Samstag, 24. Zanuar 1931
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 20 Drittes Blatt
Nachdruck verboten.
27. Fortsetzung.
nie von Vorma ge
be g, sollte sie
leid, Sie aus haben, mein
— zu schreiben?
And warum — hatte er
gegenüber dem Jahre 1930 mit rund 1,8 Mill. Die Fahrgeldeinnahme betrug im Jahre 1913 rund 126000 Mark, im Jahre 1930 rund 271 000 Mk. Diese Tatsache läßt auch den eifrigen Verfechtern des lO-Pf.-Tariss zu denken geben, auf die im übrigen noch später eingegangen werden soll.
Tie Allgemeinheit sieht bekanntlich eine S a - rifermähigung als Allheilmittel der Wirtschaftlichkeit an. Der Fachmann weih, dah bei den heutigen Verhältnissen eine Tarifermähigung d e
spielerin, Rornra Aelson —", stieh Vicolette plötzlich heftig hervor. „Ich weih es jetzt! Och habe Sie nie auf der Bühne spielen sehen — aber ich kenne Ihre Art nun. And — ich danke Ihnen nicht dafür. Gehen Sie! Gehen Sie!"
Vorma machte ein indigniertes Gesicht. Dieser
zierlichen Mädchen, das aller allem Luxus so fern stand — vielleicht weichen?"
wirtschaftliche Lage eines Strahenbahnunterneh- mens niemals verbessert. Die Möglichkeit einer Gesundung sehen wir nur in der Senkung der Betriebsausgaben. Diese können in Gie- hen nicht unerheblich gesenkt werden durch die Maßnahmen, welche seit dem 1. Januar 1931 durchgesührt sind. Die Ersparnisse werden sich nach unseren Berechnungen auf jährlich 40 000 Mark belaufen.
Cs wurde auch von hier aus versucht, durch
Sie war eine von denen', die immer triebhaft bereit sind, das Schicksal nach ihrem Willen zu korrigieren. Aber dennoch: Diese Worte, die Vorma zuletzt gesprochen hatte, dröhnten und zerrten an ihrer Seele. „Er sucht nur nach Inspirationen. Vichts weiter."
Herrgott — sollten denn alle seine heihen Liebesworte gelogen sein? Vur Mittel zum Zweck gewesen sein? Wollte er sie in ihrem ersten Liebesrausch nur beobachten, um dann darüber
Die L. V. V. erhalten von ihrem Wiener I Mitarbeiter folgcnben Bericht, den wir 1 als Kuriosum unseren Leiem mitteilen
verbilligte Fahrpreise die Frequenz der Strahenbahn zu heben. Dies sollte geschehen durch Verausgabung der Fahrlcheinheftchen 6 Stück zu SO ¥f., so dah sich hierbei die Fuhrt auf 13 Pf hellte. Wir haben nun die Beobachtung^ machen müssen, dah hierdurch eine Zunahme der Frequenz nicht stattgesunden hat. sondern 6er Verlaus der Einzelfahrscheine auf über d.e Hälfte zu rückging, dagegen der Verkehr mit Heft-Fahrscheinen erheblich zunahm. Hierdurch entstand ein erheblicher Einnahmeausfall, welcher dazu beitrug. die wirt- schastlich'n Verhältnisse noch ungünstiger zu gestalten. Ein Fehlbetrag war bisher immer zu verzeichnen und wird auch zu verzeichnen bleiben, solange nicht ein Ausbau der Bahn bzw. der S t r e rf e n l ä n g e erfolgt und damit der Fahrbedars des Publikums erhöht wird.
