Ausgabe 
24.11.1931
 
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Tour,

Erstes Echo der presse

Wenig Befriedigung auf allen Seiten.

Was wir- in Hessen?

Das Koalitionsgespräch zwischen Zentrum und Nationalsozialisten.

die Absicht, einzelne Preise herabzusetzen, biete w<der die Möglichkeit, die Lebenshaltungs­kosten in ausreichendem Maße zu senken, noch könne dadurch die Belebung der Wirtschaft herbei- geführt werden. Die Gelreidepreise Übertrit­ten in Deutschland die Weltmarktpreise um das Dreifache. Hier müßte zunächst die Preissenkung, u. a. durch die Verminderung der großen Handelsspanne^einsetzen. Wie die D r ge heute liegen, müssen die Gewerkschaften befürchten, daß die Sen tu na der Gestehungskosten einse.tig zu Losten der Löhne unh Gehälter erfolgt. Die weitere Schrumpfung der Kaufkraft, die sich daraus ergeben müsse, würde sich sozial und wirtschaftlich verhäng­nisvoll auswirken.

Das'Berliner Tageblatt" spricht vom ratlosen Beirat" und meint weit: , au^ nach die­semLieg" des Tari'gedankens würden die Ar­beitnehmervertreter scharf auf der Hut sein müs­sen. Umgekehrt sei von denKarte.lseierwochen" nichts mehr zu hlren. An eine Senkung der Preise falle es in Anbetracht der weiteren Restriktion der Wirtschaft schwer zu glauben. Bezüglich der Senkung der Betriebstarise sei es noch nicht abzu- sehen, wie bei den schwer bedrohten Gemeinoe- haushalten die Herabsetzung der besten Gemeinde- einnahmen erm glicht werden solle.

DieV o i s i s ch e Z e i t u n g" schreibt: Man wird in den Leitsätzen lauter alten Rezepten be­gegnen, nicht einem Gedanken, der nicht schon ge­dacht, nicht einer Empfehlung, die'nicht schon emp- fohlen worden. Wir belommen abgegriffene Mün­zen, sorgfältig in die Watte von Vorbehalten gepackt. Der Wirtschaftsbeirat war ein überflüffiges, zeitraubendes Zwischenspiel, und die Regierung kann, durch keinen Ratschlag klüger ge­worben, dort fortfahren, wo sie die große Pause ge­macht hat, um das Gremium der Sachverständigen einzuschalten. Das Fazit ist: Es ist Z e i t v e r - (orengegangen, die das Re.chskabinett ein- holen muß, ohne daß unter der Eile das Werk leidet.

DieGermania'' schreibt: Das Ergebnis ist letzten Endes die umfassende Auslegung des Konz- lerwortes: Ein armes Land muh billig fein. Daß dieses Ziel nur bei absolut gesunder und stabiler Währung und bei ausbalancierten öffent­lichen Haushalten bei Reich, Ländern und Gemein- den erreicht werden kann, ist die gemeinsame An­sicht der Reichsregierung und des Wirtschaftsbeirates. Wir glauben, daß dieser Weg trotz der schweren Opfer, die er verlangt, der einzige ist, der uns wie- der in eine freiere, nach Innen und außen unab­hängige Zukunft führen kann. DerVor­wärts" verzeichnet eine neue Aktion zur Senkung der Reallohnenicht nur als eine Barbarei und wirtschaftliche Sinnlosigkeit", sondern auch als eine politische Handlung von nicht absehbarer verhäng­nisvoller Bedeutung.

