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Samstag, 24. Januar 1931

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 20 Zweites Blatt

Ihnen iciaen. Der Lehrer packt den Hasen bei feix ihr Geschäft von Grund auf kennen lernen. - J < /r* r ~ n - rr an; ~ ix 41nVJ.-hnih Yrviffr*n tnif» <*1TT

fcheid weih.

Ost- xmt> CBkft» seine Spitze ge - d ie Sowjet- bcstehenden Der-

Ist der Kapitalismus und mit ihm der In­dividualismus überlebt oder kann er noch immer beanspruchen, der beste Weg zum materiellen und kulturellen Aufstieg der Menschheit zu sein? Denn darüber muh Klarheit herrschen. Man muh sich entscheiden, wohin die Fahrt gehen soll und wissen, was die Menschheit bei ihr riskiert.

Der Kapitalismus hat, nachdem die Dande wirtschaftlicher wie geistiger Bindung gesprengt waren, im letzten Jahrhundert die ganze moderne Welt geschaffen, drüben über dem Ozean, eine neue weihe We l t von 150 Millionen Menschen aufgebaut, in Europa die Be­völkerung verdoppelt und zugleich ihre Lebens­haltung auf den zwei- bis vierfachen Stand ge­hoben. Alle, aber auch alle uns heute selbstver­ständlichen Grundlagen des modernen Lebens 'empfing die Menschheit aus der Hand gro­ßer Individuen, die sich selbst und ihr Ver­mögen für eine Aufgabe einsehten. In organi­schem Wachstum, durch Erfolg und Mißerfolg automatisch reguliert, baute sich das kunstvolle Uhr­werk der Weltwirtschaft auf. Die Politiker haben es im August 1914 und in den Friedens­verträgen zertrümmert. Dicht mehr nach ökonomischen, sondern nach politischenGe- setzen wurden Produktion, Güteraustausch und Geldwirtschaft entwickelt. Die Reparationen schu­fen einen Zahlungsverkehr, der nicht Kräfteaus­tausch, sondern Krankheitserreger ist, Blutan­drang in der einen, Blutleere in der anderen Wirtschaft erzeugend.

mein gehalten. Das heißt vor einen Unterschied zwischen den grenzen nicht.

Zunächst: der Vertrag richtet

weiß man nicht.

Es scheint, daß Rumänien feine besondere Rei­zung hatte, auf eine so weitgefaßte Verpflichtung einzugehen, insonderheit wegen der Verschärfung

den Löffeln und zeigt:wehen Sie, Herr Kollege, hier sieht man es am besten und sichersten. Wenn sich die Ohren leicht einreißen lassen, ist es ein junges Tier, im Gegenfall ein altes."

ilnö wenn der Hase nxm gar keine Löffel mehr bat, fragt ein junger Teilnehmer des Lehrganges.

gen Deutschland und union zugleich. Er will die , träge auirechterhalten, ist also eine Garantie gegen jede Revision der polnischen Gren­zen wie der rumänischen (Bessarabien!). Cs wird durch den besonderen polnisch rumänischen Schieds- und Vergleichsvertrag von 24. März 1929 er­gänzt, der im März 1930 in Kraft getreten ist Er garantiert im geschickten Anschluß an Artikel 10 des Dölkerbundspaktes und die Sanktionsbe­stimmungen des Völkerbundes die Grenzen beider Staaten schlechthin ohne Einschränkung, auch gegen Richtmitgl.eder des Völkerbundes. Ob dieser Grundsatz freilich in den Militärkonven- t i o ix e tx auch durchgeführt ist, die vorgesehen find,

dieser Merkantilismus heute in Europa nicht vollständig möglich ist. Dieselben Länder find trotz aller Absperrung voneinander und trotz alles Bemühens, sich wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu halten, auf Gedeih und Verderb mit anderen verbunden, alle Länder liegen jetzt merkt man es schon bei Frankreich und selbst Dänemark im selb en Spital krank und deshalb muh eine internationale Zusammen­arbeit zustande kommen, wenn nicht Europa in einer großen Wirischastslatastrophe verllnk-n soll. Daher die Forderung dieses Holländers der ja als Vertreter gerade feines Landes weniger in der einen oder anderen Richtung durchaus