Da eine Steigerung der Einnahmen nicht mög> lich war und auch der Einheits-Fahrpreis von 20 Ps. keine Erhöhung mehr vertrug, muhten Wege gefunden werden, um eine Senkung der Betriebsausgaben herbeizuführe»
Die Ersparnisse d.e durch den Wegsatt der Früh- und Spätwagen erzielt werden, sinh verhältnismäßig gering, und es ist zu erwarten, dah im Sommerfahrplan, während Leisen Gültigkeit die Benutzung dieser Wagen tm gröher zu sein pflegt, diese Wagen wieder in Betrieb gesetzt werden. Dagegen ist aber im Sommer mit einer Wiederaufnahme des Verkehr, durch die Bahnhosstrahe wohl kaum zu rechnen, da im allgemeinen der eine vo n Marktplatz zum Bahnhof oder umgekehrt fahrende Wagen für die Aufnahme der Fahrgäste genügt.
Dah die Stillegung der Linie Marktplatz Dahnhosstrahe — Bahnhof wirtschaftlich berechtigt ist, geht daraus hervor, dah vom 1. bis 20. Januar die V n kehrseinnahme nicht zurückgegangen, sondern eine kleine Mehrein-
empsiehlt sich, diese ..Vorher- Madame Leila nach einem den tatsächlich einge-
Ereignissen zu ver
möchten. Cs sagen" der Jahr m i t tretenen gleichen.
„Ich sagte schon, es tut mir einem Traum aufgeschreckt zu „ Fräulein. Aber machen Sie dafür — den heimlich Geliebten verantwortlich, nicht mich
,3a, er ist ganz entzückt von der Ausnahme, die er hier gefunden hat. Aber — wo ist er denn eigentlich —?"
Vicolette antwortete mit plötzlicher Ruhe:
„Er ist schon vor bald einer Stunde toegge- gangen. _ .$ wollte ihn hier überraschen.
Er duldete es nämlich sonst nicht, dah tch ihn hier oben abholte. Run ja der Zustand Ihres Herrn Vaters —" . . .
Olicolettc faltete die Hände fest ineinander. Was war das alles?
Hubert — lieber Hubert! ... ,
„Sie blicken ja so verstört, liebes Kind . Jagte Vorma mit gutgespielter Mütterlichkeit. „Fuhlen Sie sich nicht ganz wohl?"
Da erhob sich Vicolette mit einem Ruck.
„Ihr Mann wird sicher aus Sie warten, gnädige Frau."
Vornia zog die Augenbrauen hoch.
O — er ift das Warten gewohnt, der gute Hubert. Ich will hoffen, dah Ihnen mein Besuch nicht unangenehm war, Fräulein Äinna — _
Vicolette stand aufrecht, den Kopf zuruckge- worfen da und begegnete dem lauernden Blick der Schauspielerin stolz.
Gnädige Frau — Sw wußten, warum Sie kamen! Warum fragten Sie nicht, gleich nach Ihrem Gatten, sondern nach mir?
Vomra lächelte spöttisch.
„Sie sind doch die Schlohherrin —
„Ah so!"
„Ich befürchte, Fräulein Kinna — ich habe wie aus einem törichten Traum aufgescheucht. Ohne Llbsicht — natürlich. Es wundert mich selbst, das) mein Mann es für nötig hielt, seine Gattin zu verleugnen —“
Vicolette blickte unwillkürlich auf Vormas rechte Hand, an der einige Brillantringe Funken sprühten. Der Ehereisen fehlte. Vorma trug ihn schon nicht seit der Zeit, da Wördehofs seinerseits sich noch immer innerlich dagegen wehrte, ihn abzulegen, wiewohl er schon lange nicht mehr das Symbol einer engen ehelichen Gemeinschaft war.
„Sie tun es ja selbst, gnädige Frau", sagte Vicolette mit geprehter Stimme.
Vorma merkte sofort, was Vicolette meinte.
Ich bin Schauspielerin, mein Fräulein — Künstlerin — der Ring macht's nicht allem — „Ich denke, Ihr Gatte ift auch Künstler?.
’ Vun ja — der Ring allein macht s ja auch nicht, sagte ich. Aber es ist Zeit, dah ich gehe —"
„Ja — Sie sind eine vortreffliche Schau-
leidenschaftliche Ausbruch — er bestätigte ja nur wieder, was sie bereits seit langem dachte. Hubert und Vicolette — es war da eine enge innere Verbindung. And gerade diesem kleinen Grohartigkeit,
OieZukunfispoliiik der Hellseherin
Weissagungen der Madame Tersren Leila.
sprachen? 3a — stimmte da nicht eins zum andern?
