Ausgabe 
25.9.1931
 
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Nr. 224 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Freltag,. September 1931

Oberheffen.

Hochzeit im Licher Fürstenhaus.

)( Sich. 24. Sept. Unter freudiger Anteil- nafcme der Bevölkerung fand heute die Ver­mählung der jüngsten Tochter des gür- ften und der Fürstin Reinhard zu SolmS- Ho henfolmS-Lich. der Prinzeffin Tiarie Qtnna, mit dem Burggraf und Graf Christoph zu Dohna-Schlobitten, dem jüngsten Sohn deS verstorbenen Fürsten zu Doh- na-Echlobitten und feiner Gemahlin Marie Ma­thilde. geb. Prinzeffin zu Solms-HohensolmS- Lich, statt. Die Feier wurde wegen der ernsten 3eitDcrbältniffe im engsten Familienkreis gehal­ten. Sin für gestern abend angefehter Fackclzug mit folgendem Ständchen feitenS der Gemeinde und ihrer Dereine unterblieb auf Wunfch des Fürstenhauses auS denselben Gründen. Acute mittag wurde die standesamtliche Trauung durch Bürgermeister Geil vollzogen. 3m Anschluß daran nahm StiftSpfarrer D r a u d t in der fest­lich geschmückten El -Marienstiftskirche die Trau­ung vor. Die kirchliche Feier war von dem Ge­sang der Gemeinde und einem prachtvoll zu Ge­hör gebrachten Chor deS Frauenchor- unter Lei­tung von Frl Jäger stimmungsvoll umrahmt. Vach'der kirchlichen Trauung zog der HochzeitS- zug unter Vorantritt der Brautführer und -füh- rerinnen zu Fuß durch die mit Fahnen reich ge­schmückte Kirchgasse und Unterstadt am Rathaus und Denkmal vorbei nach dem Schloß, in dem die Gäste nach der GratulationScour zur Tafel geladen waren. Unter den Gästen bemerkte man u. a. Fürst und Fürstin zu Dohna-Schlobitten. Fürst und Fürstin zu Benthcim-Steinfurt, die Grasen Hubertus zu Castell-Rüdenhausen und Ludwig-Christian zu Etolberg-Wcmigerode, die Gräfinnen Clementinezu Castell-Rüdenhausen und Helene zu Stolberg-Wernigerode, Prinz Ludwig von Helfen, Prinzessin Viktoria-Cäcilie von Helfen, Prinzeffin Marie-Luise zu Solms-Braun- felS, die Grafen Georg und Wilhelm zu Eolms- Laubach mit Gemahlinnen. DaS junge Paar wird feinen Wohnsitz in Ostpreußen nehmen.

Ein Bädertag Hessen Hessen-Nassau.

Der Rotruf der Heilbäder.

* Bad-Vauheim.24. Sept. (Eigenbericht.) Siner von Wiesbaden auägegangenen Anregung folgend, fand heute hier eine gemeinsame Be­sprechung der Kurintercsicnten, Aerzte, Kauf­leute und Hoteliers der beiden großen Heilbäder statt, inn die beide Bäder gemeinsam berührenden Fragen zu erörtern und zu der katastrophalen Rotlage Stellung zu nehmen.

Vach Besichtigung verschiedener Einrichtungen deS BadeS unter Führung von Kuroirekkor v. Boehm er fand im Kerckhoff-Znstitut die gemeinsame Sitzung statt, in der von Stadtrat D l ü kl l i d) von der Wiesbadener Arbeits­gemeinschaft zur Förderung des Stur- und Frem­denverkehrs ein Referat über® i e dringend­sten Gegenwartsforderungen der Kurorte" erstattet wurde. Der Referent be­gründete eingehend die Wichtigkeit gerade der deutschen Heilbäder für unsere gesamte Volks­wirtschaft, insbesondere für den durch den Besuch von Ausländern erzielten und gar nicht hoch genug einzuschähenden stillen Export. Einstimmige Annahme fand eine von den Bürgern Wies­badens und Dad-Vauheims an die Reichs- regierung gerichtete Entschließung fol­genden Wortlauts:

Die Reichsregierung wird dringend gebeten, die alles erdrosselnden und zerstörenden Steuern, in Sonderheit die Hauszins- st c u e r, bzw. hessische Sonder st euer, mit möglichst sofortiger Wirkung zu senken.

