Ausgabe 
26.8.1931
 
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Mittwoch, 26. August 1931

181. Jahrgang

Nr. 198 Erster Blatt

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Vrvck und Verlag: vrLhl'fche Uiiverfttüts-Vuch' tmö Stetiömderet H. £ai$t tu Stetzeu. Sd)rtftlettimg und Seschästrftelle: Schulftratze 7.

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Üanat; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in ©leben.

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Äer«fpred)enfd)l8R< nter5ammelnummer2251. Anlchnft für vrahtnach. richten Anzeiger Oleste«. potfdferftonto: graulte ri o* Main 11688.

Die neue Regierung der nationalen Konzentration in England.

Das Ende der Krisis. - Das neue Kabinett bereits gebildet. - Ramsay Macdonald erneut Premierminister. - Der Konservative Baldwin Führer der Regierungsparteien im Unterhaus.

Das dritte Kabinett Macdonald.

Conbon. 25. Aug. (TU.) Ministerpräsident Macdonald war den ganzen lag über zusam­men mit valdwin und Sir herber! Samuel mil der Ausarbeifung der neuen fiabi- n e (t 11 ff e beschäftigt. Lr begab sich um 17.25 Uhr zum vuckinghampatast, um dem König die inzwischen scrtiggcsteUte Liste zur Bestätigung zu unterbreiten. Ein ft ronrat ist für Mittwoch vormittag elnberufcn worden, auf dem die üml»- Übergabe an die neuen Minister stattfinden wird. Der König wird voraussichtlich am Mitt- wo (habend ober Donnerstag morgen nach seinem schottischen Schloß Balmoral zurückkehren. Um 18.30 Uhr wurde die neue Ministerliste amtlich be- kannlgegeben. Da» Kabine!! seh! sich solgender- mahen zusammen.

Premierminister und Erster Lord des Schatzes: Macdonald (Arbeiterpartei),

Schahkanzler: Snowden (Arbeiterpartei), Cord-Präsident de» Geheimen Staatsrate»: Bulb-

re i n (Konservativ),

Staatsfefretär be» Auswärtigen: Lorb Reading ^Liberal),

Minister für ble Dominien unb für ble Kolonien: Thomas (Arbeiterpartei),

Corb-Grohkonzler: Lorb Sankey (Arbeiterpartei), Staatssekretär de» Innern: Sir Herbert Samuel (Clberal),

Minister für Dnbien: Sir Samuel Hoare (Kon- servaNv),

Gesunbheltsmlnlster: Neville Ehamberiain

(Konservativ),

hanbelsminister: Sir Philippe Cunliffe-Clffet (Konservativ),

£us!sahrlmlnlster. Lord Amu! ree (Arbeiterp.), Erster Lorb der Admiralität: SirAuftenLham-

b e r I a I n (Konservativ),

Staatssekretär für Schottland: Sir Archibalb Sin­clair,

Kriegsminister: (noch nicht ernannt).

Lrzlehungsminister: Sir Donalb Maclean (Clb.), Canbwirtschastsminister: (noch nicht ernannt), Arbeitsminister: Sir Henry Bef ter ton, Minister für öffentlich« Arbeiten: Marquis o f £ o n- bonbertg,

Kanzler be, Herzogtums Cantaffer: Marquis o f £ o t h i a n.

Der £orb-präfibent bes Slaatsrafe». Balb- roln, ist Führer bet Regierungspar­teien im Parlament. Bon den neuen Mi­nisters gehören bem Kabinett an nur ber Premierminister, bie Staatssekretäre des Aeuhern unb Innern, ferner bie Staatssekretäre für 3n- bten, für ble Dominien unb Kolonien, der Schah- kanzler, ber £ord-Präfiden! be» Geheimen Rate, ber £orbfanjler (Iustizminlster), ber wohlfahrtsminlster unb ber Präfibcnt be» hanbelsamtev. Alle anberen neuen Minister finb nur Mitglieder des Ministeriums, aber nicht de» Kabinett». Dav neue Kabinett hat also nur 10 Mitglieder: vier Vertreter ber Arbeiterpartei, vier Konservative unb zwei £lberale. L» ist seit vielen Jahren da» kleinste Kabinett, abgesehen von ben Krleg»- kabinetten von 6 bl» 8 Persönlichkeiten, welche eine Art Kabinett innerhalb be» größeren Kabinett» von 20 bi» 22 Ministern darstellten. Die normale Stärke ist ungefähr 16 bl» 17. Lin weitere» Merk­zeichen be» neuen Kabinett» ist, dah alle s o g. Auegabenminifterien mit Ausnahme dc» Wohlfahrtsministeriums nicht In bas Kabi­nett eingeschlossen worden finb. Krieg, Cuftfahrt, Abmiralität, Schottlanb, Unterricht, £andwirtschaft unb Arbeit sind alle ausgeschlossen. Die» zeigt, dah da» neue Kabinett entschlossen ist, diesen Ministerien strenge Sparsamkeit zur Pflicht zu machen. Die £iffe des neuen Kabinetts bietet keine Ueberrafchungen. Sie entspricht im wesentlichen ben im £aufe ber letzten läge gemachten Boraus­sagen.

