Ausgabe 
25.11.1931
 
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Kimderljahrkeier des Gießener ForßinsliM

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Sprechstunden der Redaktion

11.30 bis 12.30 ILjr, 16 bis 17 Uhr. Samstag

unser heimischer Wald einen der wenigen Sachwerte nachmittag geschlossen.

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Wie seither treten wir aus innerer Ueberzeugung ein für die Erhaltung eines Instituts. das wir als einen notwendigen Faktor unse­res Wirtschaftslebens betrachten. Ist auch die Waldwirtschaft heute nicht mehr Rückgrat der Staatsfinanzen, so stellt doch der deutsche und auch

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** Amerikanisches Stipendium. Die Pressestelle der Landesuniversität Gießen teilt mit: Fräulein Dr. Margarete Bieber, die In­haberin der etatsmäßigen Professur für Arcl)äologie an der Hessischen Landesuniversität Gießen, hat von der American Association ok University Women eine Fellowship erhalten, d. h. ein Stipendium, das es ihr ermöglicht, ein Jahr lang Studien im Aus­land zu treiben. Es ist das erste Mal, daß diese Fellowship einer deutschen Gelehrten verliehen wor­den ist. Fräulein Bieber hat die Fellowship erhal­ten für ihre Arbeiten über griechische Kleidung. Hur Fortsetzung ihrer Studien darüber hat sie bereits in den Sommerferien dieses Jahres das British Mu- seum in Landen durchgearbeitet und wird sich zu Beginn des Jahres 1932 auf vier Monate nach Rom, Neapel und Florenz begeben.

** Probevorlesung in der Landes« Universität. Dr. phil. Hermann Heuer, der sich für das Fach der Englischen Philologie zu

9 Tage lang offengehalten werden soll, wird täg­lich Kochunterricht erteilt, eine Kaffeestube wird eingerichtet, für die Kinder ist Kasperle-Theater vor­gesehen und eine Verlosung wird ebenfalls statt« finden. Näheres ist aus der heutigen Anzeige er­sichtlich.

** Einbruch in eine Zigarrenfabrik. Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zu gestern wurde in der Marburger Straße in eine Zigarren­fabrik eingebrochen und aus dem Arbeitsraum von den Tischen etwa 2500 frisch angefertigte unver­packte Zigarren entwendet.

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Gestern mittag sand in der Aula der Uni- versität anläßlich der Hundertjahrfeier der Eingliederung des Hess. Forst- instituts in die Landes-Universität Gießen ein Festakt statt, dem auf Einladung des Forstinstituts zahlreiche Ehrengäste, die Do­zentenschaft und Abordnungen der studentischen Korporationen beiwohnten. Als Vertreter der Staatsregierung waren Staatspräsident Dr. Adelung, Finanzminister Kirnberger und der Chef der staatlichen Forstverwaltung, Land­forstmeister Staatsrat Hesse, zugegen.

Aach einer musikalischen Darbietung durch Universitäts-Musikdirektor Dr. Temesvary sprach zunächst

Se. Magnifizenz

der Rek.or Prof. Dr. Vanselow.

Er erklärte einleitend u. a.: Es ist in diesem Jahre ein Jahrhundert verflossen, seit dem da­mals schon blühenden und reiche Früchte tragen­den Daum unserer Alma mater ein neues Aeis entsprungen ist. Im Jahre 1831 wurde an der Hessischen Landes-Universität das Forstinstitut gegründet und damit der jungen, soeben auf« keimenden Forstwissenschaft eine Lehr- und For­schungsstätte geschaffen. Während in anderen Län­dern bis weit in das 19. Jahrhundert, ja in Preußen bis zur Gegenwart herein, die Forst­wissenschaft auf Fachschulen gelehrt wurde und wird, tat

Hessen als erstes Land nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt den wichtigen und für die Zukunft so bedeutungsvollen Schritt, die Forstwissenschaft der Universitas literarum ein- zugliedern.

