Ausgabe 
24.7.1931
 
Einzelbild herunterladen

Freitag, 24. Juli 1931

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. (N Zweiter Blatt

Kreditaussichttti auf dem internationalen Kapitalmarkt.

Don Dr. p. Schumann.

Angesichts der Tatsache, daß das deutsche «re* ditgesuch bisher oortmcgenb unter politischen Ge- sichtSpunkten und in Form von Verhandlungen von Regierung zu Regierung betrachtet wurde, erscheint eS angebracht, nunmehr einmal ganz nüchtern unter rein wirtschaftlichen Gcstchtspunk- ten Ine Möglichkeiten der Aufnahme eines deut­schen Kredits ins Auge zu fassen. Denn letzten SndeS ist die Begebung eine« WilliardenkreditS poch immer von der Situation am internationalen Geld- tmb Kapitalmarkt abhängig. Diese Ab­hängigkeit wird besonders scharf hervortreten, wenn eS sich darum handelt, die zunächst wohl verschobene langfristige Anleihe aus den Kapital­märkten der.Welt unterzubnngen. Wie ist nun in dieser Hinsicht hie augenblickliche Situation?

3n erster Pinie muh man feststellen, dah der Kapitalmarkt derzeit in der ganzen Welt nicht gerade al« sonderlich flüssig *u bezeichnen ift. Hingegen haben wir in allen Landern die Wahr­nehmung xu machen, dah kurxfristigeSGeld vielfach unanbringlich ist. 3n Amerika haben wir einen Privat diSkvnt von 1,50 v. H., in Holland einen solchen von sogar nur 1 v. H^ Depositen werden in der Schweiz über­haupt nicht mehr verzinst, die hollän­dischen und schwedischen Banken sträuben sich gegen die Hereinnahme weiterer kurzfristiger Ein- loflen. 3n allen diesen Ländern ist aber lang­fristiges Geld verhältnismäßig teuer, und überall besteht eine Scheu v o r langfristigen Bindungen der verfüg­baren Gelder. So sehen wir, dah in der Schweiz bei einem Privatdiskont von nur wenig mehr al« 1 v. H der durchschnittliche Ertrag der festver­zinslichen Papiere bald 4 v. H. beträgt, dah in den Bereinigten Staaten von Amerika die Ren­tenversicherung bei 4,5 v. H. liegt, dah selbst Frankreich eine durchschnittliche Rendite der lang- Iriftigen Anlagepapiere von 3,8 v. H. aufweist, also in der ganzen Welt die Kosten der erst­klassigen langfristigen Kredite ein Vielfaches der Kosten kurzfristiger Kredite betragen.

Ertrag kurz- und langfristiger Anleihen Witte 3uli:

Privatdiskont Rendite der Anleihen

v. H.

v. H.

England

1,93

4.55

Frankreich

1,03

3,80

Schweiz

1,13

3,85

Holland

1.00

4.16

Qkr. Staaten von

Amerika 1,50 4,45

dagegen Deutschland bc.eits Mitte 3uni 7,00 8,15

Auf diese starke Differenz zwischen dem Ertrag kurz- und langfristiger Anlagen oder ander« ausgedrückt, zwischen den Kosten kurz- und lang­fristiger Kredite ist es auch zurückzusühren, dah in der ganzen Welt der kurzfristige Kredit in weitem Umfang an die Stelle des langfristigen Kredit- getreten ist, und dah in den meisten Länhern für Ausgaben, die an sich mit lang­fristigen Anleihen zu finanzieren wären, in großem Umfang kurzfristige Kredite be­ansprucht werden. Man hat Deutschland, das diese Finanzierung an sich langfristiger Aufgaben mit kurzfristigen Krediten bekanntlich ebenfalls in großem Umfang vorgenommen hat, hieraus einen Dorwurf gemacht, und übersieht da­bei. dah eS eine Erscheinung ist, die man in sämtlichen Ländern wahrnehmenkann. Ratürlich wirkt sich eine solche Finanzierungs­methode in Krisenzeiten für die Jndustrieunter-

nehmen und vor allem für die Bankwelt verhäng­nisvoll au«: Denn erfolgen bei den Banken Ab­züge der kurzfristigen Einlagen, so sind diese nicht in der Lage, in entsprechendem Umfang ihre der Form nach kurzfristigen, in Praxi- aber langfristigen Kredite au« der (Industrie herauszuziehen.

