Ausgabe 
23.10.1931
 
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Wirtschaft.

Notizhandel auf dem Viehmarkt ist verboten.

WSN. Frankfurt a. M., 21.Okt. Im Januar hatten sechs Viehhändler wegen Notizhandels auf dem Frankfurter Viehmarkt, da die Ziffern der Schlutzscheine mit den tatsäch- lich gehandelten Preisen nicht über­einstimmten, ein Strafmandat über je 300 Mark erhalten. Sie hatten gerichtliche Entschei­dung beantragt, doch hatte die erste Instanz die Hohe der Geldstrafe bestätigt. Die Strafkammer setzte die Geldstrafe auf 100 Mark herab. Die eingelegte Revision wurde vom Oberlandesgericht verworfen.

*

* Große Verluste bei Schultheis- Pahenhofer-AG., Berlin. Nachdem in den letzten Tagen trotz einer relativ beruhigenden Verwaltungserklärung über die Absahentwicklung Die Aktien der Schultheis-Patzenhofer-AG. im Freiverkehr von Bureau zu Bureau eine auffal­lend schwache Tendenz aufwiesen, wird nunmehr bekannt, daß für die nächsten Tage eine Aufsichts­ratssitzung einberufen wurde, obwohl der Ab­schluß per 31. August noch nicht so weit fertig« «estellt ist, daß er dem Aufsichtsrat vorgelegt wer­ben kann. Diese Aufsichtsratssihung hat einen ganz besonderen Desprechungsgegenstand, nämlich die Klarstellung, wieweit die Gesellschaft für Ver­luste einzustehen hat, welche Grohaktionärkreise <ms der Intervention in Schultheis-Aktien er­

litten haben aus der Zeit, als es noch getrennte Ostwerke- und Schultheis-Aktien mit sehr hohem Kursstand gab (Schultheis notierten zeitweise über 500 Prozent. Ostwerke nur wenig darunter). Nach­dem jetzt der Aktienkurs auf ganz erheblich unter pari gesunken ist, müssen auf diesen Beständen recht erhebliche Verluste ruhen, welche die Kreise der Verwaltung ganz ober teilweise als von der Gesellschaft zu tragen ansehen. Diese Auffassungen stützten sich auf Unterlagen, welche die Direktion dem Aussichtsrat, der erst in den letzten Tagen von den Zusammenhängen Kenntnis erhielt, bis­her worenthalten hatte. Innerhalb des Aufsichts­rats! gibt es allerdings Stimmen die behaupten, daß auch auf Gtund dieser Unterlagen die Gesell­schaft zur Tragung des Schadens nicht verpflichtet fei, und die bevorstehende Aufsichtsrats-Sihung soll nun die Streitfrage einer Klärung näher­bringen.

* Deutsche Bau- und Siedlungs­gemeinschaft e. G. rn. b. H., D a r m st a d t. Zu der vorläufigen Amtsenthebung des Vorstandsmit­gliedes M. I. Philipp erfährt der WSN.-Dienst aus Darmstadt, daß die Amtsenthebung erfolgte, weil innerhalb des Vorstandes Kompetenzstreitigkeiten be­standen. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Unternehmens wird durch diese Maßnahme in keiner Weise berührt. Im Monat September konnten wei­tere 1,291 Millionen Mark für Bau- und Hypo­thekendarlehen ausgezahlt werden, der Zugang neuer Bausparer und die Spareinlagen nehmen bei | der DBS. weiter einen steigenden Verlauf.

Nund 4,5 Millionen Arbeitslose.

Keine wesentlich neuen Kennzeichen der Arbeitsmarktlage.

Berlin, 22. Oft (WTD.) Nach dem Bericht Der Neichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. Ok­tober betrug die Zahl der Arbeitslosen am 15. Oktober rund 4 484 000. Sie hat seit dem letzten Stichtage um rund 1 29 0 0 0 an­genommen, gegenüber rund 113 000 in der gleichen Zeit des Vorjahres. In der Verteilung der Gesamtzahl der Arbeitslosen auf die verschie­denen älnterstützungseinrichtungen ist in der Be­rich tszeit infolge des bekannten Beschlusses des Vorstandes der Neichsanstalt über die Kürzung der Höchstdauer des älnterstühungsbezuges eine wesentliche Aenderung eingetreten. Die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger in der Arbeits­losenversicherung hat um rund 200 000 auf 1143 000 am 15. Oktober abgenommen. In der Strifenfürforge wurde mit einer Zunahme um rund 150 000 eine Belastung von rund 1 290 000 Hauptunterstützungsempfängern erreicht.

