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und zwar für 13 Zugteilnehmer und 12 Zuschauer oder Gegner, muhten die Sanitäter in Tätigkeit treten. Drei Polizeibeamte wurden durch Stein- Würfe verletzt. An verschiedenen Stellen der Stadt muhte, um die Angriffe abzuwehren, von dem Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden. Fünf Personen wurden festgenommen.

122 000 Mk. des Marburger Etats sind ungedeckt.

Is M a r b u r g , 28. April. Der Marburger Etat für 19 3 1 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 4 190 000 Mark, gegen das Vor­jahr ein Weniger von 63 000 QKarf. Zu Beginn der heutigen Stadtverordneten-Sihung teilte Oberbürgermeister Müller mit, dah sich der ungedeckte Betrag, den man anfänglich aus 150 000 Mark schätzte^infolge weiterer Steuer­ausfälle auf 165 000 Mark erhöht habe. Die Beratung der einzelnen Abteilungen des Etats ergab, dah dieser mit größter Sparsamkeit auf- gestellt ist, so dah man so gut wie nichts streichen konnte; die wesentlichsten Arrsgaben sind zwangsläufig. Aus der Abteilung Bäder- verwaltung ist hervorzuheben, dah sich aus dem Betrieb der neuerbauten städtischen Bäder (Hallen- und Sommer Schwimmbad) 23 000 Mark Detri^bsüberschuh ergeben haben, dah aber der Zinsendienst 73 000 Mark erfordert; die Stadt

muh also jährlich 5 0 0 0 0 Mark zu - schießen. Der Magistrat hatte zur Deckung des Ctatsdefizits Erhöhung der Dürgersteuer um 100 Prozent, sowie Erhöhung der Tarife der gewevolichen Betriebe, und zwar Erhöhung des Lichtpveises um 2 Pf. pro Kilowattstunde, Gas 2 Pf. und Wasser 5 Pf. pro Kubikmeter dor­geschlagen. Die Wetter vorgeschlagene Einführung einer erhöhten Biersteuer, einer Schankverzehr­steuer und einer Lohn summen steuer verfielen sämt­lich der Ablehnung. Genehmigt wurde nur die Erhöhung des Gaspreises um 2 Pf. und des Lichtpreises um 2 Pf. Damit werden jedoch nur 43 000 Mark gedeckt. Zur Deckung der restlichen 122 000 Mark wurde vom Magistrat Erhöhung der Bürgersteuer um 150 Prozent beantragt, die man jedoch mit großer Mehrheit ablehnte. Damit war die EtatSberatung beendet. Mit der Deckung der restlichen 122 000 Mark wird sich nunmehr der Bezirksausschuß zu beschäftigen haben.

Kreis Friedberg.

* Gambach, 28. April. Zm Anschluß an den Austritt der hiesigen Ortsgruppe des L a n d - jugendbundes aus dieser Organisation, wofür Unstimmigkeiten mit der Bundesleitung entscheidend waren, fand in den letzten Tagen in Wohnbach eine Versammlung von Vertretern zahl­reicher Ortsgruppen des Landjugend­bundes statt. Es wurde beschlossen, den Bimdes- vorsitzcnden zur baldigsten Einberufung einer außer­ordentlichen Generalversammlung aufzufordern.

Gießener Derkehrswerbnn« im Jahre 1930.

3n dem Tätigkeitsbericht des Ver­kehrs- und Verschönerungsvereins Gießen über das Geschäftsjahr 1930, der am vorigen Donnerstag in der Jahreshaupt­versammlung erstattet wurde, wird über die Ver- kehrswerbearbeit des Vereins in dem Berichts­jahre folgendes mitgeteilt:

