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Nr. 248 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Zreitag, 23. Moder (951

Der Prager Bischofsstreit.

Don unserem V.-Derichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Prag, Oktober 1931.

Das Strafgericht, das über hohe katholische Geistliche in der Tschechoslowakei nun hereinge­brochen ist, wird den Fernstehenden sehr über­raschen, den Einheimischen weniger, denn erweist, dah hier jeder Streit schließlich ein national- politisches Gesicht bekommt. Der Prager Difchofsstreit, der nun in zweiter Auflage wie­der lichterloh aufflammte, ist unter sudeten- deutschem Dlickwinkel gesehen bedeutsam für die Tagespolitik und wird denkwürdig sein als ein schmerzliches Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche. Es geht in der jetzigen Phase um eine beklagenswerte Demütigung jener Ka­tholiken, die dem Prager Erzbischof K o r d a t s ch auch noch nach seiner Abdankung ihre Treue be­kundet haben. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um einen Kampf des tschechi­schen Klerus gegen die deutschenKa- tholiken in der Tschechoslowakei, aus dem die katholische Kirche ungeheuren Schaden davontragen kann.

Die Geschichte des unseligen Zwistes: Dast die Beziehungen zwischen dem tschechoslowakisches Primas, dem Prager Erzbischof K o r d a t s ch , und dem päpstlichen Vertreter C i r i a c i gespannt waren, war seit langem ein offenes Geheimnis. Die Llrsachen waren es nicht minder. Ciriaci, über dessen allzu weltliches Privatleben in Prag manche merkwürdige Geschichte erzählt wird, dessen übergroße Liebe zu den irdischen Gütern nicht weggeleugnet werden kann, verlangte vom Pra­ger Erzbischof, die Diözese hätte ihm zu seiner Karlsbader ^Luxusvilla in Prag ein altes Adels­palais als Residenz zu kaufen oder ein neues zu bauen. Kordatsch weigerte sich beharrlich. Er widmete das Geld lieber den Armen. Zum Dank dafür bekam er den erwarteten Kardinals­hut nicht. Rationalpolitisch war Kordatsch immer um einen vernünftigen Ausgleich bemüht ihm ist es zu verdanken, dah nach dem Llmsturz ent­gegen tschechischem Verlangen die deutschen Bi­schöfe in Brünn und Leitmerih nicht abgesetzt wurden, Ciriaci gebärdete sich immu so natio­naltschechisch wie jeder beliebige tschechische Chau­vinist. Als nun Kordatsch sich nach dem Tode von Dr. Groh dafür einsetzte, dah wieder ein Deutscher Bischof von Leitmeritz würde, meldete Ciriaci nach Rom, Kordatsch sei offenbar nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Lind aus Rom kam der Bescheid, dah der Prager Erzbischof sich entweder einen Koad­jutor gefallen lassen müsse, wie ihn nach ka­nonischem Recht eintotal untauglicher Bischof" zu bekommen hat, oder er müsse auf Amt und Titel verzichten. Es ehrt Kordatsch, dah er lieber Amt, Würden und Einkommen fahren lieh, als dah er sich als körperlich und geistig zweitrangigen Menschen erklären lieh.. 3n Wirk­lichkeit ist Kordatsch mit seinen 70 Jahren kör­perlich und geistig rege wie ein Junger.

Bei den Gläubigen der Prager Erzdiözese hatte dieser Hinauswurf viel böses Blut gemacht. Berge von Crgebenheitskundgcbungen kamen Kordatsch zu, zahllose Abordnungen versicherten ihn ihrer unverbrüchlichen Treue, die deutsche katholische Presse betrauerte in warmen Tönen der Aner­kennung (die tschechische aus anderen Gründen) sein Scheiden. Lind manchmal fiel dabei ein her­bes Wort gegen den Runtius Ciriaci. Geplän­kel hin und her, der Runtius schweigt, die Presse wird um so lauter und schärfer bis die ka­tholische Oeffentlichkeit aufatmet, weil aus Rom die Meldung kommt: Ciriaci geht!

