VkgungSmöglichkeiten, Vie bis vor kurzem nur eine Chimäre gewesen wären, und auch „Avenir" erklärt, man könne sich beglückwünschen, daß die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen besser geworden seien. — „£a Republik ue", das Blatt Daladiers, bezeichnet die Tatsache, daß die Vertreter Frankreichs und Deutschlands, von deren Einvernehmen die Ruhe der Welt abhänge, im Augenblick der Verständigung näher ständen als dem Konflikt, als das w i ch t i g st e Ergebnis der Londoner Konferenz, wenn auch sonst Wesentliches erzielt wordcm sei.
Oie Franzosen zu Gast in -er deutschen Botschaft.
London, 23. 3u(t. (WTD.) Das Frühstück, das heute Reichskanzler Dr. Brüning in der deutschen Botschaft der französischen De- ■ legation der Londoner Konferenz gab, vollzog sich in sehr freundschaftlichen Formen. Die französischen Gäste waren: Ministerpräsident Laval, Außenminister B r i a n d, Finanzminister F l a n - d t n, Budgetminister Pietry . Unterstaatssekre- tär Francois Poncet und Philippe Berthe- lot, Generalsekretär des Quai d'Orsay. Auf deutscher Seite nahmen an dem Frühstück teil außer dem Reichskanzler Reichsaußenminister Dr. Cur- tius, Botschafter Frhr. v. Reurath Staatssekretär Schäffer, Staatssekretär v. Bülow Reichspressechef Ministerialdirektor Zechlin, Ministerialdirektor Graf Schwerin - Krosigk, Bankier Melchior, Geh. Kommerzienrat Schmitz, Botschaftsrat Graf B e r n st o r f f, Gesandschaftsrat Dr. R u e t e r und Gesandschafts- rat Fürst D i s m a r ck.
Oie deutsch-französische Aussprache.
Möglichkeiten weiterer Zusammenarbeit.
London, 23. Süll. ($11.) 3n eingeweihten Kreisen verlautet, daß die Aussprache am Donnerstag anläßlich des Frühstücks in der deutschen Botschaft zwischen den deutschen und den französischen Ministern geführt worden ist, eine Wendung genommen habe, die eine spätere deutsch- französische -Zusammenarbeit auf der Grundlage eines wirklichen Verständnisses für die wahren Verhältnisse in Deutschland doch nicht ganz so hoffnungslos erscheinen lasse, wie das bisher der Fall war. Der Eindruck, den die Aussprache hinterließ, war jedenfalls der, daß man *in den maßgebenden französischen Kreisen nun doch ernste r über die Ursachen der bisherigen Fehlschläge der Versuche einer deutsch französischen Annäherung nachzudenken bereit scheint und geneigter wird, die tat sächlichen Stimmungen und Kräfteverhältnisse sowie die Auswirkungen der bisherigen Fehlschläge in Deutschland richtiger einzuschätzen.
Die französischen Minister reisen am Freitag in demselben Zuge von London ab, den auch der Reichskanzler und der Reichsaußen- minister benutzen werden. Die beiden Delegationen reisen also sicher zusammen bis nach Dover, möglicherweise auch bis nach Calais, und man nimmt an, daß sich während der Fahrt Gelegenheit gu einer, Fortsetzung der Aussprache bieten wird. Möglicherweise wird übrigens auch die italienische Abordnung den gleichen Zug benutzen.
Am Donnerstagabend hatte der Londoner Vertreter der Telegraphen-änion im Carlton-Hotel eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval, in der sich dieser über die gegenwärtige Lage aussprach: Ich wage zu sagen, so erklärte Laval, daß die Unterhaltungen zwischen den deutschen und den französischen Ministern und besonders meine Unterhaltung mit Dr. Brüning uns zu einer Politik zusam- .m e n g e f ü h r t hat, die, wenn sie weiter mit Klugheit und Festigkeit betrieben wird, zu einer r. vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Deutschland führen kann. Es gibt 7 leinen Kredit ohne Vertrauen und es gibt kein Vertrauen in der Welt, wenn nicht Ha r m o n i e zwischen unseren beiden großen Ländern herrscht. Hier liegt das Heil, hier liegt der Friede. Das müssen alle Rationen begreifen, mit denen uns Freundschaft verbindet. Unser Versuch ist noch nicht beendet."
