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Zreitag, 27. März 193(
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 73 Zweites Blatt
Deutschland - Oesterreich und die Tschechoslowakei
Von unserem V-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Prag, Ende März 1931.
Do» ganz wenigen Jahren noch war für die Tschechoslowakei oder richtiger: für die tschechische Politik das Wort Mitteleuropa ein rotes lud); man fand keine andere Auslegung dafür, als Pangermanismus, deutsche Expansion. Es waren einmal alle Tschechen, die meinten, so wie vor dem Kriege müßte die Politik bedingungslos der Wirtschaft vor- angestcllt werden. Aber es war noch gar nicht so viel Wasser die Moldau hinuntergeslossen, als es sich für die Einsichtigen im tschechischen Lager erwies, daß vom Ausland hochgepäppelte Rüstungsindustrien allein ein Land nicht ernähren und eine Handelsbilanz nicht aktiv gestalten können. Daß es natürlich auch weiterhin Tschechen geben wird, die unter Beiseitelassung aller Vernunft und klaren Ueberlegung sich gegen jede Aenderung der nach 1918 geschasfenen Zustände und gegen jede Abbröckelung vom gegenwärtigen System stellen werden, braucht nicht weiter tragisch genommen zu werden. Die Stimme der wirtschaftlichen Einsicht ist nicht mehr zu unterdrücken.
Die gegenseitigen Handelsbezichun- gen Deutschlands und der Tschechoslowakei zeigen in den letzten fünf Jahren folgen«
des Bild:
Einfuhr
Ausfuhr
aus der Tschechoslowakei
Mill.Mk.
Mill. Mk.
1925
525,2
454,7
1926
386,8
422,6
1927
568,5
522,5
1928
538,3
647,2
1929
480,3
• 557,6
Das sind weitaus die größten tschechoslowakischen Ein. und Ausfuhrzahlen. In weitem Abstand gliedert sich als zweites Land Oesterreich an; dann folgen d i e Nachfolgestaaten des alten Oesterreich-Ungarn; bann erst in nochmaligem, weitem Abstand Polen und irgendwo, ganz zuletzt, Frankreich. Auch die intensivste Freundschaft konnte das nicht ändern. Man hat die Zahlen, die die Tschechoslowakei so eindeutig auf das Reich hin- weisen, zu „korrigieren" versucht: die Handelsver- tragsverhandlungen sinnlos hinausgeschoben, unter rein politischen Gesicytspunkten einen Zollkrieg mit Ungarn vom Zaun gebrochen, einen besonderen Polenfreund als Gesandten nach Warschau geschickt. Aber alle künstlichen Maßnahmen zur Verschiebung der Außenhandelsziffern haben nichts gefruchtet. Im wesentlichen hat sich nichts am Bild der Handelsbilanz geändert. Höchstens innerstaatlich ließen sich die Verschiebungen erreichen, etwa so, daß man durch die Zollfehde mit Ungarn der sudetendeutschen Textilindustrie etwas am Zeuge flickte.
Mitten in den Versuchen, den tschechoslowakischen Handelsverkehr nach politischen Freundschaften zu lenken, wurde Prag vom deutsch- österreichischen Zollabkommen über- r a s ch t, nachdem erst vor wenigen Wochen der Wirtschaftssachverständige der eigentlich im Lande regierenden Partei, der tschechischen Agrarier, den Teufel an die Wand gemalt und vor den ..Gefahren" eines deutsch-österreichischen Wirtschaftsabkommens gewarnt hatte. Frankreich mit seinem paneuropäischen Plan Driands setzte mit Störungsseuer ein, und cs war selbstverständlich, das; die Tschechoslowakei da nicht beiseite stand. Man fühlt in Prag, daß die nach obigen Angaben schon früher nicht vorhandene wirtschaftliche Entschlußfreiheit des tschechischen Staates durch eine deutsch-österreichische Zollunion noch weiter verengert wird, und daß Prag nun zwangsweise vor eine Entscheidung gestellt ist, der man doch so gern weiter aus dem Wege gegangen wäre, wie man ihr bis jetzt entgegen den Gesehen der wirtschaftlichen Vernunft aus dem Wege gegangen ist. Als Gründe des Protestes müssen die Friedensdiktate von 1919 und
das Genfer Protokoll von 1922 herhalten. Und weil die „Gründe" auf so schwachen Füßen stehen, ist so etwas wie eine „Siegcrpsychose" von 1918 wieder ausgebrochen, in der man sich nicht an Recht und rechtliche Grundlagen, sondern nur an die möglichen Auswirkungen hält. Da schreiben die sonst sehr gemäßigten „Lidoyc no- viny“, die der Burg nicht fernstehen: „Die Bedeutung einer solchen Verbindung kann sich nicht rein wirtschaftlich auswirlen, selbst, wenn es die deutschen Anreger nur so wollten. Deutschland muß, einfach durch seine Existenz, das Heber- gewicht und schließlich die Alleinherrschaft erreichen. Wohl ist die Teilnahme Deutschlands an einer mitteleuropäischen Verbindung unumgänglich notwendig (beider, leider!), läßt sich aber nur nach vorheriger Einigung mitFrank- reich verwirklichen."
