Tzernin in der 2iftu»-Affäre eine recht dunkle Holle gespielt. Unverantwortlich war auch die Leichtfertigkeit, tote man einem Wanne tote Erzberger den Tzerninschen Deheimbemcht über die katastrophalen inneren Verhältnisse Oesterreich- in die Hände fallen heb. Die weit der Einfluß gegangen ist, den man gemeinhin in all diesen Dingen der Kaifenn Zita Schwester der Prinzen fron Bourbon- Parma zuschreibt. erhellt auch au» diesem Buch nicht klar. - Erschütternd, voll tiefer Tragik sind die vchlußkapitel de« Buche», die den letzten Hel- denkampf einer ruhmreichen Armee gegen vielfache
Uebermacht unter furchtbaren Entbehrungen, die der Auslösung entgegentreibende Heimat im Huden schildert und den Untergang d:S Hause» Habsburg, deffen letzter Monarch zwar den besten Millen hatte, aber nicht die rüdfichtslose Energie befab im Guten oder Bösen den für recht erkannten Weg *u gehen. Vielleicht aber hätten auch de» Stärksten Kräfte nicht mehr ausgereichl, da» Au-einanderfallen der österreichisch urgan- fdben Monarchie )u verhindern. Die Tragödie muhte sich vollenden, um historische Fehler und Versäumnisse zu sühnen, die schon Generationen zurüdlagen.
W i m b e r teilten sich in die Gesamtleitung. Frau 1 Profes.or Weidenbach hatte die künstlerische I Ausstattung in ihre bewhärte Hand genommen. | Frau Oberstudiendirektor Kalbfleisch waltet wieder in der Küche mit gewohnter Sicherheit ihre» Amte». Diesen Damen standen naturgemäß aus den Kreisen der Mitglieder wieder viele bereitwillig helfende Hände zur Verfügung.
heute vormittag um 11 Uhr wurde die Mas- stelluug ihrer Bestimmung übergeben.
Ein Besuch der grohzügig angelegten, reichhaltig und geschidt arrangierten Schau ist für jedermann empfehlenswert. Insbesondere sollte keine Hausfrau den Besuch der Ausstellung versäumen.
HaiiswiMaslliche Weihnachis-Ausstellung.
Eine bedeutsame Deeanstaltung der Gießener HauSfrauenberatung.
Während der letzten drei Tage herrschte im . Einhorn' -Saale am Kirchenplatz ein überau» geschäftige- Leben. GS galt, eine grobe Ausstellung vorzuberciten. Die HauSfrauen- beratungVieben unternahm es, nicht t r o y, sondern wegen der augenbiidlichen schlechten wirtschaftlichen Lage eine solche Schau zu veranstalten, um damit einerseits den Hausfrauen Anregungen aller Art für das bevorstehende Weihnachtsfest zu geben, anderseits aber der Siebener Geschäftswelt die Gelegenheit zu ver- Mitteln, mit ihren Waren unverbindlich für Da» Publikum an die Oeffentlichkeit zu treten. Die Ausstellung ist nicht nur alS solche, sondern insbesondere auch al» VerkausSmesse gedacht. Die Siebener Geschästswelt hat dieser Veranstaltung alle» Intereise entgegengebracht. Zahlreiche Firmen (auch gröbere auswärtige) beteiligen sich mit mehr oder weniger grob angelegten Ständen.
Tkicht weniger al» 50 verschiedene Firmen sind vertreten.
Sämtliche verfügbaren Räume im Erdgeschoh und im ersten Stod muhten mit Beschlag belegt werden, um all das unterzubringen, was die Ausstellung an Beachtenswertem zeigen soll.
Hachdem die Giehcner Hausfrauenberatung bereit» im vorigen Jahre im damaligen Eaf6 Astoria eine Handarbeitsausstellung mit grobem Erfolg zeigte, die allerdings nur wenige Tage offengehalten werden konnte, hat man sich jetzt entschlossen, die Ausstellung für einen Zeitraum von neun Tagen zu veranstalten, um jedermann Gelegenheit zum Besuch zu geben.