Ein Appell Macdonalds an das brittsche Volk.

Dcr Premierminister vor dem Mikrophon dcö Rundfunks.

£? o n b o n . 25. August. (WTD) Sn einer *Runb- funkansprache an das britische Volk sagte Mac­donald, er spreche unter ungewöhnlichen Umftän- den. Er habe keine seiner Ueberzeugungen und keine seiner Sdeale aufgegeben. Es werde erklärt, er habe keine Ermächtigung derArbei- lerbewegung für das erhalten, was er tue. Das sei wahr, und er habe es auch nicht behaup­tet. Qlbcr er sei sicher, dah er die Ermächti­gung einer höheren Autorität habe, und dah er seine nationale Pflicht er­fülle, wie er sie auffasse. Diese Pflicht werde er ohne Rücksicht auf die Folgen erfüllen. Es würden

viele Opfer gebracht werden müssen, aber er hoffe, jeder Engländer würde nach sei­nen Mitteln da - Seinige beitragen. Der Vorschlag, die Arbeitslosenunter­stützung zu vermindern, sollte im Geiste der Gerechtigkeit geprüft werden. Es werde vorge­schlagen, dah diese Unterstützungen im Interesse der nationalen Sparsamkeit um zehn Pro- ze n t gekürzt werden sollten, dah aber d i e Beihilfen für Kinder unberührt blei­ben feilten. Das fähe ungeheuerlich aus, aber während der letzten zwei Jahre hätten sich die Kosten des Lebensunterhaltes um 11,5 Prozent gesenkt und wenn die Arbeit-- lo'enunterstützung entsprechend abgeändert worden wäre, so würde sie längst um ll,5Prozent herabgesetzt worden sein. Die Kosten der Ar- beitslo'enunterstühung seien ungefähr 100 Mil­lionen Pfund Sterling jährlich: dies sei einer der Gründe, die die ausländischen Kapital­geber nervös machten. Die Arbeitslosenhät­ten ein ganz besonderes Interesse an der Sicher­heit des nationalen Kredites. Es sei besser für sie, zu dem Standard vor zwei Jahren zurückzukehren als auf Fortsetzung der Zahlungen in gle cher Höhe au beharren und dadurch die Gefahr heraufzube- schwören, dah die Kaufkraft ihres Gel­des sich verringere.

Hierauf kam Macdonald zu der heute vom »Daily Heralb" ausgestellten Behauptung, dah eine Verschwörung der Bankiers gegen d l e Arbeiterregierung vorliege, AU sprechen. Er sagte, er könne mit allem Nach­druck versichern, dah dies nicht zutreffe. Meder ihm noch Sn owden se i je m a l » e in po- litischcS Ultimatum gestellt worden. Die Bankiers würden der jetzigen Regierung gegenüber die gleiche Haltung einnehmen wie der Arbeiterregierung gegenüber. Macdonald erklärte, nur ein Plan der Ersparnisse aus der einen und neuer Einnahmen aus der anderen Seite könne das Vertrauen zum britischen Kredit wiederherstellen. Er schloh. die neue Regierung sei feine Koalitionsre­gierung. An einer solchen würde er nicht teilnehmen. Keine Partei, die darin vertreten sei, werde gcAtoungen, ihre Grundsätze preis- zugeben. Die Regierung sei gebildet worden, um eine bestimmte Arbeit zu tun, wenn dies in kurzer Zeit möglich sei, werde die allgemeine politische Lage wieder zu dem Zustande zurück- kehren, in dem sie sich vorige Woche befand. Die darauf folgenden Parlamentswahlen werden nicht von der Regierung au-gesochten werden.

