Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
16. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Du hast allen Grund, zu schweigen, Lotte!" begehrte er in gemachter Empörung auf.
..Ich bin nicht verheiratet ..
„Aber so gut wie ver'.obt!"
„Nicht nur so gut wie, sondern vollständig, Papa!"
Er sah sie betroffen an; das hatte nicht mehr nach Scherz, sondern nach Ernst geklungen.
„Was soll das heißen?"
„Du bist doch sonst nicht so schwer von Begriff, Papa! Ich habe mich mit Herrn Bertram verlobt! Du kannst mir gratulieren!"
Im ersten Augenblick blieb Jason die Sprache weg. Folgte heute ein« Heberraschung der andern?
„Und Mama? ... Und Dr. Kröger? ..."
„Das wird sich finden", antwortete Lotte zuversichtlich. „Die Hauptsache ist, daß Paul und ich sich lieb haben! Meinst du nicht auch?"
„Gewiß, aber ..."
Sie waren vor ihren Zimmern angelangt. Lotte legte den Arm um ihren Bater.
„Kein aber, Papa! Wir werden schon bas Nichtige finden, um Mama umzustimmen! Du bist doch auf unserer Seite, nicht wahr?"
„Natürlich. Lotte ...“
Sie gab ihm einen leichten, zärtlichen Schlag auf die Wange.
„Du m uh t ja bei unserem Komplott mithalten, Papa! Nach dem, was ich heute gesehen habe, gehörst du auf Gedeih und Verderb zu uns!"
XVII.
Der Vicomte d'Alvez, der seit einigen Tagen im Hotel wohnte, erregte in außergewöhnlichem Maße das Interesse der Damen.
Er war etwa fünfunddreißigjährig, mittelgroß, schlank. Sein Gesicht war nicht besonders markant, aber hübsch, belebt vor allem durch die dunkeln, großen Augen; es hatte stark südländischen Typus. Von unauffälliger, darum um so wirkungsvollerer Eleganz war des Vicomte Kleidung. Sein sicheres, selbstbewußtes Auftreten verriet den Mann von Welt.
In betonter Neservicrtheit hielt d'Alvez sich von den übrigen Hotelgäst«n zurück. Allein sah er bei den Mahlzeiten am Tisch; immer einen blasierten, hochmütigen Zug um den schmalen Mund.
Ein eingebildeter Mensch! urteilten bi« einen; ein Sonderling! die andern. Man war daher einigermaßen überrascht, als beim nächsten Kurhausball auch der Vicomte auftauchte. Mit gelangweilten Mienen ging er durch die Räume.
Die Tabelle (jede Mannschaft trug acht
Spiele aus) hat folgendes Aussehen:
Punkte
goto.
verl.
Haufen
7
1
14:2
Garbenteich II
5
2
10:6
Rodheim
4
4
8:8
Aliendorf
3
5
6:10
Hausen II
1
7
2:14.
Westdeutschlands Zußballprogramm.
Der Westdeutsche Spielverband hat für die neue Spielzeit folgende Repräsentativtreffen abgeschlossen:
23. August: Norddeutschland — Westdeutschland in Hamburg.
25. Oktober: Westdeutschland — Ostholland in Düsseldorf,
29. Mai 1932: Westdeutschland — Luxemburg in Bonn.
Gemeinschafts-Vertrag zwischen OT. und Zechterbund?
In Erfurt fand zwischen Vertretern der DD. und des Deutschen Fechterbundes eine Besprechung statt, die eine Arbeitsgemeinschaft der beiden Verbände zum Ziele hatte. Da in allen wesentlichen Punkten eine Einigung erzielt wurde, hofft man in beiden Bcrbänden, dah der Gemeinschaftsvertrag bis $um Deutschen Turntag Ende August 1931 endgültig abgeschlossen werden kann.
Wichtig für Paddler und Kanufahrer.
Die Befahrungvvorschriflen für Rhein und Altrhein.
