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nr. 199 (Erftes Blatt

181. Jahrgang

Donnerstag, 21. August 1931

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Chefredakteur

Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Volitil Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil (Ernft Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, lämtlich in Gießen.

Deutschland und die Entwicklung der WeliwirlschaWisiS.

Reichskanzler Dr. Brüning spricht über alle großen Probleme der Politik und Wirtschaft.

Wiederherstellung der Kaufkraft.

Ztobililicrung der Wcltmarkkpreije

Tire Blau, 26. Lug. (XU.) Die .Breslauer Neuesten Rachrichten" veröffentlichen eine Un­terredung des Reichskanzlers Dr. Brüning mit dem Berliner Lhefkorresponden- ten derUnited Preß", Frederik Kuh. JDr. Brü­ning sagt darin u. aDie Weltwirt­schaftskrise wird weitergeben und sich noch verschärfen. Der einzige Ausweg besieht noch meiner Ansicht in einem möglichst engen Zusammenwirken, um dem Abgleiten der Preise Einhalt zu tun. Die Kaufkraft Deutschland- und Europas sinkt, die Märkte schrumpfen ein. Wenn sich diese Entwicklung fort- scyt, so muf) sie zu einer Beschränkung des Produktionsapparates in der gan- Ie n Welt führen ES ist unbedingt notwendig, afz die wirtschaftlich geschwächten Länder wieder in die Lage versetzt werden, zu kaufen. Vor­bedingung dazu find Wirtschaftsfriede und politische Ruhe. Deutschland wird nach Kräften dazu beitragen, diese Vorbedinyun- acn zu schassen. Die Völker müssen begreifen, vast wir nicht mehr in einer Geschäftskrise stehen, sondern daß daS Vertrauen in die gesamte wirtschaftliche Stabilität erschüttert ist. Das E i n- schrumpfen der Kaufkraft in Süd­amerika, Thina und Rußland macht sich fühlbar. Wir, die Vereinigten Staaten und andere Länder erleiden durch die Beschränkungen der Märkte schwere Einbufzen."

Die Reparationen.

Aufgabe der vereinigten Staaten.

Rach seiner Ansicht über den Bericht d e S Wiggin-AuSschusseS befragt, meinte der Kanzler:Der Bericht ist klar und überzeugend, aber für gewisse Probleme muhte er Um­schreibungen anwenden." Auf die Frage, wie er sich die weitere Entwicklung des Reparationsproblems vorstelle, erwi­derte er:Die Zukunft der Reparationen hängt von den Vereinigten Staaten ab. CS wäre unpraktisch, wenn wir uns unsere Ansicht nur vom rein deutschen Standpunkt bilden wür­den. Ich erwarte keine antscheidcnde Wendung, bevor da- Bundesparlament in Washington im Dezember Aufammcngctrctcn ist." Hinsichtlich des von französischer Seite angeregten zehnjähri­gen politischen Moratoriums zwi­schen Frankreich und Deutschland meint der Kanzler:Diese Frage soll jetzt nicht in die Debatte geworfen werden. Wir müssen uns erst mit den anderen Mächten und besonders Frankreich über konkrete Wirtschastssragen, in erster Linie die Zölle und die internationalen Kar­telle, einigen."

Die Zollunion.

Ein erster schritt zur Ucbcrwindung des Protektionismus

Aus die Jragc öcs Korrespondenten, ob Deutsch­land und Oesterreich, wenn das Gutachten des Haager Gerichtshofes für sie günstig ausfallen sollte, die Zollunion durchführen würden, er­widerte Brüning:Wenn das Haager Urteil für uns günstig ausfällt, fo wird die Welt er­kennen, dah Deutschland das Wellproblem der Zölle der Lösung einen Schritt näher gebracht hat. Nachdem Deutschland feine Bereitschaft erklärt hat, mit anderen Ländern über ähnliche Zollunionen zu verhandeln, würden wir dann erwarten, dah uns die anderen Regierungen eine konstruktive Lösung Vorschlägen." Zur Lösung der gewaltigen Internationalen Pro­bleme hält Brüning Besprechungen zwischen den leitenden Staatsmännern unter den gegen- roärtigen Umständen für erfolgversprechender als Verhandlungen im Völkerbund.

Der Panzerkreuzer B.