OTte besonderes Merkmal des abgelaufenen Geschäftsjahres ist der

erfolgreiche Zusammenschluß des Verkehrs- Vereins mit dem Verschönerungsverein

zu vermerken. Bom jetzigen Verkehrs- und Ver­schönerungsverein sind nun auch alle die Arbeiten zu erledigen, die seither dem Derschönerungsverein oblagen, wie Verschönerung des Stadtbildes- Ver­besserung der Straßen- und Wegeverhältnisse. Aufstellung von Ruhebänken an Aussichtspunkten, in Anlagen und im Walde, Durchführung von Blumenschmuckwettbewerben usw. Durch Eintritt einiger Herren aus dem Vorstande des Verschö­nerungsvereins in den Vorstand des Derkrhrs- und Verschönerungsvereins werden die speziellen Belange des Verfchönerungsvereins gewahrt. Der infolge des Zusammenschlusses erstmals wieder zur Durchführung gebrachte Blumenschmuck­wettbewerb hat gute Ergebnisse gebracht und wesentlich zur Verschönerung der Häuserfronten und des Straßenbildes beigetragen. Es konnten 23 erste Preise, 69 zweite Preise und 30 dritte Preiße zur. Verteilung gebracht werden. Von den meisten Mitgliedern der Gärtnerinnung wurden wieder eine große Anzahl Blumenstöcke für die Preisvertcilung gestiftet, wofür hiermit besonders gedankt sei.

3m Hinblick auf die schlechten Wirtschaftsver­hältnisse mußte von der

Abhaltung von Werbeveranstaltungen

abgesehen werden. Man glaubte der Geschäfts­welt keinerlei besondere Unkosten zumuten zu kön­nen, auch fanden diesbezügliche Anträge bei der Geschäftswelt keine Gegenliebe. Aachbarstädte, die .wesentlich kleiner und nicht besser gestellt sind als Gießen, haben trotz und gerade wegen der schiech- l»!!!".____J"11-!-!1

ten Zeit zur Belebung der Wirtschaft die verschie­densten Veranstaltungen, teils mit großen Geld­opfern, durchgesührt. Es dürfte dies zu denken geben, da jeder Einwohner der Umgebung, der durch solche Veranstaltungen nach diesen Städten gezogen wird, dort auch seine Einkünfte tätigt. Le­diglich an dein Sonntag, an dem der Zirkus Sar- rasant in Gießen gastierte und infolge seiner um­fangreichen Reklame ungeheure Menfchenmassen aus weitem Umkreis nach Gießen brachte, waren auf Antrag der Kaufmannschaft die Läden offen. Da die Anzeigen in den Zeitungen aber viel zu spät erfolgt sind, bütfte nicht der gewünschte Er­folg eingetreten sein.

Die Haupttätigkeit des Vereins im Geschäfts­jahr war daher auch mehr propagandistischer Art. Es wurde die

Herausgabe eines Werbeprospektes beschlossen, der in einer Auslage von 10 000 Exem­plaren von der Drühl'schen Druckerei in Gießen in bester Ausführung herausgebracht wurde. Der Universität wurden 1000 Stück dieses Prospekts gegen Ersah der Selbstkosten überlassen. Ferner wurde der Führer unter Beifügung eines eben­falls neu herausgegebrnen Hotel- und Gast­stättenverzeichnisses an etwa 650 Bäder, Kurorte und Gemeinden im Reichsgebiet, an 226 ausländische Konsulate in Deutschland und an 146 deutsche Gesandtschaften und Konsulate im Aus­land. ferner an sämtliche deutschen Universitäten und Hochschulen, in größeren Mengen an die Schiffahrtsgesellschaften, die Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr zur Unterbringung im Ausland und an die Reisebureaus großer Zei­tungen versandt. Daß unsere Druckschriften auch ihr Ziel erreichen, beweist ein Brief aus S t. L o u i s in Amerika, worin unter genauer Angabe der Adresse des Verkehrsvereins in Gie­ßen, Seltersweg 93, um Uebersendung von Pro­spekten nach Frankfurt a. M, Kassel, Würzburg und Eisenach gebeten wurde. Eine Menge Zu­schriften und Zeitungsbesprechungen bestätigen die erstklassige Zusammenstellung und

gute Ausführung unseres neuen Führers. Außer dem Führer und dem Gaststättenverzeichnis erfuhr j

der Sfabfplan

in einer Auflage von 5000 Exemplaren eine zweite Auflage. Von den meisten Fremden und neu an­kommenden Sttidenten wird der Stadtplan zur Orientierung gekauft; in den Schulen ist er als Lehrmittel eingeführt. Es konnte sehr oft auf den Straßen beobachtet werden, daß sich die Fremden an Hand des Stadtplanes orientierten. Ferner wurde die

3nferatroerbung in Tageszeitungen.

