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Nr. 24 Zweites Blatt
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Geflügel- und Kaninchenausstellung.
§ Daubringen. 27. 3an. Gestern fand die Lo kalfch au des Hiesigen K leintier- zuchtvereinS im Saale der Wirtschaft „Zum blauen Hecht" statt, die von Hiesigen Züchtern, gut beschickt und von Interessenten gut besucht war. Sic Prämiierung war von den Herren Ullrich (GieHen) und Meyer (Wieseck) durchgeführt worden und zeigte folgendes Ergebnis:
Kaninchen: Ehrenpreise erhiÄten: Karl Opper (Delbsilber), Heinrich Fuchs (Hermelin), Wilhelm Fuchs (Hermelin), Fr. Wich. 2llbach (Blaue Wiener), Heinr. Preis (Hermelin), H. Fuchs (Hermelin). 1. Preise: Wilhelm Opper (Belgische Biesen. Alttiere). Otto Lehr (Blaue Wiener). Heinr. Wagenbach (Schwarzsilber), Karl Oppcr (Gelbsilber). Wilh. Fuchs (Hermelm). 2. Preise: Wilh Opper (Belg. Riesen), Fr. Wich. Qilbad) (Blaue Wiener), Heinrich Wagenbach (Schwarzsilber), St Opper (Gelbsilber). Wllh. Walther IX. (Hermelin), Wilh Fuchs (Hermelin), Hch. Fuchs (Hermelin). 3- Preise: Wich. Opper (Belg. Riesen), Ernst Grölz (Belg. Riesen, Jung- ticre), Ludw. Stlingelhöfer (Blaue Wiener) Hch. Wagenbach (Schwarzsilber), K. Opper (Gelb- silber) Hch. Stecker (Gelbsilber), Emil Walther (Gelbs'ilber), Heinz Henkel (Gelbsilber). Hch. Fuchs (Gelbsilber). Wklh. Walther IX. (Gelbsilber).
Geflügel: Ehrenpreise: Ludw. Stlingelhöfer (Schwarze Italiener), Hch. Schäfer V. (Hamb. Silberlack). Hch. Hofmann (Amerikanisches Leghorn), Ludwig Schäfer (Millefleurs), Heinrich Henkel (Brieftauben), Hch. Hofmann (Japanische Höckergänse). 1. Preise: Emil Walther (Relchuhnf. Wyandottcs), 2oh. Reif (Rhodeländer). Hch. Schäfer V. (Gelbe Italiener), Wilh. Walther XII. (Rebhuhns. Italiener), Heinr. Hofmann (Amerik. Leghorn) Ludw. Schäfer (Amerik. Leghorn), derselbe (Millefleurs), Heinrich Heibertshausen (Deutsche Zwerge), Hch. Hofmann (Bantam schwarz). 2. Preise: Emil Walther (Rebhuhns. Wyandottes), Ioh. Reif (Rhodeländer), Ludw. Klingelhöfer (Schw. Italiener), Wilh. Walther XII. (Rebhuhns. Italiener), Stark Bogel (Amerik. Leghorn), Hch. Hofmann (Amerik. Leghorn), Karl Grölz (Amerik. Leghorn), Ludwig Schäfer (Millefleurs), Heinrich Heibertshausen (Deutsche Zwerge). Heinr. Henkel (Brieftauben), Ludw. Klingelhofer (Bronze-Puten), Dlauscheck 1930. Dlauscheck 1926.
Der Kleintierzuchtverein, der unter der rührigen Leitung von Wilhelm Opper steht, tarnt die diesjährige Ausstellung als einen großen Erfolg buchen.
Landkreis Gießen.
g. Klein-Linden. 28. Jan. Der hiesige G c • sellschaftsverein „Burgunoi a", der im vergangenen Jahre sein 50jähriges Bestehen feiern konnte, veranstaltete am Samstagabend im Saale der Wirtschaft „Zur Burg" sein Winterfest. Mit Rücksicht auf die schlechten wirtschaftlichen Verhält- nisse wurde van einer größeren Veranstaltung Abstand genommen. Mit einem Theaterstück, das gut wicdergegeben wurde und einigen humoristischen Einlagen wurden die Teilnehmer unterhalten
U Großen. Linden 27 Jan. Im Jahre 1930 wurden hier 35 Kinder geboren, 24 Trauungen fanden statt und 20 Personen (davon vier in Gießen) sind gestorben.