Mainz, 23. Aov. (WSR.) DasM a i n z e r Journal" nimmt Stellung zu der kommenden Regierungsbildung in Hessen. DaS Zentrumsblatt greift aus dem ArtikelKlare Fronten" im nationalsozialistischenHessenhammer" fol- aenden Sah heraus:Wir nehmen für uns in Anspruch, die Voraussetzungen zu einer Regie­rung mit anderen bekanntzugeben. Für uns kommt nur eine Regierung in Betracht, bei der das Innenmini st erium in der Hand eine- R a t i o n a l s o z i a l i st e n ist. Ministersessel sind uns gleichgültig, nicht gleichgültig aber ist uns die Macht im Staat. Die wollen wir." Dazu schreibt das Zentrumsblatt: Die RaziS wollen, wenn es nicht nach ihrem Willen geht, die Landtagsauslösung erzwingen. Dazu reicht eS aber nicht, selbst dann nicht, wenn sie neben sämtlichen Rechtsabgeordneten auch noch die Kommunisten als Bundesgenossen heranholen. Zur Landtagsauslbsung ist eine Zweidrittel- Mehrheit erforderlich. Auch eine von ihnen vorgcschlagene Regierung wird keine ab­solute Mehrheit erhalten. Es bleibt da­nach, solange $ur Regierungsbildung eine Mehr­heit nicht erreicht wird, die in der Verfas­sung vorgesehene Geschäs tsregle- r u n g. Dewitz können Rationalsozialisten und Kommunisten einer solchen Regierung das Leben verbittern, sie können, wie im Reichstag, Ob­struktion treiben, die parlamentarischen Geschäfte erschweren, aber stürzen können sie diese nicht. Vielleicht käme auch eine Beamten­regierung auf Abruf, die vorübergehend von einer Mehrheit toleriert würde, oder aber, wenn der parlamentarische Wirrwarr unlösbar wäre, ein Reichskommissar in Betracht. Man kann demnach vom Standpunkt des Zen­trums auS die Dinge sich in aller Ruhe ent­wickeln lassen.

Die Nationalsozialisten müssen zunächst einmal für positive praktische Parlaments­arbeit reif werden und erkennen, daß zwi­schen Agitationspartei und Regierungspartei ein kleiner Unterschied ist. Wenn sie besonders Sehn­sucht nach dem Innenministerium haben, dann kann man ihnen dies ja nachfühlen, es kommt nur dar­auf an, ob sich jemand findet, solche Wünsche zu erfüllen. Die Macht im Staat werden sie allein nicht bekommen; sie müssen diese schon mit an- d e r n teilen. Wichtiger wie die Besetzung der Ministersessel ist vor allem ein Programm für blc aktuellen Regierungsmaßnahmen, das von einer s-arlamentarifchen Mehrheit getragen wird. Ob sich m der kurzen Zelt bis zum Zusammentritt des Landtags eine Mehrheit auf ein solches Programm verständigen kann, ist zu bezweifeln Man wird sich damit abfinden müssen, datz das Zentrum seinem Programm und seiner Geschichte nach weder Rechts - noch Linkspolitik machen wird, sondern eine Partei der Mitte ist Wer mit dem Zentrum parlamentarisch Zusammenarbeiten will, kann nie darauf rechnen, daß das Zentrum nach rechts oder links gehl, der muß sich schon bequemen, Wege nach der Mitte ein,uschlagen."

Wie in nationalsozialistischen Kreisen verlautet, hält man dort auch heute noch an der Absicht fest, im Landtag den übrigen Parteien ein Pro­gramm oorzulegen, dessen Annahme oder Ablehnung dann den In firage kommenden Par telen überlasten werden soll. Die entscheidende

Sitzung der Nationalsozialisten wird erst gegen Ende der Woche fallen. Auf der Landeskonferenz der Sozialdemokratischen Partei war man übereinstimmend der Auffassung, daß der Ausgang der hessischen Landtagswahlen die Sozial- demokratie von der R e g i e r u n g s v e r- antroortung entbunden hat und daß diese auf die aus den Wahlen hervorgegangene stärkste Partei übergegangen ist. Beschlüsse irgendwelcher Art wurden nicht gefaßt, da die Initiative für die Gestaltung der parlamentarischen Verhältnisse in Hessen nicht bei der Sozialdemokratie liege. Der Landesverband der Wirtschaftspartei hat einstimmig beschlossen, die Wahlen anzufechten. Der Beschluß gründet sich auf die Nichtzulas­sung der Wirtschaftspartei bei den Wahlen, was gegen die Verfassung verstoße. Bei der Anfcchtungs- Hage handelt es sich darum, dieses Unrecht klarzu- stellen.