Das Hessische Wasserbauamt Mainz teilt mit:
Die Ende Juni in den Tageszeitungen veröffentlichten Defahrungsvorschriften für Rhein und Altrhein sind vielfach mißverstanden worden. Um die Wassersportler vor unbeabsichtigter Uebertretung zu bewahren, wird mitgeteilt:
An den Ufern des Hauptrheins sowie der Alt- rheine ist mit Ausnahme des linksseitigen Ufers des Stockstadt-Beerfeldener Altrheins für das Lagern und Aufschlagen von Zelten bis auf weiteres ein Uferstreifen von etwa 5 Meter Breite der Allgemeinheit freigegeben. Der frei- gegebene Uferstreifen findet in der Regel eine sichtbare Begrenzung in der längs des Ufers hinziehenden Pappelreihe. Ausgenommen hiervon sind Uferstreifen vor geschlossenen Obstanlagen, die in Dauerpacht vergeben sind und die im Privateigentum stehen. Diese Uferstreifen sind durch Verbotstafeln besonders bezeichnet.
Auf der Strecke Nierstein-Mainz sind für das Lagern usw. demnach folgende Uferstrecken verboten: a) linkes Ufer der Insel Kisselwörth mit Ausnahme der Anlandungen, der Kopf der Sänd- cheninsel bis Kilometer 320, 500 stromabwärts; b) rechtes Ufer von Kilometer 314 bis 314,7, von Kilometer 315,3 bis 316,9 (Goldgrund), das links- und rechtsseitige Ufer des Goldgrundes von Kilometer 317,750 bis zum Steindamm an der Hohenau, von Kilometer 320,5 bis 323,5 (Langenau), von 324,6 bis 325 (Nonnenau) und die Dleiauinsel, am Ginsheimcr Altrhein auf der linken Seite die Graslos« 25, 26, 33, 39, 41, 42, 43 und 44 und von Graslos 82 bis zur Rampe gegenüber der Schwarzbachmühle; auf der rechten Seite vom Steindamm an der Hohenau bis zur Schwarzbachmühle.
Auf den nicht freigcgebenen Strecken können jedoch einzelne Lagerplätze gegen eine Gebühr von mindestens 5 Mark für eine Person frei- gegeben werden. Der Antrag ist beim Staatlichen Wasserbauamt Mainz zu stellen.
Es ist nicht gestattet, rückwärtiges Gelände zu betreten, falls bei höherem Wasserstand der vordere Uferstreifen von etwa 5 Meter Breite überflutet ist. Das Verbot des Badens an bestimmten Stellen wird durch die Freigabe des Uferstreifens nicht berührt.
Kurze Gportnotizen.
Einen deutschen Einzel sieg und zwar den ersten deutschen Erfolg gab es am Mittwoch
beim diesjährigen Italien - Rundflug im Meldeabwurf in San Marino, den der Klemm- flieger Giebel gegen 22 Konkurrenten gewann. Siebe! wurde dafür mit der goldenen Staatsmedaille erster Klasse ausgezeichnet. Im Klassement des eigentlichen Rundfluges nehmen immer noch die Italiener Colombo und Meleri die ersten Plätze «irr, während an dritter Stelle der Deutsche Poß vor Angeli (Italien) folgt.
Am Sonntag empfängt die erste Mannschaft die gleiche des Tv. Groß-Rechtenbach zu einem
Freundschaftsspiel. Den Gästen geht der Ruf einer spielstarken Mannschaft voraus. Lang-Göns tritt in veränderter Aufstellung an, sollte aber auf eigenem Platze zum mindesten ein Unentschieden erzielen können. Vorher spielen die Schüler Mannschaften beider Vereine. Die zweite Mannschaft fährt nach Hörnsheim, um gegen die erste Mannschaft des Tv. das fällige Rückspiel auszutragen. Ob es gelingen wird, das Resultat des Vorspieles wieder zu erzielen, ist sehr fraglich, denn die Gastgeber haben in den letzten Spielen eine wesentliche Formverbesserung gezeigt.
