Ausgabe 
24.6.1931
 
Einzelbild herunterladen

schäft ist weit von dem Zdcalzustanbe entfernt, die in der Wirtschaft herrschenden Gesetze zu er­kennen und vorauszusehen, welchen Wirkungsgrad sie erreichen, welche Richtung sie einschlagen, und welchen Wandel sie im Wirtschaftsgefüge herbei­führen. Eie lehnt es deshalb auch mit Recht ab, konjunkturelle Voraussagen zu machen. Der welt­weite Wirtschaftsniedergang läßt diS theoretischen Meinungen der DolkSwirtschaftler toll durchein­anderwirbeln. Kein emft zu nehmender Sachkun­diger wird sich vermessen, die wirtschaftliche Lei­stungsfähigkeit eines Volkes auf eine längere Zeit­dauer vorauszubestimmen. Sie ist von unendlich vielen Faktoren abhängig, von alten, die wir viel­leicht undeutlich zu erkennen vermögen und von neuen, die uns noch vollkommen verborgen blei­ben. Die Wirtschaftskraft eines Dol - kesläht sichnicht a m De r h an d l un g ß - tisch berechnen, und die Wirt schäfts- gesehe richten sich nicht nach den gu­ten oder bösen Absichten der Unter- Händler. Das läßt sich an einem Beispiel leicht verständlich machen. Theoretisch wäre es dem deutschen Volke vielleicht möglich, jährlich drei Milliarden Goldmark zu bezahlen wenn nur für die deutschen Fertigfabrikate die Zoll­mauern auf allen Weltmärkten fallen. Aber auch dann wäre die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands auf einen längeren Zeitraum" nicht so

unbedingt fest gegründet, denn mit den dann ar­beitslosen Völkern ist auf die Dauer eben kein Geschäft zu machen.

Wir haben aus den hier dargelegten Gründen mit der Prüfung unserer Wirtschaftskraft bei der Abmessung der Tributdiktate schlimme Erfahrun­gen gemacht. 3n der ausländischen Presse wird dieser Gedanke schon wieder in den Vordergrund geschoben. Die Reparationsfrage soll wie­der auf ein falsches Gleis rangiert werden. Der politische Charakter der Tribute muh unverfälscht erhalten bleiben, da sonst das ganze Problem unlösbar wird und die euro­päische Krisis sich zu einem Dauerzustand ent­wickelt. Der Kampf Deutschlands unb seiner wis­senschaftlichen Bundesgenossen in der ganzen Welt gegen das Schuldunrecht wird sinnlos, wenn wir uns nicht gegen die Verkoppelung der poli­tischen Tribute mit der wirtschaftlichen Leistungs­fähigkeit wehren. Wer die Tributzahlunaen mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands verknüpft, macht das Tragen der Kriegslasten zu einer rein deutschen Sache und stützt die Fiktion, als ob ein Land imstande wäre, die Kosten des Weltkrieges und außerdem noch Entschäb^zungen zu zahlen. Die Schäden dieses Krieges können materiell nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Kriegführenden wieder gutgemacht toerben.

Bundestag des Hessischen Beamlenbundes.

WSR. Jugenheim a. d. B., 21. Juni. Der Hessische Deamtenbund hielt gestern und heute im Erholungsheim deS Bundes in Zugenheim sei­nen 12. Bundestag ab. Am Samstag war bereits eine Sitzung des Gesamtvorstandes zur Vorberei­tung deS Bundestages t>orau8geganpen. Der Dundesvorsihende Dr. Clah stellte in seinem Tätigkeitsbericht zu Anfang fest, daß die neue Rotverordnung statt Sanierung nur Rebellierung bringen werde. Der Bund habe sich infolge der Rot der Zeit ganz in Abwehrstellung begeben müssen. Richt alle Dolkskreise seien nach Maß­gabe ihrer Leistungsfähigkeit herangezogen wor­den. Der unsoziale Charakter zeige sich, daß un­ter Umständen den unteren Beamten bis 162/s deS Gehalts einbehalten würden. Rach dem Kassenbericht und dem Bericht der Rech­nungsprüfer setzte eine eingehende Aussprache ein, in der namentlich die Vertreter der Landbeam­ten ihre Londemöte zum Ausdruck brachten. Bür­germeister a. D. Heß le in, der Schriftleiter des Deutschen Deamtenbundes", nahm dann zu eini­gen Spexialsragen aufklärend Stellung. Er fetzte sich nachdrücklich ein

für die Erhaltung, nicht aber für die Erweiterung des Berufsbeamtentums.