der Beziehungen zwilchen Deutschland und Polen. Rumänien wollte offenbar die Bindungen von 1£25 für d'.c kölnische Westgrenze nicht wieder ein- gehen. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Polen hals nach, indem es vorgab. daß Rußland in Warschau einen Reu» tralitätsvertrag angeboten habe Diese angebliche Tatsache, an der kein Wort toapr tft, wurde durch ein Mitglied des rumänischen Außen­ministeriums in eine rumänische Zeitung lanciert. Rußland wie Polen dementierten, der warnte wurde entlassen, aber dieseEnte" hat den Ab­schluß im Sinne Polens erreicht, und hat seins Wünsche befriedigt. Für ein solches russische-An­gebot in Warschau fehlt bei der heutigen Lage zwilchen Rußland und Polen jede Vorbedingung. Man kann sich denken, wie die Moskauer Presse diesen Reuabschluß behandelt, nämlich als einen weiteren Beitrag zur Herstellung der bekannten Antisowj et front". Aber es ist in diesem Zusammenhang ganz interessant, daß (und) ^ner Meldung aus Konstantinopel' Rumänien die Tür­kei gebeten habe, sie möchte sich um einen russisch- rumänischen ZreundschastS- und Richtangriffspakt bemühen. . .

Das verwundert ebensowenig, wie im Westen die Erörterung in Belgien über eine evtl. Kün­digung der belgisch-französisch en Militärkonvention von 1920. Weder in Belgien noch in Rumänien fühlt man sich in einer Abhängigkeit von Frankreich ganz wohl, die, da eben Polen automatisch im Geschäft darin ist, so unbedingt ist und so weit geht, daß die beiden Länder. Belgien wie Rumänien. Bedenken tra­gen, sich dem ganz zu verschreiben. DaS sind in­teressante Vorgänge: einmal diese Bündnis-Er- neuerung, die schon durch sich im Widerspruch zu dem Völkerbundsgedanken steht, und dann diese Ruaneen und Diskussionen in Belgien und Ru­mänien, die zeigen, daß das Leben, die Dynamik der Staatenbeziehungen, eben doch weiter geht- über eine Statik der Beziehungen hinaus, di« Frankreich und mit ihm Polen unter allen Um­ständen und mit aller Starrheit festzuhalten sich bemühen!

ristisch zu stützen: sie lieh die erforderliche Aus­geprägtheit des Klanges vermissen.

Das Siegfried-Idyll war in seiner Durchführung von besonderer Weihe getragen. In seinen einzelnen Episoden wie auch in der Gegen- Vereinigung der Themen erklang es in der Klar­heit die durch die Symbolgebundenheit der ein­zelnen Themen geboten erscheint. Dem vorge­schriebenen ZeitmaßRuhig bewegt" wäre stellen­weise eine leichte Belebung dienlich gewesen.

Es erübrigt sich wohl, die besonderen Vorzüge des Orchesters zu betonen, da sie schon genugsam bekannt sind. Das erste Horn war ein vorzüglicher Träger des Thematischen, die Blechgruppe zeigte besondere. Fähigkeit in klangschöner Wstufung des Dynamischen: den Holzbläsern war Weichheit und Modulationsfähigkeit eigen. Dr. H.

Ein Hüse zwischen zwölf Messern.

Von Hans Brückner.

Spicken als Pflichtfach.

Auf dem Tisch liegt ein Hase. Er nimmt sich auf dem blitzblanken Wachstuch wie auf einem Seziertisch aus. Rings herum liegt em Dutzend scharf geschliffener Messer mit der Schneide dem Hasen zugekehrt. Wenn das arme Tier nun er­wachte und davonlaufen wollte! Aber wer hat in dieser Zeit Lust zu erwachen, nachdem er sowieso schon eine ganze Anzahl Schrotkugeln im Bauch hat? Uebrigenä wäre das auch gar nicht legal von dem Hasen, denn er dient hier nicht gewöhn­lichen Zwecken: er ist ein Lehrmittel.