Oie Opposition der Labourpartei.

Henderson der künftige Führer. Ausschluß Macdonalds und Snowdens.

London, 25. Aug. (WTD.) Wie verlautet, hat das Gerücht, wonach die Reuyorker Bankiers die Gewährung zusätzlicher Kredite an England von Abstrichen in ber Arbeitslosen­versicherung abhängig gemacht hätten, die Op- Fofition gegen di e neue Regierung nnerbalb der Arbeiterpartei ver­stärkt. Die radikalsten Mitglieder der Arbeiter­partei haben schon immer erklärt, dah sich die Bankiers in unzulässiger Weise in Angelegen­heiten der Verwaltung einmischten. Die Forde­rung der Extremisten nach einem vollkommen sozialistischen Programm, das u. a. auch eine Rationalisierung der Danken vorsieht, wird daher in weitgehendem Mähe Unterstützung fin- den. Man hält es für fieber, dah Macdonald, Snowden, Sankey und alle Arbeiterparteiler, die sie unterstützen, aus der Partei ausge­schlossen werden. Es liegen Anzeichen dafür vor, dah sich die Zahl der Anhänger Macdonalds innerhalb der Arbeiterpartei von Tag zu Tag verringert verschiedentlich wird seine An­hängerzahl nur noch auf 20 bis 30 Mitglieder der Arbeiterpartei geschäht und dah Hen­derson, dessen Einstellung gegen Macdonald

während der Krise mit aller Deutlichkeit zutage trat, versucht, die Führung der Arbeiter­partei in die Hand zu bekommen. Ihm wird dies auf dem Wege über die Gewerkschaften ohne weiteres gelingen. In Gewerkschaftskreisen wird bereits offen ausgesprochen, dah der Gewerk­schaf t S k o n g r e h, der am 7. September, d. h. einen Taa vor Zusammentritt deS Parlaments nach Bristol einberufen ist, seine Einladungen an Macdonald und Snowden rückgängig machen will. Macdonald ist sich vollkommen bewußt, dah die Bildung dernationalen Re­gierung" das Ende seiner politischen Laufbahn bedeutet. Er betrachtet es aber als seine Pflicht, den Sanierungsplan burch- Auführen. Rach Beendigung der Krise wird er sich von der Regierung und von der Politik über­haupt zurückziehen. Snowden wird eine gleiche Haltung einnehmen.Daily Expreß" ist der Ansicht, dah die Führung der Arbeiterpartei in Hendersons Hände übergegangen sei, dessen alte Feindschaft gegen Macdonald in seiner Weigerung gipfelte, die von Macdonald und Snowden vorgeschlagenen Abstriche in der Erwerbslosenversicherung zu unterstützen.

Freundliches Willkomm der presse.

DasKabinett der älteren Staatsmänner^. Oie City verhält sich abwartend.

London, 26. Aug. (WTB. 'Funkspruch.) Die I neuenationale Regierung" wird von fast fämte | lüften Blättern mit Wärme begrübt. Ihre Mitglieder werden als die Männer bezeichnet, die geeignet seien, im In- und Aus lande Vertrauen zu erwecken. Rur das ArbeiterblattDaily Hera ld" nennt das Kabinett ein Erzeug- n i s des Druckes inländischer und ausländischer Banken. Das Blatt schlägt vor. die im Auslande angelegten bri­tischen Kapitalien zur Stützung und De- scstigung des Sterlingkurses zu mobilisieren. Die gleiche Maßnahme sei bereits während des Krie- fieä mit Erfolg durchgeführt worden. Die ibetaleRews Ehronicle" beklagt das Fehlen Hendersons im neuen Kabinett. Henderson habefHich bei der Führung der aus­wärtigen Angelegenheiten ungemein ausgezeichnet. Der liberale ,.Mancheftcr Guardian" schreibt: Wenn es sich als richtig erweist, dah die Arbeiterpartei der Regierung nicht ein­mal eine freundschaftliche Gegner­schaft zuteil werden lassen will, dann ist es um so besser, dah die vier Arbeitermitglieder der Regierung beinahe ausnahmslos Männer sind, die sich grbheres Ansehen im Inlande und im AuSlande erworben haben, als irgendein anderer Politiker der Partei.