Zum mindesten bitten wir, daß bis zur end­gültigen Lösung die gewerblichen Betriebe und Arbeitsstätten von der HauSzinssteuer befreit werden Wir bitten die Reichsregierung, mit Rücksicht auf die geradezu trostlose Lage der vom Fremdenverkehr lebenden Kur- und Badeorte sofortige Maßnahmen zu treffen, um die vom Kurbetrieb abhängigen Existenzen vor dem völligen Zufammenbruch zu bewahren. Wir bitten deshalb dringend, in irgendeiner Weife Kredithilfe zu verschaffen. Wir bitten die Reichsregierung, in bezug auf Stundung fälliger Steuern um weit­herzigste Auslegung der derzeitigen harten De- ftimmungen. Wir fordern dies, da in den meisten Fällen die Steuern überhaupt nur noch von der Substanz gezahlt werden können. Wir hoffen, daß unser Votrus an die deutsche Reichsregie- tung nicht vergeblich ist. Es gilt der Rettung unserer deutschen Heilbäder "

Als weiteres (Ergebnis der Zusammenkunft ist die Gründung eines heffifch-hesfen-nafsaui- f d) c n Bädertags zu berichten, der zwecks Wah­rung gemeinfamer Interessen sich zu einem mittel­deutschen Bädertag auszubauen gedenkt.

Die Wiesbadener Gäste begaben sich auf der Rück­reise mit Vertretern des hiesigen Verkehrsoereins nach Bad Homburg, um dort Besprechungen wegen Eintritts Homburgs in den neuen Bädertag auszunehmen.

Landkreis Gictzen.

00 Klein-Linden, 24. Sept. Die $ e r ft ei­ne r u n g des Ob ft cs an der Provinzialstraße Klein-LindenDutenhofen wurde gestern vorgenom- men. Es tarnen der Zenter Wirtschastsäpfel auf 1 bis 2 Mart, Tafeläpfel 2 bis 6 Mart. Auf der Straße nach Lützellinden, wo die Versteigerung heute vor- genommen wurde, tarn der Zentner Birnen auf 1 bis 2 Mart. Auf der Straße nach Großen-Linden, wo die Versteigerung anschließend stattfand, tonnte man den Zentner Rheinische Bohnöpfel schon für 80 Pf. bis 1,50 Mart erstehen. Bessere Dualitäten, wie Boskop und Goldparmäne, tarnen auf 2 bis 5 Mart pro Zentner am Daum.

D Großen-Linden, 24. Sept. Der Kreis­verband Gießen der Evangelisch-kirch­lichen Frauen ve reine in Hessen hält am kommenden Sonntag in unserer Gemeinde seine Herb st Versammlung ab. Der Gottesdienst beginnt um 14 Uhr, die Vachversammlung um 15.30 Uhr. Pfarrer Schneider (Vieder-Ram- stadt) wird überFrauenturnen und Votzeit" sprechen.

Kreis Alsfeld.

el. Merlau, 23. Sept. Bei der Sänger- t a g u n g des Ohm-Lahntalsängerbpn- des wurde beschlossen, daß das Dundesfest ver­bunden mit Wertungssingen im nächsten 3ahr in Merlau stattfinden soll. Falls sich die Wirt­schaftslage weiterhin sehr verschlechtern sollte, findet nur ein Wertungssingen statt. Die bei der hiesigen Bachregulierung beschäftigten Arbeiter mußteu infolge Mangels an Geld zur Fortführung der Arbeiten leider alle e n 11 a s - s e n werden.

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

)( Langsdorf, 24. Sept. Das Jahres- f e st des Oberhessischen Vereins für Basel findet am Sonntag und Montag in unserer Gemeinde statt. Als Redner für die Gottesdienste am Sonntagvor- und -nachmittag und für den Ge­meindeabend wurden Pfarrer Mahr, Gießen: Missionare Laut, Maurer und Schmoll gewonnen. 3n der Jahresversammlung am Mon­tagvormittag wird Missionar Maurer über die Frage sprechen:Sind wir dem Ansturm

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Elowronnek.

Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart

41 Fortsetzung. Nachdruck verboten

3n Moltzahn war Zohlenmarkt. Alles, was Pferdezucht trieb im weiten Umkreise, hatte sich in dem kleinen Städtchen ein Stelldichein ge­geben. Schwärzliches Gewimmel drängte in den engen Gassen, das Städtchen hatte seinen großen Tag. Aus dem weiten Marktplätze standen die jährigen Füllen in langen Reihen, die Händler, die von weither gekommen waren, aus dem Lauenburgifchen. Pvmmerschen und aus der Mark, gingen prüfend auf und ab. liehen sich hier eines der jungen Tiere vorsühren, dort ein andres. Landwirte waren es meistens, die sich mit der weiteren Aufzucht befaßten, um die Dreijährigen dann an die Heeresverwaltung zu verkaufen oder in besonderen Dlücksfällen an die Landesgestüte. Der Fohlenhandel war ein Lot­teriegeschäft. Auf ein paar Dutzend Rieten gab eS einen ordentlichen Treffer, und auch die er­fahrensten Käufer konnten sich täuschen. Aus einem stolzen Jährling wurde zuweilen ein Krüm­per, während ein Unscheinbarer sich manchmal zu einem fehlerlosen Etaatsgaul entwickelte. Die Herren aber, die ihn gezogen hatten, freuten sich neidlos über den Gewinn, denn das Geschäft der Züchter und Händler war streng geschieden. Beim nächsten Mal zahlte es sich wieder aus. Das Gestüt, aus dem ein ausnahmsweise her­vorragender Jährling hervorgegangen war. ver­kaufte den ganzen Aufwuchs zu höherem Preise ...

Und an das Geschäft schloß sich ein sportliches Vergnügen. Der ..Molyahner Reiterverein" hielt auf dem Stadtanger einen Wettbewerb ab im Springen und Reiten. Ein paar bescheidene Preise wurden verteilt, die sich meistens die Herren von den Fricdeberger Dragonern holten. Wenn das Vergnügen zu Ende war, löste die Wagenburg rings um den Anger sich auf, die Damen fuhren nach Hause, die Herren aber blieben zurück der geschäftlichen Abschlüsse wegen, die nach altem Brauch im ..Strelitzer Hof" geregelt wurden. Herr Christian Sbtebeer. der Besitzer, aber war auf der Höhe, denn der Fohlenmarkt war einer seiner großen Erntetage. Der Schweiß lief ihm in hellen Strömen über das feiste Gesicht, unermüd­lich jedoch wanderten seine Aeuglein von Tisch zu Tisch, jeder seiner Gäste kam zu seinem Recht. Später, wenn die würdigen alten Herren fort­gefahren waren und die Karten auf dem Tische lagen, konnte er sich erholen. Dann brauchte er nur auszupassen. daß unten im Keller der Cham- Pager aus dem richtigen Fache geholt wurde.

Aus dem deutschen. Vach dem französischen hatten die jungen Herren nur unnötigerweise am näch­sten Tage dicke Köpse ...

Als Fuhbel seine vier Rappen an das Ende Der Wagenburg lenkte in kunstvoller Fahrt, war derConcours hippique", wie die bescheidene Veranstaltung ungefähr mit demselben Rechte ge­nannt wurde, mit dem Herrn Eötebeer seinen SchaumweinPommery goüt americain taufte, schon im vollen Gange. Ein Herr im bunten Dreß und zwei Friedeberger Dragoner versuchten sich mit ihren wenig trainierten Gäulen im Hoch­sprung. Die Richter unter ihnen ein hoch- gewachsener alter Herr mit schwarzem Schnurr­barte standen auf einer erhöhten Tribüne mit Votizbüchern in der Hand, die Damen, in lichten Toiletten, hatten sich in den Wagen aufgerichtet. Vach jedem gelungenen Sprunge klatschten fie in die Hände oder winkten begeistert mit ihren farbigen Sonnenschirmen ...

