Nr. 197 Zweiter Blatt
Dienstag, 25. August 195(
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Operndämmerung.
Don Fedor Schaljapin.
Die Stellung deS berühmten russischen Dünger- Ku einem der wesentlichsten musikalisch-theatralischen Probleme unserer Zeit dürste allgemein interessieren.
Wenn ich mich schon seit langem von der Oper enttäuscht fühle, so spielen persönliche Interessen und Empfindungen hierbei keine Rolle. Keine-- weg- fühle ich mich etwa opernmüde in dem Sinne, daß ich nicht mehr in der Oper singen könnte. Ganz im Gegenteil. Meine Stellungnahme ist rein künstlerischer und theoretischer Art. In der ersten Schaffensperiode brennt ein Künstler, toerm er seine Rolle formt. Solange diese produktive Arbeit ihn in Anspruch nimmt, läßt er alle theoretischen Erwägungen über das Kunstwerk selbst beiseite. So geschieht es ost. baff ein Dirigent, der beim Anhören einer Symphonie oder einer Oper keinen Genuß empfindet, während der Dorarbeiten zu der Aufführung dieses ihm scheinbar fremden Werke- von der produktiven Arbeit so gepackt wird, dah er in der Schafsen-sreude alles andere vergibt. Einer der berühmtesten Dirigenten der Welt hat einmal gesagt: .Ich kann Wagner, wenn ich in der Oper sitze, nicht genieben. Wenn ich aber eine Wagner-Oper dirigiere, empfinde ich den höchsten Genuh." Diese Stellungnahme eines Künstler- *um Werk selbst ist auherordentlich charakteristisch und erklärt die Tatsache, dah auch ich mich früher mit der Oper al- Kunstform wenig beschäftigt habe, da mich die Arbeit an meinen Rollen vollständig in Anspruch nahm. Rach der Periode des produktiven Schassens tritt eine Periode ein, in der der Künstler auf dem Gipfel feine- Könnens steht, jedoch nicht mehr vorwärts kann, da er schon fein Letztes gegeben hat. Das ist die Periode der Selbstkritik und de- Grübelns. In diesem Stadium ist mir di« Oper in ihrem wahren Licht erschienen. Dor allem, was ist Oper? Sin Wert, das aus einem Kompromiß -wischen Dichtung und Musik geboren ist. Richt einmal das Wort Oper hat Sinn. Denn die ursprüngliche Bezeichnung dieser Kunstform lautet aus italienisch .Opera" und ist eine Mehrzahl des lareinischen Wortes .opus“, d. h. .Werte", also eine vollständig nichtssagende Bezeichnung. Dor einigen Jahrzehnten hat man als Gegenstück -u der Oper das Musikdrama ins Feld geführt.
Die Bezeichnung Musikdrama ist nichts anderes als ein Wortspiel, denn jede Oper, insofern es sich um ein mit Musik verbundenes Schauspiel handelt, ist zugleich Musikdrama. Die Entwicklung der Oper zum Musikorama beruhte auf dem Versuch, der melodischen Kunstform einen vernünftigen Text zu unterlegen. Skt Begriff .ver- nün tig" ist in dresem Falle relativ und ist natürlich Zeitströmungen unterworfen. Run gibt es jedoch tatsächlich beinahe gar keine Oper mit einem vernünftigen Text, ganz unabhängig davon, ob es sich um konventionelle Opern oder Musikdramen handelt. Texte altitalienischer Opern gelten als Derkörpcrung des Blödsinns. Aber die schwache Philosophie und die Weltanschauung der Texte mancher Musikdramen können, von einem höheren Standpunkt aus betrachtet, auch nicht gerade als besonders geistreich erscheinen Das, was die Oper erstrebt in ihrer äußersten Dollendung — vollkommene Harmonie zwischen Text und Musik — ist nur im Monolog des Zaren Doris in der gleichnamigen Oper von M v u s s o r g s k i erreicht worden. In anderen Opern ist ter Text oft so blöd, daß ich mich schäme, ihn zu singen: und das Schlimmste ist, dah diesem liebel nicht abgeholfen werden kann, denn die Derbesserung de- Textes im Einklang mit der Musik stößt auf unüberwindliche Gegensätze. Was die Oper nicht erfüllt, das finden wir öfters in dein einfachen Lied. 2n Beziehung auf Harmonie von Text und Ton find vor allem Schuberts Lieder vorbildlich. Als Meisterwerk der Dolltommenheit in dieser Beziehung dürfte man den .Doppelgänger" bezeichnen.
