Aus der Provinzialbauptfiadt.
Dießen, den 26. August 1931.
Begründungen.
Äein (geringerer al» Goethe rät ab davon, durch Gründe überzeugen zu toolten. Ermeint, der andere höre doch nur immer wieder das Gegenteil von dem heraus, was er glauben und für wahr halten will, und der sich daraus er- gebende Widerspruch läßt ihn gor nicht zugänglich werden für die Gründe, t>ie man Dorbringt. Man sage kurz und klar, was man denkt, und kümmere sich im übrigen nicht um die Begrün- düng, weil sie ja doch zwecklos sei.
CE&ic sehr er recht hat. kann man im Grunde jederzeit erkennen, und ganz besonders m unseren Tagen. Was wird nicht alles geglaubt und für richtig gehalten! Der hanebüchenste Unsinn findet bereitwillige Aufnahme, das Verkehrteste kann vertreten werden und wird doch für wahr und richtig hingenommen. das Schädlichste wird als das Zutreffende erklärt, unk in den Augen der Anhänger ist es der Weisheit höchster Schluß. Wenn da einer aus steht und das Gegenteil von dem für richtig erklärt, was man bisher für richtig angesehen hat, er findet weit eher willig auf» nehmende Ohren als der, der etwa sagt, daß das bisher Gute auch weiter unverrückbar gut sei. Vor allem muß er jedoch auf Begründungen verzichten Und erst recht falsch wäre es, den Gegnern, die nicht ausbleiben werden, mit Begründungen zu kommen. Jeder Gegner besitzt nun einmal seine Auffassung, aus die er schwört. Gegner hören grundsätzlich nicht auf die Gründe deS andern icilfl hin, und wenn sie hinhörten, die Gründe würden ihnen doch nicht genügen, sie würden mit tausend Einwendungen begegnen und nicht verlegen sein, wenn es gälte, immer neue Gegengründe au finden. Man hält für richtig nicht Io sehr das, was richtig ist, sondern was man für richtig halten will.
Man hat in den letzten Jahren auf den verschiedensten Gebieten des Lebens betrübliche »r- fahrungen machen können. Aber toerm einer glaubt, daß diese Erfahrungen imstande wären, die Augen zu öffnen und zu veranlassen, die entsprechenden Schlußfolgerungen daraus zu ziehen, so befindet er sich arg auf dem Holzwege. Man wird ihm mit immer neuen Begründungen dafür dienen, daß nur dieses eine, eben der beschrittene Weg, völlig richtig war. Man wird nicht müde werden, immer neue Gründe dafür Ju suchen, daß cS so und nicht anders sein konnte, lnd der Andersdenkende wird ebensoviele Gründe haben, um zu beweisen, daß das alles falsch war. Sie werden nie zusammenkommen, sondern sie werden mit ihren tausend Gründen völlig aneinander vorbeireden. Wan könnte eS sich vorstellen. daß zwei Gegner, durch eine Glaswand voneinander getrennt, auseinander einsprechen. Die Glaswand verschluckt völlig die Worte.' aber die beiden Gegner sehen einander sprechen, sie sehen einander gestikulieren und in Hitze geraten, über zu einer Verständigung kommen sie nicht, weil sie einander gar nicht hören.
DiS einmal diese trennende Glaswand platzt, die Scherben fliegen und schließlich doch die Stimme der beiden Zueinander findet. Und bann ist man vielleicht erstaunt darüber, daß man gar nicht so sehr weit voneinander entfernt war, sondern daß man viel mehr Gemeinsame« besitzt, das verbindet, als Trennendes. Weil ja schließlich daS Schicksal ziemlich gleichmäßig in das Leben jedes einzelnen eingreift und der Buhen des einen auch Der Buhen des andern ist, aber der Schaden des einen sich ebenfalls wellenförmig fortpflanzt und so und so viele andere, ja auf alle, die in derselben Volksgemeinschaft leben. —r.
Taten für Mittwoch, 26. August.
Sonnenaufgang 5.27 Uhr, Sonnenuntergang 19.26 Uhr. — Mondaufgang 1921 Uhr, Mond- untergang 2.51 Uhr.
1813: Sieg Blüchers an der Katzbach und Theodor Körner fällt bei Gadebusch: — 1914: Sieg der Deutschen bei Verdun: — 1915: Eroberung von Brest-Litowsk: — 1921: der Politiker Matthias Erzberger auf dem Kniebis ermordet; — 1921: der Dichter Ludwig Thoma hx Rottach gestorben.
