Ausgabe 
25.7.1931
 
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Samstag, 25. Zull 195t

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. (72 Zweites Blatt

Chequers als

Zeit seines Lebens seinen Landsleuten böse Dinge nochgefagt, er hielt ihnen einen Spiegel vor das Gesicht, in dem sie alle ihre sagen wir einmal milde negativen Eigenschaften klar erkennen konnten. Und nie konnte er sich zu einer An­erkennung der wertvollen Qualitäten des Eng­länders durchringen: auch wenn er wirklich einmal ein Lob aussprechen muhte, so wuhte er die- in so beißend ironischer Form vorzubringen, dah die Leser seiner Werke oder seine Zuhörer nun keine rechte Freude mehr an dieser Anerkennung hatten. Der Psychologe hat dieser Eigenart des Dichters gegenüber seine besondere Einstellung, die darauf hinausläuft, Shaw verberge hinter seiner kalten, teils ironisch, teils zynischen Art nur seine warme Menschenliebe, und sei deswegen viel besser zu bewerten und höher einxuschahen, als er sich selbst gebe. Es ist hier nicht der Platz, darüber ein Urteil zu fällen. Shaw, der repräsen- tntinftp SHtbtcr des ieNiaen Enalands er wurde

Kosaken" um, bei denen er jetzt seinen sünfund- siebzigsten Geburtstag feiert. Die damaligen Bun­desgenossen feierte er nicht. Auch Sir Edward Grey bekam unangenehme Dinge von ihm ,$u hören. Und als die Staatsmänner der Entente nach dem Waffenstillstand sich anschickten, der Welt wieder Frieden zu geben, da schrieb Shaw seine .Winke zur Friedenslonserenz", in denen er das verwerfliche imperialistische Streben Eng­lands und seiner Freunde hartnäckig bekämpfte. Man hörte zwar nicht auf die warnende Stimme au- dem eigenen Lager. Aber dafür hat Shaw dem Deutschtum in den schweren AachkriegSjahven nachdrücklichst sein Verständnis bekundet, er brachte den deutschen Künstlern stets regstes Interesse und wärmste Sympathie entgegen.

Das Geld zur Sparkasse!

Unter dieser UebeWhrift wendet sich in un­serem heutigen Anzeigenteil die Dezirks- sparkasseGießen mit einem Aufruf an die Mitbürger in Stadt und Land. 3n eindringlicher und überzeugender Weise wird in dieser Kund­gebung dargetan, dah keinerlei Grund zur Besorgnis der Sparer um ihre Gut­haben besteht und dah ebensowenig An­laß zur Zurückhaltung von Geldern vorhanden ist. Mit Recht wird in dem Aufruf darauf hingewiesen, dah in dieser schwierigen Wirtschaft-zeit daS Geld nicht in d i e Schubladen, oder in den Strumpf ge­hört, sondern durch die Kassen dem all­gemeinen WirtschastSleben zugäng­lich gemacht werden muh. Weiter wird in dem Ausruf betont, dah das Geld bei den Spar­kassen völlig sicher ist und bah von einer InflationSgesahr überhaupt keine Rede sein kann. Hoffentlich wird der Appell der DezirkSsparkasse allenthalben in vollem Um­fange beherzigt und befolgtl

WelenSverkrhrung. SS ist wahrlich an der Zeit, dah sich die verantwortlichen Männer in Staat, Wirtschaft und Schule auf den Ernst der Lage besinnen und in unvoreingenommenen Ausspra­chen über diese Dinge beraten. 120 003 Studie­rende auf deutschen Universitäten sollten endlich zur Einsicht zwingen Dabei würde auch die Frag« einer Reform deS BerechtigungSwe- s e n S einer gründlichen Erörterung und Berei­nigung zu unterziehen sein Am End« dieser Be­ratungen müssen Wege gefunden werden die all denen off en stehen, deren BildungSwiNe nicht in höheren Schulen und Universitäten seine restlose Befriedigung finden kann Lenken tofr in dieser Richtung Aufbau und Ausbau der DolkSschule, so wird die Zukunft der Wirtschaft die freudigen und verantwortungSbewuhten Mitarbeiter zu­führen deren sie zur Aufrechterhaltung und Wei­terentwicklung bedarf.