Es ist dennoch erstaunlich, wieviel Aufmerksamkeit der Oper in Oesfentlichkeit und Presse geschenkt wird. Riefensummen werden für die Erhaltung von Opernhäusern, die oft nur mit Der- lust arbeiten, aufgebracht. Diskussionen über Opernkrisen und Wege der Opernreform prallen hart aufeinander. Sogar ein Theatergenie vom Range Stanislawskis organisiert ein Opernstudiv und sucht neue Wege. Dabei habe ich nie eine Opern Inszenierung gesehen, die mich vollständig befriedigt hat. Offenbar liegt der Grund darin, dah Dollkommenhrit auf diesem Gebiete unerreichbar ist. Es scheint mir auch, als ob wir einer Operndämmerung entgegengehen. Die neue Produktion hat bisher nichts Hervorragendes herausgebracht, und der Opernspielplan der Welt kann sich nur auf eine beschränkte Zahl gut bewährter Stücke stützen.
Ergebnisse bw Iugendwetttämpfe des MTV.
Die im Rahmen der ersten krei-offenen Leicht- athletik-Wettkämpfe de- Mtv. bereits am Sams- tagnachmittag au-getraaenen Iugendwettkampfe brachten folgende Ergebnisse:
Dufltnbtarnet-Oberffufe.
Kugelstoßen: 1. W Langenohl, Tv. Heu- chelhe.m. 14,21; 2. O Luh. VfB. Gießen, 14.21 Meter (durch Stechen entschieden).
Hochsprung: 1. W. Langenohl. Tv. Heuchel- he.m, 1.58; 2. Schlarb, 1900, 1,53 ; 3. K. Schuster, Tv. Wetzlar, 1,48 Meter.
100 Meter: 1. Koch II. 1900, 12,00 ; 2. Fel- sing, 1900. 12,1; 3. O. Rodriguez. DIK. Giehen, 12,4 Sek
1 000 Meter: 1. M Baumft.egcr. 1900. 2:54.4; 2. Mooh, 1900, 3:00,0 ; 3. F. Slmiger, Tv. Dilbel, 3:07,4. _ ,
4X1 00 Meter (Kurt-Kaufmann-DedachtniS- Wanderprei-): 1. 1900 Gießen. 50,0; 2. Deutsche Iugetzdkrafr 50.4; 3. X- u. Sp.-D. Butzbach 51.5 Sek.
Jugendturnerinnen.
7 5 Meter: 1. S Röhmig, Mtv. 10,7; 2. G. Guth. 1900. 11.4; 3. St Körner, Mtv. 11,5 Sek.
Hochsprung: 1. ö Röhm g, Mtv-, 1,30; 2. 2L Ruppel, T-- u. Sp.-D. Butzbach. 1.25; 3. K Körner. M:v.. 1.25 Meter. (Durch Stechen ent- schieden.)
Schlagballweitwurf: 1. Eh Schmidt. Mlv. 49 00 ; 2 E. Loy. Tv. 1846 Giehen, 45.00; 3. OH. Lösch. 1900. 44.96 Meter.
4X75 Meter 1. Mtv., 43.4; 2. 1900, 44.2; 3. DsB. Gießen. 46.3 Sek.
Jugcndturner-Untcrstufe.
100 Meter: 1. Herrmann. 1900. 13,0; 2. K. Simon. DsB Giehen, 13,3; 3. A. Leichum, Tv. Riederrad. 13,9 Sek.
WeitsPrung: 1. Herrmann. 1900. 5.11; 2. Zrohme, Tv. Wetzlar. 5,10; 3. Allie, Tv. Kirchhain, 5.06 Meter.