Keine Bindung an einen Flottenbauplan.

Zur Frage des Panzerkreuzers 8 er­klärte der Kanzler, es sei nicht angebracht, diese Angelegenheit zum Gegenstand internationaler Erörterungen zu machen. Sc erklärte: .Streng imRahmen der Dertragsbestimmun- g e n erieht Deutschland langsam und allmählich seine veralteten Kriegsschiffe, die 25 oder 30 Jahre alt sind. Unsere Finanzlage verbietet unS, rasch Ersatz zu schaffen. Als der Korrespon­dent daran erinnerte, dah Reichswehrminister Groener im Reichstag vorgeschlagen habe, bis 1938 sechs und bis 1940 zwei weitere Panzerkreu­zer auf Stapel zu legen, meinte Brüning: .Der Reichstag wollte nur den ewigen Streitereien über die Ersahbauten ein Ende machen, aber die Reichs- regierung hält sich bezüglich des Baues von Kriegsfahrzeugen nicht an Daten gebunden."

Der kommende Winter.

lieber die voraussichtliche Lage im nächsten Winter sagte der Kanzler: .Für Deutschland und die ganze Welt wird dieser Winter mehr

Schwierigkeiten bieten, alS man seit einem Jahr­hundert erlebt hat. Indessen bin ich hinsichtlich Deutschlands sogar optimistisch; denn die deutsche Rot hat gezeigt, welches Mast von Selbst­beherrschung da- deutsche Volk besitzt, wenn eS einmal die Rotwendigkit, ruhig Blut zu be- wahren, erkannt hat. Unsere Maßnahmen gegen die Schwierigkeiten werden in weiteren 8r- sparnissen.besonderSbeidenFinan- -en der Einzelstaaten und Gemein­den und beim Ausgleich ihrer Haushalte be­stehen. Der Reichshaushalt ist im allgemeinen in Ordnung. Ungeachtet der jüngsten Einsparun­gen bei der Arbeitslosenversicherung stiegen diese Ausgaben infolge der Zunahme der Arbeitslosen stark. Vielleicht werden wir in Deutschland im nächsten Winter sieben Millionen Ar­beitslose haben. Zu dieser Schätzung würde man kommen, wenn die Kurve der Arbeitslosig­keit verhältniSmähig in dem gleichen Mähe an­steigt, wie in den beiden letzten Jahren. Da h» dessen d i e B a u t ä t i gfe i t bereits im Som­mer zum Stillstand gekommen ist, ist in diesem Gewerbezweig kein Ansteigen für den Winter zu erwarten. Wenn man das im Auge behält, so ist die geschätzte Ziffer von sieben Mil­lionen Arbeitslosen vielleicht zu hoch gegriffen.

Kein Staatskapitalismus.

Aber Bankcnaufficht und Lenkung der Kartellpreise.

Bel der Besprechung der finanzwirlschafllichen Lage wandle sich Brüning gegen die Gerüchte, wonach das Kabinett staat-kapitalistische Refor­men ins Auge fasse.Die Schaffung einer Reichsaufsicht über die Banken-, sagte er,darf nicht in diesem Lichte angesehen werden, son- dern sie soll dazu dienen, Wiederholungen früherer Mißgriffe zu verhüten. Sie soll auch nicht weitergehen ab die in den vereinigten Staaten eingesührten Methoden der Banken­aufsicht. Ebenso falsch wäre es, die Absichten der Regierung hinsichtlich der deutschen Kartelle auch nur entfernt mit dem Gedanken eine» Staatskapitalismus in Verbindung zu bringen. Ich kann jedoch sagen, dah wir entschlossen sind, die Kartellpreise in Deutschland im Winter herunterzubringen. Die Kartelle ermäßigen zum Teil bereits ihre Preise und einige Kartelle haben sich bereit» aufgelöst. Sollte es sich aber als notwendig erweisen, so wird die Regierung nicht davor zurückschrecken, die Kartelle über­haupt zu liquidieren."

Die Sicherung der Haushalte von Ländern und Gemeinden.

Richtlinien des Reiches für die Maßnahmen der Länderregierungen.