Daten für LamStag, 25. Juli.

Sonnenaufgang 4.38 Uhr: Sonnenuntergang 20.23 Uhr. Mondaufgang 17.59 Uhr: Mond- untergang.

1867: der Dichter Max Dauthendy in Würz­burg geboren: 1914: Abbruch der Beziehungen Oesterreich-UngarnS zu Serbien.

Daten für Sonntag, 26. Juli.

Sonnenaufgang 4.40 Uhr, Sonnenuntergang 19.07 Uhr. Mondausgang 20.22 Uhr, Monduntergang 0.33 Uhr.

1846: der Maler Hermann Kaulbach in München geboren: 1856: der irische Schriftsteller Georg Bernard Shaw in Dublin geboren.

einzelnen Arbeiter bi- zur Bert locht enheil unse­rer Dolkswirtschaft mit der Weltwirtschaft, heut« ein Komplex mannigfacher Faktoren ist, erwach- sen der Schule bei der Aufrichtung der sittlichen und intellektuellen Grundlagen im Kinde hohe und sehr schwierige Aufgaben. Ein- aber scheint un« als Zeuge dieser inneren Umstellung der Volks­schule rwtwendig zu fein, wir müssen zurück von der gefährlichen Ueberschätzung der höheren Schule, die heute unser gesamtes Volk ergriffen hat. Bei dem ungehemmten Zu­strom zur höheren Schule, den wir heute erleben, kann wirklich keine Rede mehr sein von plan- mäßiger und rationeller Ausnutzung finanzieller Energien, unb es ist erstaunlich dah die Kritik der Wirtschaft hier nicht schon längst eingesetzt hat. Der Sinn der höheren Schule ist im Gegen­teil verkehrt. Leistungsminderung der höheren Schulen und der Universitäten war die Folge jener

Bernhard Shaw.

Zum 75. Geburtstag pes englischen Dichters am 26. Juli.

Don d. Wesner.

Wenige Tage vor seinem Geburtstage verläßt dieser englische Dichter still'und heimlich seinen ständigen Wohnsitz in London, macht eine kurz bemessene Spritztour nach Berlin, die gerade aus­reicht, um ein paar neue und natürlich wohl- gelungene Alper^us an den Mann, will sagen an die Oeffentlichkeit zu bringen und fährt dann nach Rußland, wo er in Moskau von den kommu­nistischen Behörden sehr heftig gefriert wird. Shaw erklärt zwar, daß er den ihm unweigerlich drohenden Festlichkeiten zu seinem 75. Geburtstag aus dem Wege gehen wollte: die Ankunft in Rußland wird ihm gezeigt haben, daß man ihn dort nun um so nachdrücklicher feiern wird. Denn nur zu gerne möchten die Kommunisten diesen englischen Dichter voller Eigenart und voller Abseitigkeit im Denken für sich in Anspruch neh­men. Mag fein, daß Shaw ihnen tatsächlich Sympathie entgegenbringt; sein freimütiges Ein­treten in der englischen Oeffentlichkeit für eine angeblich bestehende und weiter im Gang befind­liche bolschewistische Aufbauarbeit, hat nicht nur Aussehen in seinem Heimatlande erregt. Trotzdem träte es falsch, zu glauben, Shaw trete ernsthaft für den Sowjetstern ein. Es gilt, diesen Dichter, der sich so leicht nicht in eine Kategorie ein- ordnen läßt, gegen sich selbst in Schuh zu nehmen.

Der fünfundsiebzigjährige George Bernhard Shaw stammt aus Dublin, ist also von Geburt ein 3 11 ä n b e r. Aber in ihm hat sich irische Eigenart und englisches Wesen mit einer Selbst­verständlichkeit vermischt, dah sich nun nicht mehr sagen läßt, dieser Dichter des Geistigen, der Spötter, der arrogante Essayist, sei nur Irländer ober nur Engländer. Er selbst wird auch keine eindeutige Feststellung treffen können. Aber Shaw ist in seiner Jugend einmal Sozialist gewesen, Mitglied der für damalige Seiten radikalen fabian society, und aus dieser besonderen Ein­stellung zu weltanschaulichen Dingen des Lebens kam er nie wieder ganz heraus. Er hat in jeder