Dann wurden die geschäftlichen Dinge, der Vor­anschlag, die Wiederwahl des geschäftsführenden Vorstandes usw. einstimmig erledigt. Der nächste Bundestag soll wieder in Zugenheim im eigenen Heim des Bundes abgehalten werden.

Zn der Rachmittagssitzung erfolgte die Be­grüßung der zahlreichen Ehrengäste. Rach den Begrüßungsansprachen der Ehrengäste und der Parteivertreter nahm der erste Vorsitzende C l a ß das Wort zu einer vom Vorstand ausgearbeiteten Entschließung, die einstimmig angenommen wurde. Die Entschließung hat folgenden Wort­laut:

Die Rot eines großen Teils der Beamtenschaft war seither schon groß, besonders groß bei den Beamten der unteren Besoldungsgruppen, den Staatsdienstanwärtern, den Kanzlei- und Bu- reaugehilfen. Zur Unerträglichkeit steigert sie sich aber durch die neue Rotverordnung, die in bru­taler Weise die Beamten in einer Art belastet, daß die wirtschaftliche Existenz vieler Deamten- familien bedroht ist. Mit aller Entschiedenheit lehnt der Hessische Beamtenbund deshalb die drandungdesLebens

ZRoman von Käte Lindner.

(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)

20. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Renate, du bist ein Engel", sagte er dann flüsternd.Die beste, die gütigste Frau bist du. 3nun er wußte ich das... immer. Aber ich konnte es zuweilen vergessen. Vergib mir, Renate, ver­gib. Deine Liebe ist langmütig, ich..."

Da nahm sie seinen Kopf in ihre Arme, küßte ihn und sah lächelnd in sein Gesicht.

Und die deine, Hansheinrich...? Zch habe wohl gemerkt, wie sie oft Seitensprünge machte, hierhin und dorthin... aber sie kam immer wieder xu mir zurück. Das war mein Trost, ich wollte dich nicht ganz verlieren. Und hier in diesem märchenschönen Lande, da träumte Hans- Heinrich wohl von glutroter Liebe unter Rosen und Zypressen, fühlte sich ganz als junger, forscher Kerl... Za, ja, mein Lieber, du darfst ja nicht so viel sprechen jetzt, dafür rolle ich dir nun dein Sündenregister auf. Du brauchst nur ja und nein zu sagen... Also du kamst voller Erwartungen und wurdest hart enttäuscht. Zst es nicht so? Du nickst... Also weiter. Die heißen Töchter dieses Landes sind schlau. Eine davon lockte den Tedesco mit heißen Augen und roten Lippen und einem bezaubernd gcHÄmnisvollen Lächeln. Ein girren­des Täubchen lockte ihn, voller Erwartungen wollte er sichs einfangen, vergaß alle Vorsicht dabei und hat nun den Schaden davongetragen."

Alles ist, wie cs dein Scharfsinn herausge­funden hat", kam es leise zurück.Der dumme Tropf hat nun freilich den Schaden und der ist nicht gering, aber du hilfst ihn doch tragen. Und das girrende Täubchen war eine so ehrpusslige kleine Dürgersfrau, Renate, sie hielt so sehr auf Sitte und Anstand, daß alle roten Träume in Richts zerrannen, und der junge, forsche Kerl das Rachsehen hatte."

Rede nicht so viel, Hansheinrich, sei still. Wenn er nur jung und forsch dieses Haus ver­läßt, dann ist alws gut. Und alles verxiehen, alles. Und jetzt schlafe wieder, Hansheinrich, viel xu lange haben wir uns schon unterhalten für den Anfang, den du heute gemacht hast."

Er drückte ihr noch einmal die Hand.

Dank', sagte er leise,Dank, Renate. Und mein Leben soll mit bem Fortgang aus diesem Hause neu beginnen. Reugeschenkt, auch du mit deiner Herzensgüte. Du sollst dich nicht mehr zu beklagen haben."