Wenn wir nun im einzelnen die Verhältnisse am Kapitalmarkt der wichtigsten Länder betrach­ten, so sehen wir. dah sich die Emission-- t ä t i fl t e i t in verschiedenen Ländern in letzter Zeit zwar etwa- belebt hat, wie z. B. in Frank­reich, in Italien, in Holland, in Schweden, dah aber, im ganzen gesehen, die Aufnahmefä­higkeit deS Kapitalmarkt -nicht all­zu g r v h ist. Die Emissionen bleiben vielmehr rn den meisten Lärrdem nicht unerheblich unter Vorjahr-hohe und sind teilweise auch geringer alS 1929. dem 3ahr internationaler Hochkonjunktur und stärkster Anspannung am Kapitalmarkt. Die internationale Wirtschaftsdepression hat zwar be­reits in nennenswertem Umfang Betriebskapita­lien freigesetzt. Diese Kapitalien strömen aber nicht, wie das sonst in De­pressionen der Fall ift, verhältniSmähig schnell dem langfristigen Anlagenmarkt (Obligationen, Hypotheken) zu. Das beschäftigungslose Geldkapi­tal sucht vielmehr größtenteils kurzfristige An­lageformen auf und zwar in erster Linie alsDe- pvsi t bei den Danken oder in Wechseln.

Ratürlich gibt eS ein Mittel. daS Kapital aus der kurzfristigen in die langfristige Anlage!orrn zu überführen, und dieses Wittel liegt in der Höhe des ZinSfuheS. Ss wird daher vor­wiegend eine Frage de« ZinSfuheS fein, ob auf dem internationalen Markt eventuell in einigen Monaten Geld, das bisher in kurzfristiger Form Anlage gesucht hat, sich, durch einen hohen Zins- getciim angereizt, in den Dienst der internationa­len Anleiheaktion für Deutschland stellen und Teile dieser Anleihe erwerben wird. Es ist daher zu befürchten, dah die deutsche Anleihe, besonders wenn sie verhältniSmähig frühzeitig aufgelegt wird und bevor eine finanzielle Er­holung Deutschlands eingetreten ist, mit ungünstigen Bedingungen für

Deutschland, aber mit starken Anreizen für die Gläubiger ausgestattet fein wird. Deutsch­land wird fich in absehbarer Zeit überhaupt für alle Aus land an leihen zur Gewährung hoher Rv- minalzinsen bei verhältnismäßig niedrigen AuS- zahlungSkursen bereit erklären müssen, um den nö­tigen Anreiz auf da« internalionale Kapital aus­zuüben.

Hier kommt im besonderen hinzu, dah die in früheren Jahren emittierten deut chen Anleihen im Ausland in den letzten Wochen starke 5hir«- einbuhen erlitten haben, dah 7prvzcntige Anleihen, wie beispielsweise die Anleihe des deutschen Spar­kassen- und Girvverbandes, bi« aus 62,25 Prozent zurückgegangen sind. d. h. eine Rendite von über 11,2 Prozent abwerfen. Wie stark das Ansehen der deutschen Anleihen im Ausland gesunken ist, geht schon allein darau- hervor, dah beispiels­weise dieselbe 7prv^entige Anleihe deS deutschen Sparkassen- und Girvverbandes im August 1926 mit 98 Prozent emittiert wurde, dah sie Anfang Juli noch über 8 Prozent stand und dann im weiteren Verlauf des Juli diesen katastrophalen Kurssturz erlitten hat. Einige 6prozentige deutsche Jndustrieobligattonen notieren gegenwärtig in Reuhork noch nicht einmal 50 Prozent. Die 6pro- zenttge Karstadt-Obligation, die Ende 1928 mit 96 Prozent emittiert wurde, erreichte am 18. Juli einen Kursstand von nur 43 Prozent, d. h. sie wirft gegenwärtig für die Erwerber eine Rendite von 14 Prozent ab. Selbst Anleihen, wie die der deutschen Rentenbankkreditanstalt, notieren nur 57 Prozent, die 6prozentige Jlsederhülte 55 Prozent und die 6,5prvzentige Vereinigte Stahlwerkobli­gation 57 Prozent, die 6,5prdzentige Vereinigte Westfälische Elektrizitätswerke nur 54 Prozent.