Bornotizcn.
— TageSkalender für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Das Flötenkonzert t>on Sanssouci" (DolkStag).
*• Spende für Stabtarmc. Wie uns vom Wohlfahrtsamt mitgeteilt wird, hat Herr Dr. 21. in Berlin aus Anlaß der Beendigung feiner Studien an unserer Universität den Betraa von 100 Mark für hiesige Stadtarme überwiesen. Dem hochherzigen Spender hat der Herr Oberbürgermeister alsbald den Dank der Stadt ausgesprochen.
,e ^Schweinezwischenzählung. Am 1. September findet in der Gemarkung Gießen und Schiffenberg eine Schweinezwischenzählung statt. Aäberes in der heutigen Bekanntmachung.
" Die I. R e ich s k u rzs ch ris t g ese ll- scha f t eröffnet am Dienstag, 8. September, 19 Uhr, in der Pestalozzischule. Bordanlage 18, einen Anfänger-Lehrgang für SinheitSkurz- förift. Bähercs in der heutigen Anzeige.
•• Sonderzug zum Katholikentag in Nürnberg. Anläßlich der 70.Generalver- sammluna der Katholiken Deutschlands läßt die AeichSbahndirektion Frankfurt a. M. am Sonntag, 30. August, einen Sonderzug 3. Klasse mit 50 v. H. Fahrpreisermäßigung und beschleunigter Fahrt zwischen Frankfurt a. M. und Bümberg sowie zurück verkehren. Der Sonderzug verläßt Frankfurt a. M. um 5.29 Uhr: Ankunft in Nürnberg 9.32 Uhr. Rückfahrt in Nürnberg 19.30 Uhr; Ankunft in Frankfurt a. M. 23.30 Uhr.
•• Freie Lehrer st eilen. An der Volksschule in Feld krücken (Kreis Schotten) ist eine Stelle für einen evangelischen Lehrer freigeworden. Sine Dienstwohnung ist vorhanden.
" Vendarmerie-Personalie. Der Vendarmerie-Hauptwachtmeister Paul Herrmann Großmann zu Büdingen wirb mit Wirkung ab 4. Oktober, und der Gendarmeriemeister Konrad Ubrich von Herbstein mit Wirkung ab 1. September in den Ruhestand versetzt
” Die Umzugskosten der hessischen Staatsbeamten. Die neue Verordnung des hessischen Gesamtministeriums über die Umzugskosten der Staatsbeamten gewährt die volle Urn- -ugskostenvergütung nur dann, wenn für die Verletzung rein dienstliche Gründe maßgebend waren. Erfolgt die Versetzung aus persönlicher Deran- laffung und dienstlichen Gründen, dann wird nur hn Zuschuß zu den Umzugskosten gewährt, der sich auf 60 bis 80 Prozent der Umzugskostenver- flütung beläuft. Beamte, die au« rein persönlichen Gründen verletzt werden, haben keinen Anspruch auf Umzugs kosten, wenn der Beamte übet
OieErnieschäden in Südwestdeutschland.
Hilfe für die Landwirtschaft tut not!
WSB. Die Landwirtschaft unserer südwestdeutschen Heimat, die infolge derWirtschaftsdeprefsion ohnehin schon einen äußerst schweren Stand hat, scheint in diesem Jahre von»einer Erntekata- strophe heimgesucht zu werden. Aus allen Teilen Südwestdeutschlands, aus dem Vogelsberg. Odenwald, Ried, Rheinhessen, Taunus, Wet- terou, Spessart, von überall her kommen die Hilferufe der bedrängten Dauern. Sin Gang durch einzelne Gebiete am Sonntag überzeugte, wie kritisch die Lage teilweise ist Durch die wochenlang anhaltende schlechte Witterung war es nicht überall möglich, das Brotgetreide, besonders aber Weizen und Hafer, zu ernten. Dieses Getreide war nun Woche um Woche dem Unwetter preisgegeben. Teilweise ist das Getreide schon verfault, teilweise sind Weizen und Hafer ausgewachsen, so daß eine Verwendung der Körner zur Vermahlung nicht mehr in Frage kommt. Stellenweise ist sogar das Stroh, wie berichtet wird, derart an gefault, daß auch eine Verwendung zu Futterzwecken nicht mehr möglich ist. 3n vielen Gemeinden muh der Hauptteil Der Körner- Ernte als verloren angesehen werden. Viele Landwirte besitzen nicht einmal das Saatkorn für die kommende Aussaat.