3m Fehlen Frankreichs also liegt die tschechische Angst begründet. Darum die merkwürdige Aklrvität bed Außenministers Dr. Benesch und seine ganz neuartige Argumentation von der Unmöglichkeit eines Zollunionvertrages zwischen Staaten verschiedener Machtordnung. Benesch führt halb Europa als Bundesgenossen der Tschechoslowakei im Kampf gegen die deutsch- österre chische Zollunion an. Wird er dies« Kampftruppen auch dann noch hinter sich sehen, wenn Deutschland und Oesterreich festbleibcn? Und Be- neschs Spekulation auf den Wiener „Umfall" ist doch recht voreilig, wie die prompten Wiener Antworten beweisen. Immerhin muh man doch sagen, daß die grundsätzliche Gewöhnung der Tschechen an den Gedanken Mitteleuropa auch dann schon ein Fortschritt ist, wenn man sagt: nur mit Frankreich! Mitteleuropa ist für Prag kein rotes Tuch mehr und Deutschlands Teilnahme „unumgänglich". Dor wenigen Jahren noch sagte man, der Anschluß bedeute Krieg und meinte: Mitteleuropa mit Deutschland bedeutet Krieg. Heute unterhält man sich in Prag schon über ein Mitteleuropa! Tatsächlich ist die Kleine Entente ihrer kleinen Wirtschaftsentente keine hinreichende Gewähr für ein Gedeihen der Tschechoslowakei. Die nüchternen Zahlen der Handelsbilanz haben gewirkt! Die Erkenntnis ist früher gekommen, als mm; es eigentlich annehmcn konnte. Deswegen ist cs auch nicht zu optimistisch, wenn man für eine nicht allzu ferne Zeit die weitere Erkenntnis in Prag voraussagt: Mitteleuropa mit Deutschland und unter Führung Deutschlands. ,
Das aus Paris diktierte „Riemals! , das heute noch der Tschechoslowakei diese natürliche Entwicklung versperrt, ist längst nicht mehr die Meinung aller Tschechen. Was will die Tschechoslowakei auch schließlich tun? Weder nach Berlin hin, durch die Lausitz, noch nach dem Westen, etwa an ein französisches Saargebiet, noch nach dem Süden, durch das Burgenland zu Südslawien, ließen oder lassen sich Korridore schaffen, wovon alle tschechischen Politiker, auch so real denkende wie Masaryk, einmal träumten. Mit der alleuropäischen Bedeutung der Tschechen, die Benesch durch den Völkerbund gern geschaffen hätte, ist es nichts. Den großen Strich durch diese kühne Rechnung hat die Struktur des Staates s e l b st getan. Der Tschechoslowakei gegenüber erhöht sich durch das Zollabkommen die österreichische industrielle Leistungsfähigkeit. Den österreichischen Markt wird angesichts der fallenden Zölle das Deutsche Reich bald der Tschechoslowakei weggenommen haben. _ Auch die Deutschland gegenüber durch keine Zölle behinderte österreichische 3ndustrie kann ohne viel Kraftanstren- gung die tschechoslowakischen Firmen vom reichs- deutschen Markt verdrängen. Wien war, weil cs bekanntlich mit der kleinen Wirtschaftsentente direkt nicht ging, der bedeutendste Umschlagsplatz
für tschechoslowakische Waren nach dem Balkan. Wird das in Zukunst so bleiben? Zum erstenmal eigentlich sicht sich jetzt die Tschechoslowakei einer Zwangslage gegenüber, wie fic Deutschland und Deutsch-Oesterreich in den Jahren nach dem Kriege so oft erlebt haben. Die handelspolitische 3 f o - licrung der Tschechoslowakei, die von einsichtigen Tschechen so bitter beklagt wird, wird drückender. Es hat sich als gänzlich verfehlt erwiesen, die wirtschaftlichen Methoden des Frciheitskamp- fcs auf die Eigenstaatlichkeit zu übertragen.
