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Samstag, 28. Februar 1931
181. Jahrgang
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Vrvck vnv Verlag: vrühl'fche Univerfitüls-Vuch- nnö Stcinörnderel R. Lange in Sieben. Schriftlettung und Seschäftrttelle: S^uIHraM 7.
Gchieles Agrarvorlage im Reichsrat eingebracht
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nett vielmehr in jedem einzelnen Falle sich um einen gerechten Ausgleich der Interessen bemühen wirb.
Die eigentliche Agraroorlage des Ministers Schiele bringt in erster Linie den Borschlag eines Generalbebauungsplans, der ohne irgendwie in Formen der mit Recht ubclbeleumdeten Zwangsbe- wirtschaftung zurückzufallen, doch dafür sorgen soll, daß, soweit Klima und Bodenbeschaffenheit es zulassen, an Stelle des vermehrten Anbaus von Agrar- produkten, die ohnehin in Ucberfluß vorhanden sind, wie z. B. Roggen, Hafer und Kartoffeln, der Anbau von Erzeugnissen tritt, für die ein größerer Bedarf vorhanden ist, wie z. B. Weizen, Gerste, Hülsenfrüchte. Hand in Hand damit gehen muß eine Förderung des Absatzes durch eine Rationalisierung des Genossenschaftswesens und eine Beeinflussung des Verbrauchs. Fühlbare Lastenfen- k u n g auf dem Gebiete der Steuern und Sozial- abgaben und Zinsverbilligung sind notwendig, um die deutsche Landwirtschaft wieder rentabel zu gestalten. Der Minister hat erklärt, daß seine Borlage die entscheidenden Probleme bei der Wurzel anpacke und bis an die Grenze bes» s e n gebe, was z. Zt. gesetzgeberisch auf agrarpolitischem Gebiet überhaupt möglich fei. Er hat auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß er von seinen Berufsgenossen angespannteste S e l b st h i l f e fordern müsse, wenn sein Werk gelingen soll. Sein Agrarprogramm, und namentlich die Ermächtigung zu erhöhtem Zollschutz, kann nur dazu dienen, der deutschen Landwirtschaft die Mittel zur Selbsthilfe an die Hand zu geben. Die erhöhten Zölle, die na-
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Die Zottermächtigung.
Ter Gesetzentwurf dem Reich^rat vorgelegt
Berlin, 28. Febr. (ERB.) Der Reichsernährungsminister hat gestern in einer vertraulichen Sitzung des Rcichsrates seine Gesetzentwürfe über die für das Kabinett geforderte Ermächtigung zur Erhöhung der Zollsätze und über das Agrarprogramm eingebracht. Er hat um Abkürzung ber'Beratung S- fristen gebeten, weil beide Gesetze noch in der jetzigen Tagung des Reichstages zur Verabschiedung kommen sollen.
Der Gesetzentwurf über die Zollerhöhungen ist mit einer ausführlichen Begründung ausgcstattet, die die Aotwendigkcit hervorhebt, die Zollsätze beschleunigt den jeweiligen Weltmarktverhältnissen anzupassen, um so den Konjunkturschwankungen im Sinne eines Schuhes der deutschen Wirtschaft zu folgen. Dabei ist sowohl an Agrar- wie an 3n» dustriezölle gedacht, da ja die Wünsche der Landwirtschaft nach Zollerhöhung von gleichen Anregungen der Industrie begleitet worden sind. Das Ermächtigungsgesetz selbst soll unter diesen Tlmständen der Regierung nicht nur ein Recht zur Erhöhung der Zölle geben, sondern sie befähigen, die Zollsätze von Fall zu Fall während der ganzen Dauer der Ermächtigung wieder zu verändern. Es wird also das Prinzip der gleitenden Zölle gewissermahen auf sämtliche Positionen des Zolltarifs ausgedehnt. Don besonderer Bedeutung wäre es, wenn die Zollermächtigung auch auf die schwebenden Handelsvertragsfragen ausgedehnt würden. Es würde sich daraus die Möglichkeit ergeben, daß der deutsch-polnische Handelsvertrag, 'der noch immer nicht ratifiziert ist, auf diese Weise in Kraft gesetzt wird. Die Ermächtigung wird voraussichtlich erst mit dem Beginn des neuen Etatjahres in Kraft treten und für die Dauer des Etatsjahres gelten.
