Kreuzweg der Liebe.
Roman von Paul Grabein.
AHeberrechtsschuh: Romandienst „Digo", Berlin W 30.
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Vater!" Totenblaß war das Mädchen geworden, die Näharbeit entsank ihren zitternden Händen, und sie fuhr empor. „Wenn du das denkst — ich werde aus denr Hause gch'n, noch heute."
„Ansinn!" trat ihr Drenck entgegen. „Mit solchen Aeberspanntheiten wird die Sache um nichts besser. Vein! Was ich will, ist das: Du sollst die Leute nicht wegweisen, wie heute: emp- pfangcn sollst du jeden Bekannten und ihm selber sagen, daß ihr euch getrennt habt — in richtiger Weise natürlich."
Arsula fuhr zusammen.
„Vater, alles, nur das nicht!" And sie hob slehend die Hände zu dem Major. „Erspar mir doch das wenigstens!" Aber des Vaters Miene blieb unerbittlich. Da flehte sie weiter: „Es ist ja keine Aebcrspanntheit, Vater, sondern mein voller Ernst. Las; mich fort von hier — das; ich dir aus den Augen konnne und den Leuten. Dann wird das Gerede schon von selbst bald aufhören."
Ein leises Zittern bebte in ihrer Stimme. Der Major sah sie an, wie sie, im Innersten gebrochen, blaß und gequält, ihn mit ihren todtraurigen Blicken anflehte.
„And wie denkst du dir dieses Fortgehen?"
„Ich möchte Diakonisse werden, Vater. Wenn du mir nur die Mittel geben wolltest, — wenn du es könntest — mich außerhalb in einem Dia- konissenhauso das Lehrjahr zu unterhalten, nachher würde ich ja deine Opferwilligkeit nicht mehr in Anspruch zu nehmen brauchen."
Dio hoffnungslose Entsagung in ihrer Stimme ließen in Drenck ein weicheres Empfinden aufsteigen. Etwas wie Mitleid mit ihrer zerstörten Iugend kam über ihn. Er räusperte sich ein Paar- mai, kehrte sich von ihr ab, um ihr sein Gesicht nicht zu zeigen, und ging so eine Weile im Zim- mer aus und ab. Dann blieb er plötzlich stehen, schüttelte den Kopf und drehte sich scharf auf dem 2lbsah zu ihr heruni.
„Vein, nein! — Ist ja doch alles Ansinn!" And er kam näher zu der Tochter. „Das verlangt kein Mensch von dir, daft du dich lebendig im Krankenhaus begraben sollst. Gewiß, du hast gefehlt. Aber was der Mensch auch gefehlt hat, das kann er wieder gutmachen. And das sollst du — nichts weiter!"
Arsula sah fragend zu ihm auf, mit einem trostlosen. müden Ausdruck. Wie ging das wohl je wieder gutzumachen, was sie getan hatte?
„Was soll ich tun, Vater?"
Der Major antwortete nicht gleich. Das „Wie" hatte er sich selbst noch nicht klargelegt.
Vur nichts Aebereiltes und vor allem nichts, was dich vor der Welt noch mehr belasten kann. Also, du bleibst selbstverständlich, bis aus weiteres, hier int Hause. Das Spätere wird sich finden. Aber unsere nächsteit Bekannten werden selbstverständlich jetzt erfahren, was sich hier zugetragen hat." Arsula fuhr abermals zusammen. „Jawohl!" bekräftigte Drenck mit Vachdruck. „Wer eine Schuld begangen hat, muß auch den Mut haben, sie offen zu bekennen."
In dem blassen Antlitz der Tochter war eine lichte Vöte aufgeschossen.
„Gewiß, Vater. Meinen Anteil an der Schuld will ich auch keinen Augenblick zögern einzu- gestchcn. Aber ich kann mich nicht als die allein Schuldige hinstcllcn lassen. Ich, die er hier zurück- gelassen hat — dem Gerede preisgegeben, während er" —
Ihre Stimme erstickte in einem heraufdrängenden Schluchzen der Bitterkeit, aber sie preßte sich, dem Vater ihr Antlitz verbergend, das Taschentuch vor den Mund und biß die Zähne krampfhaft aufeinander.