Die allgemeine Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt keine wesentlich neuen Kenn­zeichen, bestätigt vielmehr das aus den letzten Vericht^n gewonnene Bild: In der Landwirt­schaft und in einzelnen Verbrauchsgüter-Indu- ftrien die übliche Herbstbeschäftigung, wenn auch

meist in etwas verringertem Ausmaße, in den meisten Produktionsgüter-Industrien weitere Ab­schwächung des Beschäftigungsgrades. Im ein­zelnen ist folgendes zu berichten: Die Hack­fruchternte brachte vielfach eine weitere Ent­lastung des Arbeitsmarktes. 2m Bergbau zeigten sich schwache Besserungsansähe infolge der Ab­rufe für den Hausbrand. Die Bewegung am Ar­beitsmarkt in den meisten Braunkohlengebieten war etwas günstiger. Der Deschäftigungsstand in den Hütten- und Walzwerken Westfalens und des Nheinlandes ist zurückgegangen. Die Tätig­keit im Hochbau hat eine weitere Einschränkung erfahren, auch die Innen- und Neparaturarbeiten im Baugewerbe haben verschiedentlich nachgelas­sen. Fast alle Zweige der Metallverarbeitung haben größere Entlassungen, z.T. auch Stillegungen durchgeführt. Möbelindustrie, Konfektion und die meisten Zweige der Svinnstoffindustrie waren .vielfach noch aufnahmefähig. Die Rückwirkung der Ausfuhrerschwerungen infolge der internationalen Zahlungskrise ist nicht einheitlich. Die Arbeits­losigkeit in den Angestelltenberufen ist nicht un­erheblich weiter angjzftiegen.

Die gestrigen Auslandbörsen.

Die Reichsmark fester.

Die Londoner Börse eröffnete gestern bei ruhigem Geschäft in zunächst weniger zuversichtlicher Stimmung als vorgestern, da die Neuyorker Börse enttäuschte. Deutsche Bonds waren wieder sehr fest. 3m Verlaufe war die Börse wieder freundlicher, die Kurse zogen an, britische Staatspapiere, Eisen­bahnen und Jndustrieaklien waren wesentlich höher.

Die Pariser Börse war nach ruhiger Er- bjfnung später ziemlich fest und schloß zu den höch- fien Tageskursen, während die Brüsseler Börse bei unsicherer Tendenz meist Kursrückgänge auf- cvies.

Der Wiener Freiverkehr war bei nicht einheit- bcher Kursbewegung sehr ruhig.

An der A m st e r d a m e r Börse war das Ge- fthäft sehr ruhig und die Kurse nicht wesentlich ver­ändert, lediglich holländische Jndustriepapiere waren au höheren Kursen gefragt. Pounganleihe zog bei ffiarker Nachfrage auf 35 an. Die deutschen Äeichsschuldbuchforderungen setzten ihre Lluswärtsbewcgung weiter fort. 1933er Fäl- Higteit stellte sich auf 68, 35er auf 59,50, 36er auf 50,50, 40er auf 43, 41er auf 42, 42er auf 41, 43er umb 44er auf 40,50 und 46er bis 48er auf 40.

Die Neuyorker Börse zeigte ein ausgespro­chen uneinheitliches Aussehen, es herrschte über eine eotL erneute Veränderung des Rediskontsatzes Ner­vosität, nur Kupferaktien lagen fest.

An den internationalen Devisen- tn ä r f t e n eröffnete am Vormittag das englische Äfund weiter etwas fester, gegen den Dollar mit 3,9625, mit 9,77 gegen den Gulden, 100,50 gegen Aaris und 20,22,50 gegen Zürich. Die Nachricht, daß

die Bank von England 100 Millionen Dollar von dem 125-Millionen-Dollarkredit an die Neuyorker Bundesreservebank zurückgezahlt hat, hat allgemein befriedigt, und das Vertrauen in das Pfund ver­stärkt. Der Dollar war in Amsterdam zu einem höheren Kurs als vorgestern gesucht: die Mitteilung, daß die Neuyorker Bundesreserve-Bank die Zinsen auf den französischen Kapitalien nicht erhöhen will, beweist nach Ansicht holländischer Finanzkreise die Tatsache, daß die Position der amerikanischen Ban­ken stärker ist, als man in Frankreich angenommen hatte. Die Reichsmark lag in Amsterdam zu­nächst schwächer, konnte sich aber dann wieder gut erholen, gegen dos Pfund war sie mit 16,93 eine Kleinigkeit feft er. Die übrigen Devisen waren im allgemeinen nicht wesentlich verändert.

