Ausgabe 
28.7.1931
 
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Nr. 174 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Dienstag, 28. Juli 1951

Krise, Kredit und Moratorium.

kennen Sie die volkswirtschaftlichen Begriffe im täglichen Sprachgebrauch?

'Begrüßte vor sieben Jahren groß und Nein sich mit der Frage: -Wie ft eßt der Dollar heute?", io sind jetzt andere Symp­tome der deutschen Wrrtfchastsnot daS Tagesgespräch. Mit Begriffen, die sonst nur der Wissenschaftler kannte, operiert heute schon daS Schulkind, und nicht allen ift der Sinn der Fachausdrücke klar, die in beängstigender Menge durch d'.e Luft schwir­ren.

Was bedeutetKrise?" Ursprünglich, nicht 'Notlage schlechthin, sondern zunächst Entschei­dung. Die Acrztesprache versteht darunter den Höhepunkt einer Krankheit, der sowohl di« Wen­dung -um Besseren al8 auch -um Schlechteren bringen kann. 3m Wirtschaftsleben ist die Krise der tiefste Punkt des Konjunktur­rückganges. ES hat schon früher schwere Krisen gegeben; erinnert sei an die Krise im Anschluß an die ..Gründerzeit" nach 1871 und an die große amerikanische Krise von 1907! Ge­rade heute wird eS interessieren, daß damals deutsche Banken in erheblichem Maße den schwer bedrängten amerikanischen Banken Hilf« leisteten.

llnere gegenwärtige Krise ist vor allem eine Kreditkrise, besonders verschärft durch die plötzliche Zurückziehung kur-fristiger Kredite durch das Ausland. 3m täglichen Leben bedeutetKre­dit" den Borgang, daß eine wirtschaftliche Lei­stung gewährt wird, auf die die Gegenleistung des Empfängers später folgt. -. B. die Hin­gabe eines Darlehens gegen spätere Rückzahlung. 3st der RüchahlungStermin nicht schon sofort fest vereinbart, so muß der Kredit gekündigt werden, im Rohmen einer ver­traglichen Kündigungsfrist. ..K u r z f r ist i a" sind Kredite, bei denen di« Kündigungsfrist höch­stens drei Monate erreicht. Bei längerer Kündigungssr st spricht man von mittel- und langfristigen Krediten

Die Rückzahlung der Auslandkredite hat den Gold- und Devisenbestand der Reichsbank stark vermindert. DaS Gold in den Kellern der Reichs­bank ist teils gemünzt, teils Barrengold. Unter denDevisen verstehen wir auf AuS- landwährung lautende und im AuS - lande einzulösende Wechsel und Schecks.Dcckungsfähig" im Ginne des deut­schen Dankgesetzes. also zur gesetzlichen Deckung der beut,eßen Reichsbanknoten geeignet sind nur solche Devisen, die auf eine Goldwährung Tauten, wie z. B amerikanischer Dollar, eng­lisches Psund. Ausländische Banknoten sind nicht Devisen", sondernSorten".

Ilm die weitere Abberufung von AuSlandgel- bern aus Deutschland zu verhindern und somit zur ilebertoinbung der Krise beizutragen, hat man bekanntlich soeben in London eineStill- halte"-Vereinbarung herbeigeführt. Die Gläubiger sind sich darüber einig geworden, ihre Schuldner die Danken Deutschlands, zunächst mit weiteren Rückzahlungsansprüchen zu verschonen. Begr ff und Brauch sind der Wirtschaftspraxis längst vertraut. Bei größeren Geschäfts- ober Dankzusammenbrüchen sind schon des öfteren Slillhaltekonsort.en begründet worden, um den Konkurs des Schuldners und die damit verbun­denen Berluste zu vermetden und eine rußige Abw.cklung zu ermöglichen. Gin Stlllhaltekon- scnium einem ganzen Lande gegenüber, wie jetzt seitens der ausländischen Großbanken zu­gunsten Deutschlands, ist allerdings wohl etwas ReueS in der Wirtschaftsgeschichte. Sachlich eng verwandt damit ist dasMoratorium", der Zahlungsaufschub. 3m Deschäftsleben w rb er dem bedrängten Schulbner oft in Derbinbung mit einemVergleich" von den Gläubigem ein­geräumt. Ein allgemeines, gesetzliches Morato­