Ciriaci ging auch wirklich, aber nur auf ein paar Wochen in sein feudales Karlsbader Heim, und als er wiederkehrte, hatte der Draht zwischen

Rom und Karlsbad für ihn so günstig gespielt, dah er durch den einstweiligen Verwalter der Prager Erzdiözese erklären lassen konnte, alle Angriffe gegen ihn seien als Angriffe gegen die geheiligte Person des Papstes zu betrachten und zögen die entsprechenden Strafen nach sich. Man glaubte einer optischen Täuschung zum Opfer gefallen zu sein, wenn man cs ge­lesen hatte. Die deutsche katholische Presse ver­wahrte sich: niemals habe sie den Heiligen Vater oder die römische Kirche kritisiert, ihre Abwehr habe lediglich der Persönlichkeit Ciri­aci s, der ein Schädling für die katholische Sache in Böhmen sei, gegolten. Das war zweifellos die Meinung der überwiegenden Zahl aller Ka­tholiken in der Tschechoslowakei. Lind nun sollten jene, die sich für eine Wiedergutmachung des an Kordatsch begangenen Llnrechts einsehten, die die Meinung der breiten Masse der Katholiken Wie­dergaben und zweifellos im Interesse der Kirche handelten, obendrein noch bestraft werden? Es war einfach nicht zu fassen, dah man in Rom alles auf eine so heih und mit soviel Recht und Anlah umstrittene Persönlichkeit, wie Ciriaci, sehen könne.

Run ist es aber doch so gekommen, und die schlimmsten Befürchtungen der Gläubigen sind noch übertroffen worden. Als Ergebnis der O l - müher Konferenz der tschechoslowakischen Bischöfe (es sind nur Tschechen und Slowaken) teilt der Verwalter der Prager Diözese mit: Die Bischöfe haben ihr Augenmerk der vom Presseverein Egerland" abhängigen Presse, vor allem den Tagblätterr^Deutsche Presse" und Egerland" gewidmet und stellen fest, dah die Veröffentlichungen dieser Presse Schmähung der kirchlichen Autorität und Auf­reizung zum Llngehorsam darstellen. Die Bischöfe erklären, dah dieDeutsche Presse" und dasEgerland" nicht mehr katholische Blätter sind und eine ernste Gefahr für den katholischen Gedanken bedeuten. Die Lektüre dieser Blätter, jede Mitarbeit und Llnterstühung ist den Gläubigen verboten. Die Bischöfe nahmen mit Befriedigung die Strafen des Prager Kapitel­ordinariats zur Kenntnis. Rämlich: Dem Kano­nikus M a g e r l (ein Deutscher) werden die ihm aus dem Empfang der höheren Weihen zustehen­den Rechte genommen, ebenso der Titel Konsi- storialrat. DerVerein der deutschen römisch- katholischen Geistlichkeit in der Erzdiözese Prag" verliert die kirchliche Genehmigung und wird a u f g e l ö st. Zur Feststellung weiterer Schuldi­ger wird ein besonderer Ausschuh eingesetzt. Dann wird, damit der nationalistische Pferdefuß nicht gar so deutlich zutage trete, erklärt, der Professor der tschechischen theologischen Fakultät in Prag, Schanda, wird des Lehramtes ent­kleidet. Diese Verfügungen sind rechtskräftig, wenn auch den betroffenen Personen die Be­rufung an den Vatikan zusteht.

