Das Programm der Kanzlerreise nach Lhequers.
Audienz heim König. - Zahlreiche Empfänge. - Bleibt noch Zeit zu politischen Besprechungen?
London, 27. Mai. (TAD.) Dem bevorstehenden Besuch des deutschen Reichskanzlers und des deutschen Reichsaußenministers in England wird von der Öffentlichkeit mit großem Interesse «nigegengesehen. DaS Programm für die Reise, das in seinen Einzelheiten jetzt mehr oder weniger feststeht, sieht vor, daß am Freitag, dem 5. Juni, gegen 11 Uhr die Ankunft auf der „Hamburg" vor Southampton erfolgt. Der deutsche Botschafter, Freiherr von Reurath, begleitet von dem, - Legationssekretär von Halem, wird die deutschen Minister auf dem Dampfer begrüßen und mit ihnen gemeinsam auf dem Zerstörer „Winchester", den die britische Admiralität zur Verfügung gestellt hat, von der „Hamburg", die in Solent Anker werfen wird, nach Southämpton fahren. In Southampton werden der Bürgermeister der Stadt und der deutsche Konsul die deutschen Gäste begrüßen. Etwa um 15 Uhr erfolgt die Ankunft per Dahn auf dem Bahnhof Waterloo in London. Dort findet ein Empfang durch die Vertreter der britischen Regierung und Mitglieder der deutschen Botschaft in London statt. Die deutschen Minister beziehen Wohnung im Carlton-Hotel, das nahe der deutschen Botschaft gelegen ist. Um 18 Uhr findet ein Empfang der deutschen Presse auf der Botschaft statt. Um 20.30 Uhr gibt die Regierung im Foreign Office ein Bankett zu Ehren der deutschen Minister. Wie bei derartigen Banketten im Foreign Office üblich, werden keine Reden gehalten, sondern nur kurz« Trinksprüche auf den König und den Herrn Reichspräsidenten auSgebracht werden.
Samstag, 6. Juni, 11 Uhr, erfolgt ein Empfang der deutschen Kolonie in London'auf der Botschaft.
Am Sonntag, 7. Juni, fahren die deutschen Minister nach dem Frühstück in Chequers, bei dem auch der deutsche Botschafter und Dotschafts-
rat Graf Dernstorff anwesend sein werden, etwa um 15 Uhr nach London zurück, wo um 18.30 Uhr ein Empfang der deutschen Presse auf der Botschaft stattfindet. Eine Stunde später werden die deutschen Minister im Carlton-Hotel die englische und auswärtige Presse empfangen. Der Abend bleibt als einziger frei.
Am Montag, 8.3 uni, 12 Uhr. findet eine Audienz beim König im Buckingham- Palace statt. 13.15 Uhr gibt die Anglo-Ger- man-Association im Dorchester-Hotel den deutschen Gästen ein Frühstück, auf dem der Vorsitzende Lord Reading eine kurze Begrüßungsrede hält, auf die der Reichskanzler antworten wird. 16.45 Uhr findet cjn Empfang im Royal Institute for Foreign Affai- res statt, auf dem General Sir Reill Malcolm die deutschen Minister begrüßen wird. 20.30 Uhr geben der deutsche Botschafter und Frau von Reurath auf der deutschen Dotschaft ein Diner zu Ehren des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers, auf dem u. a. der Premierminister Macdvnald. Außenminister Henderson. Schahkanzlcr Snowden und Gattin, der Lordkanzler, weitere Mitglieder der Regierung, öct Führer der konservativen Opposition Daldwin, Sir Austen Chamberlain, Lord Cecil sowie die höchsten Beamten des Foreign Office anwesend sein werden. Diesem Diner, auf dem keine Reden gehalten werden, schließt sich ein Empfang auf der deutschen Dotschaft an, zu dem ung-fähr 100 Gäste, darunter zahlreiche Mitglieder der Diplomatie, der Gesellschaft, der Presse und der Wirtschaft geladen sind.
Dienstag, 9. Juni, 8.18 Uhr, erfolgt die Abfahrt von Waterloo-Station nach Southampton, wo wieder ein Fahrzeug der Admiralität die deutschen Minister nach der „Europa" führen wird, mit der sie die Heimreise antreten werden.
Oie Hauptversammlung des Deutschen Lehrervereins.
Frankfurt a. M., 27. Mai 1931.
