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nr.5Ul Drittes Blatt

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gveryeffen-

Donnerstag, 24. Dezember 195{

Die Welt an der Jahreswende.

1.

Rund um den Pazifik.

Äon Or. F. Hesse

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Das Jahr 1931 ist für das gesamte indopazifische Gebiet ebenso wie für die übrige Welt ein Jahr d e r N 0 t gewesen. Ja, wenn man die Zahl der Men­schen in Betracht zieht, die hier durch Naturkata­strophen, Absatzkrisen, Krieg und Aufstände gelitten haben, so kann man sogar behaupten, daß das ver­gangene Jahr hier für viele Länder fast noch kata­strophaler gewesen ist als für manche europäischen Länder. Ob man dabei an Japan, China, Jndo- china, Indien, Australien, Neusesland, die hollän­dischen Kolonien denkt überall ist die Bilanz dieses Jahres wirtschaftlich passiv und auch politisch hat sich wenig Erfreuliches ereignet. Im Gegenteil, aus politischem Gebiet haben sich die Dinge an den verschiedensten Stellen so zugespitzt, daß der indopazifische Raum als Gefahren­zentrum er st en Ranges für die Zu­kunft angesehen werden muß. Dabei ist bemer­kenswert, daß die Sturmzonen vor allem a n d e n Rändern des umschriebenen Gebietes liegen, also gerade dort, wo Asiaten und Europäer am stärksten miteinander in Berührung kommen, also in Indien und in der Mandschurei.

troffen worden, die den Handel schwer geschädigt haben. Die Aufhebung der Exterritorialität hat zwar manche Streitpunkte beseitigt, aber unklar ist immer noch, was aus den Niederlassungen der Europäer werden soll. Die Unsicherheit, die damit über dem größten Teil der in China ansässigen Eu­ropäer schwebt, ist immer noch nicht beseitigt wor- den, so daß die Dinge auch für 1932 wirtschaftlich sehr trübe aussehen.

Noch schlimmer ist das auf innerpolitischem Ge­biet. Die große Nationalversammlung von Ende 1930 hat nur theoretische Beschlüsse fassen kön­nen, die zu keinen praktischen Ergebnissen geführt haben. Zwar war es Tschiangkaischek gelungen, den mandschurischen Machthaber auf seine Seite zu ziehen, so daß endlich China wieder einmal vom Norden bis zum Süden geeinigt schien aber dies Ereignis hat böse innerpolitische und außenpolitische Folgen gehabt. Denn nun glaubten die Kantonleute, daß es zu einer Militär­diktatur kommen würde und betrieben von da an um so stärker die Propaganda für eine demokratische

Verfassung,weil die Uebergangszeit, die Sun Iat Sen voroesehen hatte, abgelaufen sei. Die Nanking­regierung wurde daher in unerwünschte innerpoli­tische Kampfe verstrickt, die schließlich mit dem Rücktritt Tschiangs endeten. Noch schlimmer waren aber die Folgen des Friedens zwischen den beiden Marschällen auf außenpolitischem Gebiet: der große Konflikt mit Japan hat zweifellos dort seinen Anfang genommen. Daß die Mandschurei sich wie­der mit dem nationalen China einigte, war eben für die Japaner zu gefährlich, nachdem in Mukden jemand groß geworden war, der nicht mehr auf sie hören wollte. Das hätte doch bedeuten können, daß die japanischen Rechte eines Tages ver­loren sein würden, ohne daß man über Verträge, die auf 99 Jahre gelten sollen, verhandelt hätte! Die Auseinandersetzungen sind mit der Völkerbunds­entscheidung zweifellos nicht vorüber. Der Krieg ist nur vermieden worden, weil man ihn im Winter nicht führen kann. Wie wird das aber im Früh­jahr werden?

Viel, ja fast alles hängt in Oftafien von der wei­teren Entwicklung in Japan ab. Im Januar 1931 hielt der damalige Außenminister eine Rede, in der er sich für die Verständigung mit China

Zum 300. Jahrestag der Besetzung von Mainz durch Gustav Adolf von Schweden.