zu sichern. Die drei Flugzeugstativnen, die sie im Lande behalten, sichern sie militärisch, und der Vertrag über das Petroleum wirtschaftlich. Aber die Beseitigung des Mandats, auf die die eng­lische Politik abzielte, ist doch eben ein Fort­schritt gegenüber dem bestehenden Zustand. Man hätte daher auch annehmen können, dah die englische Politik vom Völkerbund gebil­ligt werden würde, um so mehr, als ja das Mandat ausdrücklich die -Qkrfrlbftänbigung deS MandatSlandeS vorsieht.

Als die Engländer jedoch im Dezember ihre Absichten im Mandatsaussd^ deS Völkerbundes vortrugen, kam es ganz anders- Frankreich, Englands einziger Gegenspieler in der Frage, machte Einwände über Einwände: es bezweifelte, dah der 3raf reif zur Selb ft regle rung sei, ver­langte einen Sonderschuh seiner Staatsbürger usw-. so daß schließlich die Mandat-kommission nicht umhin konnte, einen Beschluß zu fassen, ber eine Vertagung ber ganzen Angelegenheit bedeutete: ber Völkerbund verlangte weitere AuS- tünfte, ehe er in eine Diskussion ber Frage ein* treten könnte!

Das war. wenn man so will, ein glatter Wort- bruch ber Franzosen. Aalten boch die Engländer in Voraussicht dessen, dah Frankreich Schwierig­keiten machen würde, wenn auch schweren HerzenS, nicht nur in eine Beteiligung Frank- reich s an ber effektiven Ausbeutung ber meso­potamischen PetroleumSselber eingewilligt, bie eine bebeutenbe Verbesserung ber französischen Stellung gegenüber früheren Vorschlägen be­deutete. sondern darüber hinaus dem Bau ber O eile i tun g zugestimmt, bie von den meso­potamischen Oclfelbem anS Mittelmeer füh­ren soll. Das war kein geringe- Opfer, ba ber Bau ber riesigen Oetleitung sehr viel Gelb kostet, unb er für die Engländer jedenfalls eine über­flüssige Ausgabe darstellt. Sie besitzen ja im Oelhafen von Abadan am Persischen Dolf einen sehr viel besseren und billigeren AuSlah Dieses Zugeständnis war also so groß, dah bie Eng­länder hätten erwarten dürfen, von Frankreich nunmehr keine weiteren Schwierigkeiten zu er­fahren. Die Haltung der Franzosen im MandatS- ausschuh war somit alleS andere als loyal.

Als es soweit war, blieben die Engländer aber auch nicht müßig. Der Vertrag mit der Irak-Petroleum-Cie.. ber aus englische Veran­lassung -wischen der Irakregierung unb dieser englisch-französischen Gesellschaft geschlossen wor­den war, stieß plötzsich auf Schwierigkeiten, unb es fehlte nicht viel, so wäre dieser Vertrag gescheitert". Denn es stellte sich nun heraus, daß die Franzosen mit dem ersten Abkommen über die Oelleitung keineswegs einverstanden waren. Sie hatten nämlich bemerkt, baß bie Oel­leitung ja voll unb ganz burch britisches Gebiet, nämlich nach Haifa, führen sollte, so daß die Kontrolle über bie Oelleitung ausschließ­lich in englischen Hänben geblieben wäre. Die Franzosen hatten also -war ihr Kon­tingent an Oel erhalten, aber in einem englischen Hafen unter englischer Kontrolle. Sie bestanden