Auch die Kartoffel-Ernte, die in diesem Jahre sehr gut au-zusallen versprach, geht durch die nasse Witterung zurück. 3n schweren Böden wurde festgestellt, daß fast jede dritte Kar
toffel faul ist. Aber auch au« Gegenden mit leichteren Böden wird von einer erheblichen Kar- toffelfäulni« infolge der schlechten Witterung berichtet.
Wit der zweiten Heu-Ernte konnte stellenweise noch nicht begonnen werden. Wo das Grummet schon auf den Wiesen lag, ist es durch die Regenmassen längst verdorben. — Auch das Obst fängt mitunter schon zu faulen an. Dielfach sind die Bäume durch Hagelschlag und den starken Wind schwer heimgesucht worden. — 3n den Wei n&crgcn sieht die Lage nicht viel besser aus Nachdem noch vor einiger Zeit ein befriedigender Stand der Neben sestzustellen war. hat das Regenwetter inzwischen manchen Schaden angerichtet. Die Fäulnis hat auch hier schon die Ernte geschmälert.
Alle- in allem: Die Lage unserer süd- westdeutschest Landwirtschast ist geradezu trostlos. Der Bauernstand, der durch die allgemeine Lage ohnedies schon schwer leidet, sieht mit größter Besorgnis in die Zukunft. Durch die Vernichtung der Ernte ist der Landwirt vielfach nicht in der Lage, die laufenden Betriebskosten zu decken, geschweige denn Steuern und Pachtgelder zu bezahlen. Hilfe von Reich und Ländern für die schwer heirngesuchte Landwirtschaft unsere- Bezirkes ist dringend und raschesten- erforderlich!
10 3ahre in einer Stelle tätig war. Die gleichen Vorschriften gelten auch für Versetzungen von Staatsdienstanwärtern, sowie für die erstmalige Verwendung und erstmalige Anstellung von Staatsdienstanwärtem.
” Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Am Sonntagabend fand im CafL Leib wieder eine nationalsozialistische Versammlung statt. Der Reichstagsabgeordnete H. Franke (München) sprach über »Nationalsozialismus, Wille und Weg", er kennzeichnete die Haltung der Nationalsozialisten zur Republik und befaßte sich schließlich mit der Person des preußischen Ministerpräsidenten 'Braun und dessen Verhalten anläßlich des Kampfes um den Stahlhelm-Volksentscheid. Der Redner übte Kritik an der Politik der Sozialdemokratie, der Zentrumspartei und der Kommunisten, sprach über die Lasten deS QJoung- plan- und im Zusammenhang damit über Erfüllung-Politik und deren Auswirkungen. Wir dürften, fo führte der Redner u. a. au-, die Hilfsbereitschaft der Amerikaner nicht zu hoch etn- fchätzen, zudem fich erwiesen hätte, daß der Widerspruch Frankreichs in einzelnen Punkten genügt hätte, den Hooverplan bedenklich abzuschwächen. 3n weiteren Ausführungen wies er auf Zusammenhänge zwischen nationalen und sozialen Problemen innerhalb unserer Volksgemeinschaft hin und wandle sich schließlich wirtschaftlichen Dingen zu. Gr forderte Abkehr von dem verhängnisvollen Grundsatz des .Exports um jeden Preis", dessen Befolgung lediglich eine Schwächung des 3nlandmarkteS im Gefolge habe. Um jeboch den Innenmarkt zu stützen und zu kräftigen, sei es notwendig, die Verstaatlichung deS Geldmärkte« durchzuführen, und die dadurch frei werdenden Gelder Ser produktiven Wirtschaft zuzuführen. 3um Schluß referierte der Vortragende noch über den Kommunismus, über Theorie und Praxi- der Wirtschaftsformen in Rußland und forderte schließlich dazu auf, sich einzuvrdncn in die Reihen der Nationalsozialisten und Mitkämpfer zu sein gegen Bolschewismus und Marxismus für ein neue« Deutschland. Die Versammlung verlies ruhig.