Aus diesen wenigen Beispielen kann man er­sehen, welche gewaltige Renditen die schon ijt frü­heren Jahren emittierten deutschen Anleihen ab* werfen, und es ist nur zu fürchten, dah sich das internationale Kapital zu einer wirklich großen neuen deutschen Anleihe nur dann hergeben wird, wenn ihm ähnlich hohe Zinsen garantiert sind ober aber eine grundlegende Bes­serung der deutschen Wirtschafts­lage eingetreten ist.

OJ.-fporl

Gauschwimmen in Lauterbach

Schwimmen gehört zur deutschen Xumerei feit den Zeiten eines Guts Muths und eines John. Es wurde nur nicht gepflegt als turnerischer Uebungszweig, sondern war eine turnerische Brauchkunst schlechthin. Besondere Schwimmer­riegen oder ^hwimmepabteilungen kannte man bis um die Jahrhundertwende kaum in der DT. Rur ab und zu wurden bei Turnfesten auch Schwimmwettbeweibe ausgeschrieben, so z B beim 11. Deutschen Turnfest in Frankfurt a. M im Jahre 1908. In besondere Pflege wurde das Schwimmen von den Turnern erst in den letzten Jahren genommen, besonders nachdem die sog. .reinliche Scheidung" verfügt worden war. Ihrer ganzen Einstellung zu den Leibesübungen gemäß, kam es der DT. in erster Linie darauf an, in die Breite zu wirken und dem Grundsatz zur Geltung zu verhelfen:

Jeder Turner ein Schwimmers

Und diese Dreitenarbeit hat sich gelohnt. Wurde 1912 nur in 140 Turnvereinen das Schwimmen betrieben, so waren es 1929 bereits 3563, und die Destandserhebung dieses Jahres ergab die stattliche Zahl von 2 480 904 Jahres»

Schwimmbesuchen. Auf einer solchen Grundlage lassen sich bann leicht auch Leistungen aufbauen.

Unser H e i m a t g a u nahm das Schwimmen nach dem Kriege in seinen Uebungsplan auf. Es hat in dieser Zeit einen starken Aufschwung ge­nommen, besonders nachdem Gauschwinnnwart Franz Sauer, Giehen, daS Fachgebiet mit Sachkenntnis betreut. 1924 fand daS erste Gau- wettschwimmen des Gaues in Wetzlar statt. Es folgten die gleichen Veranstaltungen in Fried­berg (1925), Marburg (1926), Drehen (1927), Wetzlar (1928), Alsfeld (1929) und Dad-Rauheim (1930); sie zeigten fast von Jahr zu Jahr eine Steigerung der Teilnehmerzahl, der Leistungen und qulafizierten wiederholt eine Reche von Turnern und Turnerinnen für die Schwimmwett­bewerbe im Mittelrheinkreis unb darüber hinaus sogar in der Deutschen Tumerschaft. Für das 8. Gau schwimmen, das kommenden Sonntag in Lau ter bach ftattfinbet, sind, wie bereits mitgeteilt wurde.

über 160 Turner und Turnerinnen gemeldet, ein beachtliches Ergebnis in diesem Jahre der Wirtschastsnot. lieber 40 Teilnehmer entsendet allein T v- 1 8 4 6 Giehen, die Hochburg des Turnerschwimmens im Gau. Aber auch Wetzlar, Marburg, Laubach, Alsfeld, Schlitz, Friedberg,

Grünberg. T^tenhofen, Lauterbach u. a. werden gut vertreten fein.

