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Aus der prvvinzialbauptstadt

Gießen, den 23. Oktober 1931.

Das Geld muß rollen!

Der Kavag-Prozeß.

Keine Transaktion ohne Sondervergütung für die Direktoren.

Man schreibt ms: Nur ein Teil der Spareinlagen« Abhebungen in den letzten Monaten ist durch die Krisenlage verursacht: beträchtliche Abhebungen sind ohne wirkliches Bedürfnis erfolgt. Die Vermin­derung der Einzahlungen vor allem ist nicht Folge der Arbeitslosigkeit und Einkommens­oerminderung. sondern hauptsächlich einer unbe­gründeten Psychose. Das Ueberwiegen der Abhebungen über die Einzahlungen ist unerfreulich, weil es bie wirtschaftlichen Verhältnisse unnötig kom­pliziert und erschwert. Hält diese Entwicklung an, so werden die Sparkassen zu einer ausgedehnten Rück­ziehung der von ihnen gewährten Kredite gezwungen, wodurch gerade die breiten Schichten des wirtschaft­lichen Klein- und Mittelstandes betroffen und Ar- beits- und Erwerbslosigkeit vermehrt würden. Die Unterstützung durch die Reichsdank kann naturgemäß nur vorübergehend sein.

Die Sparkassen haben die Zahlungskrise des Juli nicht verschuldet, die Sicherheit ihrer Einlagen ist völlig gewährleistet. In­zwischen sind weitere Maßnahmen getroffen worden, freiwillige, wie auf Grund der Notverordnungen, die auch psychologisch das Vertrauen zu den Sparkassen zu fördern geeignet sind. Insbesondere ist eine noch schärfere Trennung der Sparkasse nund ihres Vermögens von den öffentlichen Finanzen (der Gemeinden ufro.) vorgenommen worden, was um fo erfreulicher ist, weil dadurch ein wichtiger Beunruhigungsfaktor mancher Sparerkreife befeitbgt worden ift, Gerüchte von einer teilweisen Be­schlagnahme von Spareinlagen sind reiner Unsinn. Nock immer wird auch Unruhe in manche Sparer- kreise hineingetragen durch Jnflationsfurcht. Die tat­sächlichen Verhältnisse beweisen demgegenüber nicht einen Geldüberfluß, sondern eher einen Geldmangel: außerdem ist von den verantwortlichen Stellen in Politik und Wirtschaft wiederholt klar und energisch jede auch die kleinste Inflation abgelehnt worden. Wie stabil die deutsche Mark ist, zeigt übrigens die Tatsache, daß sie seit der Stabilisierung durch alle Krisen hindurch, auch die letzte, fest geblieben ist im Gegensatz zu wichtigen, früher nie angezweifelten ausländischen Währungen.

Zu einem guten Teil hängt das Schicksal der deut­schen Wirtschaft von der Einsicht und Ver­nunft der Sparer selbst ab, davon, ob sie durch unnötige Abhebungen und zurückgehaltene Einzah­lungen den gesunden Kreislauf des Geldes in der Wirtschaft stören und so Not und Arbeitslosigkeit für alle, auch für sie selbst, vergrößern -ollen oder ob sie wieder in der alten normalen Weise ihr ver­fügbares Geld einzahlen und yur bei wirtschaft­lichem Bedarf abheben. AngstundPaniksind nochnieguteLehrmei st er gewesen. Stet- gen die Einzahlungen wieder über die Auszahlungen in vielen Gegenden ist das erfreulicherweise be­reits wieder Normalzustand, so ist. jegliche Ge­fährdung des Zahlungsverkehrs bei den Geldinfti- tuten ausgeschloffen und der entscheidende Schritt im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und Arbeitslosig- feit getan.

Herbst-Bezirkstag derHassia".