Schlagballweitwurf: 1. R. Blaß, Tv. Eroßen-Linden. 82,15; 2. F. Slmiger. Tv. Dilbel, 61 75; 3. L Herbert, 1900. 81,43 Meter.
4x100 Meter: 1. Tv. Kirchhain, 53.3; 2. DsB. Giehen, 57,7; 3. Mw. 58.6 Sek.
vrelkämpse.
Jugendturner-Vberffufe.
1. Felsing 1900 69,5 ; 2. Langenohl Tv. Heuchelheim 68.5; 3. Loew. Tv. 1903. 'Weilmünster, 68 P.
Jugendturner Unterstufe.
1. Zrohme. Tv. Wetzlar. 65; 1. Leichum. Tv. Riederrad. 65; 2. Herrmann. 1900. 63 ; 3. Slmiger. Tv. Dilbel, 62 P
Jugendturnerinnen.
1. Körner, M.v 57; 2. Ruppel, X.- u. Sp-D. Butzbach. 51,5; 3. Lösch, Sp.-D. 1900 Dietzen, 51 P.
Bei der Preisverteilung am Sonntagabend in den Räumen der LiebigShöhe wurde dem langjährigen Schrtstsührer de- Männerturnv. Gießen Earl Lang in Anbetracht seiner vielfachen Berdienste um die Turnerei der E h r e n b r i e s mit der Ehrennadel de - Mittelrhein» kreise- durch den 1. Sprecher de- Männerturnverein- Rektor Kling im Auftrage des Krei-vorstande- überreicht.
Fußball in Hessen-Hannover.
Geschlagene Favoriten.
Mit Au-nahrnc von Sport Kassel, der sich in Einbeck nach einem 3-3-Spiel wenigstens nur einen Punkt abknöpsen lieh, unterlagen sämtliche ~ ■' * — " ' in der Provinz, deren
Vertreter mit ganz besonderem Eifer in den Kampf gingen. Sv verlor der stark favorisierte Spielverein Ka'fel in Grone mit 1:3 (1:2) Toren die Punkte, während Tura Kassel in Rorthenn mit 0:1 das Rächtehen hatte. Hessen 09 Kassel verlor gar in Warburg gegen den Heuling Germania nach einem torreichen Treffen mit 4:5 Toren. Sichere Siege errangen neben Borussia Fulda über den VfB. Giehen mit 7:1, noch die Hersselder Hessen, die die Spielveveinigung Göt- fingen mit 4: 1 bezwangen. Lleberraschend tarn auch die Riederlage der sonst auf eigenem 0>e- lände so gefürchteten Groh-Alrnervdaer, die sich von Döttingen 05 mit 1:2-Sieg und Punkte nehmen liehen, die Gäste gewannen hier nach hartem Kampf verdient.
Oie punffefämpfe in Hessen.
Rach drei Kampftagen ist von den Vereinen der Gruppe Hessen nur noch der Reuling Mainz- Kastel ohne Punktverlust, Kastel liegt auch an der Tabellenspitze. Der Meister Wormatia WormS zog sich bei einem anderen Reuling, Olympia Lorsch, eine 0:l-Riederlage zu. während Kastel in Wiesbaden 2:1 erfolgreich blieb. Der dritte Reuling der Gruppe. Viktoria Walldorf, holte sich in Main- beim FSV. eine schwere 2:8-Rieder- lage. Der FE. Langen wurde auf eigenem Platz von Viktoria Llrberach 2:1 geschlagen. Bereits am Samstagabend kam das Spiel Alemannia Worin- gegen Darmstadt 98 zum Austrag, die Alemannen gewannen mit nicht weniger al- 8:0.
Turn-Derein Lollar.
