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spreche, so müsse man dem gegenüberhalten, daß es sich in Wirklichkeit nur um die Wiederaufrich­tung der deutschen Wirtschaft handele und um einen Teil der amerikanischen, die große Summen in Deutschland investiert habe. Marin machte sodann, wie bereits sein Borredner, Deutschland selbst für seine Krise verantwortlich. Im Reichshaushalt und insbesondere

im Kriegs- und Marinehaushall würde eine ungeheure Schleuderwrvtschaft getrieben.

H e r r i o t habe sehr recht, wenn er hervorhebe, daß schließlich Frankreich das Panzerschiff Deutschsan d" bezahle, wenn es den Hoover- schen Borschlag annehme. Der amerikanische Vor­schlag könne außerdem nur dann zur Belebung der Weltwirtschaft beitragen, wenn er auf die

künftige Abzahlung dec interalliierten Kriegs­schulden überhaupt ausgedehnt

werd«. Der Vorschlag Hoovers sei aber für Deutsch­land vollkommen ungenügend und bedeute für Frankreich nur ungeheure moralische und wirtschaft­liche Opfer. Unter den obwaltenden Umständen müsse man sich fragen, ob es in Zukunft überhaupt noch möglich sei, Anleihestücke unterzubringen. Man brauche auch Gewißheit, wie die ganze Angelegen­heit einmal enden werde. Man spreche von einem einjährigen Moratorium,

in Wirklichkeit stehe aber der gesamte Houng- plan auf dem Spiele.

Wenn die französische Regierung deshalb nicht mit Entschlossenheit zum Ausdruck bringe, daß an dem ungeschützten Teil des Poungplanes ebenso wie an den Grundsätzen des Poungplanes nicht gerüttelt werden dürfe, müsse man die ganze Angelegenheit als begraben betrachten.

wenn man Deutschland gegenüber heute noch- gebe, so werde man erleben, daß aus den finanziellen Forderungen territoriale For­derungen würden, die nur zu neuen Kriegen führen könnten.

Frankreich, sowie Deutschland hätten außerdem alles Interesse daran, daß S a ch l i e f e r u n g e n er­füllt würden. Die französische Regierung müsse unbedingt darauf bestehen, daß der ungeschützte Te-il der Reparationen nicht, wie dies in dem Gegenvorschlag zum Ausdruck komme, an die BIZ., sondern an die Bank von Frankreich direkt abgeliefert werden.

Finanzminister Flandin

führte sodann aus: In wenigen Tagen hatten die Gold- und Devisenverluste der Reichsbank beunruhigenden Charakter ange­nommen. Zwei Ursachen sind dafür anzufüh­ren: 1. Die Zurückziehung der ausländischen Ein­lagen auf amerikanische Rechnung, und zwei­tens Flucht der Deutschen vor ihrer eigenen Währung, also eine ausgesprochene Ver­trauenskrise. Frankreich hat indessen zu jener Zeit von der Reichsbank kein Hilfsgesuch erhalten. Erst in den lebten Tagen hat die Reichsbank einen Rediskonckredit beantragt, der die Krisengefahr vermindert hat. Das war doch nicht t>er Fall, als Hoover seinen Vorschlag unterbreitete. Welches sind mm die Gründe?

Präsident Hoover wollte die amerikanischen Interessen in Deutschland verteidigen.

Welches sind nun die Folgen des Hoover- schen Vorschlages? Zwei Hypothesen sind mög­lich: Entweder bleibt der Voungplanwei- ter in Kraft, und nie ist von Amerika die Möglichkeit ins Auge gefaßt worden, daß der Plan aufgehoben werden soll (Anruhe links, Hennessy ruft dazwischen:Bereits seit zwölf I.ahren erzählt man uns das!"), und dann wird Frankreich vom 1. Juni 1931 bis zum 1. Juni U932 810 Millionen Mark erhalten, von denen rhm nach den Abzügen 326 Millionen Mark ver- Ableiben. Auf der anderen Seite steht die zweite

Hypothese:

' Die deutsche Regierung fordert das Moratorium des Poungplcms.

Dann erhält Frankreich, nachdem es seine Jah­resraten an Amerika und England bezahlt hat, im ganzen 231 Millionen Mark. Aber dann soll Frankreich an die D. I. Z. 500 Millionen Mark zugunsten seiner Mitgläubiger gegenüber Deutsch­land bezahlen.