Als sein Wagen in die Reihe rückte, lachte Malte kurz auf. Er hatte es gut getroffen. Vcben ihm hielt ein eleganter Sandschneider mit zwei rassigen ungarischen Muckern. Der Kutscher stand vor den unruhigen Gäulen, hielt sie fest im Zügel, die Dame im Wagen war von einem großen, mit Spitzen besetzten Sonnenschirm halb verdeckt. Beim Anfahren des neuen Besuchers jedoch wandte sie unwillkürlich den mit blonden Flechten beschwerten Kopf, ein leichtes Erschrecken glitt über ihr Gesicht. Aber es dauerte nur einen kurzen Augenblick. Gleich danach streckte sie die Hand über den Wagenschlag: ..Aber nein. Herr Graf, wie ich mich freue" ... Und zugleich legte sie den breiten Sonnenschirm auf die andre Seite, damit sie vom Rücken her gegen zudringliche Blicke gedeckt war. Malte stieg schwerfällig aus feiner alten Kalesche: ..Ebenfalls, gnädigste Frau. Und ich bitte sehr um Entschuldigung, falls ich Eie störe ... ich vermutete. Eie hier zu treffen, und weil wir uns so lange nicht gesehen haben, ja. da wollte ich ein paar kurze Fragen an Eie richten" ..

Das Weitere verstand Peter Rägelein nicht, die Unterhaltung zwischen den beiden wurde von da an flüsternd geführt. Er sah nur, wie die großen blauen Augen da drüben sich langsam mit Tränen füllten, zwei rote Lippen sich verächt­lich schürzten und der lange Graf Römnitz den Kopf tiefer finken lieh. Er tat ihm leid, der arme Kerl, aber zugleich fing er an zu begreifen, daß dieses holdselige Frauenbild einem Manne wohl die Sinne verwirren konnte und das Herz dazu. Wie ein zierliches Porzellanfigürchen stand sie da, wie ein Unschuldsengelchen im weihen Kleid. Rur Maleraugcn sahen schärfer ... Da war um den sanft geschwungenen Mund ein Zug. der an das lasterhafte, wissende Lächeln der Frauen­bildnisse erinnerte aus dem alten Florenz ...

Der Wettkampf auf dem grünen Rasen war

der chriftusfeindlichen Mächte in China ge­wachsen?".

Kreis Lchotlen.

8 Gonterskirchen, 22. Sept. Der Zweig­verein E o l m S der Gustav - Adolf - Stif­tung hielt am Sonntag fein ZahreSfest in unserer Gemeinde ab. in der seit etwa 40 3abren fein Gustav-Adolf-Fest stattgefunden hatte. Vor­mittags predigte P'arrer Trapp «Ulrichstein, im Festgottesdienst und hob hervor, wie lebens­notwendig das große Hilfswerk des Gustav- Adolf-Vereins an den evangelischen Gemeinden in der Zerstreuung, besonders im Ausland, sei. Die Vachversammlung wurde im Walde am Jägerhaus abgehalten: auch auS den Vachbargemeinden kamen Teilnehmer, so die kirchlichen Zugend­gruppen von Laubach und 5rcicnfecn und der Posaunenchor von Einartshausen. Vach einer Er­öffnungsansprache von Professor Dr. Weimar (Darmstadt), sprach Pfarrer Trapp über die Lage der evangelischen Kirche Oesterreichs in Ver­gangenheit und Gegenwart und über die um­fassenden Ausgaben, die dem Gustav-Adols-Ver- ein dort und in der übrigen Diaspora erwachsen. Psarrer Weimar (Gonterskirchen) rief in einem Schlußwort zu tatkräftiger Unterstützung des Gustav-Adolf-VereinS auf. Ein Gemeinde- abend in Einartshaufen, bei dem Professor Dr. Weimar über Gustav Adolfs Lebenswerk sprach, beschloß den Festtag.

Der Deutsche Söngerbundestag in Mainz abgesagt.