Ein Dutzend junger Leute betritt letzt das Zim­mer. zieht weihe Kittel an und setzt sich an den Tisch. Jeder hat ein Brett vor sich, und auf diesem Brett liegt das blinkende Messer. Einer geht jetzt zur Lasel und schreibt: Wie erkennen wir das Alter des Hasen? Run entflammt die Debatte. Der junge Mann mit der großen Hornbrille, der ganz hinten gesessen hat, meint:Man sieht es schon dem Fell an. Ein junger Hase hat junges Fell und ein alter Hase hat altes Fell." Der Lehrer winkt überlegen ab:Das ist kein Beweis"

Ein Langer erhebt sich jetzt, ergreift den Griff feines Messers, sticht heftig in das vor ihm lie­gende Brett und sagt:Das kann man erst beim Zerlegen feststellen."

Schon weit frühes, sagt der Mann, der auf dem Katheder sitzt.

Man fühlt es am Bauch und an den Schen­keln", sagt ein anderer.Beim jungen Hasen sind diese Teile zart, beim alten dagegen fest."

/Das geht schon eher, aber jetzt werde ich es

Alles lacht.

Ungefähr nach einer Viertelstunde ist der erste Teil der Debatte: Das Alter des Hasen, bcenbet. Run folgt der zweite Punkt der Unterrichtsstunde. Der junge Mann mit der schönen Handschrift geht zur Tafel und schreibt mit Rundschriflbuchstaben. damit es jeder lesen kann: Wie zieht der Fach­mann ab?

Rach einer kurzen Aussprache muß die Sache sofort praktisch m Angriff genommen werden, denn cs ergeben sich große Meinungsverschiedenheiten. Der eine will radikal den Kopf abschneiden und das Fell stückweise herunterziehew Er wird aus- gelacht.

Woran soll man denn dann sehen, Herr Kol­lege", fragt der Lehrer,daß es ein Hase war? Das Publikum könnte doch sagen, es sei eine Katze."

Man dreht die Tafel auf die unbeschriebene Seite, hängt den Hasen mit den Hinterpsoten dar­an und stellt einen Eimer darunter. Der Lehrer schärft zwei Messer aneinander. Er packt das Schwänzchen und macht einen blitzschnellen Schnitt den ganzen Bauch entlang bis zur Kehle. Die jungen Leute im weißen Kittel stellen sich um ihn herum. Zwei Assistenten sind behilflich. Man zieht die Läufe auseinander und beginnt die Demon­stration, wie das Fell richtig über die Ohren ge­zogen wird. Der Lehrer ist in der Tat ein Vir­tuose seines Faches. Er braucht nur wenige Schnitte, und das Fell ist ohne die kleinste Be­schädigung in einem einzigen Stück abgezogen. So­gar die Lössel hängen daran.

Das richtige Abziehen, meine Herren, ist schon aus wirtschaftlichen Gründen sehr wichtig, denn dann ist das Fell noch au verwerten. Wenn Sie täglich 100 solcher Felle haben, so können Sie das schon im Preis berücksichtigen, und wenn Sie auch nur einige Pfennige billiger sind als die andern, so schlagen Eie schon Ihre Konkur-

Wie aus diesen Worten zu entnehmen ist, hat sich diese Demonstration nicht etwa in der Tier­ärztlichen Hochschule abgespielt, sondern während eines Abendkurses, den Feinkosthändler sür ihren Rachwuchs veranstalten. Die jungen Leute, die ihre Kunden mit .chmackhasten Waren, mit Näschereien und Leckerbissen versehen sollen, müf-

Partei ist, mindestens eine Art wirt­schaftlichen Waffenstillstandes abzu- schließen, eine gewisse Stabilität in handelspoli­tischer Beziehung herzustellen als Grundlage wei­terer Unterhandlungen. Seine Aus ührungen machten mit Recht einen großen Eindruck. Rur ist mit der Schluhseststellung noch zu wenig gefordert und gesagt. Hier wies in der De­batte wieder der jugoslawische Handelsminister auf die neuen Ideen der Handelspolitik hin, denen auch der deutsche Außenminister sich zustimmend gegenüberstellte.

