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Kinanzminister und Kommunalsorgen.

Berlin. 22. OtL (LU.) Gegenüber den kürz- lich In einer gemeinsamen Kundgebung der kom­munalen SpitzenverbänD« zum Ausdruck gekomme­nen Klagen der Gemeinden wird vom Reichs- sinanzminlsterium erklärt, daßdie Behauptung, die durch Notverordnung versügten Hilfsmassnahmen deS Reiches hätten sich alS ein Schlag ins Wasser erwiesen, gehe fehl. Wenn den Gemeinden die Hälfte der Gehaltskürzung dadurch wie­der genommen sei, baß sie an die Länder a b - zusühren sei. so habe doch die Notverordnung dadurch einen Ersatz geschaffen, baß ein Teil der HauSzinSsteuer für allgemeine Ausgaben frei werd«. Wenn man allerdings zu stark in die Vorgriffe gekommen sei in der Erwartung, dah die Hauszinssteuer in der alten Art weiterbehandelt werde, so sei dies nicht Schuld des Reiche«. Bei der Be­rechnung, dah die abzuführenden Gehaltskürzun­gen einen Fehlbetrag von 70 Millionen ergäben, seien doch wohl die Zuwendungen unbe« rücksicht: gt geblieben, die den Gemein­den von Juli bis zum Oktober zugutegekommen seien. Die ursprünglichen 60 Millionen zuzüg­lich der durch die Notverordnung vom 6. Okto­ber den Gemeinden zur Verfügung gestellten 170 Millionen seien insgesamt für die sechs Wintcrmonate vorgesehen worden. Bon diesem Gesamtbeträge sei also noch nichts verausgabt worden.

Im übrigen wird daraus hingewiesen, dah die Notverordnung den Gemeinden die Möglichkeit

weiterer Einsparungen gegeben habe. Noch Ansicht des Neichsfinanzministermms sei der Zustand durchaus noch nicht erreicht, dah weitere Sparmaßnahmen unmöglich seien. Die bisher ge­malten Schulden gehörten infofern nicht in die Erörterung, als hier durch Notverordnung eine um­fassende Umschuldung vorgesehen sei. Nach den bisherigen Feststellungen des Reichsfinanzministe­riums betragen die als kurzfristig anzusehenden Schulden der Gemeinden 1,5 bis 1,7 Millionen Mark, in denen aber auch vorübergehende Kosse- kredite enthalten seien, die teilweise inzwischen ab- gedeckt wurden. Die allgemeine Not, so wird ab- sthließend erklärt, werde schliehlich nicht dadurch gemildert, dah sich einzelne Instanzen die Schuld gegenseitig in die Schuhe schöben, fon- dern dadurch, daß sie gemeinschaftlich ge­tragen werde. Vor allem gehe es nicht an, im­mer nur das Reich für allerlei Fehlbeträge verantwortlich zu machen und zu glauben, dah das Reich aus unerschöpflichen Mitteln Fehlbeträge decken könne. Gegenüber der Anregung der kommu­nalen Spitzenverbände, die gesamte A r d e i t s - losenunter st ützung In einer Reichsarbeits­losenfürsorge zusammenzufasfen und da­durch zu vereinfachen, insbesondere aber auch den aufgeblähten Derwaltungsapparat der Arbeitsämter, der insgesamt 109 Millionen Mark Kosten verursache, zu einem großen Teil e i n- zusparen, erklärt sich das Reichsfinanzministe- rium für unzuständig.

Hessen und Die AeuoliederiW des Reiches.

Staatspräsident Adelung lehnt ein Aufgehen Hessens in Preußen ab.

Frankfurt a. 21L, 22. Oft Amtsgerichlsrat Ihurn in Friedberg hatte In einem Schreiben an dieFrankfurter Zeitung" erklärt, die bisherige Regierungskoalition werd« sich nur behaupten kön­nen, wenn die Regierung noch den Schritt tut, den Anfchluh Hessens an Preußen in die Wege zu teilen. Der weitaus größte Teil des hes­sischen Volke», insbesondere die gegen Reich und Preußen fchlechler geslellle Beamtenschaft, roatle daraus. Die Redaktion derFrankfurter Zei­tung" hatte dazu bemerkt, dah dieser ehedem in Hessen nicht volkstümlich gewesene Gedanke offenbar Infolge der Sparmaßnahmen der Re­gierung unverkennbar an Sympathie gewonnen habe. Aus die Litte derF. Z." äußert sich Staats­präsident Adelung zu dieser Frage wie folgt:

