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23.11.1931
 
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Hr. 274 Erstes Blatt

181. Jahrgang

Montag, 25. November 1931

Eriche INI lüg lieh, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Ran-noien.

Die Reichsregierung gibt sich alle erdenkliche Mühe, das durch die Juli-Ereignisse erschütterte Vertrauen der Sparer und Bank- konteninhaber wieder herzustellen. Sie läßt versichern, daß sie mit aller Kraft die Währung schützen werde, sie hat durch ihre Rotverordnungen gezeigt, daß es ihr mit ihren Absichten, auf finan­ziellem Gebiet die Ordnung wieder herzustellen, durchaus ernst ist. Leider müssen wir aber fest­stellen, daß sie den Skandalaffären der jüngsten Vergangenheit mit einer ziemlichen Gleichgültigkeit gegenübersteht und es offenbar nicht für nötig hält, von sich a u s die Maß­nahmen zu ergreifen, die das gesunde Volks­empfinden mindestens als erste Antwort auf Ver­gehen und Verbrechen, wie sie mit den Ramen der Gebrüder L a h u s e n, des Direktors Kat­zenellenbogen und anderer Wirtschaftspira­ten zusammenhängen, von denen die ernste Wirt­schaft natürlich hörbar abgerückt ist. Jetzt ist die Bank für Handel und Grundbesitz durch die Schuld ihres Direktors, mehr aber noch durch das Verhalten der Aufsichtsbehörden in die Brüche gegangen. Wieder stehen zahllose kleine Sparer vor den Schaltern und erklären, daß sie jetzt endgültig das Vertrauen zu den Banken ver­loren hätten. Wir fragen uns vergebens, warum nicht rechtzeitig energischLurchgegriffen worden ist, obwohl doch längst in eingeweihten Kreisen bekannt war, wie es mit dieser Bank stand: wir fragen uns, warum man die verantwortlichen Personen nicht sofort hinter Schloß und Riegel gesetzt hat, warum den Gebrüdern Lahusen bis heute kein Haar gekrümmt worden ist und warum Kahenellenbogen wieder frei Herumlaufen darf. Selbstverständlich beuten die Parteien sozialisti­scher Richtung alle diese Skandale mit Wonne aus, wobei sie in jeder ihrer Betrachtungen nicht ver­fehlen, darauf hinzuweisen, daß wir es bei die­sen Vorgängen mit sichtbaren Zeichen des kapi­talistischen Bankrotts zu tun haben. Heber die po­litischen Rückwirkungen dieser Kampfesweise brau­chen wir nicht viel Worte zu verlieren. Die deutsche Wirtschaft sollte aber doch endlich aus der Ver­gangenheit gelernt und sich aufgerafft haben, von sich aus eine Generalreinigung vorzuneh­men. Sie weiß, wer in ihren Rechen den Ruf eines ehrbaren Kaufmanns oder Industriellen nicht besitzt, sie sollte daraus auch jetzt noch schleu­nigst die Konsequenzen ziehen und ihre Organi­sationen veranlassen, die Elemente r ü ck s i ch t s - los auszuschalten, die durch ihr Verhal­ten das Ansehen der deutschen Wirtschaft imJn- und Auslande auf das schwerste schädigen.

Mitte Oktober begannen in Bern Verhandlungen über eine Umgestaltung des deutsch- schweizerischen Handelsvertrages, die aber wegen der unannehmbaren Forderungen sehr rasch eine krisenhafte Zuspitzung erfuhren. Die Folge war eine Absage der Berliner Regierung, auch auf die Gefahr eines deutsch-schweizerischen Handels­krieges. Sie hat aber, um weitere Verhandlungen ohne eine sofortige Kündigung des Handelsvertra­ges zu ermöglichen, zugleich der Schweiz mitteilen lassen, daß sie bereit sei, die Kündigungs­frist des jetzigen Vertrags von drei auf zwei Monate herabzusetzen, damit der Novem­ber für weitere Verhandlungen ausgenutzt werden könne. Auf diesen Vorschlag ist die Schweiz dann auch eingegangen, weil sie vor den Auswirkungen eines oertragslosen Zustandes doch zurückschreckte. Die Verhandlungen sind also wieder im Fluß. Trotz­dem droht natürlich die Kündigung und der nach dem Ablauf der Kündigungsfrist einsetzende ver­tragslose Zustand, der für beide Staaten ganz zweifellos schwere Nachteile mit sich bringen würde.