Die Fuhball-Abteilung deS Tv. Lollar beging am Sonn:ag die Feier ihres 10jährigen Bestehens. Rach Kranzniederlegung an den Gräbern verstorbener Gründer und Spielen be- Handballabreilung traten die Fußballer an und hegten über die drei Gegner, teilweise überraschend hoch (2. gegen Bieber 1. mit 5:2, 1. gegen G erbeute ich 1. mit 12:1 (!); Schüler gegen DsB.» Schüler 3:0). Abend- fand die Ehrung von vier immer noch tätigen Gründern (3. Frank. A. Schäfer. R. Wissemann und K. Wolf) statt. Reden. Vorträge und Austausch von Erinnerungen hielten die Fuh- und Handballer noch lange zusammen.
Faltboot-Regatta des Kanu-Clubs Wetzlar.
Der Kanu-Club Wetzlar veranstaltete am Sonntag anlählich seines einjährigen Bestehens eine Faltboot-Regatta, verbunden mit einem Faltboot-Aufbau-Wettbewerö, woran sich auch die Daddlcrg-lde Giehen mit folgenden Ergebnissen beteiligte:
Beim Ausbauwettbewr-rb erhielt 3. Kap- hingst in der Zeit von 6.22 Min. den ersten Preis. Kaphingst gewann auch das Kurzstreckenrennen für Siner-Faltboote. 3m gemischten Zweier konnte Kaphingst infolge der Wetzlarer Wett- fahrtbestimmungen außer Konkurrenz starten und erzielte auch hier mit seiner Mitfahrerin die beste Zeit. Die Mannschaft Erich und Else Lohr belegten in diesem Rennen nach scharfem Endkampf einen zweiten Platz.
Süddeutsche Meistefschastsregatta.
Albert Schöndorf von „Hellas" Gießen Weister im Liner.
Die Meisterschafts-Regatta des Gaues Sübbcutfch- land im Deutschen Wassersportverband, die am Sonntag in Mülheim ausgetragen wurden, nahmen bei ausgezeichneter Organisation einen ein- tuanbfreien Verlauf. Unter den 22 Rennen, die das Programm umfaßte, befanden sich vier Meisterschaftsrennen. Im Vierer mit Steuermann holte sich die RG. Fechenheim den Titel gegen Freiheit Mül- Heim, ebenso im Vierer ohne Steuermann im Allein« . Im Achter war dann Freiheit Mülheim gegen
Dor-Offenbach. 3m allgemeinen liehen die bei den einzelnen Rennen gezeigten Leistungen auf eine sehr sorgfältige Ausbildung der Ruderer schliehen.
Erfreulicherweise gelang es dem Gießener Ruderer Albert Schöndorf, der sich in letzter Zeit einem eifrigen Training unterzogen hatte und durch Energie und Ehrgeiz feine Leistungen steigerte, die Meisterschaft im Einer zu erringen und feinen Gegner Kimmel- Offenbach, den vorjährigen Meister im Einer, mit drei Bootlängen hinter sich zu lasten. Der Sieg bedeutet auch für den Wassersport verein Gießen einen schönen Erfolg. Der 16jährige Skuller Ernst K e l b e I startete im Iungmann-Einer und vermochte gegen Gegner aus Frankfurt, Offenbach und Bürgel "wiederum einen zweiten Platz zu belegen. Seibel dürfte auf dem besten Wege fein, ein Klasse Ruderer zu werden.
8. Faustballr-unde des TD. 1846.
Das Tlelbecrgtbnis für die diesjährigen Spiele ist mit jetzt 25 Mannschaften trotz der schlechten Zeit als gut zu bezeichnen. Darunter befinden sich namhafte Mannschaften der mittelrheinijchen Kreisklasse, so daß die Spiele recht fpannend zu werden versprechen. Der Deutsche Meister Licht-Luft-Frankfurt hat infolge der Kreisgruppenspiele leider eine Abfage geben müssen, wird dafür aber seine zweite Mannschaft schicken. Für alle Klassen stehen schöne Preise, die sämtlich gestiftet wurden, zur Verfügung.
Englands Frauen siegen in Hannover.