Der Major sah, wie ihre ganze Gestalt zuckte, in dem Bestreben, Herr ihrer ausbrechenden Verzweiflung zu werden, und abermals ging ein weicheres Vegen durch seine Seele. Er legte Arsula die Hand auf die Schulter:
„Laß gut sein, Mädel. Geschehen ist geschehen! Man muß es zu ertragen lernen, und ich — ich will dir dabei helfen."
Das war wieder der alte väterliche Klang in seiner Stimme. Da warf sich Arsula dem Major wortlos an die Brust, von seiner Güte im Innersten erschüttert.
7. Kapitel.
Monate waren vergangen, der Winter war vorüber, und der erste Frühling war mit lachendem Sonnenschein und mit zartem Grün ins Land gezogen. Auch in die dumpfe Krankenstube sandte er seinen hellen, hoffnungsseligen Schein.
Fred saß im Lehnstuhl des Majors am offenen Fenster und blickte gedankenverloren hinaus in den Hof des Hauses, drunten auf das kleine Gärtchen. Ein winziges Fleckchen Grün zwischen den starren, kalten Steinmauern ringsum, ober doch selbst hier war die Zauberhand des Lenzes zu spüren.
I Mit tiefem Atemzuge sog Fred Drenck die linde Sonnenluft ein. O, wie das gut tat, diesen balsamischen Hauch zu schlürfen nach dem endlosen Krankenlager in dumpfer KarbolluftI Mit wohliger Erschlaffung lag er in den Stuhl zurückgelehnt und trank begierig den Frühlingshauch. Er war ermüdet von dem ersten Ausgang, den ihm der Arzt heute gestattet hatte.
Lächerlich, ihm, der früher einfach nicht klein zu kriegen gewesen war mit seinen eisernen Veryen, der nach durchtanzter Vacht, ohne das Bett gesehen zu haben, in sein Flugzeug gestiegen war mit klarem Kopf und fester Hand.
Das heißt, es war ja auch eine verdammt üble Chose gewesen, die er durchgemacht hatte. Teufel auch, er war dicht dran gewesen, abzustoppen! And manchmal hatte er es wahrhaftig selber gewünscht. Zehnmal lieber doch unter der Erde liegen als diese elende Schinderei in der Matrahengruft oder wohl gar ein ganzes Leben lang als siecher Lungenpfeifcr sich herumzuschleppen. Vein, danke ergebenst!
Aber dann war es doch endlich besser geworden, und seit er nun wieder aus dem Bett war, int Lehnstuhl sitzen und dann gar im Zimmer herum- gehen durfte, da war der alte Lebensmut wieder zurückgekehrt. And nun jetzt erst, wo er die Vase wieder hinausstecken konnte ins Freie, wo draußen die Sonne lachte und lockte, neue Jugendkraft in die schlaffen Glieder strahlend — holla, nun bloß noch ein paar Wochen, dann war er wieder ganz der alte, da stieg er wieder startbereit in seine Kiste. Wie freute er sich wieder auf den Dienst nach diesem endlos langen Lahmlicgen! Auf die Kameraden, und auf die lieben Mädel, auf die rassige Ilse Palzow namentlich, seine Tennispartnerin! Ob sie ihn Wohl entbehrt haben mochte?
Fred Drenck bemühte sich, sie sich vorzustellen — die schlanke, rassige Gestalt, die eine wunderbare Schmiegsamkeit entwickeln konnte und eine Verve — einfach Vollblut! And dazu das pikante, hochmütige Gesicht. Aber sonderbar: wie sehr er sich auch bemühte, er konnte das Bild nicht fest vor seinen Blicken bannen. Die Linien zerflossen ihm vor den Augen uitd gingen in andere über — ein feines, blasses Antlitz mit schwermütig-dunklen Augen, die einem sanft und wohlig wie eine Mutterhaitd übers Gesicht glitten, und mit einem stillen Mund, aus dem so liebe, tröstende Worte kommen konnten, Arsula Drenck.