rium für sämtliche Schuldverhältnisse innerhalb eineS Landes ist eine außergewöhnliche Maß­nahme, die bisher säst nur in KrtegSzeiten vor- gekvmmen ist. Die Bankfeiertage der letzten Zeit und bie Maßnahmen zugunsten der Danat- bank haben teilweise den Charakter eineS solchen Moratoriums getragen. 3m Begriffe des Mo­ratoriums liegt «S. daß die Zahlung z w a r a u f - geschoben aber nicht aufgehoben wird. Wir sehen ja selbst, wie in den letzten Tagen die Einschränkung deS Zahlungsverkehrs wiederum aufgelockert und ein weiterer Schritt zur allmählichen Wiederherstellung normaler Dank- und Kreditverhältnisfe erfolgt ist.

Allgemein hat sich auch in Kreisen, die sonst we­nig mit Wirtschaftstheorie zu tun haben, die Er­kenntnis durchgesetzt, baß heute nicht In­flation" sondern deren Gegenteil .Deflation" vorliegt. 3nflation ist Aufblä­hung des Zahlungsmittellaufes, verbunden mit steigenden Warenpreisen, hingegen Deflation Ein­schrumpfung des Geldumlaufs bei sinkenden Wa-

Die alle Turnerstadt Lauterbach, als Ge­burtsort von Adolf Spieß, dem Schöpfer deS Schulturnens, sah schon viele turnerische Groß­veranstaltungen des Turngaues Hessen in ihren Mauern- Nachdem ^ie nun eins der schönsten Freibäder in herrlicher Lage bekommen hat, konnte sie erstmals am Sonntag auch das Gau- schwünmen durchführen. Etwa 170 Turner und Turnerinnen aus allen Teilen des Gaugebiets waren erschienen- Vertreter der Turnerschaft, wie der 2. Schwünmwart der DT-. Rob- Braun, Sranffurt a. M., Gauober tu mwart W. Will. Gießen, und der 2. Gauvorsitzende Schneider, Butzbach, bekundeten durch ihre Anwesenheit, welch hohe Bedeutung man in der DT- gerade dem volkstümlichen Fachgebiet des Schwimmens beimißt

Den Turnergästen, die in der Mehrzahl schon am Samstag hier eintrafen, galt ein Begrü - ßungdabenb in der Spieß-Turnhalle, in dessen Verlauf der 2. Gauvorsitzende Schneider mit herzlichem Dank an die Stadt die Leitung deS 8. Gauschwimmens im Auftrage des Gaues übernahm. Bürgermeister Walz entbot den Gruß der Stadt Lauterbach Der stellvertretende Gchwimmwart der DT-. Robert Braun, zeigte in einem geschichtlichen ileberblid bie Entwicklung des Schwimmens in der DT. und insbesondere im Mittelrheingebiet auf. Gauschwimmwarl Franz S au er, Gießen, dankte dem Tv. Lauterbach und seiner Dchwimmriege für die einwandfreie Vor­bereitung des Wettschwimmens und überreichte an mehrere Turner den Prüfungsschein der Deut­schen Lebensrettungsgesellschaft. Turnerische Dar­bietungen des Tv- Lauterbach und das schöne Hans-Sachs-SpielDas Kälberbrüten", von der Theatergruppe deS Tv. 1 846 Gießen sehr wirkungsvoll bargeftellt, umrahmten die An­sprachen des Abends.