Berlin, 23.Rov. (TU.) Die Berliner Mor­genpresse nimmt ausführlich zu dem Ergebnis der Verhand'ungen des Wirtschaftsbeirates Stellung. Von nationalsozialistischer Seite liegt vorläufig eine Stellungnahme noch nicht vor. DerT a g" sagt in seinen Ueberschristen:Keine Lösung neue Spannung! Viele Worte um ein Nichts". Die Leitsätze seien so gefaßt, daß sie fast jede Maßnahme decken, die getroffen werden teürce. Die Gefahr bestehe darin, daß man nun bei jeder diktatorischen Maßnahme b"haupten werde, daß ja die Wirtschaft das in diesen Leitsätzen gut- geheißen, vielleicht erst angeregt hätte. Die Deutsche Tageszeitung" stellt, wie üb­rigens auch alle anderen Blätter ohne Ausnahme fest, daß sich der Wirtschaftsbeirat selbst als un­geeignet erwiesen habe, sich auf bestimmte Maß­nahmen zu einigen. Das Kabinett werd" nun zum Handelngedrängt. T a 9 icn Leitsätzen habe man aber den Eindruck, daß der mit ihnen abge­steckte Rahmen fast weitergezogen sei, als er nach den bisherigen Erfahrungen den Kräften dieses Kabinetts entspreche. Aehnliche Besorgnis drückt dieD Ä Z" aus. Mit noch größerer Skep­sis, als hier ohnehin angebracht sei, müsse man nun den Handlungen der Regierung entgeg-nsehen, wenn diese nickt bis zum 7. Dezember, den Tag des Beginns der Tributverhandlungen in Base', fertig vorliegen müßten. Das Blatt sieht die Aussichten in der Tributfrage als außerordentlich ungünstig an. Sie könnten durch ein einziges Mittel ver­bessert werden, wenn sich die deutsche Regierung entschließen würde, die Verhandlungen mit An­griffsgeist und Tatkraft als großen geschichtlichen Prozeß gegen die politischen Gläubiger zu führen. Die Rationalliberale Korrespondenz stimmt den Richtlinien des Wirtschaftsbeirates in weitem Umfange zu, wenn sie auch zu spät kämen. Ent­scheidend sei, was die Regierung jetzt tue. 'Denn eS richtig sein sollte, daß sie zunächst zur Ueber- brückung der finanziellen Schwierigkeiten eine Heraufsetzung der Umsatzsteuer plane, so wäre das ganz unverständlich.

Oie Wohnungswirischast.

Berlin, 23.Noo. (VDZ) Der Wohnungsaus- fchuh des Reichstages befaßte sich mit Anträgen über die Förderung des Kleinwohnungs- baue». Zur Beratung stand ein sozialdemokra­tischer Antrag, wonach zur Bekämpfung der Ar- beitslosigkeit für die Förderung des Kleinwohnungs- baues Hauszins st euermlttel mindestens in dem Umfange bereitgcftellt werden sollen, der sich auf Grund der Notverord­nung do m 1. Dezember 1 930 ergibt. Außer­dem sollen b i e Länder, die die für den Woh­nungsbau gesetzlich bestimmten Hauszinssteuermittel für andere Zwecke verwendet haben, angewiesen werden, diese Mittel wieder dem Kleinwohnungsbau zuzuführen. Auch von den Christlich-Sozialen liegt ein Antrag vor, wonach die für den Wohnungsbau bestimmten Hauszinssteuermittel schleunigst dem Kleinwohnungs- bau zugeführt werden sollen. Außerdem sollen die Besitzer solcher Häuser, deren Friedenswert 5000 Mark nicht übersteigt, unverzüglich von der Hauszins st euer befreit werden.

In der Aussprache tarn u. a. zum Ausdruck, daß die Rot der Wohnungswirtschaft eine Aus­wirkung der allgemeinen Schrurnp- fungderKauskrast weitester Vevö.kerungs- kreise ist. Sie erfordert dringend sofortige Ab­hilfe, insbesondere durch Senkung der Mie­ten beim Reuhausbesitz, eine zwangs­weise Herabsetzung der Hypothekenzinsen wurde von mehreren Abgeordneten mit Rücksicht auf die zu befürchtende Erschütterung des Kapitalmarktes als nicht angängig betrachtet. Eine Erleichterung der Zinslasten müsse aber geschaffen werden. Auch wurde angeregt, die Tilgung et ft et H Y p 0 t h e k e n bis auf weiteres auSzusetzen, mindestens aber auf 'v. H. zu beschränken. Weiter wurde die Meinung vertreten, daß die auf dem Reuhausbesitz tuherden steuerlichen Lasten weitestgehend a b g e 6 a u t werden müß­ten. Allgemein herrschte die Auffassung im Aus­schuß, baß die Rot der Wohnungswirt'chaft nur bann bcfettfgt werden könne, wenn wieder c l n wirtschaftlich gesundes Verhältnis zwischen Einkommen und Miete her- gestellt wirb.

