Nr. 120 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Dienstag, 26. Mai 193|
Zwei Feiertage alter Soldaten.
Wiedersehensfeier der ehem. hessischen Leib-Dragoner (Jlr. 24) und deren Feld formationen. — Zehn Jahre Verein ehem. Hess. Leib-Dragoner im Kreise Gießen.
Don bem herrlichen Pfingstwetter begünstigt, fand an den beiden Pfingstfeiertagen hier eine zahlreich besuchte Wiedersehensfeier der ehem. Hess. Leib-Dragoner (1tr. 2 4) und deren Feldformativnen, verbunden mit der Feier des 10jährigen Bestehens des Vereins ehem. Hess. Leib-Dragoner des Kreises Gießen statt. Um es vorweg festzustellen: Die aufopferungsvoll« und umsichtige Vorbereitungsarbeit des Festausschusses unter der Führung des VereinSvorsitzenden Emil E i d - mann fand in dem ausgezeichneten Gelingen der Veranstaltung ihre volle und wohlverdiente Belohnung. Eine besondere Auszeichnung erfuhren die alten Leib-Dragoner dadurch, daß unter der Führung des Chefs der Traditions- Schwadron der 6. (Hess.) Eskadron Reiter-Regi- ments 16 in Langensalza, Rittmeisters Buch, eine Abordnung des Traditivns- truppenteils an dem Feste teilnahm und dazu auch das Trompeterkorps der Traditions- Schwadron unter Leitung des Chormeisters Streitenbcrger mitgekommen war. Durch die Anwesenheit der aktiven Soldaten bei diesem Feste der alten Leib-Dragoner wurde die enge kameradschaftliche Verbundenheit zwischen beiden sichtbar und eindrucksvoll dokumentiert.
Der erste Zesttag
brachte zunächst am Hachrnittag des Pfingstsonntags ein Fuß ball-Wett spiel auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 um den Pokal des Vereins ehem. Hess. Leib- Dragoner des Kreises Gießen. Das Wettspiel fand vor einer starken Zuschauerschaft statt. Qliit der Stiftung dieses herrlichen Pokals wollten die alten Leib-Dragoner ihr« hohe Würdigung der sportlichen Arbeit an der Jugend zum Ausdruck bringen. Heber die Ergebnisse des Treffens wird im Sportteil dieser Ausgabe berichtet.
Am Abend fand ein Degrühungskom- merS in derTurnhalle statt, der trotz des schönen Sommerabends sehr zahlreich besucht war. Unter der Leitung des Chormeisters Streiten- b e r g e r erfreute das Trompeterkorps der Traditions-Schwadron unermüdlich mit schneidiger Blasmusik, die der Kapelle nach jeder Darbietung lebhaften und voll verdienten Beifall ein trug. Der Dereinsvorsitzende Emil Cidmann gab in seiner Begrüßungsansprache nach einer Huldigung vor den Leistungen des alten und stolzen Leib- Dragoner-Regts. 24, sowie nach herzlichem Gruß an die Gäste, insbesondere an Rittmeister Buch als Chef der Traditions-Schwadron und an seine Soldaten, und an die alten Kameraden einen kurzen Heberblick über das zehnjährige Wirken des Leib-Dragoner-Vereins des Kreises Gießen. Er machte dabei die bemerkenswerte Feststellung, daß der mit 27 Mann gegründete Verein heute rund 300 Mitglieder zählt. Weiter gedachte er der gefallenen und gestorbenen Kameraden, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde, und schließlich wies er hin auf das Große und Hehre aller guten Deutschen: das deutsche Vaterland. An die Ansprache schloß sich der gemeinsame Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes an. Zur künstlerischen Bereicherung des Abends trugen neben der Militärkapelle noch Frl. Milli Beil, eine Schülerin der Gesangschule von Frau Dr. Rvßkopf- Pfeiffer, als Liedersängerin und der Quartett- verein Gießen durch Chorgesänge bei. Spar
kassenrechner Kehler (Darmstadt) und Post- sekretär Kämpf (Königstein) hielten Gruß- und Glückwunschansprachen im Hamen ihrer Vereine, der Vorsitzende E i d m a n n überreichte den Siegern des Fußball-Wettkampfes, der Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen, den wacker errungenen Pokal mit herzlichen Worten der Anerkennung, worauf zunächst der Mannschaftsführer der Sieger und dann Rotar Peters alsVorsihender derSp.Dg. 1900 dankten; letzterer würdigte dabei den hohen Sinn der Polal- ftiftung mit treffenden Worten und überbrachte gleichzeitig dem Gießener Leib-Dragoner-Derein namens der 1900er einen Fahnennagel für die Standarte. Der interessante Abend war ein schöner Ausklang des Tages.