Es gehört auf ein anderes Blatt, dah sie geeignet sind, die Deutsche Christlich-Soziale Vollspartei in der Tschechoslowakei, das su­detendeutsche Zentrum, vollkommen zu zerschlagen. Den Dank, den die Christlich- Sozialen einmal ernten würden, haben sie sich gewih anders vorgestellt. Aber der Fall geht das ganze Volk an. Aus allen Teilen Sudetendeutschlands melden die Blätter eine tiefe Erregung und Verbitterung des deutschen katho­lischen Volkes, und das Blatt der Sozialdemo­kraten bringt die Volksmeinung am richtigsten zum Ausdruck, wenn es wenn auch scharf in der Form schreibt:Der römisch-faschistische Runtius hat in Olmüh eine Allianz mit dem tschechisch-nationalen Klerus gegen die deutschen Katholiken geschlossen. Die tschechisch-klerikale

Bauernhochzeit am Bodensee.

Don Norbert Jacques.

Nachdruck verboten!

Zwei grohe Höfe unseres Dorfes heiraten in­einander. Das ist wichtig für uns alle, und die ganze bäuerliche Einwohnerschaft nimmt daran teil. Gestern abend.haben die Mädchengekränzt", das heißt Laubgewinde geflochten und mit ihnen den Zugang zum Haus der Braut geschmückt. Heute morgen um vier Llhr haben die Burschen angefan­gen zu schießen. Der Böller stand nahe über un­ferm Haus, und jeder Schuß hat das Haus bis ins Dachgebälk erbeben gemacht. Alohs hat mir ge­sagt, sie Hütten zwölf Pfund Pulver verschossen. Dieses Schießen ist die Huldigung der männlichen Dorfjugend für die Braut.

Der Bräutigam wohnt oben in dem weitver­zweigten Dorf, das nach dem alemannischen Grundsatz der Cinzelsiedlung angelegt ist. Er hat in der Frühe noch geholfen, den Hof zu versorgen, die Kühe zu füttern und zu melken, den Stall zu reinigen. Dann sind die Verwandten gekommen, die Familie hat sich im Wohnzimmer vereinigt, und sie haben zu beten begonnen.

Derweil sammelte sich das Dorf vor dem Adler zu einem Zug. Vorn ging die Musik, die sich aus Burschen des Dorfes gebildet hat. Danwckommen die drei Fahnen der Vereine, getragen von den größten Männern, die zwischen 1,80 und 1,85 Meter messen, vom Veteranen- und Kriegerverein, vom Turnverein und dem Radfahrerverein. Die Feuerwehr war in Uniform. Die Veteranen tru­gen Zylinderhut, Dra.^nrock und auf der Brust Kriegsauszeichnungen und Erinnerungsmünzen. Sie wurden von ihrem Vorsitzenden nach militäri­schem Muster kommandiert und bemühten sich, ihren von Zeit und Arbeit gezeichneten Körper dem Geist der Stimme anzupassen. Die Frauen und Mädchen bildeten den Schluß, und gegen halb neun ging der Zug den Bräutigam abholen.

Im Haus des Bräutigams betet man noch, als der Zug schon vor der Tür steht, weil man spat mit der Arbeit im Stall fertig geworden ift. Vor dem Haus stellt sich das Dorf auf. Drinnen kommt als Abschluß noch dasGlaube Gott Vater". Run segnet die Mutter den Sohn zu dem neuen Weg, den er heute zu beschreiten beginnt, während die Familie das Haus verläßt, weinen Männer und Frauen schluchzend.

Zwischen zwei Hochzeitsführern ordnet sich der Bräutigam in den Zug ein. Die Kapelle spielt einen Marsch, und sie gehen ins untere Dorf, die Braut abholen. Auch i** ihrem Haus betet man noch, als der Zug ankommt. Die Braut nimmt den Segen der Mutter. Die Gesichter der Herauskommenden sind tränenüberströmt. Zwi­schen ihren Brautjungfern geht die Brat. Sie hat ein weißes Kleid, im Haar QH^ten und in der Hand einen Strauß von weißen Rosm. Sie gehört zu jenem schönen, dunkeln, schwc.rassigen Schlag, von dem die Römer zahlreiche Familien hier zu- rückgelassen haben. Sie bebt ein wenig, während sie nun im Zuge mitgeht, und die Erregung zeich­net sich bleich um die roten Backen in die Haut. Sie wagt es nicht, die Augen nach rechts oder links zu erheben.