Reisehandbüchern und Zeitschriften durchgeführt. Die Werbung in den Tageszeitungen, insbeson­dere die vom Städtischen Verkehrsamt in Gemein­schaft mit dem Derkehrsbund Oberhessen und der Arbeitsgemeinschaft für die Lahntalverkehrswer­bung durchgeführte Werbung, hat dem hiesigen Gebiet und damit unserer Stadt viele Fremde zu- geführt und Gießen in weitesten Kreisen bekannt­gemacht.

Erfreulich ist, daß in den letzten Jahren von der Universität der

Werbung von Studierenden

besondere Beachtung geschenkt wird durch Her­ausgabe größerer Druckschriften und Werbe- schri.ten der einzelnen Fakultäten und der Ferien­kurse. Es ist auch ein besseres Zusammenarbeiten mit dem Verlehrsverein zu verzeichnen. 3n vielen Fällen werden die Drucksachen der Universität den Sendungen unseres Vereins beigefügt. Erst kürzlich wurde von der Universität ein kleiner ProspektDas Studium an der Universität Gie­ßen" in einer Auflage von 4000 Exemplaren herausgegeben und auf Wunsch durch den Ver­kehrs- uhb Verschönerungsverein an 127 höhere Schulen in Hessen, Hessen-Rassau und der Rhein­provinz in Päckchen zu je 20 Stück zur Abgabe an die Abiturienten zum Versand gebracht. Erheb­liche Arbeit brachte auch

der Verkehr mit den Behörden.

Mit der Reichsbahn wurde über Fahrplanver­besserungen und die Verhältnisse auf dem Bahn­hof Gießen verhandelt. Die immer wieder er­hobenen Vorstellungen haben schließlich zu der erwünschten Vergrößerung der Bahnhofsvorhalle, Umstellung der Sperren und Ausstellung von Ruhebänken geführt. Mit der Post waren Ver­handlungen wegen der Autolinien und der Ge­päckausgabe erforderlich. Mit dem Kreisamt, der Stadtverwaltung, der Polizei, der Handelskammer usw. wurde über die verschiedensten Fragen ver­handelt, mündlich und schriftlich. Es muh gesagt werden, dah den Wünschen und Anträgen des Vereins durchweg von allen Behörden das größte Verständnis entgegengebracht wurde und die Ver­handlungen in den meisten Fällen zum Erfolg geführt haben.

Das Bild- und klischeemalerial,

das im Geschäftsjahr weiter vervollständigt wurde, ist an Vereine, Gesellschaften, Zeitungen und Zeit­schriften zur Aufnahme in Festschriften usw. leih­weise abgegeben worden. Verschiedenen Reise- gesellschatten wurden auf Wunsch die Schönheiten der Stadt und ihrer Umgebung von Mitgliedern des Vorstandes gezeigt. Bei diesen Gelegenheiten konnte man immer wieder hören, daß die Fremden von Gießen angenehm enttäuscht waren und offen heraussagten, daß sie sich von Gießen ein falsches Bild gemacht hatten. Als besonders bemerlens- wertes Beispiel sei bei dieser Gelegenheit an­geführt, daß ein Pressevertreter von Frankfurt, dem wir Gießen und Umgebung zu zeigen Ge­legenheit hatten, erklärte, es sei ihm, obwohl er doch im nahen Frankfurt sei, gar nicht bekannt gewesen, daß Gießen soviel Sehenswürdigkeiten

und Schönheiten auf den verschiedensten Gebieten aufzuweisen habe.