Ich glaube annehmen ju dürfen, daß der weit­aus überwiegende Teil des hessischen Volke» mit mir einig ist in dem Bestreben nach einer Reich»- reform ImSinne de» dezentralisierten Einheit» st aate». Lin Aufgehen Hes­sen» In Preußen bringt aber diesen Einheits­staat nicht und bedeutet auch kelnesweg» eine ft e u e r 11 d) e oder verwaltungs­technische Verbesserung für die hessische Bevölkerung. Ob die hessische Beamtenschaft gegen­über der preußischen dauernd schlechter gestellt bleibt und deshalb den Drang nach Preußen Hal, wäre noch abzuwarten, schon im Hinblick darauf, dah preuhen zunächst nur einen Teil seine» voraussichtlichen Defizit» durch die Notverord­nung ausgeglichen hat. Jedenfalls war au» den

Ausführungen de» Vorsitzenden de» hessischen £an- deslehrerverelns im Landtag nicht zu entnehmen, dah die hessischen Lehrer die preuhische Regelung als für sie günstiger vorziehen würden. Man sollte sich übrigens hüten, die Notverordnun­gen der einzelnen Länder gegeneinander auszusple- len, insbesondere solange das Notverordnungsrecht nicht abgeschlossen ist. hosfentlich übernimmt da» Reich bald wieder die Führung in der B e - amlenbesoldungsfrage, wodurch dann die starke Unterschiedlichkeit der Besoldung In Reich, Staaten und Gemeinden wieder besei­tigt würde. Die hessischen Gemeinden würden gegenwärtig, wenn der preußische innere Finanz- ausgleich auf Hessen übertragen würde, eine sehr viel höhere Belastung erfahren.

Ls ist nun neuerdings von Mitgliedern des preu­ßischen Kabinett» die Anregung ausgegangen, den Dualismus zwischen Reich und Preu­ßen diese» Kernstück jeder Reichsreform durch Zusammenlegung preußischer Ministerien mit Reichsministerien zu beseitigen. Diese Vorschläge sind aber noch reichlich unklar oder übermäßig kompliziert, würden sie sich realisieren, so könnte davon für die ganze Frage Der Reichsreform ein sehr starker neuer Impuls ausgehen, der auch weitergehende Entschlüße ermöglichte. Jedenfalls ist die hefsifche Regierung mit aller Energie bestrebt, die Reichsreform zu fördern, sie glaubt aber nicht, daß ein Aufgehen helfen» in preuhen ein wirksamer Schritt zu diesem Ziele ist.

Oer Kamps zwischen Krank und Dollar.

Frankreich verlangt höhere Verzinsung seines in Amerika stillgehaltenen Kapitals.

P a r i », 22. Ott. (TU. Funkspruch ) Die Neuyorker Großbanken haben die französische Forderung, die Derzinfung des französischen Kapitals In Amerika zu erhöhen, abgelehnt. Der Be­schluß scheint das kürzliche Abkommen zwischen der Bank von Fra reich und der Federal Re­servebank ernstlich in Frage zu stellen. Der Untergouv.'rneur der Dank von Frankreich so.l diese Erhöhung zur Borbedingung für die Belassung der 200 Millionen Dollar in Amerika gemacht haben. Man nimmt an, daß eS den französischen Unterhändlern doch noch gelin­gen werde, eine Erhöhung deS Zinsfußes durch- zudrücken. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, so erscheint es nicht ausgeschlossen, daß d i e Dank von Frankreich ihr Geld auS Amerika zurückzieht, waS natürlich zur Folge haben würde, daß auch die übrigen Pa­riser Großbanken ihre Guthaben vollständig lö­schen würden. Der Pariser Berichterstatter des Daily Herald" meldet, daß dieses Ultimatum der Bank von Frankreich von den französi­schen Privatbanken, deren Engh.rzigkeit bei internationalen Transaktionen charakteristisch sei, eifrig unterstützt würde. Heutzutage hätten die französischen GeschästSleute nur zwei Fragen, und zwar 1.:W ann wird der Dollar z u s a m m e n b r e ch e n?" und 2.: ..W ie tief wird er fallen?" Dah die Ber­einigten Staaten vom Goldstandard ab» gehen würden, werde als feststehende Tatsache angenommen. Gewiss« französische Kreise führten als Grund für das Ultimatum an die amerikani­sch« n Banken an, daß es daS DamokleS- schwert sei, das über dem Haupt de - Präsidenten Hoover am BorGbcnd seiner Besprechungen mit Laval schweb«. Laval strebe nach dem Weltfrieden, aber in französischem Sinne, und der Franken fei der Knüppel, mit dem er die französische Uebersetzung des Wortes Sicherheit" in den Kopf deS amerikanischen Präsidenten hineinpauken wolle. DieFinan­cial News" schreibt, man müsse abwarten, ob Amerika sich dem mit finanziellen Mitteln auS- geübten politischen Druck beugen werde 3n die­sem Falle würde natürlich daS Ansehen Ameri­ka« noch erheblich mehr leiden, al« wenn die Bereinigten Staaten vom Goldstandard abgehen würden, wa« wiederum nicht in französischem In­teresse liegen könnte.