Das Jahr 1931 war für das nationale Indien ein 9a br schwerer Enttäu­schung. Wirtschaftlich waren die Dinge vielleicht nicht ganz so schlecht, wie man das ursprünglich 1930 befürchtet hatte. Aber der Boykott der englischen Waren, der während des letzten Drittels des Vorjahres und noch zu Anfang dieses Jahres Handel und Wandel lahmlegte, hat doch dem Handel so tiefe Wunden geschlagen, daß er sich trotz des Friedens zwischen Gandhi und dem Vizekönig Lord Irwin nicht recht wieder erholen kann. England, der Hauptkunde Indiens, ist in den Strudel der Weltwirtschaftskrise gerissen worden, so daß die gesamte Ausfuhr des Landes sehr stark zurückgegangen ist. Die verheerenden Krisen ^auf dem Baumwollmarkt, dem Jutemarkt und dem Reismarkt haben die Kaufkraft der B e v ö I k e r u n g außerordentlich g e - schwächt, so daß vor allem die indische Land­wirtschaft schwer notleidend geworden ist. Zwar haben diese Dinge bisher keine ausschlaggebende Bedeutung gewonnen, da Indien ja in der Haupt­sache ein Agrarland mit sehr niedrigem Le- bensstandard ist, wo erst regelrechte Hungersnöte von ausschlaggebender Bedeutung werden. Von sol­chen. ist das Land aber, bis auf gewisse kleinere Gebiete, verschont geblieben, so daß sich Indien wohl auch mit am ehesten von allen Ländern der Welt wieder erholen wird wenn nur erst die politischen Streitigkeiten zwischen Indern und Engländern beigelegt sind.

Hier liegt aber der Hase im Pfeffer. Denn, wenn irgendwo, dann ist in Indien die Wirtschaft poli­tisiert worden, da der nationale Inder eben keine englischen Waren kauft, wenn er in seinen nationa­len Wünschen nicht zufriedengestellt wird. Die große Frage nach den Zukunftsaussichten des indischen Geschäfts ist also die, ob sich Engländer und Inder auf eine gemeinsame politische Linie werden einigen können oder nicht. Die Aussichten hierfür sind über­aus trübe. Die letzte Roundtable - Konfe­renz in London war ein Fehlschlag, man hat sich nicht einigen können Zwar ist man einen großen Schritt vorwärtsgekornrnen: aber in der Frage, in welchem Verhältnis Mohammedaner und Hindus an der zukünftigen Selbstverwaltung des Landes teilhaben sollen, mar kein Ausweg zu sehen.. Das ist ein böses Vorzeichen für das kommende Jahr. Soll es wieder zu blutigen Schlägereien zwischen Mohammedanern und Hindus kommen? Ist das der Fall, dann wird die Selbst­verwaltung weites verzögert, ja, es ist vielleicht sogar mit einem Wiederaufleben der Boy­kottbewegung zu rechnen, die aber dann dies­mal wahrscheinlich zu Gewalttaten, Aufständen usw. führen wird. Seit langem ist ja die indische Frei­heitsbewegung radikalisiert. Kommt es zu neuen großen Kämpfen, so wird es sicher ^ur Spal­tung der Bewegung in einen revolutionären und einen gemäßigten Flügel kommen, was dann eben wieder Bürgerkrieg, Verfassungskämpfe und wirt­schaftliche Not bedeutet. Vereinzelt haben die indi­schen Bauern bereits in diesem Jahr sich offen ge­weigert, ihren Pachtzins und ihre Steuern zu zah­len _ breitet sich das über größere Gebiete Indiens aus, so ist nicht abzusehen, wie die Dinge weiter­laufen sollen. Die jungen Inder, die in den letzten Monaten aus Moskau zurückgekehrt sind, haben dort gelernt, daß man vor allem die Bauern aufwiegeln muß. Werden sie von dieser Lehre im nächsten Jahr Gebrauch machen? Dann kann Indien sehr bald in Flammen stehen!