Der zweite Zesttag
am gestrigen Pfingstmontag brachte morgens auf Befehl des Rittmeisters Buch drei Ständchen des Trompeterkorps der Traditions- Schwadron, die dem Dereinsvorsitzenden E i d - mann und den beiden ältesten Ehrenmitgliedern des Vereins, Altveteran Konrad Heppner und Oekonomierat Hoffmann, dargebracht wurden. Vormittags wurden am 116er-Denkmal und auf dem Chrenfriedhof Kränze niedergelcgt.
Hm 11 Hhr begann auf dem von mehreren tausend Menschen umsäumten Oswaldsgarten ein F e st gv t t esdien st, bei dem die 116er« Militärkapelle mitwirkte und Pfarrer Ausfeld als Militärgeistlicher die Predigt hielt.
Hierauf folgte die unter dem Kommando des ehern. 24er Leibdragoners, Hniversitätsreitleh- rers L. Schömbs, von 12 alten Leib-Dragonern in der früheren Uniform gerittene historische Festquadrille, die ein prächtiges reiterisches Schauspiel darbot und wertvolle Erinnerungen an die alte Armee wachrief. Starker Beifall der gewaltigen Zuschauermenge dankt« den Reitern und ihrem Führer.
Anschließend setzte sich der F e st z u g , mit der Abordnung der Traditions-Schwadron unter Führung des Rittmeisters Buch an der Spitze, in Bewegung. Ehemalige Angehörige des früheren Leib-Dragoner-Regimenls 24, sowie Vertreter der verschiedensten militärischen Formationen boten in ihren schmucken Uniformen der alten Armee ein farbenprächtiges Bild. Bemerkenswert war auch der Aufmarsch der Iung- mannschaft des hiesigen Marinevereins. Der Kutscherverein wartete mit einem Dierspänner- Festwagen mit der Inschrift „Gasthaus, zur Deutsch" auf. Den Übrigen Teil des Festzug's, in dem zwei Musikkapellen spielten, bildeten Militär- und sonstige Vereine.
Anschließend an den Festzug fand in der Turnhalle ein gemeinschaftliches Mittagessen statt. Die nachmittags und abends abgehaltene Feier in der Turnhalle war besonders am nachmittag außerordentlich stark besucht. Den musikalischen Teil bestritt auch hier das Trompeter-Korps der Traditions-Schwadron, das mit seinen flotten Märschen und sonstigen musikalischen Darbietungen stürmischen Beifall erntete. Ebenso fanden die Gesangsvorträge des Quartettvereins wohlverdiente Anerlennung. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stand die von dem Bundespräsidenten, Rittmeister a. D. Dr. Chälons, gehaltene Festansprache. Er übermittelte dem Verein ehemaliger hessischer Leib-Dragoner des Kreises Gießen
Das GchLüßsal fprßcht das letzte tvoet
Roman von 3.Schnei de r-Foer st l.
Urhebev-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie deckte die Hände über das Gesicht und weinte leise vor sich hin.