Und nun die Abrüstung! Der deutsche Außenminister hat unseren Standpunkt pro­grammatisch Umrissen. Er hat keinen Zweifel daran gelassen, daß der Entwurf der Abru- stungskonvention, wie er aus Der Vorbereiten­den Abrüstungskonferenz hervorgegangen ist. für Deutschland nicht annehmbar ist. Die Land­abrüstung ist in ihm der wesentlichen Elemente entkleidet, die zu wirklicher Abrüstung gehören. Das Rüstungsschema stabilisiert den heu­tigen Rüstungsstand. Der Entwurf verbindet da­mit eine erneute Festlegung jenes einseitigen Ent- waffnungszustandes, der Deutschland vertrags­mäßig auferlegt ist. Diesen Entwurs lehnt Deutschland ab. Damit nahm Deutschland jetzt in Genf den einzig möglichen und richtigen Stand­punkt. Selbstverständlich arbeitet es an der Ab­rüstung mit, für deren Notwendigkeit sowohl Henderson wie Driand auch nachdrück.iche Worte finden. Die letzte Entscheidung in dieser großen Frage, der Lebensfrage des Völkerbundes zu- gleich, fällt erst auf der Abrüstungskonferenz selbst. Termin und Person des Vorsitzenden sind, während diese Zellen geschrieben werden noch nicht bestimmt. Denn dazwischen und darüber ist die deutsch-polnische Diskus ion geschoben toorben die Disposition des Tages ist sehr schlecht. Liegt diefe mangelhafte Vorbereitung an der Abwesenheit des Generalsekretärs Drummond, der in Südamerika ist? Und warum lassen sich die Minister, besonders die Hauptbeteiligten, eine derartig unzureichende Geschäftsanordnung ge­fallen?

Es ist nicht nötig, noch einmal die Einstellungen Englands und Frankreichs zur Ab.üstuxms rage zu beleuchten. Die Minister beider Länder ließen ker­nen Zweifel daran, daß auch ihnen der Ernst der Lage klar ist. Auch Frankreich kann und wird es nicht gleichgültig fein, daß an feinem Wider­spruch und dem Widerspruch seiner Trabanten diese Frage vollständig gescheitert ist. Wieviel man dabei gleichwohl für Frankreichs sogenannte Si­cherheit und Rüstung retten will, ist bekannt. Für England gilt über alle allgemeinen Ausfüh­rungen hinaus, an deren Aufrichtigkeit wir gar nicht zweifeln wollen, daß es sich von Frank­reich abhängig fühlt, daß selbst eine Latour- Regierung entschlossen ist, in Abrüstungssragen sich Frankreich zu fügen, wenn dafür England Vorteile gewährt werden.

Diese liegen heute weniger in bestimmten <yra- gen des britischen Weltreiches als in der großen Frage der Goldknappheit und Gold- Verteilung, die sich für England so unangenehm fühlbar macht. Auf der anderen Seite ist in diesem besonderen Fall eine para Ile le Arbeit zwischen De utschlandundIta- lien hervorgetreten, wie in dieser Klarheit bis-

Unsere heutige jüngere Generation hat eine normale kapitalistische Wirtschaft nicht mehr gesehen. So verzweifelt sie, an­statt den Politiker zur Rechenschaft zu ziehen, de« cs zerstörte, an diesem Wirtschaftssystem, und sucht Heilung wieder bei den Politi­kern, die ihr, anstatt des Brotes den Stein der Utopie reichen. Daß es nur Steine sind, die der Sozialismus, die Planwirtschaftler, der Bolschewismus und der Nationalsozialismus an- zubieten haben, muß, un) zwar hier für Deutsch­land, bewiesen werden.