dessen Ziel sei, die Arbeitslosigkeit zu mindern, die Produktionskosten zu verringern und die Lebens- Haltungskosten herabzusetzen. Indessen hätten die Be- ratungen im Wirtjchaftsbeirat gezeigt, daß über die Mittel und Wcyc zu diesem Ziel eine Veiständi- aung nicht möglich sei. Die Gewcrlschaften konnten deshalb auch den Schlußfolgerungen des Reichskanzlers nicht zu stimmen. Graß- mann wies u. a. besonders darauf hin, daß der Wirtschastsbeirat nicht die gesetzliche Fest- legung der 40-Stunden-Woche mit Einstellungszwang ausgesprochen habe. Be- Iandere Bedenken hätten die Gewerkschaften auch in icr Frage der Handhabung des Schlich­tungswesens und derVerbindlichkcils- er Hütung. Das Exposs des Reichskanzlers über

Reue Kämpfe in

Vor einem Gegenstoß der Chinesen?

L 0 n b 0 n, 23. Rov. (WTV.) Reuter meldet au- Mukden: Der chinesische ®tn:ral Matschang- schen hat eine neue Provinzialregie- rung in Hailum eingesetzt. Die Front seiner reorganiiierten Armee erstreckt sich jetzt vom Ronni Fuß nörd'ich von Tsitsikar bis Hailum. Matschangschen will jedes japanische Bor- rückenzurücksch lagen und nach 6üb;n mar­schieren, sobald die Japaner die Räumung be­ginnen. Dafür liegt allerdings im Augenblick kein Anzeichen vor. In T s ch i n t s ch a u scheint sich die Lage zuzuspitzen. Man befürchtet, daß ein Zusammenstoß zwischen Ehine'en und Ja­panern unmittelbar bevorsteht. Der Eifenbahnverkehr zwischen Peking und Mukden ruht seit gestern. G.o^e Ablesungen von Truppen Tschanahsüliangs marschieren auf Mukden. Sie haben Kupangtse besetzt.

Moskau wird unruhig.

Tic Gefahren eines Wclibrandcs.

Moskau, (über Kowno), 23. Rov. (TL.) An- gesichts des wetteren Vordringens der japanischen Truppen in der Rordmandschurei ist die Mos­kauer amtliche Presse aus der ursprünglichen

der Mandschurei.

Zurückhaltung herausgegangen und spricht nun unmißverständliche Drohungen an die japa­nische Adresse aus. .2 s w e ft i i a schreibt unter der LeberschristErnste Lage in derMandschurei", der Völkerbund habe Japan voll­kommen nachge geben. Die Politik Ja­pans werde letzten Endes den Widerstand der Massen des chinesischen Volkes a u S1 ö s e n und daS werde zweifellos unabseh­bare Folgen haben. Die heurige Lage berge die größten Gefahren in sich. Die japanischen Er­klärungen bewiesen, daß die Tokioter Regierung sich immer ein Hintertürchen offen lasse, um die Schädigung der Sowjerinteressen an der Ostbahn zu beschönigen. Die gleichzeitig von den Fremdmächten in Szene gesetzte Propa­ganda habe in Japan zu dem Gedanken geführt, daß e» leichter sein werde, die ganze Man­dschurei zu erhalten, als nur die südliche Hälfte. Der Ferne Osten sei ein Pulver- f a h, daS jeden Augenblick in die Lust fliegen könne. DaS dürfe nicht einen Augenblick vergessen werden. Die .P r a w d a" schreibt, eine seste Friedenspolitik fei das Wesen der gesamten Mos­kauer Außenpolitik. Aber man müsse auch toiffen, daß die Sowjetunion die Versuche, die Sow.et- interessen zu schad gen. nicht unbeftrastlas- s e n werde. Dessen müßten sich die Imperialisten in Tokio, Paris und Washington bewußt sein.

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EsgebniSlofeLohnverhandlungen im Ruhrbergbau.

