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General-Anzeiger für Oberhessen

Lrschelnl ,ü glich, avtzer Sonntags und Feiertag«. BtUaaee: Die 3üii|triertt

Biehener Jamilienblätta Heimat rm Dill» Dir Scholle Monat, Bejngspret«:

2.20 Deichomard und 30 3leld)spfenmg für Träge» lohn, auch bet Dichter» scheinen einzelner Dummern infolge höherer Gewalt.

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Cbefrebakteun

Dr. Fnedr. Wich. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Will». Lana«; für Feuilleton Dr h Thgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Nr. 173 Erster Blatt 18s. Jahrgang Montag, 27. Zuli IM

Gietzener Anzeiger

Sevilla im Fieber.

Don unserem slc.-Derichterftatter.

(Lachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Sevilla. Juli 1931.

Sevilla, di« Stadt der Sonne, die Stadt der Blumen. die Stadt der Diralda und des Alcazar, die Stadt EarmenS und Micaelas, bas ist die Stadt der Lebensfreude und der Leidenschaften, der ewigen Heiterkeit und der Inbegriff aller spanischen Romantik. Go sieht der Fremde diese Stadt, wenn er auf den Straßen daS Volk fla­nieren lieht, in der schlangenartig geschwungenen engen Lalle de las SierpeS sich an der 'Bunt­bett der GeschäftSauslagen erfreut oder sich gar unter die fröhliche Volksmenge bei einer Feria auf der Alameda de Hercules mischt. Aber diese Stadt hat auch eineünterwelt. Dem Frem­den unsichtbar, aber dem Einheimischen bekannt und von ihm mit Recht gefürchtet. Die Krimi­nalität der Stadt ist groß. Roheitsverbrechen. Laubübersälle stehen an erster Stelle. Beson­ders verrufen sind die Vorstädte. Go vor allem Triana, die Gladt der Töpfer, wo sich unter das Proletariat ein ungewöhnlich hoher Prozent­satz von Zigeunern mischt, die ihren eigenen Gesetzen folgen und die in jedem Vertreter der öffentlichen Ordnung, mag es sich um «inen Poli­zisten oder um einen Soldaten handeln, von vorn­herein den geschworenen Feind erblicken. DieS Volk ist durch und durch ungesetzlich, anarchistisch auS Lharakleranlage, verbrecherisch vielleicht auS einer Art Tradition, da ja nicht allzu weit von Sevilla weg llftera liegt, die Zufluchtsstätte der Mörder deS Mittelalters, der Ort, der Jahrhunderte hindurch jedem Verbrecher Asyl- recht gewährte.

Und Sevilla ist ein Hafen, einer der größtem Häsen Spaniens. Hier strömt alles Volk zusammen, daS aus Schiffen durch daS Mittel­meer fährt. Levantiner treffen sich hier, Flücht­linge der französischen Fremdenlegion, Aus­gestoßene der afrikanischen Kolonien, marokkani­sche- Abenteurergesindel, di« Nachkömmlinge der Seeräuber und der Abschaum des ganzen Völker» mischmaschS. daS an den Küsten des Mittel- meereS wohnt. In den kleinen unzähligen Knei­pen. die um das Hafenviertel herumliegen, in den Dirnengassen, die von der Alameda de Her­cules ausstrahlen, da bekommt man diese Unter­welt zu Gesicht. Da sieht man wirkliche Apa­chen, wie man sie in Paris nicht mehr findet und wie der Film sie nur allzu unecht darstellt. Da schwirren all« Sprachen der Welt durchein­ander. Da ist «in jebet der Kneipenbesucher ein Zuhälter. Da gibt «S noch den Messcrlamps Mann gegen Mann, wie ihn Hans Heinz Evers in seiner ..Tomatensauce" beschrieb. Da ist für eine Handvoll Zigaretten jeder für jeden Zweck zu kaufen.

Früher blieb die Unterwelt aus ihr Gebiet be­schränkt und arbeitete im Dunkeln. Schon m i t den ersten Anzeichen der Revolution aber wagte sie sich ans Licht, und jetzt beginnt sie, verstärkt durch Trupps unzufriedener Land­arbeiter und durch Scharen aus dem Minenprole­tariat au- Huelva und den Kupfergruben von Riotinto, geradezu eine Terrorherrschaft auSnuüben Sevilla ist, soviel wir wissen, die einzige Stadt in Spanien gewesen, in der es in den eigentlichen Revolutionstagen Tote gegeben bat Auf dem grohen Platz vor dem Stadthaus, dem Plaza de San Fernando, sammelte sich wie auf Befehl die Menge und drohte, das Gebäude zu stürmen. Die Guardia civil, die einzige zuver­lässige OrdnungStruppe der Republik, bemühte sich, die Demonstranten in die Seitenstrasten ab- gudrängen. Aber die Menge erwies sich als stär­ker. und so muhte zur Waffe gegriffen werden. Fünf Todesopfer kostete dieser Aufstand, fünf Todesopfer, von denen keine Zeitung berichten durfte. Seit diesem Tag befindet sich Sevilla im Fieber, nun schon Monate hindurch.