Wan kann also sagen, daß der Vorschlag Hoovers einen Vorteil gegenüber einem von Deutschland geforderten Moratorium darstellt.

Die Regierung war e i n st i m m i g der Ansicht, daß Frankreich nicht aus die Zahlung der ungeschützten Annuität durch Deutschland ver­zichten könne, weil der Boungplan end­gültigen Charakter hat. Es ist moralisch un» zulässig und gefährlich für den Frieden, wenn feierliche und endgültige Verpflichtungen verletzt werden. 3m Haag hat Dr. Schacht erklärt, daß er sich eher die Hand abschneiden ließe, als die ungeschützte Annuität nicht zu zahlen. Wenn die Regierung erklärt, daß sie

nicht auf diese Zahlung verzichten kann, so erfüllt sie ihre Pflicht nicht nur gegen Frank­reich, sondern auch gegenüber der internationalen Moral. Der dritte Grund ist der, dah die Re­gierung die Pflicht hat, diese Vorsichtsmaßnah­men zu treffen, damit der Voungplan nicht aufgehoben wird. Deutschland kann übrigens dieses Jahr den ungeschützten Teil zahlen, denn der Haushalt befindet sich nach den letzten Ge­setzeserlassen im Gleichgewicht. Flandin versuchte sodann, mit einem ziemlich grotesken Argument die Haltung der Regierung zu rechtfertigen. Seinen Ausführungen nach

erweist Frankreich der Reichsregierung geradezu einen großen Dienst, wenn es auf der Zahlung des ungeschützten Teiles besteht.

Die Reichsregierung, so erklärte er. die schon auf sehr schwachen Füßen steht, würde dem Druck der Parteien nicht widerstehen können und sich ge­zwungen sehen, die durch Richtzahlung des un­geschützten Teiles freiwerdenden 612 Millionen für die Erhöhung der Arbeitslosenun^rstühung, oder des Rüstungshaushalts auszugeben. 3n diesem Falle werde aber die deutsche Wirtschaft nicht nur keinen Vorteil haben, sondern der Fehlbetrag des Haushalts sich im kommenden 2aHr nur noch erhöhen. Flandin schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an die Kam­mer, der Antwortnote der französischen Regierung an Amerika zuLustimmen.

Hierauf wurde die Sitzung unterbrochen. Rach Wiederaufnahme der Rachtsihung nahm Finanz­minister Flandin noch einmal das Wort, um klarzulegen, warum Frankreich einen Gegenvor­schlag unterbreitet habe.

Wenn Frankreich den von Deutschland zu zahlen­den ungeschützten Teil der deutschen Wirtschaft

wieder zur Verfügung stelle, so habe dies inso­fern einen Vorteil, als dann nicht mehr die Reichsregierung der Schuldner Frankreichs fei, sondern die deutsche Privatwirtschaft, da es die Statuten der BIZ. nicht gestatten, den Regie­rungen direkt Anleihen zur Verfügung zu stellen.

Wenn der amerikanische Senat das von Hoover gemachte Angebot im Dezember dieses Jahres nicht ratifiziere, so sei die V3Z. ver­pflichtet, für diejenigen Summen aufzukommen, die Frankreich aus dem ungeschützten Teil der Reparationen Deutschland wieder zur Verfü­gung gestellt habe. Die von Deutschland an die BIZ. zu leistenden ungeschützten Zahlungen ste­hen außerdem auch anderen mitteleuropäischen Staaten zur Verfügung, deren Haushalt durch den Zahlungsaufschub in Mitleidenschaft gezo­gen wird.

Wir sind uns alle einig, so schloß der Finanzminister,daß die vielen Kundgebungen in Deutschland nicht dazu beitragen, das Vertrauen zu stärken. Deutschland hat ein besonderes In­teresse daran, sich von den Fehlern eines ver­gangenen Regimes loszumachen.

Am Vorabend des Besuches des Reichskanzlers würde ich es sogar begrüßen, wenn Deutschland von sich aus die Erklärung abgeben würde, daß es den ungeschützten Teil der Reparationen weiter bezahlen würde.