Essen, 23. Rov. (WTB.) Rachdem die Lohn­verhandlungen der Tarifparteien für den Ruhr­bergbau am 17. Rovember gescheitert waren, fan­den am Montag in Essen die Parteiver­handlungen vor dem staatlichen Schlichter Prof. Dr. Brahn statt. Rach einhalbstündiger Beratung wurden die Verhandlungen abge­brochen, da eine Einigung zwischen den Par­teien nicht zu erzielen war. Der Schlichter setzte eine Schlichterkammer ein. Aus gewerk­schaftlichen Kreisen wird erklärt, daß d i e Zechenvertreter ihre Forderung nach einem lOprozentigen Lohnabbau wiederholt hätten, während die Gewerkschaftsvertreter jede Lohnsenkung a b l e h n t e n. Die Gewerkschafts­vertreter führten an, daß die von Arbeitgeber­seite angeführte allgemeine Senkung der Lebens­haltungskosten für die Lage der Bergarbeiter nichtssagend sei, weil beispielsweise die Preise für Brot und Kartoffeln, die Hauptnah- rungsmittel für die Bergarbeiter, trotzdem ge­stiegen bzw. nicht billiger geworden seien. Rachdem die Lohnkosten bereits um 20 Prozent vermindert worden seien, müsse man end­lich einsehen, daß die geforderte Selbstkostensen­kung unmöglich durch einen fortgesetzten Lohn­druck gefunden werden kann, um so mehr, nach­dem auch die Regierung bereits bei dem letzten Lohnkonflikt durch die Revidierung des Lohn­schiedsspruches dokumentiert habe, daß eine wei­tere Lohnverschlechterung für die Bergarbeiter nicht mehr tragbar sei. Die notwendige Wirt­schaftsbelebung könne unmöglich durch eine weitere Verschlechterung der inländischen Kaufkraft gefun­den werden. Die Lohnabbauforderung des Ze­chenverbandes müsse daher auch aus marktpoliti­schen Gründen als völlig verfehlt angesehen wer­den. Unter diesen Umständen könnten auch die Parteiverhandlungen vor dem staatlichen Schlich- ter ein positives Ergebnis nicht bringen. Infol- gedessen wurden die Beratungen nach einhalb­stündiger Dauer ergebnislos abgebrochen und eine Schlichterkammer gebildet.

Kleine politische Nachrichten.

Für die Metallindustrie Hagen- Schwelm wurde nach ergebnislosen Vorverhand­lungen von dem Schlichtungsausschuß unter Vorsitz des Landgerichtsrats Koch gegen die Stimmen der Arbeitaeberbeisitzer folgender Schiedsspruch ge­fällt: Die Geltungsdauer des am 8. Oktober gefäll­ten Schiedsspruchs wird bis xum 31. Januar 1932 verlängert; die Erklärungsfrist der Parteien läuft noch eine Woche.

Durch Verordnung des Reichsfinanzminifters wer­den neun württembergifche Finanz­ämter aufgehoben. Als Zeitpunkt der Auf­hebung ist der 1. April 1932 vorgesehen. Es handelt sich ausschließlich um Finanzämter in ländli- chen Bezirken, wo infolge der Reichssteuer­vereinfachung die Zahl der Reichssteuerpflichtigen um über 50 v.H. gesunken ist.

Im englischen Unterhaus wurde ein Antrag der Opposition, das Farbengesetz nicht weiter zu verlängern, ohne Abstimmung abge­lehnt. Der Staatssekretär im Handelsministerium hatte darauf hingewiesen, daß infolge dieses Ge­setzes Englands Farbenindustrie jetzt z u 9 0 P r 0- zent bie Bedürfnisse des Lande­decke, während vor dem Kriege nur eine sehr kleine Farbstosfindustrie in England vorhanden gewesen sei.

Aus aller Welt.

Rückkehr der deutschen himalaja-Lrpedillan.

Die 4 Mitglieder der deutschen Hmalaja-Expedi- tion Dr. Bauer, Hartmann, Dr. Wien und Fendt sind in München eingetroffen. Dr. Allwein. Mün­chen, war bereits früher zurückgekehrt. Die Er- pedition hatte den neunten Versuch zur Bezwin­gung deS Kanch-Gipsels im Himalaja unternommen. In einer Höhe von 7300 Meter wurde die Expedition durch eine unbe- zw Ingbarc EiSwand am weiteren Vordringen gehindert. Der Führer der Expedition, Dr. Bauer, erklärte, daß auch die letzte Eiswand des Kanch einmal überwunden werden kann, wenn man zu einer Zeit an sie geht, da sie stark verschneit ist.