Wirtschaft.
Verschlechterung der heimischen Arbeitsmarktlage.
Heber die Arbeitsmarktlage in Hes- fen und Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Die Arbeitsmarktlage beginnt sich langsam zu verschlechtern. In der ersten Iulihälfte ist die Zahl der Arbeitsuchenden um 438 oder 0,2 Prozent auf 252 580 gestiegen. Von 18 Aerntern haben acht auch weiterhin noch eine geringe Abnahme zu verzeichnen. Von den Außenberufen sind Landwirtschaft, Industrie der Steine und Erden, sowie die Gruppe Lohnarbeit wechselnder Art immer noch, wenn auch schwach, aufnahmefähig gewesen, dagegen hat sich die Beschäftigung im Baugewerbe a b ge - schwächt. Die Metallindustrie und das Bekleidungsgewerbe haben mehr Arbeitskräfte als bisher freigegeben. In den übrigen Derufs- gruppen sind bis jetzt nur unbedeutende Veränderungen eingetreten. In der Arbeitslosenversicherung wurden am 15. Juli 72 039 Hauptuntcrstützungsempsänger gezählt, das sind 7797 weniger als am Beginn der Berichts- g’t. Krisenunter st ützung erhielten 56 832 rsonen für sich und ihre Angehörigen, also »7 mehr als am 30. Juni. Die Kurven der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisenfürfvrge kommen einander immer näher, da nach den Notverordnungen einerseits fast all« Berufe zur Krisenunterstühung zugelassen find, anderseits die Unterstützungshöchstdauer in der Arbeitslosenversicherung für Saisonberufe herabgesetzt wurde, so daß Angehörige dieser Gruppen immer zahlreicher in die Krisenunterstützung hi nüber wechseln. In einzelnen Arbeitsamtsbezirken übersteigt bereits die Zahl der Krisenunterstützten die der Hauptunterstübungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung. Die Zahl der Notstands- a r b « i t e r ist im Laufe des Monats Juni von 2115 auf 2039 gesunken.
Zahlungsstockung bei der Bearntenbanl Bremen.
Don der Dearntenbank e. G. m. b. H. in Bremen wird WTB.-Handelsdienst folgendes mitgeteilt:
„Die finanzielle Erschütterung Deutschlands hat auch die Beamtenbank in Bremen e. G. m. b. H. in Mitleidenschaft gezogen. Sie sieht sich genötigt, zunächst ihre Schalter zu schließen. Die Eingänge, die sonst im regelmäßigen Geschäftsgang die Auszahlung der Verbindlichkeiten der Genossenschaft gewährleisten, blieben infolge der restriktiven Maßnahmen der Reichsbank aus. Die vorhandenen Werte der Dank lassen sich nicht so schnell realisieren, um im Augenblick die notwendigen Auszahlungen zu ermöglichen. Den gegenwärtigen Zustand der Zahlungsstockiing zu überwinden, ist sie bemüht. Die Hauptsache ist, dah die Interessenten in Anbetracht der vorhandenen Werte der Genossenschaft warten und damit dazu beitra
gen, eine günstig« Gestaltung der Dinge zu erreichen."
Diskonterhöhung der Bank von England.
London, 23. Juli. Der Diskontsatz der Dank von England wurde von 2,5 auf 3,5 Prozent erhöht.
*
• Wiederaufnahme der Berliner amtlichen Metallnotierungen. Vom gestrigen Tage ab werden in Berlin wieder Metallkurse (Loconotierungen) amtlich notiert.
* Die Bremer Baumwvlltermin- börse wieder geöffnet. Die Bremer Daumwollterminbörse ist gestern wieder eröffnet worden.