tativste Dichter des jetzigen Englands sogar dem deutschen Besuch in Eh« Paradepserd vorgeführt ist gerade aus dieser seltsamen, unvollkommenen Mischung von eiskalter Ironie und warmer Menschlichkeit zu werten. Er selbst bat seine Dichtungen einmal eingeteilt in unerquickliche. Die Häuser des Herrn Sar­torius, Der Liebhaber, Frau Warrens Gewerbe; in erquickliche: Helden, Candida, Der Mann des Schicksals. Man kann nie wissen; in S t ü ck e für Puritaner: Cäsar unb Kleopatra, Kapi­tän Drahbounds Bekehrung. Der Teufelsschuler. unb in Äomöbien bes Glaube ns: Major Barbara, Der Arzt am Scheidewege, 2lndroklus unb ber Löwe. Die fühlbare Ironie biefrr Ein­teilung erfüllt auch die Dramen selbst, binbert Shaw aber nicht, Menschen von Fleisch unb Blut mit einer oft ergreifenben, oft zu innerstem Lachen zwingenden Lebendigkeit zu btlben. Fast immer beginnt er damit, den überkommenen Konven- turnen des menschlichen Lebens das PrunkgewanO vom Leibe zu reihen, sie nackt hinzustellcn. Inso­fern erscheint Shaw als Rihilist unb liebäugelt mit dem Bolschewismus. Das tat er allerdings schon zu einer Zeit, als die Welt die Probleme Ruhlands noch nicht mit derartigen Begriffen umrih. Aber wenn Shaw niederreiht, so baut er auch wieder auf; er stellt seinen unwürdigen Helden auch wieder Personen mit echtestem Men-

Lochschulnacknchten.

Prof. Dr. Eberharv Grisebach in Iena bat die Ernennung zum ordentlichen Professor der Philosophie und Pädagogik an bet Universität Zürich als Rachfolger beS verstorbenen Profes­sors G. Lips erhalten. Grisebach war Schüler von Rubvlf von (Süden unb begann seine aka- bemische Laufbahn 1913 als Privatbozent in Iena. Hier wurde er 1929 a. o. Professor. Die Ernennung des o. Professor- Dr. Wolfgang Denk von der Universität Graz zum ordent­lichen Prosessvr der Chirurgie unb Direktor ber II. Chirurgischen Klinik an der Universität Wien als Rachfolger des Hofrates Hochenegg wird be­stätigt. Denk war Schüler von Pros, von Cisels- berg in Wien. Dort habilitierte er sich 1916 unb siedelte 1928 als Ordinarius nach Graz über. Deine Arbeiten betreffen besonders Blutgerin- nung-lehre, Darm- unb Gehirnchirurgie. Dr. med. et phil. Anton Walbeyer. Prosektor am Anatomischen Institut der Universität Frei­burg L Dr., hat eine Berufung auf den Lehr­stuhl der Anatomie an der Staatlichen chinesischen Tungchi-Universität in Sch anghai als Rach­folger von Prof. Wagenseil erhalten, bet er bereit- zum Wintersemester 1931/32 Folge lei­sten wirb. Walbeyer erwarb in München den Dr. phil. nat. unb in Würzburg den Dr. med. unb bekleidete Assistentenstellen in Kiel unb Frei­burg i. Dr. 1930 würbe Waldeyer Ptoseklor am Freiburger Institut.

daher daraus, dah die Oelleitung nach Syrien geführt werden müsie unb erklärten, daß unter anderen Umständen für sie bie Angelegenheit fein Interest« haben würde. Da die Engländer dies natürlich zunächst nicht zuaestehen wollten, blieb die Angelegenheit in der Schwebe unb bannt auch bie Frage bet Aufhebung des Mandats über da- Irak. __

Aber die Sache hätte nicht von Engländern verhandelt werden müsten. wenn sich nicht doch eine Lösung gefunden haben würde: eine Lösmig, die in ihrer Art durchau- genial ist Man einigte sich nämlich daraus, die Oelleitung zu gabeln, so daß Engländer und Franzosen, jeder für sich, eine getrennte Adzapfstelle für da- Petroleum erhielten. Al- es soweit war. waren auch plötzlich wie mit einem Schlage sämt­liche Schwierigkeiten für die Irakregierung ver­schwunden. Der Vertrag mit der Irak-Pe:roleum- Lie. kam mit einigen Aenderungen (Beschränkung deS Kvnzestion-gebiete- unb Erhöhung der IahreSabgabe) überraschend schnell zustande, und da- Irakparlament ratifizierte sogar den Vertrag ohne wesentlichen Widerspruch.