Aehnlich groß, daß es zum Bürgerkrieg kommt, ist die Gefahr auch in China, wo ebenfalls wirt­schaftliche Notstände mit politischen Schwierigkeiten zusammentrasen. 1930 brachte China die endgültige Einigung unter Tschiangkaischek 1931 sieht China wieder ohne Führer, mit einer Regierung, von der man nicht weiß, wie sie morgen aussehen wird, einem Aufstand in der Kwantungprovinz, gefahr- drohenden Entwicklungen in der Mandschurei, einer überaus schwankenden Währung und einem immer schlechter werdenden Außenhandel 1931 hat also nicht das erfüllt, was es versprach nicht zuletzt, weil das Ausland sich immer noch in die chinesischen Dinge hineinmischt, und diesem Riesenraume das Eigenleben nicht gö1 nt, zu dem er berechtigt ist. Fremdenhaß und Naturkatastrophen haben in glei­chem Umfange den Handel geschädigt, so daß das vergangene Jahr in der Wirtschaftsgeschichte des Landes wohl als eines der schwärzesten dastehen wird. Die riesige Naturkatastrophe in Mit­telchina am Gelben Fluß hat wahrscheinlich etwa einer Million Menschen das Leben g e - k ost et und hat etwa 20 Millionen brot l 0 s gemacht In anderen Provinzen des Reiches, im Südwesten, hat es schlechte Ernten gegeben, während der Norden unter den verheerenden Wir­kungen des Bürgerkrieges immer noch schwer leidet. So leicht sind eben fast zehn Jahre Bürgerkrieg nicht vergessen zu machen. Und was von diesen Un- glückssällen verschont geblieben ist. der Gürtel der Hafenstädte am Meer und an den großen Strömen des Landes, ist durch die politischen Kämpfe geschä­digt worden, die immer wieder Handelsboykotte zur Folge haben. Japaner, Engländer, ja auch wir Deutschen sind von Boykotten b e«

Links: König Gusta 0 Adolf von Schweden nach einer zeitgenössischen Darstellung. Rechts: Ansicht der Stadt Mainz nach einem Flugblatt aus dem Jahre 1632. Links sind die einziehenden Schweden, rechts die abziehenden Kaiserlichen zu sehen.

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Am 24. Dezember jährt sich zum 300. Male der Tag, an dem König Gustav Adolf von Schweden als Befreier der Protestanten die Reichsstadt Mainz besetzte und die Kaiserlichen zum Abzug zwang.

Das schwedische Heer hielt in Mainz Winterguartier, und Gustav Adolf berief dorthin die protestantischen Fürsten, um ihnen die Ziele seiner künftigen Politik vorzutragen.

Bodenreform und Volksschicksal.

Don D Or. jur. et med. 1). c. Adolf Damaschke, Lorsitzendem des Bundes DeutscherBodenreformer und des Ständigen Beirats für Heimstättenwesen beim Deutschen Reichsarbeitsmimsterlum.

Der energische Schritt unserer Reichsregierung in der Bekämpfung der überaus gefährlichen Krise auf dem Arbeitsmarkt durch Ansiedlung Er­werbsloser in sogenannten Randsie- d e I u n g e n ist der erste wirklich aufbauende Ge­danke aus der Notverordnungszeit. Er hat in weite ftem Maß das gebracht, mar heute das Nötigste für unser Volk ist: er hat Hoffnungen geweckt und da durch neuen M u t und neuen Willen dort, wo Zweifel und Verzweiflung immer mehr Herzen versinken ließen! Gewiß werden noch mancherlei Schwierigkeiten in der Durchführung dieses Planes zu überwinden sein; es ist auch möglich daß manche Rückschläge erfolgen, mancher Wunsch unerfüllt bleiben und manche Hoffnung enttäuscht wird. Aber der Grundgedanke ist richtig: Nur durch eine Verbindung unseres Volkes mit dem vater­ländischen Boden kann in organischer Entwicklung die Arbeitslosigkeit gelöst werden. Es gibt kein Hilfs mittel, das von heute auf morgen der wachsenden Not der Zeit steuern könnte. Aber es gibt eine Lösung des Problems auf dem Wege eines langsamen zielbewußten Ausbaues. Es verlohnt sich wirklich, als letzte und stärkste Re­serve den Bodenreformgedanken in die Bresche zu werfen!