Was fordert nun die Schweiz? Sie ist man muß es zugestehen in einer unangenehmen Lage. Ihre Handelsbilanz ist feit langem passiv, diese Passivität hat sich aber nach den letzten Ausweisen doch stark gemildert. Deutschland ist der Hauptwarenimporteur. Deutschlands Einfuhr in die Schweiz ist in den letzten Jahren ständig im Steigen begriffen, wah­rend die Ausfuhr der Schweiz nach Deutsch­land zurückging. Im Jahre 1928 betrug die Passivität des schweizerisch-deutschen Handels für bie Schweiz noch 230 Millionen Schweizerfranken, stieg aber 1929 schon auf 343 und 1930 sogar au 426 Millionen. Die bisherigen Monate des Jahres 1931 lassen aber darauf schließen, daß dieses Jahr eine wesentliche geringere Steigerung bringen wird. Ueber die deutsche Einfuhr beklagen sich nun fort­gesetzt Industrie und Gewerbe der Schweiz Die Fabrikanten von Gasapparaten, Möbeln, Bleistif­ten, Wollsachen, Teppichen, Lederwaren usw., ins­besondere die Holzindustrie und die Kon­fektion, richteten ereits eine Eingabe um Schutz gegen die deutsche Einfuhr an den Bundesrat.

Die schweizerische Regierung will nun nicht etwa eine allgemeine Erhöhung der Zollsätze. Die bisheri- aen Zölle sollen im allgemeinen beibehalten werden, aber es soll eine Kontingentierung der Einfuhrmengen jener Waren, die zu diesen Zollsätzen eingeführt werden dürfen, erfolgen, und zwar auf einer Basis, die natürlich weit u n ter den bisherigen Einfuhrziffern liegt. Die Waren, die über diese Kontingentierung hinaus eingefuhrt wer­ben, will man mit einem außerordentlich scharfen Prohibitivzoll belegen, der die Einfuhr völ­lig unrentabel machen würde. Deutschland kann der Kontingentierung natürlich nicht zustlmmen. Woll­ten wir dem schweizerischen Wunsche entsprechen, so wäre die natürliche Folge die, daß andere Staa en die gleiche Forderung stellten und wir auch diesen Forderungen nachgeben mühten. Und das bedeutete

Der Reichskanzler ruft auf zum Kampf gegen Rot und Elend. Werdet nicht müde in der Hilfe für die bedrängten Volksgenossen! Unterstützt das Hilfs­werk der Deutschen Liga der Freien Wohlfahrtspflege!

Berlin, 22. Rov. (WTB.) Der Reichskanz­ler hielt heute abend im Rundfunk eine An­sprache über die Winterhilfe, in der er u. a. das Folgende ausführte:Die schwere Rot des Win­ters erfordert die Mitarbeit aller Volksgenos­sen zur Bekämpfung der Rot und des Elends. Es wäre leichtfertig, wenn wir uns über den Ernst der Zeit hinwegtauschen wollten. Richt we­niger falsch wäre es aber auch, wenn wir nicht den Mut hätten, den Bann zu bre­chen, den diese dunkle Gegenwartszeit auf uns legt, wenn wir uns den Hemmungen und lähmen­den Einflüssen ausliefern würden, ohne zu ver­suchen, aus eigener Kraft die schwie­rige Zeit der Prüfung zu überwin­den. Die Lebenskräfte des deutschen Volkes sind nicht gebrochen. Sie sind spürbar auf allen Ge­bieten des Volkslebens, und ihnen entspringt auch das Hilfswerk, das spontan im ganzen Reiche zur Linderung der großen materiellen und seelischen Rotstände entstanden ist.

Die Reichsregierung ist sich der Tatsache Wohl bewußt, daß ihre Maßnahmen nur die unterste Grenze der Fürsorge darstellen können. Sie schützen den Einzelnen vor dem Allerschlimmsten, dem Willen aber, auf dem Wege staatlicher Maß­nahmen weitere Hilfe zu bringen, steht die un­erbittliche Tatsache gegenüber, daß staatliche Mehraufwendungen infolge der schwierigen Lage der Staatsfinanzen nicht möglich sind. Schon aus diesem Grunde war es ein Gebot der Stunde, die Freie Wohlfahrtspflege zur Mit­hilfe an der Bekämpfung der großen Rot her­anzuziehen. Sie besitzt in ihren Organisationen dank der bewährten Grundsätze der Hilfsarbeit von Mensch zu Mensch, dank einer stets leben­digen Verbindung mit allen Schichten der Be­völkerung diejenigen Möglichkeiten, die es ihr erlauben, frei von amtlichen Bindungen und Rück­sichten das Hilfswerk der Reichsregierung wirk­sam zu ergänzen.