Man kann nunmehr auch nicht daran zweifeln, daß ber Völferbunb bie Aufhebung De« IrakmandateS beschließen wird und daß all die Einwände, die man noch im Dezember gegen die Verselbständigung deS Lande- hatte, fort* fallen werden. Rachdem sich England unb Frank­reich geeinigt haben, i st das Land ebenreif für bie Selbstregierung".

Man kann biefrr Tatsache nur mit gemischten Gesühlen entgegenfeben, so seht es auchzweifel- los zu begrüßen ist, daß mit bem Irak ein weiterer der arabischen Stämme seine Selbständig­keit erhält. Denn auch diese- Ereignis zeigt, daß bet der heutigen Weltkvnstellation immer nur bann ein Fortschritt zu erreichen ist. wenn sich Engländer unb Franzosen auf Kosten eine- Dritten zu einigen Der­rn ö g e n unb bah in allen anberen Fällen nichts zustanbe kommt. Unb bet Dölkerbunb, ber immer wieder als daS Mittel «Iler internationalen Kooperation gepriesen wird, bleibt bei aliebem nichts anderes al- ein Vollzugsorgan bet eng- lisch-französischen Entente, der immer nur bann zu einem Beschluß kommt, wenn sich England und Frankreich vorher hinter den Kulissen darüber geeinigt haben, wa- beschlossen werden soll.

(Rachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten!) lieber unseren europäischen Hptgen vergessen wir allzu leicht die großen ßinten der Weltpolitik. Das ist schade Denn so entgehen unserer Auf­merksamkeit leicht eine Reihe von Dingen, die ebenso bemerkenswert wie wichtig sind. Das gilt vor allem für das Verhältnis von Eng­land und Frankreich in außereuropäischen Fragen, in denen die wahre Stellung dieser beiden angeblich so befreundeten Rationen zuein­ander deutlicher, und ohne jenen Schleier ver­logener Phrasen sichtbar wird, den man sonst nur selten beiseite schieben kann. Das gilt vor allem für die Stellung ber beiben Mächte im,0 r ient, wo immer noch die alte englisch-französische Ri­valität ihre Gültigkeit hat- Hier, wo eS gilt, reale Interesten zu verteidigen: Länder, nicht Gefühle, wie ein alter Orientalist einmal Jagte, unb wo es keine Rücksichten auf innerpolitische Komplexe gibt, herrscht eben immer noch bet heilige Egoismus unumschränkt und auch un- maskiert. Die Deispiele. bie uns die jüngere orientalische Geschichte liefert, sind daher auch stets besonders lehrreich, da sie zeigen, wie ge­schäftsmäßig unb nüchtern die Engländer im Grunde genommen ihre Politik stets zu treiben pflegen.

Ein gutes, um nicht zu sagen ein klassisches Beispiel hierfür ist nun diL Geschichte d e S IrakmandateS in den letzten Monaten. Die Engländer haben bekanntlich im Sommer 1930 mit dem Irak einen Vertrag abgeschlossen, der vorsieht, daß daS Irak selbständig werden und infolgedessen das Mandat über das Land im Iahre 1932 auf hören soll. England hat diesen Vertrag aus guten Gründen geschlossen: denn er nimmt ihm nichts von seiner Machtstellung im Lande, konsolidiert aber dafür die Stellung F e i s s a l s. des von England eingesetzten Königs, und gibt den Engländern so die Möglichkeit, in allen Ländern des Orients das Lieb von der Befreiung der Orientalen durch die Engländer, von deren gutem Willen unb ihrer Uneigen­nützigkeit vorzutragen. Das ist keine geringe Angelegenheit und durchaus nicht nur Propa­ganda. wie man vielfach zu hören bekam, sondern von größter psychologischer Bedeutung. Denn ein­mal schmeichelt es dem Stolz der Orientalen, wenn erunabhängig" ist. unb fobann wäre bas Irak nicht zu halten gewesen, wenn es nicht un­abhängig geworden wäre. Ohne diese Tatsache hätte nämlich der Rachbar des Landes im Osten Persien noch der im Westen Ibn Saud mit seinen Wahabiten sich dazu herbeigelassen, das neu errichtete Königreich anzuerkennen. Ohne die UnabhängigkeitSerllärung wäre also der orien­talische Friede nicht zu sichern gewesen.