Am Sonntag fand unter reger Teilnahme der Vertreter der angeschlossenen Vereine imPost- keller" die Herbst tagung des Bezirks Gießen der K ri e g e r k a m e r a d s ch a f t Hassia" statt. Der Vezirksvorsihende. Prof. Dr. K r a e m e r, Gießen, erstattete Bericht über denHassia"-V^rbandstag in Michelstadt. Dr. Stahlhofen und Inspektor Schrimpf. Bad- Nauheim, referierten als Vertreter der Allianz über Versicherungswesen. Eine rege Aussprache schloß sich an. Heber das Fürsorgewesen sprach der Fürsorgeleiter derHassia" in der Provinz Oberhessen, Bonhard, Gießen: er nahm 6teI-__ lung gegen die Notverordnung, durch die die Bezüge der Kriegsopfer stark gekürzt tourbep; Das Schießwesen behandelte Bezirksschießleiter Klein, Gießen. Von 20 im Bezirk bestehenden Schießabteilungen haben 16 am Meisterschafts­schiehen teilgenommen. Die Schießabteilung Gie­ßen hat den Höchststand in derHassia" erreicht und zum drittenmal den Wanderpreis errungen. Gute Leistungen seien auch bei den Jungschützen festzustellen. Der Bezirksvorsihende sprach den Siegern den Dank und die Glückwünsche des Bezirks aus. Die Jugendbewegung habe wei­tere Fortschritte gemacht.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt­theater Gießen:Sturm im Wasserglas", 20 bis 22.15 Uhr. Bund Haus und Schule: 20 Uhr, Jo- hannesfaal, Fawilienabend. Oberhessischer Kunst­verein: Turmhaus am Brandplatz, AusstellungAlte und neue Graphik" 15 bis 17 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Bomben auf Monte Carlo". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Der singende Draht",Blitz und Liebe",Das sind Zustände" und Kein König der Wälder".

Vortrag im Kaufmännischen Ver - e i n. Man schreibt uns: Am 26. Oktob.er wird Pro­fessor Walter Josephson unter Mitwirkung der Konzertsängerin Erna »übender in der Aula einen Vortrag halten über das ThemaWie kommt eine Opernaufführung zustande? Ein Blick hinter die Kulissen", mit Gesangsvorträgen und Lichtbildern. Der Vortragende, der als langjähriger städtischer Musikdirektor in Duisburg beruflich in steter Ver­bindung mit dem Theater stand, wird zunächst einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Oper geben und einige Stilproben von Opern« Arien der verschiedenen Epochen oorführen. Sodann wird der Werdegang einer Oper verfolgt von der Komposition an bis zur Uraufführung. An Hand von Lichtbildern wird dem Laien die Well hinter den Ku­lissen erschlossen. Der Vortrag dürfte allen Theater­freunden Gelegenheit geben, einen Einblick zu tun in die ungeheure Summe von Einzelarbeit, die, dem Zuschauer nicht sichtbo erforderlich ist, um eine Opernaufführung zustande zu bringen.

Der Metallbildhauer H. Küchel ver- anstaltet am morgigen Samstag, 24. Oktober, und am Sonntag, 25. Oktober, im HotelPrinz Earl" eine Ausstellung neuzeitlichen Schmuckes. Die Ar­beiten des in Gießen nicht unbekannten Künstlers sind unverbindlich zu besichtigen. Näheres in der gestrigen Anzeige. *

* Kreisamtspersonalien. Derwal- tungsinspektor H e b e l e r vom Kreisamt Gießen wurde, zunächst vertretungsweise, auf den Posten des Verwaltungsinspektors und Bureauvorstehers beim Kreisamt Alzey verseht. Der bisherige In­haber dieser Stelle, Verwaltungsinspektor Vo­gel, ist, wie kürzlich berichtet wurde, wegen Ver­untreuungen in ein Disziplinär- und Straf­verfahren verwickelt. Voraussichtlich wird aus

WSN. Frankfurt a. M., 22. Ott. Der heu­tige Verhandlungstag im Favag-Prozeß brachte wieder eine Reihe von Momenten, wie skrupellos der Vorstand Gelder der Gesellschaft unter sich verteilt hat. Richt nur, daß

bei glücklichen Transaktionen große Sonder­vergütungen verteilt worden sind, auch bei Fehl­transaktionen erhielten die Direktoren eine be­sondere Vergütung.

Bekanntlich war bei der Fusion mit dem Deutschen Lloyd eine Vergütung von je 10 000 Mark in Aktien und später nochmals ein Betrag von 38 000 Mark in bar verteilt worden. Als sich später her- ausstellte, daß sich diese Fusion zum Schaden der Favag auswirken würde, wurde die Fusion wieder rückgängig gemacht. Die Favag gab die Aktien wieder zurück, so daß auch die Direk­toren die erhaltenen Papiere wieder ausliefern mußten. Sie erhielten dafür als Entschädigung einen Darbetrag von je 5326 Mark. Mädje meint zu dieser eigenartigen Zuwendung, daß zwar das Zustandekommen der Fusion als ein sehr erfreuliches Geschäft angesehen wurde, daß man sich jedoch noch mehr gefreut habe, den De u t - schenLlohdwiederloszuwerden. Rach Ansicht Lindners sollte der für die Rückgabe der Aktien vergütete Betrag dafür sein,daß man sich um die Geschäfte gekümmert hätte".