Oer Besuch der ausländischen Staatsmänner in Berlin.
Berlin, 23. Sulu (ERB.) Wie wir erfahren, wird Staatssekretär Stimson am Samstagabend mit seinem Sekretär in Berlin sein. Der Besuch dauert bis Montag und ist als inoffiziell anzusehen. Henderson wird Montagvormittag erwartet, Macdonald am Rachmittag, da er erst Montagvormittag von London abfliegt. Da der Besuch der englischen Minister nun nicht den Charakter eines Wochenendes hat, ist der Gedanke des Aufenthaltes im Jagdschloß Hu- bertusstock aufgegeben worden. Macdonald und Henderson werden am Mittwoch Heimreisen.
Keine Einberufung des Reichstags.
Ein neuer Antrag der Wirtschaftspartei.
Berlin., 23. 3ult. (VDZ.) Der Aeltestenrat des Reichstags trat heute unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten v. Kardorff (Reichstags- Präsident Löbe ist gegenwärtig in Wien) zu einer Sitzung zusammen, um wiederum zu dem Antrag der Oppositionsparteien auf Einberufung des Reichstags Stellung zu nehmen. Reichsminister Treviranus erklärte, die Reichsregierung lege großen Wert darauf, daß zur Zeit die Einberufung des Reichstags nicht beschlossen werde. Die Londoner Verhandlungen seien noch keineswegs abgeschlossen. Reichskanzler Dr. Brüning werde zwar am Samstag zurückkehren, aber dann würden in Berlin die politischen Besprechungen fortgesetzt werden müssen.
Daraufhin wurde festgestellt, daß für die Einberufung des Reichstags sich auchieht nur eine Minderheit von 2 4 3 Abgeordneten einseht, nämlich die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten, die Kommunisten und die Landvolkpartei. Die Bayerische Volkspartei hatte mitgeteilt, daß sie gegen die Einberufung des Reichstags sei. Gegen die Einberufung warneben den Regierungsparteien u.a. auch die Wirtschaf t s p a r t e i. Ihr DorfitzenderD rewihhat jedoch den Antrag gestellt, den Aeltestenrat für Mittwoch, den 29. Juli, einzuberufen, mit der Tagesordnung: Einberufung des Reichstages, weil nach ihrer Ansicht unter allen Ilmständen zunächst die Ergebnisse der Londoner Verhandlungen abgewartet werden müßten. Rach dem nunmehrigen Ausgang
der Londoner Verhandlungen steht jedoch die Partei auf dem Standpunkt, daß die Reichsregierung jetzt alles tun müsse, was an inneren Maßnahmen notwendig erscheine, um der Lage aus eigener Kraft Herr zu werden.
Die Finanzierung der Ernte.
Beratungen des Reichskabinetts.
Berlin, 23. Juli. (ENB.) Das Reichskabinett beschäftigt sich mit dem Problem der Ernte- finanzierung, das nach Auffassung landwirtschaftlich-sachverständiger Kreise allmählich zu drängen beginnt. Bei diesem Problem sind zwei Fragen zu klären: das ist einmal die Notwendigkeit, eine Entlastung des Marktes durch starke Förderung des landwirtschaftlichen Exportes herbeizuführen. Nach den Plänen des Reichsernährungsministeriums sollen den exportierenden Stellen je nach der Höhe ihrer Ausfuhr Zollermäßigungen für den späteren Reimport gewährt werden. Auf diese Weise hofft man, den Handel, die Mühlen usw. dazu zu bewegen, daß sie aus ihrem eigenen Interesse heraus einer saisonmäßigen Ueberlastung des Marktes entgegenwirken. In unterrichteten Kreisen erwartet man hiervon keine finanziellen Nachteile für das Reich, sondern eher eine Erhöhung der Zolleinnahmen um etwa 15 Millionen Mark.