Er war ein Lügner!
Er war nicht frei! Er hatte mit Absicht gelogen!
Vicolette erstickte den Schrei, der ihr in der Kehle sah, in den Kissen.
Heber ihr stürzte ein Himmel zusammen, den Liebe und glückliche Zulunstshofsnung golden erbaut hatten. And es blieb nichts anderes übrig als ein armseliges Menschenkind, das trostlos in die Decken schluchzte und nur hilflos stammeln konnte: „Gott — gib mir meine Seligkeit wieder! Hilf mir und tue ein Wunder!" -
Als Vorma Velson über den Platz Dorrn Schlohportal dem Pfad entgegenschritt, der nach unten führte, kam gerade Dr. Windthorst herauf.
Er stutzte, da er die Schauspielerin erkannte, und zog gemessen den Hut.
Sie grühte freundlich.
„Ich suchte meinen Mann — aber er ist schon fort.“
„VH - so
„Sie wollen zum Professor?'
„Ja — Visitenzeit. Vun — auf Wiedersehen, Gnädigste, ich hab's eilig —"
Ja — er war mit einemmal sehr unruhig. Vorma Velson hier oben! In Abwesenheit Wördchofss! Da hatten fie beide seit einer Woche wacker Posten vor Vicolette gestanden — und nun! Vun war diese Komödiantin also doch ins Schloß gekommen!
Dr. Windthorst brummte etwas vor sich hin, was keine Schmeichelei für Vorma war
Von Vicolette war nichts zu sehen, obwohl sie eben sonst immer in der Vorhalle wartete. Vur Frau Marthe tauchte auf.
„Wo ist Fräulein Vicv
„Keine Ahnung. Sie hatte eben Besuch gehabt — und als die Dame fortging — war auch unter Fräulein verschwunden. Ich muh mal in ihrem Zimmer nachsehen."
„Ja — tun Sie das, Marthe. Ich werde inzwischen zum Professor gehen —"
Eine Viertelstunde verweilte er dort und besprach einiges mit der Pflegerin. Dann trieb es ihn aus dem Krankenzimmer. Er muhte wissen, was hier oben vor feiner Ankunft geschehen war — muhte mit Vicolette reden. Dah sie so schnell
Oie Betriebseinschränkung - beiderGießenerGtraßenbahn
Am die Frage der Betriebsam st el- I u n g bei derStrahenbahn.im Anschluß an unseren Artikel in Vr. 8 vom 10. Januar und an die in Vr. 14 vom 17. Ian. veröffentlichten Zuschriften, einer weiteren Klärung zuzuführen, haben wir uns an die Direktion der Straßenbahn mit der Bitte um Stellungnahme gewandt. Daraufhin sind uns die nachstehenden Zeilen zugegangcn.
D. Red.
Seit Beginn dieses Jahres sind bei der Gießener Straßenbahn Einsch räntungen des Betriebes vorgenommen worden, die im Wegfall von Früh- und Spätwagen, sowie in der Stillegung der Linie Marktplatz - Bahnhofstraße
Bahnhof bestehen. Zu diesen Einschränkungen ist man gekommen, weil auf die Dauer der Luxus zweier parallellaufender Linien vom Bahnhof zum Marktplatz nicht verantwortet werden konnte. Wenn diese Parallelführung bereits in normalen Zeiten als Eingehen auf lokale Wünsche beim Bau der Bahn bestanden hat, so konnte angesichts des steigenden Fehlbetrages im Haushalt der Straßenbahn an diesem Zu st and jetzt nicht mehr vorübergegangen werden. Eine Fceguenz der ftilt- gelegten Linie etwa von der Rodheimer Straße her kommt auch nicht in Frage, denn erfahrungsgemäß spielt sich der Verkehr Biebertalbahn — Bahnhof — Stadt und Hauptbahn- Hos zu-Fuß ab; eine Benutzung der Straßenbahn bei der jetzigen Liniensührung ist nicht vorhanden. Bei Projektierung der elektrischen- Straßenbahn in den Jahren 1907 08 wurde von der Direktion des Elektrizitätswerkes eine Linie Markt — Veustadt - 5) ardtallee vorgesehen, die diesen Verkehr erfaßt und zur Rentabilität der gesamten Bahn beigetragen hätte.