DTR Mainz, 24. Sept. Nach einer beim Hes­sischen Sängerbund eingetroffenen Mitteilung ist der Deutsche Sängerbunbeslag. der am 3. und 4. Oktober in Mainz ftattfinben sollte, abge­sagt und auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der diesjähirge Sängerbnnbtttaa des Hes­sischen Sängerbundes findet dagegen bc- stimmt am 24. und 25. Oktober in Aschaffen­burg statt.

Gin Fernlastzug in Flammen.

60 Fässer Schwefel gehen in die Luft.

WSV. Fulda, 24. Sept. 3n der vergangenen Rächt riß einem Fernlastzug, der mit 6 0 Fässern Schwefel beladen war. auf der steil abfallenden Straße bei Marbach das Getriebe Der Chauffeur, der die Gefahr erkannte, fprang recht­zeitig ab, während der Beifahrer des F.mlast- zuges versuchte, den Wagen noch weiter zu steu­ern. Fünfzig Meter weiter mußte aber auch er sein Leben durchAbspringenretten. Der Fern­lastzug raste weiter, bis er eine Böschung hinab- stürzte. Der mit 4 0 0 Liter Brennst off ge­füllte Benzintank explodierte und im Ru stand der ganze Wagen mit der feuergefährlichen Ladung in Flammen. Die 60 Fäfser Schwe­fel gingen einzeln in die Luft.

G.Ji.-fport

Deutschlands Elf gegen Dänemark.

Rach langem Zögern hat sich der Spielausfchuh des DFB. jetzt endlich entschlossen, die Mannschaft für den Fuhballkampf am Sonntag gegen Däne­mark in Hannover bekanntzugcben. Folgende Spieler wurden berücksichtigt: Tor: Kreh (Rot- weiß Frankfurt): Verteidiger: Schür h und Stubb (Eintracht Frankfurt): Läufer: Gräm­lich (Eintracht Frankfurt), Leinberger (Spvg. Fürth), Knöpf le (FSV. Frankfurt): Sturm: Tiebulfki, Czepan, Kuzorra (sämtlich Schalke 04), R. Hoffmann (Dresde­ner SC.), Kopie rsski (Fortuna Düsseldorf): Ersah: Schmidt (Eintracht Frankfurt, Tor): Risse (Hamburger SV, Verteidiger): Janes (Fortuna Düsseldorf, Läufer): Köhler (For­tuna Düsseldorf) und W o l p e r s (Arminia Han­nover, Sturm). Schiedsrichter ist der Oester­reicher M i e h.

Die Gerätemeisterschasten des Mittel« rheinkreises der DT.

Sieben Teilnehmer aus dem (Bau Hessen.

Zu einem turnerischen Großereignis werden sich nächsten Sonntag die 5. Mittelrheinischen Meister- schastskampse im Geräteturnen gestalten. Mit rund 150 Teilnehmern ist die Beschickung der Kämpfe eine weit bessere als in den vergangenen Jahren.

Der Kampf findet diesmal ohne irgendwelche Nebenoeranstaltungen statt. Es sind auch keine Wett­kämpfe für Turnerinnen ausgeschrieben, sondern lediglich Einzelmeisterschaften für Reck, Barren, Pferd (breit) und Ringe: weiter kommt als neu hin- zu Pferdspringen. Der zu turnende Dreikampf ent­hält neben einer Pflichtübung und einer Kürübung des Zehnkampses erstmals eine erst am Tage des Wettkampfes befanntgegebene Pflichtübung.

Unter den gemeldeten Teilnehmern befinden sich hervorragende Könner, fo der Frankfurter Georg Pfeiffer, die Gebrüder Haßler (Bornheim), die Mainzer Kretz, Genß und Kümmel. Wenn

eine Vorschau vonamtlicher" Stelle an den Teil­nehmern aus unserem Heimatgau Hessen glaubte oorübergehen zu können, so ist das einVersehen", daß durch die Ergebnisie des Wettkampses bestimmt berichtigt werden dürfte. Denn unter den sieben Hessenturnern (Reuter und Schick (Gie­ßen), 6 i n n ro e 11 und Eckhardt (Bad Nauheim), Si n g m a n n (Alsfeld), Fink und Ahrens (Mar- bürg) die an den Kämpfen teilnehmen, befinden sich ganz oorzügliche^iräfte. die in der langen Namen­liste genannter Vorschau nicht nur nicht vergessen werden durften, sondern mit an erster Stelle hätten genannt werden müssen.