•• Visaerteilung an Nordamerika-Auswanderer. Der Norddeutsche Lloyd, Bremen, und die Hamburg- Amerika-Linie, Hamburg, teilen mit. daß neuer» ding« die Entgegennahme und Prüfung der endgültigen Visa-Anträge von Nordamerika-Auswanderern durch die amerikanischen Konsulat« zu ganz bestimmten Terminen statt- findet, zu denen die Antragsteller zum Konsulat bestellt werden. Auch die Ausstellung von Visen ich von diesen Terminen abhängig gemacht worden, die 3ntereffenten jederzeit bei den genannten Schiffahrtsgesellschaften oder bei ihren Vertretungen erfahren können. Für den Besuchs-, Geschäfts- und Durchgangsverkehr nach den Vereinigten Staaten von Amerika kommen jedoch die vorstehend erwähnten Termine nicht hx Frage. Vllen dieser Art können nach wie vor zu beliebigen Zeitpunkten während der Dienststunden bei den zuständigen Konsulaten beantragt werden.
•• Der Verein ehemaliger 224er Erfurt begeht am 5. und 6. September in Erfurt fein 10. Stiftungsfest, das auf vielfachen Wunsch mit einer Wiedersehensseier aller ehemaliger 224er verbunden wird. Das Fest wird in schlichten Rahmen gehalten, wie e« der Emst der Zeit erfordert, soll es doch vor allem eine Kundgebung echter, treuer Kameradschaft sein. Eingcleitet wird die Feier durch einen Degrü- hungSabend am 5. September im Verein-lokal „Rheinischer Hof". Alles nähere ist zu erfahren beim 1. Vorsitzenden Kamerad E. Lieoke, Erfurt, Meherstrahe 26.
•• Frühkarpfen al« Vorläufer des Herbstes! Dom Fischerei-Verein für Hessen wirb uns geschrieben: Die ersten kühlen Augustnächte benutzt der Teichwirt sehr gern, um kleinere für diesen Zweck betonter3 gee gnete Teiche abzulassen und die sogenannten Fmhlarpsen abzufischen. Frühkarpsen nur wegen ihrer zeitigen Ernte genannt, stehen sie in der Qualität des Fleische- und im Geschmack den normalerweise ja erst in den Monaten September Oktober zur Abfischung gclangexxben Karpfen durchaus nicht etwa nach. Und Gelegenheiten zum Karpfenessen gibt es auch im August und September allenthalben schon genug. Den deutschen Teichwirten würde eine ZunahmS des Karpfenverbrouche« nur um einige Wochen schon ein« bedeutende Erleichterung im Umsatz ihrer hochwertigen Karpfen gewähren. Handelt es sich hierbei auch nicht um Milliarden- werte, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß die für die Züchtung der Karpfen verwendeten Landstrecken ohne diese Ausnutzung als Teiche für das deutsche Nationalvermögen als produktive Gebiete ganz ausscheiden und al« Oedland dalicgen würden. Die Bekömmlichkeit der Fischnahrung allgemein und des Karpfens im besonderen ist ja so bekannt, daß hierüber eigentlich nicht- gesprochen zu tocrSen braucht. Eiweihgehalt und Fettgehalt des Karpfens ähneln durchaus dem des mittel- fetten Schweinefleisches.
Oderheffen.
Landkreis Gießen.
U Klein- Linden, 26. Aug. Gestern gegen 21 Uhr ereignete sich am südlichen Ort-au-gange von Klein-Linden ein Derkehr-unfall. Der bei der Reichsbahn in Dießen bedienstete Heixrrich Do Pf von Hörn-Heim, der sich um diese Zeit mit seinem Fahrrad auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte befand, wurde von einem Moto rradangefa hren und verletzt. Der Verunglückte konnte seinen Weg nicht mehr fortsehen und muhte mit einem Kraftwagen nach Hause gebracht werden. Ob die Verletzungen schwerer Natur sind, muh erst die Untersuchung ergeben.
a. Reiskirchen, 25.Aua. Die hiesige «Spar- und Darlehenskasse hielt am vergangenen Sonntag eine außerordentliche Generalversammlung ab, deren Einberufung durch die allgemeine Geldoerknappung notwendig geworden war. Die Versammlung war sehr stark besucht. Vorstand und Aufsichtsrat hatten ihre Vorberatungen soweit gefördert, daß sie der Generalversammlung bestimmte Vorschläge machen konnte. Das Ziel der Beratungen war, Wege zu suchen, um wieder flüf- siges Geld in die Kasse zu bekommen, damit die Kasse wie seicher dem Kreditbedürfnis ihrer Mitglieder Rechnung tragen kann. Es wurde beschlossen, Die Kredithöchstgrenze von 12 000 auf 9000 Mark herabzusetzen und bis spätestens 30. Juni nächsten Jahres nach und nach 8 Prozent des empfangenen Kredits an die Kasse zurückzusühren.