* Der Zinsfuß der österreichischen Danken und Sparkassen. Die Danken und Sparkassen Oesterreichs beschlossen, den Zinsfuß für Einlagebücher und täglich abhebbare Guthaben mit 7 Prozent, für einen Monat gebundene Guthaben mit 7,25 Prozent und für drei Monate gebundene Guthaben mit 8 Prozent festzusetzen.
* D i e Sanierungsbestrebungen bei der Schröder-Dank in Bremen. Die Verhandlungen zur Stützung der Schröder-Dank wurden, wie WTD.-Handelsdienst mitteilt, am Donnerstag in (Berlin unter (Beteiligung der Reichsbank, der bremischen Wirtschaft und des bremischen Staates weitergeführt. Offenbar bewegt sich der in diesen Besprechungen erörterte Sanierungsplan in der Richtung, daß der bremische Staat eine stärkere Beteiligung an der Schröder-Dank übernimmt, die sich aus der Umwandlung einer bestehenden Forderung ergibt. Im übrigen ist im Einvernehmen mit den Geschäftsinhabern der Schrödep-Dank Rechtsanwalt Dr. A h l e r ((Bremen) als Treuhänder zum Schuhe der Interessen der Gläubiger dorSchrö- der-Dank bestellt worden.
* AuS demNordwolle-Kvnzern. Nach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" wird die Fortfichrung der größten der Unterfirmen, der Nordwolle, der Toga DereinigteWe- bereien AG. ermöglicht durch das jetzt erreichte Stillhalten der Danken, die unter Dürg- schaft von Nordwolle rund 19 Millionen Mk. zu fordern haben. Diesem Schuldbetrag stehen rund 8,5 Millionen Mk. Vorräte und 6,5 Mill. Mk. Debitoren gegenüber. Es wird mit Sicherheit angenommen, daß bei entsprechender (Bewertung der Anlagen, die zuletzt mit reichlich 11 Mill. Mark aktiviert waren, di« vorhandenen Werte zur vollen Deckung der Passiven ausreichen. Was aber vorn AK. von 15 Mill. Mk., von dem etwa 13 Millionen Mk. im Eigentum von Nordwolle sein dürfte, übrig bleiben wird, ist vorerst nicht abzusehen.
* Entlassungen bet Hehl AG., Worms. Die Firma Heyl AG. in Worms hat am letzten «Äimstag 440 Leuten gekündigt. Wie verlautet, soll die Kündigung weiterer 150 Leute noch erfolgen. Es sind meist ältere Leute, die von den Kündigungen betroffen wurden, die ein Menschenalter oem (Betriebe angehören. In einer De-
Im großen Saale blieb er nahe der Türe stehen; gleichmütig überblickte er die große Schar der Tanzenden.
Plötzlich schritt er, die Musik hatte gerade einen Tanz beendet, durch den Saal. Dor Eva Willer, die soeben ihren Tänzer verabschiedet hatte, blieb der Vicomte stehen.
Er verbeugte sich, nannte halblaut seinen Namen.
„Darf ich Gnädigste um den nächsten Tanz bitten?“
Widerstrebend erhob sich Eva Willer. Sie war dem Vicomte öfter im Hotel begegnet; sie hatte bemerkt, daß er sie einige Male sehr genau, fast aufdringlich betrachtet hatte. Er war ihr nicht sympathisch; etwas an seinem Aeußeren stieß sie ab.
Schweigend tanzten sie.
Eva mußte sich eingestehen, dah d'Alvez ein hervorragender Tänzer war. Seit langem hatte sie mit niemandem so gut getanzt, wie nun mit ihm.
Trotzdem wünschte sie, aus einer ihr selbst unerklärlichen Unlust heraus, dah der Tanz bald ende.
Da sagte d'Alvez leise:
„Warum machen Sie ein so finsteres Gesicht, gnädiges Fräulein? Ich kannte Sie bisher nur mit lächelnden Mienen!"
«Ich denke, wir kennen uns erst seit wenigen Minuten", entgegnet« Eva mit merklicher Abweisung.