Uebrigenß ist im Anschluß an die Lloyd-Trans­aktion noch eine dritte Vergütung ausgezahlt worden, die sich auf 20 260 Mark belief, und die an Decker, Dumcke und Mädje ging. Mädje meinte auf die Vorhaltungen des vorsihenden, daß es sich hier nicht um einen überwältigenden Betrag gehandelt habe, so daß er sich keine sonderlichen Gedanken machte.

Der Aufsichtsratsvorsihende Hoff, der heute wiederum vernommen wurde, verlas eine Er­klärung, in der er noch einmal betonte, daß er Dumcke für einen durchaus ehrenwerten Mann gehalten habe, dem er unbedingt Ver­trauen entgegenbringen konnte, um so mehr, als an dessen Integrität bis zum Zusammen­bruch nicht nur innerhalb des AussichtsratK der Gesellschaft, sondern darüber hinaus in ganz Frankfurt sowie im In- und Auslande nicht der geringste Zweifel bestanden hätte. Erst vor we­nigen Tagen sei ihm noch gesagt worden, auf

der Vertretungsweifen ^Übertragung der Alzeyer Stelle an Verwaltungsinspektor Hebeler eine definitive Betrauung mit diesem Amte werden. Amtsnachfolger des Herrn Hebeler beim Kreis- amt Gießen wurde Derwaltungspraktikant De­gen von hier, an dessen Stelle wurde der Ver­waltungspraktikant Schweitzer von Bingen hierher verseht.

* Probealarm der Feuersirenen. Am morgigen Samstag um 15 Uhr werden die Feuer- sirenen probeweise in Tätigkeit gesetzt. Beim Ertönen des Alarms ist also keinerlei Grund zur Beunruhi­gung gegeben.

** Zum Schutze der Telegraphenlei- tungen fordert das Kreisamt Gießen durch eine Bekanntmachung im neuesten Amtsverkündigungs- blatt die Besitzer von Baumpflanzungen längs der Telegraphenlinien auf, gelegentlich der im Herbst und im nächsten Frühjahr stattfindenden Ausästungen die Bäume so weit zurückzuschneiden, daß Berührungen mit den vorbeiführenden Telegraphen- und Fern- sprech'leitungen auch beim raschen Wachsen der Päume ausgeschlossen bleiben.

Das Säuglingsheim ein Opfer der 9B3 rtschaftskrise. In diesen Tagen muhte das Säuglingsheim (Therefien-Kinderheim), das seit dem Jahre 1908 bestand, geschlossen werden. Das Heim ist auch ein Opfer der Krise geworden. Von edel- denkenden Frauen wurde es gegründet, von ver­ständnisvollen und wohlhabenden Bürgern durch Spenden unterhalten. Während der Kriegszeit und auch während der Inflationsjahre konnte das Heim seine Pforten offenhalten, dem gegenwärtigen wirt­schaftlichen Niedergang war man aber nicht mehr gewachsen, und die Verwaltung mußte sich zu dein schweren Schritt entschließen, das Heim aufzulösen. 23 Jahre lang war es den Säuglingen, die eines elterlichen Heims entbehrten, während des ersten Lebensjahres ein sicherer Hort. Die Oberschwester und ihre Helferinnen waren stets verantwortungsbewußt um das Wohl der ihnen anvertrauten Kinder be­müht. Für die mannigfachen Verdienste, die sie sich im Laufe der Jahre um die Kleinen erworben haben, gebührt ihnen alle Anerkennung. Es ist bedauerlich, daß diese wertvolle soziale Einrichtung nun ein Opfer der Wirtschaftslage geworden ist, und es wäre nur zu wünschen, daß sich die Verhältnisse bald grundlegend ändern, damit das Säuglingsheim viel­leicht wieder aufleben kann. Der bis jetzt be­stehende Verein für Säuglingsfürsorge bleibt nach einem Beschluß des Vorstandes bestehen und wird nur in veränderter Form, mehr als Pflegeverein (der allerdings noch des weiteren Ausbaues bedarf), fortgeführt werden. Damit der Verein feinen Auf­gaben gerecht zu werden vermag, bedarf er nach wie nor der Unterstützung aller feiner Mitglieder und Freunde.