' Leihgestern, 25. Aug. Am Samstag fand die 7 0. 3ahreShauPtversamm- lung des Gesangverein« „Eintracht" statt. Der 1. Vorsitzende. W. Seipp, begrüßte die stark besuchte Versammlung und gab einen Heber bl id über die im abgelaufenen DereinS- jahr geleistete Arbeit. Ein günstiges Dild gab auch Der De richt des Vereinsrechners H a a S. 3m Mittelpunkt des Abends stand die Ehrung verdienter Sänger. Dem Ehrenvorsitzenden Wilhelm Groß Haus überreichte der erste Vorsitzende mit he reichen Worten der Anerkennung im Auftrag des Hessischen Sängerbundes die silberne Ehrennadel, und vom Verein ein Dild deS Komponisten Wagner. Dem Vorstandsmitglied Wilhelm 3ung wurde für feine 30- jährige Tätigkeit im Vorstand im Auftrag des SängerbundeS die Ehrennadel „Für Verdienst" und vom Verein ein Dild des Komponisten Schubert überreicht. Des weiteren wurden die Mitglieder Heinrich Seel, Georg L u h, Georg Schmidt, Schneidermeister Karl Velten, Georg Laux und 3ohs. Faber (Reiskirchen) zu Ehrenmitglieder ernannt.
df. Langsdorf, 24. August. Wie an dieser Stelle schon vor einigen Wochen berichtet wurde, ist durch eine Sammlung innerhalb der Gemeinde soviel Geld zusammengekommen, daß imfer im Weltkrieg (1917) um eine Glocke verringertes Geläute wieder ergänzt bzw. sogar um zwei Glocken bereichert werden konnte, so dah nach der Weihe vier Glocken läuten werden. Am Samstag sind die beiden neuen Glocken hier eingetroffen. Heute erfolgte nun die feierliche Einholung. Am Nachmittag bewegte sich ein stattlicher Festzug vom Bahnhof vor die Kirche. Dorreiter, Trommler, Pfeifer und die Schuljugend gingen dem sechsspännig gefahrenen und schön gefchmückten Glockenwagen voran. Alsdann folgten Gemeinderat. Kirchenvorstand und die verschiedenen Vereine mit ihren Fahnen und Standarten. Auf dem Schulschwan, dem altehrwürdigen Platze zwischen Kirche und RathauS. angefommen, hielt nach einem gemeinsamen Lied der Bürgermeister Herrnaxxn Kneipp II., der Stifter der Heinen ©Lode, eine Ansprache, in der er auf den Sinn und die Bedeutung eines Geläutes hinwies. Das gemeinsame Lied .Nun danket alle Gott" beschloß die eindrucksvolle Feier. Am kommexxden Sonntag findet die kirch lich« Weibe ber ® loden statt, die nach altem Kirchenrecht erst dann dem Gebrauch übergeben find.
Mreid Friedberg.
WSN Fr iebbe r g , 25. Aug. Der 13jährige Sohn de« Malermeister- 3uL Dauth in Kaichen fuhr am Montagnachmittag auf der Straße nach Heldenbergen hinter einem Erntewagen her. Plötzlich bog der 3unge mit seinem Rad nach links ab. 3m gleichen Augenblick passierte ein Auto- lieserwagen die Stelle und erfaßte den unvor- sichttgcn Radfahrer. Der 3unge mußte bei dem Zusammenstoß sein Leben lassen.
< Friedberg, 25. Aug. Durch das Entgegenkommen der Sradlverwaltung erhell die Friedberger Turngemeinde, der älteste Turnverein des Gaues Hessen, als Geschenk ein Geländestück an der Turnhalle, wodurch eine Vergrößerung ber Halle durch Anbau ermöglicht wurde. Gleichzeitig formten durch die opferfreudige Ireiarbeit von Mitgliedern Verbesserungen in der 3nnenausgestaltung «der Halle vorgenommen werden. 3etzt wurde die renovierte Halle durch eine schlichte Feier ein» geweiht. Der von Studienrat Thierolf geleitete Abend brachte außer einem reichhaltigen
turnerischen und gesanglichen Unterhaltung-» Programm eine Reihe von Ehrungen. An ein Zehntel der Mitglieder konnte für mehr al« 25jähr ge und mehr al- 40jährige Verein-- -xrgchör.gkeit die silberne bzw. goldene Vereins« nabel überreicht werden. Gauvertreter Schnei« der, Butzbach, überbrachte die Grüße des Turn- garte« Hessen und händigte an den um da« Frauenturnen im Gau sehr verdienten Turnwart 3 o oft den Ehrenbrief des MittelrheinM kSe.fes aus.