Deutschland ist übervölkert. Für 4 Mil­liarden Mark Lebensrnittel, für 7 Milliarden Mark Rohstoffe muß es cinführen, die es im we­sentlichen mit 9,8 Milliarden Mark Fertigwaren bezahlte. Uebervölkerung schafft stets unnatür­liche Verhältnisse. Sie nimmt dem Lande einen Teil seiner Unabhängigkeit, macht es von den ausländischen Märkten abhängig, zwingt zu inter­nationaler Zusammenarbeit. Wer dies als na­tionale Dissonanz empfindet und deshalb, wie die Nationalsozialisten, den Ueberga n g zurrau m gebundenen National­wirtschaft", zurAbwendung vom Welthan­del", fordert, der muß sich bewußt sein, daß ec damit etwa 16 Millionen Deutschen d i e Lebensgrundlage entzieht. Ma­hal Deutschland auszuführen? Im wesentlichen nur Arbeit. Sie wird in Konkurrenz mit allen anderen Industrieländern angeboten. Rur durch Qualität kann der Markt für Fertigwaren be-

her noch nicht. Da- ist nur zu begrüßen! In dieser Richtung ist weiterzuarbeiten, wenn wir uns auch gqr nicht verhehlen, daß vo.x Italien aus diese Zusammenarbeit nur non Fall zu Fall und nach den Interessen Italiens getätigt wird. Man hüte sich nach den Erfahrungen in der Europa- Kommission und der Adrüstungsfrao', v hoffen, daß Italien nun mit uns durch dick und dünn, etwa in den deutsch'polnischen Dingen g.yen nfili.

Um diese Genfer Gespräche spielen sehr wichtige

Gießener Konzertverein.

Orchesterkonzert

des Darmstädter Landesorchcsters.

Wenn auch Bruckners Vierte bereits im Oktober 1926 zu Gehör gebracht worden war, so konnte man dennoch aus der Wiederholung des Werkes reichlichen musikalisch-geistigen Gewinn ziehen. Denn je öfter man sich mit dieser Sym­phonie befaßt, um so mehr werden sich immer neue Schönheiten eröffnen, ja, die Fülle des im Werke niedergelegten musikalischen Reichtums wird sich erst beim vielmaligen Hören in voller Breite erschließen. Da die Ls-Dur-Symphonxe, so viel ich in Erfahrung bringen konnte, nicht zu den viel gespielten Werken der Darmstädt^ ge­hört, wird man die persönliche Leistung von Herrn Universitätsmus.llürektor Dr. Temesvarh um so höher veranschlagen können: besonders aber auch zeigt der Vergleich zu der früheren Auf­führung, daß feine Auffassung des Werkes einen Zug ins Große genommen hat. Den ersten Satz legte er breit an und allmählich mit dem Ent­falten des Thematischen belebte sich seine Tempo- nabme Das zweite Thema war ein wohliges Schwelgen im Klanglichen. Die Zwischenepisoden wurden gestrafft dem großen Gedankengang exn- geordnet. Die innere Symbolik von Mensch und Natur die Bruckner in das zweite T^xna hin­ein gelegt hat, wurde zu einem entscheidenden Moment vor der Reprise. Das Andante war durchschauert von innerem Weh und Schmerz­lichkeit, getragen von Gesanglichkeit, groß im Ausmaß der Steigerungen wie auch im -2U>|inten der klanglichen Verlorenheit. Impulsive Lebendig­keit im Scherzo ließ aber auch den retardierenden Momenten ihr volles Recht zukommen: öa$ -ixio cr'chloß seine besonderen naturhaften Reize, cs erschien wirklichkeitsnäher als in der früheren Aufführung. Den Eingang zum Finale lieh er zu monumentaler Gröhe des Kopfthemas heraus­wachsen. Die zweite Gruppe wurde in ihren w.xhselnden Situationen ausgebreitet: um so un­erbittlicher erschien die Schluhgruppe. Mit einem glänzenden Aufbau der Coda führte er das Finale zu klanglicher Große.