Die konservativeMorning Post" meint. Macdonald habe die größte Ta t seiner Laufbahn getan, während die Haltung Hen­dersons von der Mehrzahl seiner Landsleute verurteilt wird. Die ebenfalls konservativeTi­mes" hebt drei Punkte hervor: 1. tzei das neue Kabinett nur halb s o grob, wie üblich sei. was der Schnelligkeit in der Behandlung der Ro:lage zugute kommen werde: 2. se.en die Mi­nister auf dem Posten verblieben, bzw. für die Poften ernannt worden, mit denen sie gründ- lich vertraut seien: 3. seien die auserwählten Männer alle nahezu ältere Staa tsmän- ner. Die Aufgabe der Regierung sei unleugbar besonderer und unangenehmer Art, und es sei daher in der Ordnung, dah besondere Ver­

antwortlichkeit auf die Wenigen entfalle, deren politische Laufbahn am längsten gewesen sei, oder die in den Jahren vor Eintritt ber Rot­lage auf verantwortlichen Posten ge­standen hätten.

Auch die Finanzpresse heiht das neue Kabinett willkommen. DieFinancial Rews" er­wartet, dah das Gefühl ber Befriedigung und Erleichterung in der Eity sich bei näherer Prüfung ber Lage noch verstärken werde. Im übr.gen bewahrt jedoch die Londoner Eity gegenüber Macdonalds Bestrebungen eine wohl­wollende. aber durchaus abwartende Hal­tung. Wenn man auch für Macdonald und seine Kollegen zumeist nur Worte des Lobes hat, so werden doch hier und da Zweifel laut, ob selbst des Premierministers hervorragender Mut ausreichen werde, bie Schwierigkeiten zu über­winden. die ihm und seinem Kabinett von einer starken unb durch die Entwicklung ber letzten Tage erbitterten Opposition zweifel­los in den Weg gelegt werden dürften, um so mehr, als diese Opposition jetzt in Henderson einen politischen S'.ra legen ersten Ranges besitze.

DerDaily Telegraph" berichtet, dah die Ratio na lregierung sofort nach Annahme der vorgesehenen Gesetzesvorlagen durch das Par­lament und vorbehaltlich der kritischen Lage in Indien aufgelöst werden würde und dah Reuwahlen im Spätherbst oder An­fang nächsten Jahres stattfinden würden. Das Blatt rechnet mit heftigen Wider­ständen gegen die Sparmaßnahmen durch Auhenfeiter der Arbeiterpartei und behauptet, dah von gewisser Seite Vorbereitungen für einen scharfen Feldzug gegen das neue Kabinett ge­troffen seien. Diese im Werden begriffene Oppo­sition sei um so gefährlicher, als von den 286 so­zialistischen Abgeordneten nur schätzungsweise 70 Macdonald unterstützen würden. DieT i - m es" hält es für eine interessante unb folgerich­tige Tatsache, dah die Arbeiterregierung über den Punkt zu Fall gekommen sei, der immer als ber Prüfstein der Demokratie angesehen wor­

Hamaguchi f.

Der frühere japanische Ministerpräsident Ha­rn a g u ch i ist an den Folgen ber Verletzungen, bie er am 14.Rovember 0.3. bei einem At­tentat durch ein Mitglied ber Reaktionären patriotischen Vereinigung erhalten hatte, ge­storben. Man hatte zunächst geglaubt, ben Ministerpräsidenten wieder der Genesung xu- führen zu können: doch war im Befinden deS Verletzten kürzlich ein Rückfall eingetreten.

den ist, nämlich die Fähigkeit ihrer Füh­rer, bem Volke bic Wahrheit z u sa­gen und ihre Politik nicht von der Anzahl der Wahlzettel abhängig zu machen. Macdonald. Snowden und ihre Anhänger hätten diese Probe glänzend bestanden. DerDaily H e r a l d" hält eS dagegen für notwendig, ausdrücklich zu erklären, dah das neue Kabinett eigentlich gar keine Rationalregierung darstelle, weil Macdonald und seine in der Rcg.erung verbleibenden 21n- hängcr nur noch Privatpersonen unb nicht mehr offizielle Vertreter ber Arbeiter­partei seien.