Was den Frühverkehr betrifft, so kann nicht davon die Rede sein, daß den in den Außen- bewirten wohnenden Angestellten und Arbeitern die Fahrmöglichkeit genommen sei. Wir haben d.e Erfahrung gemacht, daß gerade von Angestellten und Arbeitern die Benutzung der ^Straßenbahn zu diesen Zeiten äußerst gering ist, während sich hier der Hauptverkehr durch die Omnibusse abspielt. Besonders die Omnibusse Wieseck, Steinbach und Annerod sind hierbei als scharfe Konkurrenz der Straßenbahn aufzufassen, denn die früheren Benutzer der Straßenbahn ab Wiesecker Weg — Siechenanstalt - Volkshalle fahren jetzt mit dem Omnibus bis zum Walltvr bzw. Lud- wigsplah und gehen von da zu Fuß. Wir schätzen den Verlust jährlich auf einige Tausend Mark und haben auf diese Konkurrenz bei Errichtung der Omnibuslinien ernstlich hingewiesen.
Die Anwirtschaftlichkeit der Spätwagen bet den Spätzügen nach 22 Ahr kann durch Aufzeichnungen einwandfrei nachgewiesen werden. Eben durch diese Auszeichnungen wurden wir veranlaßt, die Wagen aus dem Verkehr zurückzuziehen.
Die Aeußerung, daß durch die Stillegung d e r L i n i e D a h n h o f st r a ß e die Materialien und sonstigen Anlagen nicht mehr sachgemäß und richtig unterhalten würden, erscheint unverständlich; das Gegenteil ist der Fall, denn dte Abnutzung der totliegenden Gleise ist naturgemäß geringer, als die der befahrenen Strecken. Außer- dem wird die Bahnhofstraße als Zu- und Abfahrt zu den übrigen Linien benutzt.
Was die Erhöhung des Fehlbetrages betrifft, so ist diese nicht mehr auf einen Verkehrsrückgang gegen früher zurückzusühren, mutcrn auf eine Steigerung der Ausgaben. Daß kein Verkehrsrückgang eingetreten ist, bewerfen Die Ziffern der beförderten Personen im Jahre 1913 mlt rund 1,3 Millionen bei einem lO-Pf.-Tarif,
Zur Zeit der Rückgabe des größten Teils von Südtirol und im Zusammenhänge damit wird also Oesterreich, und zwar auf durchaus unblutigem Wege, förmlich über Rocht, eine Ditcatur bctominen. Die Person des künftigen Diktators wird noch eine Zeitlang fraglich fein, denn zunächst werden gewisse Kreise versuchen. '5>r. S eipel als Diktator aufzustellen. Dr. Seipel aber, der von seiner gegenwärtigen Krankheit genesen wird, wird noch im Laufe dieses Jahres auf einer Re.se sterben. Die Klärung wird erst gegen Ende dieses Jahres erfolgen und ihr Resultat wird lein, daß Dr. Schober als Diktator die Lenkung der Geschicke Oesterreichs in seine Hand nehmen wird. And er wird der Diktator Oesterreichs bis an sein Lebensende. das vielleicht erst in 25 Jahren eintreten wird, bleiben.
Tie Zukunft Oesterreichs schaut vollkommen beruhigend aus. Oesterreich wird noch sehr viel leisten, und zwar keineswegs bloß in dem Sinne, daß es noch ungezählte Operetten exportiert. Roch im Lause dieses Jahres wird Wien aus dem Gebiete der Kosmetik selbst Amerika überflügeln, und zwar durch die Erfindungen eines ganz jungen Arztes, der ohne Operation wahre Wunder auf diesem Gebiete wirken wird.