* Lollar, 27. 3an. Am Sonntag sand in der Gastwirtschaft von Fischer (Lollar) der diesjährige Delegiertentag des Kegelbundes Lahn-Duseckertal statt. Dem Bund gehören zur Zeit 15 Vereine an, die sämtlich ihre Delegierten entfalt hatten. Die Rechnungsablage durch Herrn Muth (Lollar) ergab ein günstiges Bild. An «teile des seitherigen Vorsitzenden Wilhelm Schäfer wurde Albrecht Schmidt (Wieseck) zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der übrige Vorstand wurde, mit Ausnahme des 2. Schriftführers und des 2. Kegelwarts, wieder- gewählt Die Anschaffung einer Bundesbahn
Das letzte Ballett.
Zum Tode von Anna Pawlowa.
13on Zenx panten
Von der Pawlowa erzählen, heißt eigentlich, die Geschichte der Tanzkunst in den letzten Jahrzehnten repetieren. Damals, als sie zum ersten Male nach Deutschland tarn, gab es bei uns schon etwas wie eine Revolution des Tanzes, und, da der Tanz auch nur eine Ausdrucksform der Kultur ist, aab es schon damals eine Art Umsturz unserer Anschauungen. Isadora Duncan hatte ihn bewirkt-, daß sie im Berliner Grünewald eine Tanzschule unterhielt, in der sie, um den antiken Tanz wieder ausleben zu lassen, Kinder in Rhythmik und Gymnastik unterrichtete, mochte noch angehn, aber daß sie es wagte, öfsentlich in wallenden „klassischen" Gewändern zu tanzen, unbeschuht und mit nackten Beinen auszutreten, war ein Ereignis, das die Aelteren höchst anstößig fanden und die Jüngeren ahnungslos anstaunten, ohne zunächst zu verstehen, um was es sich eigentlich handelte. Allgemein war man geneigt, sie für eine absonderliche Phantastin und Schwärmerin, jedenfalls aber für eine ganz vereinzelte Tatsache zu halten, die keine Rack-ahmung verdiente und keine Nachfolger finden würde.
Damals, einige Jahre vor dem Kriege, erschien Anna Pawlowa mit dem Kaiserlich-Russischen Petersburger Ballett in Berlin. Von der Begeisterung, die sie damals entfesselte, kann man sich heute schwer einen Begriff machen Die trockensten Kritiker wurhen Rhapsoden und griffen singend in die Harfe. „Die Russin", heißt es in einem Zeitungsausschnitt aus jenen Tagen, „scheint losgelöst von aller Erden- schwere. Sie schwebt im Raume Und der Moment, wenn sie wieder niederfinkt, langgestreckt, eine berückende Linie der Schönheit, das ist vielleicht der Glanzpunkt ihrer Leistung. Was die Koloratursängerin an Trillern und Staccati aus ihrer Kehle lockt, das hat Anna Pawlowa in den schlanken Beinen und den fabelhaft kultivierten Füßen. Ihr Spitzentanz ist die glänzende Koloratur von der Stimme auf die unteren Extremitäten übertragen. .." Mit solchen Worten, die auch heute noch ihre ganze Gültigkeit behalten, wurde damals geschwärmt, und dabei stellte man sie natürlich dem Duncan-Unwesen entgegen: diese „reformwütigen Sezessionisten" seien überwunden und eine abgetane Mode von vorgestern, ohne Spurhinterlasiung, ohne Schule. Mit Anna Pawlowa aber lebe die Tanz- tunjt, die die. DuncM und ihre Adepten mit einer
kecken Bluffung des Publikums überwinden wollten — eine schwungvolle Vorhersage, die von der Entwicklung erbarmungslos vernichtet wurde.