Rach den internen Deratungen der vergangenen Tage war die Hauptversammlung deS Deutschen Lehrervereins im überfüllten Hippodrom, eine machtvoll« Kundgebung des Lehrerstandes. Etwa 4000 Lehrer und Lehrerinnen aus allen Teilen Deutschlands waren erschienen, ebenso eine Reihe geladener Gäste. Der erste Vorsitzende, Wolff (Berlin), wies in einer längeren Begrüßungsansprache auf die. Rot der Zeit und den schweren Stand der deutschen Lehrerschaft hin. Lehrerschaft und Beamtenschaft entziehen sich nicht der Pflicht zu opfern und zu geben, was für die Allgemeinheit notwendig sei. Wir verweigern aber eine besonder- ungerechte Besteuerung, di« dazu dienen soll, das öffentliche Defizit zu decken.
Rach einer sehr langen Reihe von Begrüßungsansprachen überbrachte Kultusminister Dr. Grimme die Grüße des Reichsministeriums und der preußischen Regierung. Die Verantwortung gegenüber der Zukunft unserer Jugend trägt nicht die Lehrerschaft allein, sie trägt auch die Regierung. Heute erweist derjenige der Pädagogik den schlechtesten Dienst, der nicht in seinem Wirkungskreis nach Sparmaßnahmen Ausschau hält, damit der Kelch des Staatsbankerotts an uns vorübergeht und damit so verhütet wird,
daß die Kultur ihr Fundament, den Staat, verliert. Darum ist gerade dem, der die Kultur will, vberstes Gebot der Stund«, daß er dem Staat hilft, -über seine Rot hinwegzukommen. Wir brauchen Menschen, die unverbvgen hinein- ?«wachsen sind in diese Welt und ihre Wirklich- eiten, und die sich nicht damit begnügen, daß sie einfach da sind und sich hineingestellt fühlen in ihre Umwelt. Solch ein Geschlecht zu bilden ist Sinn der Arbeit jedes Lehrers, gleichviel wie die Bedingungen beschaffen sind, in deren Rahmen seine Arbeit liegt.
Carl Weih, Rürnberg. sprach dann über „Die Einheit der deutschen Dildung". Die Jugend, in der heute ethische Leidenschaft und lebensbejahender, wirklichkeitsnaher Idealismus brennt, bedarf gemeinsamer Bildungsstätten, um ihren Weg in die Zukunft zu suchen. Die Einheit der Bildung soll aber auch im Schichtenaufbau des Dildungswesens zur Geltung kommen. Darum bedürfen wir der differenzierten Einheitsschule, die der kulturellen Einheit wie der natürlichen Gliederung des Volkes entspricht. Kulturpolitik des Staates darf keine Mathematik der Paritätsansprüche sein, keine Zerteilung, um jedem Machtwilligen seine geistigen Hausländeoeien zu schenken.
Den Abschluß der Veranstaltung bildete eine Kundgebung der Lehrerschaft zur Lage deS deutschen Deamtentums. Rektor Dvkf's (Berlin) betonte, daß die Beamtenschaft volles Verständnis für die Krise von Wirtschaft und Staat habe. Di« Beamtenschaft habe auch ihren Anteil an den Lasten getragen. Rur verlang« sie, daß alle Stände im Staat die gliche Pflicht gleichmäßig erfüllen. Sic fordere daher A u f - leguNA der Steuerlisten, damit zu ersehen sei. welche Leistungen der einzelne für di« Gesamtheit getan habe. Schließlich erhebe die Beamtenschaft Einspruch dagegen, daß di« Kinderzulag« in Wegfall komme. Kein« Maßnahme der Regierung könnte für die Beamtenschaft unsozialer fein. Die Beamtenschaft habe die Pflicht, dem Staate zu sagen, daß hier ethisch« Werte auf dem Spiele stünden, und daß der Radikalismus in den Kreisen der Beamten sich verbreitern müsse, wenn mit diesen ungerechten Maßnahmen verfahren werde.
Das Arbeitsvrogramm des Provinzialtags.
Der Provinzialtag der Provinz O b « r h e s s e n . der am 6. Juni im RegierungS- aebäude zu Gießen seine diesjährige ordentlich« Tagung abhalten wird, hat sich mit folgender T a gesvrdnung zu beschäftigen:
1. Diensteinweisung und Verpflichtung eines neu in den Provinzialtag berufenen Mitgliedes.
2. Derwaltungsbericht des Provinzialausschusses der Provinz Oberhissen über den Stand der Provinzialverbandsangelegenheiten und Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rechnungsjahr 1929.
3. Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rechnungsjahr 1931.