Nach Flandin sprach der Abg. N i c o l l e (Un­abhängiger). Er suchte nachzuweisen, daß das wirt- scbastliche Uebergewicht Deutschlands, wie es sich schon in der Handelsbilanz zeige, durch den Hoover- schen Vorschlag nur noch verstärkt werden würde.

Hierauf sprach als nächster Interpellant der radi­kale

Abg. Eoi.

Er erklärte, man müsse wählen: Ablehnen oder verhandeln. Ablehnen könne man nicht. Das habe auch niemand verlangt. Wie also solle man verhandeln.

Würde eine Katastrophe Deutschlands nicht eine europäische Katastrophe nach sich ziehen?

(Beifall links.) Er bedauere nur, daß die Initiative nicht von Frankreich ausgegangen sei, und er hoffe, daß die Regierung den Weg für eine Verständi - gung finden werde. Viel wichtiger aber sei etwas

anderes: die Rundfunkrede des deutschen Reichskanzlers, der Worte gesprochen habe, die in Frankreich gehört werden müßten. Auch hier müsse man bedauern, daß es sich bei der ge­planten Aussprache zwischen deutschen und franzö­sischen Ministern nicht um eine franzö­sische Initiative handele.

Die Grundlage zu dieser Aussprache, die hoffenl- tich zustande komme, müsse eine deutsch-fran­zösisch« wirtschaftliche Organifation fein, die der wirtschaftlichen Reorganisation Europas diene. Gleichzeitig mit der wirtschaftlichen Verständi­gung müsse auch eine Verständigung über die

Abrüstung erfolgen.

Wenn man an die Ehrlichkeit Deutschlands nicht glaube, dann solle man doch ruhig eine Kontrolle verlangen. Aber da nur eine Kollektioab- r ü ft u n g Deutschlands und Frankreichs im Rahmen des Völkerbundes gefordert werden müsse (Lebhafter Beifall links), könne es sich nur um die Kontrolle des Völkerbundes, also die all­gemeine Abrüstungskontrolle handeln. Sie sei notwendig.

Abg. £öon Blum (Soz.j

stellte zunächst die Verpflichtung Deutschlands fest, die ungeschützte Annuität zu zahlen,weil esderälrheber angerichteten Scha­dens sei. Die ungeschützte Annuität sei seit den Haager Verhandlungen eine kommerzielle Schuld geworden. Was sei a&er eine ungeschützte Annuität wenn die deutsche Währung zusammenbreche?

Wenn die deutsche Währung zusammenbreche, trete eine Verschärfung der wirtschaftlichen Krise ein. Anderseits aber sei mit einem Wiederauf­leben der geschäftlichen Tätigkeit zu rechnen.

Es fehle nur noch das Vertrauen, das durch die Demarche Hoovers einen gewaltigen Antrieb Zer­fahren habe. Zwischen Frankreich und Reichs­kanzler Brüning müsse eine Desprechung stattfinden. Wie solle Frankreich auf der Ab­rüstungskonferenz erscheinen? Frankreichs Sache sei es, mit gutem Beispiel voranzugehen. Leon Blum erflärt zum Schluß, die wahre Sicher­heit liege nicht in Rüstungen, sondern in der Organisierung des Friedens. Dahin müsse bar Vorschlag Hoovers führen. (Beif. links).

Hierauf interpelliert der radikale

Ministerpräsident Laval.

stellte zunächst die Verpflichtung Deutschlands fest, nahm dann das Wort zum Hooverplan und den damit zusammenhängenden Problemen. Ins­besondere ging er auch 'auf die Rundfunk­rede Dr. Brünings ein. Er führte u. a. aus, die Regierung hätte eine energische Rote auf setzen können, er sei aber nicht sicher, daß man damit gut getan hätte.

hätte man etwa kurzerhand den Vorschlag

Hoovers ebenso annehmen sollen, wie die andern

Großmächte es bereits getan haben? Die

Kammer würde das nicht zugelassen haben.

Die Regierung habe deshalb die von ihr ge­wählte Methode vorgezogen. Präsident Hoo­ver habe eine vorbehaltslose Zustim­mung gefordert, die französische Regierung habe einmütig eine Antw ort mit Vorbe­halten abgefaßt. Jetzt handele es sich darum, ob man gut oder schlecht gehandelt »habe. Wenn Deutschland nicht mehr durch den ame­rikanischen Vorschlag geschützt werde, werde es mit einem Moratorium an Frankreich herantre­ten. Der Finanzminister habe auseinanderge­setzt, daß

der abgeänderte amerikanische Vorschlag für

Frankreichs Finanzen weniger schädlich sei, als das Moratorium.