Am Rachmittag wurde Renate Besuch gemeldet. Drunten im Besuchszimmer stand Colomba Serra, bunt und heiter anzusehen wie der leuchtende

neue Rotverordnung in ihrer heutigen Form ab und fordert nachdrücklich ihre durchgreifende Aen- derung. Sie belastet unter Verletzung der in Ar­tikel 129 der Reichsverfassung garantiertenBe­amtenrechte und des Derfassungsgrundsahes der Steuergerchtigkeit die Beamten gegenüber lei­stungsfähigeren Volksschichten stärker, zum Teil über ihre Leistungsfähigkeit hinaus. Sie ist un­gerecht, weil sie die einzelnen Volksschichten ver­schieden behandelt und selbst innerhalb der Be­amtenschaft durch nichts begründete Belastungs- Unterschiede macht. Sie ist unsozial, weil sie die kleineren zum Leben kaum reichenden Einkommen nicht schont und damit die wirtschaftlich Schwäch­sten am stärksten trifft. Sie ist staatsgefährlich, weil sie zur Radikalisierung der Beamtenschaft beiträgt und die Staatsverdrossenheit fördert. Sie ist aber auch wirtschaftsfeindlich, weil sie seit­herige sichere Einnahmequellen der Wirtschaft verstopft,... damit die Wirtschaftslage noch un­erträglicher gestaltet und das Arbeitslosen­elend verschärft. Sie ist empörend und aufrei­zend für die Beamten des flachen Landes und der kleineren Städte, weil sie diese unter völliger Ver­kennung ihrer Lebensverhältnisse höher belastet und sie unter Richtachtung der Berufsarbeit zu Beamten minderen Grades herabwürdigt. Sie ist unerträglich besonders für die kriegsbeschädig­ten Beamten, denen sie im Gegensatz zu allen anderen Derussgruppen eine beispiellose Sonder­belastung auferlegt. Sie stellt endlich eine rück­sichtslose Gehaltskürzung dar, die in Verbindung mit der ersten Gehaltskürzung den anerkannt not­wendigen Gehaltsausgleich von 1927 vollständig vernichtet. Die hessische Beamtenschaft erwartet deshalb von der Reichsregierung unb dem Reichs­tag, daß bei der nächsten Rachprüfung der Rot­verordnung eine Lastenverteilung vorgenommen wird, die einmal den Derfassungsgrundsah der Steuergerechtigkeit beachtet, zum andern aber auch die Leistungsfähigkeit bet einzelnen Volksschichten berücksichtigt, von der hessischen Regierung und dem Hessischen Landtag wird weiter erwartet, daß mit Wirkung vom 1. Zull 1931 alle die ge­setzlichen und verorbnungsmähigen Bestimmun­gen aufgehoben werden, durch die hessischenBe­amten und Anwärtern sowie Kanzlei- und Bureau­gehilfen in bezug auf Ausrückung und Beförde­rung. Gehalt, Vergütung, Wohnungsgeldzuschuh, Kinderzuschläge, Tagegelder, Reisekosten und Arn-

Tag draußen. Sie war im schönsten Staat. Gin großes, mit roten Rosen gesticktes Fransen tuch bedeckte ihre Rundlichkeiten, rote Schuhe hatte sie an den Füßen, schwere Ringe an den kleinen Händchen. Ihre schwarzen Augen leuchteten um die Wette mit dem roten Rosenstrauß, den sie als Geschenk für den Kranken mitgebracht hatte. Sie knixte lächelnd und überreichte ihn (Renate mit einem strahlenden Blick. Wie sie sich doch so sehr freue, daß es Herrn Liskow beffer ginge. Zn ihrem drolligen Gemisch von deutsch-italienisch kauderwelschte sie und ließ sich mit Grandezza, um ihre elegante Desuchstoilette nicht zu zerdrücken, nur auf einer Kante des Stuhles nieder, den Renate ihr anbot.

Gemeinsam getragene schwere Stunden ver­binden. Renate sah mit fast freundschaftlichen Ge­fühlen auf die hübsche Besucherin, die anscheinend gekommen war, ihr Herz einmal gründlich auszu­schütten. Diese deutsche Signora war doch eine feine und Fluge Dame, konnte ihr vielleicht einen guten Rat geben, was nun mit Zulietta anzu- fangen wäre, um sie wieder aus der Leute Mund zu bringen. Ah, diese Zulietta, dieses unberechen­bare Kind, das mit seiner unbesonnenen Lieb­schaft all' ihre schönen und Wohl durchdachten Pläne zunichte gemacht hatte. Mit hochroten Wangen und blitzenden Augen saß Colomba und redete sich, wie immer, wenn sie auf dieses Thema zu sprechen kam, in lohenden Zorn hinein.