Minister Steiger über das Agrarprogramm.
D e r I i n, 27. Febr. (ERB.) 3n der 13. Haupt- Versammlung der preußischen Hauptwirtschaftskammer sprach Landwirtschaftsminister Steiger. Er erkannte an, daß die Rationalisierungsbestrebungen in der Landwirtschaft schon Erfolge gezeitigt haben; indessen müßten die Genossenschaften ihre neue Aufgabe mit noch größerem Rachdruck in die Hand nehmen. Es sei dringend zu wünschen, daß die Landwirtschaft freiwillig und ohne Zwang alle erforderlichen Maßnahmen sowohl auf dem Pro- duktions- wie auf dem Absatzgebiete treffe.
Der Präsident der Oberschlcsischen Landwirtschaftskammer F r a n z k e stellte den Antrag, die Hauptlandwirtschastskammer möge ihr Bedauern darüber aussprechen, daß landwirtschaftliche Vertreter einzelner Parteien im Reichstage in den letzten Tagen nicht zur Stelle waren, als es sich darum handelte, die Bemühungen des Reichsernährungsministers gegen die Wiedereinführung des Gefrierfleisches zu unterstützen; der Antrag wurde zunächst zurückgestellt.
Kalckreuths Antwort an Schiele.
B e r l i n, 27. Febr. (Täl.) Der Reichsernährungsminister Schiele hatte an den Präsidenten des Reichs.andbundes, Graf K a l ck r e u t h, die schriftliche Bitte gerichtet, sich beiderRechts- Opposition des Reichstages für Beteiligung an den Abstimmungen für den Ernährungshaushalt, insbesondere zum Gefrierfleischkontingent und zum Brotgesetz, am Dienstag
Paris, 26. Febr. (WTD.) Die heute eröffnete zweite Getreidekonferenz begann sofort die Debatte über die Frage deS Absatzes der zukünftigen europäischen Getreide- ernteübcrschüsse. Miu'.sterial irek orErnst (Deutschland) und der Vertreter der Tschechoslowakei setzten die Ansichten ihrer Länder über die den getreideproduzierenden Ländern zu gewährenden Vorzugszölle auseinander. Der Vorsitzende betonte darauf, daß eine Dorzugsbehandlung der Getreideländer nicht nur auf rein zolltechnischem Gebiet möglich sei, sondern daß man diesen Ländern auch durch Gewährung billiger Transporttarife helfen könne.
Der Dertreter Oesterreichs sprach Bedenken gegen das System der Dorzugszölle aus, das mit der Meistbegünstigungsklausel in verschiedenen Handel,Verträgen schlecht zu vereinbaren fei, und schlug andere Mittel vor, insbesondere Gewährung von Krediten und Herabsetzung der Transporttarife. Diesen Vorschlägen stimmten der Vorsitzende Fran?ois-Poncet und der zweite Vertreter Frankreichs zu. Sie bezeichneten es als wünschenswert, daß die europäischen Staaten auf der 3nternationalen Getreidekonferenz in Rom eine Art Einheitsfront bilden, um mit den überseeischen Ländern erfolgreich verhandeln zu können. Die zu ergreifenden Maßregeln müßten die Lage der Produzenten verbessern, ohne zu einer Erhöhung der Produktion zu führen. Der Delegierte der Schweiz führte aus, er halte es nicht für möglich, der Internationalen Getreidekonferenz in Rom gemeinsame europäische Vorschläge zu unterbreiten. Rach seiner Ansicht sollte der Ausschuß das System der Vorzugsbehandlung für Getreideaus mitteleuropäischen Ländern bis zu einer grundsätzlichen Lösung der Frage empfehlen.