Eine andere Möglichkeit wolle er nicht ins Auge fassen. Das Problem sei heikel. Die Kam­mer gebe eine Stütze für die kommende Re­gierung, falls sie die Interessen Frankreichs nicht verraten und mit Amerika auch nicht brechen wolle.

Amerika habe übrigens kein Ultimatum an

Frankreich gerichtet.

Niemals hätten die USA. an Frankreichs Adresse eine beleidigende Forderung gestellt.

Kürzlich habe nun in einer Rundfunkrede btr deutsche Reichskanzle r einen Appell der Zusammenarbeit an Frankreich gerichtet. Er antwortete auf diesen Appell. Briand habe Herrn von H o e s H gesagt, daß

die französische Regierung Dr. Brüning und Dr. Lurtius bitten würde, so schnell wie möglich nach Paris zu kommen.

Er wisse auch, wie er mit Brüning zu sprechen haben werde. Die heiligen Rechte Frank­reichs würden verteidigt werden, das sich 1926 in einer noch viel kritischeren Lage befunden habe, als Deutschland heute, es habe aber nicht an aus­wärtige Hilfe appelliert. Frankreich habe sich die notwendigen Opfer auferlegt. Deutschland wende sich nun an Frankreich. Frankreich h^be gegen­über Deutschland eine Politik der Zusammen­arbeit betrieben. Er meine nicht, da hder Augenblick gekommen sei, auf diese Politik zu Verzichten.

Deutschland erlebe schwierige Tage. Ls werde In Frankreich unter gewissen Bedingungen die notwendige Unterstützung finden.

Die Regierung werde dem Reichskanzler sagens damit diese Politik europäischer Zusammenarbeit eine günstige Entwicklung nehmen könne, müsse die gegenwärtig über Deutschland lagernde dunkle Atmosphäre verschwinden. Die Regierung werde dem Kanzler weiter sagen, daß

Frankreich entschlossen fei, Deutschland zu Hilfe zu kommen unter der Bedingung, daß durch die 12 Milliarden das deutsche Budget erleichtert werden würde und nicht zu Rüstungen oder gegen den Frieden dienen solle.

(Lebhafter Beifall.) Die Regierung werde Dr. Brüning sagen und daS sei bereits Präsident Hoover erklärt worden daß die Stimmung der öffentlichen Meinung Frankreichs, wie die heutige Kammersihung bewiesen, daß die Regierung nicht ungefragt mit der Empfindlichkeit eines Lgndes spielen könne. (Lebhafter Beifall.) -Um ihre Pflich­ten erfüllen zu können, wird die Regierung gegen­über dem Reichskanzler keine Sprache führen, die der Würde des deutschen Volkes Abbruch tut. Laval richtete zum Schluß einen Appell an die Kammer, wohl zu überlegen, daß sie nicht für die Regierung, sondern für Frankreich zu stim­men habe. Es gehe um alle nationalen Interessen, und die Kammer werde sagen müssen, ob Frank­reich morgen die Verhandlungen einstellen solle.

Oie Entscheidung der Kammer.

Nach dieser Rede Lavals kündigte Lson Blum (Sozialist) an, daß er und seine Freunde für die Regierung stimmen würden. Die Regierung nahm die folgende Tagesordnung Fougöre an:

Die Kammer billigt die Antwort der französischen Regierung an den Präsidenten der USA. Sie rechnet damit, daß die Regierung die Unantastbarkeit der

im Haag von sämtlichen Signatarmächten des Zoungplans angenommenen u n g e s ch ü h- ten Annuitäten, sowie die Rotwendigkeit einer Politik des Friedens und der wirtschaft- lichen Zusammenarbeit sichern wird. Sie lehnt jeden Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über.

Diese Tagesordnung wurde mit 386 gegen 18 9 Stimmen angenommen.

Amerika hält am Hoover-plan fest.

Eine Erklärung Stimsons zur französischen Antwortnote und ein Kommentar des Staatsdepartements.

