Ausgabe 
26.2.1931
 
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Der Bann der das Lachen verlernt hat.

Vornan von Gert Höchberg.

Copyright by Martin Feuchtwan gor. Halle (©aale) 17 Fortsetzung. Nachdruck verboten

So wurden nun die Rcisevorbereitungen ge­troffen. Lind die beiden Damen freuten sich sehr auf diese Crhwlung. Dor allem war Annemarie selig, dah die Mama endlich einmal etwas für ihre Gesundheit tun konnte. Sie schrieb von sich aus noch einen sehr lieben, dankbaren Dries an Miß Dehrends.

Es waren noch zwei Tage bis zur Abreise. Frau von Wendsbrück fühlte sich gar nicht wohl, was sie jedoch ängstlich vor der Tochter verbarg. Sie schlief seit Tagen fast überhaupt nicht. Dos Herz schmerzte. Manchmal versank alles um sie: sie befand sich auf einer unend­lichen grünen Weide: der Doden war weich, wich unter chr. Lind einige Male war sie in solch einem Zustande schon umgefallen, aber Anne­marie war immer gerade nicht daheim gewesen. Sie kam schnell wieder zu sich, aber sie wußte doch, das; ihr wahrscheinlich auch Bad-Rauheim nicht mehr helfen konnte.

Eines Morgens, die Sonne schien so warm und hell ins Zimmer, die Rosen auf dem Fensterbrett hinter ihrem grünen Gitter dufteten, der Ka­narienvogel sang aus voller Kehle, da deckte Annemarie den Frühstückstisch im Erker. Die Blattpflanzen waren schon frisch gewaschen, und die Blätter glänzten wie geölt, die Azalie blühte rosenrot, eine Blüte reihte sich an die andere. Lind die Kamelie brachte auch schon schneeig schimmernde Blüten hervor.

Ganz zeittg schon war Annemarie aufgestan- den. Sie wollte der Mutter soviel als möglich helfen, damit sie viel Ruhe hatte. Sie wußte jetzt, daß das arme Mutterl sehr krank war, der Dok­tor hatte es ihr, Annemarie, gesagt.

Das junge Mädchen sah liebevoll über den Disch. Dlütenweiß war das feine Leinentuch, die Tassen blitzten und die goldgelben Kringel in dem kleinen Korbe dufteten verlockend. Der Ho­nig war wie flüssiges Gold, und der schäumende Kakao wartete.

Annemarie ging zur Tür.

Mamerl? Alles fertig, du kannst kommen." 2m Zimmer rührte sich nichts.

Die Mama war aber doch vor einer ganzen Weile schon aufgestanden? Annemarie hatte sie doch am Waschtische hantieren hören?

Mamerl, der Kakao wird kalt. Willst du nicht kommen?"

Keine Antwort.

Da griff es dem jungen Mädchen wie mit einer unbarmherzigen, eiskalten Faust mitten ins Herz hinein.

Mutter, ich I

Auf dem Teppich lag die Mutter, beide Hände auf die linke Brust gepreßt. Lind sie war kalt tot! Müde war der Kopf zur Seite gesunken.

Mamerl, liebes, gutes Mamerl!"

Bitterster, anklagender Jammer waren diese Worte. Doch sie weckten die tapfere Frau nicht auf, die so jung ihr Glück hatte hingeben müssen und nun in den besten Jahren ihre Tochter ver­ließ, weil es ein Höherer so wollte.

Annemarie legte den blonden Kopf an das Gesicht der Mutter. Ganz versteinert in Schmerz blieb sie so und hörte nicht, daß Herr Kellmann nach seinem Frühstück rief. Die Aufwartefrau kam erst in einer Stunde. Frau von Wendsbrück oder Annemarie versorgten früh ihren Mieter immer selbst.

Er rief noch einige Male, dann kam er besorgt herein: denn er wußte doch, dah beide Damen daheim waren.

Lind da sah er. warum ihm niemand sein Früh­stück brachte.

Er hob das Mädchen auf.

Gnädiges Fräulein, Sie können doch hier nicht liegenblciben. Lind auch das Mutterl nicht. Kommen Sie doch."

Ohne jeden Widerstand lieh Annemarie sich von ihm ins Wohnzimmer führen. Dann kehrte er zurück und hob die Tote auf, legte sie auf ihr Bett.

Arme, kleine Frau", dachte er, und auch ihm standen die Augen voll Tränen.

Die nächsten Tage waren für Annemarie wie ein schwerer Traum, aus dein sie doch endlich erwachen muhte. Denn es konnte doch nicht wahr sein, daß die Mama tot war. daß sie draußen auf dem Friedhof in der kühlen Erde lag. Sie hatten doch zusammen die herrliche Reise antreten wollen. Wie konnte denn binnen weniger Tage dies alles anders geworden sein?

Aber der Traum blieb. Blieb, bis das blasse, blonde Mädchen wußte, daß es ja doch kein Traum, sondern daß es grausame Wirklichkeit war. dah sie nun allein und verlassen dastcmd, daß die Mutter sie nie mehr streicheln und lieb­kosen würde.

Die Sonne schien in das kleine Heim, die Blu­men blühten immer herrlicher auf dem Fenster­brett und im Erker.

Annemarie zog die 'Dorhänge zusammen, weil sie so viel Sonne nicht mehr ertrug. Sie schaffte alle Blumen auf das Grab der Mutter und sah stundenlang dovt drauhen.

Die Rachbarin, eine freundliche Frau, nahm sich ihrer an. Sie zwang ihr immer ab und zu einige gute Dissen auf, die dem Mädchen im

Munde quollen, die sie aber doch ah, um die freundliche Frau nicht zu kränken.