Darauf wurde beschlossen, einen R e d a k - tionsausschuß aus den Vertretern Deutsch-
Die Geireibeiiberschüsse Südosteuropas
Oie Verhandlungen der zweiten pariser Getreidekonferenz.
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landS, Oesterreichs, Südslawiens, der Schweiz und 'Frankreichs mit der Ausarbeitung eines Berichts zu beauftragen, der dem EuropaauSschuh auf seiner nächsten Tagung vor- gelegt werden soll. Die Konferenz wird morgen die Möglichkeiten einer Dorzugsbehandlung für Getreide prüfen, die nicht auf rein zolltechnischem Gebiet liegen.
Sozia'demokraiie und Panzerschiffe.
80*7o der angcsordcrtin Summe für Löhne . nd (Behälter.
Berlin, 27. Febr. (TU.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraltion wird am Montag zu einer Sitzung zusammen treten, der man in politischen Kreisen große Aufmerksamkeit schenkt. Es ist bekannt, daß innerhalb der SPD. die Auffassungen Über den Wehrhaushalt noch nicht völlig geklärt sind und daß eine einheitliche Stellungnahme besonders zu den Fragen des Baues der Panzerschiffe noch nicht erzielt ist. Der besondere Widerstand eines Teiles der Fraktion richtet sich gegen d i e erste Rate für das Panzerschiff B , die mit 10,83 Millionen Mark im Wehrhaushalt veranschlagt ist. Davon sind 6,1 Millionen sür den Schiffsbau, 4,63 Millionen für die artilleristische Ausrüstung und 100 000 Mark für die Torpedv- waffe bestimmt. Dagegen ist die für das Panzerschiff A eingesetzte Summe von 18,8 Millionen (9,5 Millionen für den Schiffsbau. 9,1 Millionen für die Artillerie, und 200 000 Mark für die Torvedowaffe» ohnehin zwan gs- l ä u f i g , da es sich um die für die Fertigstellung des bewilligten Schiffes notwendige Daurate handelt. Für das Panzerschiff A wird darüber hinaus nur noch ein kleiner Rest benötigt werden. Die Frage der Schiffsbauten berührt aber zugleich die gegenwärtig besonders akute Frage der Ar-
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mcntlich der bäuerlichen Beredlungswirtschaft zugute kommen werden, können nur Erziehungszölle sein, wie sie einst auch unsere verarbeitende Industrie genossen hat oder zum Teil noch genießt Sie sollen der Landwirtschaft eine Anlausszeit gewähren, die sie dazu benötigen muß, durch Umstellung und Ber- besserung der Produktion sich so zu kräftigen, daß sie die Ernährungsbasis des deutschen Volkes in denkbar weitgehendem Maße von sich aus sicher- stellen kann. Gelingt ihr das in absehbarer Zeit, dann bedeutet diese Sanierung der Landwirtschaft auch gleichzeitig eine Sanierung desBinnenmarktes, ein Ziel, für dessen Erreichung weder Industrie noch Berbraucherschaft Opfer scheuen dürfen, denn Sanierung des Binnenmarktes durch eine kaufkräftige Landwirtschaft bedeutet Wiederbelebung der Gesamtwirtschaft und vielleicht das wirksamste Mittel zur Behebung der Arbeitslosigkeit. Die Agrar- Hilfe verdient aber auch um deswillen die tätige Mitwirkung aller, weil sie ein wichtiges Glied in der Kette der Maßnahmen des Reichskabinetts ist, die Deutschland für den Endkampf um die Lösung der Tributfrage rüsten sollen. Zur Sicherung einer starken Ausgangsstellung für die neuen Re- parationLverhandlungen gehört neben gesunden Staatsfinanzen eine durch die heimische Landwirtschaft gesicherte Ernährungsbosis, die, wenn es not tut, auch eint Zeit lang gegnerischen Minierver. suchen zu trotzen vermag. So muß auch die Durchführung des Schieleschen Aararprogramms für uns ein Mittel werden, um den Weg zur Freiheit zu erkämpfen.