Ratürlich besteht die Gefahr, daß die reine Politik, die immer noch in der Tschechoslowakei sinnlos schaltet, sich sagt: wir bleiben draußen, weil zuerst die sudetendeutsche 3 n • dustrie draufzahlen wird. Die Rechnung wird sich bald als verfehlt erweisen: einmal wird auch di e tschechische Substanz angegriffen. Früher wohl, als man heute noch denken mag. Don dieser Einsicht bis zum entscheidenden Schritt, mag er zum Schaden der Tschechen solange auf sich warten lassen, wie er will, ist es nicht weit. Deutschland und Oesterreich werden die Zeit überstehen, bis sie den Tschechen sagen können: „Spät kommt ihr, doch ihr kommt!"
Kreistag in Wetzlar.
# Wetzlar, 26. März. 3n der heutigen Krcistagssihung wurde zunächst der an die Stelle des verstorbenen Mitgliedes des Kreistages Heinrich Droh tretende Abg. Landwirt Bechtold, Launsbach, in fein Amt cingeführt und verpflichtet.
Die Hauptverhandlungen galten dem -Bau zweier Umgehungsstraßen (bci_ Rauborn und Diskirchen), deren Bau nach längerer Beratung beschlossen wurde. Die Llmgehungs- straße bei Bistirchcn ist von dem Landesarbeitsamt Hessen als Rotstandsarbeit anerkannt worden. Die Kosten, die 174 000 ML betragen, werden aufgebracht durch einen Zuschuß des Landesarbeitsamtes von 17 700 ML, ein Darlehen der Gesellschaft für öffentliche Arbeiten zu Berlin von 41 100 ML (zu 5 Prozent auf zwanzig 3ahre) und ein Darlehen (Landesanteil) der Regierung in Koblenz von 41 150 ML (zu 5 Prozent auf zwanzig 3ahre). 70 000 ML werden vom Kreis aufgebracht und der Sttatzenbau- anleihe entnommen. Die Umgehungsstraße bei Rauborn erfordert einen Kostenaufwand von 66 000 ML Die Provinz hat eine Beihilfe von 30 000 ML zugesagt, der Rest soll ebenfalls der Strahenbauanleihe entnommen werden. Mit den Arbeiten soll in aller Kürze begonnen werden.
Der Kreistag stimmte ferner dem Abschluß eines Dertrages mit der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. über die Inanspruchnahme von bahneigenem Gelände für die gradlinige Durchführung der Kreisstratze Wetzlar—Gießen zu. Dieser Dertrag soll die Möglichkeit schaffen, die größten Gefahrenstellen der Straße durch Bereitstellung des der Reichsbahn gehörenden Geländes zu beseitigen. Der Oefamtausbau der Straße, der mit 70 000 ML berechnet ist, soll vorerst nicht erfolgen, da hierfür die Mittel fehlen.
Sodann wurde die 3agdsteuerordnung des Kreises, die am 1. April abläuft, neu bc- fchlossen; ferner ein Nachtrag zur Erhebung der Wertzuwachs st euer.