Seit 1925 wurden im Gau fünf Kreislehrgänge und 19 Dauvor chwunmerstunden adgehalten Don dem regen Schwimmbettieb im Gau geben die folgenden Erhebungen für daS Jahr 1 930 ein Bild:

Gesamt- Übungszciten

Schwimm- besucher

freige- schwömmen

Turner

614

12062

34

Turnerinnen

445

7342

14

Snaben

380

6874

48

Mädchen

373

4091

22

Summe 1812

30369

118

Sieben Gau vereine spielen Wasserball, vier sinv Mitglied der DLRG. 52 Turner und Turnerin­nen besitzen den Grundschein der DLRD. 18 den Prü'ung-tchein der DLRG. Den Lehrkchein haben sich zwei Gauangehörige erworben. Reuerding« haben sich auch die Kanufahrer im Gau zu- sammengeschlofsen.

Mlsters-aflskämvse Im Mttelrheinlrei-.

3m Jlorett- und Säbelfechten.

In Wiesbaden werden am kommenden SamS» tag und Sonntag die Meisterschaftskämpfe im Flo­rett- und Säbelfechten des Mittelrheinkreises aus- getragen. Von den abgegebenen 87 Meldungen entfallen 45 auf das Florett- unb 42 auf de« Säbeifechten. Da von diesen Kämpfen die Ange­hörigen der Sonderklasse der DT. ausgeschlossen sind, kann der vorjährige Meister Bauer (Ein- ttacht) im Florettfechten seinen Titel nicht ver­teidigen. Favorit im Säbelfechten ist der Titel­verteidiger Wahl (Ginttacht, Frankfurt).

Handball im (Sau Hessen (O T.)

Klein-Linden I Tv. TrelS an der Lumda 1.

Kommenden Sonntag empfängt die erste Hand- ballmannfchaft deS Tv. Klein-Linden die erfto Mannschaft des Tv. TreiS a. d. Lumda zum Spiel auf dem hiesigen Sportplatz. Der Ausgang de« Spieles ist offen.

Die zweite Mannschaft Klein-LindenS weilt in Grohen-Lirrden, um dort gegen die zweite de« Tv. Großen-Linden ein Spiel au«$u tragen. Großen-Linden, das eine längere Spielerfahrung besitzt, ist der Sieg nicht zu nehmen. Klein-Linden wird alle Kräfte zusammennehmen müssen, damit die Riederlage nicht zu hoch ausfällt.

Io. Großen-Linden Io. Dort)firn.

Der To. Grohen-Linden trägt am kommenden Sonntag wieder mit drei Mannschaften Freund­schaftsspiele aus. Die 1. Mannschaft folgt einer Ein­ladung des To. Dorheim (bei Friedberg) und wird, zumal sie mit Ersah antreten muß, vor keine leichte Ausgabe gestellt. Die 2. unb Schülermannschaft emp­fangen die 2. und Schülermannschast des To. Klein- Linsen bzw. Dornholzhausen.

Faustball im Lahn-Oünsberg-Gau.

Bei ungünstiger Witterung fand am Sonntag in Allendvrf (Lumda) die Rückrunde statt. Die einzelnen Spiele brachten folgende Ergebnisse: Garbenteich II Haufen II 61:44 (36:21), Hau­sen I Rodheim 38:35 (22:18), Allendors Rodheim 50:47 (30 24), Hausen 1 Garben­teich II 43:38 (17:19), Aliendorf Hausen II 58:43 (29:22), Allendvrf Hausen I 57:44 (32:21), Rodheim Garbenteich II 52:36 (27:19), Rodheim Hausen II 52:30 (27:9), Garben­teich II Allendors 45:43 (21:9), Hausen I Hausen II 50:34 (22:14). Garbenteich I trat nicht an. Besonders spannend verliefen die Spiele Hau­sen I gegen Rodheim, Garbenteich II gegen Hau­sen I und Allendvrf gegen Garbenteich II. Gau- meifter wurde die I. Mannschaft von Hausen.