In Petersburg, m Rußland, wo man zu allen Künsten sozusagen etwas zu spät kam, wurde damals noch das alle Ballett gepflegt, da verehrte man noch das Gazerockchen, die Gange auf den Zehen, die Schnörteleien der Beine, die Verdrehungen und Verneigungen- da stand das Ballett immer noch, wo es im adrigen Europa etwa um 1830 gehalten hatte. Da waren Ballett und Pantomime immer noch em Liebling der Musik, der Dekorationen und des persönlichen virtuosen Könnens. Und dieses Können eignete dec Pawlowa so stark und eigentümlich, daß sie die sahihundertelangen Attitüden und Haltungen des abfterbenben Tanzes mit ihrem eigenen Leben erfüllte. Was sonst hohle Pose war, sleißig gelernter Pas, akkurat einstudierter Schritt, wurde an ihr und durch sie ein naives, temperamentvolles Spiel, denn sie war über alle Technik so weit erhaben, daß sie mit dem Schwierigen spielen und tändeln konnte, wenn sich ihre Tanzleidenschafl der alten Formen bemächtigte. Ihr Körper, ihr lautloser Tanz erschütterte tiefer als die gesprochenen Worte eines Komödianten ober Tragöden, denn ihr Tanz war eine grandiose tänzerische und schauspielerische Leistung zugleich. Sie war eine zarte, beinahe schwächliche Erscheinung, im herkömmlichen Sinne nicht einmal „schön" In ihrem blassen Gesicht lag immer ein Zug heimlichen Leidens, ihr Lächeln unter dem dunkeln Blick schien leicht umflort, aber diese gedämpfte Gestalt tanzte damals das berühmte Ballett „Giselle", in dem die Tänzerin von dem Wahnsinn des Tanzes ergriffen wird und tanzt, bis sie tot zur Erde sinkt.
Dann kam der Krieg. Rach ihm erschien ein neues Geschlecht, und eine neue Art des Tanzes war plötzlich entstanden. Mary Wigman Don ihr konnte man nun nicht mehr sagen, daß sie spurlos verschwinden werde, sie hatte und machte Schule, und wer nicht „in der Art von Mary Wigman" tanzen mochte, dem sagte man, daß er alte Genrebildchen hüpfe In dieser Situation kam die Pawlowa wieder: jetzt nicht mehr mit dem alten Kaiserlichen Ballett, sondern mit einer Truppe, die irgendwie zusammenqestellt war und völlig versagte, wenn sie ohne ihre Meisterin wirken sollte Da sah man nun wirklich, wie tot und erledigt, wie hohl und abgestorben dieses alte Ballett war, von dem eine junge Generation nur noch gerüchtweise wußte: man erkannte, wie ganz unmöglich diese einfältigen Pantomimen, diese tänzelnden Spiele zwischen Har- lekin und Harlekine waren — bis die Paw- lorpa erjchieg und alle Borurtelle allein durch
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
In Bromberg stürzte ein Autobus mit 13 Deutschen, die von einem Sängerfest heimkehrten, in die Brahe. Lurch die schnell ausgeschnittene Deffnung im Wagendeck konnten acht der Verunglückten gerettet werden.
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wurde bis Aum nächsten Jahre zuruckgestellt, es sollen demnächst Preisangebote eingeholt werden. Das Dundesfest 1931, das im Juni stattfinden soll, erhält der Kegelklub Alle-Reun in Wißmar. Die Bundesfahrt soll in diesem Jahre infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage ausfallen.
(3 Lollar, 28. Jan. Ein Verein zur Wahrung der Gemeindeinteressen, der zugleich als bürgerlicher Wahlverein bei Gemeindewahlen wirken wird, wurde unter dem Namen „Bürgerverein Lollar" gegründet. Von einem vorbereitenden Ausschuß ausgearbeitete Satzungen und eine Geschäftsordnung fanden Annahme. Die Wahl des vorläufigen Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Karl Brück, 2. Vorsitzender Ludwig Förbach, 1. Schriftführer Ludwig Wagner, 2. Schriftführer Philipp G a r b u s ch, 1. Rechner Karl Wagenbach, 2. Rechner Heinrich Geißler VIII., Beisitzer Robert Ewald, Johannes Schäfer und Heinrich Schäfer III Im Anschluß daran wurden in reger Aussprache eine Reihe von Gemeindeangelegenheiten behandelt?
+ Grünberg, 26 Jan. Am Sonntagabend gab der hiesige Männergesangverein in der Turnhalle sein diesjähriges Konzert, das sich eines sehr starken Besuches erfreute. Im ersten Teil der Dortragssolge gelangten geistliche und weltliche Kunstchöre zum Dortrage Der zweite Teil brachte altbekannte Soldatenlieder. Der Verein zeigte unter der Leitung seines Chormeisters, Berufsschullehrers Gengnagel, daß er auch schwierige Chöre meistert und gut zum Vortrag bringt. Auch die Volks- lieber, textlich aufs beste ausgewertet, fanden bei den Zuhöröern guten Anklang. Ein Lustspiel, das von den Darstellern flott gespielt wurde, gefiel allgemein Der Verein kann den Abend als einen vollen Erfolg buchen.