Di« wildesten Gerüchte werden geglaubt und erhöhen die Beunruhigung. Einmal Heistt es, dast kommunistische Bauernscharen auf die Stadt tosmarschicren. Kommunisten? Wenn auch russische Emissäre unzweifelhaft unterirdisch am Werk sind, so werden sie gerade bei der Bauernbevölkerung am wenigsten Eingang finden. Diese Bevölkerung denkt nicht industriell, sondern durch und durch bäuerisch. Sie hat ganz einfach Landhunger. Denn sie fitzt nun schon Iahr- bunderte hindurch als rechtlose Pächter oder, schlimmer noch, als menschenunwürdig bezahlte Landarbeiter auf der von Fruchtbarkeit strotzen­den Erde, die ganz und gar im Besitz einiger weniaer Granden und vor allem der Klöster und der Kirche ist. Wenn dieses Landproletariat sich mit der Unterwelt Sevillas und mit der von syndikalistischen Agitatoren ausgehetzten Arbeiter­schaft sowohl der Stadt selbst als auch der benach­barten Häfen und mit den Minenarbeitern ver­bindet bann muh es blutigen Ereignissen kommen, zumal die Abwehrkräfte gering sind.

Die Guardia civil verfügt nur über wenige Mannschaften. Die Polizei, von Primo de Rivera zugunsten der Gendarmerie auf allgemeine Orb- nungsmastnahmen abgelenkt, sieht chre Aufgabe sk^usagen in der Verkehrsregelung erschöpft. Und das Miltär? Das Heer ist zerfressen durch das Treiben der Oftiziersverbände, der Iuntas. das keine wirkliche Disziplin mehr aufkommen läht. Gerade hier im Süden sympathisieren die Soldaten offensichtlich mit dem Pöbel. Marokko ist so nahe. Und die Demoralisation, die in der spanischen Truppe dort eingerisfen war, zeigt hier noch immer ihre Rachwirkung. Die Bürger-

Gemeinschafisakiion der Großbanken.

Gründung der Akzept- und Garantiebank A. G. unter Mitwirkung des Reiches.

Berlin, 26. Dali. (WIB.) Um den möglichst schnellen Abbau der jetzigen Beschrän­kungen im Zahlungsverkehr herbeizu- führen, haben sich das Reich und die nachstehend benannten Berliner Kreditinstitute auf Anregung der Reichsbank und unter Mitwirkung des Reichs zu einer Gemeinschaftsaktion entschlossen, hierdurch soll auch ermöglicht werden, die Darmstädter und Ralionolbank, für deren Kreditoren das Reich die Ausfallbürgschoft übernommen hat, wieder in den Zahlungsverkehr einzuschalten. Um die erforderlichen Mittel zu sichern, wurde unter der FirmaAkzepl-undGaran- t i e b a a k AG." eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 200 Millionen Reichsmark gegründet. Diese Gesellschaft wird das reibungslose Funktio­nieren des Zahlungsverkehrs durch Zurverfügung­stellung der erforderlichen Mittet gewährleisten. Die hierfür notwendigen Kredite find gesichert.

Bank für deutsche Dndustrieobiigationen. Berliner Handelsgesellschaft.

Commerz, und Prioat-Bank AG. Deutsche Bank und Diskontogesellschast. Deutsche Golddiskont-Bank.

Deutsche Rentenbank-Kreditanslalt (Landwirt­schaftliche Zentralbank).

Deutsche Verkehrs-Kredit-Bonk AG. Dresdner Bank.

Mendelssohn & Co.

Preußische Staatsbank (Seehandlung). Reichs-Kredil-Gesellschaft AG.