Das dicke Wasser.

Don Gustav Meyrink.

3m RuderklubElla" herrschte brausender Jubel. Rubi, genannt der Sulzfisch, der zweite /Bug, hatte sich überreden lassen und sein Mit­wirken zugesagt. Run war der Achter komplett.

Gott sei Dank.

Und Pepi Staudacher, der berühmte Steuer­mann, hielt eine schwungvolle Rede über das Geheimnis des englischen Schlages und toastete auf den blauen Donaustrand und den alten CtefanSturm. Dann schritt er feierlich von einem Ruderer zum andern, jedem das Trainings­ehrenwort vorerst das Heine abzunehmen.

Das da alles verboten wurde, es war zum Staunen! Staudacher, für den als Steuermann all dies keinerlei Geltung hatte, wußte es aus­wendig:Erstens nicht rauchen, zweitens nicht trinken, drittens keinen Kaffee, viertens keinen Pfeffer, fünftens kein Salz, sechstens, siebentens. achtens--. und vor

allem keine Liebe, hören Sie, keine Liebe! weder praktische noch theoretischeI

Die anwesenden Klubjungfrauen sanken um einen halben Kopf zusammen, weil sie die Beine ausstrecken mußten, um ihren Freundinnen vis-ä-vis bedeutungsvolle Fußtritte unter dem Tisch zu versehen.

Der schöne Rudi schwellte die Heldenbrust und fließ drei schwere Seufzer aus, die anderen schrien wild nach Bier, der kommenden schreck­lichen Tage gedenkend.

..Sine Stunde noch, meine Herren, heute aus­nahmsweise. dann ins Bett, und von morgen an schläft die Mannschaft im Dootshause

..Mhrn". brummte bestätigend der Schlagmann, trank aus und ging.Ja. ja, der nimmt'« ernst, tagten alle bewundernd.

DerAchter" kam dahergesaust, die Rollsitze schnarchten, die schweren Ruderschläge dröhnten über das grüne, klare Wasser.Jetzt kommt der Endspurt, da schauen S', da schauen S'!"

..Eins, zwei, drei, vier, fünf------

aha ein vierundvierziger!"

Staudachers Kommandogeheul ertönte:Ach­tung. stop. Achter, Sechser, Einser, Dreier: fort. - Ha-alt!"

Die Mannschaft stieg aus, keuchend, fchweiß- bedeckt.

.Da schauen S' den Rümmer drei, die Pratzen! Die junge Reisetaschen, was? Ueberhaupt die Steuetborbfeiten is gut beisamm'. Der beste Dann im Boot ist hall doch Rümmer sieben.

3o. ja, unser Siebener. Gelt, Wastl, ha, ha."

-Rv, und die Ha?en von Rümmer acht san gar nix, was?"

Wissen S', wievüll mür heut' g'fahren san. Herr von Borgenheld?" wandte Jicb Sebastian Kurzweil, der zweite Schlagmann, an den Dize- obmann, der verständnislos dem Herausheben des vierzehn Meter langen, einem Haifisch gleichenden AchtriemerS zusah.

Dreimal", riet der Vizeobmann.

Wievüll. sag' ich", brüllte Kurzweil.

Fünfmal", stotterte erschreckt Herr von Bor­genheld.

..Himmelsakra!" der Ruderer schüttelle den Arm.

Er meint:. wie lang", warf ein Junior ein, der schüchtern dabei stand und einen schmutzigen Fetzen in der Hand hielt.

..Ach so! Fünf Kilometer!"---

Die Mannschaft machte Miene, sich auf Herrn von Dorgenheld zu stürzen. Sie hätte ihn zer­rissen. da rief sie eine Serie rätselhafter Kom­mandos wieder an das Doot:Mann an Rigger. - aufff auf mich (prschsch da lief das Wasfer aus dem umgewendeten Doot) schwen­ken. fort!