Mit der Ausstellung ist diesmal eine Reche besonderer Veranstaltungen verbunden, die ihre Bedeutung über den Rahmen einer solchen Schau hinaus wesentlich erhöhen. So sind z. B.
stochlehrgänge
rungSmittel, Schokolade, Waschmittel, künstlerische Handarbeiten, Blumen und Pflanzen für das Zimmer und noch manches andere sind aufgestellt und werden, soweit es sich ermöglichen läht, praktisch voraesührt. Der „Bienenkorb" wartet mit wert- Dollen Handarbeiten auf. Eine hiesige Möbelfirma hat außerdem ein modernes Wohn- und ein Schlafzimmer eingerichtet, das mit schönen Möbeln ausgestattet ist. Der Raum hierzu wurde sorgfältig Dorbereitet. Auf der Bühne ist eine besondere Schau der Gasvereinigung aufgebaut worden. Moderne Gasherde, Heizöfen, Heihwasserbe- reitungsapparate lenken die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Gleichzeitig weist die Tas- Vereinigung darauf hin, dah die Gasversorgung in Gießen in diesem Jahre das 75. Jubiläum feiern kann.
Die Veranstaltung in ihrer Gesamtheit ist der Ausdrud des Lebenswillens der Giehener Geschäftswelt. Die Ausstellung ist aber auch ein Beweis dafür, dah die H a u 3 f r a u e n b e r a t u n g mit dieser Veranstaltung das Richtige getrof- f e n hat. Eine llnfumme von Vorarbeiten erforderte diese Ausstellung, lange Vorbereitungen waren nötig, bis die Schau der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Das alles wäre aber nicht möglich gewesen, wenn sich nicht die Mitglieder der Hausfrauenberatung wieder mit aller Energie für die gute Sache eingesetzt hatten. Es bedurfte manches Opfers an Zeit und Arbeitskraft, bis sich die Ausstellung in der Form präsentieren konnte, in der die Besucher sie an- treffen. Frau Dr. Koeppe und Frau Dipl.-Ing.
Unterschlagungen in -er staatlichen Forstkasse zu Krofdorf.
3 Krofdorf. 28. Nov. Bei der hiesigen ft a a t- lieben Forst kasse hat ein Reviilonsbeamter der Reaierung in diesen Tagen Verfehlungen feftgeftcllt, auf Grund deren der Rendant Freund verhaftet unb in da- Amt-ge- richtsgefängni- zu Wetzlar eingeliefert wurde. Freund hat die Forstkasse fror einigen Jahren fron seinem Vater, der sie lange Jahre verwaltete, übernommen. Die Revision ist noch nicht abgeschlossen. doch sollen bis jetzt 2 0000 Mark Fehlbetrag feftgeftcllt fein. Freund lebte in guten Verhältnissen. Heber den Verbleib des Geldes ist bis jetzt nicht» bekannt.
Die staatliche Forst kaffe hat nicht» zu tun mit der Amts- und Gemeindekaffe in Krofdorf. Der frühere Bürgermeister war Kaffenfurator der Forstkaffe, bei dem Amtsantritt de» jetzigen Bürgermeisters wurde diese» Verhältnis gelöst, seitdem erfolgen die regelmäßigen Revisionen der Forstkasse durch einen Regierungsbeamten.
Von der Oberförsterei Krofdorf wird uns mitgeteilt: »Mit dem 26. d. M. ist die Forstkasse Krofdorf aufgelöst und mit der staatlichen Kreiskaffe in Wetzlar. Trohe Promenade 12, bereinigt worden."
Taten für Sonntag, 29. November.
1780: die Kaiserin Maria Theresia in Wien geworben; — 1802: der Dichter Wilhelm Hauff in Stuttgart geboren; — 1839: der Dichter Ludwig Anzengruber in Wien geboren; — 1856: der Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg auf Hohenfinow geboren.