Die zweite Seite des Problems kann erst zum Abschluß gebracht werden, wenn Klarheit über die nächste Gestaltung der Kreditverhältnisse besteht. Die Reichsregierung plant eine A e n b e - rung des Lagerscheinwesens in der Weise, daß für die Lagerhaltung gewisse Sicherungen eingeführt werden, wie sie z. B. durch das Wechselrecht gegeben sind. Auf diese Weise würde die Lombardierung von Erntevorräten erleichtert und ihre Heranbrin- ffung an den Markt verzögert werden. Eine solche Entlastung des Marktes ist um so notwendiger, als bekanntlich auch in normaleren Zeiten 50 Prozent der deutschen Ernte vor Weihnachten verkauft zu werden pflegen.
Um eine bürgerliche Wahlgemeinschast in Hessen.
Darmstadt, 23. Juli. (WSN.) Die Deutsche Bolkspartei, Landesverband Hessen, teilt mit: Auf Veranlassung des Stahlhelms haben in letzter Zeit diejenigen bürgerlichen Parteien und Ortsgruppen, die in Opposition zur hessi-
Oer Eindruck in Berlin.
Notwendigkeiten der inneren Politik zur Auswertung der neuen Vertrauensgrundlage.
Oie Meinung der Wilhelmstraße.
Berlin, 23. Juli. (OB.) Das Ergebnis der Londoner Konferenz wird auch in Kreisen der Regierung nicht überschätzt. Immerhin wird als positiver Erfolg unterstrichen, daß das Zustandekommen des Stillhaltekonsortiums die Gewähr dafür bietet, daß keine weiteren Devisenabzüge die Loge Deutschlands weiter mit erschweren. Ferner wird betont, daß London ja kein Abschluß ist, daß die internationalen Besprechungen vielmehr iveitergehen. Das kommt zunächst zum Ausdruck in dem bevorstehenden Besuch Stimsons und der beiden englischen Staatsmänner in Berlin. Ferner liegen auch heute wieder Nachrichten über eine neue Zusammenkunft der deutschen und der französischen Regierungsvertreter vor.
Die Tatsache, daß die deutschen Minister keine neuen politischen Bindungen in der Art der von Frankreich für die Gewährung einer Anleihe und von Krediten verlangten, eingegangen sind, ist ebenfalls als Aktivposten zu werten.
Es muh daher festgestellt werden, dah trotz der, ungeheueren Schwierigkeiten, vor die sich die Wortführer des Deutschen Reiches in Paris und London gestellt sahen, Vereinbarungen mit den übrigen Mächten getroffen worden sind, die das h ö ch st - maß des für Deutschland Erreichbaren und mit seiner nationalen Würde zu vereinbarenden darslellen und der Hoffnung Ausdruck geben werden, dah auf den in London gelegten Grundlagen weitergebaut werden kann.
3n Berliner Regierungskreisen wird darauf hin- gewiesen, dah es jetzt wesentlich auf uns selbst ankomme, man ist der festen Zuversicht, dah die deutsche Wirtschafts- und Finanzlage in der Zwi- schenzeit ohne weiteres zu halten ist. Diese Tatsache, die materiell durchaus sundiert sei, hänge aber von sehr wesentlichen Voraussetzungen der inneren Politik ab. Parteipolitische Auseinander- sehungen feien kaum geeignet, die Ruhe im Innern zu verbürgen, die erforderlich sei, um in der Ueber- gangszeit durchzuhalten. Es handele sich jetzt weniger um technisch Fragen oder organisatorische Mah- nahmen, als vielmehr um eine psychologische Frage, eine Angelegenheit des vertrauens. Alle Mohnahmen gegen Kapitalflucht usw. seien ein Schlag ins Wasser, wenn die ebenerwähnten vor- aussehungen unerfüllt blieben. Dah die Reichsregierung in diesem Zusammenhang nach wie vor gegen die Einberufung des Reichstages ist, verstehe sich von selbst.
Was sagt die Preffe.
Die Voraussetzungen für den Weg der Selbsthilfe geschaffen.
Berlin, 24.3uli. (CRD.) Die Ergebnisse der Londoner Konferenz, die gestern nach viertägiger Dauer zu Ende gegangen ist, werden von den Berliner Blättern übereinstimmend als Zwischenlösung charakterisiert. Die Mehrzahl der Zeitungen weist darauf hin, daß jetzt nur rwch der Weg der Selbsthilfe übrig bleibe und eine einschneidende innere Maßnahme zur Aufrechterhaltung der deutschen Wirtschaft notwendig werde.