Wie man daher auch sonst über diese Politik ber Englänber benfen mag sie enthielt einen gefunben Kern, ber im Interesse des gesamten Orients lag. wenn man den Frieben in biefen Gebieten sichern wollte Gewiß ist nicht zu be­streiten. daß die Engländer es verstanden haben, bei dieser Gelegenheit ihre Sonderinteressen gut

Wirtschaft und Schule.

Don X Albrecht.

Zu den Problemen, die für lange ßeitbie kreise unb die weitere Oeffentlichkeu bc(irrigen werden, gehört das Problem der gen Beziehungen von Wirtschaft und Schule, ihrer Gemeinsamkeiten und ihrer Gegen­sätzlichkellen, ein Problem, von dem man sich wundern muß. daß eS nicht längst in jener Breite erörtert worden ist, die dem Gegenstand ange­messen ist. Rachdem die Erörterung zunächst ein­seitig oon Den beteiligten Gruppen der Wirt- schattier ober Schulmänner behanbelt wurde, ge­winnen wir in letzter Zeit ben Eindruck alS ob sich bie Erörterung bazu verdichtete, daß sich b.e interessierten Kreise am gemeinsamen Verhand­lungstische finden wollten. daS erscheint notwen­dig. wenn man bedenkt, dah Wirtschaft und Schule aufeinander angewiesen sind. Unsere Wirtschaft wäre undenkbar ohne den hohen Stand unterer allgemeinen Volksbildung, wie um­gekehrt die Schule nicht ihren heutigen hohen Stand erreicht hätte, wenn ihr nicht aus der Gesamt­wirtschaft unsere- Volkes jene materiellen Kräste zugeströmt wären, die zu ihrer Erhaltung unb Entwicklung notwenbig sind Insbesondere wirb heute die Frage nach ber Rentabilität ber Volksschule erhoben. Durchaus verständlich, wenn man bebenkt, baß die Aufzucht einer Ar­beitskraft nach ber Berechnung von Pros. Ztert- rnann etwa 18000 Reichsmark kostet. AuS der Dis­kussion über diese Tatsachen haben sich betettf einige wesentliche Folgerungen ergeben, einmal al« Ablehnung überspannter Forderungen der Wirt­schaft bie Folgerung, baß die Schulerziehung we­der berufs- noch wirtschastSfertige Menschen schaffen soll und auch nicht tarnt Zum andern hat sich die Folgerung ergeben, daß die Schule den Ruf nach erhöhten Leistungen nicht überhören darf. Die Zellen, wo man glaubte die Schule alS autonome Provinz betrachten zu dürfen, sind vorüber. Trotz aller Anerkennung eines berechtigten und Mitur- nohrenbigen Eigenlebens der Schule, das sich ein­mal auS dem historisch gewordenen Wesen un­serer Schule und zum andern auS wissenschaftlich begründeten pädagogischen Forderungen ergibt, wird niemand die berechtigten Forderungen des Staates und der Wirtschaft überhören Dürfen. Daß Wirtschaft und Schule ihre eigenen Gesetze des Lebens haben, muh als eine ber Grundwahrheiten in bie kommenden Auseinandersetzungen ein- Sehen.

Gleichzeitig erheben wir eine andre unabweis­bare Forderung: Zurückführung der ge­samten Schularbeit, insbesondere der Volksschularbeit auf ihren Kern Rach dem Worte eine- Schulaufsichts­beamten soll daS Kind in der Schule etwas lernen, was es allein und ohne fremde Hilfe nicht oder nur sehr spat lernen würde,da- unbedingt Rötige im Sinne von SprangerS grundlegender Bil­dung". Darau- folgt aber, daß wir Die Volks­schule aus ihrer Stellung herausheben müßen, die sie zu einem ..Mädchen für alle«" hat werden las­sen. Als Probleme, Die deshalb sehr bald in An­griff genommen werden sollten, heben wir fol­gendes heraus:

1. Fernhaltung aller Dinge aus dem Schulleben, Die nichts mit dem eigentlichen Bildung«- und SrziehungSprozeß zu tun haben,