In Gießen sieht man dem Ausgang des mittel­rheinischen Meisterturnens mit besonderem Interesse entgegen. Denn die meisten Teilnehmer an dem am 4. Oktober in der Volkshalle stattfindenden hessischen Provinzialkampf stehen in der Reihe der Wett­kämpfer, und die am Sonntag von ihnen in Darm­stadt erzielten Ergebnisie lassen auf den Ausgang des Gießener Kampfes ziemlich sichere Schlüffe ziehen.

Leichtathletik der Gp.'Dg. 1900.

Vereinsmeisterschaften am kommenden Sonntag.

Zum Abschluß der Bahnsaison bringt die Spiel- Vereinigung 1900 am kommenden Sonntagvormit­tag ihre Vereinsmeisterschasten zum AuStrag. Sie umfassen fast alle leichtathletischen Disziplinen und sehen die Aktiven und Jugendlichen der Leichtathletik, sowie die Mitglieder der grauen- Abteilung am Start. Bei der Ausgeglichenheit des Materials ist mit spannenden Kämpfen und wohl auch ansprechenden Leistungen zu rechnen. Wie üblich, werden sich die Jugendlichen deS Zahrganges 1913, die in der kommenden Saison in die aktive Klasse aufrücken, diesmal schon in dieser betätigen. Ein gesteigerte- Znteresse wird unter diesen Umständen dem ausgeschriebenen Sprinterdreikampf (50, 100, 200 Meter) ent­gegensehen, in dem W. Müller, Koch II, Felsing und Weil aufeinandertreffen. Auch darf man

zu Ende, der Herr von Bredow von den Friede- berger Dragonern hatte auf einem langbeinigen Schinder dank seiner überlegenen Reitkunst die Konkurrenz im Hochsprung gewonnen. Richt­endenwollendes Beifallklatschen erscholl aus der Wagenburg, während der Sieger zu der Tri­büne schritt, um aus den Händen des Herrn Erb- landmarschalls den Preis zu empfangen ... Malte Ikletterte wieder auf seinen Sitz zurück, sprach halblaut zwischen zusammengebissenen Zähnen: Für alles hat sie eine passende Ausrede. Und, hol' mich Der Teufel, ich kann nicht anders, ich muß ihr glauben ... Zch weih nicht, soll ich jetzt dem Förster Schwarz das Genick abdrehen oder mir selbst? ... Frieden hat sie gestern abend gestiftet in einer befreundeten Ofsiziers- familie! Morgen wird fie mir alles erklären, auch das andre, weshalb sie geschwiegen hat ... na ist gut! ...

Er sprach mehr zu sich selbst, als zu dem an­dern, sah mit schwimmenden Augen starr geradeaus.

Um die Tribüne der Preisrichter entstand eine Bewegung, ein Reitknecht in Hohenrömnitzer Livree drängte feinen abgetriebenen Gaul durch die Menge, rief seinem Herrn eine Meldung zu. Der Erblandmarschall stand erst eine Weile re­gungslos. Dann stürzten ihm die Freudentränen aus den Augen, er nahm den Hut ab und faltete die Hände zu inbrünstigem Gebet ...

Malte hatte nicht hingesehen, der kleine Maler zupfte ihn am Aerrnel.

Eie, Gräflein, was ist das für ein kornischer alter Herr, der da drüben zwischen allen fremden Leuten betet?"

Das ist mein Onkel Christoph. Der steht mit dem lieben Gott in einem ganz besondern Ver­hältnis. bespricht sich mit ihm über jeden Quark".

Durch die schwarzgedrängte Menschenmenge lief es wie eine Welle, eilte von Wagen zu Wagen: in der Hohenrömnitz war Der lang­ersehnte Erbe zur Welt gekommen ...