Rach einer von Stadtpfarrer Dotzert ge­haltenen Mvrgenandacht begannen am Sonntagmorgen die Wettkämpfe im herrlich ge­legenen neuzeitlichen Schwimmbad; sie wickelten sich unter der ruhigen, sicheren Leitung von Gauschwimmwart Sauer reibungslos ab. Der

renpreifen. Welbst wenn un# wieder größere Aus- landkredite lang- wie kurzfristig zur Verfügung stehen, wird cs auS vielen Gründen wünschens- toert sein, den Geldumlauf nicht wieder allzusehr zu vergrößern. Um so mehr Bedeutung muß daher der .barg eldlvse Zahlungsverkehr" getotimen. Damit will man, daß möglichst ein je­der, der im Erwerbsleben steht, sich ein Konto beim Postscheckamt bei einer Bank ober Spar­kasse ober Genossenschaft anlegt und auf dem Wege über dieses Konto Zahlungen empfängt und leistet. Wenn er von anderen Geld zu bekommen bat. wird ihm der Betrag von deren Konto auf fein eigenes Konto überwiesen, und wenn er selbst an andere zu zahlen hat, so überweist er die Summe von seinem Konto auf das deS Empfängers. Bei diesem Ueberweisungsverkehr werden natürlich feine Zahlungsmittel wie Geldmünzen oder Banknoten, gebraucht: er vollzieht sich also bargeldlos. 3c mehr sich dieser Brauch durch­setzt, um so größer die Erleichterung für die Reichs bank, um so günstiger die allgemein volks­wirtschaftliche Auswirkung! Gin jeder kann zu sei­nem Teile dazu beitragen, die Wirtschaf tSnot zu überwinden, wenn er den Rat beherzigt: .Lege dir ein Konto an, empfange und zahle durch Ueberweisung!" Dr. A.

Vormittag gehörte tn der Hauptsache den Mehr- und Einzelkämpfen, die vorwiegend für die un­teren Kampfkia ssen bestimmt waren, da die Sonderklassen nur in den Wettbewerben des Kreises zugelassen sind, um der angestrebten Dreitenarbeit mehr dienen zu können. Die Lev- ftungen waren in Anbetracht der etwas unfreund­lichen Witterung zufriedenstellend, lagen sie zu einem erheblichen Teil doch über dem Durchschnitt.

Der Rachmittag brachte vor zahlreichen Zu­schauern spannende Staffelkämpfe. Leb­haftem 3ntereffe begegneten auch die fchwimme- rischen Einlagen des Tv. 1 8 4 6 Gießen und das Schauspringen der Gaube st en, fer­ner die Wasserballspiele, die als Pflicht­spiele innerhalb der Gau rund« gewertet wurden- Der ganze Verlauf der Veranstaltung zeigte, daß das Turnerschwimmen im Gau erfreuliche Fort­schritte gemacht hat.

Rachstehend folgen in einem Auszug aus der Eiegerliste die

Ergebnisse:

Turner-Oberstufe.

100-Meter-Brust: 1. E. Müller, Tv. Wetzlar, 1.32,8 Min.

Turner-Mittelstufe.

Hauptspringen: 1. F. Schenk, Tv. Lau­terbach, 79,90 Punkte; 2. H. Scheer, Tv. Wetz­lar, 77,05 P. 100-Meter-Seite: 1. K. Grieshaber, Tgm. Friedberg, 1.32,4 Min. 100- Meter-Drust: 1. W. Schwalli, T- u. Spv. 1850 Marburg, 1,33 Minuten. 100- Meter - Kraul: 1. Hans Federlin, T- u. Spv. Dutz- bach, 1:17,7 Min.; 2. A. 3nterthal, Tv. Wetzlar und W. Meyer, Tgm. Friedberg, 1,21 Min. Streckentauchen: 1. F. Schenk, Tv. Lauter­bach; 2. W. Schwalli, T.- u. Spv. Marburg; 3. Rudolf Dender, Tv. 1846 Gießen.

lurner-Unterftufe.

Mehrkampf: 1. Karl-Heinz Paulus, Tv. Wetzlar, 165,40 P.; 2. R. Meyer, Tgm. Fried­berg, 134,60 P.; 3. Willi Appel, Tv. 1846 Gie­ßen, 129,60 P. Hauptspringen: 1. Karl-

SJ.-fport

Gauschwimmen des Turngaues Hessen.

Sonderbericht desGießener Anzeigers".

Das Lahr 2000.

Von Hans Tiatonel.