Ser Kegelklub „Mschwänzchen" feiert ein Fest.
vorgesehen, die das besondere Interesse der Hausfrauen in Anspruch nehmen dürften. Täglich, beginnend um 16 und um 18 Uhr, fallen Vorträge gehalten werden, die in der improvisierten Küche durch praktische Arbeiten ergänzt werden sollen. Man wird es sich dabei angelegen sein lassen, die verschiedensten Gerichte zu kochen, um damit den Hausfrauen zugleich Anregungen für den eigenen Haushalt zu geben. DaS gleiche soll für die Herstellung von kalten Platten gelten. Ein kaltes Büfett läßt die vielen Möglichkeiten der kalten Küche offenbar werden. Gin Kuchen- stand, der sehr schön aufgebaut wurde, durfte natürlich nicht fehlen. Eine Kaffeestube lädt zum Verweilen ein und dürfte zu rechter Zeit nicht vergeblich auf Gäste warten
Eine Verlosung, ausgestattet mit vielen praktischen Gewinnen, mit Dingen für den Haushalt und einer Anzahl fron Gebrauch-gegenständen allgemeiner Art, ist ebenfalls geplant. Für diese Verlosung wurden auch von hiesigen Geschäftsleuten Gegenstände gestiftet. Für die Unterhaltung der Kinder ist ebenfalls Vorsorge getroffen. Ein Kasperle-Theater, für das ein besonderer Raum bergerichtet und freundlich ausgestattet ist, wird die Kinder in seinen Bann ziehen. Die Vorstellungen finden täglich in der Zeit von 15 bis 17 Uhr statt.
Sin Gang durch die Ausstellung bietet dem Besucher eine schier erbrüdenbe Fülle beS Sehenswerten.
Allenthalben hat man sich ernsthaft um freundliche unb gleichzeitig künstlerische Ausstattung bemüht, unb bie einzelnen Firmen, wie auch ble ßausfrauenberatung selbst, haben kein Opfer gescheut ber Ausstellung zu einer reizvollen Dickung zu verhelfen.
Schon im Srbgefchoß bat eine große Menge von Ausstellungsgut Raum gefunben. Geschidt würbe jeher Winkel auSgenützt. fo bah trotz ber Fülle des Gebotenen ber ©inbrud deS Allzusehrgedrängten vermieden werden konnte. Eine Flut fron Licht, Farben unb Formen umfängt schon beim Eintritt den Besucher.
ES ist Im Rahmen dieser Zeilen natürlich nicht möglich, auf all da» im einzelnen einzugehen, wa- die Ausstellung bringt. Da» Wesentliche fei ledoch herausgegriffen. Im Srbgefchoß. gleich am Eingang sieht ber Besucher mobeme Haushaltsartikel, die LandwirtschaftSkammer ist mit vorbildlich sortiertem Obst vertreten, Molkereiprodukte sind ausgestellt, in einem besonderen Raume sind Waschmaschinen mobemster Konstruktion untergebracht.
Die HauSsrauenberatung selbst zeigt eine schöne Ausstellung von Handarbeiten, die von den Mit» gliedem angefertigt wurden unb einen Sinblid in ba» zielbewußte Schafer ber Organisation ermöglichen In ben verschteoensten Techniken tour- ben Teppiche, Svsakissen, Deden, Taschen. Kleiber u. a. m. bergeftellt unb wirkungsvoll zur Schau gestellt. Der Raum wirb bnrch eine Anzahl sehr geschmackvoll au-g führter Be euch tun g kö p?r au» Holz, von einem Kunstgeweraler gefertigt, erhellt. ®tne Kaffee- unb Teefirma hat einen originellen erotischen Stanb eröffnet. 3m Erdgeschoß wurden neben all diesem die Kafseestube. die Lehrküche, das Büsett unb ber Berlosungsstanb usw. untergebracht In ber Lehrküche haben, um bie verschiebenen Arbeitsweisen domenstricren zu können, ein Kohlenherd, ein Gasherd und ein elektrischer Herb Ausstellung gefunben. Der Trep- penausaang hat durch Teppiche eine beachten», teerte Ausfchmüdung erfahren.