Die „Deutsche Tageszeitung" betont, dah die Londoner Konferenz trotz aller Enttäuschungen für Deutschland doch eine wertvolle Klärung gebracht habe, die in der Erkenntnis bestehe, dah es vor allem auf sich
selbst gestellt sei. Die nationale Selbsthilfe sei jetzt die wichtigste Forderung des Tages, die keinen Aufschub und keine unangebrachten Rücksichtnahmen mehr vertrage. Für das deutsche Volk werden die nächsten Wochen und Monate eine schwere Charakterprobe sein. Es gilt, dem Ausland zu beweisen, dah Deutschland lieber die schwersten Entbehrungen auf sich nimmt, als seine nationale Zukunft preiszugeben. Bestehen Volk und Regierung diese Probe, dann wird der Sieg Frankreichs in Londckn schliehlich nut ein Pyrrhus-Sieg sein. — Auch der „Berliner Lokal-Anzeiger" weist auf die Rotwendigkeit nationaler Selbsthilfe hin und betont, dah in erster Linie die Wiederherstellung des Vertrauens die Voraussetzung sei für das Gelingen aller innerer Mahnahmen. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" äußert sich sehr skeptisch über den Wert des Ausschusses von Finanzsachverständigen, der demnächst von Berlin aus die Wirtschaftslage Deutschlands prüfen soll, und fordert rücksichtslose Zurückweisung aller Versuche des Ausschusses, sich Kontrolb- befugnisse anzumahen. Als Posftivum der Londoner Konferenz unterstreicht das Blatt, dah der Reichskanzler sich auf keine „politischen Erpressungen" der Franzosen eingelassen hat.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" sieht den Mißerfolg der Londoner Konferenz darin, daß man diese positiven Ergebnisse nur auf der Linie des geringsten französischen Wider st andes habe erreichen können und weist darauf hin, dah die Anstrengungen der Finanzleute nur dann Erfolg haben werden, wenn es gelinge, eine neue Aera der deutsch-französischen Beziehungen zu schaffen. — Das „Berliner Tageblatt" legt das Hauptgewicht auf den Begriff „Zwischenlösung" und sagt, der Ab- fchluh der Konferenz bedeute nicht den Abschluß irgendwelcher Entwicklungen, keinen historischen Wendepunkt, kaum eine Zäsur in dem Ablauf der Krise, denn die Konferenz dauere, wenn auch in anderer Form, fort.
Auch die „® ermania" charakterisiert London als Zwischenlösung, die offenbar das Maximum dessen darstelle, was in gemeinsamer Ueberein- stirnmung erreicht werden konnte. Das Blatt gibt die Parole „Durchhalten" aus, wobei es unterstreicht, dah dieses Durchhalten an Deutschland ungeheure Anforderungen stellen werde. Für die weitere Entwicklung trage in erster Linie die Reichsbank eine schwere Verantwortung. Jede Versäumung, jede Halbheit und jeder falsche Schritt würden sich heule !wp- pelt verhängnisvoll auswirken. — Der „Vorwärts" nennt das Londoner Ergebnis ein kleines Programm, von dem man bei einigem Optimismus erwarten dürfe, dah es Deutschland zur Heberwindung seiner furchtbaren Schwierigkeiten helfen werde. Voraussetzung dafür sei freilich, dah aus eigener Kraft die alleräußersten Anstrengungen zum gleichen Ziele gemacht werden. Es gelte jetzt, Maßnahmen zu treffen, die den Wirtschaftsverkehr von seinen akuten Lähmungserscheinungen befreien und den Massen das Leben erttäglich machen. Daneben gelte es, zu erkennen, dah ohne Politik der Verständigung die Heilung der deutschen Wirtschaft umnöglich sei.