"Vorträge eines Chinamissionars. Der Oberhessische Missionsverein für Basel und der Evangelische Gesamtkirchenvorstand Gießen hatten am Dienstag zu zwei Vortragsveranstal­tungen eingeladen. Der Johannessaal war am Rachmittag bis auf den letzten Platz beseht, die Stadtkirche war am Abend ebenfalls sehr gut besucht. Redner war der Chinamissionar Walter, der nach langer Gefangenschaft durch die Kommunisten in China in die Heimat zurückkehren konnte. Die beiden Versammlun­gen leitete Dekan G u h m a n n, der Vorsitzende der Basler Mission in Oberhessen, mit einer An­dacht ein. Sodann sprach Missionar Walter über seine mannigfachen Erlebnisse und über die Früchte seiner Gefangenschaft für Missionsver­ständnis und Missionsfreudigkeit. Seit 20 Jahren, so führte er u. a. aus, sei in China Revolution, und trotz aller Wirren werde Missionsarbeit geleistet. Es sei göttliche Fügung gewesen, die Missionare in Gefangenschaft zu führen und sie wieder zu befreien, um ihnen so seine Allmacht fühlbar werden zu lassen und den Glauben an seine Größe zu stärken. Dieses Bewußtsein gött­licher Allmacht habe in den Gefangenen die Missionsfreudigkeit gefördert und ihnen neue Impulse verliehen. Die Arbeit der Missionare sei in letzter Zeit besonders dadurch erschwert worden, daß es nicht mehr nur gegen verirrte

Dumcke habe ganz Frankfurt geschworen. Bei der Verteidigung lost es sichtliche Genugtuung aus, als der Erste Staatsanwalt erklärt, daß die Anklage es als richtig unterstelle, daß Dumcke in aller Augen als integer'betrachtet wurde. Als Beweis hierfür könne neben andern Aeuherungen der Rachruf der Favag nach dem Tode Dumckes betrachtet werden, der mit den Worten schließe, daß die Favagfür alle Zeiten in die Fußtapfen ihres verdienten Direktors Dumcke treten werde".

In der Rachmittagssitzung kamen unberech­tigte Selb st entnahmen im Falle Dica (Berlinische Immobilien-Kreditanstalt) zur Sprache, woran Dumcke, Decker und Mädje be­teiligt waren. Die Favag hatte Geschäftsverbin­dung mit Dr. Altschih und Dr. Goldmann, die aus Rußland geflüchtet waren. Diese gründeten inBerlin dieNordische Bank für Handel und Industrie. Die Favag nahm Interesse.an diesem Institut und man kam auf die Idee der Grün­dung einer Grund st ücksbank. Es wurde die Dica ins Leben gerufen. Die Gesellschaft er­warb sieben Berliner Mietgrund­stücke, die später mit Gewinn verkauft wurden.

von dem Gewinn aus diesen Grundstücks- verkäusen erhielten die Favag und die Berliner Gesellschaft nur wenig, während Dumcke, Becker

und Mädje 103 000 Mark erhielten.

Auf die Frage eines Richters, wie die Favag als Versicherungsgesellschaft eigentlich dazu ge­kommen ist, Grundstücksgeschäfte zu betreiben, er­widerte Mädje, daß man sich, gewissen Bei­spielen folgend, auch auf dem Grundstücksmarkt betätigen wollte. Er will aus diesem Geschäft eine Vergütung von 1 0 0 0 0 Mark er­halten haben, die im Verhältnis zu seiner Ar­beitsleistung viel zu gering gewesen sei. Seine ganze Geschäftszeit sei mit anderen Geschäften ausgefüllt ge­wesen: es habe sich bei dieser Sache um eine zusätzliche Tätigkeit gehandelt, die selbstverständ­lich besondere Erträge abwerfen muhte. Schließ­lich gab Mädje zu, daß er sich später noch eingehender mit dieser Sache befassen mußte. Darauf ein Richter:Sie haben also durch diese Tätigkeit Ihre Arbeitskraft Ihrer eigenen Ge­sellschaft weggenommen!"

Die Verhandlung wurde dann auf Freitag vertagt.