Oer große Saal Im ersten Stockwerk Ist zweckentsprechend in eine Vosstellvngshnlle amge- wandelt worden,
in der bie verschiebenden Branchen ihre Stänhe ausgeschlagen haben. Besonder» »allen ßicr ? Ausstellung zweier diesiger Firmen fUr Glas- und Porzellanwaren auf, außerdem hnb Papiergeschäfte vertreten. Musikinstrumente Habio. Räh- Maschinen, Hau»haitartikel, Staubsauger. Rah-
Herr poweleit trifft einen alten Bekannten. —tln- sonst allerlei tleberraschurigen.
Don Dr. Gurt Slwenspoek.
Copyright by Dicd & Eo., Stuttgart, 1931.
Aus dem interessanten Tatsachenbuch »Mord und Totschlag", in dem Dr. jur. Curt Elwenspoek den Kampf der modernen Kriminalpolizei gegen das Verbrechertum schildert.
Der Deutsche ist ein Vereinsmensch. Erst im Verein kommt er zu sich selbst, hier erst enttoidcln sich seine Eigenschaften, hier fühlt er sich Wohl, hier ist er zu Hause. Wer seine Menschenkenntnis vertiefen will, der suche bie Menschen, bie deutschen mindestens, in ihrer Vereinen!
Da gibt es heute im Vorort einer Großstadt eine Fahnenweihe zu sehen, für die ein befreundeter Rechtsanwalt uns Einladungen besorgt hat. »Spar- und Kegelklub Rotschwänzchen" heißt der einladende Verein, wie bemerkt wird, eine große Anzahl auswärtiger »Drudervereine" zu seinem Ehrentage erwartet. Also Io»!
Festlokal ist ein mächtiges Gartenetablissement mit zwei großen Sälen und einer Menge von Rebenräumen. All das hat unser Klub »Rotschwänzchen" für sich beschlagnahmt, mit giftgrünen Papiergirlanden, künstlichen Blumen, farbigen Glühbirnen unb taufenb bunten Fahnen unb Fähnchen ausgeschmückt. In jebem ber Säle prangt ein Riesenvüsfet, spielt eine Tanzkapelle — unb in dem großen Rebenzimmer hat man eine gewaltige Tombola aufgebaut.
Wir kommen ziemlich spät — es ist längst alles da, unb kaum kann uns die Autorität be» Vor» sitzenden, einen hünenhaften Gastwirtes mit Glatze unb einem VorkriegSbauch fron seltenem Ausmaß, am Vorstandstifch noch ein paar gute Plätze besorgen. Die Säle, bie Rebenzimmer — alles ge- brängt voll mit Menschen, bie in ben Zungen aller beutschen Stämme — fron Mannheim bi» Königsberg, fron München bis Hamburg — vergnügt durcheinanderlärmen.
(Eine rcputierlidje, gut bürgerliche Gesellschaft; die Herren durchweg im Smoking, hier und da auch im Frack, im schwarzen Tanzanzug; die Damen in eleganten Nachmittagskleidern, viele der jüngeren auch in großer Abendtoilette. Aber dieser Damenflor ist irgendwie sonderbar. Die Frauen sind in Aussehen und Art sehr verschieden, aber nicht nur, daß der Unterschied der Generationen zum Ausdruck kommt, sondern auch die Gleichaltrigen lassen sich gar nicht recht unter einen Hut bringen. Da gibt es ausgesprochene Dienstmädchentype» neben grazilen Lebedamen, untersetzte, dicke, aufgedonnerte Weiber, die wochentags wohl einen Obststand verwalten, und schüchterne, schmale Bürgerfrauen, denen der Strickstrumpf zu fehlen scheint. Eben will ich meinem Freunde darüber eine Bemerkung »uflüftern, als ein schmetternder Tusch mir das Wort abschneidet. Der Lorsiyende verkündet:
„Meine Damen unb Herren, im großen Saale stadet jetzt die Bannerpolonaise statt. Ich fordere Sie auf, sich dorthin zu begeben."