Berlin, 26. Aug. (XU.) Wie die »Xele- graphen-Union" erfährt, wird die ReichSreaie- rung zu der Notverordnung zur Sicherung deS Haushalts Rundschreiben herauSgehen las­sen, in denen sie den Länderregierungen mittexlt, wie sie sich d ie H i l f S m a hn a hm e n z u r Sicherung der Haushalte denkt. Die Reichsregierung überläßt es den Ländern und Gemeinden, zunächst selbst die Maßnahmen zur Ordnung ihrer Finanzen zu ergreifen. Erst wenn ein Land an das Reich wegen peku­niärer Hilfe herantritt, wird das Reich fest­stellen, ob e s die Maßnahmen des betref­fenden Landes für genügend hält. Das Reich will mit seiner Hilfe nur dort einsehen, wo die GtatS der Länder und Gemeinden unter Wahr­nehmung der neu geschaffenen und gesetzlichen Möglichkeiten in Ordnung gebracht werden. An sich wird die Selbstverwaltung der Länder unb Gemeinden gewahrt. Welche Möglichkeiten be­stehen, den Ländern und be'onders den Gemein­den über die bereits in Aussicht genommenen 60 Millionen für Wohlsahrtserwerbslose hinaus zu helfen, darüber schweben gegenwärtig noch Erörte­rungen, teilweise auch Verhandlungen mit den Ländern.

Im einzelnen hat das Reich mit der Rotver­ordnung sicher nicht die Absicht verfolgt, un­bedingt eine einheitliche Regelung aller Gehälter im gesamten Reichsgebiet durchzuführen. Das Reich hat' ein Interesse lediglich an der Zu- rückschraubung übersteigerter Ge­hälter. Derartige Erscheinungen, die unter dem |

Stichwort derZwangsläufigkeit" in den letzten Jahren um sich gegriffen haben, sollen beseitigt werden. Die Wirkung kann also eine ganz ver­schiedenartige Regelung der Gehälter werden. Die Anwendung ist nicht für Tarifverträge. sondern für Sinzeiverträge geplant. Für die Ta­rifverträge wird den Ländern und Gemein­den der Weg der Vereinbarung empfohlen. Wohl aber gibt die Verordnung die Handhabe, auch in die gesetzlich fest gelegten De - soldungsordnungen einzugreifen. Des wei­teren wird gedacht an die Herabsetzung der Ge­hälter in Gesellschaften, deren Ein­nahmen und Ausgaben den Etat der Länder und Gemeinden beeinflussen, indem entweder hö­here äleberschüsse oder geringere Zuschüsse her­beigeführt werden. An eine Uebetttagung von Verwaltungen der Länder auf d a s R e i ch hat die Reichsregierung bei dem Er­last der Rotverordnung offenbar nicht gedacht. 3m Gegenteil, die Länder und Gemeinden sollen gerade dazu angehalten werden, in ihrem eigenen Aufgabenkreis Ordnung zu schaffen.

Das Reich seinerseits bereitet ebenfalls entsprechende neue Eparmastnahmen vor, für die es ja nicht erst, wie das für die Länder und Gemeinden nötig war, eine besondere ge­setzliche Ermächtigung braucht. Der R e i ch s e t a t steht allerdings gegenwärtig besser da als die Etats der Länder und Gemeinden. Auch er bedarf aber gewisser EicherungSmastregeln.

Hessens Finanzlage.

7/2 Millionen Defizit in den ersten 4 Monaten des laufenden Rechnungsjahres

D a r m st a d t, 26. Aug. (WTB.) Rach den amt­lichen Mitteilungen über die Einnahmen unb die AuSaaben des Landes Hessen stellt sich die Fi­nanzlage Hessens Ende Juli für bas laufende Rechnungsjahr wie folgt:

Im ordentlichen Haushalt betragen die Gesamteinnahmen 23,148 Millionen Mark, unb zwar aus Reichssteuern 7,870 Mill. Mark, aus Landessteuern 10,256 Mill. Mark, aus ber Rechtspflege 0,948 Mill. Mark, aus Schule, Wissenschaft, Kunst unb Kirche 0,033 Mill. Mark unb aus der übrigen Landesverwaltung 4,036 Mill. Hl art Davon gehen ab für Zuschüsse zu ben Betrieben unb äln terneh- m ungen 1,673 Milt Mart so bah an Ein­nahmen insgesamt 2 1,475 Millionen Mark verbleiben.