O Göbelnrod, 28. Ian. Die Mitglieder des Kriegervereins versammelten sich am Samstag zur Generalversammlung Rach kurzer Degrüßung durch den 1. Vorsitzenden, Weber, erstattete der Rechner den Kassenbericht, der trotz der Unkosten für die Errichtung eines Schiehstandes einen Heberschuh ergab Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt.
ton. Weickartshain, 27 Ian. Am Samstag hielt der Kriegerverein im Vereins!okal seine Generalversammlung ab. Der 1 Vorsitzende. Ohmuff Jfipniitn ri «dockte Aunädift der ver-1,
storbenen Kameraden Decker VI. und Rohn. Die Mitglieder erhoben sich zu ihren Ehren von den Plätzen. Der Rechenschaftsbericht des Rechners Heinrich Decker V. wurde für gut befunden und dem Rechner Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl brachte die Wiederwahl des gesamten bisherigen Vorstandes. Im Anfchluh an den geschäftlichen Teil der Versammlung überreichte der Vorsitzende sieben Kameraden (Johann Konrad Diedenkopf, Johann Heinrich Biedenkopf, Karl Dingmann, Ludwig Dörr, Hrch. Weimar, Ernst Schmidt, Karl Trüllsr II.) die Ehrenzeichen der Kriegerkameradschaft „Hassia“ für über 40jährige Mitgliedschaft. Kamerad Ioh. Decker erhielt das Ehrenzeichen für über 25- jährige Mitgliedschaft. Den gemütlichen Teil des Abends verschönte der Mandolinenklub mit seinen Darbietungen.
]) Lich, 28. Ian. Dei der jüngsten Brenn- holzversteigerung im Licher Stadtwald wurden durchschnittlich folgende Erlöse erzielt: Buchenscheit 23 Ml., Buchenknüppel 18 Mk., Hainbuchenscheit 20 Mk., Hainbuchenknüppel 14 Mark, Buchenstöcke 8 Mk., Cichenstöcke 6 Mk. je zwei Raummeter: Buchenastwellen 9 Mk, Buchendurchforstungswellen 14 Mk. je 50 Stück, Cichen- nuyknüppel 12 Mk., Eichennutzscheiter 14 Mk. je zwei Raummeter, 100 Stück Bohnenstangen 8Mk
I Rodheim a. d. Horloff . 28. 3an. Die kirchliche Statistik des vergangenen Jahres verzeichnet für die drei Dörfer des Kirchspiels 19 Geburten, 10 Konfirmationen, 7 Trauungen und 7 Beerdigungen. Am heiligen Abendmahl beteiligten sich 593 Männer und 609 Frauen. Die kirchlichen Sammlungen ergaben 1430 Mk. Die Amtshandlungen versah Pfarrer Memme rt von Ober-Widdersheim.
Langd, 27. 3an. Am Samstagabend hielt der hiesige Kriegerverein bei Gastwirt Ra- gel seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Bericht über das Der- einsleben im verflossenen 3ahre. Die Rechnungsvorlage zeigte einen Aeberschuh. Der gesamte Vorstand wurde wiedergewählt. Eine kurze Ansprache des Vorsitzenden klang im Deutschlandlied aus. Kamerad Förster Büttner ermahnte alle, die alte gute Kameradschaft hochzuhalten. - Der Vorsitzende des Verbandes Hessischer Geflügelzüchter, Herr F e i t h , Reichelsheim, sprach im Saale
ihr Auftreten überwand. Sie war noch immer die alte Künstlerin, immer noch tanzte sie ihren weltberühmten „Sterbenden Schwan , den oft kopierten und niemals erreichten, und man fragte nicht mehr, ob dieser Tanz noch feine Berechtigung fjätte, — sie bewies feine Berechtigung, als sie dieses Sterben der Kreatur nachjchuf. Sie zeigte wieder, daß auch das Ballett, das wir als epigonale Erscheinung erledigt glaubten, seinen künstlerischen Wert haben kann, wenn sich eine so leidenschaftliche Könnerin, wie sie es war, seiner bemächtigte.
Immer wieder wurde sie von Donnerstürmen an die Rampe gerufen und sie verneigte sich mit einer wehenden, vergehenden, hinschmelzenden Bewegung. Sie wußte, daß sie sich jetzt allein befand, daß ihre Zeit vergangen war, daß niemals jemanb wieder „in der Art von Anna Pawlowa" tanzen würde, denn die letzten Fäden, die uns noch an die lieber* üeferung banden, waren nun zerrissen. So lag in diesen Verneigungen ein wehmütiges Abschiedneh- men; die letzte Vertreterin einer alten Kultur- form beugte sich vor der Zukunft, in der die Gazeröckchen nicht mehr über die Bühne schweben werden, weil die smarten Girls die Szene beherrschen...