Fm großen Saal sind Tische unb Stühle zur Seite geräumt, fo baß die Mitte frei ist, unb rings an ben Wänden drangen sich nun der ungleiche Damen- kranz unb bie zahlreichen Gaste.
Die Türen finb freigehalten — unb unter ben Klängen be» Präfentiermarfche» erfolgt nun ber feierliche Einzug ber erschienenen Lereine mit ihren ftftbar gestickten Bannern, lieber den Bäuchen der befrackten Dorsitzenben spannen sich bie weißen Westen, unb die Hände stecken in weißen Hand- schuhen — Nummer 9-i Stramm marschiert Verein nach Verein in militärischer Ordnung unter dem rhnthmischen Taktklatfchen ber Frauen unb Gälte herein, umkreist einmal ben Saal unb nimmt bann 2luift<auna. seltsame Dereinsnamen künden die bunten, Jdimeren Seibenbanner: Gelelligkeitsverein .jiibeho Hamburg, Äe^elfiub „Leu" Braunschweig. I oparrerein „Ferner liefen" Bremen, „3urfen>erein"
Jranffurt, „Ä1ub ber (befallen". SchießNub „Unter I a‘tona, „Deutsche Eiche" Dreien. Segelklud
*^°nb in Hand" Potsdam, ^Deutsche Kraft" Berlin.
Und zum Schluß, mit tosendem Beifall empfangen, der feiernde „Spar- und Kegelklub Rotschwänzchen" mit feinem neuen rot auf grün gestickten Banner, das in der Mitte einen silbernen Vogel mit korall- rotem Schwanz zeigt.
„$)at sechshundert Mark gekostet, unser neues Banner, sechshundert Mark!" raunt eine dicke, fuchsrot gefärbte Dame hinter mir ihrem Nachbar zu. „Wir haben sogar pumpen müßen, weil doch seit Mai die Mieze unb bie dicke Minna hops gegangen finb, bie immer bet meiste angeschafft hatten. Das war'n Ausfall von vlerzehnhunbert Mark im Bier- teljahr — schlecht gerechnet!^
Jetzt geht mir em Licht auf! Ich packe den Arm meines Freundes:
„Mensch, wo sind wir denn hier?"
Er grinst. „Bei einer Tagung der mitteldeutschen Ringvereine — sprich: Verbrecherklubs! Aber laß dir nichts merken — es finb schwere Jungens darunter, die sind sehr empfindlich. Und paß auf dein Portemonnaie auf!"
Nun beginnt der Tanz, und es geht ordentlich unb bürgerlich zu. Man plaudert auch mit diesem unb jenem, hört Witze und Anekdoten — und denkt sich fein teil, wenn einer von den Herren eine Geschichte anfängt: „Also, einmal fuhr ick mit Emil geschäftlich nach Hamburg ..." Und plötzlich gibt's ein Wiedersehn! Der Lange da mit dem grauen Schnurrbart, bas ist boch Herr Maier, der Teppichhändler, mit dem wir im Sommer in Helgo- land zusammen waren!
„j)crr Maier, Herr Maier!" rufe ich ihm zu. Aber er reagiert nicht. Schließlich klopfe idb Ihm auf die Schulter, wir hatten ja damals manchen Skat miteinander gedroschen. „Grüß Gott, Herr Maier!"