Kredttberettschafi Reuyorks.

R e u y v r k, 25. Aug. (WTD)Rew Bork Times" gibt ber Meinung Ausdruck, bah bie neue britische Regierung binnen 24 ötunben einen bbeutenben priva ten Dankkre- b i t in den Vereinigten Staaten erhalten könne. DaS in London verbreitete Gerücht, bie Federal Reserve Dank würbe ber Bank von Snglanb nur bann weitere grohe Krebite gewähren, wenn Ab­striche in ber Arbeitslosenversicherung gemacht würden, könne hier nicht bestätigt werden. Man gibt offen zu, dah die Labour-Regie- rung vor ihrem Rücktritt bei einem Versuch, einen privaten Dankkredit zu bekommen, auf Schwierigkeiten, wenn nicht gar auf eine Ab­lehnung gestoben wäre. Wallstreet Ist indessen bereit, ber neuen englischen Regierung innerhalb von 24 Ötunben einen kurzfristigen Kre - bit inHöhevon300biS500Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, wenn bieS gewünscht wirb. Cs Huben bereits informatorische Besprechungen für eine Syndikatsb Übung statt. Eine langfristige Kreditgewährung gilt olS ausgeschlossen, da die Lage deS Obligati- onsmarktes zu ungünstig ist. Die CBtlbung deS Kon- zentrationskabinettS wirb in Reuyork begrüht unb besonbers aus die Notwendigkeit einer Em,äfjigung der Arbeitslosenunterstützung hingewiesen. Die Reuyorker Banken wünschen bei einer etwaigen Kreditgewährung bie Feberal Reservebank mög­lichst auszuschalten, ba sie ber Ansicht seien, bah die Reservebanken schon zu viel Geld in Europa angelegt hätten.

Großes Interesse in Paris.

PartS. 25. Aug. ($11.) Die Pariser Morgen­blätter verfolgen die Entwicklung der englischen Kabinettskrise mit um so größerer Aufmerksam­keit, als Frankreich an einer prompten Wieder­herstellung einer gesunden Finanzlage in Eng­land ganz besonderes Interesse hat. DerM a t i n" (rechts) zollt der Haltung deS englischen Ministerpräsidenten zwar alle Aner­kennung, macht aber darauf aufmerksam, dah an eine neue finanzielle Unterstützung durch Frankreich nicht zu denken sei, bevor England nicht selbst einschneidende Mahnahmen zur Selbsthilfe ergriffen habe. DasEcho de Paris" (rechts) stellt mit Befriedigung fest, dah daS neue Regierungsprogramm eine voll­ständige Ablehnung der fozialisti- f <6 e n Anschauungen bedeute, die durch bie Ereignisse endgültig verurteilt worden seien. Journal" (rechts) stellt als besonders charak­teristisches Merkmal der Krise fest, dah die sozialistische Regierung in England verschwunden sei, ohne daß England eigentlich richtige Er­fahrungen mit dem Sozialismus gemacht habe. DerPetit Parisien" (offiziös» zeigt sich äußerst erstaunt darüber, dah man in Frie­denszeiten eine Regierung der nationalen Vereinigung zustandegebracht habe. Man dürfe annehmen, dah die Lage außergewöhnlich kritisch gewesen fei. wenn die Parteien daS Wohl des Landes über ihr eigenes Programm stellten.Oeuvre" (radikal) wirft der eng­lischen Arbeiterpartei vor, in der entscheidenden Stunde nicht ihre Pflicht verstanden zu haben. ..E r e Rouvelle" (links) hält eS für selbstverständlich, dah die Fehler, die in England von allen drei Parteien begangen wor­den seien, auch von allen dreien wieder gut gemacht würden.' Macdonald habe seine Pflicht verstanden und sich vielleicht schweren Herzens von denjenigen getrennt, die daS ÄaatS- intereffe ihrer Ideologie opfern wollten. Löon Blum schreibt imPopu 1 aire" (soz). man könne sich nur immer wieder fragen, von weich' schwerer Gefahr Snglanb bedroht sei, dah bie heiligen Rechte ber Arbeiter und die Einheit der Arbeiterpartei dem sogenannten Intere'fe des Staates geopfert werden sollten.