Wie der Deutsche handelsdienst erfährt, kommt die Dnitiative zu diesem Schritt vom Reich. Die offizielle Gründung der neuen Aktiengesellschaft findet erst am Montag statt. Bis dahin dürste man sich auch über die Besetzung des Vorstandes und des Aufsichtsrats der Gesellschaft verständigt haben. An­zunehmen ist, dah die Geschäftsführung in irgend­einer Form mit der Golddiskontbank verkoppelt wird. Die Reugründung ist ein weiterer Schritt zur Verteilung des Risikos und somit Im gewissen Sinne eine Fortführung des in dem Ueberweisungsverband liegenden Ge­dankens der Solidarhaftung. Die Zwischen­schaltung der Akzept- und Garanliebonk schasst einerseits eine breite und unanfechtbare Kreditgrundlage und übt andererseits eine sicherlich beruhigende psychologische Wirkung aus.

Die Gemeinschastsaktion der Banken unter Ga­rantie des Reiches läuft auf eine in umfassendem Rahmen zu vollziehende SicherungdesUeber- weisungsverkehrs, dessen technische Vor­bedingungen durch die Tätigkeit des Ueberweisungs- verbandes geschaffen und erprobt sind, hinaus, um auf diese Weife d 1 e bestehenden Beschrän­kungen des Zahlungsverkehrs zu be­seitigen und zum normalen Ge 1 dver-

kehr zurückzukehren. Die Tätigkeit der neuen, mit einem Kapital von 200 Millionen Reichs­mark ausgestatteten Bank wird darin bestehen, dah sie Akzept- und Remburskredite gewährt, ihr Giro gibt und Bürgschaften im Ueberweifungsverkehr, be­sonders für die entstehenden Debetsalden, über­nimmt. Sie soll dadurch a l> Ausgleichsstätte zwischen den Banken wirken und gleich­zeitig die Finanzierung erleichtern, was ihr durch die Mitarbeit der Reichsbank sowie die Zugehörigkeit der Rentenbank-Kreditanstalt, der Bank für Deutsche Dndustrieobiigationen und vor allem der Deutschen Golddiskontbank mit ihren starken Mitteln in erheblichem Umfange möglich fein wird.

Dn unterrichteten Kreisen sieht man in diesem solidarischen Schritt der Grohbanken eine weitere Festigung des vertrauens indasdeut- sche Kreditsystem. Man rechnet jetzt mit einer baldigen Wiederaufnahme des normalen Zahlungs­verkehrs. Allerdings wird das Ergebnis der Ver­handlungen des inzwischen gegründeten deutschen

Stlllhallekvnsvrtlums mit dem interna­tionalen zwecks Belassung der noch vorhandenen kurzfristigen Ausiandkredite in Deutsch­land abzuwarten sein, ehe die völlige Freigabe des Zahlungsverkehrs erfolgt. Erst dann wird auch die Frage einer weiteren Heraufsetzung des Diskontsatzes, die man an mahgebender Stelle für notwendig erachtet, entschieden werden.

Ansteigende Steuereingänge.

Berlin, 26. Juli. (ERB.) Wie wir erfahren, hat der Erlaß der Verordnung über Zuschläge für Steuerrückständ« dazu geführt, dah sich d i e etcucrcingänflc in einer ansteigen­den Linie bewegen. SteuerauSfälle find feit» dem nicht mehr festzustellen. Allerdings sind andererseits äleberschüsse. die an sich vorhanden fein mühten, nicht «ingetreten. Man rechnet mit weiteren grohen Zahlungen vor dem 31. Juli. Die Ueberweisungen deS Reiches an die Länder dursten jedoch nicht die volle Summe erreichen, und die Länder werden daher ebenso wie daS Reich eine Staffelung der Gehälter vornehmen müsten.

Vedeuisaiuer Forischriit zur Konsolidierung.

Das Urteil der Berliner presse.

Berlin, 26. Juli. (TU.) Die Gründung der Akzept, und Garantiebank", die von der Mehrzahl der Blätter alsBank der Banken" bezeichnet wird, wird in den Berliner Blättern nur kurz erörtert. DieB ö r s e n z c i t u n g" spricht von einer Be> helssaktion. Die Ueberleitung der Kreditpolitik von dem Wege der Notverordnungen auf den eines wirtschaftlich arbeitenden Instituts bedeute ohne Zweifel einen Fortschritt, wenn auch auf die Dauer eineDank der Banken" der Entfaltung einer freien Seldstoerantwortung hinderlicher im Wege stehen könne und bei Wiederkehr einiger, maßen normaler Verhältnisse wieder verschwinden müsse, wenn man nicht grundsätzlich eine weitere Einflußnahme des Staates auf die Privatwirtschaft» liche Betätigung sich entwickeln lassen wolle. Die Deutsche Allgemeine Zeitung" nennt die Gründung einen Akt der Solidarität, der zwei»' sellos allgemein Zustimmung finden und dos B er­freuen in das deuts che Kreditsystem weiter befestigen werde. Das Kreditwesen könne nur durch mutige Entscheidungen der Banken, an der Spitze die Reichsbank, in Ordnung gebracht und gehalten werden. Die we­sentliche Aufgabe der Regierung in den kommenden Wochen werde darin bestehen, durch Auflockerung des Selbstkosten, und Preisniveaus die Räumung der Läger, die Verflüssigung der wirtschaftlichen Unternehmungen und die Steigerung des Exports zwecks Anreicherung des Devisenbestandes der Reichs, bank zu erleichtern. DerB ö r s e n - C o u r i e r" sagt, es sei eine Tat vollbracht, die das Bewußtsein nationaler Selbsthilfekraft stärken könnte. Vermutlich