Dor 10 000 Zuschauern kam im Stadion zu Hannover der Frauen - Leichtathletik - Länderkampf zwischen Deutschland und England zum Au-trag, den die englischen Damen mit 53:4 7 Punkten für sich entschieden. Da- Fehlen von Fräulein Dollinger, die über 200 und 800 Meter wohl sichere Siege herau-ge- lausen hätte, machte sich stark bemerkbar. Außerdem enttäuschten aber auch die Kräfte, von denen man mehr hätte erwarten dürfen. So wurde Frau Thymm (Leipzig) Über 100 Meter nur Letzte (!). So fielen denn alle Laufstrecken incL der 4X100-Meter-Staftel an die englischen Damen und die Deutschen belegten nur in den technischen Hebungen die ersten Plätze mit Au-nahme des HochsprungeS, der ebenfalls an England ging.
Der Länderkampf begann mit den üblichen Zeremonien wie Austausch der Wimpel, Spielen der Rationalhymnen usw. Der Kamps begann bann gleich mit dem 200-Meter-Laus, der den Engländern die ersten Plätze einbrachte. Den Abschluß des Kampfe- bildete die 4xl00-Meter- Staffel, bei ber die deutsche Mannschaft zwar sehr gut lief, jedoch klappten die Wechsel nicht. Ein im Rahmen de- Programms ausgetragenes Handballspiel zwischen den Städtemannschaften von Berlin unb Hannover enbete 7: 6.
Leichtathletittampf Turner gegen Sportler in Kassel.
Die Turner mit 9:4 siegreich.
Auf der Hessenkampsbahn in Kassel fanb am Sonntag ein Mannschaftskamps Turner gegen Sportler vor etwa 1000 Zuschauern statt. Der Kampf, ber im Vorjahre unentschieben au-gegangen war, enbete in biesern 3ahre mit dem Siege ber Turnermannschaft, bie von dreizehn Konkurrenzen neun an sich brachten. An sich waren sich bie Mannschaften gleichwertig. Während die Sportler sämtliche Iugendkonkurrenzen an sich brachten, siegten die Turner in den Fraucnwettbewerben unb gewannen bei den Herren die Staffeln, den Stabhochsprung, Weitsprung und das Speerwerfen. Die Sportler holten sich den Hochsprung, das Kugelstoßen und die 5000 Meter.
Den Abschluß der Veranstaltung bildete ein Handballspiel, in dem sich die Mannschaften ber Turner unb Sportler gegenüberstanden. Die Sportler gewannen dank ihrer taktisch weitaus besseren Leistung verdient mit 11: 4 Toren (5:3). Der Kamps wurde sehr hart, aber äußerst schnell * durchgeführt.
Der Tonfilm, eine ganz neue Kunst, enthält ungeahnte Möglichkeiten. Die schwachen Mittel der Oper verblassen vor den Riesenperfpektiven. die der Tonfilm bietet. Man vergleiche nur den Auftritt Mephistos in ber gleichnamigen Oper von D o i t o mitten im Kulissenplunber mit bem, was der Tonfilm in diesem Falle uns schenken könnte. Wir konnten ein großartiges Bild genießen, das selbst die Künstlerphantasie übertrifft. Dem Tonfilm gehört die Zukunft, und ich glaube, daß er das Erbe der Oper übernehmen wird. Es klingt heute lächerlich und kaum glaublich, aber es ist eine Tatsache, daß vor kaum zwei Jahrzehnten ein Sänger, ber ben Mut hatte, im Film eine Rolle zu übernehmen, seine Verabschiedung aus dem Opernensemble riskierte. Ich habe schon damals an den Film geglaubt und war einer der ersten, die im stummen Film ausgetreten sind, aller mich umbrandenden Entrüstung zum Trotz. Riemand wollte mir damals glauben, daß es eine Zeit geben würde, in ber bie besten Künstler im Film spielen. Heute braucht man aber kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, daß eine neue Form musikdramatischer Kunst im Tonfilm ihre Morgenröte erlebt
Seltsame Liebesboten.