Za, dieser Russo, der Erzschelm. War dies alles nicht ein schlau durchdachtes, wohlüberlegtes Spiel gewesen, das er getrieben habe mit ihr, der Wirtin des OrtbergoZu den tausend Freuden"? Am sie zu überrumpeln, um ihr das Zawork ab- zutrotzen, hatte er das Kind nun so in der Leute Mund gebracht. Wußte er doch nur zu gut, wie sehr sie, Colomba Serra, auf Ehre und Repu­tation hielt, und nun dies. Das Kind brachte er von der Gasse herein zu nachtschlafender Zeit, daß nun jeder mit dem Finger zeigen konnte auf Zulietta, ihren Augapfel. All ihre feine Erzie­hung habe Zulietta vergessen. Sie trotze und be­gehre jetzt auf der Mutter gegenüber. Den Russo Domenico wolle sie und niemals einen andern. Sie esse nicht und weine sich des Rachts in den Schlaf, bleiche Wangen habe das Mädchen be­kommen und dunkle Augenringe, und dies alles um diesen Erzschelm. O Madonna!

Da fragte Renate ganz unvermittelt in den Redeschwall hinein:

Warum wollen Sie beim durchaus nicht zu­geben, daß sich diese jungen Leute heiraten? Wenn sich zwei so lieb haben, wie es doch den Anschein hat dann sollte man ihnen doch nicht im Wege stehen."

Auf diese Entgegnung war Colomba nicht ge­faßt gewesen. Die Rede verschlug ihr für einen Augenblick, sie wußte keine rechte Antwort. Dann aber sagte sie:

zugskosten schlechter gestellt sind, als die ver­gleichbaren Reichsbeamten. Rach dem Ausruf der Reichsregierungsind mit den Lasten der neuen Notverordnung die Grenzen dessen erreicht, waS dem deutschen Volk als Entbehrung auferlegt wer­den kann'. Die darüber hinauSgehende drückende Sonderbelastung der hessischen Beamten kann des­halb nicht mehr aufrechterhalten werden."

Der erste Vorsitzende umrih noch einmal daS Programm des Hessischen Beamtenbundes und er­klärte. daß der Satz Geltung haben müsse:

Erst Brol unb bann Reparationen.

Hauptschriftleiter Heßlein, Berlin, sprach anschließend über daS Thcnna .Volksnot und Be­rufsbeamtentum". Mit einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden Dr. Elast, einem Hoch auf das Vaterland und dem Absingen deS dritten Verses deS Deutschlandliedes fand die eindruck-voll ver­laufene Arbeitstagung deS Hessischen 'Beamten­tum M ihren AuSklang.

Ein Kind ist doch meine Etta. And der Russo hat sie sich eingefangen mit zuckersüßen Worten und verliebten Blicken. Zehn Zahre älter ist er als daS Kind und trotzt auf und hat immer das letzte Wort. And ich habe mir doch den einstigen Schwiegersohn so ganz anders vorgestellt."

Hellauf mußte Renate lachen.

3a, meine liebe Signora Serra, Sie sind eS aber doch nicht, die ihn heiraten will. And wenn er nun schon solch' eine trotzige Art hat, wie Sie den Russo beschreiben, dann tönnte doch am Ende solch ein mannhafter Schwiegersohn auch für Sie und 3hr Geschäft eine rechte Stühe werden. Wie oft haben Sie mir doch baß schwere Leben der alleinstehenden Frau geklagt. And nun, wo einer daherlommt, der weiß, was er will, da ist er 3hnen nicht recht, und Sie möchten einen anderen Schwiegersohn haben. Dabei kommt es aber doch allein auf das Mädchen an.

Solchen Argumenten gegenüber vermochte Co­lomba nichts rechtes mehr vorzubringen. Sie er­hob sich denn nun auch bald mit einem tiefen Seufzer, der anzeigte, wie schwer ihr daS^ war, und empfahl sich mit vielen Grüßen an Signore Liskow und guten Wünschen für seine Genesung.