Ihre Brautjungfern und die andern Mädchen haben bunte Blumen in den Haarknoten gesteckt. Das kurzgeschnittene Haar hat bet unseren Bauern­mädchen noch wenig Verbreitung gefunden. Die Hochzeit ist eine gute Gelegenheit, die neuen Klei­der zu zeigen. Eins ist grün wie Grünspan. Die Musik spielt vornean: dann kommen die Fahnen und die Vereine, dann die Braut zwischen ihren Jungfern, dann der Bräutigam zwischen seinen Führern.

Run folgen die Familien, Die Männer haben Bratenröcke an und lange Rosmarinzweige an die Aufschläge geheftet. Die Frauen sind schwarz ge­kleidet. Der Familie schließt sich das Dorf an, und der Zug führt das Hochzeitspaar zur Kirche, in das tiefliegende Kirchdorf hinab. Auch in der Kirche ist alles feierlich um das junge Paar aus­gerüstet. Der Pfarrer spricht sie lange und ein­dringlich an, der Kirchenchor singt für sie. Sie knien allein an einer weiß überdeckten Bank nah dem Altar. Die Kirche ist übervoll von den Be­wohnern des Dorfes. Die Schule ist jetzt auch drin. Dem Ringwechsel folgt eine lange Messe.

Wenn die kirchliche Feier vorüber ist, begeben sich die Familien gemeinsam zuerst an das Grab der Angehörigen des Bräutigams, dann an das öer Toten der Braut. Sie verweilen bei jedem und denken an die, von denen das Erbe der Höfo und Wiesen ihnen überkommen ist, und das von heute an das junge Paar fortzuführen hat.

Jetzt ist Mittag. Glocken und Musik schlagen in­einander, während man wieder im Zug zum nahen Gasthof der Witwe Kern und zu einem Früh­schoppen geht, zu dem der junge Ehemann das Dorf eingeladen hat. Für jeden Gast sind dort drei

Presse, die ja zugleich äußerst nationalistisch ist, triumphiert. Die katholische Bevölkerung der deutschen Gebiete wird sich mit Recht fragen, ob dieses Feldwebelregiment des Runtius der Dank dafür ist, dah der Volksbund deutscher Katho­liken das Geld der Aermsten gesammelt hat, um dem Gesandten des Papstes eine Villa zu bauen. Wenn in den Dechen der deutschen Christlich- Sozialen und des deutschen Katholizismus noch Männer und nicht nur Kerzelweiber stehen, dann müßte die Antwort auf diese Ohrfeigen eine Kriegserklärung an Ciriaci und seine tschechisch- nationale Clique, die Lösung der deutschen Ka­tholiken von der römisch-tschechischen Vorherr­schaft sein!" So wörtlich ...

Diese Stimme bestätigt zum mindesten, daß der Dischofsstreit ein nationaler Kampf ge­worden ist. Aber die Männer scheinen i n d e r Christlich-SozialenPartei wirklich nicht allzudicht gc'iät zu sein. Ihr Hauptblatt, die so schwer betroffeneDeutsche Presse", schreibt nur,

daß schwere Tage für die deutsche katholische Sache angebrochen seien, ohne einen Ausweg zu weisen. Ihr Verlagsdirektor M a g e r l hat sein Amt niedergelegt. Sie beugen sich also dem tschechischen Verdikt. Das kann für die Deutschen einen schweren ideellen Verlust bedeuten. Wenn doch eine tschechische Stadt Sih des schlesischen Bistums und ein Tscheche Bischof werden sollte, so wird das das Flammenzeichen zu einer noch nicht zu übersetzenden Schwächung des Katholizis­mus in Böhmen fein. Der Rauch schwelt, der leiseste Windstoß muß den Brand entfachen. Lind noch eine Frage: Was haben die deutschen Weihbischöfe von Prag und Olmüh, die an der Konferenz teilnahmen, was h t vor allem der Vertreter des Kardinals Bertram, Prälat Fischer, zu den Beschlüssen gesagt: Es scheint, als ob das Fürsterzbistum Breslau verkenne, daß es in seinem tschechoslowakischen Teil eine große, wenn auch defensive, natio­nale Mission zu erfüllen hat.