einzusehen. Wie verlautet, hat Gras Kalckreuth dann diesen Brief Dr. H u g c n b e r g und dem Abgeordneten S t ö h r weitergegeben und dazu bemerkt, daß die Wiedereinführung des Gefrierfleisch-Kontingent- tatsächlich eine schwere Schädigung der Rindviehhaltung bringen würde. Die Bedeutung des Brotgesetzes sei in der Landwirtschaft umstritten, so daß es fraglich sei. ob die beantragten Aenderungcn eine große Auswirkung hätten. Der Reichslandbund fordere statt des bisherigen Drotgcsches eine allgemeine Roggenmehlbeimischung unter Mühlenkontrolle.
Gleichzeitig hat Graf Kalckreuth dem Reichs- ernährungsminister Schiele von diesem Schritt Kenntnis gegeben und betont, daß er davon abgesehen habe, auf Die parteitaktischen Entschlüsse der Deutschnationalen und Rationalsozialisten in irgendeiner Form eiiuu- wirken. Er sei der Tieberzeugung, daß die Reichs- rcgicrung unabhängig vom Parlament die Möglichkeit habe, die für die Landwirtschaft notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.
Befürchtungen in Holland.
Amsterdam, 27. Febr. (ERB.) In der hollän- dischen Landwirtschaft hat das im Deutschen Reichs, tag eingebrachte Agrarprogramm starke Erregung ausgelöst, da man für den Fall feiner Annahme neue Zollerhöhungen des Deut- schen Reiches für landwirtschaftliche Erzeugnisse be-' fürchtet. Die Besorgnisse fanden Ausdruck in einer
gleichgültig, von wem die Hilfe kommt, wenn nur überhaupt die Hilfe kommt." Gewisse Schwierig- leiten bieten sich, namentlich für die Zustimmung zu dem vom Reichskanzler geforderten Ermächtigungsgesetz, der Deutschen Bolkspartei und der Staatspartei, soweit diese bestrebt sind, die Interessen der Exportindustrie gegenüber allzu hemmungslosen Zollwünschen der Landwirtschaft zu wahren. Der Reichskanzler hat diesen Befürchtungen aus Kreisen der Industrie, die im Kabinett selber der Außenminister, der stellvertretende Wirtschaftsminister, der Finanzminister und der Arbeitsminister aus den Erfahrungen ihrer Ressorts heraus teilten, dadurch die Spitze abgebogen, daß er einmal die Ermächtigung nicht auf die Agrarzölle beschränkt w.ssen will, sondern ihre Ausdehnung auf die gesamte Zoll- unb Hanbelspolitik verlangt, und zum an- bern bie Ermächtigung nicht für den Reichsernährungsminister Schiele allein fordert, wie es die Grüne Front gewünscht hatte, sondern das G^ - famttabinett damit betraut sehen will. So können sowohl die ausführende Industrie, deren Interesse im Kabinett der Außenminister und der Wirtschaftsminister vertreten, wie auch die Berbraucherschaft, die sich natürlich gegen eine Verteuerung ihrer Lebenshaltung geschützt sehen möchte und in dem Reichsarbeitsminister einen Anwalt ihrer Belange hat, darüber beruhigt fein, bah man zu keinen zollpolitischen Experimenten greifen wirb, bie ohne Rot ber Gesamtwirtschaft schweren Schaden jufügen könnten, daß das Kabi-
Hilfe -em Nährsiand!