„Ick heeße Friedrich Wilhelm Poweleit", sagt Maier, indem er widerwillig aufsteht, „was wünschen Sie, mein Herr?" Aber bann geht über fein verwittertes Gesicht ein Leuchten des Erkennens, das freilich schnell einer hilflosen Verlegenheit Platz macht.
„Ach — Sie sind bet Herr Doktor —?! Det is aber ne Freube! — Ja, Damals in Helgolanb, wissen Se, ba war ick inkognito, ba hieß ick Maier Na, reben wir nicht brüber trinken wir lieber einen!"
Das geschieht ausgiebig, unb es bestätigt sich auch, baß mein Freunb Maier alias Poweleit mit Teppichen handelt, nur bie Art, wie er sie „einkauft", ist anders als ich mir oorgeftellt hatte Auch an den anderen Tischen beginnt jetzt Sekt, Wein unb Bier reichlich zu fließen unb aus dieser ober jener Ecke schrillt ein orbinäre» Frauenlachen auf, das gar nicht in ben bürgerlichen Rahmen paßt. Aber es verstummt sehr rasch — in einem Fall wirb es sogar durch eine schallende Ohrfeige abgeschnitten. Doch keiner nimmt davon Notiz.
In einer anderen Ecke gibt es bedrohlichen Krach Aber im Handumdrehen sind ein paar stämmige Burschen zur Stelle, unb kräftige Fäuste befördern die Störenfriede mit einer Geschwindigkeit zur Tür hinaus, die auf langjährige Hebung schließen läßt
Da« Fest geht weiter, unb ich habe mein Portemonnaie immer noch. Wir wollen jetzt von unserem Stammplatz an bie Tombola gehen, und die Frau meines Freundes greift nach ihrem Kreuzfuchs. ben sie hinter sich über bie Stuhllehne gehängt hat.
„Den können Se ruhig hierlasien. Madam", meint beruhigend der Vorsitzende, „hier wirb nischt geklaut, hier passe ich auf!’ Aber sie nimmt ben Pelz doch lieber mit unb hält ihn im Gedränge an ber Tombola recht fest. Mein Freund hat richtig eine Büchse Schweineschnauze in Gelee gewonnen, stellt sie einen Moment vor sich auf den Tombolatisch, um seiner Gattin ben Pelz wieder fester um die Schuster zu legen und greift bann wieder nach (einem Gewinn — aber da ist der längst verschwunden. — Lachend erzählen wir bas Intermezzo dem Vorsitzenden. Der schüttelt mißbilligend den Kopf unb meint bann:
..Bedauere außerordentlich, meine Herren, aber teas soll man dagegen tun? — Macht der Gewöhn-
Letzte Nachrichten.
Zunickziehung der japanischen Truppen in das Eisend chnschutzgebiet.
Tokio, 28. Nov. (IDIB. Fuolfpruch.f Der japanische Vormarsch auf Ifchinlfchou ist durch Regierungsbefehl aufgehallen worden. Vie japanischen Truppen werden hinter dem £ i a u f l u ß Ausstellung nehmen. General Hon jo soll beschtosien haben, die Truppen, die gegenwärtig westlich von Mukden stehen, Inda,Eisenbahn- schuhgblek zurückzuziehen.
Sviclylan der frankfurter Theater.
Opernhaus Sonntag. 29. Rovernber. fron 17.30 bi- gegen 22.45 Uhr: Dir Meistersinger von Rürnberg. Montag, 30. Rov., von 23 bi- 23 Ußr: 3m tpeißem Rößl. Dien-taa. 1. Dez., von 20 bi» gegen 22 30 Uhr: Falstaff Mittwoch. 2. Dez„ fron 20 bi» 23 Hßt: Im weißen Rößl. Donnerstag, 3. Dez., von 19.30 bis 22.45 Uhr: Doris Godunow. Freitag, 4. Dez., von 20 bi» 23 Uhr: 3m weißen Rößl. Sam-tag. 5. Dez., von 19.30 bi» nach 22.30 Uhr: Die Macht des Schicksal». Sonntag, 6. Dez., von 15 bi» 17.30 U&r: Peter- chen» Mondfahrt; von 20 bi» 23 Uhr: 3m weißen Rößl.