Oberheffen.

Biersteuerdiktate im Kreise Büdingen.

WSR. Büdingen, 22. Okt. Die zunehmende Finanznot auch der ländlichen Gemeinden und die Tatsache, daß vielfach Steuerquellen auf Grund der reichsrechtlichen Vorschriften noch nicht genügend in Anspruch genommen sind, haben das Kreisamt Büdingen veranlaßt, in zwölf Landgemeinden des Kreises Büdingen mit Wirkung vorn 1. Rovernber ab die Bier st euer zwangsweise einzu­führen. In zwei Gemeinden wird die Steuer noch mit einem Zuschlag von je 100 Prozent, in drei Gemeinden mit einem Zuschlag von je 50 Pro­zent zu den Landessähen zur Erhebung kommen.

Landkreis Gicsten.

)( L i ch. 21. Okt. Gestern nachmittag hielt unter dem Vorsitz von Stiftspfarrer D r a u d t der O r t s - ausschuß der Winterhilfe im Rathaussaal seine erste Sitzung ab. Nach Verlesung der allgemei­nen Richtlinien wurde beschlossen, eine allgemeine Geldsammlung zu veranstalten. Der Alice- frouenverein wird im Schloß eine Rähstube einrich­ten, in der Frauen und Mädchen aus alten und neuen Sachen Kleider, Wäsche, Strümpfe u. dgl. Herstellen. Das Material hierfür wird von jungen Mädchen durch eine Haussammlung bei Hausfrauen und Ge­schäften erbeten. Ferner ist mit Unterstützung des Roten Kreuzes und der Schulleitung eine Abgabe von warmem.Frühstück an notleidende Kinder ins Auge gefaßt.

Kreis Friedberg.

WSN. F r i e d b e r g, 22. Okt. Am Mittwochabend wurde am Ortsausgang von Oberroßba ch nach Friedberg die in den 60er Jahren stehende Witwe F r ä n z von dem Personenauto eines Fried­berger Bauunternehmers überfahren und so­fort getötet. Dis Schuldfrage ist noch nicht ge­klärt.

o. Kirch-Göns, 22. Okt. Am Sonntagabend wurde in der hiesigen Kirche unter der Leitung des Ortsgeistlichen Pfarrers Kalbhenn ein Erntedankfest gefeiert. Das Gotteshaus konnte die zahlreichen Besucher kaum fassen. Die Feier wurde eingeleitet durch einen Choral des hiesigen Posaunenchors. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Erntedankfest spiel, das von den diesjährigen Konfirmanden und den im vorigen Jahre aus der Schule Entlassenen auf­geführt wurde. Das Spiel wurde mit großem Bei­fall ausgenommen. Zweistimmig vorgetragene Lie­der der Oberklasse der hiesigen Schule und Cho­räle der Gemeinde verschönerten die eindrucksvolle Feier.

Kreis BiiVingen.

+ Hirzenhain, 22. Okt. Ein auf der Durch­fahrt befindlicher Einkäufer aus Kassel fuhr gestern vormittag mit einigen Bekannten zur Besichtigung

Flaschen Bier, eine Wurst und Brote bereit. Die Musik spielt. Die niederen Räume dröhnen. Die Gespräche werden mit einer lärmenden Lustigkeit geführt. Dann wird es Zeit, zum Hochzeitsessen in der nächsten Gastwirtschaft. Der Tag wird mit der sogenannten Hochzeitsschenke geschlossen.