And Renate erfaßte noch einmal die Gelegen­heit, ihr ins Gewissen zu reden. Sagte, sie solle doch ihren mütterlichen Gefühlen nicht Gewalt antun und sich nicht zwischen zwei, die sich lieb hätten, stellen. And was die 3ugend der 3ulietta anbeträfe, so sei das ja ein Aebel, das mit jedem Tage sich bessere, und ob sie, die Signora, beim schon in reifen 3ahren etwa gewesen sei, als sie gefreit habe? Das könne doch ber Fall nicht gewesen sein, man traue ihr boch kaum eine erwachsene Tochter zu.

Das war ein Stich in bas Gewissen. Errötenb geftanb Colomba, bah sie auch eben erst sechzehn gewesen sei, als ihr Philippe sie zur Wirtin seines Hauses gemacht. QTber bas sei eben etwas anberes gewesen, ja, ganz etwas anbered.

Aber die Folge bieser Anterredung war, baß Colomba auf bem Rückweg recht nachdenklich würbe. Anb als am Abenb Russo wie jetzt immer Einkehr hielt in ber Osteria, als er sich trotzig an Massimos Seite nieberlieh unb Wein begehrte, ba würbe ihm der Becher zum erstenmal feit langen Tagen ohne böse Blicke unb spitze Redens- arten kredenzt. Die Augen der Wirtin blieben gesenkt und wenn sie auch bas Wort nur an ihre anberen Stammgäste richtete unb ihr zukünftiger Schwiegersohn vollständig Lust für sie war, er konnte doch mit einem befreienden Atemzuge fest­stellen, daß sie sich wohl so ganz leise und all­mählich an den Gedanken gewöhnen würde, ihn unentwegt hier sitzen zu haben. Unb wenn es dauern sollte bis zum jüngften Tage... er würbe nicht weichen, bis sie sich eine« besseren besann.

Zwar hatte Zulietta Stubenarrest, unb droben

Um die deutschen Hochschul* Meisterschaften in Marburg.

in Hockey und Handball.

3m Stadion in Marburg fanden am Dienstagnach. mittag die Spiele der Zwischenrunde um die deut­schen hochschulmeisterschaften in hocken und Hand­ball statt. 3n Hockey standen sich die Mannschaften der Technischen Hochschulen Darmstadt und Bwun- schweig gegenüber. Darmstadt konnte das Spiel mit 8:2 Toren für sich entscheiden (Halbzeit 2:1). Bei der Darmstädter Mannschaft war ein vorzüglicher Sturm für den Sieg ausschlaggebend, während bei Braunschweig Verteidigung und Torhüter versagten. 3m Handball stritten die Mannschaften der Tech­nischen Hochschule Darmstadt und der Universität Köln um den Sieg, wobei Darmstadt mit 8:5 Toren gewann (Halbzeit 6:1). Die Darmstädter Mannschaft war den Kölnern in Zuspiel und Fangtechnik bedeu­tend überlegen. Erst in den letzten Minuten holte Köln etwas auf.. Darmstadt muß um die deutsche Hochschulmeisterschaft nunmehr gegen Berlin spielen.

Zußball der Schiedsrichter.

Schiedsrichtervereinigung Gießen gegen VfB. Gießen (komb.) 6:2 (3:1).

Die Schiedsrichter benutzen die Fußballsperr- zeit zu gelegentlichen Delehrungsspielen, die gleichzeitig auch der Erhaltung der körperlichen Frische unb Elastizität dienen sollen. Das erste Spiel dieser Art fand in Gießen am Samstag statt. Gegner waren: die Schiri-Vgg. Gießen- Buhbach und eine kombinierte Mannschaft des VfB. Gießen. Bei Spielbeginn hatten die Schiris nur zehn Mann unb der Gegner nur neun Mann zur Stelle: als die Feihlenden nach etwa 7 Minuten eintraten, hatten die Pfeifenmänner schon zwei Erfolge durch Roon und Tränker zu verzeichnen. Bald erhöhten sie auf 3:0; bis zur Pause konnten die VfB.er ein Gegentor buchen. Möller (VfB.), der alte Kämpe, brachte durch seine Technik und wohldurchdachte Ball- verteiilung den Sturm oft nach vorn, doch konnte dieser gegen die gute Verteidigung unb die Läuferreihe der Schrris nichts ausrichten, so daß die letzteren durchweg das Spiel beherrschten und ihr Sturm unter Führung von Döttiger dauernd Angriffe vortragen konnte, die auch noch zwei Tore einbrachten. Sodann ging Leut- Häuser in die Stürmerreihe des VfB. vor, die dadurch mehr Durchschlagskraft erhielt und tat­sächlich ein Tor aushvlte. Böttiger aber stellte schließlich das alte Torverhältnis wieder her: mit 6:2 ging das interessante Spiel zu Ende.