Deutschland wird gleichfalls noch während dieses Jahres einen Diktator bekommen. Aber was in Oesterreich glatt und ruhig verlaufen wird, das wird in Deutschland viel Blut k o st e n. Der erste Diktator Deutschlands wird Dr. Luther sein. Er wird vier Jahre lang regieren und dann durch einen Anfall sterben.
Auch sonst werden die nächsten Monate bedeutende politische Amwälzungen in Europa bringen. In Frankreich werden der Tod zweier prominenter Politiker, zwei große Luftkatastrophen und eine Erdbebenkatastrophe eine kleine Revolte Hervorrufen, die sich indes hauptsächlich um finanzielle Interessen drehen wird. In England wird der Tod Macdonalds, der in diesem Jahre erfolgt, große, ehrliche Trauer Hervorrufen, Stteils werden das Land erschüttern, die Arbeitslosigkeit, die in Deutschland und Oesterreich noch in diesem Jahre infolge der erwähnten Amwälzungen durch Interessennahme ausländischen Kapitals verschwinden wird, wird England noch lange zu schaffen geben.
Italien wird sich, wie schon erwähnt, durch Savoyen vergrößern, Mussolini wird weiter herrschen, er wird noch einige unbedeutendere schmutzige Zustände in Italien vollständig beseitigen, auf fein Leben werden noch drei Anschläge, davon zwei in diesem Jahre, verübt werden, aber alle drei Anschläge werden fehlgehen und dann wird man ihn in Ruhe lassen. Auf dem Balkan gibt es, aber erst in zwei Jahren, einen kleinen Krieg, der jedoch nicht sehr gefährlich sein wird."
verschwunden war, bewies, daß Vorma Velsons Besuch keine gute Wirkung gehabt haben konnte.
Frau Marthe kam ihm etwas verstört entgegen.
„Herr Doktor Vicolette hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen. Sie öffnet nicht auf mein Klopfen — aber ich horte sie schluchzen. Was mag da nur passiert sein?"
Er konnte es sich denken.
Wütend brummte er:
„Ich werde einmal selbst nachsehen, Marthe. Könnte uns gerade noch fehlen, zwei Kranke wegzutransportieren! Bitte — ich gehe schon allein."
Er stapste davon, durch die einzelnen Zimmer.
Frau Marthe faltete die Hände über dem rundlichen Leib.
„Wer mag nur diese feine Dame gewesen fein?" murmelte sie. „Die hat Schuld, daß unsere Vico weint —“
Kopfschüttelnd ging sie wieder auf den Hof, um da und im Garten noch allerlei nachzusehen.
Dr. Windthorst klopfte an Vicolettes Tür.
„Fräulein Vico! — Ich dins, Doktor Windthorst! Bitte, machen Sie mal gleich auf -
Vicolette richtete sich aus den Kissen hoch.
Der Doktor!
Ah — trenn sie ihm doch ihr Herz ausfchütten könnte! Er war ja auch mit Hubert gut Freund. Aber nein — niemand durste von der Schmach wissen, die ihr angetan worden war.
., Fräulein Vico bin ich nicht Ihr guter Freund und Berater gewesen? Oeffnen Sie doch."
„Ich — ich kann nicht - "
„Hören Sie einmal, Vico — ich weiß bereits mehr als Sie glauben. Seien Sie nicht töricht. Ich sah — Vorma Velson das Schloß verlassen. Ich ahne, was Sie — erfahren haben! Aber — verlieren Sie nicht den Glauben, kleine Vico — den Glauben an bas große Wunder —"
Vicolette horchte auf. Ihr Herz schlug plötzlich zum Zerspringen. Dr. Windthorst sprach ja, als wüßte er wirklich, was geschehen war! Wie war denn das möglich?