Im großen Saale des Adlers vereinigt sich nach acht Llhr abends nochmals das Dorf um die jungen Eheleute. Wohl haben sie und der Gast­wirt zu dieser Hochzeitsschenke eingeladen, aber man ist auf ihr, was das Bezahlen angeht, fein eigener Gast. Gleich geht der Lanz los, erst für alle, dann, nach einem Trompetenstoß, wird eine Extratour für das Brautpaar angekündigt. Lind nun wechselt es ab, daß die Tänze allgemein sind oder Extratouren bringen, bald für die Ver­wandten, bald für die Gäste aus einem Rachbar­dorf. bald für Llnverheiratete, bald für Verhei­ratete, für Berufe oder für eine scherzhafte Aus­wahl, die nach besonderen Llinständen oder Er­eignissen der letzten Zeit bestimmt wird.

Auch kann ein einzelner Tänzer sich mit einem Mädchen eine Extratour bestellen. Ist er ein Ge­schwollener, so bricht die Musik einmal plötzlich ab, das Dedienunasmädchcn tritt mit einem Tablett zu dem tanzenden Paar, auf dem ein Liter Wein uni) zwei Glaser stehen. Langsam leert das Paar das Liter, während dieBedienung" mit dem hochgehaltenen Tablett dabeistehen muß und die übrige Versammlung den Auftritt mit Spott pfeffert.

So geht es bis in die Rächt. Das junge Paar hat sich unter allgemeiner lärmender Anteilnahme schon längere Zeit verabschiedet und hat die Würze mancher saftigen Anspielungen und Scherze mit­genommen.

Morgen in der Früh beginnt dann das Leben, die Fron. Jedes Bauerndasein ist Sklaverei des Wetters, der Jahreszeiten und der Abnehmer. Die Kraft, sie zu ertragen, kann nur aus dem Bewußtsein kommen, dah diese Erde, auf der man geboren wird, Besitz ist, für dessen Verwaltung man den Zeiten, die gingen, und denen, die kom­men. und sich selber verantwortlich ist. Daß aus dieser Erde für das Dasein der Menschen das Erste geschaffen wird, was die Rotdurft verlangt, die Rahrung. Daß alles Bestehende aus dieser Erde entsteht und in sie zurückkehrt. Daß diese Erde also die Bindung zwischen Zeit und Ewig­keit ist, dasselbe, was ja auch diese Hochzeit be­deutet.

des Matthias-Tempels an der Hillersdach- Talsperre. Sein Auto ließ er unbeaufsichtigt an der Sperrmauer stehen. Bei der Rückkehr mußte er zu seinem Schrecken die Wahrnehmung machen, daß der Wagen in Brand stand. Bei dem außerordent­lich raschen Umsichgreifen des Feuers war an Loschen nicht zu denken. DerWagenbranntebisauf das Chassis zusammen. Die Ursache des Brandes ist noch nicht geklärt.

zkreis Schotten.

w. Wohnfeld, 22. Okt. Die diesjährige Obsternte brachte reichen Ertrag. Zu den Versteigerungen waren auch diesmal wieder die Vewohner des zentralen Vogelsbergcs erschienen. Infolge des großen Angebotes waren diePreise sehr niedrig. Für Dohnäpfel wurden pro Baum durchschnittlich 2 bis 3 Mark bezahlt. Das Fallobst kaufte ein Frankfurter Händler zum Preise von 80 Pfennig pro Zentner. Kürzlich wurde über unserem Dorfe ein Zug Schneegänse be­obachtet.

preutzen.

Naturalien an Wohlfahrtserwerbslose.

WSN. Biedenkopf, 22. Okt. Der Kreisaus- schuß des Kreises Biedenkopf hat beschlossen, von jetzt ab allen Wohlfahrtserwerbslosen 30 v. H. der Unter st ützung in Natura­lien auszuzahlen, die von den Steuerpflichtigen ge­liefert werden.

Eine Stadt will wieder Dorf werden.