Das junge Reis ist in der Umwelt der anderen, es nach allen Richtungen befruchtenden Wissen­schaften lebenskräftig herangewachsen und zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unserer Universität geworden. Die Univer­sität Gießen kann sich somit rühmen, das älteste, nunmehr 100 Jahre beste­hende Forstinstitutzubesitzen, und da es sich gradlinig, stetig und unbeirrt im Rahmen der altehrwürdigen, 325 Jahre bestehenden Uni­versität entwickelt hat, das mit der vornehmsten Tradition ausgestattete Forstinstitut der Welt. Das allein würde es durchaus begründen, die 100-Jahrfeier dieses Instituts durch einen Fest­akt zu begehen. Besonderen Anlaß dazu gibt aber der Umstand, daß im letzten Jahrzehnt das Gießener Institut nicht geringe Anfechtungen auf seinen Bestand zu bestehen hatte, die aber, wie zu hoffen steht, nunmehr glücklich abgeschlagen sind. Das nach hartem Kampf Errungene freut aber doppelt.

Der Redner begrüßte sodann als Rektor der Landes-Universität und zugleich als derzeitiger geschäftsführender Direktor des Forstinstituts die außerordentliche Festversammlung, darunter u. a. den Staatspräsidenten Dr. Adelung, den Fi­nanzminister Kirnberger, den Chef der Hessi­schen Forstverwaltung, Landesforstmeister Hesse, Oberbürgermeister Dr. Keller, Gießen, Geheim­rat Prof. Dr. Dr. e. h. Endres, München; Prof. Dr. S ch ä d e l i n, Zürich. Oberforstmstr. Heyer als Vertreter des Hessischen Forstvereins, Forst­meister Rausch als Vertreter des Hessischen Obersörsterverbandes, den Vertreter des Hessi­schen Waldbesiherve^bandes, die zahlreichen hessi­schen Forstleute, die Kommilitonen usw. Hierauf gab er einen eingehenden Ueberblick über die Geschichte des Forstinstituts, wobei er auch die großen Verdienste geziemend hervorhob, die sich hervorragende Männer der Forstwissenschaft wie Hundeshagen, v. Klippstein. Karl Heyer, Zimmer, Gustav Heyer, Richard Heß. Karl Wimmenauer, Wilhelm Borgmann durch ihr Wirken zum Segen der deutschen Forstwissenschaft und des Gießener Forstinstituts erworben haben.

Oer Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Or. Schmidt

brachte als erster Gratulant dem Forstinstitut die herzlichen Glückwünsche der Philosophischen Fakul­tät dar. In seiner Rede feierte er die enge Ver­bundenheit zwischen der Philosophischen Fakultät und dem Forstinstitut und sagte dabei u. a.: Es ist als besonderer Vorzug der Gießener Ver­hältnisse zu werten, daß die Studierenden der Forstwissenschaft durch ihre Einfügung in die Philosoph sche Fakultät nicht nur gründliche Aus­bildung in den allgemeinen Naturwissenschaften erfahren, ohne die alles angewandte Wissen Stückwerk bleiben muß, sondern auch jene grund­legende Schulung im wissenschaftlichen Denken er­halten, die, einmal gewonnen, sich auch gegen­über den verwickeltsten Zusammenhängen bewährt. Um es mit wenig Worten zu fagen:

Durch die Eingliederung der Forstwissenschaft in die Philosophische Fakultät blieb sie vor den Gefahren bewahrt, denen eine Fachschule stets mehr oder minder ausgesetzt ist.

Wenn so die Forstwissenschaft in hundert­jähriger Zugehörigkeit zur Philosophischen Fakul­tät manches von dieser empfing, so hat sie ihrer­

seits in ungewöhnlichem Maße dazu beigetragen, das Ansehen der Fakultät weit über Deutschlands Grenzen hinaus zur Geltung zu bringen. Die vielen trefflichen Lehrer und Forscher, welche in dem verflossenen Jahrhundert hier wirkten, auf die das Forst» inftitut mit Stolz zurückblicken kann, haben nicht nur wesentliche Steine zum Fundament ihrer Wissenschaft gelegt, sondern auch durch die Aus­bildung vorzüglicher Schüler Deutschland und dem Auslande eine Fülle trefflicher Forstleute ge­geben. Ueberall auf der Erde, wo der Wald ge­pflegt wird, kennt man Ramen und Leistungen des Gießener Forstinstituts.