An den internationalen Devisenmärkten lag am Nachmittag das englische Pfund weiter im Angebot und ging auf 3,93,25 gegen den Dollar zurück. In Amsterdam war es bei stärkerem Angebot mit 9,93 schwach, in Zürich gab es auf 20,05 und in Paris auf 100 nach Der Dollar war allgemein sehr feft, zumal die neuen französischen Käufe von amerika­nischen Dollarakzepten anregten; in Amsterdam konnte er auf 247,25 nach vorgestern 246,50 an- ziehen, gegen den Franken lag er ebenfalls sehr fest, er befestigte sich in Paris auf 25,39,75. DieR e i ch s- mark konnte ebenfalls im Zusammenhang mit der Steigerung des Dollars anziehen und be­festigte sich in Neuyork auf 23,30 bis 23,25, in London stellt sie sich auf 16,90, in Amsterdam no­tierte sie 57,67,50 nach 57,10 gestern morgen.

Die deutschen Börsen.

Schlechtere Stimmung in Berlin.

Berlin, 23. Oktober. (WTB. Funkspruch.) Das Aktiengeschäft, das in der letzten Woche sowieso recht Kein geworden ist, woran bekanntlich zum Teil der erweiterte Kreis der Telephonmakler Schuld geme­in sein soll, schrumpfte im heutigen Freiverkehr T.od) weiter zusammen. Man horte im allgemeinen hurse, bie 1 b i s 2 v. H. unter ben gestri­gen lagen. So fanben in Siemens, Farben, AEG. nmb Reichsbank auf bieser Basis einige Umfähe ftatt. Banken waren relativ gut behauptet, Kunst- sribenwerte sogar eher .'ster. Die schlechtere <5runbstimmung nahm ihren Ausgang wieber iom Markte ber Schultheis-Aktien, bie gegen gestern erneut zirka 10 v. H. verloren. Es stellt sich immer mehr heraus, baßbieVerlustebesKon^erns lie anfänglich taxierten 20 Millionen Mark weit überschreiten werden. Einiger­maßen klar wirb man vielleicht schon nach ber auf leute nachmittag festgesetzten Sitzung bes Aussichts- nates sehen können, ulib man befürchtet bereits in Aankkreisen, baß Zweibrittel bes Aktien- Kapitals verloren sein konnten. Ein weiterer Veunruhigungsfaktor war bie Schwäche ber gestri­gen Neuyorker Börse; auch baß bie Nachrichten iber ben Besuch Lavals in Amerika so spärlich einlaufen, würbe als ungünstiges Zeichen ausgelegt. Ferner hat bie Arbeitsmarktlage nach bem letzten Bericht schon wieber eine Verschlechterung erfahren. 3m Gegensatz zu ben Aktienwerten ftanben bie fest

verzinslichen Werte. Nach 8prozentigen Golbpsanbbriefen herrschte immer noch ziemliche rege Nachfrage, unb auch 7pro- zentige Emissionen waren kursmäßig gut gehal­ten. Zunehmenbes Geschäft haben übrigens auch weiterhin bie Dollaranleihen ber Deutschen Gesell­schaften. Stabtanleihen und Kommunalobligationen sind dagegen vollkommen vernachlässigt unb teilweise noch immer unverkäuflich.

Stärkste Zurückhaltung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 22. Ott. Im heutigen tele­phonischen Effektenfreivertehr von Bureau^ zu Bureau herrschte wiederum stärkste Zurück­haltung. Man war enttäuscht wegen bes Ten­denzrückschlages an der gestrigen Neuyorker Börse, ferner verstimmten ck)ie neuesten Insol- venzmeldungen vom In- und Auslande. Ander­seits gaben aber die feste Haltung der deutschen Wertpapiere an den Aus- landborsen etwas Rückhalt. Die älnterneh- mungslust am Aktienmarkt war sehr gering. Nach­dem gestern nachmittag leichte Kursabschwächun­gen eingetreten waren, nannte man heute vor­mittag wieder etwas erhöhte Kurse, die sich jedoch später nicht mehr voll behaupteten, wobei die schwache Veranlagung der Montanwerte mit* sprach. Die Kurse des Montanmarktes horte man bis zu 4 Prozent niedriger. Von lokalen Wer­ten erhielt sich zwar die Nachfrage nach Scheide-

an ft alt, doch trat eine weitere Kursbesserung nicht ein.