Einstimmig wurde noch folgende Entschließung angenommen: „Pressenachrichten zufolge sind von dem auf den Regierungsbezirk! Koblenz bei der Derteilung der Westgrenz- fvndsmittel im 3ahre 1930 entfallenen Gesamtbeträge von 1 890 000 ML vorweg einzelne große Projekte bedacht worden. So sollen für die Koblenzer Moselbrücke 100 000 Mk. und mehrere 100 000 ML für Gruppcnwasserwerke in der Eifel und auf dem Hunsrück aus der Westhilfe bestimmt gewesen sein. Für die Einzelprojekte der übrigen Gemeinden blieb danach nur ein geringer Betrag zur Verfügung. Die Folge davon war, daß der weitaus größte Teil der gestellten An
träge keine Bcrücksichligung gesunden hat. Der Kreistag des Kreises Wetzlar sieht in dieser Art der Derteilung der Wcsthilfcmittel eine ungerechte Benachteiligung ber.cni*cn Gemeinden, die ihre dringend notwendigen Projekte, wie Wasserleitungsbauten, Wegcbautcn usw. aus eigener Kraft nicht ausführen können. Der Kreistag des Kreises 'Wetzlar bittet deshalb den Herrn Regierungspräsidenten und den Herrn Minister bei der künftigen Verteilung der Westhilfemittel vor allem die notwendigen Projekte der kleinen Gemeinden ausreichend zu bedenken. Sollten auch bei den kommenden Verteilungen große Projekte, wie Brückenbau, bedacht werden müssen, so wird gebeten. diese Beträge der Gesamtmasse der Gelder zu entnehmen und die bann verkleinerten Mittel auf die einzelnen Regierungsbezirke zu verteilen. Auf diese Weise wird vermieden, daß einem Regierungsbezirk, in dem z. D. eine Brücke liegt, die für einen viel größeren Bezirk von allgemeiner Bedeutung ist. der gesamte, für diese Brücke zu bewilligende Zuschuß auf seinen Anteil an der Westhilfe angerechnet wird."
Lleberfall auf eine Bankfiliale Zwei AngcstclUc gcfcjsclt. — Lchicßcrci bei der Verfolgung.
WSR. F r a n l f u r t a. M.. 26. März. Heute, kurz vor 12 Uhr. sind wie in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe schon kurz g. .el- bet — zwei Beamte dcr Filiale der Deutschen Effekten- und Wechselbank in der Mainzer Landstraße von den Arbeitern Hch. Stephan aus Ried und Fritz Glock aus Höchst in dem Gcschäftslolal der Bank überfallen worden. Die beiden Burschen, die schon erheblich vorbestraft sind, suchten sich zur Ausführung ihrer Tat eine Zeit aus, zu der nur die beiden Beamten in der Filiale anwesend waren. Rach Wildwestmanier hatten sie sich eine schwarze Larve vor das Gesicht gebunden, und nachdem sie die Türen verschlossen hatten, ertönte das übliche „Hände hoch! ' Die beiden Danlbeamten, ein 45 3ahre alter Kassierer und ein 22jähriger Bankangestellter, wurden regelrecht gefesselt und durch einen Knebel am Hilferufen verhindert. Matt legte sie nebeneinander auf den Boden, nahm ihnen die Kassenschlüssel ab und wollte nun den Kassenschrank berauben. Die verschlossene Tür wurde aacr den Räubern zum Verhängnis. Ein im gleichen Hause wohnender Zigarrenhändler wollte eine Einzahlung bei der Dank machen und fand zu seiner Dcrwunderung die Tür verschlossen. Das erregte seinen Verdacht. Durch die Scheibe dcr Eingangstür sah er. wie sich ein Mann, der nicht zum Personal der Bankfiliale gehörte, vor dem Kassenschrank zu schassen machte. Er lief sofort auf die Straße, um Hilfe zu holen. Inzwischen hatten aber die Verbrecher gemerkt, daß sie entdeckt worden waren, und nun ergriffen sie eiligst die Flucht, ohne den beabsichtigten Raub ausgeführt zu haben. Durch ein enges Fenster zwängten sie sich auf den Hof und von da rannten sic durch die Hafenstrahe nach dem Eilgüterbahnhof. Hier liefen sie, fortgesetzt auf ihre Verfolger schießend, von einem Hindernis zum andern, bis sie sich schließlich in der Halle des Cilgüterbahnhofs verfingen. Der Kampf war aber dort noch nicht zu Ende. Gütcrbodenarbeiter. die die Verbrecher überwältigen wollten, wurden mit Revolver- s ch ü s sc n empfangen. Ein Lademeister erhielt einen Beinschuß und ein Ladeschaffner einen Schuß durch die Schulter und einen Schlag auf den Kopf. Beide Beamte mußten in das Krankenhaus gebracht werden. Auch ein Güterbodenarbeiter wurde leicht am Kops verletzt. Endlich konnten die verwegenen Burschen überwältigt werden, nachdem der eine von ihnen, der 22- jährige Arbeiter Fritz G l o ck, durch einenPolizei-
Mimen hinter der Theke.