Jeder Fann helfen! vielgestaltig sind die Möglichkeiten der Mitarbeit: der eine gibt aus den Erträgnissen seiner Arbeit; der andere teilt aus feinem Vorrat dem mit, der wenig oder nichts besitzt. Auch die Verwendung der wohl- fahrlsbriefmarken für die Deutsche Rothilfe be­deutet Kampf gegen die Rot. viele gibt es, die gern ihre Zeit und Kraft zum Dienste am all­gemeinen Wohl zur Verfügung stellen. Es darf nicht der Sah ausgesprochen werden, der schon oft den notwendigen Forderungen der freien Hilfsarbeit entgegengehalten worden ist:)ch habe genug getan, meine Existenz ist durch die Wirtschaftslage auch gefährdet." Ein jeder, der sich noch nicht selb ft in Rot be­findet, hat gerade in den nächsten Wochen und Monaten die Pslicht, über das Sorgen für sich selbst und die Seinen hinaus den Rot­te i d en d e n zu Helsen, die ohne eigenes verschulden aus dem Schaffenskreis, aus Ar­beit und Verdienft ousgefchaltel wurden.

Jnsbesondere^aber wollen wir in dieser Stunde jener Volksgenossen gedenken, die ihre Heim­stätte in den deutschen Elendsgebieten haben, in jenen Bezirken im Reich, in denen ganze Städte und Dörfer ohne Erwerb sind, wo die Ungunst des Bodens auch dem Bewohner des Landes ein Auskommen nicht mehr gestattet. An diesen besonders gefährdeten Stellen helfend einzuspringen, hat sich die Deutsche Liga der FreienWohlfahrtsPflegeals eine der vordringlichen Aufgaben gestellt. Es muh die Pflicht der Allgemeinheit sein, diesen Be­strebungen ein besonderes Interesse zuzuwenden, damit es gelingt, den in ihrer Rot isolierten Bevölkerungskreisen tatkräftig zu helfen und in ihnen nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, als ob sie etwa außerhalb der Gemeinschaft des Volkes ständen.

So soll denn das große Hilfswerk dieses winters getragen werden von dem Gei sie der gegenseitigen Verantwortung, von dem Geiste des Zueinanderstehens und des hel­fenwollens. In ihm muß sich das unwandelbare Gesetz der Schicksalsverbundenheil erfüllen zum 5 e g v n für Volk und Vaterland. Die Erfüllung des Wunsches, mit dem die Reichsregierung den Auftuf der Deut­schen Liga der Freien Wohlfahrtspflege be­gleitet hat, soll unser Ziel fein:

Die Hilfe soll neues menschliches vertrauen schassen unter den deutschen

Volksgenossen selbst und für das deutsche Volk in der well."

Gelöst sind die Bande der Welt wer knüpfet sie wieder als allein die Rot?" Diese Worte (aus dem Deutschen Sang) sind erfüllt, wenn wir das Ziel, das uns vor Augen steht, erreicht haben. Darum richte ich im Ramen der Reichsregierung an das deutsche Volk die Bitte, im gemeinsamen Wollen und im gemein­samen Streben nicht müde zu werden. Dann wird auch die Zeit des Leides und der Rot überwunden werden."

Sie ©nberofw des Sonderausschusses derW.

Zusammentritt am 7. Dezember. Deutschland durch Karl Melchior-Hamburg vertreten.

Basel, 22. Nov. (TU.) Der Sonderausschuß der BIZ. zur Prüfung der deutschen Wirtschaftslage ist nach den im Laufe des Sonntags bei der BIZ. ein« getroffenen Telegrammen nunmehr zusammen- g e st e l l t. Es entsendet Amerika Dr. Walter Stewart, Präsident der Chase Porneroy-Bank in Neuyork, früheren Vizedirektor des Federal Re- seroeboards in Neuyork: Frankreich den be­kannten Finanzsachverständigen Prof. R i st, nach­dem Moreau, der sein Land im Wiggins-Ausschuß vertrat, eine Wiederwahl im Hinblick auf seine Stellung als Präsident der Banque de Paris et des Pays-Bas ab'ehnte: England Sir Walter Lay - ton, Redakteur desEconomift-Lonbon"; Bel­gien Emile Francqui, Vizegouverneur de la Socists Gensrale Belaique-Brüssel; Italien Pro­fessor Beneduce, Präsident des Konsortiums für das öffentliche Kreditwesen, Japan T. Tanaka, Vertreter der Bank von Japan in London: Deutschland Dr. Karl Melchior, Mitinhaber des Hamburger Bankhauses M. Warburg.