Wagners Ouvertüre zumFliegen­den Holländer" war erfüllt mit Dramatik, die in der Gegensätzlichkeit des Thematischen wur­zelte' sie erhob sich unter der Führung von Dr. Temesvary zu starken, dämonischen Akzenten. Der Schluß verklang in visionärer Verklarung. Der Harfe fällt es zu, die Schluhstimmung charakte-

Die nächste Tagung dieser Europa-Konferenz wird wahrscheinlich im Mai stattsinden. Jetzt in Genf hat der Vorsitzende zahlreicher Völker­bundskonferenzen für die Wirtschaft, der Hol­länder Coli jn, einen Rückblick gegeben^ oer niederschmetternd ist. Die Richtung der Wirt­schaftsbeziehungen und der sie zum Teil be­stimmenden Wirtschaftspolitik geht heute überall gegeneinander und droht in einen Wirt­schaftskrieg aller gegen a He zu führen. Die düstere Schilderung des Hollanders von der gegenwärtigen handelspolitischen Lage war durchaus nicht übertrieben. Der gewaltige Gegensatz, daß die großen und die kleineren Staaten, namentlich die neu entstandenen, nach wirtschaftlicher Selbständigkeit, nach nationaler Wirtschaft, wie man sagt, streben, zeigt sich mit aller Deutlichkeit. Man spricht darum von einer Wiederbelebung des alten Mer­kantilismus. Sinn, Berechtigung und Kraft dieser Tendenz sind gar nicht zu verkennen, sie fließen aus dem Begriff des nationalen Staates. Die Stärke des Gegensatzes beruht barm, daß

Wie könnten sie sonst Bescheid wissen, wie ein Huhn, ein Fasan, ein Hase, ein Fisch zerlegt, zer­kleinert, angerichtet und gut verkauft wird, wie könnten sie ihre Kunden überzeugen, wenn sie selbst nicht wüßten, wie sich in all diesen Geheim­nissen zurechtfinden?

Run müssen die Schüler die Theorie und d,e Praxis des Zubereitens der Deinen Hasen er­lernen. Wozu manche Hausfrau Jahre braucht, das wird hier in einigen Stunden erlernt, beim e- gibt ja vortreffliche Lehrbücher. In biefein Büchern find die einzelnen Phasen der Zuberei­tung durch Abbildungen erläutert. Aber das ge­nügt noch nicht. Man muß alles in der Wirk­lichkeit mitmachen. Diese jungen Leute sind feino Lehrlinge mehr. Es gibt unter ihnen sogar einige Geschäftsinhaber, die alle Rezepte und Kunst­griffe der kalten Küche, wie das Zubereiten von Mayonnaise, Heringssalat, Saucen, Kartoffel­salat, Krabbenmayonnaise, Italienischem Salat. Schwedenplatte und Kalter Platte praktisch er­lernen wollen. Sie opfern gern ihre freie Zeit dafür. Rach Ladenschluß nehmen sie schnell den weihen Kittel unter den Arm und rennen in di« Lehrkurse, wo sie drei bis vier Stunden an der Vervollkommnung ihrer Kenntnisse arbeiten. Oft fogar mit knurrendem Magen. Man sieht es ihnen direkt an, wenn der Lehrer nach dem Zer­legen des Hasen die Speckstücke zerschneidet unb erklärt, daß die feinen Spickfäden nicht zu dick und nicht zu dünn fein dürfen: das Wasser läuft ihnen im Munde zusammen. Rach einer Deinen Erläuterung des Lehrers werden die Stück des Hasen verteilt. Jeder muß nun beweisen, daß ec spicken kann. Ein Wettlauf seht ein. Man nimmt die Spicknadel zur Hand und legt die Stoppuhc auf den Tisch. Wichtig ist die Schnelligkeit, Ge­nauigkeit, saubere Arbeit. Cs ist das eine jener Schulen, in denen die Schüler als Lohn (oder al- Strafe) ihrs Schularbeiten aufessen dürfen.

Die zubereiteten Teile werden nämlich in der Küche des Instituts gebraten und wehe dem, der schlampig war und die Spickfäden nicht fachlich angebracht hat. Der beste Schüler, der die Schen­kel so kunstgerecht spickte, sitzt bereits da hinten] und ißt. Das Fett rinnt ihm aus den Mund­winkeln und die übrigen sehen neidisch zu. Der Lange aber, der so lange herumprobierte und so viel Speck vergeudete, hat ein verbranntes Rücken^ stück, das übel riecht und genau so schmeckt. Er muh sich ein Stück von seinem Kollegen pumpen, damit er endlich auch in dem letzten und wichtig­sten Punkt, nämlich wie man den Hasen ißt, Be-

paneuropa und dieAbrüsiung

Außenpolitische Umschau.

Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin.

Eine Tagung von außerordentlicher Wichtig­keit rollt jetzt in Genf ab, die wesentlichsten Probleme des Völkerbundes: Abrüstung, Wirt- schaftszusammenarbeit, Minderheiten,rage, stehen zu einer sich immer mehr spannenden Diskussion. Trotz der Zusammenarbeit mit dem Italiener in der Paneuropafrage, steht der putsche Außenminister dabei völlig allein, hat er nach allen Seiten einen schweren Kampf zu kämpfen und gleichzeitig die verschiedensten be­deutsamen Probleme auch m ihrer Wirkung auf- einander im Kopf zu haben. OHan bereift es darum einfach nicht, wenn in einer solchen Lage in der Heimat nicht Gegensätze um Personen und Sachen zurückgestellt werden und die Stellung dcs deutschen Vertreters in Genf, wie es dieser Tage wieder geschah, durch Gerüchte und In­trigen von neuem erschüttert werden soll. Wie man auch zum Völkerbund stehe, es ist eine große Staatenkonferenz, hinter der nicht, wie vor 100 Jahren bei ähnlichen Konferenzen, die Fürsten stehen, sondern durch die parlamentarischen Außenminister die l- I e r selbst miteinander ringen.

Die erste Frage der Eu r o p a - K o in m i s- sion ist entschieden, nachdem im Gegeneinander von Briand und Curtius der französische (Poli­tische) Gesichtspunkt und der deutsch- (wirtschaft­liche) Gesichtspunkt für eine europäische Zusam­menarbeit mit aller Schärfe und Gegensätzlich­keit zum Ausdruck gebracht war. Man hat be­schlossen, auch Rußland und die Türkei zur nächsten Tagung der Europa-Konferenz ein­zuladen, zur Teilnahme an den Arbeiten über Wirtschaftsfragen. Die Vorbehalte einer Reihe von Staaten dagegen besagen nicht allzu viel, mehr die absichtliche Unklarheit: sollen habet Rußland und die Türkei nur auf die Wirt­schaftsfragen beschränkt und von der Erörterung politischer Fragen, die ja an vielen Stellen berührt werden, ausgeschlossen sein? Hier liegen noch mancherlei Schwierigkeiten, natürlich auch Ausgaben sür die deutsche Politik. Diese hat jetzt selber gesehen, wie richtig immer unser Ge­sichtspunkt war, daß es die Aufgabe Deutsch­lands sei, zwischen Rußland und Gens die Brücke zu bilden. Wir hoffen, daß die deutsche Position gegenüber Rußland jetzt stark genug sei, um nun auch Rußland (bet her Türkei ist es wohl selbstverständlich) zur An - nähme dieser Einladung zu veranlassen. Hoffentlich wird sich dabei nicht manches Der- säumnis in den deutsch-russischen Beziehungen rächen, die die letzten Jahre gebracht haben.

Dündnisbeziehungen und Dündniserör- tcrungen, hie in sich im grundsätzlichen Wider­spruch zu dem Dölkerbundsgedanken stehen. Auszugehen ist von der Tatsache, daß am 15. Jan. zwischen Polen und Rumänien der, wir können ruhig sagen, Bündnisvertrag erneuert wurde, da her Vertrag von 26. März 1926 abge­laufen war. Der neue Vertrag ist auf fünf Jahre abgeschlossen und wirb ohne Künhigung auf wei­tere fünf Jahre verlängert. Der Tert soll nach her Ratifikation d-m Völkerbunds e re a ia. z r Regi­strierung übergeben werden und ist ganz allge- ' " * * '* allem: er macht

Krise des Kapitalismus?

Von Hans von Raumer, ehem. Reichsminisier.