Behutsam nahm ckr ihr die Hände herab und hob den gesenkten Kopf der Tochter zu sich auf. „Ich weiß, wie sehr du ihn liebst — aber er hätte dir das nie werden können, was du dir als sehnlichsten Wunsch erträumtest."
Hntcr Tränen sah sie ihn an. „3<b weiß, was du sagen willst, Vater. Sein Herz gehört immer noch der blonden Deutschen, die ihn verlassen hat. Aber ich fürchte mich trotzdem nicht. 3ch kann warten. Eines Tages wird er doch verwinden, und dann werde ich die Arme um ihn legen und ihn nie wieder freigeben. Rie wieder! Dann wird er ganz mein sein! Rur mein! Denn ich liebe ihn, wie ich noch nie zuvor im Leben jemand geliebt habe."
Hetterfield hatte, während sie sprach, ihr Gesicht an seine Brust gezogen und streichelte nun mitleidig über ihre Wangen. „Hnd wenn du ihm — ich nehme mit Sicherheit an, daß er wieder- kommt — trotzdem nicht Frau werden könntest?"
Sick frei machend, blickte sie zu ihm auf. „Warum nicht, Vater?"
Er zog sie auf die Knie und wiegte sie, wie ev es seit ihren Kindertagen nicht mehr getan hatte. „Alice, ist es dir noch nie unverständlich gewesen, daß ich, der Mann von fünfundsiebzig Jahren, eine Tochter habe, die kaum zwanzig zählt?"
Sie schüttelte den Kopf. „Das kann doch sein, Vater!"
„Es könnte sein, Darling, ja! Es hat Männer gegeben, die erst mit sechzig heirateten, und noch Kinder bekamen. Aber in meinem Falle liegt das anders. Es ist peinlich für meine grauen Haare, daß ich dir am Ende meines Lebens noch diese Beichte ablegen muh."
„Welche Beichte?"
„Daß ich nicht dein Vater bin!"
„Du lügst!" Aufspringend, riß sie sich von ihm los. „Sag, daß du gelogen hast, Vater!"
„Ich habe die Wayrheit gesprochen, Darling!" Mit einem raschen Griff hatte er sie wieder gefaßt. „Du mußt dich nicht so fürchterlich darüber erregen, Kind! Dein Großvater bin ich immerhinl"
„Mein Großvater..“
„Ja. Hnd der von Viktor Lippstädt auch!"
Er hat dey Verstand verloren, dachte Alice und leiftete^totneclei Widerstand, als er sie neuerdings
auf seine Knie zog. „Sieh", sprach er auf sie ein, „der alte Graf Lippstädt ist mein Schwiegersohn. Er hatte meine einzige Tochter zur Frau. Du und Viktor seid deren Kinder. Ich lag um die Zeit, da sie in ihrem fünfzehnten Jahr verheiratet war, sehr schwer am gelben Fieber krank und hatte keinen Wunsch mehr, als sie noch einmal zu sehen. Er schickte sie mir, und mit ihr kamst auch du. Ich tonnte nicht ahnen, daß sie Java nicht mehr lebend verlassen würde. Schon in der dritten Woche ihres Hierseins starb sie, und ich mußte das Dasein weitertragen. Er hat mir einen Brief geschrieben, in dem er nicht mir Vorwürfen sparte und sowohl die Tote, als auch dich zurückverlangte. Ich wollte dich behalten um jeden Preis und bot ihm eine halbe Milliarde, wenn er dich mir überlasse. Das hat das Maß vollgemacht. Er nannte mich einen Seelenverkäufer, einen gewissenlosen Schurken und noch manches andere. Hnd wenn er krepieren mühte, schrieb er, sein eigen Fleisch und Blut verschachere er n'ch'. Verschachern nannte er das, was doch nur der Ausfluß meiner übergroßen Liebe war. Ein unbändiger Zom überkam mich, und in der ersten heftigen Wallung schrieb ich ihm, daß ich ihm nun den Wunsch ohne weiteres erfüllen würde, denn du seiest ein paar Tage später