V.f.B. Leichtathletik.

Bei den Bezirksmeisterschaflen in Göttingen.

Die in Göttingen stattgefundenen leichtathle­tischen Meisterschaften des Bezirks Hessen-Hanno­ver hatten wider Erwarten eine äußerst starke Besetzung aufzuweisen. Die VfBer stießen auf die besten Leichtahleten des Bezirks; sie konnten aber in sämtlichen gemeldeten Konkurrenzen bis in die Entscheidungen kämpfen. Mohl, Gugel, Steines und Reitz konnten infolge Teilnahme an

den HcereSmeister schäften nicht mit von der Par­tie sein.

100 Meter (12 Teilnehmer): 1. Schaurig, Hessen-Preuhen Kassel 11,2; 2. Erdmann, Hessen- Preußen Kassel, 11,4; 3. Bl ü Iler, VfB. 08 Gießen, 11,5. Müller hatte schlechten Start, so daß er den größten Teil ber Strecke hinten lag. 30 Meter Dorrn Ziel holte er auf, konnte jedoch nur auf dein 3. Platz einkommen.

200 Bieter (12 Teilnehmer): 1. Schaurig, Hessen-Preußen Kassel, 23,2; 2. Klee, AST. Göttingen, 23,3; 3. Müller, DsB.08 G ehen, 23.9; Müller konnte bei weitem seine vorsonntägliche Leistung nicht erreichen. Die Vorläufe über 100 und 200 Bieter konnte Müller gewinnen.

400 Bieter (10 Teilnehmer): 1. Duhr, Hes­sen-Preußen Kassel, 53,9; 2. Löwenbaum, Hessen- Preußen Kassel, 54; 3. Fischer, VfB.08 Gie­ßen, 55,1.

800 Bieter (9 Teilnehmer): 1. Wolliner, Kurhelsen Kassel, 2:05,5; 2. 3 ä g c r, VfB. 08 Gießen, 2:09,1; 3. Altes, ASC. Göttingen, 2:13,3; 4. H. Simon, VfB. 08 Gießen, 2:13,6.

Ein spannendes, scharfes Rennen, - daS den ehemaligen westdeutschen 800-Blctcr-Bleifter in ausgezeichneter Form als Sieger sah. 3 ä g e r und Simon hielten sich sehr gut. Simon führte eine Zeitlang das Feld, ebenso 3äger. Beide mußten sich jedoch im Endspurt Wollmer beugen. 3äger lief ein vielbeachtetes Rennen.

1500 Bieter. Bei 13 Teilnehmern konnte Grölz den vierten Platz in 4:29,3 belegen.

4x400 - Bieter-Staffel (6 Teilnehmer): 1. Hessen-Preußen Kassel 3:42,6; 2. ASC. Göttingen 3:44,5; 3. VfB. 08 Gießen 3:47.2.

Gießener Krastsportler in Hersfeld erfolgreich.

Am Sonntag fanden in Hersfeld die Meister­schaften deS 7. Kreises besDeutschen Athletik­sportverbandes" im Gewichtheben, Ringen, Boxen und Rasenkraftsport statt. Aus 15 Vereinen waren 180 Konkurrenten am Start. Cs wurden! gute Leistungen gezeigt. Auch derl. Gießener Kraft- und Sportklub 1893" konnte zahlreiche Preise erringen. Als besonders gut müssen die Leistungen des Gießener Halbschwergewichtlers Willi 03eilof f im Gewichtheben bezeichnet wer­den. Er erreichte im Fünfkampf 745 Pfund; so konnte er z. B. beidarmig 200 Pfund zur Hoch­strecke stoßen. Ferner gelang eS der Gießener Tauziehmannschaft, den wertvollen Wanderpreis ber Stabt Dießen, ber bei den vorjährigen Mei­sterschaften von Friedberg gewonnen wurde, nach schärfstem Kampfe zurückzugewinnen. Rachstehenb die Konkurrenzen, in welchen die Gießener Plätze belegen konnten.