Drei Ehrendoktoren.

Weiter gab der Redner bekannt: Die Philoso­phische Fakultät hat die Jahrhundertfeier des Forstinstitutes zum Anlaß genommen, drei um die Forstwissenschaft hochverdienten Männern die höchste der Ehren zu geben, die sie verleihen kann, die Wurde eines Doktor honoris causa, und zwar an Herrn Landforstmeister Hessein Darmstadt, Herrn Geheimrat Endres in München und Herrn Professor S ch ä d e l i n in Zürich. Anschließend verlas der Dekan die ent­sprechenden Urkunden, bei deren Aushändigung an die Ehrendoktoren er die Glückwünsche der Fa­kultät zum Ausdruck brachte.

Staatspräsident Or. Adelung

sagte in seiner Ansprache u. a.: Dereinst errichtet, um den hessischen Forstleuten gediegene wissen­schaftliche Unterlagen für ihre spätere praktische Arbeit im engeren Raum der kleineren Heimat zu verschaffen, hat das Hess. Universitäts-Forstinsti­tut von Anbeginn an von überall her aus deut­schen Landen Schüler bei sich gesehen, sie unter Gelehrten und Charakteren wie Hundeshagen, Heyer, Heß und dem unmittelbar vor Erreichung seines Zieles jäh dahingeschiedenen Borgmann ausgebildet und so

manchen hinausgesandl in die Waldgebiele des Balkans, Nordamerikas und andere fernen Länder, zu deren Nutzen und zur Ehre deutscher wissenschaftticher und praktischer Arbeit.

Dessen gedenkt auch die Hessische Regierung heute mit Stolz und Dankbarkeit, und wie sie die Säfte der Universität an diesem Ehrentage mitbegrüßt, spricht sie ihrer Ludoviciana, an ihrer Spitze S. Magnifizenz dem Rektor und derzeitigen Direktor des Forstinstitutes selbst ihre wärmsten Glückwünsche aus.

Die Rot der Gegenwart lastet schwer auf uns und zwingt zu Einengungen und Einschränkungen int privaten Leben und in den Haushalten des Reiches, Staates und der Gemeinden. Auch die kulturellen Einrichtungen bleiben davon nicht un­berührt. Aber stets ging und ich glaube bis­her mit Erfolg das heiße Bemühen der Hessi­schen Regierung dahin, bei den schärfsten Ein­sparungen doch

die Substanz unseres hohen Kulturgutes nicht zu gefährden und so die Möglichkeit zu behalten, die kulturellen Einrichtungen nach überstandener Notzeit wieder auf den alten Stand und wenn möglich noch zu größerer Entfaltung zu bringen.

So gelten diese meine Worte dem Rückblick auf eine ehrenvolle Vergangenheit, der Befriedigung über das, was noch im letzten Jahrzehnt an Auf­bau geleistet werden konnte, und dem hoffnungs­freudigen Ausblick auf eine glückliche Zukunft!

Landesforstmeistep

Staatsrat Or. h. c. Hesse

überbrachte die Glückwünsche der Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung des Finanzministe­riums. In seiner Rede erklärte er u. a.:

Zwischen dem F o r st i n st i t u t und der Staatsfor st Verwaltung hat eine hundert­jährige Tradition mit tausend Fäden eine enge Verbundenheit geschaffen. So nimmt die Staatsforstverwaltung den heutigen Ehrentag gern zum Anlaß, dem akademischen Forstinstitut Dank und Anerkennung auszusprechcn für alles, was her­vorragende Männer des Fachs von diesem Lehr­stuhl aus zum Besten unseres heimischen Waldes geleistet haben.

Wir danken dem Institut die Ausbildung unserer gesamten Beamtenschaft, und wir dürfen mit Be­friedigung feststellen, daß manch hervorragender Kops von Gießen seinen Ausgang in die grüne Praxis genommen hat.

Denn die hessische Sfaafsforftöerroalfung sich einer angesehenen Stellung unter den deutschen Staafsforftöerroalfungen erfreuen darf, so dankt sie das in erster Linie dem vorzüglich aus­gebildeten forstlichen Nachwuchs, der ihr aus dem akademischen Forstinstitut der Landesuni- versilät zugeflossen ist.