der Mutter nachgefolgl. Der Sarg, den ich ihm schicken werde, enthalte euch beide. Wir legten denn auch deiner Mutter ein fremdes totes Kind in die Arme, und er trug nicht den geringsten Zweifel daran, es sei so, wie ich berichtet hatte. Babys in diesem Alter sehen sich alle gleich. Eine Verbindung zwischen und gab es von diesem Tage an nicht mehr. Ich habe früher viel weiter westwärts gewohnt, verkaufte gleich darauf meinen Besitz und änderte meinen Hamen, damit eine altenfallfige Hachforschung seinerseits unmöglich blieb. Mit Geld läßt sich alles machen. Hur die Aja, die dir Amme war, und Iefser'on, der sich nicht von mir trennen wollte, sind mitgekommen. Hiemand als diese beiden wissen um mein Geheimnis. Hun kam im verflossenen Jahr deine Reise nach Europa, und ich habe Jefferson gebeten, ein bißchen Hmschau zu halten und Erkundigungen nach meinem Schwiegersohn einzuziehen. Das Resultat war der Kauf von Langenbach. Ich wollte ein bißchen was von meiner Schuld gut machen. Zugleich war dir auch Gelegenheit gegeben, deinen Vater kennen zu lernen. Ich glaube, du liebst ihn sogar, soviel ich aus deiner Schilderung über ihn gehört habe. Daß du Viktor lieben lernen würdest — ich meine so lieben — konnte ich natürlich nicht ahnen. Es geht immer ein bißchen verdreht hn Leben, und ich werde mich wohl nicht beklagen dürfen, wenn du kein Verzeihen für deinen alten Großvater findest."
An seine Schulter gelehnt, weinte sie still vor sich hin. „Ich liebe ihn über die Maßen!", schluchzte sie verzweifelt.
„Hut den Mann als solchen, Alice?"
die Glückwünsche des Dundes ehemaliger hessischer Leib-Dragoner, mit dem Hinweis, dah sich der Gießener Verein prächtig entwickelt habe und auch für die Zukunft zu den besten Hoffnungen berechtige. Es sei notwendig, die Bewegung zu stärken, damit sie an dem Wiederaufstieg Deutschlands mithelfcn könne. Erfreulicherweise mache sich auch im deutschen Volke wieder eine stärkere nationale Welle bemerkbar, deren günstige Auswirkung sich hoffentlich bald zeigen toerbe. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterland, worauf von den geftteünebmem das Deutschlandlied gelungen wurde. Im weiteren Verlause des Hachmittags übermittelte ein« große Anzahl von Vereinen und Organisationen Glückwünsche und Geschenke, wobei echter Kameradschaftsgeist, fester Wille zu gemeinsamer Arbeit am Wiederaufstieg Deutschlands und unerschütterliche Treue oum Vaterland zum Ausdruck kamen. Dabei wurde von verschiedenen Red
nern (ehemaligen Kotonialsoldaten) auf die Hot- Wendigkeit der Wiedererlangung unserer Kolonien hingewiesen. Besonderen Beifall fand die Ernennung des Rittmeisters Buch von der Traditions-Schwadron der 6. (Hess.) Eskadron Reiter- Regiment 16 zum Ehrenmitglied de- Kreisvereins Gießen.
Das Programm enthielt dann weiter einen von Frl. Gretel Meurer gesprochenen Prolog, ein Gedicht von Kl. Seipp, sowie exakte turnerische Darbietungen von Damen und Herren des Turnvereins 1846. Außerdem erfreute Frl. Milli Beil auch bei dieser Gelegenheit durch den Vortrag mehrerer Lieder. Landgerichtsrat Dr. Wo - d a e g e brachte gegen Schluß der Veranstaltung in einer kurzen Ansprache allen Teilnehmern und Mitwirkenden den Dank des fcstgebenden Vereins zum Ausdruck.