Gotterkenntnis zu wirken galt, sondern dem unter dem Einfluß kommunistischer Elemente erzeugten Gotteshah entgegengetreten werden mußte- Die Revolution hatte auch Winfriede zwischen Missio­nare und das Volk getragen, der aber über­wunden wurde durch die Taten Gottes an den Missionaren. Gefangenschaft und Befreiung der Missionare habe Gottes schöpferisches Wirken aufs neue bewiesen und gezeigt, daß Leiden und Sterben nicht Sterben an sich, sondern nur die Bestätigung seiner Gröhe bringe. Auf besonderen Wunsch aus der Versammlung heraus gab der Vortragende noch einige Bilder aus seinen mannigfachen äußeren Erlebnissen wieder, die den Zuhörern einen Eindruck von den ungeheuren Strapazen vermittelten, die die Missionare wäh­rend ihrer langen Gefangenschaft überstehen muß­ten. Am Abend sprach der Redner dann in der Stadtkirche unter dem TitelErlebnisse und Glaubenserfahrungen unserer Gefangenschaft" in gleichem Sinne über feine Missionstätigkeit. Missionar Lauck wies zum Schluß auf die Not­wendigkeit der Missionsarbeit hin. Kirchengesang­verein und Chorschule verschönten die Veranstal­tung am Abend mit gesanglichen Darbietungen. Die Kollekten erbrachten ansehnliche Erträge.

**W a s Sie vom Rundfunk noch nicht wissen" war das Thema eines Vortrags, den Dbermgenieur Schilling von der Gesellschaft Telefunken, Berlin, gestern abend im Cafä Leib vor einer sehr großen Zuhörerzahl hielt. Der Redner führte u. a. aus: Der im Jahre 1923 in Deutschland eingeführte Rundfunk werde heute nach achtjähriger Erfahrung von den rund 3,5 Millionen angeschlosse« nen Rundfunkteilnehmern im Vergleich mit anderen technischen und maschinellen Errungenschaften als etwas Selbstverständliches betrachtet. Die Rundfunk« technik erscheine als das Stiefkind unter allen tech­nischen Zweigen. Und doch seien andere Großtaten deutschen Erfindergeistes, wie die Amerikafahrten, die Weltumseglung und der Polarflug desGraf Zeppelin", erst möglich geworden durch die drahtlose Telegraphie. Heute schon seien drahtlose Telephon­gespräche auf 18 000 Kilometer Entfernung bei stö­rungsloser Verständigung möglich. Die hervorragen­den Leistungen der Deutschen auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie und Telephonie würden auch vom Auslande voll anerkannt. Erst mit Hilfe der deutschen Großstation Nauen sei es auch dem Aus­land möglich, drahtlose Nachrichten in Gebiete zu fenden, die für die Sender des Auslandes nicht er­reichbar seien. Die Einführung des Fernsehens stehe nach der Konstruktion des Ultra-Kurzwellensenders durchTelefunken" vor der Tür. Zu unrecht werde oft die Zahl der mit dem Rundfunkempfangsgerät zu erreichenden Sendestationen in den Vordergrund gerückt; oiese Einstellung fei falsch. Auch mit einem einfachen Gerät sei ein guter Fernempfang mit genügender Lautstärke und Betriebssicherheit zu er- reichen. Für den Rundfunkhörer sei eine Vorbe­reitung auf das Programm durch Informierung er­forderlich, im anderen Falle wirke der Rundfunk geschmacksverbildend. Das Ohr sei ein schlechtes Meß- Instrument, denn es gewöhne sich an schlechte Wieder- gäbe. Der Rundfunk sei heute so gut, daß Rundfunk- musik kaum von Originalmusik zu unterscheiden sei. Die Einstellung der Lautstärke müsse der Original­lautstärke entsprechen. In längeren Ausführungen wurden die Technik des Sendens, des Empfanges und der Uebertragung auf das Ohr des Hörers an vielen Beispielen erklärt. Auch die verschiedenen (Empfangsgeräte wurden besprochen und hinsichtlich der Einteilung der Autoskala praktische Winke ge­geben. Ein richtig behandelter Rundfunkempfänger könne eine nie versiegende Quelle der Freude im anderen Falle aber auch eine solche des Aergers sein. Der Rundfunk erziehe zur Häuslichkeit und zum Sparen. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für feine leicht verständlichen, oft recht humorvollen Worte.

Aus dem Amtsvertündigungsblatt.

* DasAmtsverkündigungsblatt Nr.72 vom 20. Oktober enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. Die Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebietsteilen.- Gemeinde­

finanzstatistik. Der Schutz der Telegrapyenleitun« gen. Dienstnachrichten.

Verdoppelung der Bürgersteuer in Frankfurt.