Wir werden uns, wenn es gut geht, so bis in das 3ahr 1960/70 hineinschlängeln. Es wird nichts besonderes mehr passieren, wir werden noch allerhand kleine Erfindungen basteln und abwech­selnd die schlanke und die vollschlanke, die kurze und die lange Mode, die alte Sachlichkeit und die neue Romantik mit machen.

Aber das 3ahr 2000... Aber die Morgen­röte der 3ahrhundertwende! Aber das' fin de siede des zwanzigsten 3ahrhunderts! 3n der ziemlich gleichmäßigen grauen Flut des 3ahres ein ragendes Signal. Welch ein Glücks- und Da- seinSgesühl wird aufbrausen in dieser schönen run­den Jahreszahl.

Es wird ein gewaltiges Hallo geben, wenn die Menschheit ins einundzwanzigste 3ahrhundert sausen wird. Wird man nicht mit einundzwan­zig 3ahren großjährig, erwachsen, verfügungs­berechtigt, reif? Werden die kindischen Flegel­jahre der Menschheit überwunden sein?

Mensch, Silvester des 3ahres 2000 auf dem Broadway, auf den Lhamps Elysees. auf dem Kurfürstendamm (der bis dahin schnurgerade in den Dannsee münden wird). Welche Verbrüde­rung in den Vereinigten Staaten von Europa, welche Grüße von Kontinent zu Kontinent! Daß man den Mars anfunten wird, das wird das geringste sein.

Schade nur. daß wir nicht mehr dabei sein werden.

Wir werden nicht mehr dabei sein; aber diese Sechsjährige da. die soeben mit ihrem batterie- geladenen Auto spielt, wird noch hingelangen und als ziemlich junge Frau von 76 3ahren die denk­würdige 3ahrtausendwende mitfeiern.

Zu denken, daß dieses Kind in die trächtige Ferne hineinwachsen wird! Zu träumen, daß diese blauen Augen sehen werden, was ich bloß träume. Auf das ahnungslose Köpfchen fällt der Abglanz eines kommenden 3ahrhunderts. Heber jedem Kind steht diese Lichtsäule des Künftigen, drucklos wie die Luft, die es atmet, ein noch lee­rer Raum in der Zeit, ein Stückchen Ewigkeit, in die es hineinragen wird.

Wir wollen mal ganz beiseite lassen, daß das Kind fliegen wird wie wir Elektrische fahren, daß cs am Abend überlegen wird, ob es das Mos­kauer Theater oder die Metropolitanoper in Reuyork fernsehen soll, daß es den Derjüngungs- doktor konsultieren wird, wie wir zum Zahnarzt gehen, nein, diese Aeußerlichkeiten meine ich nicht

Das ist eine Selbstverständlichkeit, daß die Technik und die Wissenschaft das Leben weit, reich und schön gemacht haben werden (Futurum exac- tum, also ein ganz sicheres Futurum) Cs wird eine Lust sein zu leben, weil die Menschheit an­gesichts solcher Leistungen nicht umhin wird kön­nen, sehr vemünfttg und sehr gütig zu fein, um alle diese Gaben zu verwalten.

Die Welt wird besser durchlüftet sein als heute. Sie wird einen gesünderen Kreislauf der Kraft- ströme haben Man wird den Rordpol enteist haben Kleinigkeit mit Hilfe des Golfstroms, den man ein wenig umleitet; oder man wird mit den Energien der vereinigten skandinavischen Atomzcrtrümmerungswerke dem ewigen Eis die Ewigkeit auSzutrciben. Man wird die etwas be­schränkte Fünfzirnrnerwohnung dieses Planeten er­weitern, indem man die Wüsten und Pole kom­fortabel macht.

Aber die Haupterrungenschaft wird fein, daß bie Menschheit erkannt haben wird (wieder ein Futurum exactum), wie unendlich reich sie ist, während sie jetzt in dem krankhaften Angstglau­ben lebt, sie sei arm.

Es wird ein großartiger Geist aristokratischer Verschwendung walten. Man wird nicht mehr sterben lassen, um zu leben. Man wird eine äu­ßere Technik der besseren Güterverteilung unb die innere Technik der Lebenserleichterung souverän beherrschen.