Der verein dürfte sich itf Zukunft mit dem Gedanken von bezahlten, gut orientierten Jrem- denführern. sowie mit der Einführung von Auto- rundfahrten vertraut machen.

Cs steht außer Zweifel, daß bei einer richtigen, sachkundigen Führung der Fremde einen gan- anderen Eindruck von unserer Stadt erhält, als dies bei oberflächlichem Besuche der Fall ist, und daß man ihn dadurch zu einem wiederholten Besuche veranlassen kann.

Trotz der wirtschaftlichen Rotlage kann mit­geteilt werden, daß sich, im Gegensatz zu den meisten deutschen Städten, in Gießen

die Fremden. und Uebernachtungsziffer auf der alten höhe gehalten hat.

3n der Zeit vom 1. Oktober 1928 bis 1. Oktober 1929 wurden hier 37 499 Fremde mit 55 692 Uebemachlungen, in der Zeit vom 1. Oktober 1929 bis 1. Oktober 1930 dagegen 41 013 Fremde mit 66 470 Uebernachtungen gezählt. Diese Zahlen sind immerhin belehrend und aufschlußreich.

Das Auskunftsbureau am Selterstor erfreute sich stets wachsender Inan­spruchnahme. 3n immer steigTNdsm Maße werden Führer und Prospekte von deutschen und ausländischen Orten verlangt, Einsicht in die aufliegenden Adreßbücher und das Reichs- adrehbuch, die Hotel- und Kurorteadrehbücher genommen, Auskünfte über alle möglichen Fragen erbeten, der ZirnrNernachweis in Anspruch ge­nommen und Vorverkäufe von Eintrittskarten für die verschiedensten Veranstaltungen je nach ihrer Eigenart kostenlos oder gegen eine pro­zentuale Abgabe durchgeführt. Es kamen im Geschäftsjahr 229 Drucksachen, 367 Briefe und 278 Karlen neben dem oben angeführten Sonder- Drucksachenversand zur Absendung.

Das Mobiliar wurde durch Beschaffung eine- großen Schran es zur Aufbewahrung der Akten, Druckschriften, usw. vervollständigt.

An Sitzungen fanden im abgelaufenen Ge­schäftsjahr statt: eine ordentliche Mitgliederver­sammlung, vier Vorstandssitzungen, sieben Aus- schußsihungen, fünf Sitzungen des Ausschusses zur Vorbereitung von Veranstaltungen, eine Sitzung des Ausschusses für Derfchönerungsfragen, sowie verschiedene Besprechungen und Besichtigungen über die Durchführung des Blumenschmuckwett­bewerbs. Zur Erledigung der laufenden Arbeiten waren tägliche Besprechungen erforderlich.

Aus diesen Darlegungen dürfte sich ergeben, wie umfangreich und mannigfaltig die Tätigkeit eines Derkehrsvereins ist. 3n Einzelheiten ein- zugehen, geht über den Rahmen des Berichtes hinaus. Um auch in der Folgezeit im Interesse unserer Stadt und der Geschäftswelt richtig ar­beiten zu können, ist

die Mitarbeit aller kreise, besonders des Han­dels und Gewerbes, noch mehr als seither erforderlich.

Wir bitten uns mit Rat und Tat, mit Vor­schlägen und Wünschen aller nur erdenklichen Art an die Hand zu gehen! Der Verein hat bereits vieles erreicht; es kann aber noch vieles erreicht werden zum Ruhen unseres Gemein­wesens. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dah sich die Mitgliederzahl nicht vermindert, sondern erhöht. Als bedauerlich muß festgestellt werden, dah gerade aus Kreisen der Geschäftswelt in letzter Zeit einige Austritte aus dem Verein erfolgt sind. Wenn auch die Zeiten nicht dazu angetan sind, bei vielen Vereinen Mitglied zu sein, so liegt es doch zweifellos im eigensten Interesse des Handels und Gewer­bes. einen tatkräftigen Verkehrs- und Verschönerungsverein zu haben!

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