S.jl.-'Spoit
BlitzturnierderSpie1vereinigung4900
Das Blitzturnier, das die Spielvereinigung 1900 am ersten Pfingstfeiertag auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe durchführte, zeitigte folgende Ergebniffe:
Spvg. 1900 — DfR. Butzbach 1:1; Wehlav gegen Ockershausen 2:0; 1900 — Ockershausen 3:0; Wetzlar — Butzbach 0:0; 1900 — Wetzlar 1:0; Ockershausen — Butzbach 2:0. Der Pokal fiel (wie an anderer Stelle berichtet) der Spielvereinigung 1900 zu.
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Am zweiten Pfingstfeiertag fand u. a. ein Städtespiel zwis chen Gießen und Pfungstadt statt. Die Gießener, die eine Mannschaft kombiniert aus den Ligamannschaften von DfB. und 1900 stellten, gewannen dasi Tressen mit 2:0.
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Der VfD.er Gugel nahm an den 11. großen nationalen Wettkämpfen in Altendiez teil und wartete im Diskuswurf mit einer vorzüglichen Leistung auf. Er erzielte 43,63 Meter. Müller (VfB.) lief auf wenig guter Dahn 100 Meter in 11 Sekunden.
Um die deutsche Zußball-Meisterschast.
München 60 — Tennis-Borussia Berlin 1:0.
Es war nach der mehr als eigenartigen Behandlung, die der DFB. den süddeutschen Endspiel-Teilnehmern hat angedeihen lassen, begreiflich, dah man dieses Zwischenrundenspiel zu einer kleinen Protestaktion gegen den Fußballbund benutzte. So waren knapp 4000 Zuschauer im Frankfurter Stadion, deren Sympathie demonstrativ auf Seiten der Münchener war. Das Spiel selbst bot keine besonderen Leistungen, zumal beide Mannschaften xu stark von der Hitze mitgenommen wurden. München war besser als sein Berliner Gegner und hat somit den knappen Sieg, der die Bayern in die Vorschlußrunde bringt, verdient. Bei Tennis konnte nur das Dertei- digungstrio einigermaßen gefallen, dagegen sah man von den übrigen Spielern ein überaus mattes Spiel. Der entscheidende Treffer fiel schon in der 32. Minute der ersten Halbzeit. Eine Vorlage von Lachner tonnte von dem Münchener Halblinken Oclbenbergcr unhaltbar eingeschossen werden. Rach der Pause beschränkt« svch angesichts der großen Hitze München auf die Verteidigung seines Vorsprungs, was den Bayern von Tennis nicht besonders erschwert wurde.
Münchens nächster Gegner ist am 31. Mai, wahrscheinlich in Westdeutschland, Holstein Kiel.
Zifa-Kongreß beendet.
Der FIFA. • Kongreß, der in Berlin stattfand, wurde am Samstag beendet. Allgemein kann gesagt werden, daß wichtige Beschlüsse von dem Internationalen Fußball-Verband nicht gefaßt wurden. Wegen der Teilnahme an den Olympischen Spielen werden von der FIFA, mit dem LOL. neue Verhandlungen eingeleitet. Die Vorbereitung der zweiten Weltmeisterschaft wurde einer Kommission übergeben. Der 21. Kongreß findet Pfingsten 1932 in Stockholm statt.
Abschluß der Deutschland-Rundfahrt.
Letzter (Etappen.
und Gesamtsieger Mehe (Deutschland).
Rachdem die vorletzte Etappe Köln—Trier am Pfingstsarnstag mit dem Siege von Bulla (Wien) vor Frantz keine Aenderungen im Ergebnis gebracht hatte, war an dem deutschen Endsiege kaum noch zu zweifeln. Die letzte Etappe führte am Pfingstsonntag von Trier nach Mainz über 170 Kilometer. Sie brachte dem Dortmunder E. Mehe den Etappensieg und somit auch den Gesamtsieg. Rachdem der Italiener Piccin, der Wiener Bulla und bald darauf auch Siegel etwas zurückgefallen war, schloß das Feld auf den letzten Kilometer wieder dichter zusammen und mit Geyer und van Bruaine an der Spitze traf das Feld gegen 16 Hhr auf der Opelbahn in Rüsselsheim ein, wo sich Metze in 6:55,51 einen sicheren Sieg vordem Franzosen Mauclair und Frantz holte.