Fred stützte den Kopf in die Hand, sein Sinnen flog rückwärts. Kein Wunder am Ende, wenn dies Bild sich ihm immer wieder cinstellte, hatte es doch monatelang leibhaftig, täglich, ja stündlich vor ihm gestanden. Ja, wenn ste nicht gewesen wäre mit ihrer' aufopfernden sich schier selbst verzehrenden Pflege — wer weiß, ob er durchgekommen wäre! Der Doktor selber hatte es ihm heut gesagt.
Arsel — das liebe, gute Mädel! Im Geist fühlte er wieder, wie so oft, ihre weichen, zarten Finger seine Stirn berühren, wenn sie ihm Kompressen auflegte. Voch nie hatte er eine so feine, sympathische Hand gekannt und so unglaublich weich — es war wirklich schon ein Vergnügen, sich nur von ihr berühren zu lassen. And ebenso wohlig streichelten ihre sanften Blicke, wenn sie
ihn, den Angeduldigen, mit so rührertdem Aus« druck schweigend baten. Da muhte ja jede Launq schleunigst verfliegen.
Eigentlich war sie doch viel, viel feiner als big kleine Palzow mit ihrem gesucht aparten Wesen. And ihr Seelengehalt? Sicher kein Vergleich. Die hätte ihn mal drei Monate pflegen sollen! Fred muhte herzhaft vor sich hinlachen. — Das wäre was für die gewesen.
Wie konnte nur ein Mann, der solch famoses Mädel wie die Arsel sich gewonnen, es bloß fertigbringen, sie sich wieder zu verlieren! Freds Miene wurde wieder ernst — er hatte vom Onkel inzwischen alles erfahren — der Wigand war wirklich ein total verrückter Kerl! Das hätte ihm nicht passieren können. Wenn er solch ein liebes, sühes Geschöpf einmal sein eigen genannt hätte, das Hätte ihm kein Teufel wieder abholcn sollen.
Aber freilich, die beiden hatten auch wirklich verdammt wenig zusammengepaßt. Für Arsel war's eigentlich ein Glück, daß alles so gekommen, daß sie den steifleinenen Pedanten noch beizeiten losgeworden war. Pech nur, daß er, Fred, die Zeche so teuer hatte bezahlen müssen.
Er hatte es Arsel, dem armen Mädel, noch keinen Augenblick nachgetragen, dah ct ihretwegen solch Schmerzenslager durchgemacht hatte. Int Grunde auch Wigand nicht. Der Mensch war ihm zwar durchaus unsympathisch, und sein Benehmen an dem Ballabend war im höchsten Grade provokant gewesen. Aber nachdem er den Grund erfahren — du lieber Gott, er hätte es wahrscheinlich im gleichen Falle auch nicht anders gemacht. And daß er ihn angeschossen hatte? Schließlich ja doch ein Zufall. Es hätte auch umgekehrt kommen können. Er konnte ihn deswegen wirklich nicht hassen. Aebrigens hatte sich Wigand beim Austrag der ganzen Sache durchaus tadellos benommen. And sein Teil hatte er ja auch weg. Cs mußte ihm doch verdammt nahe gegangen sein, daß er so in die Welt hincrus- gezogen war. Sie waren demnach eigentlich quitt miteinander.
Ob Arsel sich wohl die Sache sehr zu Herzen nehmen mochte? Im Grunde konnte sie Wigand mit seiner so entgegengesetzten Vatur doch wirklich nicht geliebt haben — int besten Falle ein Wahn, der nun gründlich gerissen war.
Aber dann sollte sie auch nicht mehr so den Kopf hängen lassen und sich mit solch verrückten Gedanken tragen, wie Diakonisse zu werden. Mein Gott, die Gesellschaft redete ja bald wieder von etwas anderem, und eine Entlobung war ja schließlich doch auch kein Verbrechen. And Fred ttahm sich vor, der Cousine bei nächster Gelegenheit das alles mal ordentlich klarzumachen. Lustig sollte sie wieder fein, die Arsel, so ausgelassen wie vorher.
^Fortsetzung folgt.)
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