WSN. N e u st a d t (Kreis Kirchhain), 22. Okt. In dem etwa 2300 Einwohner zählenden Städtchen N e u st a d t an der Main-Weser-Bahn sind Bestre­bungen im Gange, aus steuerlichen Gründen die Stadtgemeinde wieder in eine Dorf­gemeinde umzuwandeln.

Am Montag, 26. Oktober, werden wir in den Familienblättern mit dem Abdruck eines moder­nen Romans beginnen, der nach Gehalt und äußerem Umfang etwa neben Speyers Erzählung vomKampf der Tertia zu stellen wäre:

Zwei wollen zumTheater

von Hans-Caspar von Zobeltitz

So heißt ein frisch und warmherzig geschrie­bener Roman von jungen Menschen unserer Zeit, von ihrer Begeisterung fürs Theater und für die Schauspielerei, von ihrer unverdrossenen Arbeit und ihrer unromantischen Liebe.

Tonfilm:Bomben auf Monte Earlo".

Die Riviera und die Spielsäle von Monte Carlo haben von jeher die beliebtesten literarischen Schauplätze geliefert. In diesem TonfUm bekommt man das Kasino im vollen Glanz und Betrieb vorgeführt. Die Kugel rollt, die Scheine knistern, der Croupier ruft:Rien ne va plus!, und der Kapitän Craddock vom KreuzerPersimon" ver­spielt einen unheimlichen Haufen Geld. Dieser Kreuzer ist jedoch, wie sich gleich zu Anfang her­ausstellt, ein wahres Operettenkriegsschiff und ge­hört Ihrer Majestät der Königin Vota von Ponte- nero. (Pontenero gibfä natürlich gar nicht, aber dafür befinden wir uns im Tonfilm, und der Ton­film ist ein Lustspiel mit Gesang und Tanz und gutem Ausgang.) Craddock will sein verlorenes Geld wieder haben, das er an der Seite der von ihm sonderbarerweise nicht erkannten Landessür- stin verspielt hat, und richtet am andern Mor­gen drohend die Geschühtürme auf die blühenden Gefilde von Monte Carlo. Ra. es kommt nicht erst zur Beschießung und zu einer Seeschlacht schon gar nicht. Ihre Majestät hat sich heftig in den schneidigen Kapitän verliebt: an Bord herrschen idyllische Zustände: zuletzt springt Craddock ins Wasser und entert einen Dampfer nach Hono­lulu. Da bleibt der Landesfürstin nichts übrig, als mit Volldampf hinterherzufahren. Aus. Craddock ist Hans Albers. Vor sechs oder sie­ben Jahren spielte er noch ziemlich unbedeutende Sprechrollen an Berliner Theatern: heute soll er einer der bestbezahlten deutschen Schauspieler sein und ist in der ganzen Tonfilmwelt bekannt. Den Craddock gibt er mit trockenem Hamburger Hu­mor, breitbeinig, gemütlich und voll sympathischer Männlichkeit. Leider spricht er so undeutlich, daß man ihn nicht immer versteht. (An der Appara­tur scheint das nicht zu liegen.) Bola ist Anna Sten, hier schon bekannt aus demKaramasoff": doch war sie dort darstellerisch von erheblich stär­kerer Wirkung: äußerlich erinnert sie an Marlene Dietrich, deren neuer großer Film eben in München angelaufen ist. Heinz Rühmann, einer der drei von der Tankstelle: nett und lustig wie immer; er paßt sich dem Operettenstil des Ganzen von Ratur aus am zwanglosesten an. Außerdem wirken mit: Ida Wüst, Etlinger, G e r r o n , der wahrhaftig immer dicker wird, und Peter Lor re. Die schwungvolle und großzügige Regie führt Hanns Schwarz; Musik schrieb Werner R. H e h rn a n n ; die Schlagertexte stam­men von Robert Gilbert. Der Film erschien gestern vor einem heiter angeregten Publikum im Lichtspielhaus. r