Ergebnis.
1. Mehe 6:55,51; 2. Mauclair; 3. Frantz; 4. Piccin; 5. Buse; 6. Siegel; Z. Moineau; 8. bis 25: alle übrigen Fahrer.
Gesamtergebnis.
1. Mehe 13825,06 (186 Punkte); 2. Thierbach 138.26,22 (121); 3. Franh 138:29,21 (160); 4. Mauclair 138:30,59 (147); 5. Magne 138:30,59 (134); 6. Geyer 138:31,45 (119); 7. Stöpel 138:32,05 (167); 8. Buse 138:36,46; 9. Bulla (Wien) 138:45,37; 10. van Bruaine 138:50,14.
Länderklassement: 1. Deutschland 415.23,13; 2. Frankreich 415:54,28; 3 Gemischte Mannschaft 416:06,12; 4. Belgien 416:38,26; 5. Schweiz 416:59,57; 6. Italien 421:41,32.
Pelher in Wien geschlagen.
Im Rahmen des Leichtathletik-Klubkampfes zwi- schen dem Grazer AC., Wiener AC. und Wiener
„Ich liebe ihn auch als Bruder!"
„Dann ist es ja gut, Darling." Ein befreites Aufatmen Hetterfields klang durch das Zimmer. „Als du mir damals schriebst, ob du ihn bringen dürstest, las ich alles schon zwischen den Zeilen. Ich habe ja gesagt, weil ich sehen wollte, welcher Art er ist, ein Lippstädt oder der Sohn meiner Tochter. Aber er ist keines von beiden, er ist: Ich selbst!" Die Lade seines Schreibtisches öffnend, legte er ein Photo vor sich hin. „Ich galt seinerzeit als der schönste Mann auf Java. Hnd als ich nun Viktor sah, ganz so als mein Doppelgänger von dazumal, mußte ich mich mit aller Gewalt beherrschen, ihn nicht in die Arme zu reihen und zu sagen, du bist meine Art. Aber da warst du, und ich hatte auch ein wenig Angst, wie er es aufnehmen würde. Seine Aeuherung, ich hätte mich nie mehr um den Sohn der einzigen Tochter gekümmert, hat mich unsicher gemacht. Ich wollte ihn für einige Zeit fort haben, bis ich mit dir gesprochen habe, und nun haben wir ihn vielleicht für immer verloren."
In Alice war nichts als unendliches Erbarmen. Sie küßte ihm die Wimpern trocken und preßte sich fest an ihn. „Wir suchen ihn, Vater, wir selber suchen ihn! Wenn man liebt, findet man auch!"
„Ja. Hnd wenn wir ihn gefunden haben...?" Zwei fahle Gesichter sahen sich in stummem Schrecken an.
Hedwig Bloem befand sich in einer Hervenkrise, die täglich schlimmere Folgen annahm. Evelin ging mit blassem Gesicht stumm neben ihr her, und an Lutz Setterholms Schläfen zeigten sich die ersten weihen Striche. Aber die Mutter hatte weder für das eine noch das andere ein Auge. Ihre Sorge und Angst galt feit Tagen ihrem Jüngsten, von dem keinerlei Hachricht mehr eintraf. Die letzte kurze Mitteilung war aus Pandang gekommen. Thom hatte geschrieben, dah Sumatra herrlich fei, man gedenke deshalb länger zu bleiben, außerdem fei dies auch wegen Thomson nötig, der an Fieber leide.