And diese Worte: „Verlieren Sie nicht den Glauben an das große Wunder!" — Hatte sie nicht vorhin selbst gefleht dem großen, göttlichen Rätsel entgegen. Laß ein Wunder geschehen?
Sie erhob 'ich vom Bett, glättete Kissen und Decken. Kühlte ihre Augen. Dann öffnete fie.
Dr. Windthorst trat über die Schwelle und schloß die Tür schnell wieder hinter sich.
Anendliche Güte war in seinem Gesicht, da er Vicolette ansah. Die stand vor ihm und starrte ihn an — hilflos — ratlos — und dennoch gläubig im Herzen.
„Doktor!"
Er breitete die Arme aus und sie drängte das Gesicht vertrauend an seine Brust.
(Fortsetzung folgt.)
Die kleine Mcotette
Vornan von Paul Hain
Vicolette riß den Arm hoch.
Der Finger wies zur Tür. Ihre Lippen zuckten krampfhaft. Sie wollte sprechen — schreien — Hinaus! Hinaus!" — aber die Lippen versagten ihr den Dienst. Vur ihr Gesicht hakte einen maßlos empörten Ausdruck.
Künstler haben nun eben ihre Besonderheiten. Besonders — was Gefühle anbetrifft. Hubert sucht nur nach Inspirationen — nichts weiter. Glauben Sie es! Ich kenne ihn besser als Sie. And so werden Sie vielleicht doch dem Zufall danken können, der mich noch hier herauf- geführt hat —" , r ...
Da gewann Vicolette die Gewalt über ihre Be- toeaungen, ihre Sprache wieder.
Ihr Arm sank herab — aber sie schritt zur Tür und öffnete sie weit.
„Gehen Sie —", sagte sie falt.
Vorma schritt an ihr vorbei.
„3ch wünsche Ihrem Herrn Vater baldige Erholung — und kommen auch Sie gesund und froh aus der Schweiz zurück."
Ein kleines, hoheitsvolles Vicken — dann ging sie über den Hof, dem Portal zu. And eine Welle feinen verwirrenden Parfüms schwebte hinter ihr her.
Vicolette lieh die Tür wieder zurückfallen.
Was — war — geschehen?
Ihr Mund zuckte. Schlaff hingen ihre Arme fjerab.
Dann aber wandte sie sich plötzlich um und jagte wie gehetzt die Zimmerflucht entlang, bis fie ihr eigenes Zimmer erreichte.
Sie riß die Türe auf. Verriegelte sie hinter sich und fiel über das Bett — wie willenlos — den Kopf in die Kissen wühlend. Sinnlos — sinnlos! And das Herz schlug ihr bis zum Halse.
Tränen rannen ihr plötzlich über die Wangen. Anaufhaltsam. 'Aber sie lösten die Starrheit in ihr und gaben ihre Gedanken frei.
Deutlich klangen alle Worte Vorma Velsons in ihr nach. Sie wußte — sie fühlte es — diele Frau hatte fie quälen wollen: Sie und - Hubert!
nähme zu verzeichnen ist.
And nun ein Wort zu den Marburger Verhältnissen:
Es ist selbstverständlich/ daß bei Einführung eines 10-Ps.-Einheitstarifes, wie in Marburg, die Zahl der beförderten Personen wesentlich steigen würde. Am aber die bisherige Einnahme, die ja an sich noch nicht ausreicht, um eine Wirtschaftlichkeit des Betriebes herbeizuführen, wieder zu erreichen, muß die Zahl der beförderten Personen auf das Doppelte anwachsen, d. h. in Gießen müßte die Frequenz von 1,8 auf 3,6 Millionen gesteigert werden; dabei blieb der Zuschuß aber immer noch derselbe. Hinzu kommt, daß die Betriebslänge b?r Gießener Straßenbahn größer ist als die von Marburg und weiter die Ausgaben in Marburg wesentlich geringer sind. Marburg hat nur eine Linie mit einer Betriebslänge von etwa 3,5 Kilometer und es verkehren dort bei 10-Minutenver- kehr vier höchstens fünf Wagen. Auch Marburg hat früher versucht, eine zweite Linie zu betreiben: diese wurde jedoch nach ganz kurzer Zeit wieder stillgelegt, da sie einen verhältnismäh g großen Zuschuß erforderte. Es ist bei Marburg ! ferner zu berücksichtigen, daß im Sommer ei nkb- | Has ter Fremdenverkehr dort herrscht, den Gießen I nicht aufweift. Z. D. erfordert das Wagenführer- und Werkstattpersonal in Gießen eine jährliche Mehrausgabe von rund 14 000 Mark gegenüber Marburg.