Menschen, die Mißstände zu ihrem privaten Vorteil ausnützen, werden fossile Unmöglichkeiten sein, wie für uns heutige ein Sklavenhaller.

Dieses Kind da, das noch das 3ahr 2000 er­leben und im ferngelenkten Flugzeug von Konti­nent zu Kontinent fliegen wird, hat gerade sein elektrisch lausendes Auto durch Schlachtung un­widerbringlich generalüberholt, als wollte es sa­gen: im 21.Jahrhundert wird das Auto sein, was heute bie Postkutsche ist.

3ch sage nicht, daß ein Paradies sein wird. Der Mensch sorgt dafür -- dies ist seine große, herrliche, tragische Urbeftimmung daß jedes Paradies schon im Entstehen verloren ist. Aber im 3ahre 2000 werden sich die Menschen wie immer zum neuen 3ahre vornehmen, daß nun alles, alles ganz anders und viel besser werden wird und daß die kommenden Erfindungen den Menschengeist freimachen werden und daß es keine Mißstände mehr geben wird, und du wirst darüber lächeln, denn mit 76 3ahren fängt man an, ein wenig skeptisch zu werden.

Unb wenn es im Zähre 2000 um keinen Deut anders fein wird als Ije-ute, wenn das Geben ge­

nau so unzulänglich dem 3ahre 2001 entgegen- torkelt wie das 3ahr 1930 dem 3ahre 1931 es schwebt über dir, Kind, den noch, dennoch der große ferne Abglanz einer anderen Zeit, die auf jeden Fall gelegnem ft, weil du in ißt leben wirst.

Großreinemachen bei Wilhelm Raabe.

Deutschland rüstet sich, den 100. GeburtS-' tag Wilhelm Raabes zu feiern. ®r ist der Dich­ter unseres Bürgertums, und wenn solche Gedenk­tage oft nur eine äußerliche Angelegenheit sind: dieser ist eine tiefempfundene Rotwendigkeit, denn Raabes Werk und Gestalt haben gerade in unseren an Kämpfen unb Verwirrungen reichen Zeit vorbilbliche Bedeutung. Ein Mann, der ihn im 3nnersten erkannt hat, Oberstudiendirektor Dr. Hans Henning, widmet ihm im Augustheft von Delhagen & Klasings Monatsheften einen anregenden Essay, der auch anekdotische Züge zur Belebung und Beleuchtung heranzieht. »AIS Mensch", so schreibt Henning, ,führte Raabe das Leben eines Spießbürgers, der nach harter Arbeit in der Kneipe Erholung fand, die zwar nicht gerade dem Roten Dock, Dähmeks Ecke oder Dutzemanns Keller ähnelte, sondern, wie die Herbstsche Weinstube, einen angenehmen Auf­enthalt gewährte. An einfachen Tischnachbarn wie etwa dem wackeren Braunschweiger Rentier Otto Tcllgmann nahm er keinen Anstoß, während er neugierige ober gar aufdringliche Ausfrager kühl ablaufen ließ Höheren Bedürfnissen kam der Kreis der .Kleiderseller* entgegen, der feine geistgewürztcn Gelage (nach dem Tode von Raa­bes jüngster Tochter) vom .Grünen Säger' nach dem lessingberühmten .Wegehause' verlegte, wo den meist schweigenden Raabe durch ihre Gegen­wart besonders Brandes und Engelbrecht, der Stadtarchivar Haenfelmann, der Bezirksadjutant Kirchenpauer und wenige andere erfreuten, so die heute noch sein Andenken in hohen Ehren hal­tenden Professoren F. Hahne und H. M. Schultz. Weil et fern von Draunschweig wohnte, verkehrte der ebenbürtigste Dichter, 3ustizrat Rudolf Huch, Ricardas älterer Bruder, nur selten in dieser Ge­sellschaft. Eine von ihm überlieferte Anekdote ver­dient aufbewahrt zu werden. Die Großherzogin von Oldenburg, die sich von Raabe bei einer Fahrt durch das alte Braunschweig hatte beglei­ten lassen, lud ihn zu Tisch und bat ihn darum, ihn am nächsten Tage zu einer Tasse Kaffee in seinem Haille besuchen zu dürfen. .Gnädige Frau', antwortete er, ,morgen hat meine Frau großes