Die Ausgaben im laufenben Berichtsjahre betragen bisher zusammen 28,738 Mil­lionen Mart unb zwar für bie allgemeine Verwaltung einschließlich ber Polizei 4,133 Mill. Mart für Rechtspflege 2,547 Mill. Mart für bas Verkehrswesen 0,317 Mill. Mart für Schule, Wissenschaft, Kunst unb Kirche 10,132 MiH. Mart für soziale Maßnahmen unb Gesundheitswesen 1,130 Mill. Mart für Wohnungswesen 0,011 Milt Mart für ben Schulbenbienst 1,384 MUt Mart für Ruhegehälter 5,156 Milt Mark unb für sonstige Ausgaben 3,923 Milt Mart Der ordentliche Etat verzeichnet also für Ultimo Juli eine Mehrausgabe von 7,263 Mil­lionen Mart

Im außerordentlichen Haushalt

find bis Ende Juli 0,045 Milt Mark Ein- nahmen zu verzeichnen, während bie Aus­gaben 0,301 Milt Mark betragen, unb zwar für Lanbkultivierung unb landwirtschaftliches Sieblungswesen 0,168 Milt Mart fürWvhnungs- wesen 0,005 Milt Mark unb für Zuschüsse unb Reuinvestierungen ber Betriebe 0,023 Milt Mark unb schließlich für sonstige Ausgaben ber HoheitS- verwaltung 0,105 Milt Mart

AotmaßnahmenderStadlSerlin.

Etatscnkung um 25 bis Millionen.

Berlin, 26. 2lug. (CNB.) Eine Konferenz des Magistrats unb ber Borsitzenben ber Bezirksämter beschäftigte sich mit ben in ber Berliner Verwaltung burchzuführenben Notmastnahmen. Es bestand die Auffassung, baß eine fruchtbare Aufgabenminberung nur durch eine ftraffere Organisation ber Verwaltung, scharfe Arbeitstei­lung unb Abbau jeber unnötigen B e- hörbenarbeit möglich ist. Soweit es in den Kräften der Stadtverwaltung liegt, sollen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um burch Erleich­terungen auf dem Gebiete der Sau­wirtschaft, der Grundstücksoerwertung unb den anderen Zweigen der Stadtverwaltung die p r i oate Initiative anzuregen und die lieber- Windung der Krise nach Möglichkeit zu erleichtern.

Die durch die Kassen, und Etatslage erzwungene sofortige Einschränkung der städtischen Ausgaben erstreckt sich auf alle Betätigung»- .zweige der Stadt. Die Mitglieder des Ma­

gistrats und die Dorsitzenden der Be­zirksämter haben sich bereit erklärt, über die Bestimmungen der Notverordnungen hinausgehend, während der Dauer der Wirtschaftskrise aus ins­gesamt 20 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Im Arbeitsbereich des Tiefbau­amtes werden die im Etat vorgesehenen Mittel um mehrere Millionen Mark gekürzt, die Inangriff, nähme aller Hochbauten wird unterbleiben, die einmaligen Ausgaben des Haushaltsplanes werden gesperrt. Bei den höheren Lehr- an stakt en wird die Staffelung des Schulgel­des nach dem Einkommen aufgehoben. An ihre Stelle tritt das in den übrigen preußischen Schu­len übliche System der Freistellen. In allen Schul- gattungen wird d I e Klassenzahl verrin­gert. In der Wohlfahrtspflege werden die ergänzenden Leistungen eingeschränkt. Insgesamt er­wartet der Magistrat von feinen Einschiankungs- Maßnahmen eine Herabminderung des Haushalts- bedarfs um 25 bis 30 Millionen Mark für ben Rest des Jahres.

Die Krakiionssihung der Deutschnationalen.