Eine Umfrage bet bekannten „Künstlern im Nebenberuf".
Don Dr. Alexander von Andreewsty.
Künstler sind in unserer Zeit meist keine lebensfremden Idealisten mehr. Um dies zu beweisen, braucht man nicht auf Amerika Hinzuwelsen, dessen Filmstars zeigen, wie man Künstler und erfolg- reicher Geschäftsmann gleichzeitig fein kann. Sie haben nicht nur ihre eigenen Filmgesellschaften; die Kinohelden und auch die Bühnenkünstler der Vereinigten Staaten sind vielfach an industriellen Unternehmungen beteiligt, und manche besitzen sogar Hotelbetriebe. Noch vor einigen Jahrzehnten hotte man sich bei uns keinen großen Schauspieler oder Sänger denken können, der nebenbei Kaufmann gewesen wäre. Zuweilen kam es freilich auch früher vor, daß ein Bühnenkünstler einen Nebenberuf halte. Der unvergeßliche Heldentenor der Bayreuther und Münchener Festspiele, Dr. Alfred von Bary, bewährte sich, wenn er nicht auf der Opernbühne stand, als recht erfolgreicher Nervenarzt in München. Sein Leben endete tragisch. Dr. Bary erbluv bete konnte weder auf der Bühne auftreten noch praktizieren und starb, von allen früheren Freunden vergessen, vor einigen Jahren als einsamer Mann. Der Nebenberuf, in den sich viele modernen Kunst- ler retten, um in schwierigen Zeilen einen Rückhalt zu haben, konnte ihn vor einem elenden Alter nicht bewahren. Auch Dr. B r i e s c m e i st e r, der berühmte „Loge" der Bayreuther Festspiele, war un Nebenberuf Halsarzt, ebenso wie Dr. Ian Nada- lo witsch, der seinerzeit rechr volkstümliche erste Tenor der Komischen Oper in Berlin unter der Direktion von Hans Gregor. Er ist von der Bühne geschieden und hat als künstlerischer und me- dizinischer Fachmann seinen Kollegen von der Oper, die ja oft an Heiserkeit leiden, besonders gut helfen können.
Sah man es früher als erstaunliche Ausnahme an, wenn ein Bühnenkünstler einen Nebenberuf ergriff, so muß man heute feftfteUen, daß die Zahl der Schauspieler und Sänger, die mehrere Berufe ausüben, ziemlich groß geworden ift Dabei ist nicht an Männer gedacht, die wie der schon erwähnte Direktor der Berliner Komischen Oper und spätere Leiter der Wiener Hofoper, Hans Gregor, sich ganz von der Kunst zurückgezogen haben. Gregor ging vor einer Reihe von Jahren als Farmer nach Amerika. Auch ein anderer großer Künstler, Rudolf Rittner, ist nicht typisch für die hier besprochene
Zeiterscheinung. Rittner, der im Deutschen Theater unter Brahms zu den ganz genialen Schauspielern gerechnet wurde, zog sich plötzlich von der Bühne zurück und ließ sich als Bauer in Weißbach bei Iauernigg im deutschen Teil der Tschechoslowakei nieder, dort, wo seine Väter den Acker bearbeitet haben. Lange galt er als verschollen, nur gelegentlich kehrte er in den letzten Jahren zu einem Gast- spiel zurück, und vor wenigen Monaten konnte man seine große schauspielerische Kraft im Tonfilm bewundern. Aber während dieser bedeutende Künstler in erster Linie Bauer sein will, obwohl er weit besser und mit unvergleichlich höherem Einkommen als begehrter Darsteller leben könnte, sind viele andere Bühnenkünstler nicht aus Neigung, sondern unter dem Druck der Verhältnisse ihrem ursprünglichen Beruf wenigstens teilweise untreu geworden. Besonders häufig betätigen sich Schauspieler, die einen Nebenberuf suchen, als Gastwirte. „In unserer Zeit", sagt Harry B e n d e r, der bekannte Berliner