Wie vorstehend bereits gesagt, befinden sich in Marburg vier bis fünf Wagen in Betrieb, während in Gießen normal 13 Wagen im Verkehr sind und in den Sommermonaten, bei Festlichkeiten usw. der gesamte Wagenpark mit 22 Trieb- und sechs Anhängewagen.
Der größere bereitzuhaltende Wagenpark und die Betriebslänqe von 6,54 Kilometer gegenüber Marburg von 3,5 Kilometer erfordern naturgemäß einen größeren Zinsen- und Anterhaltungsdienst.
Tie Anschaffung der neuen Triebwagen vor zwei Jahren war aus Sicherheitsgründen erfor-
Mme. Terfren Leila, die berühmte Hellseherin, ist, von Außenminister Dr. Schober und dem Innenminister Winkler berufen, für wenige Tage aus Paris nach Wien gekommen. Mme. Leila ist dieselbe Dame, die seinerzeit mehrere Monate vor Beginn des Frankensturzes die kommende Inflation vorausgesaqi und auch richtig angegeben haben soll, zu welchem Zeitpunkt der Kurswert des französischen Franken stabilisiert werden würde. Die Politiker, die sie nach Wien berufen haben, scheinen jedenfalls ihre Sehergabe sehr ernst zu nehmen, denn Donnerstag vormittag ist Dr. Schober gemeinsam mit einem prominenten, vorübergehend in Wien weilenden französischen Diplomaten stundenlang bei Mme. Leila gewesen, und am Vachmittag ist Dr. Schober abermals zu einer längeren Unter- rebung in Begleitung des Innenministers Winkler bei ihr erschienen.
Mme. Terfren Leila ist eine auffallend schöne, noch junge Frau von junonischer Gestalt. Vom Halsausschnitt ihres stilisiert indischen langen Gewandes blinkt der große Stern der Ehrenlegion, der ihr für ihre Prophezeiungen in der Franken-Angelegenheit verliehen wurde. Der weiße indische Turban erzeugt eher den Eindruck pariserischer Eleganz als den indischer Cxottk.
„Oesterreich wird noch in diesem Jahre", erklärte Mme. Leila auf eine dahingehende Frage mit voller Entschiedenheit, einen Diktator bekommen. Zuvor gibt es noch einen kleinen Krach mit Deutschland. Italien nämlich wird so um die Mitte des Jahres in einen Konflikt mit Frankreich geraten und sich hierbei um Savoyen vergröfxern. Im Zusammenhänge damit wird Oesterreich, das sich vollkommen neutral verhalten wird, für seine Veuttalität auf Grund eines Vertrages, den Mussolini mit England schließen wird, und gegen die Erklärung, sich nicht an Deutschland anzuschließen, den größten Teil von Südtirol zu- rückerhakten. Deutschland wird zwar zunächst auf der Anschlußforderung bestehen wollen, wird sich aber schließlich fügen müssen. Denn Mussolini wird dahintergekommen sein, daß Deutschland, und zwar die rechtsstehenden Kreise Deutschlands, mit Rußland einen Pakt geschlossen hat, einen offenen Waffenerzeugungspakt, demzufolge Deutschland die allerneue» st en kriegerischen Erfindungen unentgeltlich Rußland geliefert hat, damit Rußland ihm die Waffen vorbercitc.
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