Wohl ist es ein Zufall, baß bie Pariser ftonfe- renz ber an ber Lanbwirtschaft interessierten europäischen Staaten zusammenfällt mit der großen tigrarbebatte im Reichstag, aber diese zufällige Parallelität kennzeichnet am besten, wie schwer die' Krisis oer Landwirtschaft mehr ober minber alle Ügrarftaaten Europas, ja ber ganzen Welt trifft. Währenb bie Berwirrung ber Weltwirtschaft eine Folge be» Krieges, nach verstärkt burch bie unsinnigen Friebensbiktate ist, gehen bie Wurzeln für bie Krisis ber Landwirtschaft wenigstens zum Teil wohl noch weiter zurück. Die Vergrößerung der Anbauflächen für Weizen in den überseeischen Ge- ireibelanbcrn Argentinien, Australien und Kanada um m«Nr als bas Doppelte in ben letzten zwanzig Jahren haben bas Ucberangebot an (Setreibe auf bem Weltmarkt von Jahr zu Jahr gesteigert unb allein im letzten Jahre einen Preissturz von runb 50 v. H. verursacht. Hinzu kommt eine burch bie zunehmenbe Motorisierung ber Lanbwirtschaft er» möglichte Vergrößerung ber Anbauflächen auch in ben Vereinigten Staaten. Die regenarmen Gebiete be» Westens konnten durch die Trockenkultur dem Getreidebau gewonnen werden. Mit Motorpflügen wird der Boden sy tief umgepflüat, baß er im Frühjahr große Mengen von Regenseuchtigkeit ansaugt, bie burch Festwalzen bis zur Ernte vor bem 23er» bünften geschützt werben. Auf bie gleiche Art würben bem Weizenanbau auch in Australien neue Gebiete erschlossen. Hanb in Hand mit ber Motorisierung ber Lanbwirtschaft geht eine Abnahme bes Pferde- beftanbes in Ucbcrfee. Auch bie für bie Futter- gcroinnung bis bahin benutzte Bobenfläche wirb für ben Anbau für (Setreibe zur menschlichen Ernährung rei. Diese gewaltig vermehrte Probuktion in lieber- ec brückt natürlich auf ben Weltmarkt unb trifft lier in erster Linie bie sübosteuropäischen Getreide- ejportlänber Südslawien, Rumänien, Bulgarien unb Ungarn, in geringerem Maße auch Polen unb bie baltischen Staaten, bie ihrerseits auch noch von ben zu Dumpingpreisen auf ben Markt geworfenen Getreibeoorraten Sowjetrußlanbs arg bebrängt werben.
Aus ber Genfer Europa-Tagung ist bies Problem zur Sprache gekommen, man hat Ausschüsse ein- ersetzt, bie eben in Paris zusammengetreten sind, um Mittel und Wege zu finden, durch eine Kooperation von Agrar, und Industriestaaten für den Getreideüberschuß der Donauländer Absatzmärkte zu erschließen. Frankreich, das in ber glücklichen Lage ist, in bezug auf Brotgetreibe Selbstversorger zu sein, bas auch von ber Agrarkrisis bislang verhältnismäßig wenig berührt würbe, sucht bie sübosteuropäischen Agrarstaaten, namentlich bie ihm politisch ohnehin liierten Mächte Südslawien und Rumänien, durch die Hergabe von Krediten auch finanziell von sich abhängig zu machen. Dafür sind diese natürlich sehr empfänglich, mehr muß ihnen aber daran liegen, zu einem vernünftigen Zusam- menroirfen mit ihren vorwiegend industriell gerichteten Nachbarn in Mitteleuropa zu kommen. Für bie bevorzugte Aufnahme ihres Getreibeexports sind sie zu einem Aeguivalent im Import von In» dustrieerzeugnissen bereit. Deutschlanb als gemischter Jnbustrie-Agrarstaat ist dabei in einer etwas schwie- rigen Lage. Das hat sich bereits bei ben Handels, vertragsverhanblungen mit Oesterreich. Ungarn, Eiidslawien, Rumänien unb Polen gezeigt. Es kann immer nur bie Interessen seiner auf Export angewiesenen Industrie unb die seiner um ihre eigene kxistenz schwer ringenben unb barum von jeder ausländischen Konkurrenz auf dem Binnenmarkt empfindlich getroffenen Landwirtschaft gegeneinander