Anfangs etwas lebhafter war das Geschäft am Marktgebiet der festverzinslichen Werte, wo- rei besondere Goldpfandbriefe beachtet waren. Später wurde es jedoch auch hier wieder wesent­lich ruhiger, da in Liquidationspfandbriefen etwas Material herauskam. Man sprach letztere etwa 11,5 Prozent gegen gestern niedriger, während Goldpfandbriefe behauptet blieben.

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. 2H.

22.0f:ober

23.Dflober

Amtliche Meid

Notierung Dries

Amtliche Notierung

(Selb | Briet

Helsingsor» . Wien. . .

Prag . . . Budapest . . Sofia . . . Holland . . OSlo.... Kopcnhage». Stockholm London. . . Buenos Aires Neuyork . . Brülle!. . . Italien. . . Pari» . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Ian., gunojlarotee. Liliaboo . .

8,59 58,69 12,47 73,28 3,072 170,88 93,11 93,41 98,60 16,60 0,983 4,209 59,04 21,83 16,62 82,52 37,66 83,17 2,075 0,255 7,473 15,18

8,61 58,81 12,49 73,42 3,078

171,22 93,29

93,59 98,80 16,64 0.987 4,217

59,ir 21,87

16,66 82,68

37,74 83,33

2,079 0,257

7,487 15,22

Banknoten

8.59 58,94 12,47 73,28

3.072

170.78 92.66

93.16 93,30

16.40 0,983

4,209 58,99

21,83 16,62

82,52 37,66

83,17 2,070 0,255 7,473

14,99

8,61 59,06 12,49 73,42

3,078

171,12

92,84

93,34

98,50

16,50 0,987 4,217 59,11

21,87

16.66

82.68

37,74 83,33

2,074 0,257

7,487 15,01

Scrlln, 22. Df'ober

(seid

Brief

AmcrUamIche Noten.......

Belgische Noten.........

Dänische Noten.........

Englische Noten.........

Französische Noten........

Holländische Noten........

Italienische Noten...... .

Norwegische Noten........

Deutsch-Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten...... .

Schwedische Noten........

Schweizer Noten.........

Spanische Noten.........

Ungarische Noten........

4.20 58,88 93,21 16,56 16,61

170,51 21,86 92,91

58,50

2,53 98,40 82,34 37,52 72,75

4,22 59,12 93,59 16,62

16,67

171,19

21,94

93,29

58,74

2,55

98,80

82,66

37,68

73,15

Amtsgericht Gießen.

Ein Milchhändler in einem Dorfe der weiteren Umgebung von Cießen richtete zum Zwecke seiner Milchlieferungen zwischen beiden Orten einen Autobetrieb ein, den er aber bald derart aus­gestaltet haben soll, daß durch ihn die Vor­

schriften des Kraftliniengesehes vom 20. August 1925 verletzt wurden. Es soll nach und nach an der Strecke liegen noch mehrere andere Ort­schaften ein öffentlicher, regelmäßiger, gegen Entgelt ausgeübter Autobetrieb im Sinne des erwähnten Gesetzes daraus geworden fein. Ein derartiger Betrieb bedarf aber einer behörd­lichen Konzession, und diese lag nicht vor. Der Angeklagte behauptete, nur Milchkunden bzw. Leute eines bestimmten Personenkreises und nie Unbekannte mitgenommen zu haben, eine Fahr­taxe habe es bei ihm nicht gegeben, Trinkgelder habe er ab und zu erhalten; das Motiv der Mit­nahme von Personen sei stets nur Gefälligkeit und niemals Gelderwerb gewesen. Gegen seine Behauptungen sprach aber schon allein die äußere Einrichtung des Autos. Es befanden sich darin Sitzgelegenheiten für etwa 12 Personen, Bänke und Fenster, wie sie bei den sog. Autobus- s e n üblich sind. Dazu kam, daß das Auto an bestimmten Stellen hielt, offensichtlich, um auf Mitreisende zu warten, die öfters ihre Plätze schon in Abwesenheit des Autolenkers einnahmen. Ob die Vergütung in bestimmten Fahrpreisen ober als sog. Trinkgeld erfolgte, hielt das Ge­richt für gleichgültig. Auch letztere sind ein Ent­gelt. Ncch andere Gepflogenheiten des Angeklag­ten und der mitgenommenen Fahrgäste ließen die Schuld des oft auf Grund vorgenommener Kontrollen verwarnten Autolenkers klar erken­nen. Er erhielt eine verhältnismäßig geringe Geldstrafe, nachdem er ernstlich versprochen hatte, den in der bisherigen Weise ausgeübten Autobetrieb einzustellen.