Die „Börsen-Zeitung" ruft: Aufstieg oder Abstieg. Entweder habe die Regierung die Kraft, unabhängigvonParteirücksich- ten und anderen inne r po li ti sche n „Belangen" den nationalen und wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands ohne Bindungen an sozialistische Ideologien durchzuführen, oder wir verzichten daraus, in Zukunft eine Ration zu sein und begnügten uns mit der Rolle eines französischen Vasallenstaates. Es gebe noch ein Drittes: Die Diktatur des Proletariats. Das sei aber das Chaos.
schen Regierung stehen, miteinander über die Möglichkeiten eines gemeinsamen Vorgehens bei den kommenden hessischen Landtagswahlen verhandelt. Man war sich darüber einig, daß die gemeinsame Kampffront gegen die Träger der jetzigen Regierungsmehrheit in Hessen gerichtet sein und daß d e r K a m p f innerhalb der bürgerlichen Parteien möglich st vermieden werden müsse. Darüber hinaus herrschte grundsätzliches Einvernehmen darüber, daß von der Möglichkeit der R e st st i m m e n - Verwertung durch die Listenoerbin- düng möglichst Gebrauch zu machen sei. Die Ratio n a l s o z i a l i st e n, die an der letzten Sitzung teilnahmen, zeigten kein Interesse an einem Zusammengehen und an einer gemeinsamen Kampffront mit den bürgerlichen Parteien.
Oer Kommunistenaufstand in Sevilla.
Der Belagerungszustand erklärt.
Madrid, 23. Juli. (WTB.) In Sevilla ist um Mitternacht der Kriegszustand verhängt worden, nachdem im Verlauf des gestrigen Nachmittags die besonders von Kommunisten geführten Streikunruhen einen immer ernsteren Charakter angenommen hatten. Gegen 19 Uhr Der- suchte eine große Gruppe von Manifestanten, an deren Spitze sich zahlreiche Frauen befanden, die Kaserne der Zivilgarde zu stürmen. Der Angriff wurde abgeschlagen. Bei den Kämpfen vor der Kaserne und in anderen Stadtteilen gab es zahlreiche Verwundete. 500 Personen sind verhaftet worden, unter ihnen die Führer der Kam- munistischen Partei. Das kommunistische Parteibüro ist geschlossen worden. Die Strassenpassanten sind gezwungen, mit erhobenen Händen zu gehen. Personen, deren Papiere nicht in Ordnung find, werden verhaftet.
Die Gefängnisse sind bereits über füllt, so daß viele der Verhafteten in dem Keller des Rathauses untergebracht werden mußten. Die Stadt bietet einen trostlosen Anblick. Zur Verstärkung der Dürgergarde ist ein starkes Militäraufgebot eingesetzt worden. Der verschärfte Belagerungszustand wurde ausgesprochen und ein Vorgehen mit Artillerie gegen von Aufständischen besetzte Gebäude angedroht, lieber vier Personen starke Gruppen sollen rücksichtslos beschossen werden. Nötigenfalls ist der Einsatz von Flugzeugen vorgesehen. Die Regierung ist entschlossen, im .
äußersten Falle eine Mobilisierung des gesamten Militärs anzuordnen. 3n Huelva und Jerez de la Frontera wurden Truppen ^usammengezogen. da Sie Gefahr eines Generalstreiks besteht.
Aus aller Welt.
Graf Zeppelin zurArktisfahpi gestartet
Friedrichshafen, 24. 3ult (WTD. Firnk- spruch.) Das Luftschiff Graf Zeppelin ist soeben 9.51 Uhr nach Berlin, zur ersten Etappe auf seiner Polarfahrt, gestartet. Es dürfte im Laufe des Nachmittags in Berlin ein- tresfen. Rach etwa zehnstündigem Aufenthalt wird es dann in der Rächt zum Samstag zum Weiterflug nach Leningrad starten.
„Tristan und Isolde" In Bayreuth.