Heinz PauluS, Do Wetzlar, 92 P . 2. R. Metzer, Tgm. Friedberg. 76.20 P; 3. H Küdm. Tv Lau­terbach. 73.40 P; 5 Willi Appel, Tv. 1846 Gie­ßen. 71.6 P: 6. Willi Reitz. Tv. 1846 Gießen, 67.6 P 10 0-Meter-Brust 1. H. Kreeb, Tgm. Friedberg. 1 33,6 Min.; 2. Fritz Becker. Tv Wetzlar. 1.37 Mm.; 3. R. Kirchesch. Tv. Wetzlar. 1 38.8 Min 100-Mct er-Seite: 1. K Fritz. Tv. Wetzlar. 1.32.9 Min. Strecken­tauchen : 1. H Denhardt. Tv. Wetzlar. 40 P.r 2. O. Euler. Tv. Lauterbach. 41 P; 3. F. Riedel, T.- xl Spv. Butzbach. 35 P

3ngenblurnec (1913.14).

Mehrkamps: 1 S. Eichhorn, Tv. Wetzlar. 95.10 P ; 2. Gg. Stübner, Tv. 1860 Dad-Rauheim. 89,05 P ; 3. H. Oehring, Tgm. Friedberg. 85,65 P.

Hauptspringen: 1. Gg Stübner. Tv. 1860 Dad-Rauheim, 54.75 P; 2. S. Eichhorn, Tv. Wetzlar. 52,10 P; 3. W. Kuhlmann, Tv. Wetz­lar. 44,20 P. 100-Meter-Drust: 1. H. Denhardt, Tv Wetzlar, 1.34.7 Min.; 2. HanS Vogt. Tv. 1846 Gießen. 1.38.6 Min.

Jugendturner (1915 16).

50-Meter-Brust 1 Ehr. Scherer, Ttx Wetzlar. 44.4 Sek.; 2. Willi Frech, Tp. Wetz­lar. 45,9 Sek.

Allersturner (1891 99).

50-Meter-Brust: 1. Thomas, Tgm. Marburg, 49,9 Sek.; 2. A. Rühl, Tv. Wetzlar, 50,4 Sek.

Attersturner (1890 und älter).

50-Meter-Brust : Ehrensieg: Louis Vogt. Tv. 1846 Dießen, 45.7 Sek.; 1. Theo SchweiS- gut, Tgm. Laubach. 46 Sek. 2. K. Schlemm, T- u. Spv. Butzbach, 51,5 Sek

lurnerlnnen-Oberflufe.

Hauptfpringen. 1. Leni Schäfer, Tgm. Friedberg, 67,05 P; 2. Ruch Schönert. Tv. Lau­terbach, 66,10 P.

Turnerinnen-Mittelstufe.

50-Meter-Kraul: 1. Hanneli Weeg, Tv. 1846 ©ießen, 44,4 Sek.; 2. Ruth Schönert, Tv. Lauterbach, 45.5 Sek.; 3. Anni Psund. Tv. 1846 Gießen. 47 P 100-Meter-Drust: 1. El­friede Münnich, Tv. 1846 Gießen. 1.49,6 Min.

100-Meter-Rücken: 1. Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 1.51,2 Min.

lurnerinnen-Untcrffufe.

Mehrkampf: 1. Gretel Hübner, Tv.Wetz­lar, 117,5 P.; 2. Gisela LüderS, Tv. 1846 Gie­ßen, 110,55 P. Hauptspringen: 1. Gisela Lüders, Tv. 1846 Gießen, Gretel Hübner, Tv. Wetzlar, 43,45 P.; 2. Ella Lüdke, Tgm. Fried­berg, 43,10 P. 100-Meter-Rücken: 1. Anni Komps, Tv. 1846 Gießen, 1.51,6 Min.; 2. Elisabeth Scheer, Tv. Wetzlar, 1.53 Min.

Jugendturnerinnen (1913/14).

100-Meter-Drust: 1. Gertrud Petri, Tv. 1846 Gießen, 1.53.4 Min.