Oas kleinste Wörtchen.
Von Dorothea Hofer-Oernburg
Jeden Morgen um hals fünf wacht Baby aus und besieht in Ermangelung anderer Deschästi- gungsmöglichkciten ihre Deine. Sie sind etwas rosig gelegen und haben kleine, runde Druckstellen an den Knien. Dann niest sie, und dann überlegt sie, wie lange sie wohl schon still war. Grauenhaft lange.
Sie soll sich ganz ruhig verhalten und niemanden stören. Also ist sie schrecklich brav. Sie kann sich gar nicht vorstcllen, wie lange sie schon so liegt und kein Wörtchen spricht, es ist langweilig.
Durch die geschlossene Gardine kommt schon gelbe Sonne und spaziert in Schlangenlinien und wunderhübschen Kringeln über die Dettdecke. Baby setzt sich leise auf die Knie und versucht damit zu spielen, aber sie lassen sich nicht aufheben, dann zieht sie die Deck< an die Rase und starrt vor sich hin. Cs ist nicht zum Aushalten langweilig.
Der Vater schnarcht wieder.. gräßlich ist das. Ganz vorsichtig und leise beginnt sie vor sich hin zu blubbern, zwischen zwei Fingern hindurch mit der Zunge und den Lippen. Es klingt sehr komisch zu dem Schnarchen.
„Mutti...!“ ruft sie plötzlich leise, denn sie hört, daß die Mutter sich bewegt.
Donnerstag, 29. Januar (95t
Ronchaler über Rentabilität und volk-wirtschafd* liche Bedeutung der Geflügelzucht. Dem Vortrag folgte eine rege Aussprache über rationelle Fütterung und Rassefragen. - Zwei Tage später sprach Obstbauinspektor E n k l e r über die „Pflege des Obstbäume". An Hand von klaren Lichtbilder» zeigte er die häufigsten und gefährlichsten Schäd* lingc und erläuterte wirksame Bekämpfung^» mittel. 3m Anschluß an die Versammlung touröa beschlossen, Ende Februar unter der Leitung deck Redners einen mehrtägigen Kursus abzuhalten, in dem die verschiedenen Arten des Pfropfens und das Abwerfen der Daumkronen gezeigt tocr* den sollen. /
U Ronnenroth, 27. Ian. Zur diesiährigeu Holzversteigerung im hiesigen Gemeinds* Wald waren nur einheimische Dieter zugelassen» Dezahlt wurden für einen Meter Duchenscheites 12 bis 13 Mark, Duchenknüppel 9 bis 11 Mark. Eichenknüppel 7 bis 8,50 Mark, Duchenstvcke 5 bis 7 Mark, Reiserholz 2,00 bis 2.20 Mark. — Hi« wurde eine Viehverwertungsgenossen« schäft gegründet, die den gemeinsamen Absatz von Schlachtvieh durchführen soll. Di« ersten Tiere wurden in dieser Woche bereits geliefert. Die hiesigen Landwirte haben die Gründung dieser Genossenschaft mit Begeisterung ausgenommen.
KrciS Friedberg.
i Steinfurth, 27. Jan. Der G c s a n g v e r< ein „Frohsinn" hielt am Samstag einen Un« tcrhaltungsabenb ab. Unter der Leitung von Lehret Philipp fang der Chor einige Lieder. Außerdem gelangten ein ernstes und ein heiteres Theaterstück zur Aufführung, die beide starken Beifall fanden. Lehrer Krüger von hier fang dann noch einig# Lieder von Schubert, Mendelssohn und Beethoven, für die ihm ebenfalls reicher Beifall zuteil wurden
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y. Disfcs, 27. Ian. Der hiesige Krieger- verein hielt sein« G e n e r a l ve r s a m m » I u n g und zugleich die Feier seines 40jährigen Destehens ab. Außer den Dereinsmitgliedern toal auch der Vorstand des Hassia-Dezirks Ridds vollzählig zu der Versammlung erschienen. Rach Erledigung der geschäft.ichen Angelegenheiten lei« tete der Vorsitzende des Kriegervereins. Pflaster« meister.Hrch. Lotz, durch einen Bericht über dm Gründung und Geschichte des Vereins die 40* jährige Jubelfeier ein. Rach ihm sprach der De* zirksvorsteher der Kriegerlameradschast Hassia, Dankvorstand H. Seum (Ridda) und zollte dem Verein und seinem Vorsitzenden für die vor* bildliche Dereinstätigkeit Anerkennung und Lob und verband mit den Glückwünschen des Deziris- Vorstandes zum 40jährigen Destehen des Vereins auch diejenigen des Präsidiums der Hassia (Darm* stadt). Dabei überreichte er dem Vorsitzende), L o h im Auftrag des Präsidiums als Anerken* nung seiner Tätigkeit im Kriegervereinswesei, die „Hassia-Ehrenmünze".