Oie Zukunst des Pfundes.

Wird England tich zu einer Weltreichs. Währung entschließen?

London, 21. Ott (TU.) Sir D. D1 ackett, einer der Direttoren der Dank von England, sprach vor dem Londoner Rotary-Klub über die Wäh­rungsfrage. Die Rückkehr zum Gold­standard entweder zur alten oder zu einer neuen Parität käme für England nur in Frage, wenn vorher die internationalen Schwierigkeiten, die die Verheerung mit dem Goldstandard ange­richtet hätten, beseitigt seien. Die Fragen neuer Währungsstandarde wie D -Metallisrnus Sym-Metallis nus und Non-Meta.ttsmus müßten eingehend untersucht und auf ihre Zuverlässigkeit in Zeiten der Not geprüft werden. Wenn England durch das Opfer des Abgehens vom Goldstan­dard davor bewahrt werden könne, unter d i e Räder deS Triumphwagens der Fe­deral Reserve-Danken oder de rDank von Frankreich zu geraten, so fei der Aus­weg einer anderweitig planmäßig ge­regelten Sterling - Währung nicht von der Hand zu weisen. Auch eine Zwischenlösung in Gestalt einer Weltreichswährung fei in Detracht zu ziehen, der sich andere Länder im Falle des Erfolges anschließen könnten, um auf diese Weise zu dem eigentlichen Ziele einer i n - t emotionalen Währung zu kommen, die einem doppelten Zweck dienen müsse, nämlich der Deständigkeit der Währungen sowohl wie der Preise.

Die französische Industrie prolestiettgegenAuSlandSkredife

Tie Kinanzicrunq der ausländischen Konkurrenz

Pari«, 22. Oft. (WTB.) Die HandelSkarn- mcr Lille hat an Ministerpräsident Laval appel­liert, unverzüglich durch KompensauonSzöllc daS Gleichgewicht zwischen den Produktionsbedingun­gen in Frankreich und im Auslande wieder her- zustellen. Die französischen Produzenten forder­ten, die Mittel der französischen Sparer nicht mehr zur Wiederherstellung frem­der Länder zu verwenden, die AuSlanbskre- dite mißbrauchten, eine Übermäßige Pro- b u Mion entwickelt hätten und der fran­zösischen Industrie Konkurrenz machten. SS sei unzulässig, dah die französischen Geldmittel milliardenweif« in« Ausland flös- sen. während die französischen Produzenten k«i ne Kredite mehr fänden, der wirtschaft- sich« AuSrüstungSplan vernachlässigt werden

müßte und französische Arbeiter von schwe­rer Arbeitslosigkeit bedroht seien.

Aufstand auf Zypern.

Kür Den Anschluß an (tiriedjenlanb England entsendet Kriegsschiffe.