Aus verklungenen Tagen der Romantik, ba es noch keine Post unb keinen Telegraphen unb kein Telephon gab. bringt zu uns noch seltsame Mär von merkwürdigen Boten, die die liebliche Kunde über Länder und Flüsse in starke Festungen trugen. Der Falke, den die Dame vom Söller ihres Durg» gemachs fliegen ließ, gab dem Geliebten ersehnte Botschaft; das Hündlein mußte zum stummen Sprecher werden, wie es die Gesch ich e ber Kastel- lanin von Dergy verrät. Doch auch in unseren Tagen ist bie Romantik noch nicht ausgestorben, benn noch immer stellen sich ben Liebenden Hindernisse aller Art entgegen und auch heute weih sich ihr erfinderischer Sinn seltsame Liebesbvten dienstbar zu machen. In Schottland richteten sich vor einigen Jahren ein Paar Liebende, denen das harte Gebot der Eltern einen Briefwechsel unter normalen Umständen verwehrte, eine Taubenpost ein. Jeder von ihnen hatte ein Paar Brieftauben, die sie, ohne dah es bemertt wurde, einander zuschickten. Endlich aber brach für die lettischen Romeo und Julia der Tag des Glück- an; die Eltern gaben den Widerstand auf, sie konnten nun die Taubenpost mit der gewöhnlichen Poft vertauschen. Eierschalen sind gewiß ein recht
Kui-ze Sportnotizen.
Der Fußballkampf Rord- gegen Westdeutschland in Hamburg enbete vor 20 003 Zuschauern mit einem überraschend hohen 6:1 (5.1) Sieg der Westdeutschen, deren Torschützen Ku- zorra und Ezepan hießen.
Bei den Taubstummen - Spielen gewann Deutschland da- Endspiel deS FuhbaUtur- ntees gegen Oestereich mit 4:1 (2:0).
Westdeutschland gewann den Leicht- athletik-Länderkampf gegen Holland in Münster mit 56:46 Punkten.
Die Deutsche Senivrenmoi ster- schäft im 'Tennis fiel an Altmeister O. FroItz - heim, der im Endspiel den Berliner Uhl 6.1« 8:6 schlug.
Bei den Europameisterschaften im Schwimmen in Paris gewann die deutsche Wasserballmannschaft ihr erste- Spiel gegen die Tschechoslowakei mit 3:1 (2:1) Treffern.
Beim Schleizer Dreieck-rennen fuhr Rüttchen (Erkelenz) auf RSU. die beste Zeit deS Tages.
Amtsgericht Gießen.
Der Kraftwagenverkehr birgt auch, insoweit bie Unterbringung der Fahrzeuge in Betracht kommt. Gefahren in sich, die den Erlaß einer Polizeiverordnung über die Beschaffenheit der zur Unterbringung erforderlichen Anlagen nötig machten. Gegen diese Verordnung hat ein Autobesitzer verstoßen, indem er einen aus Holz gebauten und in der Nähe anderer Gebäude stehenden, also im Sinne der Verordnung feuergefährlichen Schuppen in zwei Rächten trotz Warnung als Garage für feinen Kraftwagen benutzte. Er erhielt eine Geldstrafe von 10 Mark.
Kellnerinnen in Gast, und Schankwirtschaften bedürfen aus naheliegenden Gründen der Anrnel- düngen bei der Polizei. Sie wurde von einem Gastwirt in einem Falle unterlassen, gegen den deshalb ein Strafbefehl in Höhe von 60 Mark erging. Den gegen den Strafbefehl erhobenen Einspruch begründete er damit, es handle sich um ein schon einige Jahre in seinem Haushalt tätiges Hausmädchen, das nur ausnahms- und aushilfsweise zur Bedienung ber Gäste eingefprungen sei, namentlich während ber Krankheit feiner Frau und bei zufälliger Abwesenheit der Wirtsleute. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß sich diese angeblichen Ausnahmen derart oft und in einer Weife wiederholten, die die Erfolgung der einschlägigen Verordnung durchaus verlangte. Dem Angeklagten wurde von der Polizei als Wirt ein gutes Zeugnis ausgestellt. Es blieb aber bei ber Beurteilung, weil er, was bie Tätigkeit des Hausmädchens anlangt, es nicht verstand, Wirt- schafts- und Haushaltungsbetrieb so, wie es der Verordnung entsprach, auseinanderzuhalten. Doch wurde die im Strafbefehl festgesetzte Geldstrafe erheblich herabgesetzt.