F Kirch-Göns, 28. Ian. Bei der hiesige» Gemeinde - Brennholzversteigerung wurden folgende Preise erzielt: je 2 Raummetel Buchenscheitholz 28 Mark; Kiefernscheitholz 14 Mk., Buchenknüppel 27 Mark; Eichenknüppel 17 Mark: Kiesernknüppel 11 Mark; Buchenwellen je 50 Stüd 14 Mark; Fichtenwellen 4 Mark und Kiefernweller je 50 Stück 4 Mark.
ÄreiS Schotten.
□ ß a u b a d), 28. Jan. Im „Schützenhof" fand bi< Hauptversammlung des Krieger, und Militäroereins statt. Der Vorsitzende H. Stotz gedachte zunächst des im vergangenen Jahre verstorbenen Sanitätsrats Dr. Die tz. Die RechnungS' obläge ergab einen Ueberfchuß von 100 RM. Del Zimmermann Wilhelm Franz wurde anläßlich feiner 40jährigen Mitgliedschaft mit einem Ehrenzeichen bedacht. Es wurde beschlossen, den Altvelera- nen von 1870/71 und weiteren Ehrenmitgliedern demnächst besondere Ehrenurkunden zu überreichen. Zu neuen Vorstandsmitgliedern wurden Forstsekretär T r ö l l e r und Wiesenwärter Silß gewählt. — Am Sonntag fand ebenfalls int „Schützenhof" der
^Dsst.. .1 Leg dich ganz still hin und schlaf wieder, hörst Du!“
Baby kennt diese al (morgendliche Ermahnung wörtlich. Sie kann nicht mehr schlafen, aber gutwillig klemmt sie die Augen zusammen und versucht es. Es geht wirklich nicht. Wenn sie leise ausstünde...? Ob man ihr das erlaubt?
.Mutti.. .1" schreit sie wieder stimmlos.
.Willst du still sein... wart!" und das große Dett kracht bedenklich. Baby befürchtet einen ilebcrfall und duckt sich ganz und gar unter ihl Federbett.
Ach Gott, ach Gott, ach Gott...! Wenn sie doch schon bloß groß wäre...! Leise beginnt fi< vor sich hin zu singen.
.Ein Zweigchen". singt sie, »stand auf den (Sorten und lacht über den Blumen und über den Vöglein tot...“
Jetzt hört der Vater auf zu schnarchen, dagegen beginnt er, wie eine riesengroße Katze zu schnurren und zu fauchen. Es klingt gräßlich, und Baby liegt da, schweigt und fürchtet sich.
Draußen vor dem Fenster halten die Vögel Morgenparade, und klipp klipp klapp kommt eiv Pferdegetrappel durch die Straße. Es ist de, Milchmann, Daby kennt ihn. Gott, wenn man doch zu ihm könnte... Wieder muh sie ihrer Sehnsucht Luft machen, und diesmal singt sie ganj laut, daß jeder es hören kann, der mag, sogar der Vati, der doch nur so tut wie eine .Katze, damit sie sich fürchten soll und still ist, sogar der Milchmann, trompetet: »Es war einmal ein Mäuschen, das sah in sein' Häuschen. Immer kam es in den Himmel, niemals war es ungezogen, da streichelt es den lieben Gott mit’n Schwänzchen..
»Allmächtig... Kann denn dies Kind nicht Ruhe geben? Wirst du jetzt den Schnabel halten, du'"
»Mutti, darf ich ausstehn...?"
»Cs ist noch nicht fünf Uhr, leg dich hin und Iah uns schlafen, der arme Dati! Muh soviel arbeiten..., schäm dich!“
»Dars ich gar nicht fingen, Mutti... ?" .Rein"
.... Darf ich auch keine Geschichte erzählen?* »Rein."
»... Darf ich auch gar kein Wörtchen sagens Mutti?"
.Richt ein einziges, zum Kuckuck!"
.... Auch nicht ein ganz klein winziges? Darf ich denn nicht mal »Däumerling' sagen, Mutti,..?"