abwägen unb darum ben Getreideerportländern Eüdosteuropas nur soweit entgegenkommen, als es die Lage ber eigenen Landwirtschaft zuläßt, also schließlich nur soweit, als es sich um eine Ausschal- hing des (SetreiMmports von Ueberfee handelt, . vorausgesetzt, daß Breis, Dualität unb industrielle Erportinteressen gleich oder gar günffger für die europäischen Getreideexporteure liegen. Und da es bei den andern Ländern auch nicht viel anders liegt, darf man sich nicht wundern, daß bei der Pariser Konferenz, wenn man aus dem dürftigen, sich auf allgemeine Wendungen beschränkenden Kornmunigus über die Schlußsitzung schließen darf, nicht allzuviel ^ausgenommen ist. Und das um so mehr, als das nissische Getreidedumping als drohendes Schreck- gefpenst an der Wand steht, dem man anscheinend in Paris nicht ernstlich auf den Leib zu rücken gewagt hat. ,
Wie sehr die Hilfe für bie Landwirtschaft auch fn Deutschland zum Angelpunkt der Politik geworden ist, erhellte aus ber Debatte über den Etat des Ernährungsministeriums im Reichstag. Das Echicksal der Agrarvorlage des Reichsernahrung^- ministers Schiele wird die erste große Probe aufs G’-empet sein für die Arbeitsgemeinschaft zwischen k'üaldemokraten, den Mittelparteien und der gemäßigten Rechten. Die außerordentl'ch zuriickhalten- den unb in wesentlichen Punkten zustimmenden Kusfübrungen des sozialdemokratischen Sprechers in ber Agrardebatte könnten beinahe darauf schließen lassen, daß bie Sozialbemokratie um den Preis ber Aufrechterhaltung bes politischen status ouo gewillt ist, Schieles 2fararoor(age samt der vom Reichskanzler verlangten Ermächtigung für die gesamte Zoll- und Handelspolitik zu schlucken, obwohl eine Reihe bedeutsamer Punkte ihr gar nicht in ihr Parteiprogramm passen kann. Die Landvolkpartei, die sich voll unb ganz hinter den Min-ster, o|5 ben Vertrauensmann der Grünen Front, stellt, hat nun offenbar an der Mitwirkung der Sozialdemokratie nichts auszusetzen, wo ohne diese unb bei weiterer Abstinenz ber rabifalen Rechten die Gefahr besteht, daß die ganze Agrarvorlage unter den lisch fallen könnte. Ihr Sprecher, der pommersche Xbg Schlange - Schöningen erklärte mit Nechtr „Meinen bedrohten Derufsgenossen P es
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Entschließung ber gestrigen Tagung des Abwehrkomitees der holländischen landwirtschaftlichen Organisation, in der betont wird, daß man es unter dem Gesichtspunkt des Selbsterhaltungstriebes für notwendig halte, sch o n jetzt bestimmte Maßnahmen ir»» Auge zu fassen, falls das Programm des Ministers Schiele unverändert durch den Reichstag angenommen werden sollte und daß man auch unverzüglich mit den landwirtschaftlichen Organisationen anderer Länder, nämlich Dänemark, Lettland unb Belgien, Fühlung nehmen müsse.
Oer Hessische Landbund steht hinter Schiele.
Darmstadt, 27.Februar. (WHP.) In einer Sitzung bes erweiterten Lanbesaus- chusses bes Hessischen lianbbunbes würbe ein» timmig beschlossen, Reichsminister Schiele für eine Tätigkeit im Interesse ber beutschen Lanbwirt- d)aft ben herzlichsten Bant unb oollftes Vertrauen auszusprechen. Gleichzeitig wirb der Minister gebeten, auf seinem schwierigen Posten im Interesse ber um ihr Dasein ringenben Lanbwirt- schäft auszuhalten. — Der Lanbesausschuß begrün- bete unter bem Namen D r. Kleinkurt-Stif- tung einen Fonbs zur Verfügung bes Lanb- bunbvorstanbes, aus bem für ben Fall befonberer Notlage ober bei UnglücfsfäUen im Lanbbund tätigen Personen Unterstützungen gewährt werben sollen.