London. 22. Oft. (111.) Am Donnerstag ist la der englischen Kronkolonie Zypern ein Anfstand ausgebrochen. Eine größere Menschenmenge griff da» Verwaltungsgebäude der briti­schen Regierung an und steckte e» in Brand. Da» Gebäude brannte vollkommen nieder. Die Po­lizei sah sich gezwungen, ans die Menge za feuern, wodurch elf Eingeborene verwundet wur­den. Am Donnerstagabend hat der Aufstand In Limassol unter Führung des griechisch-orthodoxen Bischof» von Larnaka begonnen und von dort nach der Hauptstadt und anderen Städten überge­griffen. Der Bischof von Larnaka ries am Donners­tagabend in einer Versammlung auf dem Sportplatz d i e anwesenden Griechen auf, im Namen Gotte» und ihre» Vaterlandes sürden Anschluß an Griechenland zu kämpfen. Die Anwesenden gelobten, für d i e Unabhängigkeit und den Anschluß zu kämpfen. Später wurden unter vor- antritt des Bischofs und der Bürgermeister der wich­tigsten Städte der Insel ein Umzug durch die Straßen von Limassol veranstaltet, wobei gerufen wurde:hinaus mH den Ausländern, nieder mit den Tyrannen 1" und:Es lebe der Anfchluhf" Es herrschte große Begeisterung, und die Anwesenden gelobten, während die Kirchenglocken läuteten, den Kamps bi» zum Ende durchzuführen.

Die Admiralität teilt mit, dah zur Unterdrückung der Unruhen auf Zypern die beiden 10 000-Xonnen- KreuzerLondon" und Shropshlre" sowie zwei moderne Zerstörer von Kreta nach Zypern entsandt worden sind. Sech» Dicker»-Ir up- pen-Transport-Flugzeuge sind mit einet Kompanie nach Alexandria abgegangen, um nach Zypern weiterzufliegen. Eine weitere Kompanie ist mit der Bahn nach Port Said abgegangen, wo sie sich nach Zypern einschiffen wird.

Oer Mandschurei-Konflikt.

Ein neuer Bernnttiungsvorschlag des rröikerb mds

Genf, 22. Oft. (TU.) Driank> legte dem Bölkerbundsrat einen EntschliehungSentwurf vor, in dem in sieben Punften die Richtlinien für die abschließende Regelung des japanisch-chinesischen Streitfalles festgelegt werden und der Bölker­bundsrat zum 16. November zu einer neuen Tagung einberufen wird. Die Haupt­punkte sind folgende:

Punkt 4 ersucht die japanische Regierung, un­verzüglich die Zurückziehung der Trup­pen in die Sisenbahnzone einzuleiten und bis zur nächsten Tagung deS Völkerbunds- rates vollständig durchzuführen. Die chinesische Regierung wird ersucht, unverzüglich alle Maß­nahmen zum Schuhe der Sich Lr Helt der japanischen Staatsangehörigen zu treffen unter Zuziehung von Vertre­tern anderer Mächte, die die Durchführung überwachen sollen. Punkt 6 schlägt vor, daß China und Japan nach der Räumung alle schwebenden Streitfragen inunmittelbarenDerhand- lungen regeln und zu diesem Zwecke einen DergleichSauSschuh einsetzen.

Die Bertreter der japanischen und der chine­sischen Regierung ersuchten für die Stesiungnahme ihrer Regierungen umeineeintägtge Frist. Der Bölkerbundsrat wurde zu einer neuen Sit­zung zu Freitagnachmittay einberufen. In der Aussprache verlas der japanische Botschafter Poshisawa eine Erklärung, nach der Japan die Bedenken gegen die Zuziehung der amerikanischen Regierung zu den Ratsverhandlungen zurück- zieht. Briand gab einen kurzen Ueberblick über Die letzten Verhandlungen. Der vorgelegte Gnt- schliehungsentwurs habe bereits die Z u ft i m - m u n g aller Mächte mit Ausnahme von Japan und China gesunden. Der Bertreter der chinesischen Regierung erklärte sodann, daß die Entschließung in allen Punkten den chinesischen Forderungen Rechnung trage. Der japanische Bot­schafter verlas eine außerordentlich scharfe Er­klärung, in der betont wird, dah Japan feine Trappen unter keinen Umständen zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück- ziehen könne, da die Lage in der Mandschurei sehr schwierig fei.

Schwenkung Der japanischen Sozialdemokratie.