Zeitungen und Telegramme hatten dann von dem furchtbaren Ausbruch des Ophier berichtet. Tausende von Eingeborenen und Fremden hatten dabei den Tod gefunden. Das Schlimmste aber war, dah alle Verbindung mit der Insel abgeschnitten war, da infolge des Seebebens auch die Kabel zerstört worden waren.
Lutz fand keinen Schlaf mehr, und Evelin erstarrte, als er seiner Sorge Ausdruck verlieh, Thom tonnte bei den Verunglückten sein. Es erregte Mitleid, toerm die Mutter bei jedem Eintreffen der Post in den Briefen und Zeitungen wühlte und sie mit zitternden Fingern wieder zur Seite legte, da ihre Hoffnung sich nicht erfüllt batte. Sähst Evelin vermochte sich nicht mehr $u beherrschen. Sie geriet in Angst, wenn nur ein ,
Telegraphenbote über den Kies gegangen kam. Einmal muhte doch eine Hachricht kommen. Aber welche? Ei« fühlte, wie ihr Herz vor Bangnis stehen blieb. Wenn es nur erst überstanden wäre, dachte sie, auch das noch überstanden! Sie war erst achtzehn Jahre alt und so lebensmüde wie eine Greisin.
Hlla kam und sprach Trost und Mut zu. Aber die Tage vergingen, und keiner brachte Hachricht. Lutz tat das Menschenmögliche. Er schrieb an sämtliche ihm bekannte Handelshäuser und ersuchte um Auskunft. Der Vertreter auf Java hatte auf seine Kabelbitte hin sofort persönlich Hachfor- schungen auf Sumatra angestellt. Sie waren erfolglos geblieben. Man war fieberhaft damit beschäftigt, die verschütteten Gebiete frei^ulegen, aber das brauchte feine Zeit. Immer wieder kam sporadisch diesewder jene Mitteilung, dah manDer- mihte gefunden hatte.
■lieber Thoms Verbleib jedoch kam nichts.
Hedwid sah des Hachts in den Kissen und hielt die Finger gegen die Schläfen gepreht. Sie kam dann gegen Morgen zu einer Stunde bleiernen Schlafes, aber sie taumelte bei dem ersten Geräusch schon wieder hoch. Vielleicht war Hachricht eingetroffen.
Hachgerad« wurde sie sogar mißtrauisch forsch'.e in den Gesichtern und trug Verdacht gegen Lutz und Evelin, dah sie ihr etwas verschwiegen.
„Es ist nicht mehr zu ertragen", sagte Lutz eines Tages zu der Schwester. „Wir gehen alle zugrunde dabei. Jede Gewißheit ist besser als dieses zermürbende Warten."
„Was willst du tun?“ fragte sie verängstigt.
„Selbst hinüberfahren!"
„Hm Gott, nein! Hur das nicht! Du mußt bei uns bleiben, Lutz. Ich getraue mich mit der Mama nicht allein zu fein. Sie muh in eine Anstalt gebracht werden, wenn es so weitergeht."
Er sagte nichts mehr.
Aber Evelin hatte sich zu einem Entschluß auf- gerafft, den sie nun nicht länger mehr hinaus- schieben wollte. War auch jede Drücke zwischen ihr und Viktor zerbrochen, sie wußte, dah er trotzdem zu jedem Dienste für sie bereit sein würde. Hnd er war drüben auf Java und konnte nach Thom forschen. Sie brauchte nur seinen Vater Lu bitten, dah er sich an ihn wende, ihr behilflich zu fein, um etwas über den Druder zu erfahren, mochte die Wahrheit noch so fürchterlich lauten.
Ohne Lutz etwas zu sagen, fuhr sie nach Langenbach. Sie steuerte den Wagen selbst, um das Ganz« geheim zu halten. Lex öffnete ihr mit einem Gesicht, dessen Ausdruck sie in neuen Schrecken stürzte. Hatte das Schicksal nochmals zu einem Schlage ausgeholt? Hnd zu welchem?
(Fortsetzung folgt.)