Die fünft letztgenannten Delegierten gehörten dem Wiggins-Ausschuß an. Die vier eoen- tuell noch für Spezialfragen hinzuzuwähl.enden Mit­glieder werden laut Poungplan vom Sonderaus­schuß gemeinsam bestimmt. Da Herr Dr. Stewart seine Reise nach Europa voraussichtlich erst am 28. November antreten kann, so ist der e r st e Zusammentritt des Sonderausschusses nunmehr für den 7. Dezember geplant.

Neben den Beratungen des Sonderausschusses sollen Stillhalteverhandlungen mit dem Gläubigerausjchuß über einen Verlang e - rungs- und Rückzahlungsplan für die privaten kurzfristigen Schulden stattfinden. Der deutsche Schuldnerausschuß hat die Vertreter der beteiligten Gläubigerländer bereits zu Besprechun­gen nach Berlin eingeladen. Bei diesen Verhand­lungen ist Deutschland durch den sogenannten Schuldnerausschuß, d. i. der frühere Bankenaus­schuß, vertreten. Außer diesem Ausschuß werden Vertreter der R e i ch s b a n k und der Gold- b i s t o n t b a n t teilnehmen. Eingeladen sind die elf Ausschüsse der privaten Gläubiger, d. h. die Bankenoertreter von Amerika, Belgien, Tschecho­slowakei, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Italien, Norwegen, Schweden und Schweiz. Zur Vorbereitung der Verhandlungen über die kurzfri­stigen Kredite wurde in Neuyork schon ein Son­derausschuß mit der Festlegung der Richtlinien für -die kommenden Verhandlungen mit den deutschen Privatbanken und den Banken der anderen Gläu­bigerländer beauftragt. Außer Wiggins gehören dem Sonderkomitee der Präsident der Central Ha- nover Bank and Trust Co., Davison, der Prä­sident der International Acceptance Bank, Good- h u e, der Vorsitzende der National City Bank, Mitchell, und der Präsident der Guaranty Trust Company, William Potter, an.

SasMrtschMpwgrammdesNalionaisoziMmus

Halle, 22. Nov. (TU.) Vor einem Kreis ge­ladener Gäste aus der mitteldeutschen Wirtschaft sprach der Wirtschaftspolitiker der NSDAP., Dr. Wagner, über das ThemaNationalsozialismus und Wirtschaft". Er bestritt den im letzten Jahr­hundert als selbstverständlich hingenommenen Pri­mat der Wirtschaft. Tatsächlich sei das Volk das Primäre. Erfolgreiche Politik setze Einheitlichkeit des Willens voraus. Brüning scheitere an der Tat­sache, daß er mit heterogenen Mächten zu arbeiten versuche. Die Haltung unserer Anleihegläubiger sei eine Frage des Vertrauens. Eine starke Regierung werde auch das Vertrauen des Auslandes zu fin­den wissen.

Das Geldvolumen entspreche nicht mehr dem Volumen der Wirtschaft. Abschaffung der Goldwährung sei das letzte Ziel. Verstän­digung mit England und Italien müsse die Möglichkeit geben, ein Moratorium auch von Frankreich zu erzwingen. Die wirt­schaftliche Folge werde die Lostrennung vom Weltmarkt sein. Diese Situation erfordere zwei Maßnahmen: Außenhandelskontrolle mit Einfuhrknebelung und Exportprämiierung aus Mitteln einer Jmport-Devisensieuer. Zweitens: Schaffung einer Devisenzentrale. Der innere

Zahlungsmittelumlauf sei durch eine Wäh­rungsbank zu regulieren. Inflatorische Maßnahmen, wie die Diskontierung von Fi­nanzwechseln, seien abzulehnen. Geldumlauf­regulierung erfolge ausschließlich im bargeldlosen Verkehr, insbesondere durch Warenwechseldiskontie­rung. Der Diskontsatz dürfte zwei bis drei Prozent nicht überfteigen. An die Stelle der Zinsen fordern­den Kapitalbildung müsse das Prinzip der Gewinnmöglichkeiten und Derlustrnöglichkeiten ein­schließenden Besitzbeteiligung treten. Fi­nanzierungsmöglichkeiten würden geschaffen durch die von der Währungsbank zu gewährenden Amortisationsdarlehen mit einem Zins­satz von höchstens zwei vom Hundert. Die Kaufkraft sei zu steigern durch Senkung der Preise. Eine Senkung der Fixen-Unkosten sei möglich durch Steuersenkung und Steuervereinheitlichung, sowie durch Beseitigung der zinsenfordernden Kapitalbil­dung. Am Wirtschaftserfolg habe nicht nur der Unternehmer ein Anrecht, sondern alle Mitarbeiter. Selbstfinanzierung aus dem Gewinn zum Zwecke der Betriebsoergrößerung fei abzuleh - nen. Aller absolute Gewinn müsse in Kauf­kraft umgewandelt werden. Nicht Geldver­mögen, sondern Warenvermögen müsse durch