Tokio, 22. Olt. (END.) Die japanische So­zialdemokratie ist im Begriff, eine auffehenerre- gende Schwenkung zu vollziehen, die für die Außenpolitik des japanischen Reiches im gegen­wärtigen Augenblick fraglos eine Unter­stützung von eminenter Wichtigkeit sein dürfte. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei, Shakai Minshuto, vom rechten Flügel der prole­tarischen Bewegung, erklärte, die Partei beab­sichtige, vom Marxismus $ u m Staats- fozialiSmu « als Grundprinzip überzugehen. Die Partei sei zu der Ansicht gekommen, daß die Weltlage vorläufig eine "Verwirklichung deS mar­xistischen Internationalismus unmöglich mache. Den unmittelbaren Anstoh zu der Umftcllung des Parteiprogramms hab« Die Mandfchurei- frage gegeben. Die Partei hab« daS Manschurei­problem bisher stets als einen Teil der i m - perialistischcn Bestrebungen des japanischen Reiches angesehen und es deshalb bekämpft, jetzt aber hob« sie erkannt, dah eS ein nativ- nal-wirtfchaftlicheS Problem fei und als solche« i m R a h m e n deS ftaatSsozlali- stischen Problem« gelöst werden müsse.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Dr. Brüning, der am SamStag von seinem kurzen Erholungsurlaub nach Berlin zurückkehren wird, ball sich seit zwei Sagen im Hotel .Margaretenhof" im Siebengebirge auf. Auch während seines kurzen Urlaubs hat der Kanzler verschiedene Besprechungen geführt, so mit dem Oberpräsidenten Der Rheinprovinz, Dr. FuchS, dem westdeutschen Industriellen Springorum und dem Amsterdamer Finanz- mann Dr. B r o e l.

Der italienische Außenminister D r a n d i, bet am Sonntag in Berlin eintreffen wird, wird vor­aussichtlich an Montag vom Reich-Präsi­denten empfangen werden. Der Reichs­kanzler wird am Sonntagabend zu Ehren de« italienischen GasteS ein Festbankeit veranstalten. Am Montagabend ist ein Empfang in der italieni­schen Botschaft vorgesehen.

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Der Preußische Landtag lehnte Den deutschnationalen und den kommunistischen M i h - trauenSantrag gegen da« Kabinett "Staun in namentlicher Abstimmung mit 225 Stimmen der Regierungsparteien gegen 195 Stimmen der Opposition ab.

Der Bayerische Landtag lehnte die An­träge der Deutschnationalen, der Nationalsozia­listen und Kommunisten auf Auflösung bc« Landtages endgültig ab Dagegen wurde mit verfassungsmäßiger Mehrheit die Ausschei­dung der 15 Landesabgeordneten be­schlossen. deren Wahl nach Dem StaatSgerichtS- hofSurteil auf Grund ungültiger Be­stimmungen deS Land«Swah!gesctzeS erfolgt war. Die Nationalsozialisten und Deutschnatio­nalen werden gegen diese Beschlüsse Anfech­tungsklage beim StaatSgerichtshvf einreichen, weil nach ihrer Auffassung der Landtag mit 113 Mit- gl ed ern nicht mehr der Verfassung entspricht. Die ausdrücklich bestimmt, dah der Landtag au« 128 Mitgliedern besteht.

Am 25. Oktober findet In D a r m ft a b t ein Reich». Parteitag ber Dolksrechtpartei statt. Die Verhandlun- Sen werben sich vor allem mit ber Hauszlnssteuer.

age und ber Notverorbnungspolitik befaßen Der leichsporteloorfitzenbe. Landtagsobg. A Käufer (Stuttgart), wirb bas Hauplreferal überDie Stel­lung ber Dolksrechtpartei zur politischen Lage und zu den politischen lagesfragen" erstatten Dem Reichsparteitag geht eine Sitzung be» inneren Reich». Vorstandes voraus.

Di« Lohnverhandlungen zwischen ber ReichSbahnbauptverwaltung unb den am ReichSbahnlohnvertrag beteiligten Gewerk­schaften haben nicht zu einer Einigung geführt. Die ReichSbahnhauptverwaltung wird nunmehr ben ReichSarbe t-minister um die Einleitung eine« Schlichtungsverfahren« ersuchen.

Aus aller Welt

Der Lübecker Tuberkulose-Prozeß.