Washington, 26. Iuni. (WTB.) In einem Kommunique zur französischen Ant­wortnote gibt S t i m | o n seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß Frankreich bereit ist. für ein Iahraufsämtliche deutsche Zah­lungen zu verzichten. Mehr habe Hoover nicht vorgeschlagen; insbesondere habe ihm eine Revision der internationalen Schuldenverträge, einschließlich der mit Amerika geschlossenen, fern­gelegen. Hebet das verfahren, durch das der einjährige Aufschub aller Zahlungen erreicht werden könne, mühten noch Verhandlungen geführt werden; denn Frankreichs Vorschlag er- fülle die vom Präsidenten geplante Erleichte­rung der Schuldnerstaaten nicht In vollem Umfange. Da bereits mehrere Mächte Hoovers plan

zugeftimmt hätten und der 1. Iuli nahe fei, feien Mellon und Edge bemüht, mit der französischen Regierung zu einer möglichst schnellen Einigung zu gelangen.

Im Staatsdepartement wurde Wert dar­auf gelegt, zum (Kommunique Stimfons festzustellen, daß die amerikanische Regierung weder nachgegeben habe, noch ein Kompromiß schließen wolle, sondern nachwieoordarausbestehe. daß Hoovers plan, völliger Verzicht auf alle deutschen Reparationszahlungen für die Frist eines Jahre», durchgeführt werde. Man hoffe, daß Frankreich im Interesse der Behebung der Weltkrise einen Weg finden werde, um diese» Ziel in die Tat umzusehen.

Wettervoraussage.

Das kontinentale Hoch verursacht über ganz Deutschland schönes Wetter, und die Erwärmung schreitet weiter fort. Obwohl an der Nordseite des Hochs die vorüberziehende Störung allmählich mehr südwärts vorgreift, ist für unser Gebiet vorerst der hohe Druck maßgebend.

Vorhersage fji r Sonntag: Meist heiter, wärmer und trocken.

Lusttemperaituren: Am 26. Juni, mittags 20,3 Grad Celsius, abends 13,9 Grad. Arn 27. Juni, morgens 14,4 Grad; Maximum 23,0 Grad; Mini­mum 6,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 15 Stunden. E-rdtemperaturen in 10 cm Tiefe: Am 26. Iluni, abends 24,2 Grad; am 27. Juni, morgens 17,0 Grad Celsius.

Verhandlungen mit Mellon.

Paris, 26. Juni. (WTB.) Ministerpräsident Laval hat heute zu Ehren des amerikanischen Schatzsekretärs Mellon ein Frühstück gegeben, an dem außer dem amerikanischen Botschafter E d g e und zwei höheren Beamten der amerikanischen Bot­schaft drei französische Minister teilnahmen, nämlich Außenminister B r i a n d, Finanzminister Flan­din und Budgetminister Pietri.

Im Anschluß an das Frühstück fand eine halb- stündige Besprechung zwischen Mellon und dem Ministerpräsidenten Laval und den übrigen französischen Ministern statt. Die Verhandlungen sollen morgen fortgesetzt werden.

Ein halbamtlicher Berliner Kommentar.

Berlin, 26. Juni. (CNB.) Die fran^ösi ch e Antwort, die am Freitagnachmittag weröf ent­lieht worden ist, wird in Berliner politischen Kreisen mit großer Zurückhaltung be­urteilt. Das erklärt sich schon daraus, daß der Schwerpunkt nun bei den für den morgigen Sams­tag angekündigten Verhan dl ungen zwischen Ai e l l o n und der s r a n z ö s i s ch en Le g i e - r u n g liegt. Dabei ist man sich aber natürlich schon jetzt allgemein darüber klar, daß

die französische Rote in entscheidenden Punkten etwas anderes will, als dem Grundprinzip des hooverfchen Vorschlages entspricht. Die Reichs­regierung steht unbedingt hinter dem Vorschlag des amerikanischen Präsidenten, dem sie ja bekanntlich sofort zugeftimmt hat.

Seit dieser Zustimmung hat sich die Situation Deutschlands nicht geändert: Es braucht schnelle und durchgreifende Hilfe, wenn es nicht in weitere ernste Schwierigkeiten hineingeraten soll.