Aus Oer provinzialvauptstadl

Gießen, den 25. Aovember 1931.

Gegen den Strich gebügelt!

Dieser Ausdrück fiel mir dieser Tage in einem Buch von Ludwig Finckh auf.Gegen den Strich gebügelt, das wäre eigentlich das rechte Wort gewesen für unfern Großonkel Theobald, der nun schon etliche Jahre draußen auf dem Friedhof zur letzten Ruhe gebettet ist.

Ja, es war ein merkwürdiger Mann, von der Hälfte unserer Verwandtschaft verabscheut, von einem Teil der Ressen und Richten aber ab» göttisch verehrt. Mein Vater sagte immer von ihm:Er ist ein Original! Man darf ihm nichts ubelnehmen." Er kannte ihn wohl am _ besten, ergriff aber nie Partei gegen oder für ihn. Erst nach dem Tode des Onkels erzählte er uns so kleine Erlebnisse und Begebenheiten, die das Bild vervollständigten.

Onkel Theobald warf zum Beispiel jeden De- sucher, der zu ihm kam, um für eine milde Stif­tung Geld einzusainmeln, unbarmherzig zur Tür hinaus. Mein Vater aber versicherte, daß später bei der Veröffentlichung der Liste stets ein nam­hafter Betrag unter X. oder N. N. verzeichnet stand, daß dieser Betrag meistens von dem Onkel, der ein großes Vermögen besaß, gestiftet worden war. Aber wehe dem, der an so etwas rührte! Er handelte in dieser Hinsicht nach dem Bibel­wort: Laß deine ßinte nicht wissen, was deine Rechte tut!

Sehr sonderbar war auch, daß der Onkel nie runde Summen zeichnete. Einmal waren es 101,50 Mark, dann wieder 253,63 Mk. Gerade an dieser Schrullenhaftigkeit erkannte mein Vater mit Sicherheit, wer der X. oder der N. N. war. Be­kam Onkel Theobald eine Rechnung, so bezahlte er sie, obgleich er dazu in der Lage war, nie auf einmal. Kostete ein Anzug 80 Mk. (Vor­kriegszeit!), so gab er sofort 75,20 Mk., oder einen ähnlichen Betrag, den Rest ließ er einige Wochen, oft nur einige Tage stehen. Dann bezahlte er ihn auch. Selbstverständlich hätte er gleich alles erledi­gen können, aber die Freude am Rechnen verleitete ihn wohl zu den Zahlenkunststückchen. Seinem Schneider war das wohlbekannt, aber einem so sicheren Kunden wurde nichts übelgenommen. Daß er nebenbei immer etwas abhandeln wollte, ist ge­wiß keine besondere Art von ihm gewesen, das haben andere Leute auch so an sich. Aber in der Vorkriegszeit galt es doch bei einem so reichen Manne als absonderlich.--

Uns Jungen machte er manchen Spaß, zeigte seine Sammlungen, erzählte auch gelegentlich etwas in seiner derben, scharfen Art aus feinem Leben, aber das tat er nur ganz selten. Meistens ging er brum­mend umher und schimpfte auf die bestehenden Zu­stände.

Wie oft begegnet man solchen Menschen, diege- ?en den Strich gebügelt" sind. Sie stehen da wie norrige Bäume, die ihre Kronen trotzig und selbst­bewußt tragen. Sie weisen die Hilfe ihrer Mitmen­schen stets ab, wollen keinen Rat und wissen ganz genau, welchen Weg sie zu gehen haben. Daß dieser Wegt oft neben der Hauptstraße herläuft, weiß man. Solche Käuze nennt man Eigenbrödler, Außen­seiter.

Aber was wäre das Leben ohne sie? Daß sie nach außen eine rauhe Schale zeigen, ist fast allen Originalen eigen. Mit ihren Ausdrücken, mit ihrer Art, sich zu geben, stoßen sie meistens die Leute ab. Man braucht schon eine gewisse Zeit, um sie zu studieren. Aber in den meisten Fällen entdeckt man hinter der rauhen Schale ein goldenes Herz. Man muß eben verstehen, solche Außenseiterzu neh­men". Das ist oft eine schwere Kunst.