Lind dann löste sie den Haushalt auf. Es war ihr. als müßte auch ihr nun noch das Herz brechen, als die Möbel, an denen sie immer ge­hangen, hsiiuntergeschafft wurden. Lind dann stan­den nur noch zwei große Koffer sorgfältig ge­packt da.

Bas war das letzte, was übrigblieb von dem sonnigen Heim in der engen Straße im alten schönen Wien. Das hatte der lustige Wendel von Wendsbrück sicher nie geahnt, daß sein Kind einmal so verlassen in die Welt hinausgehen müßte.

Aber er Wichte es nicht. Er schlief in Ga­lizien neben vielen Kameraden den letzten, fried­lichen Schlaf, und seine Frau ruhte unweit des alten Stephansturms in seinem geliebten Wien.

Der Eisenbahnkönig Charles Kent stand in seinem Zimmer, während der Diener mit Zy­linder und Handschuhen wartend unweit der Tür stand.

- Der gewaltige Mann, vor dem man an der Börse "zitterte, der mit einem einzigen Federstrich über Wohl und Wehe von Tausenden von Men­schen verfügte, starrte finster zu Boden.

Warum lieh er sich eigentlich immer wieder von seinem Arbeitstisch wegholen? Trotzdem ihm diese hohlen Vergnügungen nichts gaben?

Ellinor Shetland, die schöne, reiche Witwe Dill Shetlands, seines Freundes, der vor zwei .Jahren einer heimtückischen Krankheit erlag!

Ellinor Shetland ließ es sich deutlich genug und vor allen Menschen merken, wen sie sich zu ihrem zweiten Gatten wünschte. Der Eisenbahn­könig zuckte unmutig mit den Schultern.

Sie würde eine bittere Enttäuschung erleben, die schöne rotblonde Ellinor, denn für Charles Kent gab es keine Frauen! Sie waren für ihn nur so lange vorhanden, solange sie anderen gehörten und ihn selbst in Ruhe liehen. Spürte Kent auch nur die geringste Bemühung, chn ka­pern zu wollen, wurde er noch finsterer, noch verschlossener, als er ohnehin schon immer war.

Ihm genügte seine Arbeit, sein Lebenswerk: weiter brauchte er nichts. Dabei verfolgte er mit scharfem Auge die politischen Vorgänge in der Welt, und er war derjenige, der ein ge­waltiges Wort gesprochen, als man Deutschland die große Anleihe gewährte. In seinen riesigen Llnternehmungen war keine einzige Frau be­schäftigt. In dem Wolkenkratzer, der von unten bis unter das Dach hinauf mit Personal an- gefüllt war. das die schriftlichen Arbeiten ver­richtete, fehlten sogar die flinken Maschinen- schveiberinnen, die man doch sonst in jedem der großen Geschäftshäuser antraf. Diese Arbeiten

wurden auch hier von jungen Männern ver­richtet.

Es kam vor, dcch man in Freundeskreisen Charles Kent ob dieser Marotte auf zog. Dann lächelte er nicht einmal spöttisch-überlegen, son­dern er fragte nur:

Sie meinen, es geht ohne Frauen nicht? Oho! Sehr gut sogar. Aber was sagen Sie zu dem Bankkrach in Baltimore? Blödsinn war das natürlich. Jefferson hätte ehrlicher sein sollen, dann wäre ihm noch zu helfen gewesen. Auf was hat er sich eigentlich gestützt? Versteh' ich nicht. Sie vielleicht, meine Herren?"

Das Gespräch wurde also willkürlich von Kent dorthin gelentt, wo er es hin haben wollte. Lind keiner der Herren wagte es, noch einmal an diesem Abend von dem anzufangen, was Kent ignoriert hatte, wenn natürlich auch dann und wann wieder einmal bei einer Zusammen­kunft einer versuchte, den Eisenbahnkönig ein bißchen zu necken.

Jetzt war er zu der Abendgesellschaft bei Ellinor Shetland eingeladen.

Er würde gehen!

Kent ging überhaupt immer; sonderte sich nicht von den Menschen ab. Aber er stand dann nur umher, tanzte nicht, war kein glänzender Ge­sellschafter und lachte nicht ein Mal.

Trotzdem war er überall, bei jeder Veranstal­tung, die Hauptperson.

Lind er war nicht verheiratet!

Welch ein Rimbus umgab ihn schon dadurch!

Man liebte ihn!

Alle Damen liebten ihn!

Sie stritten das auch gar nicht einmal ab.

Kent nahm keine Rotiz davon.

Blieb immer Kavalier, kränkte keine der Da­men dadurch, dah er eine andere irgendwie vorzog. Er ging von jedem Fest zu einer ganz bestimmten Zeit nach Hause. Er überreichte jeder Dame des Hauses den gewohnten Sttauß weißer Chrysanthemen, die sein Kammerdiener mit un­durchdringlichem Gesicht immer wieder aufs neue besorgte, und er lachte nicht zu dem reizenden Geplauder Miß Kate Irvings, dem Liebling der oberen Fünfzig.

Tom, es kann heute etwas später werden als sonst. Warte nicht auf mich", sagte Charles Kent jetzt zu seinem Kammerdiener.

Sehr wohl, Mister Kent."

Die hohe Gestalt des Eisenbahnkönigs war straff aufgerichtet, das dunkle Haar schlicht zurückgekämmt, die grauen, großen Augen blick­ten gleichgültig. Sie erhielten meist erst dann Leben, wenn an der Börse ein Feind zu besiegen war. Dann blitzten sie drohend auf, glänzten be­friedigt, wenn ein großer Coup gelungen war.

(Fortfetzung folgt.)

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