Ein Pole, dem laut Bescheinigung des zustän­digen deutschen Konsulats in Thorn bis zum 15. Juli 1931 der Aufenthalt in Deutschland ge­stattet war, hat bis zu diesem Zeitpunkt das Neichsgebiet nicht verlassen und dadurch gegen das Gesetz über die Bestrafung wegen Zuwider­handlungen gegen die Paßvorschriften von 1923 verstoßen. 2m allgemeinen pflegen derartige Paß­vergehen streng geahndet zu werden, zumal im umgekehrten Falle fraglos ein Gleiches geschieht. Hier war aber Milde und nur eine mäßige Geldstrafe geboten. Der Angeklagte hat seinerzeit durch den Versailler Frieden die deutsche Staatsangehörigkeit verloren; die Absichten, die ihn nach Deutschland führten, waren harmlos. Er hatte in Gießen Verwandte sowie gute Ver­bindungen, und trug sich mit dem Gedanken einer hiesigen Existenzgründung und Einbürgerung. Auch manches andere sprach zu seinen Gunsten.

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mit­teilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion desGießener Anzeigers".

Problem Nr. 304.

Don D. Marin, Barcelona.

Schwarz.

a

h

8

6

5

4

3

2

Weitz.

deckele

Weih zieht und setzt in drei Zügen matt.

Weih 7 Steine: Ke3; DH7; Tb7; Lbl; Sd6; Bb2, h4.

Schwarz 8 Steine: Kc5; Th6; LH8; BaZ, b3, c6, e5, h5.

Partie Nr. 226

Angenommenes Damengambit.

Unter den bei der Prager Schacholympiade 1931 hervorgetretenen jüngeren Schachtalenten verdient der jugendliche Litauer Mikenas an erster Stelle genannt zu werden. Er bestand die Feuerprobe in einem so stark besetzten Turniere ausgezeichnet, indem er sich mit 55,6 Prozent vor Didmar und Mattison stellte. Don Bedeu­tung ist fernerhin, dah er Didmar und, 2ates überrannte, in ähnlicher Weise mit Kashdan umging und dem Weltmeister nur eine Remise gestattete. Nachstehend eine Probe seiner vor­trefflichen Spielführung gegen Didmar.

Weih: Professor Didmar, Jugoslawien.

Schwarz: Mikenas, Litauen.

I. d2-d4

2. c2-c4

3. Sgl -13

4. Sbl -c3

5. a2a4

6. Sf3-e5

7. f2-f3

8. e2-e4

1. d7-d5

2. c7-c6

3 SgS-f6

4. d5xc4

5. Lc8-f5

6. e7 - e6

7. Lf8-b4

Diese Spielweise ist noch aus dem Weltmeister­kampfe Aljechin Bogoljubow in frischer Er­innerung; nach 8. .... Lg6 stand Weih immer gut. Mikenas bringt jedoch hier ein chancen­reiches und scheinbar korrektes Opfer.

8 . .. 8. Lf5xe4!

9. f3Xe4 9. Sf6xe4

10 Ddl-f3

Es bleibt hier Großmeister Didmar wohl nichts anderes übrig, als auf scharfen Gegenangriff zu spielen, da 10. Dc2 oder Le3 unzulänglich sind.

10. ...