Komiker, der jetzt nicht mehr auftritt und em Lokal im Berliner Westen besitzt, „in unserer schlechten Zeit müssen auch wir Schauspieler damit rechnen, daß wir plötzlich ohne Engagement und ohne Mittel dastehen. Bei dem System der Rollenvertrage, das heute üblich ist, kommt es oft vor, daß sogar prominente Kräfte viele Monate ohne Beschäftigung Herumlaufen. Wer von uns Künstlern hinter der Theke steht, weiß wenigstens, wovon er leben kann. Käthe Erlholz, die Gattin Rudolf Nelsons, besitzt gleichfalls ein Lokal und freut sich, wenn sie Abend für Abend dem Publikum ein liebenswürdiges Gesicht zeigen kann. „Das Publikum hat schon immer", so erzählt Käthe Erlholz, „mit befdnberer Neugier versucht, Bühnenkünstler abgeschminkt zu sehen. Es bereitet ihnen Vergnügen, von einem Schauspieler, den es nur von der Bühne her kennt, im Gasthaus bedient zu werden. Der Name eines volkstümlichen Schauspielers auf dem Reftaurations- schild ist die beste Reklame und zieht das Publikum auch in schlechten Zeiten an."
Eins der besuchtesten Berliner Kunstlerlokale gehört dem früheren Münchener Theaterintendanten Victor Schwann eke, der auch heute noch an Berliner Bühnen oft als Charakterschauspleler aus- tritt. „Die Not der Künstler", meint Schwanneke, ,,ift im allgemeinen viel großer, als das Publikum glaubt. War der Künstler früher durch einen mehr- iährigen Vertrag an eine Bühne fest gebunden, io ift er heute von der Konjunktur des Theatermarktes abhängig. Das Einkommen ift Glückssache. Spielt man in einem Stück, das Erfolg hat, so kann man viele Monate hintereinander auf Beschäftigung rechnen. Aber dann kommen andere Monate, in denen
sich keine passende Rolle findet, und wer dann keinen Nebenberuf hat, gerät in große Not. Ein sehr bekannter Berliner Schauspieler, der auch im Film einen guten Namen hat, ist wochenlang stempeln gegangen. Um vor solchen Dingen geschützt zu sein, suchen sich viele Schauspieler eine Nebenbeschäftigung."
Es gibt auch eine ganze Anzahl von Bühnenkünstlern, die sich von ihren Ersparnissen ein Kino gekauft haben. Vor einigen Jahren wurde eine Sängerin der Berliner Staatsoper während der Vorstellung plötzlich von einem Unwohlsein befallen, und sie glaubte, dieser Uebelteit nicht anders Herr werden zu können, als indem sie eine halbe Flasche Weinbrand austrank. Diese Kur bekam ihr schlecht. Sie fiel auf der Bühne um und mußte ihren Vertrag mit der Staatsoper lösen. Inzwischen ift sie wieder nüchtern geworden. Die Sängerin geht jetzt auf Gastspielreisen, und wenn sie in Berlin ift, leitet fic im Norden der Reichshauptftadt zwei Kinotheater, die sie von ihren Ersparnissen gekauft hat. Die frühere Soubrette der Berliner Staatsoper, Else Knepel, die gleichfalls Gastspiele im Reich gibt, ist auch Kinobesitzerin. ^cr alte Julius L i - ban, der bekannte Buffotenor der Berliner Staatsoper, den man nun schon lange nicht mehr gehört hat, hat sich ebenfalls durch ein Kino eine neue Existenz geschaffen. Es ift ja naheliegend für einen Schauspieler, dcr nicht mehr künstlerisch tätig ist, wenigstens geschäftlich bei einem verwandten Gewerbe zu bleiben, und wenn man nicht mehr bei der Herstellung der Filme mitwirft, so kann man sie wenigstens aufführen. Doch kommt es auch vor, daß ein Künstler einen Beruf ergreift, der weder mit der Bühne noch mit dem Film das Geringste zu tun hat. In