Auf der Richtertribüne riß ein Herr den Hut vom Kopfe, rief mit hallender Stimme über den Platz:Unser allverehrter Herr Erblandmarschall, Seine Exzellenz Graf Römnitz, hat soeben eine höchst freudige Rachricht erhalten. Seine er­lauchte Frau Gemahlin hat ihn vor einer Stunde mit einem Sohne beschenkt! Wir alle hier freuen uns mit dem glücklichen Eltempaar, wünschen seinem Epröhling von Herzen alles Gute und blühendes Gedeihen ... der zukünftige Erbe der Hohenrömnttz: Hurra, Hurra, Hurra" ...

Die Menge hatte den Ruf auf genommen, brau­send rollte das dreimalige Hurra über den Platz. Hüte und Tücher wurden geschwenkt, der Herr Erblandmarschall schüttelte dem Redner die Hand und verneigte sich gerührt nach allen Seiten.

Malte hatte regungslos zugehört, jetzt sagte er heiser:Also es ist aus! ... Kein Geld, kein Gut, keine Ehre mehr ... nur zu einer Ab­

schiedspulle reich'.'s noch. Kommen Sie, Kleiner, aber nicht mit sonem betrübten Gesicht! Die Leute hier brauchen eS uns doch nicht anzusehen, wie sehr wir verschrnettert sind"---

3m Strelitzer Hof war es noch leer, Herr Eötebeer hatte auf dem Fest Platze zu tun, un­angefochten gelangten fie in eine von dem brei­ten Ofen halb verdeckte Ecke. Der Kellner brachte die bestellte Flasche Sekt, schenkte ein ...

Ra prost. Peterchen", sagte Malte, leerte sein Glas auf einen ZugAlso es ist aus, ganz aus ... morgen geht eS auf die weite Reife! ... Zch hatte es ja nicht anders erwartet, aber ganz im hintersten Winkel da innen steckte noch immer ein bißchen Hoffnung ... vielleicht ... aber ja, sagen Sie mal, wie wir vorhin fortgingen, hab ich mich da wohl von Frau Eteinfeld verab­schiedet?"

Zch weih es wirklich nicht ...

Ra, ist ja auch egal! ... Und jetzt werden wir langsam austrinken, nach Hause fahren. Aber nur nicht trösten, bitte! Das kann ich nicht ver­tragen" ...

Der kleine Maler sah schweigend in sein GlaS. Er hatte gar nicht den Versuch gemacht, irgend­ein Trostwort zu sprechen Wie es in dem andern aussehen mochte, konnte er sich denken. Und ebenso konnte er sich denken, wie danach wohl das Ende sein würde ... Billige Redensarten waren da nutzlos, und um als Kellner drüben in Amerika sein Leben zu fristen, dazu war der Graf Malte Römnitz denn doch wohl ^u stolz ...

Don der Tür her erklang Cäbellltrren, zwei Herren traten in die geräumige Gaststube, und weil fie sich allein glaubten, unterhielten sie sich ganz laut. Malte erkannte sie an der Stimme, es war der Herr von Lewenih auf- schow und der Panschenhagener Rachgeborene, der Oberleutnant von Bredow von den Friede­berger Dragonern ...

Kellner, zwei Glas Helles, rief der Herr von Lewenitz durch das Lokal,ich hab' einen Durst zum Umfallen!" Und zu seinem (Begleiter gewandt, sprach er weiter:Eie haben heute mal wieder einen Torkel entwickelt, Bredow drei erste Preise, ist kolossal! ... Ein Trost nur, daß wir Zhnen das nachher im Makao wieder ab- knöppen werden! Wer so viel Glück in Der Liebe hat wie Sie ...

Der griebeberger Dragoner strich sich Den spär­lichen Schnurrbart.

Ra ja, es ist schon Doll! Eie ist wieder da. Vor drei Wochen hatte ich ihr den Laufpaß gegeben . Die Geschichte wurde mir nämlich ein bißchen sengerich, in Ansehung des Mannes. Die kleine Kröte war manchmal verdammt unvorsich­tig. Aber gestern abenb hat sie mich beruyigk: hei bett nix to feggen! Wir trafen uns nämlich halbwegs grieDeberg und Alten-Krakow ...

(Fortfetzung folgt)