In ben aus Holz gebauten Notwohnungen in ber Kaiserallee leben zwei Rachbarfamilien miteinander in Unfrieden und ständigen Streitigkeiten, bie anscheinend ihren Höhepunkt am 9. April 1.3. dadurch erreicht haben, daß die eine Nachbarin ihren beiden Widersachern, Vater unb Sohn aus ber enberen Familie, Salzsäure ins Gesicht spritzte, so daß darin Brandwunden entstanden, und die Getroffenen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Trotz der an den Tag gelegten gefährlichen Handlungsweise ber Angeklagten, einer 60jährigen Frau, wurden dieser mildernde Umstände zugebilligt, und bie letz- tcren namentlich in ber Erregung gefunben, in ber sie sich offensichtlich infolge der oben angebeuteten Verhältnisse befand. Die Strafe lautete auf eine Geldstrafe von 80 Mark, an deren Stelle im Uneinbringlichkeitsfalle eine entsprechende Gefängnisstrafe tritt.
Althändler sollen bei dem Ankauf von Gegenständen doppelt vorsichtig fei, wenn sie nicht riskieren wollen, wegen Hehlerei bestraft zu werden, falls
merkwürdige- Material für Liebesbriefe. Durch Zufall aber wurden sie einmal Träger einer L.e- be-botschaft. die ein Fräulein aus Kanada zum Spaß auf ein Si malte, das nach England ging. Das vielsagende Ei fiel in die Hände eines liebes- bedürftigen Witwers auf der anderen Seite deS Atlantischen Ozean-, er las da- Geständnis, Rumen und Adresse der Dame, ein Briefwechsel entstand und die beiden, die eine Eierschale zusammengeführt. sind heute ein glückliches Paar. — Richt minder rvmanttsch war der Beginn der Liebe zwischen einem Fräuläin und einem Pflanzer in Louisiana. Die Dame warf eine Flasche in den Fluß, nachdem sie vorher ein Liebe-geständ- niS hineingelegt hatte; ein junger Pflanzerfischte die Botschaft aus dem Wasser auf, erwiderte da- zärtliche Geständnis, die beiden trafen sich und waren zwei Tage danach verheiratet. — Ein Korb mit Rosen oder Früchten ist im Grunde genommen eine harmlose Aufmerksamkeit, die ein Herr seiner Angebeteten darbringt. Aber wenn der größte Apfel des FruchtkorbeS in seinem Innern ein Briefchen birgt, barm bekäme ba$ Geschenk in den Augen der Eltern ein ganz anderes Aussehen, ... wenn sie davon wüßten. Glücklicherweise haben aber Liebende ihre Geheimnisse, die sich in Blumen und Früchten trefflich verbergen lassen. Eine unauffällige Korrespondenz zwischen Liebenden ist auch schon öfters durch das gegenseittge Leihen von Büchern betrieben worden. Ein Pärchen m Rewcastle machte sich die längsten Mitteilungen, indem besttmmte Buchstaben mit einem Bleistift fein unterstrichen waren und sich zu Worten aw sammensetzten. Damit auch jemand, dem die Bleistiftzeichnungen etwa auf fallen möchten, nichts lesen könne, war der erste Buchstabe am Ende und der letzte am Anfang des Buches angegeben.
Hochschulnachricbten.
Professor Dr. Friedrich Bering, Chefarzt der Städtischen Hautklinik in Essen, hat bat Ruf auf den Lehrstrchl für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universität Köln als Rach- fvlger von Professor F. Zinher angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in K ö l n erhalten.
Amtlich wird die Ernennung deS o. Professors Dr. Erich Bräunlich von der Hntoerfität Königsberg vom 1. Oktober 1931 ab zum Ordinarius der orientalischen Philologie an de« Universität Leipzig bestätigt.