Wenn von gegnerischer Seite Der Einwand er­hoben wird, daß die praktische Durchführung Schwie­rigkeiten erzeuge, so ist das ohne weiteres zuzugeben Aber wo wurde je ein großes Ziel ohne große Anstrengung erreicht? Nur mit klarem Blick und dem festen Willen der verantwortlichen Stellen kann über einzelne Interessen hinweg der Weg zur Ge­sundung gegangen werden. Die Erfahrungen, die wir Bodenreformer mit unseren bisherigen Versuchen gc macht haben zeigen, daß wir auf dem rechten Wege sind. Ich erinnere an Dbernigf in ber Nahe von Breslau, eine Schöpfung unserer Anhänger, Die man als eine ideale Randsiedlung bezeichnen kann Es liegt einerseits nahe genug an Der Großstadt, um mit ihr in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung ver­bunden zu sein, und doch entfernt genug, um feine Eigenart und Selbständigkeit voll zürn Ausdruck zu bringen. In 142 Häusern haben sich hier in den letzten Jahren über 250 Familien angesiedelt, deren Heimstätten in herrlicher Lage in einem Meer von Grün eingebettet liegen. Wir haben ferner Firn- habecau bei Augsburg an den Ufern des Lechs, wo heute bereits 132 sonnige Einfamilienhäuser stehen, wo noch vor wenigen Jahren Schutt und ödes Geröll lagen Und was können die Siedler dem kargen Boden oft abringen Wer dies erkenne^ will, der gehe einmal durch unsere Kleingärten und Schre berfolonien und sehe sich die Fülle blühenden Lebens an. In Firnhaberau sind in wenigen Jahren über 10 000 Beerensträucher, 3500 Obstbäume und viele andere Gartenkulturen angelegt worden Der Wert dieser Anlagen beläuft sich auf nahezu 50 000 Mark Die letzte Ernte ergab einen Ertrag von 250 Zentner Beeren- und Kernobst im Werte von 8500 Mark. Dazu lieferten 120 Ziegen im letzten Jahre 8600 Liter Milch im Werte von 2600 Mark, und 3300 Hühner legten rund 250 000 Eier, die einen Wert von 36 000 Mark darstellten. Und nun vergleiche man einmal

diese blühenden, sich zum großen Teil selbst versorgen­den und in fröhlicher Gesundheit dahinlebenden Sied­lungen mit den dumpfen Großstädten, die infolge Der steigenden Lasten für die Arbeitslosigkeit zu immer stärkeren Abstreichungen auf dem Gebiete kul­tureller und sozialer Leistungen gelungen sind .und deren verheerende Einschränkungen auf dem Gebiete des Wohlfahrts- und Gesundheitswesens ihren tief­sten Grund in der Arbeitslosigkeit haben.

Wenn man gegen uns als schwerstes Geschütz den Grund ins Feld führt, die Gemeinden feien zu arm, um eine geeignete Bodenvorratswirt­schaft zu treiben, so halten wir dem entgegen, daß es durchaus möglich ist, die Entschädigungen für die Bodenhergabe in Form einer als Reallast einzu­tragenden tilgbaren Rente zu zahlen, die bewertet wird nach der Steuergrundlage und die der trägt, an den der Boden gegeben wird. Die Gemeinden brauchen also keine großen Mittel für eine ver­nünftige Bodenpolitik. Gerade auch das so heiß um­kämpfte H e i m st ä 11 e n g e s e tz befreit sie von der Sorge, übergroße Mittel in die Bodenwirtschaft hin­einzustecken. Jede Festlegung größerer Kapitalien würde ja bei dem heutigen hohen Zinssätze eine schwere Belastung der schon an und für sich um ihre Existenz ringenden Gemeinden darstellen. Eine aus­gedehnte Bodenvorratswirtschaft würde aber nicht nötig sein, da die Gemeinden ja sicher sind, jederzeit zugerechten" Preisen, d. h. auf der Grundlage des Steuerwertes Boden erwerben zu können.

Das allerdings ist die Voraussetzung jeder wirtlich bvdenrefor.merischen Siedlungstätigkeit: die Gemein­den müssen in Der Lage sein, dauernd billigen Boden zur Verfügung zu stellen. Was würde ge­schehen, wenn sie das nicht könnten ? Dann würde der Boden, der im Besitz der Gemeinden, Kreise, 'Stif­tungen und Kirchen ist, besetzt werden, der daran grenzende Privatboden aber würde in seinem Mo­nopolcharakter gestärkt, in seinen Spekulationspreisen erhöht. Daß alle Heimstättenarbeit damit steht und fällt hat schon die Nationalversammlung erkannt, indem sie am 29. April 1920 von der Reichsregierung einstimmig forderte:

einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Bo­denspekulation und zur sozialen Ausgestaltung des Enteignungsrechtes."