Jugendturnerinnen (1915/16).

Hauptspringen: 1. Frieda Henkel, T- u. Spv. Marburg, 39,95 P.; 2. Else Komps, Tv. 1846 Dießen, 36,4 P. 50-Meter-Brust: 1. Anni Komps, Tv. 1846 Gießen, 49,4 P.; 2. Marg. Riegel, Tv. Wetzlar, 49,4 Sek; 3. Else Komps, Tv. 1846 Gießen, 49,6 Sck.

Xurnerffufe (offen).

400-Meter-Kraul: 1. H. Federlin, T.- u. Spv. Butzbach, 6.42,6 Min.

vereine ohne Ivinterbad.

Hauptspringen Turner: 1. S. Duchmann, T.- u. Spv. Butzbach, 51,85 P. 50- Meter-Brust Turner: 1. W Högy, Tgm. Laubach, 44,9 6et; 6. Erich Deppisch, Tv. Dutenhofen, 53,2 Sek. Hauptspringen Turnerjugend : 1. K. Kalbfleisch. Tv. Lau­terbach, 43,1 P.; 4. Emil Hohmann. Tgm. Laubach. 37,3P. 50-Met,-Drust. Turnerjugend: 1. W. Port, Tv. Alsfeld, 43,1 P; 2. Hans Gun- trum, Tv. Schlitz, 45,4 Sek.; 3. Emil Hohmann,

Reinemachen, da können wir keinen Besuch ge­brauten.*

Lochschulnachnchien.

Das durch den Weggang von Prof, von Bruch- hausen an der Universität Münster erledigte Ordinariat der pharmazeutischen Chemie ist Pco- fellor Dr. Hans Kaufmann in 3ena ange­boten worden. Dr. Kaufmann studierte in Sena, Heidelberg und Berlin, war Assistent am Chemi- (schen Institut der Universität Sena und erhielt dort 1916 die venia legendi für Chemie. Zur Wiederbesehung des Lehrstuhles der semittfchen Philologie an der Universität Frankfurt (an Stelle von Professor Iof. Horowitz) ist ein Ruf an Dr. Gotthold Weil Direktor der Orientah- fchen Abteilung an der Preußischen Staatsbiblio­thek in Berlin ergangen. Weil absolvierte seine Studien in Berlin, wirkte später in Bonn, wurde 1909 Hilfsbibliothekar in Berlin und 1918 Ab­teilungsdirektor der Berliner Staatsbibliothek. Dann übernahm er die Organisation und Leitung der neuen Orientalischen Abteilung. Professor Dr. Adh6mar Gelb in Frankfurt a. M. hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Psychologie an der Universität Halle alS Rachfolger von Professor Th. Ziehen erhalten. Gelb ftubierle in München und Berlin. 1912 wurde er Assistent in Frankfurt und habilitierte sich dort. Der durch die Emeritierung von Geheimrat R. Meiß­ner an der Universität Bonn erledigte Lehr­stuhl der deutschen Sprache und Literatur ist dem ordentlichen Professor Dr. HanS Raumann in Frankfurt angeboten worden. Raumann oblag in München, Kiel. Berlin und Straßburg dem Studium der germanischen Philologie. 1902 habilitierte sich Raumann in Straßburg und siedelte 1919 als Extraordinarius nach Sena über. 6eit 1921 wirkt Raumann in Frankfurt. Wieder­holt war er als Gastprofessor in Amerika. Lehrstuhle der Philosophie an der Donner Universität sind angeboten worden dem außer- ordentlichen Professor Dr Siegfried Dehn in D o n n und dem außerordentlichen Professor Dr. Oskar Decker in Freiburg i. Dr. Dr. Dehn ist gebotener Hamburger. Sn München. Heidel­berg, Zürich und Bonn studierte er und wirkte 1913 als Privatdvzent für Philosophie und ex­perimentelle Psychologie in Bonn. Professor Decker promovierte in Leipzig mit einer mathe­matischen Arbeit. 1922 erhielt er die venia legendi für Philosophie in Freiburg i-Br., später war er Assistent bei Husserl.