Aber sie sind eigentlich so ein bißchen Sauerteig in unferm Leben. Ihre Heldentaten verhelfen dazu, daß man manchmal nicht weiß: Ist das nun Scherz oder Ernst? Ist er verrückt geworden, oder stellt er sich nur so?

Gar nicht merkwürdig ist, daß solche Eigenbrödler meistens allein in der Welt stehen. Entweder haben sie schon zu viel vom Leben erfahren, oder sie haben einen großen Verlust gehabt. Statt nun Hilfe bei ihren Mitmenschen zu suchen, verkriechen sie sich ganz in ihr eigenes Dasein und werden nach und nach weltfremd. Man sollte nicht so schnell mit den Worten:Launisch" undeigensinnig" bei der Hand sein, es wäre besser, wenn man ein wenig nach­dächte und manchmal so handelte, wie sie. Etwas kann man jedenfalls fast von allen Sonderlingen lernen: Das Schweigen! W.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Der Kongreß tanzt".

Werbeabende im Cafe Leib. Am Donnerstag, 25. November, und am Freitag, 27. November, jeweils um 16 und 20 ilfjr, finden im Caf6 Leib Werbeveranstoltungen statt, die von dem Union-Briketts vertreibenden Handel durchgeführt werden. Näheres ist aus der heu­tigen Anzeige ersichtlich.

unseres deutschen Volkes dar, den wir aus Krieg und Inflation in eine bessere Zeit unseres deutschen Va­terlandes hinüberretten müssen. Der Materialismus unserer Zeit will den Wald heute ja nur als Wirt­schaftsobjekt betrachten, trotzdem seine Wohlfahrts­wirkungen im weitesten Sinne als ein köstlicher Schatz unseres Volkes längst erkannt sind. Aber ae­robe wenn der deutsche Wald für die nächsten Jahr­zehnte nur Wirtschastsobjekt sein kann, muß For­schung und Lehre für diesen Wirt­schaftszweig unverkümmert erhalten werden.

Oberbürgermeister Or. Keller-Gießen betonte in feiner Ansprache die Verbundenheit der Stadt Gießen mit der Universität und mit dem Forstinstitut, die u. a. zum Ausdruck gebracht wurde durch die Ueberführung des früheren Garnisonlaza­retts in der Braugasse aus städtischem Besitz in das Eigentum des Staates für die Zwecke der Univer­sität, insbesondere des Forstinstituts. Er erinnerte weiter an die jahrzehntealten Beziehungen zwischen der Stadt und dem Forstinstitut durch die hervor­ragende Mitarbeit der Professoren der Forstwissen­schaft Zimmer, Wimmenauer und Borg- mann bei der Betreuung des Stadtwaldes, die der Stadt zu großem Nutzen gereichte und für die den Gelehrten, wie auch dem Forstinftitut herzlicher Dank gebühre. Namens der Stadt brachte der Ober­bürgermeister dem Institut herzliche Glückwünsche für eine erfolgreiche Weiterentwicklung dar.

Oie weiteren Glückwunschansprachen.

Anschließend brachten noch in Ansprachen Glück­wünsche dar: Dberforftmeifter Heyerals Präsident des Hessischen Forstvereins, zugleich auch für den Deutschen Fvrstverein; Forstmeister Rausch als Vorsitzender des Hessischen Obersörsterverbandes; Frhr. Riedesel zu Eisenbach auf der Alten« bürg als Vertreter des Vorsitzenden des Hessischen Waldbesitzerverbandes, und schließlich noch cand. jur. Jung (Gießen) als Vertreter der Gießener Stu­dentenschaft.

Oer Zesivorirag.

Hierauf hielt Universitätsprofessor Geheimer Rat Dr. Dr. e. h. Endres (München) den Festoortrag über das Thema:Die For st wirtschaft von heute und ihre Zukunft."