Die Reichsregierung hat daraufhin denStändigen Beirat für Heimstättenwesen beim Reichsarbeitsmini­sterium" eingerichtet, der Mitglieder aus allen poli­tischen Lagern umfaßt. Dieser hat nach ernsten Be­ratungen denEnwurf eines Wohnheimstätten­gesetzes" ausgearbeitet, dessen Kerngedanke eben der ist. daß die Gemeinden im äußersten Notfall das Recht haben, ohne langwieriges Verfahren au f d e r Grundlage des Steuerwertes Boden für Heimstättenarbeit zu erwerben.

Die Volknot hat uns zu einer großen Notgemein, schäft zusammengeschweißt, in der wir alle mit un­sichtbaren, aber starken Fesseln verstrickt sind. Keine große Schicht eines Volkes kann im Elend versinken, ohne andere Schichten mit sich zu reißen. Von der organischen Lösung des Arbeitslosenproblems hängt Deutschlands Zukunft ab!

einsetzte Ende des Jahres war er nicht mehr am Ruder und Japan befand sich mit China im Kriegszustand: Weil eben die Auffassung über die Gleichberechtigung" zwischen den beiden Völkern allzu verschieden ist. An Stelle der liberalen Min- seito sind wieder die konservativen Seiyu- k a i am Ruder kurz, das ganze Bild hat sich gewandelt. Zwar hat das japanische Volk inzwi­schen ein liberales Wahlrecht erhalten, aber die alt­japanische Einrichtung desRates der alten Staats­männer" hat sich den aus Europa importierten' parlamentarischen Firlefanzereien weit überlegen erwiesen. Man kann daher auch nicht daran zwei­feln, daß Japan nunmehr gewillt ist, seine In­teressen in China bis zum äußer st en zu verteidigen, gegen alle Mächte, auch ge­gen die Vereinigten Staaten. Das ver­birgt sich vielleicht hinter ostasiatischer Höflichkeit, ist aber sichtbar, sobald japanische Interessen so offen bedroht werden, wie in der Mandschurei.

Japan muß leben. Seine ständig zunehmende Bevölkerung, die aber einen verhängnisvollen Zug zum im Lande bleiben zeigt, zwingt zur Aufrecht­erhaltung des Außenhandels und damit dazu, daß überseeisch, in China, japanische Kolonien von Kauf­leuten und Industriellen unterhalten werden. Das ist den Japanern noch nie so klar gewesen wie in diesen Notjahren. War 1930 bereits das schlechteste Jahr seit Kriegsende der Handel war gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel zurückgegangen so muß man sich fragen, wie in diesem Jahr die Er­gebnisse aussehen werden. Wird der Handel wieder stark zurückgegangen sein? Dann steht Japan am Ende bereits im nächsten Jahr vor einer wirt« schaftlichen Katastrophe ungeheuren Aus- maßes, da ja fast drei Fünftel der Bevölkerung vom Außenhandel direkt und indirekt leben. Daß die japanische Währung nur mit Mühe das Jahr über gehalten werden konnte, ist bekannt. Das vor Jahresschluß erlassene Goldausfuhrverbot Deutet aber an, daß diese Politik beendet ist. Bleibt also die Inflation, die vielleicht den japanischen Außenhandel wieder in Gang bringen und die eng­lische und amerikanische Konkurrenz zu schlagen er­lauben wird. Vielleicht hilft das auch der Industrie, die ja in großen Teilen bereits seit 1930 staatlich gestützt" ist. Aber werden es sich die Engländer und Australier und die Leute aus USA. gefallen lassen, daß Japan ihnen im Pazifik die Märkte fortnimmt? Reißt diese neue Politik nicht neue Wirtschaftswunden auf? Zoll­krieg im pazifischen Gebiet ist Darüber ist man sich wohl allgemein einig nur Das Vorspiel eines noch größeren Krieges. Die Wolken hängen hier jedenfalls sehr dicht. Wer weiß, was das nächste Jahr hier bringt!