Schauspielhaus Sonntag, 29 Rovernber, fron 16 bis 18 Uhr: Emil und die Detektive: fron 20 bis nach 22.15 Uhr: Bobby weint, Bobby lacht. Montag, 30. Rov.. von 20 bis gegen 23 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Dien-tag. 1. Dez, von 20 bi- nach 23 Uhr: Der Streit um den Sergeanten Grischa. Mittwoch, 2. Dez., von 20 bi» gegen 22 Uhr Der Liebestrank. Donnerstag. 3. Dez. fron 20 bi- nach 23 Uhr: Der Streit um den Sergeanten Grischa. Freitag. 4. Dez., fron 20 bis nach 22.15 Uhr: Bobby weint, Bobby lacht. Sam-tag. 5. Dez., fron 20 bis gegen 22 Uhr: Der Liebestrank. Sonntag, 6. Dez., fron 16 bi» 18 Uhr: Emil und die Detektive; fron 20 bi» nach 23 Uhr: Der Hauptmann fron Köpenick.
Wirtschaft.
Frankfurt-schwach.
Frankfurt a. M., 27. Rov. Der heutige Freiverkehr zeigte abermal» schwache Tendenz, nachdem sich gestern abend leichte Kurserholungen eingestellt hatten. Die Abgabencigung aus Kundschaftskreisen, sowie der Spekulation hielt an. der so gut wie keine Aufnahmeneiguna gegen» überstand. Die Hauptursachen für die schwache Stimmung bildeten weiter die innerpolitischen Verhältnisie. sowie die gestrige Kammerrede Lavals. die hinsichtlich der Reparationssraae sehr ungünstig aufgenommen wurde. Auch die Meldungen von den Auslandsbörsen lauteten mit Ausnahme fron Reuyork, da» wegen Feiertag geschlossen war, abermal» niedriger. Da anderseits so gut wie keine Anregungen Vorlagen, ergaben sich bei den führenden Werten neuerliche Kursverluste um bi» zu 4 Prozent, besonder» für Siemen», Reichsbank und 3 -G-Farben Mit Ausnahme de» Bankenmarkte- lagen auch die übrigen Märkte um etwa 1 bi» 2 Prozent niedriger. Da- Geschäft war im ganzen ziemlich fle n
Auch der Rentenmarkt verzeichnete für 8- prozentige Doldpfandbriefe weiter schwache Tendenz, wobei die Rückgänge bi» au 1,5 Prozent gingen. 8pro-entige Mitteldeutsche Boden büßten sogar 3 Prozent ein. Die Ausnahmelust war auch hier sehr gering. ReichSschuldbuchsorde- rungen gaben etwa 1 Prozent nach Von deutschen Anleihen lagen Altbesih nur wenig niedriger. Liquidation-Pfandbriefe blieben auch heute ziemlich gut gehalten und schwächten sich nur vereinzelt um bi» zu 0,5 Prozent ab. Industrie- Obligationen hatten uneinheitliche Tendenz, doch zeigten die Kurse nur unbedeutende Veränderungen.
Am Geldmarkt hat sich die Lage in Anbetracht der Rähe deS Ultimos etwas versteift, so daß der Sah für TageSgeld um 0,5 Prozent auf 8 Prozent anzog
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frankfurter Schlacht- und Viehhof.
Frankfurt a. M., 27. Rov Die Direktion de» Frankfurter Schlacht- und Viehhofe» erläßt folgende Bekanntmachung: Der Hauptmarkt für Kälber und Schafe und der Rebenmarkt für Schweine, fototc der Fleischgroßmarkt. wird von Donnerstag, 31. Dezember, auf Mittwoch, 30. Dezember, verlegt.
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