Und acht rot-weiß und spärlich befiel bete Ge­stalten. ohne Strümpfe und mil phantastischem Schuhwerk hantierten an dem Doot herum und schleppten es mit tiefem Emst in den Schuppen.

..Ro. raten Sie jetzt!" und der Steuermann schwenkte eine silberne Taschenuhr an einem roten Strick hin und her.Allo wieviel?" Der Vize­obmann mochte aber nicht mehr. Staudacher zün­dete sich eine Virginia an, denn ein echter Steuer­mann muß gewissenhaft alles tun, was gesund­heitsschädlich ist. um leichter zu werden-

.Also raten Sie, Herr Dr. Hecht!"

Füglich äh füglich soll man dieZeit", geheim halten", näselte dieser fachgewandt und zwinkerte nervös mit den Augenlidern.

Ro. dann schauen Sie selbst", sagte Staudacher. Alle beugten sich vor.

5 Minuten 32 Sekunden", kreischte der Junior unb schwenkte ben schmutzigen Fetzen über dem Kopf

Jawohl 5: 32! Willen Sie. was das heißt, meine Herren. 5: 32 für 2000 Meter, stehendes Waller, ich bitte!

Fünsi zwoaradreiß'g fünfi zwoaradreiß'g, brüllte Kurzwell, der jetzt splitternackt auf der Terrasse des Dootshauses stand, wie ein Stier herunter.

Eine wilde Degeisterung ergriff alle Mit­glieder.

5:32!!

Sogar der Obmann Schön machte einen dicken Hals und meinte, daß man selbst seinerzeit in Zürich, im Seeklub, keine bessere Zeit gefahren sei.

Jawohl 5:32! Und Fennen Sie auch den Hamburger Rekord im Training?" fuhr Stau­dacher fort6 Minuten 2 Sekunden!! bei Windstille,--mir hat es ein Freund tele­

graphiert. 6:2!---! und wissen Sie

auch, was 30 Sekunden Differenz sind? 11 Län­gen. klare Längen, jawohl!"

..Sie. Ihre Zeit kann absolut nich stimm'", wandte sich ein Berliner Ruderer, der als Gast zugegen war. an Staudacher,sehen Se mal, der englische Professionalrekord iS 5:55, da wären Sie ja um 23 Sekunden besser. Au. hören Se mal! Ueberhaupt die Wiener ,Seiten' sind verflucht verdächtig, vielleicht jehen Ihre Swpuhren falsch!"

Schauen S'. daß S' weiter kommen, So fünfifünfafufg, sehen S' os in d' Lotterie fünsiünfafufz'g. Haben S' überhaupt an Idee bereits was mür Weana für a Kraft hab'n, höhnte Kurzweil von der Terraffe, dann hob er die Arme und brüllte, wie weiland Ares im trojanischen Krieg, daß es durch die Erlenwäldchen an den Ufern gellte.

Hören Se doch nu endlich mit dem Jebrülle auf Sie da oben, ober wollen Se vielleicht 'n dreibänd'jes Buch über planloses Icschrei her- ausjeben!" rief ber Berliner ärgerlich.Pst, pst nur keinen Streit", besänftigte Stau­dacher.Uebrigens, meine Herren, ich nehme heule schon die Glückwünsche zu unserem künftigen großen Siege in Hamburg entgegen. Meine Herren, auf diesen Sieg, meine Herren hip hip--"

Die harmonischen Töne einer Drehorgel schnit­ten ihm die Worte ab einen Augenblick Toten­stille, dann rhythmisches Trampeln im Ankleide­raum der Mannschaft, und alle stimmten begei­stert mit ein in bas Lieb:

Dös is wo« fürn Weana, Für a wean'rifches Dluat, Wos a wean'rischer Walzer An'm Weana all's tuat..."