„Sollte es Ihnen entgangen sein, gnädiges Fräulein, dah wir hier im gleichen Hotel wohnen? Ich sah Sie dort mehrmals, Ihr Gesicht prägte sich mir ein!“
, Eva sagte nichts darauf. Sie ärgerte sich über B Alvcz' Worte. Was lag ihr daran, ob ihr Gesicht sich ihm eingeprägt hatte oder nicht! Hatte er geglaubt, dadurch besonderen Effekt bei ihr zu erzielen? Da befand er sich im Irrtum.
„Würden Sie mir nachher noch einen Tanz schenken, gnädiges Fräulein?" fragte der Vicomte, als er Eva an ihren Platz zurückführte.
„Dittel" antwortete sie kurz, unfreundlich.
Die Herren, in deren Gesellschaft sich Eva befand, sahen dem eleganten Franzosen mit eifersüchtigen (Blicken nach. Einer der Herren neckte Eva mit der neuen Errungenschaft, die sie gemacht habe.
„Aus Ihnen spricht nur der Neid, lieber Doktor!" entgegnete sie.
„Wieso Neid?"
„Weil Sie nicht halb so gut tanzen wie der Vicomte!"
„Ach so, ich dachte schon, weil ich kein Vicomte bin!
Das Geplänkel ging noch eine Zeitlang hin und her. Dann begann wieder die Musik zu
spielen. Don einem Arm ging Eva in den andern.
Unbewußt sah sie, während sie tanzte, im Saale umher. Sie konnte d'Alvez nicht unter den Tanzenden entdecken. Er schien weggegangen zu sein; ihr war es sehr recht, wenn er sich nicht mehr bei ihr blicken lieh.
Plötzlich stand er wieder vor ihr.
Noch einige Male tanzte Eva Willer an diesem Abend mit d'Alvez. Trotzdem sie jedesmal eine Ablehnung auf den Lippen hatte, brachte sie es nicht fertig, ihm den Tanz, um den er sie bat, zu verwehren. In seinen (Bilden, mit denen er sie ansah, war eine so befehlend« Kraft, daß sie, ohne sich dessen bewußt zu sein, willenlos wurde.
Fiebrige Erregtheit bemächtigte sich unvermittelt Evas. Die Gedanken an Stefan Helbing, die sie verbannt zu haben glaubte, waren jäh wieder in ihr aufgerauscht. Gewaltsam zwang sie die Trauer, die sich in ihr regte, nieder. Sollte sie sich wegen dieses Menschen, den sie haßte, den Abend verderben lassen?
Sie legte fortan eine krankhafte Lustigkeit an den Tag; d'Alvez, mit dem sie gerade tanzte, sagte lächelnd:
„Sie scheinen Ihre gute Laune wiedergefunden zu haben, gnädiges Fräulein!"
„Und 'ob!" Unvermittelt blieb Eva stehen. «Jetzt habe ich aber genug vom TanzenI Ich bin wahnsinnig müde!"
Die ging auf eines der Sofas zu, die ringsum an den Wänden standen; aufatmend ließ sie sich nieder, während sie zu d'Alvez, der ihr gefolgt war, sagte:
„Lassen Sie sich keinesfalls von Ihren sonstigen Tanzverpflichtungen abhalten, Herr Vicomtel"
Er nahm an ihrer Seite Platz.
„Ich habe keine Verpflichtung außer der sehr anengehmen, hier bei Ihnen zu sitzen!"
„Wenn ich mich nicht irre, haben Sie während des ganzen Abends nur mit mir getanzt, Herr Vicomte!" sagte Eva darauf mit leisem Spott. «Warum vernachläsiigen Sie die anderen Damen derartig?"
Er machte eine wegwerfende (Bewegung.
«Die anderen Damen? Pah! Dann hätte ich ebensogut zu Hause bleiben können!"
„Sie wollen also behaupten, dah Sie nur meinetwegen hierher gekommen seien, Herr Vicomte?"