Im Calmette-Prozeß wurde von dem Verteidiger Pros. Dr. Deycke» ein Antrag eingebracht, einen Mediziner als Zeugen zu laden, um ibn über einen in Bulgarien im Jahre 1927 bei der fßerfütterung von Colmette-Pröparaten oorge­kommenen Fe hl schlag zu vernehmen. Deycke erhielt in diesen lagen einen Brief von einem Dr. med. Sliwenski. in dem dieser ihm von einem bisher nicht in der Oeffentlichkeit bekanntge­wordenen dalmetteunglurf In Pernik in Bulgarien Mitteilung macht. Dr. Sllwenskl schreibt, daß vom Mai 1927 bis Oktober 1929 dort etwa 250 Kinder mit BCG gefüttert worden seien, von denen über 90 gestorben seien Er habe bisher mit Rücksicht auf feine Familie über dieses Unglück geschwiegen, da er für seine Entlas­sung befürchtet habe Der Verteidiger Des Ober- medizinalrate» A 11 st a d t beantragte darauf, auch Sachverständige aus Upsala und Posen zu vernehmen, die bekunden sollen, dah In Schweden und Posen umfangreiche Fütterungen mit dem dal- mette-Mittel erfolgt seien, ohne daß schädi­gende Wirkungen beobachtet wurden, unb ohne daß man eine ständige Nachkontrolle für erforderlich hielt. Rechtsanwalt Dr Hoffmann stellte ferner den Antrag, Pros. Calmette al» Zeugen zu laben. Er soll sich äußern bazu, daß bi» zum l.Iuli 1931 in Frankreich 357 000 Kinder mit BCG. gefüttert worden seien, und daß man in Frankreich eine ständige Nachkontrolle nicht für notwendig hielt Darauf erklärte Rechtsanwalt Dr. Frey, die ganze Angelegenheit werde auf ein Nebengleis geschoben: denn es handele sich weder um da» Calmette Mittel selbst, noch um seine Güte, sondern es sei die Frage zu klären, ob diejenigen Vorsichtsmahnah- men, die man an anderen Orten traf, und bie Maßnahmen, die Calmette selbst vorschrieb und an- wandte, auch in Lübeck getroffen wurden. Die Frage sei- Wer ist verantwortlich dafür, dah da» nicht geschah!?

Schwere» Gasunglück bei den Bayerischen Stickstoffwerken.

In Trostber (Oberbayern) wurde bei Den Baye­rischen Stickstofswerken ein Fabrikarbeiter. Der un­bedacht in einen eisernen Kalkbunker stieg, von den darin befindlichen Gasen be­täubt, ebenso ein nachfolgender M ei st e r und ein weiterer Arbeiter. Die mit Sauerstoff­apparaten arbeitenden Rettungsmannschaften konnten wohl die drei sofort an Die Luft bringen. Doch waren alle Wiederbelebungsver­suche erfolglos. Siner der Getöteten hinter­läßt eine Witwe mit vier Kindern.

Da» eigene Kind ja Tod« geprügelt

Das Schwurgericht beim Berliner Landgericht I verurteilte die 26jährige Ehefrau Schäfflein we­gen Körperverletzung mit TodeSerfolg z u neun Monaten Gefängnis. Die Frau wurd« beschuldigt, ihre zweijährige Tochter zu Tode mißhandelt zu haben. Der ärztliche Befund ergab Schädelverlehungen und schwere Ver­letzungen an Den Weichteilen, bie auf harte Prü­gel zurückzulühren waren. Die Mutter behauptete, daß ba« Kind lungenkrank gewesen fei unb sie durch ständiges Husten belästigt hab«. Sie will ihm jedoch nur einige leichte Schläge versetzt haben, um daS Kind zur Ruh« zu brin­gen. Der Staat«anwai^ hatte ein Jahr Gefäng­nis beantragt

Da»wachsende flau»". Ein Wettbewerb für deutsch« Architekten.

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für bas .Wachsen!)« Haus"' anläßlich der vom 14. Mai bi« 7. August 1932 in Berlin stattfinden­den Ausstellung .Sonne, Luft und Hau« für Alle" ist soeben durch da« Verkehrsamt der Stadt Berlin ausgeschrieben worben Da« .Wachsende Hau«" ist ein vorstädtisches Garten- b<iu6, an da« je nach Bedarf und Vermögen de« Besitzer« andere Wohneinheiten anwachsen kön­nen. SS soll den Bedarf, der zwischen einer Wohnlaube und dem Einfamilienhaus liegt decken und in bezug auf bie Preisgestaltung wie Zah- lungsbebingungen Der tats ächlichen Kauf­kraft breitet BevölkcrunaSschichten entsprechen. An Preisen sind Insgesamt 8500 Mark ausgesetzt