die grundsätzliche Festlegung auf eine Eins chra n- fung unserer Ausfuhr. Das ist aber für uns eine glatte wirtschaftliche Unmöglichkeit. Nur mit Hilfe des Ertrags unserer Ausfuhr können wir den auf Deutschland ruhenden Lasten und Verpflich­tungen überhaupt nachkornmen. Wir dürfen also die Ausfuhr nicht drosseln, sondern müssen sie im Ge­genteil mit allen Mitteln zu steigern suchen. Die Verhandlungen haben sich in den letzten Tagen all­mählich ihrem Höhepunkt genähert. In absehbarer Zeit wird man wissen, ob eine Einigung möglich ist ober ob es doch zu einem oertragslosen Zustand kommt.

*

Eine geradezu phantastische Geschichte hat der Zentrumsabgeordnete Dr. Schreiber vor eini­gen Tagen im Reichstags ausschuß er­zählt, als er sich erneut dafür einsetzte, daß auch die Deutsche Republik Orden und Ehren­zeichen wieder einführen soll: Da hat vor eini­gen Jahren irgendein exotischer Wahlkonsul zum Dank für seine Tätigkeit vom Außenminister em Tintenfaß aus der preußischen Porzellan­manufaktur erhalten. Er hat das offenbar für die besondere Form eines deutschen Ordens ge­halten. Jedenfalls ist er beim nächsten großen

Staatsfest mit einer großen goldenen Halskette erschienen, an die er das vom Deut­schen Reich geschenkte Tintenfaß angehängt hatte. Lächerlich? Gewiß: aber doch gleichzei­tig auch charakteristisch dafür, in welche Ver­legenheit Deutschland durch das verfassungs­mäßige Verbot der Verleihung von Orden kommt.

Unter vernünftigen Menschen braucht man sich grundsätzlich ja eigentlich über das Thema nicht zu unterhalten. Orden sind eine gesellschaftliche Kinderei, aber trotzdem eine sehr dekorative An­gelegenheit, die bei dem Hang zur Eitelkeit für die weit überwiegende Mehrzahl der Menschen etwas ungemein Anziehendes hat. Der preußische Staat hat seine Beamten und Offiziere immer schlecht bezahlt, er hat sie aber belohnt mit Orden und einer besonderen gesellschaftlichen Stellung und hat damit einen Ausgleich geschaffen, der in seinen Wirkungen für das finanzielle Manko mehr als ausreichend war. Wenn die deutsche Repu­blik den Sprung über die starre Theorie wagen und zu den Gebräuchen der Vorkriegszeit zurück- kehren würde, sie könnte ja nichts besseres tun, um sich mit einem Schlage Hunderttausende von | zufriedenen und zuverlässigen Staatsbürgern zu I schaffen.

Aber mindestens ebenso wichtig ist das Problem im diplomatischen Außendienst. Schon Dr. Stresemann hat darüber geklagt, daß die aus­ländischen Missionen Mühe haben, tüchtige junge Leute nach Berlin zu bekommen. Die Herren sehen nun einmal alle auf ein reich ausgestattetes Ordensband. In Berlin ist für sie in der Be­ziehung nichts zu erben, deshalb gehen sie lie­ber anderswo hin, wo sie einen Schmuck für den Frack in sicherer Aussicht haben. Und wenn man einmal Bülows Erinnerungen nachliest, bann sieht man daraus, welche weittragenden poli­tischen Folgen die Verleihung eines hohen deut­schen Ordens an fremde Außenminister auch auf den Gang der Diplomatie auszuüben vermochte. Und das ist heute nicht viel anders. Unsere hohen Beamten sind gezwungen, schon um nicht un­höflich zu fein, ausländische Orden im Ge­gensatz zu dem Buchstaben der Verfassung anzu­nehmen. Der verstorbene Reichspräsident Ebert ist ihnen darin durchaus mit Recht mit gutem Beispiel vorangegangen. Das Deutsche Reich kann sich dafür aber nicht revanchieren, son­dern verschenkt als kümmerlichen Ersatz Vasen und Tintenfässer. km