4. Antrag des Provinzialausschusses auf lieber- tragung der Provinzialstraßen teilstrecke Bad- Rauheim—Ockstadt (Homburger Straße) in Eigentum und llnterhaltung der Stadt Dad- Rauheim.
5. Rechenschaftsbericht des Provinzialausschusses über die Verwaltung des Wasserwerks Inheiden und Rechnung über die Einnahmen und Attsgaben des Wasserwerks Inheiden im Rechnungsjahr 1929.
6. Voranschlag über di« Einnahmen und Ausgaben des Wasserwerks Inheiden für das Rechnungsjahr 1931.
7. Rechnungsabschluß über die Verwaltung des lleberlandwerks Oberhessen für das Rechnungsjahr 1929.
8. Voranschlag über di« Einnahmen und Ausgaben des lleberlandwerks Oberhessen im Rechnungsjahr 1931.
Nationalisierung im Genossenschaftswesen.
WSR. Frankfurt a. M-, 26. Mai. In einer außerordentlichen Generalversammlung vom 11. Oktober 1930 wurde die Verschmelzung der Raiffeisen-Hauptgenossenschaft e. G. m. b. H. zu Frankfurt a. M. mit der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft e. G. m. b. H. zu Wiesbaden einstimmig mit der Firmenänderung „Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft e. G.m. b.H. zu Frankfurt a. M" beschlossen. Der jetzt erschienene Geschäftsbericht stellt fest, daß der Zusammenschluß der beiden Waren- zentralen Frankfurt a. M.-Wiesbaden in ben weitesten genossenschaftlichen Kreisen lebhaftes Verständnis gefunden hat. Die Ablösung der Geschäft« der ehemaligen Landwirtschaftlichen Zen- tralgenossenschaft Wiesbaden von der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschast Darmstadt vollzog sich in verständnisvoller llnterstühung der Verwaltung in Darmstadt in guter Weise. Die Monate Rovember/Dezember konnten dann schon
zu einer guten Fühlungnahme mit den «Hernals Wiesbadener Genossenschaften benutzt werden, so daß schon zum Iahresschluh eine sichtbare Anlehnung der Genosienschasten der beiden verschmolzenen Organisationen überall festzuftcllen war. Die Raifseisen-Hauptgenossenschaft hatte bereits am Schluß des Jahres 1929 den Erfordernissen bet genossenschaftlichen Rationalisierung in weitestgehendem llmsang Rechnung getragen und die Läger Büdingen, Bad Schwalbach. Diez, Flörsheim a. M. Hungert, Langenhahn. Montabaur, llnter'.iederbach, Wetzlar stillgelegt und damit gleichzeitig den notwendige gewordenen Personalabbau.sowohl an der Zentral«, wie bei den Außenstellen mit einer erheblichen llnkostensenkung durchgeführt. Die im Betrieb verbliebenen Lager sind bei dem durchweg kleinbäuerlichen Besitz des Bezirkes zur Durchführung des Sammelwaggonver- kehrs zur Verteilung von Waren aller Art und zur Hebung des AbsohgeschästS als Stützpunkt unentbehrlich. Die Anlagewerte der fusionierten Warenanstalten erfuhren auS Mitteln, die von der Preußischen Zentralgenos- senschaftskasie und aus den vorhandenen Reserven entnommen wurden, eine erhebliche Senkung. Dies« Maßnahme war erforderlich geworden. da der größte Teil der Lagergebäuda auf fiskalischem Gelände steht und weil der derzeitige Gebrauchs- und Derkehrswert durch die wirtschaftliche Sage stark gesunken war. Die Läger Bad Schwalbach. Driedorf, Gladenbach. Hungen, Langenhahn und Wallau wurden in dem alten Geschäftsjahr abgestohen, die Verwertung weiterer Objekte konnte im neuen Jahre fortgesetzt werden. Die genossenschaftliche Rationalisierung ist mit Erfolg durchgeführt. Sie brachte Erleichterungen auf den wichtigsten Gebieten und zeigt überall den Geist des Fortschritts.
Aus dem Amisverkündigungsblatt.
* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 38 vom 26. Mai enthält: Stand der Maul, und Klauenseuche in Hessen. — Die diesjährige ordentliche Tagung des Provinzialtags der Provinz Oberhessen. — Aufhebung der Polizeiverordnung für die Stadt Gießen, betreffend Einführung der Trichinenschau.—. Dienstnachrichten.
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Pfarrer Sattler, Wieseck, und Missionar Müller, Wiesbaden Kirchen-, Gesangs-, Posaunenchor Es ladet herzlich ein 36370
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Pfarrer zu Watzenborn-Steinberg,
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