11. Df3xf7+

12. Lcl-g5+

13. Lflxc4

14. Df7xg7

15. Kel-dl

16. Kdl-c2

17. Kc2-b3

18. Kb3xb2

19. Kb2-bl

10. Dd8xd4!

11. Ke8-d8

12. Kd8-c8!

13. Se4xg5

14. Dd4-e34-

15. Th8-d8+

16. Td8-d2-t-

17. Td2xb2-b |

18. Lb4xc3-b

19. Lc3xe5

20. Dg7-f8+

21. Tal -a3

Erobert durch die Lc4.

22. Ta3-a2

23 Thl-dl

20. Kc8-c7

21 De3-d4

Mattdrohung auf b2 den

22. Dd4xc4

23. Sb8-d7

Erzwingt verschiedene Tempoverluste von Weih.

24. TdlXd7+ 24. Kc7xd7

25. Ta2-d2+ 25. Kd7-c7

26. Df8xa8 26. Sg5-f7

Deckt die Mattdrohung auf d8 und dirigiert den

Springer zur Deckung 27. Da8-g8 28. Kblc2 29. Kc2-dl 30. a4-a5

31. Tdlxdö Zwang

32. Dg8-d8+

33. Dd8-e7+

34. De7xb7

35. Kd 1 - c2

36 Kc2-cl

Aufgegeben, eine leiftung!

nach d6.

27. Dc4-fl +

28. Dfl-f5+

29. Sf7-d6

30. Le5 c3

31. Kc7xd6

32 Kd6-c5

33 Kc5-c4

34. Df5-fl +

35. Dfl-d3+

36. Dd3-d2+ kombinatorische Meistex-

Lösung des Problems Nr. 301.

Don Fr. Dubbe, Rostock.

1. Db3f3!. e7xd6. 2. Se6-d8, beliebig. 3. Sd8c6 oder Df3-f4 matt.

1.....Ke5xc6. 2. Sd6-f7, Ke6-d7. 3.

Df3 - c6 matt.

1..... Ke5xd6. 2. Df3-e4, Kd6-d7. 3.

Df3 - c6 matt.

Aus der Schachwelt.

Irn Meisterturnier des Deutschen Schachver­bandes in der Tschechoslowakei siegte Flohr + 872 vor Steiner +8, Dr. Fagekas +7. Hon- linger, Mikenas und Noteboom + 6V2. Nethy + 5, Nellstab, Schmidt und Zimmer + 4, Berger + 3V2. Sgel +27«.

Im Turnier um die britische Meisterschaft 1931 siegte Iates + 8 vor Sultan Khan und Winter + 77», Spencer und Sir Thomas + 61/«, Gibson, Beary und Michel +5, Sergeant und Tylor + 47». Alexander und Morrison + 3.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch.

SchillersGlocke".

Eine Privatlehranstalt in H. hat einen Deutsch­lehrer, einen älteren, aber schwungvollen Herrn, ber jebe Gelegenheit ergreift, um seine Schüler an bie nun einmal notwendigen Formen ber guten Gesittung zu erinnern. So auch heute. Der alte Herr lieft SchillersGlocke" mit bem ihm eigenen Pathos vor. Bis er an bie Stelle kommt, wo es so fdjön heißt: errötenb folgt er ihren Spuren ...!" Da ein jähes Abbrechen unb brohenbes Augenfunkeln durch die Brillengläser: Schumann, Schumann! Was habe ich eben ge­sagt?" Schumann erhebt sich:Herr Doktor, Sie haben gesagt, errötenb folgt er ihren Spuren!" Der Lehrer fährt ihn an:Sehen Sie, Schumann, merken Sie sich bas, was unser großer Schiller gesagt hat: errötenb folgt er ihren Spuren unb der Teufel soll Sie holen, wenn Sie noch ein­mal, wie neulich, wie ein Verrückter mit bem Rad hinter ihr her fahren!" Sprach's unb beflamierte weiter.

Zweierlei Ohrfeigen.

Künstler finb befonbers leicht erregbare unb empfinbliche Leute. Auf einer Probe im Münchner Hoftheater, in ber es heiß zuging, versetzte ein Schauspieler bem seinerzeit berühmten Intendanten P 0 s s a r t plötzlich eine schallende Ohrfeige. Possart, den großen pathetischen Schauspieler, verläßt auch hier nicht bie Ruhe:

Herr Süßke, ist bas Spaß ober Ernst?"

Ernst natürlich", ruft ber Schauspieler erregt.

Dann ist es gut; solche Späße konnte ich näm­lich nicht vertragen", erklärt Possart würdevoll.

(Lust. Bl.)