Wenn sich die Gewitterwolken so finster in In­dien, Japan und China ballen, ist es nicht weiter wunderzunehmen, daß es im Uebergangsgebiet zwischen diesen Ländern auch böse aussieht: Daß in Französisch-9n dochina blutige Aufstände ausbrachen, die allerdings ebenso sehr durch eine Mißernte bedingt waren, wie durch politische Be­strebungen; daß in Birma ähnlich schwere Kämpfe tobten, ja daß es auch in Holländisch- Indien nicht ruhig war, scheint da fast selbstver- stündlich. DasAsien den Asiaten" hat je­denfalls in dieser Zeit der wirtschaftlichen Krise bedeutend an Boden gewonnen: Die Weltwirtschafts­krise ist eine Krise der Herrschaft der weißen Rasse. Wer das nicht glaubt, braucht nur die Ergebnisse der Wahlen in den holländischen Kolonien ansehen, wo auch die Erlaubnis der Be­teiligung Der einheimischen Bevölkerung an den Wahlen dazu führt, daß die Europäer in eine hoffnungslose Minderheit gerieten. Daß dabei Holländisch-Jndien ein Zentrum der bolschewistischen Propaganda geworden ist, verzeichnet der Historiker mit leichtem Schauder, Versteht man es da, wenn alle die Zinn-, Gummi-, Kakao- und Kopraplantagen-Besitzer, nachdem sie schon durch die schlechten Preise der Weltwirtschafts­krise ruiniert worden sind, die Hoffnung verlieren und nach Europa zurückzukehren beginnen?

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Daß es unter diesen Umständen in Austra « lien und Neuseeland auch schlecht aussieht, würde also nicht wundernehmen. Daß es aber so schlecht aussieht, wie das der Fall ist daran haben die Australier selber Schuld. Die wüste so­zialistische Mißwirtschaft in den australischen und neuseeländischen Staaten, die zu der Finanzkata­strophe des letzten Jahres geführt hat, ist zweifel­los selbst verschuldet, ebenso wie es wohl als sicher gelten kann, daß die wirtschaftliche Krise in diesen von der Natur so reich gesegneten Ländern nicht so schlimm wäre, wenn nicht eine sinnlose marxistische Lohnpolitik so üble Wirkungen gehabt hätte. Was aus Australien im nächsten Jahr werden soll, ist durchaus zweifelhaft. Zwar haben Neu­wahlen wohl einen radikalen Wechsel des politischen Systems gebracht, aber wer weiß, ob das nicht z u spät ist. Die Aussichten sind jedenfalls trübe. Denn wer soll australische Wolle und australischen Weizen kaufen? Es sei eben denn, daß man Weizen für Militärbrot, und Wolle für Uniformen an anderen Stellen Der Welt benötigt, ober Die britischen Vor­zugszölle Den fünften Kontinent vor Dem Verfall retten ...

Alles in allem ein wenig erfreuliches BilD Gewiß, im Raume größten Menschendruckes müssen in Krisenzeiten auch die höchsten Spannungen entstehen. Für Idylle ist Da wenig Platz Aber Daß sich Die Dinge so entwickeln, ist doch eben auch hier Schuld des Versailler Systems, das Europa handlungsunfähig gemacht hat, das sonst wohl helfen könnte. Da das aber nicht der Fall ist, und wohl auch auf eine Reihe von Jahren hinaus nicht Der Fall sein mirD, wissen eben nur die Götter, was im Schoße des Indopazifischen Raumes für das Jahr 1932 beschlossen liegt. Viel Gutes wird es kaum sein im Gegenteil, man muß befürchten, daß die Dinge hier sich bis zum äußersten verschlechtern!

Talen für Donnerstag, 24 Deieniber.

Sonnenaufgang 8.30 Uhr, (Sonnenuntergang 16.19 Uhr. Mondaufgang 15.19 Uhr, Monduntergang 8.39 Uhr.

1524: der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama auf der Fahrt nach Kotschin gestorben: 1837: Kaiserin Elisabeth von Österreich in München ge­boren.

Talen für Freitag, 25 Dezember.

800: Krönung Karls des Großen zum Römischen Kaiser; 1742: Charlotte von Stein, Goethes Ver­traute, in Weimar geboren; 1837: Cosima Wag­ner in Como geboren.