Der lob durch eine Legebüchse.

Wie die Ermittlungen der Stettiner Mordkom- Mission zur Aufklärung des Todes der Frau von Hennig in Buggow, Kreis Greifswald, ergeben haben, kommt der Gutssörfter als derjenige in Frage, der die Legebüchse an dem Baum be­festigt hat. Der Forster gab zu, daß er, obwohl er Gutsförster war, keinen Jagdschein besaß.

Nach feiner Behauptung hatte er von dem Guts­herrn den Auftrag erhalten, die Gutsdewodner ohne Rücksicht auf den W.ldbestand mit Fleisch zu versorgen. Diesen Auftrag führte der Forster aus und schoß alles, was ihm vor den Lauf kam. Die Zeit seiner Anwesenheit im Jagd revier genügte anscheinend nock nickt, um das be­nötigte Wilosleisch hcrbeizuschafsen. Deshalb kam er auf den Gedanken, auf einem vielbegangencn Wech­sel von Rotwild nach W.ldereran eine Lege- b ü ch s e anzubringen, um auch etwas zu sch.eßen, wenn er nicht im Revier wäre. Ob der Gutsherr von dieser Art des Försters, seinen Auftrag aus zuführen, Kenntnis hatte, steht noch nicht fest. Es hat sich ferner herausgestellt, daß Hennig seine Frau am Arm führte, als sie den Wild- wechsel betrat, auf dem sie der Schuß aus der Lege- büchse traf.

Lin ertragreicher Besuch.

In Lake Fore st, einem vornehmen Dillen- Dorort von Ehikago, ist ein Aussehen erregender Raubüberfall auf eine Villa verübt worden, in der sich zahlreiche Mitglieder der Ehikagoer Gesellschaft zu einer Veranstal­tung eingefunden hatten. Mehrere Banditen besetz- ten vlötzlich sämtliche Aucgänge des Hauses. Hier- auf drangen Helfershelfer tn das Haus ein, wo sie die dort anwesenden Damen und Herren um Ju­welen im Gesamtwert von rund 600000 Mark erleichterten. Der Führer eines drau­ßen wartenden Kraftwagens, dessen Besitzer sich unter den Gästen befand, konnte sich unauffällig entfernen und d i e Polizei benachrichtigen, die alsbald auf der Bildfläche erschien und den Kamof sofort aufnahm. Es entwickelte sich ein lebhaftes Pistolenfeuer, nach dessen Be­endigung drei Banditen überwältigt werden konn­ten. Der größte Teil der Beute konnte den Räubern wieder abgenommen werden.

Die Detterlage.

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Lscttcrooraussagc.

Allmählich gewinnt ozeanische Warmluft auf dem Fest lande an Raum. Heber Frankreich und dem Küstengebiet hat dadurch allgemeiner Tem- peraturanftieg ftattgefunben und Riederschläge treten auf. Im östlichen Deutschland dagegen erfolat durch den Hochdruckeinflutz eine Froft- zunahme. Da die Südweftlust weiter zum Dor­dringen kommt, so findet ein von Westen nach Osten schreitender Temperaturanstieg statt, der auch nachts in Erscheinung tritt. Außerdem folgen in Begleitung der Warmluft zunächst Rieder­schläge, die bi- in unseren Bezirk vorgreisen werden.

Aussichten f ür Mittwoch: Milderes, wechselnd wolkige- Wetter mit Aufheiterung, zeitweise Riederschläge, südwestliche Winde.

Aussichten für Donnerstag. Tempe- raturen wieder etwas zurückgehend, wechselnd be­wölkt mit Aufheiterung, nur vereinzelt leichte und mehr schauerartige Riederfchläge.

Lufttemperaturen. Am 23. November, mittags 4,8 Grad, abends 2,7 Grad Eelsius. Sm 24 November: morgens 2,1 Grab Eelsius. Maximum 4,9 Grad, Minimum 0,0 Grad Erbtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe. Am 23. November: abends 2,4 Grad; am 24. November: morgen» 13 Grad Eelsius.

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