einem kleinen Schokoladenladen im Berliner Westen steht hinter dem Ladentisch die bildschöne Alexandra Sorina, die in dem Jannings- Film „Peter der Große", im Conrad - Veidt - Film „Orlacs Hände" und im Rasputin-Film weibliche Hauptrollen gefpielt hat. „Ich bin seit einem Jahr ohne Engagement", erklärte mir die reizende Künstlerin. „Das Publikum will nämlich im Film immer neue Gesichter sehen. Was soll ich in der Zwischenzeit anfangen? Die recht hohen Honorare, die ich bei jedem Auftreten erhalte, verbrauche ich für Garderobe und andere Anschaffungen. Ein wenig habe ich mir gespart, und für dieses Geld habe ich nun das Schokoladengeschäft getauft; in den beiden Hinterzimmern wohnt meine Mutter und besorgt die Wirtschaft, ich stehe hier, verkaufe Schokolade, setze täglich 50 Mark um und warte auf einen Regisseur, der zufällig vorbeigeht und sich an mich erinnert." Der Tenor der Berliner Staatsoper Jaro
D w o r s k y , der bei dem Abbau der Stargagen die Staatliche Opernbühne verlassen hat und nun Gastspiele im Reich gibt, betätigt sich nebenbei als Zahnarzt. „Auch auf der Opernbühne hat sich das neue System der kurzfristigen Verträge durchgesetzt", erklärt Dworsky. „Früher lautete der kürzeste Vertrag gewöhnlich auf fünf Jahre, heute will sich die Oper nicht länger als auf ein Jahr binden. Ich habe als Zahnarzt eine ganz gute Praxis, vor allem die jungen Damen lassen sich gern von einem Opernsänger die Zähne plombieren." Auch Kammersänger Oskar Boltz, gleichfalls von der Berliner Staatsoper, ift im Nebenberuf Zahnarzt und außerdem Manager. Er vermittelt Engagements deutscher Künstler nach Amerika. Der Wagnertenor Paul Hansen hat sich ein Antiquitätengeschäft eingerichtet, und erweist sich als tüchtiger Kaufmann im Nebenberuf. Von dem vielseitigen Dr. Kurt Singer kann man kaum sagen, welcher Beruf fein Hauptberuf ift. Er ist Dirigent, Nervenarzt, Musikschriftsteller und stellvertretender Intendant der Städtischen Oper in Charlottenburg. Das letztgenannte Amt füllt augenblicklich wohl seine ganze Zeit aus. Es gibt in Berlin schließlich auch Schauspieler, die im Nebenberuf ein Tapetengeschäst haben, Versicherungsagent sind oder Unterricht erteilen. Eine Ehordame der Berliner Oper besitzt eine Wäscherei im Norden der Stadt, eine Kollegin geht als Maniküre von Haus zu Haus. Ein Cha rafterbarfteller eines großen Berliner Theaters, der ganz gut verdient, interessiert sich für Schneiderei und hat vor kurzem ein Modeatelier eingerichtet. Ein anderer Künstler verkauft die Wäsche, die seine Frau, eine Sängerin, zu Hause näht. Sie alle find Doppelverdiener — aber Doppelverdiener aus Not.
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Der mit dem Titel eines ordentlichen Professors bekleidete ao. Professor für Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte an der Grazer Universität, emerit.Direttor des steiermärkischen Landesarchivs, Hofrat Dr. Anton Mell, ist zum ordentlichen Professor für österreichische Geschichte an der genannten Universität als Nachfolger des Hofrats R. F. Kaiydl ernannt ryorden.
Der durch das Ableben von Pros. Wilhelm Di- belius an der Universität Berlin erledigte Lehrstuhl der englischen Philologie ist dem Ordinarius Dr. Bernhard Fehr an der Universität Zürich angeboten worden. Berufungen nach Halle, Wien und Leipzig hat der Gelehrte abgelehnt.