„Sie haben die Wahrheit erraten, gnädiges Fräulein!" antwortete er eindringlich.
Eva empfand das Bedürfnis, unbändig hinauszulachen. Da begegnete sie d'Alvez' Augen, die herrisch, besitzergreifend fi« ansahen. Ein (Beben ging durch ihren Körper; sie verstummte und sah vor sich nieder.
„Nur Ihretwegen bin ich hierhergekommen, gnädiges Fräulein", drangen d'Alvez' erregt geflüsterten Worte an ihr Ohr. „Seit Tagen suche
triebsvertrauensmännersitzung nahm die (Beleg» schäft Stellung zu den Kündigungen. Sofortiger Streik wurde vorgeschlagen, doch gelang es, die Belegschaft zu einer letzten Maßnahme zu getoin- nen. Eine Kommission hat inzwischen mit den Vorstandsmitgliedern der Firma wegen Zurücknahme der Kündigungen verhandelt.
* Siemens-Schuckertwerke AG. und MetallgesellschaftAG. Aus dem Elektrofiltergebiet — Reinigung von Gasen aller Art mittels elektrischer Hochspannung zur Verhütung von Dauchbelästigungen oder zur Gewinnung wertvoller Staubbestandteil« — besteht zwischen den SSW. und der Metallgesellschaft AG. bereits seit mehreren Jahren ein Patentaustausch. Zur Vertiefung der dadurch ungebahnten gemeinsamen Qlrbeit haben die beiden Firmen beschlossen, die Verwaltung des beiderseitigen umfangreichen Patentbesihes, sowie di« Forschung auf diesem schwierigen Sachgebiet einer Gemeinschaftsgesell- lAaft zu übertragen, der Siemens-Lurgi-Cot troll - Elektrofilter-Gesellschaft mbH. für Forschung und Patentverwertung in Berlin; diese vergibt das ausschließliche Recht zum (Bau und Vertrieb der Elektrofilteranlagen an die der Metallgesellschaft gehörende Lurgi-Apparatebau-GmbH.. Frankfurt a. M.
Berliner Produkte,«narkt.
Berlin, 23. Juli. Tendenz: bei reichlichem Inlandangebot schwach. Mit dem Hebergang zu besserem 'Wetter machte sich an der Produktenbörse eine merkliche Abschwächung geltend. Das Angebot von neuem Getreide für kurzfristige Verladung trat heute noch stärker als gestern in Erscheinung und die Käufer haben ihre Gebote, in Erwartung großer Zufuhren, beträchtlich ermäßigt. Die Aufgelder für sofortigen Roggen und Weizen zu kurzfristiger Lieferung sind erheblich zurückgegangen. Brotgetreide alter Ernte wird nur noch vereinzelt umgeseht. Die amtliche Notiz für Roggen dürfte um etwa 10 Mark herabgesetzt werden. Auch Weizen lag ziemlich schwach. Weizen- und Roggenmehle werden in kleinsten Locopartien für den dringendsten Bedarf gegen Barzahlung umgeseht, die Forderungen lauteten entgegenkommender.
Letzte Nachrichten.