WSN. Frankfurt a. M., 22. DEL Der Ma­gistrat der Stabt Frankfurt hat die Bürger- steuer, die auf 150 n. H. des Landessatzes fest- gesetzt worden war, auf 300 v. H. erhöht. Diese Verdoppelung der Biirgersteuer bedeutet eine Mehreinnahme von 2,5 Millionen Mark. Auf diese Summe glaubte der Magistrat für die dringend not­wendige Minderuna des voraussichtlichen Fehl­betrags und zur Sicherung der Kassenlage nicht ver­zichten zu können. Vom Regierungspräsidenten in Wiesbaden war mitgeteilt worden, daß die Auszah­lung der 2,8 Millionen Mark betragenden Reichs- Hilfe für den Rest des laufenden Etatsiahres nur erfolgen kann, wenn der Magistrat alle Maßnahmen zum Ausgleich des Etats trifft.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das Biscaya-Tief drängt sich weiter auf das Fest­land vor. Seine Warmluft hat bereits Westfrank­reich erreicht und hier Temperaturanstieg und Nie­derschläge veranlaßt. Sein Einfluß macht sich in größeren Höhen auch schon ostwärts nach dem Kontinent zu geltend, so daß Temperaturumkehr einsetzt. Infolgedessen geht der Frost weiter zurück und die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht gleichen sich aus. Die aufgleitende Ozeanluft läßt außerdem Bewölkung und zeitweise Nieder­schläge aufkommen.

Vorhersage für Samstag: Meist wol­kiges Wetter und milder, Nachlassen des Nacht­frostes, zeitweise Niederschläge.

Vorhersage für Sonntag: Veränder­lich, wechselnd bewölkt mit vorübergehender Auf­heiterung, noch vereinzelte Niederschläge.

Lufttemperaturen am 22. Oktober: mittags 4,5 Grad Celsius, abends0,7 Grad: am 23. Oktober: morgens1,7 Grad. Maximum 5,4 Grad, Mini­mum 2,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Oktober: abends 5 Grad; am 23. Okto­ber: morgens 2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 2% Stunden.

Gewtnnauszug

1. Klasse 38. Preußisch-Süddeutsch» (264. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten

Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II

2. Ziehungstag 22. Oktober 1931

In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne

über 300 M. gezogen

4 »eminne ,u 10000 M. 296338 372544

2 Gewinn« tu 5000 M. 293330

4 Gewinn« ju 3000 M. 75913 354287

12 Gewinn« ,u 2000 M. 232217 275553 276927 328799 347811 394501

30 Gewinn« 1000 M. 18195 20154 20210

27461 53242 96843 184482 273058 279988

324200 331431 335667 353322 363067 369681

38 Gewinne »u 800 M. 12006 50215 115716

135417 161430 231254 243519 246418 255119

284743 302237 332190 332426 333915 371977

380209 386770 393079 397851

50 Gewinn« «u 500 Q)L 529 28507 33349 57277 77946 87982 115724 129277 130017 140344

160216 186165 201017 206752 222777 241668 242478 261989 267088 271273 273477 292397 335211 361991 393248

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uijr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen.

Welche Hausfrau wäscht am besten? Ganz entschieden die Hausfrau, die reine Seife verwendet, statt durch Waschmittel mit scharfen Zusätzen ihre wertvolle Wäsche vorzeitig zu verntchten. Doppelt gut wäscht die Hausfrau, die Naumann's weiße Kernseife verwendet. Mit dieser vollkommen reinen, milden und hoch­schäumenden Seife schont sie ihre Wäsche und erleichterr sich Wascharbeit und Hauspug.

3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen

4 Gewinn« tu 5000 M. 74278 366966

2 Gewinn« tu 3000 M. 291282

2 Gewinn« ju 2000 284833

22 Gewinne «u 1000 M. 24096 82954 93324

165340 170569 195725 243392 278248 289419 357398 371355

36 Gewinne tu 800 M. 7759 30105 50267 152588 177729 203465 203934 220715 222442 233005 242457 242605 258916 259940 264664 302098 345340 348128

46 Gewinne tu 500 M. 13374 34122 52614 55568 64959 122740 130603 153436 162209 172231 188530 189528 232753 253636 256776 261809 262345 262928 311181 327232 353263 371640 399662

Die Ziehung der 2. Klasse der 38. Preußisch- Süddeutschen (264.Preußischen) Staats Lotterie findet am 20. und 21. November 1931 statt.