Der Ausschuß des Klubs war auf dem Bahn­hof versammelt und wartete auf die aus Ham­burg heimkehrende Mannschaft in größter Er­regung. denn in ben Morgenblättern war ein schreckliches Telegramm abgebrudt gewesen:

Hamburg: Achterrennen um ben Staats­preis. Resultate. Favorit-Hammvnia, Ham­burg. erste: 6 Win. 2 Sei.; Ruderklub C l i a, Wien, letzte. 6 Min. 32 Sek. Interessantes Rennen zwischen Favorit-Ham- monia, Hamburg, und Berliner Ruderklub. Wien unter acht Booten achtes, kam nie ernstlich in Betracht. Die Arbeit der Oesterreicher saft- und kraftlos und auffallend marionetten- haft."

Sehen Se wohl, was hab ich jefagi, höhnte ber Berliner, ber schon eine Stunbe auf dem Perron wartete,jerade ne janze Minute schlech­tere Zeit als anjeblich hier im Training."Ja. es ist schrecklich fatal", lispelte der Obmann,unb wir haben schon gestern Einladungen zum Sieges­

fest verschickt und daS Bootshaus beflaggt und mit Reisig geschmückt."

Es muß rein etwas passiert sein", meinte zö­gernd ein alter Herr, dann schrien plötzlich alle durcheinattder:

Der Rümmer zwei is schuld--, der Sulz-

fisch, der zieht ja nicht einmal daS Gewicht seiner Kappe. ber ganze Kerl ist schwabberig wie Hektographenmasse.

Was denn Rümmer zwei! Die ganze Dack- borbfeite ist keinen Schuß Pulver teert.

Ueberhaupt der .Einsatz' fehlt. Catch the water! verstehen Sie mich, verstehen Sie englisch? Catch the water. Schauen Sie her, so! catch, catch, catch!

Meine Herren, meine Herren, teas nutzt da« alles: catch, catch, catch, wenn man .SwivelS' hat. wie wollen Sie da .einfeßen'. Hab' ich nicht immer gesagt: feste Dollen, was, Herr von Schwamm? Ja. feste Dollen, haha, zu meiner Zeit: rum bum rum bum

Ein gellender Pfiff. Der Zug fährt ein.

Aus verschiedenen Kupees steigen dieElia- nefen" aus. Aergerliche Gesichter, müde, ab­gespannte Mienen:Träger! Träger! Himmel Sakra, sind denn keine Trager da!"

Erzählt's doch, waS ist denn g'schehn? Letzte, immer Letzte?'

Der .Sulzfisch'", murmelt Kurzweil ingrimmig.

Der schone Rudi hat es gehört und tritt mit geschwellter Heldenbrust an ihn heranMein Herr, ich bin Reserveleutnant im Artillerie- Regiment Rr. 23, verstehen Sie mich? " Und er zwinkert mit entzündeten Lidern, und sein Ge­sicht ist klebrig unb rußgeschwärzt, als ob er auf einem Stempelkissen geschlafen hätte.

Ruhe, meine Herren, Ruhe!" Staudacher ist es, der eine Flasche in ber Hand hält.

Stählen. Staudacher. erzählen! Alle- umbrängt ihn. Der kleine Steuermann hebt die Flasche in bie Hohe:Hier ist des Rätsels Lo­sung. willen Sie. was da drin ist? Alster- Wasser. Hamburger Alsterwaller! Und da drin soll unsereiner rudern, wo wir an unser dünnes, klares .Kaiserwaster' gewohnt sind, net wahr, Kurzweil? Wissen S'. baß diese- Alsterwaller bereits um ein Fünftel dicker ist als wie das unfrige!? (Ja. wirk­lich. mr siecht's.) Ich Hab s selbst mit dem Aräometer g mellen. unb unsere Zeit ift trotz­dem nur ein Sechstel schlechter! Rur um ein Sechstel meine Herren!? Habn S' an Idee, toie wir hier g Wonnen hätten! Da wären die Hamburger gar net mit'fommen.

Alle waren voll "Betounberung:Rein, wirk­lich. alles was recht ift, unser Staudacher ist ein findiger Kops, fo einen sollen S' uns zeigen, bie. die ... deutschen Brüder aus dem .Reich"--"

3a, ja! 's gibt nur a Kaiserstadt, 's gibt nur a Weank"