falle aus das Reich der größte Lastonteil, so daß man in er ft er Linie eine Reichsaktion/ vor sich habe. Die beteiligten Institute hafteten quo* teilweise für einander, indem jedes Institut gemäß seiner Größe einen Aktienanteil übernehme. Die Gründung des neuen Instituts erfolge in Notzeit für Notzeit. DieDossifche Zeitung" er-l klärt, die neue Bank gleiche ihrem Wesen nach jener' Selbsthilfeaktion, die der Kanzler vor 14 Id» gen angeregt habe, die aber damals an der Weigerung der Banken gescheitert sei, wodurch die, Schließung der Börsen und der Schalter der Da not- bank mit all ihren krisenhaften Folgeerscheinungen notwendig geworden sei. Die Erfahrungen der letz- ten 14 Tage hätten nunmehr die Banken eines I Besseren belehrt. DerVorwärts" hebt her- vor, daß das amtliche Communiquö über die Grün­dung der Bank außerordentlich wichtige Fragen of­fen laste. 11. a. müsse darüber Klarheit geschossen werden, ob das Reich auch hier außer der Beteili­gung am Kapital eine Garantie übernehmen werde. Das Blatt wundert sich darüber, daß unter den Gründern die Preußische Zentralgenossenschafts­kasse, die Deutsche Girozentrale für die Sparkassen und die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beam­ten nicht genannt werden. Es wäre unverantwort­lich, wenn der Finanzierungsbedarf der Genossenschaften und der gemischt­wirtschaftlichen Betriebe der vom Reich finanziell preisgegebenen Kommunen unberück­sichtigt bleiben sollten. Erst wenn diese entscheidenden Fragen positiv beantwortet seien, werde man den neuen Schritt auch wirklich günstig beurteilen.

schaff denkt nicht baran, eigene Abwehrorgani- sativnen zu schaffen. In den Klubs wird bis in die Rächt hinein diskutiert. Jede politisch? Frage wird mit dem Mund gelöst. Aber daß sich Bürger zum Bürger zusammensände, um die gemeinsame Sache wi^lich zu verteidigen, das ist hrer in Süd- spanicn undenkbar. Alle die Fehler, die von der Bürgerschaft in anderen revolutionären Ländern gemacht worden find, hier werden sie doppelt ge­macht. Der Bürger zieht sich in seinen Patio zu­rück, verproviantiert sich und wartet auf alles schimpfend, ober nie den eigenen Fehler erkennend, zitternd und bebend den weiteren Gang der Er­eignisse ab.

Und die bürgerliche Jugend? Und die Stuben- ten? Die Universiäten sind feit jeher die Hochbur- Sm der Revolution in Spanien gewesen und sie id es jetzt erst recht, wo eine Revolution ans über gekommen Ist, die Spanien zu einer Art Prosessorenrepublik stempelt. Unverdaute Ausklä- rung, Ideen der französischen Revolution, von keiner wirklichen Sachkenntnis getrübte Beschäftigung mit den Sozialproblemen der übersteigert entwickelten Industrieländer Europas, alles das hat in der Stu» dentenlchaff einen Geist erzeugt, der wirklich cafili» norilch stt und der im Aufruhr geradezu einen Selbst- zweck sieht. Gerade der spanischen Jugend fehlt der Führer, der Monn, der Autoritär ausübt, neue Ideen gibt und wild wuchernde Kräfte beschneidet und erzieht.