Gewichtheben: 3ugenbmittelgewicht Wil­helm Schneider 1. Preis. Er war seinen! Gegnern aus Treffurt, Hersfelb unb Marburg weit überlegen. Altersklasse, Schwergewicht: Heinrich Staubach 1. Preis. Altersklasse, Leichtgewicht: Heinrich Hartmann 1. Preis. Aktiv, Mittelgewicht: Albert Forbach zweiter Preis; er erreichte im Fünfkampf 710 Pfunb. Aktiv, Halbschwergewicht: Willi D e 11 o f f erster

in Colombos Zimmern sah seit ein paar Tagen Die Base Gelsomina unb paßte auf wie ein Schiehhunb. Richt ein einzigeSmal hatte er ben Versuch machen können, von ber Gartenmauer auS seine Grüße hinüberzusenben in ber Liebsten Kammer. Aber was tat's? Seines MäbchenS war er sicher. Keinem anberen, ber bet Blutter besser gefiel als er, würbe sie ihr Herz unb ihre Liebe schenken. Also hieß es Geduld haben und ab- warten, ob nicht bas Täubchen boch eines TageS ben hartnäckigen Freier in Gnaden aufnahm. Schon ber immer so oft betonten Reputation ihres Hauses halber. Tuschelten boch bie guten Freunde unb getreuen Rachbarn schabenfroh hinter ber schönen Wirtin her, sie gönnten ihr von Herzen bie große Enttäuschung, bie ihr die Etta bereitet. Hatte sie nicht allweil ihre Rase zu hoch getragen unb gemeint, einen Prinzen müsse sie zum Schwie­gersohn einmal bekommen? Wozu alle bie Stun- ben bei Maestro unb das feine Getu? Die Strafe war ihrem Hochmut auf bem Fuße gefolgt. 3n aller Leute Blunb war jetzt bie Etta. ---

Kaum hatte sich Renate toieber am Fenster in Hansheinrichs Zimmer niedergelassen, kam schon eine andere Besucherin draußen den Gartenweg herauf. Es war Lady Balhmore, die ebenfalls einen großen Blumenstrauß trug.

Aenate warf einen Blick auf Hansheinrichs Lager, er schlief noch immer fest. Da huschte sie bie Treppe hinunter unb begrüßte bie Besucherin.

Laby Balymore kam mit einem ganzen Sack voll Reuigkeiten. Rachbem sie im Besuchszimmer Platz genommen und wortreich versichert hatte, wie unendlich sie sich doch freue, daß der arme Herr Liskow nun über ben Berg sei unb seiner Genesung entgegengehe, legte sie los. Ob Frau Liskow in ben letzten Tagen Besuch gehabt habe aus bem Hotel? Rein? Also wisse sie das Reueste noch nicht, seit ben aufregenben Ereignissen ber Diebstähle, bie bie Direktion den Gästen zwar habe verschweigen wollen, die aber doch so nach und nach bekannt geworden seien. Sine Enthül­lung, bie wie eine Bombe eingeschlagen habe: Dieser russische Eintänzer, bieser Schwarm ber Damen unb Auserwählte Miß GalvestoneS habe zu aller Aeberraschung sein 3nkognito gelüftet unb sich als Graf Alexander Semjonow entpuppt. Anb wie ihr so oft erprobter Scharfblick sie auch in biefem Falle nicht im Stich gelassen habe, Frau Listow solle sich boch batan erinnern, was für Vermutungen sie boch gleich nach seinem Ein­treffen zu ihr ausgesprochen habe. Also habe sie doch toieber einmal recht gehabt. Zwar sei er finsterer beim je und hätte sich bei den Damen ein für allemal Der beten, ihn bei feinem Titel xu nennen. Er sei jetzt einfach nicht mehr Signore Petrowitsch, sondern habe sich in einen Signore Semjonow verwandelt, welches Recht ihm zu stehe von Geburt an.

(Fortsetzung folgt.)