2. ernsthaft« Prüfung, wie weit die stören» Den Wirkungen der Iugendpflege, der Ju­gendwohlfahrt, der Schulspeisungen, Der Schulun» tcrr.ebmungen, der Beurlaubungen der Kinder außerhalb der Ferien, der Berufsberatung her- abgeminbert werden können;

3. eine ernsthafte Prüfung aller mo­dernen Unterrichtshilfsmittel, wie Radio. Kino, auf ihren wahren DildungSwert insbesondere Darauf, wie weit sie den geordneten Unterrichtsbetrieb eher hemmen als fördern;

4. gründliche Durcharbeitung der Lehr­pläne nach der Richtung des für unsere Zeit Rotwendigen. Und vor allem: Lehrpläne und keine Richtlinien.

Baut insbesondere bie Volksschule hier ab, so werden Wege frei für eine innere Umstellung der Schule im Sinne einer größeren Lebensnahe un­serer Schule. Da bie Wirtschaft, angefangen vom

schentum gegenüber, die seinen Glauben an bai Gute im Menschen nachweisen.

In berHeiligen Iohanna" erreicht Shaw unter peinlichster Wahrung menschlicher Gerechtigkeit unb unbefangener Lebensnähe eine unvergeßliche Steigerung von innen her nach außen. Gerabe dieses Drama war für Shaw eines seiner größten Erfolge unb bewies, daß ber damals beinahe 70 Iahre alte Dichter immer noch jung ist. Und jugendlich hinstürmend mutet auch sein letztes Werk an,Der Kaiser von Amerika", in dem er mit unbarmherziger Kri­tik ben englischen Parlamentarismus unb Im­perialismus blohstettte, bie Gebresten ber parla­mentarischen Demokratie dramatisch unterstrich. Hier überragt bie äußere Form bei weitem ben eigentlichen Gehalt bes Stückes, ba« trotzdem auf allen Dühnen gern gesehen wurde.

Seine Iugendsünde, ba« Bekenntnis zum So­zialismus, hat ihn zu einer ähnlichen Tat noch einmal in ben letzten Iahren ermuntert Es er­schien ber ,Wegweiser für bie intelli­gente Frau zum Sozialismus", ein Buch, geschliffen, teilweise in die edelste Form Der Sprach gegossen. Dabei aber keineswegs zurück­haltend, sondern geladen mit einer wilden Agres- fivität und einer Entschiedenheit des Urteils, wie das eigentlich nur Die Iugend zum Ausdruck bringt. Dementsprechend gingen die Wogen der Erregung um dieses Buch hoch, und jener Teil seiner Landleute, bie biefen Dichter wegen seiner immer wieberkehrenben Angriffe nie sonderlich schätzten, hatte neuen Anlaß, gegen Shaw an- zukämpfen.

Shaws Stärke, ein gutes Wort, einen riskanten Ausspruch in Die bentbar kürzeste unb schlagfertig wirkendste Form zu bringen, ist seine Schwäche geworben. Er liebt Die treffsichere ironische Ant­wort auf irgendeine Frage über alles, er forciert derartige geschliffene Bosheiten, und daher ist die Zahl der Shaw-Anekdoten Legion geworden. Sicher nicht zum Besten dieses geistreichen Dich­ters. mit dessen Witz auf diese Art Schyndluder getrieben wird. Es gab Zeiten, in denen er bittere Pillen auch an Den Teil seiner Lands­leute verabfolgte, die über Krieg und Frieden zu bestimmen hatten; während der Dauer des Weltkriege- ging er recht erbarmungslos mit den

Der Kampf um das Lrak-Mandai

Don unserem Londoner Q.-Berichterstatter.

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Prlaleln lull Inn Tochter von Antcn Braun II. an Hochel* beim mit tlclem Sr- laueto bieibuttbii!' M ba wir btr volle ilnroabxWt tiriM haben u. Men ein LÄnegrlb. MSri Katharina Weber, Tochter von flnion Leber V. Händler, Hochelheim.

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.^che für meine .ochter, 24 SC* liltelgrofc m.' ^7 SS Mita Meritt«^, ^Akademiker ftju^fueinebft OiUefofBtt, fpäi. gröberes «erwögen. .ErnslzemeinieZu' lebrltten unter 4925D r-d. Meh.Anz. erb.

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