Ist es verwunderlich, daß hier unter diesen Um­ständen sich der schönen und sonst so lebenslustigen Stadt ein Gefühl des Verlorenseins be­mächtigt Hot, daß auf allen Gesichtern die Sorge steht, was morgen fein wird. Die Geistlichen dürfen sich schon kaum mehr in den Straßen blicken losten, wenn sie nicht Pödelerzesten ausgesetzt sein wollen. Die Guardia civil, die immer zu zweien auftrat, sieht man jetzt nur in Gruppen mit entsichertem Karabiner patrouillieren. Das Militär wird in Ka­sernen alarmbereit gehalten, aber doch findet man überall in den Budiken Soldaten, die kaum einen Sonderurlaub erhalten haben. Ein Funke kann und muß den angefammelten Zündstoff zur Explosion bringen. Fiebernd in Beklemmung und Erregung erwartet Sevilla seinen Schicksalstog.

(3/aatefefrefär Gtimson in Berlin.

Eingehende Besprechungen mit dem Reichskanzler.

Berlin, 26. Juli. IWTB.) Der amerikanische Außenminister, Staatssekretär S f i m s o n, traf Samstag 17 Uhr, wie vorgesehen, im Bahn­hof Friedrichstraße ein. Zu seinem Empfang hatten sich der amerikanische Botschafter S a cke f f mit dem gesamten Dotschaftspersonal, ferner von deutscher Seile Ministerialdirektor Dieckhoff, der Ches des Protokolls. Graf Tattenbach, mit verschiedenen anderen Herren des Auswärti- gen Amtes, und eine Anzahl Angehörige der ame­rikanischen Kolonie im Bahnhof eingefunden, Stoatsfeftetär Etimson fuhr mit dem Botschafter Sacke« zusammen nach der amerikanischen Bot­schaft, wo er den Abend verbrachte.

Im Laufe des Sonntags hat, wie die »Tele- graphen-Ilnion" erfährt, zwischen Staats­sekretär Stimson und Reichskanzler Dr. ,Drüning und dem Reichsauhenminister Eurtius ein reger politischer Mei­nungsaustausch über die zur Zeit im Vor­dergrund stehenden Fragen stattgefunden. Der amerikanische Staatssekretär, der im Laufe des Vormittags das Pergamon-Museum be- sichttgt hatte, unternahm anschließend einen kur­zen Ausflug nach Sanssouci, bei dem ihn der Reichskanzler und der ReichsaußeTunini- ster begleiteten. Eie kehrten auf der Rückfahrt im Haus am See am Wannsee ein, wo sie zu Mittag aßew Die Herren begaben sich hierauf in die Reichskanzlei. Zum Abendessen waren sie bei Dr. CurtiuS zu (Saft.

Außenminister Henderson in Berlin eingetroffen.

Berlin, 27. Juli. lWTB. Furrkspruch.) Mit dem fahrplarunähigen Vorder preß traf heute früh 8.37 Tlhr der englische Außenminister Hender­son auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin

ein. Zu seiner Begrüßung hatten sich neben dem brittschen Datschas ter, der vom gesamten Perso­nal der Botschaft begleitet war, Außenminister Dr. Curtius, Staatssekretär von Bülow, und der.Ches deS Protokolls, Gras Takten- b a ch, eingesunden. Ferner waren der Polizei­präsident und der Kommandeur der Schutzpolizei anwesend. Als der englische Außernninister mit Dr. CurtiuS den Bahnsteig elttlangging, wurden sie vom Publikum herzlich begrüßt.

Macdonalds Abreise.

Ter Premierminister wird heute in Berlin erwartet.

London, 26. Juli. (WTB.) Premierminister Macdonald entschloß sich auf Grund der ungünsti­gen Wetterberichte, nicht zu fliegen. Macdo- 1 nald, der auf dem Liverpool Street-Bahnhof in Be­gleitung des deutschen Botschafters o. Neurath eintraf, unterhielt sich dort angeregt mit dem zum Abschied erschienenen Lustfahrtminister. Auf dem Bahnsteig hotte sich eine große Menschenmenge ein­gefunden. Als der Premierminister in Begleitung seines Sekretärs fein Abteil betrat, hörte man den lauten Ruf:Glückliche Reise'." 2lls der Zug sich in Bewegung setzte und Macdonald vom Fenster seines Wagens aus zum Abschied winkte, folgte die Menge dem Zug und rief:Good old Ramsey! Dor seiner Abreife erklärte der Premierminister: Ich freue mich sehr, nach Berlin zu gehen, und hoffe, daß mein Besuch eine gute Wirkung haben und d i e i n C h e - guers erreichten günstigen Resultate weiter fördern wird. Die gesamte europäische Finanzlage wird in Berlin von Männern besprochen werden, die entschlosten sind, ihren gesunden Men­schenverstand und Sinn für die Wirklichkeit zu be­tätigen.