In dem Vortrage war für die breite All­gemeinheit besonders der wirtschaftspolitische Teil von starkem Interesse. Hier sagte der Red­ner u. a.:

Die Forstwirtschaft steht heute vor der Tat­sache, daß die H o l z p r e i s e für die meisten Sorten unter dem Vorkriegs st and ste­hen, die Ausgaben samt Steuern dagegen weit über demselben. Diele Forstbetriebe, darunter auch die Staatswaldbetriebe in Preußen und Bayern, schließen in diesem Jahre mit einem Defizit ab.

Noch niemals hat die Forstwirtschaft eine solche Katastrophe durchgemacht.

Die hauptsächliche Ursache ist auf den Ver­fall der Holzpreise in den o st euro­päischen Holzüberschuhstaaten zurück­zuführen. An die Stelle des zaristischen Ruß­lands und österreichisch-ungarischen Monarchie sind acht neue Staaten getreten, die in gegenseitiger Konkurrenz ihr überflüssiges Holz um jeden Preis in die westeuropäischen Holzeinsuhrländer wer­fen. Die unter dem Goldstandard stehenden Wäh­rungssysteme gestatten diesen Staaten, das Preisniveau und die Löhne niederzuhalten, weil die Kaufkraft der Währungseinheiten in der Dinnenwirtschast größer ist, als es dem Gold­wert entspricht. Seitdem Sowjetrußland sich den we st europäischen Holzmarkt wieder erobert hat, ist dieser vor Heber* raschungen hinsichtlich der russischen Preispolitik nicht sicher. Darin liegt die sogenannte russische Gefahr.

Die Notlage der Forstwirtschaft hätte nicht die jetzige Schärfe erreicht, wenn die Reichsleitung die Forstwirtschaft nicht seit Jahren als natio­nales Aschenbrödel behandelt hätte.

Diesen Vorwurf, der zugleich eine Flucht in die Oefsentlichkeit bedeutet, kann diese verantwortliche Stelle nicht mehr von sich ab­schütteln. Obwohl durch Dutzende von Anträgen und Vorstellungen seitens der Länderregierungen und der forstlichen Organisationen gewarnt, hat die Reichsregierung bei allen Handelsvertrags­verhandlungen der letzten Jahre, so mit Ruß­land, Schweden und Oesterreich, verständnislos die Interessen der Forstwirtschaft preisgegeben. Die durch ihre Schuld festgefahrene Situation wird jetzt als Entschuldigung dafür ins Feld geführt, daß ein Schuh der deutschen Forst­wirtschaft gegen das Dumping des Auslandes zur Zeit nicht möglich sein soll. Schwer geschädigt wurde die Forstwirtschaft auch durch die hohen Eisenbahntarife und das (Staffel* tarifshstem.

Wäre die Ursache der jetzigen Notlage der Forstwirtschaft auf ihre Isolierung in der Struk­tur der Volkswirtschaft und Weltwirtschaft zurück­zuführen, dann könnte man sich fragen, ob sich für die Zukunft die forstliche Arbeit noch lohnt. Da jedoch die forstwirtschaftliche Krise nur ein Ausschnitt der Weltwirt­schaftskrise ist, können wir

für die Zukunft auf die Kraft vertrauen, die der Wald in sich selbst trägt.

Schon seine immateriellen und ethischen Werte retten ihn vor dem Untergang. Auch der deutsche Wald wird sich mit unserem Vaterland wieder in lichte Höhen erheben.

Der Vortrag wurde mit langanhaltendem, leb­haftem Beifall aufgenommen. Mit einer musi­kalischen Darbietung fand die Feier ihren Ab­schluß.

habilitieren wünscht, wird Samstag, 28. November, 11 Uhr c. t. in der Kleinen Aula des Vvrlesunas- gebäubes, Ludwigstraße 23, über das Thema:Die literarische Bedeutung Robert Brownings" eine Probevorlesung halten.

** Hauswirtschaftliche Weihnachts« Ausste 11ung. Die Hausfrauenberatung Gießen eröffnet am Samstag, 28. November, 14 Uhr, im Palast-Lichtspielhaus (Einhorn") am Kirchenplatz eineHauswirtschaftliche Weihnachts-Ausstellung", die sich aus Ausstellungen von hiesigen Firmen aller Branchen und einer Sonderschau der Hausfrauen zusammensetzen wird. Im Rahmen der Schau, die

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