Der Behauptung, daß die Lösung der deutschen Krise nicht nur in einer Herabsetzung der Lasten des Reichshaushalts, sondern auch in einer Erweite­rung der Kredite zu liegen scheine, begegnet man nur noch mit Kopfschütteln. Das gleiche trifft auf den nicht ganz klaren Satz zu, daß die nach französischer Ansicht von Deutschland zu zahlen­den und ihm auf dem Wege des Kredits teilweise wieder zur Verfügung zu stellenden Summen der ungeschützten Annuität nach Ablauf der als Frist für die provisorische Aussetzung des Poungplanes vorgesehenen einjährigen Periode wieder ver­fügbar werden würden. Was vollends die Be­merkung betrifft, daß die Deutschland zur Verfü­gung zu stellenden Beträge nur zu wirtschaft­lichen Zwecken Verwendung finden sollen, damit jede Gefahr einer Dumpingfinanzierung (!) beseitigt werde, so läßt sich diese erst recht

weder mit den Gedankengängen Hoovers, noch mit der Zwangslage Deutschlands in Linklang bringen.

Die Lage Deutschlands ist im Gegenteil so und in Paris scheint man den Ernst dieser Lage gänzlich zu verkennen, daß sie lange Verhandlun­gen nicht mehr erträgt und nur noch eine entscheidende und durchgreifende Maßnahme helfen kann.

Oie Antwort Brünings an die EPO.

Berlin, 26. Juni. (TU.) Auf das Schreiben des Vorstandes der Reichstagsfraktion der SPD. an den Reichskanzler, in dem um die alsbaldige Einleitung von Verhandlungen über die Abänderung der Notverordnung ersucht wurde, ist nunmehr durch Staatssekretär Dr. P ü n - d e r an den sozialdemokratischen Fraktionsvorsitzen, den Dr. B r e i t s ch e i d eine Antwort erfolgt, in der u. a. gesagt wird, daß die Reichsregierung zweckmäßigen Abänderungen keiner­lei Hindernisse in den Weg stelle und durch- aus bereit sei, an etwaigen im Reichstag durchsetz­baren Verbesserungen aktiv mitzuarbeiten. if die­ser Grundlage habe sich das Reichskabinett bereits vor einigen Tagen mit der Angelegenheiten befaßt und die Ressorts ersucht, in eine sofortige Prüfung der einschlägigen Fragen einzutreten.

Aus aller Welt.

Schienenzeppelin in Düsseldorf.

Düsseldorf, 26. Juni. Der Schienen- zeppelin traf von Wuppertal kommend pünkt­lich um 13.50 Ayr auf dem Bahnhof Düssel­dorf-Derendorf ein. Er wurde von einer viel­tausendköpfigen Menschenmenge, die schon lange vor seiner Ankunft auf den Straßen längs des Bahnkörpers und auf den Bahnübergängen ge­wartet hatte, stürmisch begrüßt. Rach dem Eintreffen des Schienenzepps fand ein Emp­fang durch die Spitzen der Behörden, die Ver­treter der Handelskammer sowie die Mitglieder der Studiengesellschaft, die zur Förderung des Krukenbergschen Gedankens gegründet wor­den ist, statt.

Die amerikanischen Ozeanflieger in Nowosibirsk.

Moskau, 26. Juni. (WTB.) Die amerikanischen Flieger P o st und C a t t y sind heute um 5 Uhr zum Weiterfluge gestartet. Die Flieger beabsichtigen, die erste Zwischenlandung in Omsk vorzunehmen. Von dort führt die Route über Irkutsk, Tschita, Chabarowsk bis Espask, wo zum letzten Male die Brennstoffvorräte für den Flug über den Pazifik ergänzt werden sollen. Nach einer späteren Meldung aus Moskau überflogen die Amerikaner die Stadt Omsk um 14.15 Uhr und landeten in Nowosibirsk um 16.30 Uhr.

Die dänischen Oieanflieger in Kopenhagen.

Bremen, 26. Juni. (WTB.) Die dänischen Transozeanflieger H i l l i g und H o l r i h ftnb heute vormittag um 11.37 ilf>r nach Kopenhagen Gestartet. Sie landeten auf dem Flugplatz wpenhagen-Kastrup um 14.10 4Ihr. Eine riesige Menschenmenge bereitete ihnen einen stürmischen Empfang.