Das Ereignis der Wagner-Spiele war am Donnerstag das Erscheinen Furtwänglers am Pult im Festspielhaus, der damit zum ersten Male hier ein Werk des Meisters dirigierte. Stark kontrastierend die beiden großen Bayreuther Dirigentenpersönlichkeiten T o s - canini und Furtwängler, wie es deutlicher kaum zum Vorschein kommen konnte als in diesen Tagen in Bayreuth. Furtwängler faßte die Tristan-Musik herb und schöpf kontrastierend an. Seine Tempi waren straff, ferner schönen Phrase zuliebe wurde etwas verschleppt. Rach dem klaren Vorspiel hatten der erste und zweite Aufzug und der Ausklang des letzten durch die überragende künstlerische Persönlichkeit der L a r- sen-Todsen selten schone Höhepunkte: eine echt Bayreuther Isolde. Daneben doch ziemlich verblassend Laurih Melchior (Tristan), der wieder durch die eigenartige Behandlung seiner Stimme auffiel, darstellerisch aber recht befriedigte. Mit weittragender pastosen Stimme sang Anny Helm die Brangäne. Philipp v o n Manow a r d a gab dem König menschliche Würde. Höchst eindrucksvoll auch Rudolf Bockelmann als Kurenwal. Das Orchester, das Furtwängler vor Monaten zu den Festspielen zusammengestellt hat, spielte unter seiner Geltung s^hr ausgeglichen, vor allem in den Dläsergruppen mit besonderer Delikatesse. Starker Beifall des dicht besetzten Hauses nach allen Auszügen.
Wolkenbrüche und Erdlawinen in Südtirol.
Durch ein schweres Gewitter wurden int St* sacktal große Verheerungen angerichtet. Auf der Straße von Bozen nach dem Brenner sind vier Erdlawinen niedergegangen. Eine der Erdlcrwinen ging bei Dlumau, eine andere bei Klausen nieder. Die Straße wurde an mehreren Stellen durch herunterstürzende Felsblöcke versperrt. Auch in Bozen hat das Unwetter Verheerungen angerichtet. Durch den wolkenbruch- artigen Regen wurden die Straßen überschwemmt und Keller unter Wasser gesetzt.
Zwei Tote bei einem Flugzeugunfall.
In Tonbern (Schleswig) ereignete sich ein schweres Flugzeugunglück, das zwei Todesopfer forberte. Don 6 Flugzeugen, die zu UebungszweckeN von Kopenhagen nach Tonbern flogen, stürzte ein Apparat aus geringer Höhe ab. Die beiden Insassen ertranken mit dem Fluozeug. Die Ursache des Absturzes konnte noch nicht geklärt werben.
Oie Wetterlage.
O Woncenfos s »eiter, c» halt» Bedeckt,» wolkig. O Bedeckt, • ffegeitz
* Schnee graupeln ■ Nebel K Gewii'-r.(§) Windstille. K>» sehr «ichter o$i «massiger Südsüdwest b stürmische» «ordwesl Oie Pfene fliegen mit dem winde Die Beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatui an. Die Linien verbinden Orte mit.gleiche» tut-Meeresniveau umaerechneteo Luftdruck
Wettervoraussage.
Immer weiter rückt der hohe Druck ostwärts ab, und der bei uns einsetzende Barometerfall deutet auf das Herannahen der neuen Atlantik- ftörung hin. Ihre südlichen Ausläufer werden uns ozeanische Warmluft zuführen, so dah dadurch die Möglichkeit zu Gewitterstörung und später auch zu einzelnen Riederschlägen gegeben ist.
Vorhersage für SamStag: Schwüles Wetter, Hefter, jedoch später etwas Bewölkung, aufkommende Gewitterneigung.
Aussichten für Sonntag: Gewitterstörung oder vereinzelte Riederschläge, warm.
Lufttemperaturen. Am 23. Juli, mittags: 23,7 Grad Cels.; abends 16,6 Grad Cels.; am 24. Juli, morgens: 16,6 Grad Cels. Maximum: 24,5 Grad Cels.; Minimum: 8,0 Grad Cels. Sonnenscheindauer: 14 Stunden.
Erdtemperaturenin 10 Zentimeter Tiefe: Am 23. Juli, abends: 25,4'Grad Cels.; am 24. Juli, morgens: 16,4 Grad Cels.
Reisewetterdiensl
der amtlichen Wetterdienststelle Gießen.
Garmisch-Partenkirchen: 14 Grad, Sudwestwind, Witterung heute morgen heiter, seit gestern meist Hefter.
Baden-Baden: 17 Grad, Ostwind, heiter. Witterungsverlauf seit gestern meist heiter.
Swinemünde: 21 Grad, Südostwind, halb bis ganz bedeckt, gestern meist heiter.