15 Prozent Reichsbankdiskont?
Berlin, 24. Juli. (LNB. Funkspruch: eigen# Meldung.) Die von anderer Seife gebrachten Rach» richten, wonach in den nächsten Tagen eine Heraufsetzung des Reichsbankdiskont- s a h e s von 10 auf 25 v. h. erfolgen werde, entsprechen nicht den Tatsachen. Man steht an maßgebender Stelle auf dem Standpunkt, daß eine Diskontmaßnahme, solange der Zah. lungsverkehr in der gebundenen Form aufrechterhalten bleibt, praktisch ohne Wirkung ist. Die Frage einer weiteren Heraufsetzung des Diskontsatzes, die hier zur Erörterung steht, kann zu einer praktischen Entscheidung erst dann gebracht werden, wenn der Zahlungsverkehr weite ft gehend gelockert und dernormaleverkehr der Banken rolcber- hergeslellt wird. (Ein großer Teil der am Zahlungsverkehr beteiligten Institute ist für eine schnelle Rückkehr zum normalen Zahlungsverkehr und hält die durch die gestrige Notverordnung getroffene Neuregelung, die für die Zeit vom 24. bis zum 28. Juli gilt, für unbefriedigend. (Eine Diskonterhöhung auf 25 v. h. kommt jedoch keines- w e g s in Frage, sondern die Erwägungen gehen auf eine solche auf 1 5 v. h. Selbstverständlich spielen auch die näheren Ergebnisse der Londoner Besprechungen, an denen bekanntlich ein Vertreter der Reichsbank (eilgenommen hat, für Beschlüsse der Reichsbank in dieser Hinsicht eine maßgebende Rolle.
ich Ihr« Bekanntschaft, leider bot sich bisher keine Möglichkeit dazu. Heute abend hoffte ich. Sie kennenzulernen; das Glück war mir hold ...“
Eva wollte aufbegehren, d'Alvez in die Schranken weisen; aber wie in einem schweren Banne verharrte sie regungslos.
„Ich liebe Sie, seitdem ich Sie zum ersten Male sah“, sagte d'Alvez leise, und heiße Glut zitterte durch seine Stimme, „ich glaubte bisher nicht an die Liebe auf den ersten Blick, ich hielt sie für ein schönes Märchen ... jetzt habe ich sie an mir selbst erlebt ..
Eva fuhr herum.
„Schweigen Sie, Herr Vicomte! Ihre Gefühle interesiieren mich nicht!"
Er machte ein bestürztes Gesicht.
„Habe ich Sie mit meinen Worten erschreckt? Verzeihen Sie mir, gnädiges Fräulein! ... Ich wollte Sie nicht beunruhigen. Sie sollen mir auch keine Antwort geben, heut« noch nicht; Sie kennen mich ja kaum! Nur um das eine bitte ich Sie: daß Sie mich in Ihrer Nähe dulden, daß Sie mir erlauben, Sie zu sehen, mit Ihnen zu sprechen ..."
„Meine Antwort wird später nicht anders lauten als heute!" erwiderte Eva schroff.
„Was wisien Wir von der Zukunft, gnädiges Fräulein? Kann nicht Ihr Sinn sich wandeln, wenn Sie mich erst näher kennenlernen? Wollen Sie es nicht wenigstens auf einen Versuch ankommen lassen? ...“ Er griff nach Ihrer Hand und hielt sie umflammert. „Sie dürfen mich nicht von sich weisen! Ich ertrüge es nicht, Sie meiden zu müssen!" sagte er in leidenschaftlicher Glut.
Eva bemerkte zu ihrer Bestürzung, dah man im Saale auf sie und d'Alvez aufmerksam geworden war.
„Beherrschen Sie sich, Herr Vicomte! stieß fie erregt hervor. „Die Leute betrachten uns!“
„Was liegt an den Leuten! ... Ihre Antwort will ich wißen, gnädiges Fräulein! Lassen Sie mir die Hoffnung, daß wir eines Tages gute Freunde werden!"
In Evas sich jagenden Gedanken tauchte wieder das Bild Stefan Helbings auf. Sie glaubte feine 2lugen in überlegenem Spott auf sich gerichtet zu sehen. Der Zorn auf diesen Mann, der sie stets von oben herab wie ein törichtes Kind behandelt hatte, rauschte wieder in ihr empor. Alle ihre Versuche, ihn zu reizen, zu kränken, seine Eifersucht zu Wecken, waren bisher fehl- geschlagen.
Vielleicht ... würde es ihn treffen, wenn er sie künftig in d'Alvez' Gesellschaft sehen würde? ... Wenn er glauben müßte, sie fei die Freundin, hie Geliebte des Franzosen geworden ... -
(Fortsetzung folgt.)