2$. Bad-Bau heim, 25. August. Zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis wurde das Rationale Tanzturnier, da- auf Veranlassung des Reichsverbandes zur Pflege des Gesell- schast-tanze« zwecks Austragung der Westdeutschen Meisterschaft im großen Bühnensaal de« Kurhauses veranstaltet wurde. 3n vier Klassen wurde von insgesamt 15 Paaren um die DiegeS- palme gerungen und dabei vorzüglicher Tanzsport gezeigt. 3n der Sonderklasse, der sich da« Hauptinteresse der zahlreichen Zuschauer zuwandte. verteidigte daS Paar Fernand- G e u r t s (Bad-Bauheim) llar und überlegen den Westdeutschen Meistertitel. 3n der 8- Klass« «lang es dem Paar Kobel-Schupp vom Rot- Weiß-Klub Gießen, den zweiten Platz zu belegen.
Mrei« Schotten.
• Schotten, 25. Aug. Zwei Unfälle ereigneten sich am vergangenen Freitag. Ein Schüler der Volksschule stürzte beim Spiel im Schulhof gegen einen eisernen Stab des Zaunes und verletzte sich erheblich oberhalb de- Kniegelenkes. Zur selben Zeit geriet an der Straßenkreuzung am Wasserwerk oberhalb Schotten der 'Begleiter eine« Lastzüge« deS staatlichen Versuch-gute- Selgenhof zwischen den Bulldogg und den Anhänger und erlitt schwere Quetschungen. Die freiwillige SanitätS-Kolvnne Schotten war sofort xut Stelle, leistete die erste $ilfe und verbrachte Die Verletzten nach dem städtischen Krankenhau-.
itrei« Alsfeld.
± Nieder-Gemünden, 24. Aua. Bei der gestern abend bei Gastwirt Soe bler statt» gefundenen Generalversammlung deS ®eflü- gelzüchtervcreinS erstattete zunächst der Vorsitzende Bericht über die kürzlich in Lauterbach abgehaltene Bezirk-Versammlung. Um einen Ueberblick über die von den DereinSmitglie- dem gezüchteten Tiere und eine gewisse Auswahl zur Beschickung der Ausstellungen zu bekommen, ift beabsichtigt, innerhalb des Verein- eine N o r - schau abzuhalten. Zuchtwart Otto So edler hat bereit- -ugesagt, die Besprechung der betreffenden Tiere im Rahmen einer Verein-Versammlung vvrzunehmen. Zum Schluß der Versammlung hielt Zuchtwart Soedler einen lehrreichen Vortrag über neuzeitliche Fütterung.
12,9 Millionen Defizit in Hessen.
WSB. Darmstadt, 25. Aug. Der amt* licheMonatsausweiSfürden Monat 3ull 1931 des Rechnungsjahre- 1930, der noch nicht die endgültigen Abschlußzahlen bringt, beziffert im ordentlichen Haushalt die Mehrausgaben auf 8,643 Millionen, im außerordentlichen HauSh alt auf 4,272 Millionen Mark. Das Deftzit im Rech- nung-jahr 1930 beträgt also somit rund 12,9 Millionen Mark.
Die Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Bei dem Dorüberzug der französischen Störung, die heute morgen bereits über Polen lag, fielen m unserem DAirk im Lause des gestrigen Tages und der letzten Nacht recht ergiebige Biederlchläae. Mit dem schnellen Abzug des Tiefs hat die Kallluft auf dem Fest lande Platz ergriffen und der Lust- druck ift enorm angefliegen. Somit kommen wir in den Bereich des von Westen her nach dem Festlande sich verlagernden Hochdruckgebietes, wodurch das Wetter beständiger wird. Die vorerst durch die Kaltluft hervor gerufene Bewölkung wird mehr zurückgehen und der Einfluß des hohen Druckes dürfte meist heiteres Wetter mit sich bringen. 3nfolge der Sonnenstrahlung steigen die Temperaturen taasüber etwas an, jedoch bleibt es nacht- noch kühl.
Aussichten für Donnerstag. Wolkig mit stärkerer Aufheiterung, stellenweise Frühnebel nachts kühl tagsüber etwas wärmer.
Aussichten für Freitag: Vielfach heiteres und ttockenes Wetter.
Verantwortlich für Lokales: i. V. HL. Neuner.
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