Berlin, 26. Aug. (VDZ.) Die deutsch- nationale Reichstagsfraktion fetzte am Mittwoch ihre am Dienstag begonnene Fraktions­sitzung fort, bei denen der Parteivorsitzende Dr. Hugenberg zunächst einen eingehenden lieber- blick über die letzten politischen Ereignisse und einen Ausblick auf die zukünftige politische Entwicklung Sab. Nach einer eingehenden Aussprache hörte die raftion Referate vorn Abg. Stubbenborf über aktuelle Agrarfragen, vom Abg. Dr. Wiber über Pläne um bie Hauszinssteuer unb vom Abg. Dr. Qua atz über die Betriebe ber öffentlichen Hand. Zur Lage der Landwirtschaft wurde festge­stellt, daß neben den weit unter den Selbstkosten liegenden Preisen für (Betreibe, Kartoffeln, Holz unb bergleichen jeber ernsthafte Versuch zur Ret­tung ber Kleinlanbwirtschaft unb der Siedler durch geeignete Maßnahmen auf dem Gebiete der land- wirtfchaftlichen Deredelungswirtschaft zu vermissen ist. Während die Regierung durch die verschiedenen Notverordnungen die Laae einzelner Erwerbszweige zu beeinflussen gesucht habe, bleibe die Landwirt- schäft außerstande, ihren Verpflichtungen nachzu­kommen. Die durch Handhabung ber Deoisenverord- nung gegebenen Möglichkeiten zur Verhinde­rung unnötiger Einfuhr agrarischer Erzeugnisse seien ungenutzt gelassen wor­den. Der deutschen Landwirtschaft wurde dringend empfohlen, sich durch die offenbar nur vorüber­gehende Entspannung der Wirtschaftslage nicht von der klaren Erkenntnis abbringen zu lassen, daß es um ihretwillen und um Deutschlands willen not­wendig ist, dah die Landwirtschaft auch im kommen­den Frühjahr noch ausreichende Erntevorräte an den Verbraucher abzugeben in der Lage ist.

Do X in den Bereinigten Staaten.

Do. X liegt im Rorfolker Hafen vor Anker. Auf allen Zufahrtstraßen stauen sich lange Schlangen von Automobilen. Die Marinelcitung stellte Motorboote und Pinassen zur Verfügung, um die Schaulustigen zum Do. X zu befördern. Taufende mußten jedoch abgewiefen werden, als die Besichtigungszeit vorüber war. Inzwischen sprachen zwei Flugzeugpassagiere, ein angesehe­ner Kaffeepflanzer aus Brasilien und ein In­dustrieller aus Amerika, im Rundfunk über die gewaltige deutsche Leistung, die sich hier im Do. X präsentiere. Donnerstag werden in aller Frühe 16 Mann der Besatzung und 50 Fluggäste aus Deutschland und Amerika die historische Fahrt antreten, die als Krönung des Fluges mit dem feierlichen Einzug in Re uh ort enden soll. Dort wird das Zlugschiff nach Beendigung der Empfangsfeier im Lurtis-Flughasen 4 Tage vor Anker oleiben, damit festgestellt werden kann, ob die Beschafsenheit der Motore, die 300 Flugstunden hinter s i ch haben, es ge­stattet, noch am Luftfahrt-Kongreß teilzuneh­men. Die Motoren werden dann abmontiert und gründlich überholt werden. Während die­ser Zeit sollen Verhandlungen über das weitere Schicksal des Flugschiffes geführt werden. Man trägt sich, da nach dem hiesigen Lustgeseh eine fremde Firma in Amerika leinen Luftverkehr betreiben darf, mit dem Gedanken, den Do. X an eine amerikanische Lust - reeberei zu verchartem, z. B. für kurze Flüge zwischen Miami und Havanna. Man hofft, den Amerikanern die Vorzüge des Do. X, die auf dem Gebiete größerer Beauemlichkeit und Sicher­heit liegen, bargetan zu haben, und rechnet mit Aufträgen zum Dau von Großflugzeugen.

Oie Grönlandexpedition Or. Krüger- Darmstadt verschollen.

Bei der Technischen Hochschule in Darmstadt ist von der kanadischen Regierung die Rachricht eingetroffen, daß dieGrönland- expeditivn Dr. Krüger- als verschol­len anzufehen ist. Dr. Krüger, Assistent an der Technischen Hochschule Darmstadt, ging 1929 auf eine wissenschaftliche Grönlandexpedition zu­sammen mit Professor Drescher (Klausthal), Dr. R i e l a n d (Heidelberg) und dem Dänen D j e rr e Drescher und Rieland kehrten im Herbst 1929 verabredungsgemäß zurück, während Krü­ger und derDäneimRorden blieben. Die letzte persönliche Rachricht von Krüger stammt aus dem März 1930 na<p einem Besuch bei der kanadischen Polizei st ativn Beach, di«