, zu erschießen, und erklärt, er bereue die Tat nicht.

Die lettischen Regierungsparteien beschlossen, den RigaerDomder deutschen Domgemeinde durch Notverordnung wegzunehmen. Die '.Re­gierung erhielt das Recht, die Umgestaltung des Domes, der in Marakathedrale umgetauft werden soll, durchzuführen. Der deutschen Domgemeinde, der Besitzerin, sollen im Verwaltungsrat v.on 10 Stim­men nur drei belassen werden. Das Kabinett dürfte schon in den nächsten Tagen die Enteignungsver­ordnung herausgeben. Die Domenteignung war so­wohl vorn Parlament wie durch Volksentscheid ab­gelehnt worden.

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Lord Melchett wird im britischen Oberhaus eine Vorlage einbringen, durch die die Regierung ermäch­tigt werden soll, im Verordnungswege die Einfuhr zu beschränken ober gar zu ver­bieten, soweit sich dies mit den bestehenden Handels- vertrügen in Einklang bringen läßt. Eine solche Ver­ordnung würde, falls sie nicht die gesetzliche Sank­tion durch das Parlament erhalten würde, eine Gültigkeit von 60 Tagen haben.

Der englische Gewerkschaftsführer C o o k hat sich einer schweren Drüsen - Operation un­terziehen müssen. Die Drüsenentzündung hatte sich seit Januar, wo ihm bereits einBeinam- p u t i e r t werden mußte, zusehends entwickelt und war durch eine Erkältung, die sich Cook auf der Völkerbundstagung in Genf zugezogen hatte, akut geworden.

Der Befehlshaber der britischen Atlantikslotte, Admiral Sir Michael H o d- g e s, hat aus Gesundheitsrücksichten um Ent­

hebung von seiner Stellung gebeten. Der KV» nig hat den Admiral Sir John Kelly zum Befehlshaber der Atlantikflotte ernannt. Auf der Atlantikflötte hatte sich bekanntlich kürzlich die große Lohnrevolte ereignet.

Oie Gärung in der Sozialdemokratie.

Die Breslauer Parteifunktionäre gegen die Tolerierungspolitik.

Berlin, 28. Sept. (ERB.) Auf die von der sozial-demokratischen Parteileitung an die Abgeord­neten Dr. Rosenfeld und S e y d e w i tz gerichtete Anfrage, ob sie bereit seien, entsprechend den Be­schlüssen des Parteiausschusses die Herausgabe der ZeitschriftDie Fackel" aufzugeben, hat Dr. Rosenfeld zugleich im Namen von Seydewitz geant­wortet, daß sie nicht die Absicht hätten eine Sonder Organisation ins Leben zu rufen, auf der andern Seite aber auch nicht in der Lage seien, sich von derFreien Verlagsgesellschaft" und derFackel" zurückzuziehen. Der sozial­demokratische Parteioorstand wird fid)J)eute mit der durch diese Antwort geschaffenen Lage vefchäftigen.

Der Erweiterte Parteivorstand der Breslauer Sozialdemokratie, der aus den 130 leiten- den Funktionaären der Parteiorganisation Groß. Breslaus bestehb hat in einer Entschließung fest- gestellt, daß die Politik der Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien versagt habe und daß der Druck für die deutsche Arbeiterklasse in steigendem Maße gewachsen sei. Die Hamburger Wahlen be­wiesen, daß dieTolerierungspolitik" der SPD. der Partei schweren Schaden zufüge. Die Ent- schließung fordert aus diesem Grunde eine Kurs­änderung.

Keine Besoldungskürzung in Thüringen.

Weimar, 28. Sept. (TU.) Die Thüringer Not­verordnung stellt fest, daß das Land Thüringen einen Fehlbetrag von rund zwölfMillionen Reichsmark auszugleichen hat. Eine weitere Gehaltskürzung der Beamten und Einführung neuer Steuern ist ver­mieden worden. Man hat den Ausgle^ durch verschiedene Haushaltsabstriche ermd)t. Die Aufwandsentschädigung der Landtagsabgeordneten ist erheblich herabgesetzt worden. Weiter wurde in der Besoldung der Volksschullehrer und Dberfetretäre eine zurückgestufte Angleichung an d i e R e i ch s s ä tz e vorgenommen. Aehnliche Angleichun. gen erfolgen bei anderen Beamtengruppen. Insbe­sondere wird auch Thüringen die Universitätspro- fessoren in ihren Pensionen deü übrigen Beamten gleichfetzen. Ebenso sind die Vorlesungsgelder und die Vorlesungsgeldgarantie gekürzt worden. Weib- l i ch e B e a m t e, die sich verheiraten, haben in Zu­kunft auf alle Fälle aus dem Staatsdienst a u s 3 u - scheiden. Das Grundgehalt der Lehrerinnen wird unter Berücksichtigung einer herabgeminderten Pflichtstundenzahl auf 90 v. H. des Lehrergehalts

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Wettervoraussage.

Die Ostfeestörung ist schnell nordöstlich abgewan­dert und hat uns mit ihrer Kaltluft Temperaturrück­gang gebracht. Dabei ist aber auch der hohe Druck, der schon lange über den britischen Inseln lagerte, nach dem Festlande hingesaugt worden. Im Be­reiche seiner zusammenfinkenden Luftmassen wird der Himmel nach Frühnebelbildung zunächst vielfach auf- heitern. Jedoch Ist eine länger anhaltende Schön­wetterperiode nicht gesichert, denn an der Vorderseite eines kräftigen Tiefdruckgebietes über Island wird warme Luft vorgeschoben, die sich bereits über Ir­land durch Temperaturanstieg anzeigt. Sie wird allmählich auch bis auf das Festland gelangen und zum Abbau des Hochdrucks führen. Bei ihrem Aus- breiten auf die vorgelagerte Kaltluft treten Bewöl- fung und später Niederschläge auf. Die Tempera­turen steigen dann allgemein an.

Vorhersage für Mittwoch: Nachts frisch, morgens neblig und dunstig, tagsüber zunächst auf­heiternd und trocken, später Bewölkungszunahme und wärmer.

Vorhersage für Donnerstag: Wolkiges Wetter mit weiterer Erwärmung, einzelne Nieder­schläge.

Lufttemperaturen am 28. September: mittags 12,6 Grad Celsius, abends 7,8 Grad; am 29. September: morgens 6,2 Grad. Maximum 13,4 Grad, Minimum 4,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. September: abends 12 Grad; am 29. September: morgens 9,2 Grad. Niederschläge 0,6 mm., Sonnenscheindauer 2% Stunden.